Vergleich zwischen direktradio- graphischer Vergrerung und Mammographietechnik im Nachweis ossrer Vernderungen des Handskeletts beim Hyperparathyreoidismus

  • Published on
    18-Mar-2017

  • View
    214

  • Download
    1

Transcript

  • Die Technik der Vergroerungsauf-nahmen durch Erhohung des Ob-jekt-Film-Abstandes ist seit langembekannt. Sie besa allerdings bis heu-te die Beschrankung, da mit den ge-brauchlichen Brennfleckgroen kei-ne wesentliche Steigerung des Auf-losungsvermogens erreicht werdenkonnte [10]. Zudem benotigte dieVergroerungsradiographie mit denkonventionellen Film-Folien-Syste-men eine langere Expositionszeit,die haufig zu einer Bewegungsun-scharfe fuhrt.

    Erst durch die Entwicklung vonGeraten fur die klinische Routine-diagnostik, die eine um den Fak-tor 10 kleinere Fokusgroe besitzen,kann gemeinsam mit dem Einsatzhochverstarkender Film-Folien-Sy-steme eine Auflosung erreicht wer-den, deren theoretische Grenze bei100 Lp/mm liegt [9]. Eine Kombina-tion der Vergroerungsradiographiemit der digitalen Lumineszenzradio-graphie (DLR) erlaubt es zudemnoch, die bei einem konventionellenFilm-Folien-System erforderliche Er-hohung der Expositionsdosis auf einMa zuruckzufuhren, die ungefahr

    der 1 : 1-Abbildung entspricht. Hier-bei kann die von den digitalen Auf-nahmen her bekannte verminderteOrtsauflosung durch den Vergroe-rungsfaktor mehr als kompensiertwerden [11].

    Ziel dieser Studie war es, anhanddes Krankheitsbildes des Hyperpara-thyreoidismus (HPT) im Rahmen ei-ner Interobserverstudie am Hand-skelett die theoretischen Vorteileder direktradiographischen Vergro-erung in einem Vergleich mit dersog. Mammographietechnik als der-zeitiger Referenzmethode zu prufen.

    Material und Methode

    60 Patienten mit dem Verdacht eines prima-ren (5), sekundaren oder tertiaren (zusam-men 55) HPT wurden untersucht, wobei dieletztgenannten beiden Gruppen ausnahms-los nierentransplantierte Patienten waren.Die Vergroerungsaufnahme erfolgte als er-ganzende Zielaufnahme. Bei 30 Patientenvon ihnen befand sich der Parathormonwertim Bereich der Norm, bei den anderen 30war er erhoht. Diese beiden Patientengrup-pen wurden miteinander verglichen. Die se-rologische Bestimmung des Parathormons(PTH) erfolgte bei allen Patienten maximal7 Tage vor der Rontgenuntersuchung durchRadioimmunoassays. Ein Intact-PTH zwi-schen 9 und 62 pg/ml gilt als Normalwert.30 Patienten hatten ein Intact-PTH unter60 pg/ml und 30 weitere Patienten ein In-takt PTH von uber 90 pg/ml.

    834

    Zusammenfassung

    Ziel: Vergleich der direktradiogra-phischen Vergroerung mit derMammographietechnik am Hand-skelett beim HPT im Rahmen einerInterobserverstudie

    Methode: 60 Patienten mit demVerdacht eines primaren (5), se-kundaren oder tertiaren (zusam-men 55) Hyperparathyreoidismus(HPT) wurden untersucht. Vonbeiden Handen wurde je eineRontgenaufnahme sowohl inMammographietechnik mit einemkonventionellen S-12,5-Film-Fo-lien-System als auch mit Hilfe derdirektradiographischen Vergroe-rung in einer Ebene angefertigt.Als Mikrofokus wurde ein 40-bzw. 60-mm-Brennfleck, als Abbil-dungssystem die digitale Lumines-zenzradiographie (S600/1200) beieiner 6- oder 8 fachen Vergroe-rung verwandt. Auf den 240 Ront-genaufnahmen wurden von 5 Un-tersuchern im Rahmen einer Inter-observerstudie subperiostale, intra-kortikale und endostale Resorptio-nen mit Hilfe einer 5-stufigen Be-wertungsskala bestimmt.

    Ergebnisse: Es fand sich eine signi-fikant hohere Nachweisrate(p < 0,05) der subperiostalen undintrakortikalen Resorption durchdie direktradiographische Vergro-erung, keine signifikante Verbes-serung bei endostalen Resorptio-nen. Durch die Vergroerungstech-nik war in 24 % der Patienten dieDiagnose eines HPT moglich, diemit der Mammographietechniknicht gestellt wurde. Zudem ver-kurzte sich die Zeit, in derdie subperiostalen und intrakor-tikalen Resorptionen erkannt(4 %/15 %) und die Diagnosegefunden wurde ( 10 %).

    Schlusselworter

    Vergroerungsradiographie Di-rektradiographische Vergroe-rung Mikrofokus Hyperpara-thyreoidismus Kortikale Kno-chenresorption

    Radiologe (1996) 36: 834839 Springer-Verlag 1996

    Vergleich zwischen direktradio-graphischer Vergroerung undMammographietechnik imNachweis ossarer Veranderungendes Handskeletts beimHyperparathyreoidismus

    H. Muller-Miny1, T.Link2, I.Braun-Anhalt3, K.-H.Dietl3 und P.E.Peters21 Radiologische Klinik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitat Bonn2 Institut fur Klinische Radiologie, Westfalische Wilhelms-UniversitatMunster3 Klinik und Poliklinik fur Chirurgie, Westfalische Wilhelms-UniversitatMunster

    Dr. H. Muller-Miny, Radiologische Klinik,Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitat,Sigmund-Freud-Strae 25, D-53127 Bonn

    F R E I E T H E M E N

  • Jeder Patient erhielt von beiden Handeneine Rontgenaufnahme im dorsovolarenStrahlengang mit einem feinzeichnendenFilm-Folien-System (S12,5). Als Film-Fo-lien-System kamen einseitig beschichteteFilme mit einer Folie zum Einsatz. Bei ei-nem Film-Fokus-Abstand von 110 cm wur-de eine Abbildung ohne Objektvergroe-rung auf der Rontgenaufnahme erzielt. Fallsdie Werte nicht konstitutionsbedingt veran-dert werden muten, wurden als Aufnahme-parameter 44 kV und 16 mAs gewahlt. Eineweitere Rontgenaufnahme jeder Hand wur-de bei allen Patienten mit der direktradio-graphischen Vergroerung (Direct Mag-nification Radiographie, DIMA, Fa. Feinfo-cus, Garbsen) und einem Brennfleck von 40bzw. 60 mm mit 6- oder 8 facher Vergroe-rung durchgefuhrt. Bei der Belichtungsau-tomatik wurden jeweils 55 KV vorgewahlt.Mit dieser Technik wurde der 2. und3. Strahl jeder Hand vollstandig dargestellt.Als Abbildungsmedium diente die digitale

    Lumineszenzradiographie (DLR), ihreEmpfindlichkeit war auf S600 bzw. S1200eingestellt. Das Ausleseverfahren derDLR-Speicherfolienkassetten erfolgte stan-dardisiert. Eine Halfte beider Patientenkol-lektive erhielt sowohl eine der konventio-nellen Rontgenaufnahme angepate Aus-tastung als auch eine hochpagefilterte Auf-nahme, die zweite Halfte nur eine hochpa-gefilterte Aufnahme.

    Im Rahmen einer Interobserverstudiewurden durch 5 in der Skelettdiagnostik er-fahrene Radiologen ossare Veranderungenan den anonymisierten 240 Rontgenaufnah-men bewertet: eine subperiostale Resorp-tion an 6 Lokalisationen (radiale und ulnareMittelphalanx, Processus unguicularis je-weils DII und III), die intrakortikale Re-sorption an 4 Stellen (radiale und ulnareMittelphalanx DII und III) und die endosta-le Resorption an der Mittelphalanx DIIoder III. Es sollte hierbei gleichzeitig diediagnostische Sicherheit bestimmt werden.

    Auf einer Bewertungsskala von sicher nor-mal (= 1) bis sicher pathologisch (= 5) uberfraglich normal (= 2), unklar normal/patho-logisch (= 3) und fraglich pathologisch(= 4) muten sich die Beurteiler festlegen.Nach der Bewertung der Einzelkriterienwurde die Diagnosesicherheit eines HPTebenfalls auf der funfteiligen Bewertungs-skala benannt.

    Waren bei einem Patienten sowohl einekonventionelle wie auch eine hochpagefil-terte digitale Aufnahme angefertigt worden,so wurde erfat, welche von beiden denhochsten Informationsgehalt besa. Zusatz-lich wurde bei der direkten Eingabe derAntworten durch eine Hilfsperson in einenPersonalcomputer (PC) automatisch be-stimmt, wieviel Zeit zur Beurteilung dereinzelnen Kriterien notwendig war. Es er-folgte eine Berechnung der Signifikanz zwi-schen der sog. Mammographietechnik undder direktradiographischen Vergroerungmit Hilfe des t-Tests nach Student.

    Ergebnisse

    Auf Grund von 7 200 Einzelbewer-tungen bestand zwischen der Mam-mographietechnik und der direktra-diographischen Vergroerung einstatistisch signifikanter Unterschied(p < 0,05) im Nachweis der subperi-ostalen Resorption. Die verschiede-nen Lokalisationen, in der mit der di-rektradiographischen Vergroerungeine subperiostale Resorption festge-stellt wurde, gibt Abb. 1 wieder. Amhaufigsten fand sie sich an der radia-len Seite der Mittelphalanx des 2.und 3. Strahls (Abb. 2). Der Processusunguicularis (Abb. 3) und die ulnareSeite der Mittelphalanx des 3. Strahlswaren seltener als der 2. Strahl patho-logisch verandert.

    Die Beurteilung unklar normal/pathologisch und fraglich patholo-gisch oder normal trat mit der Ver-groerungsradiographie seltener auf,entsprechend war die Entscheidungsicher normal und sicher patholo-gisch mit der direktradiographischenVergroerung haufiger (Tabelle 1).

    Auch in den 4 800 Einzelbewer-tungen der intrakortikalen Resorp-tion zeigte sich eine Signifikanz(p < 0,05) zwischen beiden Unter-suchungsmodalitaten. Durch die di-rektradiographische Vergroerungkam es zu einem 13 %igen Anstiegin der Bewertung fraglich oder sicherpathologisch, hingegen wurde selte-ner ein fraglich oder sicher normaler

    835

    Radiologe (1996) 36: 834839 Springer-Verlag 1996

    Comparison of direct magnification radiography andmammographic film-screen systems in the detection ofsubperiosteal, intracortical and endosteal bone resorption

    H. Muller-Miny, T.Link, I.Braun-Anhalt, K.-H.Dietl and P.E.Peters

    Summary

    Purpose: To compare direct magni-fication radiography and mammo-graphic film-screen systems in os-seous changes of the hand in hyper-parathyroidism.

    Materials and methods: The handsof 60 patients who were suspectedto have primary (5), secondary ortertiary (both 55) hyperparathy-roidism were evaluated with directmagnification radiography and amammographic film-screen system(S12.5). Posterior-anterior views ofeach hand were obtained withboth techniques. The magnificationradiographs were made with a fo-cal spot size of 40 or 60 mm, digitalluminescence radiography (S600/1200), and a 6 or 8 magnification.The 240 films were evaluated forsubperiosteal, intracortical and en-dosteal resorptive changes by fiveradiologists using a grading ac-

    cording to five levels of confiden-ce.

    Results: A significant improvement(p < 0.05) in the diagnosis of peri-osteal and intracortical bone re-sorption was shown, but no signifi-cant changes in endosteal resorp-tion with direct magnification radi-ography. As compared to mammo-graphic film-screen systems, magni-fication radiography improved thediagnostic accuracy (24%). Thetime needed for the evaluation ofperiosteal and intracortical bone re-sorption was shortened with directmagnification radiography (4 %/15 %), and the time for giving thediagnosis decreased (10 %).

    Key words

    Magnification radiography Di-rect magnification radiography Microfocus Hyperparathyroidism Cortical bone resorption

  • Zustand in der Einschatzung der in-trakortikalen Resorption angegeben(Tabelle 1, Abb. 4).

    Die endostale Resorption wurdedurch 1 200 Einzelbewertungen be-stimmt (Abb. 5), es zeigte sich keinstatistisch signifikanter Unterschiedbeider Verfahren. Der maximale An-stieg in der Bewertungsskala durchdie Vergroerungstechnik lag bei3 %.

    In der Interobserveranalyse zeigtesich im Durchschnittswert mit der di-rektradiographischen Vergroerungeine signifikant (p < 0,05) hohereBewertung der subperiostalen undder intrakortikalen Resorption, nichtaber der endostalen Resorption.Auch die individuelle Benotung wiesbis auf den Beurteiler 1 bei der intra-kortikalen Resorption eine Steige-rung auf (Tabelle 2). Mit der Mam-

    mographietechnik wurde die Dia-gnose eines Hyperparathyreoidismusin durchschnittlich 58 %, mit Hilfeder direktradiographischen Vergro-erung in durchschnittlich 82 % derPatienten mit einem erhohtem Parat-hormonwert gestellt. Den hochstendiagnostischen Informationsgehaltfanden die Untersuchunger bei derDLR in 9 % der konventionellenund in 91 % der hochpagefiltertenAustastung der Vergroerungsradio-graphie (150 Einzelbewertungen).

    Mit der direktradiographischenVergroerung verkurzte sich die Be-urteilungszeit bei der subperiostalenResorption um 4 %, der intrakortika-len Resorption um 15 % und in derDiagnosefindung um 10 % gegen-uber der nicht vergroerten Auf-nahme. Bei der Entscheidung, obeine endostale Resorption vorlag, be-stand kein zeitlicher Unterschiedzwischen Mammographie- und Ver-groerungstechnik.

    Diskussion

    Die Vergroerungsradiographie warin den letzten beiden Jahrzehntennur noch selten Gegenstand medizi-nischer Publikationen [10]. Als Ursa-che wird die nur geringe Aussageer-weiterung von bis 4 fachen direktra-diographischen Vergroerungen an-gesehen. Inzwischen ist die Entwick-lung der notwendigen Fokusgroefur den klinischen Einsatz gemein-sam mit der Einfuhrung empfindli-cherer Film-Folien-Kombinationenweiter fortgeschritten. Hierdurchwird eine starkere Vergroerung miteiner hoheren Auflosung und einerim Vergleich zur 1 : 1-Abbildung hau-fig nur wenig angehobenen Exposi-tionsdosis moglich.

    Fur den Vergleich der direktra-diographischen Vergroerung mitden ublichen Skelettaufnahmen er-schien uns das Krankheitsbild desHyperparathyreoidismus (HPT) be-sonders geeignet, da insgesamt 3 Ver-anderungen der Kortikalis beobach-tet werden konnen: die subperi-ostale, intrakortikale und endostaleResorption. Alle 3 Alterationen wer-den durch eine Erhohung des Parat-hormonspiegels verursacht, der zurFreisetzung von Kalzium aus dem

    836

    F R E I E T H E M E N

    Abb.1. Unterschiedliche Lokalisationen der subperiostalen Resorption in der direktradio-graphischen Vergroerung

    2 3

    Abb.2. Vergroerungsradiographie mit subperiostaler Resorption der radialen Mittelpha-lanx DII und III (Pfeile)

    Abb.3. Vergroerungsradiographie mit subperiostaler Resorption des Prozessus unguiku-laris DII und DIII (Pfeilspitzen)

  • Knochen fuhrt. Die Rontgenauf-nahme der Hand vermag fruhe Ver-anderungen des HPT am Skelett dar-zustellen, ihre Bedeutung ist jedochdurch die inzwischen sehr genaue la-borchemische Bestimmung des di-rekten PTH und zusatzlicher serolo-gischer Parameter fur die Diagnoseeines HPT in den Hintergrund ge-drangt worden. Wird jedoch eineTherapie des HPT angestrebt, so istmit der Rontgenaufnahme der Handeine unmittelbare Verlaufsbeurtei-lung am Wirkungsort der Osteokla-sten moglich.

    Allein die subperiostale Resorp-tion der Kortikalis gilt fur den HPTals pathognomisch, zumindest wennsie an mehreren Stellen gleichzeitignachweisbar ist [5]. Fokale subperi-ostale Resorptionen sind differential-diagnostisch bei inflammatorischenErkrankungen und bei einer Tumor-infiltration zu erwarten. Bereits 1951wurden die Phalangen und hier ins-besondere die Mittelphalanx als Pra-dilektionsort der subperiostalen Re-sorption bei Patienten mit einem pri-marem HPT und einer Osteodystro-phie beschrieben [8]. Andere haufigeManifestationsorte sind die Rippen,die Lamina dura der Molaren, dieproximale mediale Tibia, Humerusund Femur [10].

    Die in unserem Krankengut fest-gestellte Haufung an der radialenSeite der Mittelphalanx stimmt mitden Literaturmitteilungen uberein.Allerdings wird in einigen Veroffent-lichungen [13, 14] auch der Processusunguicularis als fruhester Ort osteo-dystropher Veranderungen bei dialy-sierten Patienten genannt. Ein Autorklassifizierte die Resorption der Kor-tikalis an den Tuberositates phalan-ges distales noch weiter in exo-, intra-und endomarginale Resorptionen,ohne da er dabei die Haufigkeitender Fruh- und Minimalform desHPT nannte [2]. Diesen Manifestati-onsort fanden wir in unserem Kran-kengut nur am zweithaufigsten. Wei-tere seltene Lokalisationen vonFruhformen des HPT sind sub-ligamentare Resorptionen an Seiten-bandern, Gelenkkapseln oder fibro-ostotischen Hockern und Leisten derFinger [3]. Die Ursache einer korti-kalen Resorption der Tuberositateskann in wenigen Fallen auch in derAuflosung von periostalen Verkal-kungen liegen [1].

    In unserem Patientenkollektiv mitden 7 200 Urteilen zur subperiostalenResorption stellte sich eine um 12 %hohere Nachweisrate fraglich und si-cher pathologischer Veranderungenheraus. In der uns vorliegenden Lite-ratur wurden Einzelkriterien fur denVergleich der Vergroerungsradio-graphie mit der Standardtechniknicht erarbeitet, so da wir unsere

    Ergebnisse nicht in ihren Kontextsetzen konnen. Genant berichtet je-doch bei einer 3 fachen Vergroerungund einem 0,1-mm-Fokus bei 32 Pati-enten mit metabolischen Erkrankun-gen von einer nutzlichen Informationin 50 % der Falle, in 25 % von einerZusatzinformation, die auf der nichtvergroerten Aufnahme nicht darge-stellt war [4].

    Eine intrakortikale Knochenre-sorption oder die sog. Tunnelung derKortikalis ist Ausdruck eines sehrschnellen Knochenumbaus. Sie kannebenso bei der Hyperthyreose, derAkromegalie oder Erkrankungen,die zu einer starken Osteoporosefuhren, nachgewiesen werden. Trotz-dem wird sie beim HPT gehauft an-getroffen, in einer Studie mit 34 Pati-enten, die an einem primaren HPTerkrankt waren, wurde in 62 % eineintrakortikale Resorption nachge-wiesen [12]. Auch bei diesem Krite-rium fand sich in unserer Studie eineum 13 % hoherer Nachweis fraglichund sicher pathologischer Verande-rungen. Eine Pradilektionsstelle ul-nar oder radial am 2. und 3. Strahlkonnten wir nicht feststellen. EineAutorengruppe berichtet von einemfruheren Auftreten der intrakortika-len Resorption gegenuber der peri-ostalen Resorption unter ihren161 Patienten mit terminaler Nieren-insuffizienz [7]. Diesen Unterschiedfanden wir in unserem Patientenkol-lektiv weder bei der nicht vergroer-

    837

    a b

    Abb.5. a konventionelle Rontgenaufnahme, 3 fache optische Vergroerung; b Vergroe-rungsradiographie mit subperiostaler Resorption der radialen Mittelphalanx DII, III (Pfei-le) und des Processus unguicularis DII (offener Pfeil), endostale Resorption DII und III (ge-krummte Pfeile)Abb.4. Vergroerungsradiographie mit

    subperiostaler Resorption der radialen Mit-telphalanx DII und III (Pfeile), intrakorti-kale Resorption (Tunnelung) der ulnarenMittelphalanx DIII (offene Pfeile)

  • ten noch bei der direktradiogra-phischen Vergroerungsaufnahmen.Vielmehr traten beide Resorptions-arten in nahezu gleicher Haufigkeitauf.

    Die Bestimmung der endostalenResorption ist als schwierig und sehrsubjektiv einzuschatzen. Meema be-rechnete sie mit Hilfe einer auf einerVergroerungslinse angebrachtenZentimeterskala [7]. Er zog dabei inHohe der Diaphysenmitte der Mit-telphalanx den Durchmesser desMarkraumes vom Durchmesser dergesamten Diaphyse ab. Einen Wertunterhalb von 4,2 mm bezeichnete er

    als pathologisch und definierte ihnals endostale Resorption. Bei einersolchen Messung ist eine sehr groeinterindividuelle Streuung zu erwar-ten, da die Kortikalis nicht in derDiaphysenmitte, sondern in der Re-gel weiter distal am breitesten ist.Abgesehen davon kann die Begren-zung des Markraumes gerade aufden Mammographiefilmen nicht im-mer zweifelsfrei bestimmt werden.Wir verzichteten deshalb auf dieeine Genauigkeit suggerierendeMemethode und belieen es beider zu erwartenden Subjektivitat.Hierbei fanden wir keinen signifikan-

    ten Unterschied im Nachweis einerendostalen Resorption zwischen derMammographietechnik und der Ver-groerungsradiographie. Eine Zu-satzinformation ging von diesem Kri-terium gegenuber der periostalenund intrakortikalen Resorption nichtaus, da bei allen Patienten bereitsmindestens eine dieser beiden Re-sorptionen vorlag. Diese Koinzidenzwurde auch von anderen Autoren be-schrieben [6, 7].

    Mit Hilfe der Vergroerungsra-diographie wurde die Diagnose einesHPT bei 24 % der Patienten gestellt,die mit der Mammographietechnikals Referenzmethode als nicht er-krankt eingestuft worden waren. So-mit kann die Kortikalis insbesonderehinsichtlich der subperiostalen undintrakortikalen Resorption mit derdirektradiographischen Vergroe-rung sensitiver beurteilt werden. Ent-sprechend ist auch die Zeitverkur-zung zu werten, mit der sowohl dieDiagnose (10 %) wie auch die Ein-zelkriterien (4 %/15 %) beim Ein-satz der Vergroerungstechnik be-stimmt wurden.

    Der Einsatz der digitalen Lumi-neszenzradiographie erscheint aufden ersten Blick nicht sinnvoll, dasie mit den normalen Brennfleckgro-en eine den konventionellen Film-Folien-System unterlegene Ortsauf-losung besitzt. Doch wird bei einerhoheren Vergroerung das Auflo-sungsvermogen sehr viel starker vonder Fokusgroe als vom Abbildungs-medium bestimmt [15]. Die 5 Beur-teiler fanden in 91 % einen hoherenDiagnosewert durch die hochpage-

    838

    F R E I E T H E M E N

    Tabelle 2Einzelbewertung der 1 : 1-Aufnahmen und der direktradiographischen Vergroerungen

    Beurteiler Subperiostale Resorption Intrakortikale Resorption Endostale Resorption

    1 : 1 Direktrad. Vergr. 1 : 1 Direktrad. Vergr. 1 : 1 Direktrad. Vergr.

    1 3,41 3,44 2,95 2,95 2,99 3,042 3,01 3,25 2,20 2,53 3,18 3,193 3,59 4,12 2,31 2,76 3,43 3,464 3,48 3,89 2,13 2,46 3,22 3,245 2,08 2,35 2,96 3,29 3,13 3,47

    3,11 0,62 3,41 0,69 2,51 0,41 2,79 0,34 3,19 0,16 3,28 0,18

    Durchschnitt Standardabweichung

    Tabelle 1Haufigkeiten der unterschiedlichen Beurteilungen der subperiostalen,intrakortikalen und endostalen Resorption (%)

    1 : 1-Aufnahme Direktradio-graphischeVergroerung

    Subperiostale Resorption (n = 7200) Sicher normal 39 40 Fraglich normal 30 19 Unklar normal/pathologisch 13 11 Fraglich pathologisch 10 13 Sicher pathologisch 8 17Intrakortikale Resorption (n = 4800) Sicher normal 30 28 Fraglich normal 39 27 Unklar normal/pathologisch 11 12 Fraglich pathologisch 11 14 Sicher pathologisch 9 19Endostale Resorption (n = 1200) Sicher normal 22 21 Fraglich normal 31 24 Unklar normal/pathologisch 17 20 Fraglich pathologisch 14 17 Sicher pathologisch 16 18

  • filterte Ausspielung der digitalenRontgenaufnahmen. In ihr kamendie sonst eher kontrastarmen intra-kortikalen Strukturen noch deutli-cher zur Darstellung. Der Vorteilder sog. kantenangehobenen Aus-spielung wurde schon innerhalb derStudie evident, weshalb bei der zwei-ten Halfte der Patienten auf die kon-ventionelle Ausspielung verzichtetwurde.

    Schlubemerkung

    Die direktradiographische Vergroe-rung in Verbindung mit der DLRund einer mindestens 6-fachen Ver-groerung ist der konventionellenMammographietechnik in der Beur-teilung ossarer Strukturen und insbe-sondere der tangential getroffenenKortikalis am Handskelett uberle-gen. Die Vergroerungsradiographiemu sich wegen des begrenzten Film-formates auf einen Objektausschnittkonzentrieren, was bei Erkrankun-gen, die wie der HPT einen bestimm-ten Pradeliktionsort haben, keineSchwierigkeit bedeutet. Bei anderenLokalisationen sollte eine nicht ver-groerte Aufnahme in der Regel derdirektradiographischen Vergroe-rung vorausgehen. Das Handskelettund andere Gelenke mit geringem

    Knochen- und Weichteildurchmessererfordern nur eine kurze Exposi-tionsdauer bei der Belichtung derSpeicherkassette, wodurch eine Be-wegungsunscharfe praktisch nichtauftritt. Bei groen Knochen undGelenken sind allerdings der geringeObjektausschnitt und die Anfallig-keit gegen Bewegungsunscharfe alslimitierende Faktoren zu nennen.

    Die Autoren danken Frau Disput fur dieAnfertigung des Bildmaterials zu dieser Ar-beit.

    Literatur

    1. Fischer E (1984) Die Entstehung vonErosionen am Fingerskelett bei Auflo-sung periossarer Verkalkungen. FortschrRontgenstr 141: 8791

    2. Fischer E (1990) Fruh- und Minimalfor-men des Hyperparathyreoidismus amRand der Tuberositas phalangis distalisder Finger. Fortschr Rontgenstr 153:289295

    3. Fischer E (1984) Subligamentare Re-sorptionen als Fruhzeichen eines Hyper-parathyreoidismus. Fortschr Rontgenstr140: 704707

    4. Genant HK, Doi K, Mall JC, Sickles EA(1977) Direct radiographic magnifica-tion for skeletal radiology. Radiology123: 4755

    5. Hayes CW, Conway WF (1991) Hyper-parathyroidism. Radiol Clin North Am29: 8596

    6. Jensen PS (1976) Early radiographicmanifestations of secondary hyperpar-athyroidism associated with chronic re-nal disease. Radiology 125: 645652

    7. Meema HE, Oreopoulos DG, Meema S(1978) A roentgenologic study of corti-cal bone resorption in chronic renal fail-ure. Radiology 126: 6774

    8. Puhg DG (1951) Subperiosteal resorp-tion of bone. AJR 66: 577586

    9. Resnick D, Deftos LJ, Parthemore JG(1981) Renal osteodystrophy. AJR 136:711714

    10. Reuther G, Kronholz H-L, HuttenbrinkKB (1991) Entwicklung und Perspekti-ven der medizinischen Vergroerungs-radiographie. Radiologe 31: 403406

    11. Reuther G, Kronholz H-L (1991) Di-rektradiographische Vergroerung inKombination mit digitaler Radiographiefur die Skelettdiagnostik. Radiologe 31:424429

    12. Richardson ML, Pozzi-Mucelli RS, Kan-ter AS, Kolb FO, Ettinger B, Genant HK(1986) Bone mineral changes in primaryhyperparathyroidism. Skelet Radiol 15:8595

    13. Sundaram M, Philipp SR, WolversonMK, Riaz MA, Rao BJ (1980) Ungualtufts in the follow-up of patients onmaintenance hemodialysis. Skelet Ra-diol 5: 247249

    14. Sundaram M, Riaz MA, Sagar S (1979)Terminal phalangeal tufts: earliest siteof renal osteodystrophie findings in he-modialysis patients. AJR 133: 2529

    15. Stargardt A, Angerstein W (1975) Deroptimale Abbildungsmastab bei der di-rekten Rontgenvergroerung. FortschrRontgenstr 123: 7378

    Eingegangen am 24.August 1995Nach Uberarbeitung angenommenam 11.Dezember 1995

    839

  • 840

    BUCHBESPRECHUNGEN

Recommended

View more >