Über die Praktische Verwendung der Resistenzprüfung der Roten Blutkörperchen im Säuglingsalter

  • Published on
    12-Aug-2016

  • View
    212

  • Download
    0

Transcript

<ul><li><p>2.158 KL IN ISCHE WOCHENSCH </p><p>bed ingt bei der Untersuchung einer gr6Beren Anzahl yon Seren einen erhebl ichen Zei tverbrauch, der um so gr613er ist, je mehr Ext rakte verwendet werden. </p><p>In der serodiagnost ischen Abte i lung des ]3ehr ing- Inst i tutes wird die Or ig ina l - Inakt ivmethode mi t V ier te lmengen und 5 - -7 versch iedenart igen Ext rakten ausgefi ihrt. Mit Rfick- s i cht .au f Zeit- und Arbe i tsersparn is vere in fachten wir den Hauptversuch derart , dab wir zunXchst o,25 ccm 1/~ verdf innten Pat ientenserums in die R6hrchen einffi l lten und dann eine Mischung aus gleichen Teilen 5tach verdf innten Ext raktes und 1/x 0 verd f innten Komplementes herstel l ten, gut mischten rind o,5ccm dieser Ext rakt -Komplementmigchung in die entsprechenden R6hrchen einffil lten. ' Wi r haben nun mehrere hunder t Seren gleichzeitig in der f ibl ichen Weise und nach der vere in fachten Methode unter - sucht und fanden, dab die Zugabe der Ext rakt -Komplement - mischung zum Serum vor der get rennten Einff i l lung yon Ext rakt , Serum und Komplement mehrere Vortei le besitzt. Sie bedeutet erstens eine erhebl iche Zeit- und Arbeitserspar- n~s, ferner sind die Resu l tate genauer, da die P ipett ier fehler be im P ipet t ieren gr613erer Mengen ger inger sind, als wenn dieselben zweimal in k le inerer Dosis zugegeben werden. Um festzustel len, ob die vorher ige Mischung yon Ext rakt und Komplement ffir den Reakt ionsab lauf der Komplement - b indung yon Bedeutung ist, ffi l lten wir das Ext rakt -Komple - ment -Gemisch nach verschiedenen Zeiten dem Serum zu und fanden, dab es gleichgfilt ig ist, ob die Mischung io Minuten oder 1/2 i S tunde bei Z immertemperatur gehalten wird. Auf Grund unserer an e inem grogen Serummater ia l angestel l - ten vergleic l lenden Untersuchungen ff ihren wit den Haupt - versuch der WaR. jetzt stets so aus, dab wir erst nach Be- schickung der 1R6hrchen mi t Serum die erforderl iche Menge yon Ext rakt und Komi : lement mischen und das Gemisch </p><p>dann mSgl ichst bald den Seren zusetzen. Diese vereinfachte Methode hat sich uns sehr gut bew~hrt . (Aus dem Institut /i~r exper. Therapie ,,Emil yon Behring" Marburg-Lahn [ Leiter : Privatdozent Dr. H. Schmidt].) </p><p>0BER D IE PRAKT ISCHEVERWENDUNG DER RES ISTENZ- PRUFUNG DER ROTEN BLUTKORPERCHEN </p><p>IM SAUGL INGSALTER. </p><p>Von GYOZ6 PETR/~NYI. </p><p>Die Prf i fung der Resistenz (R.) der roten B lutk6rperchen bes i tzt n icht nur yore physiologischen, sondern auch vom diagnost ischen und prognost ischen Ges ichtspunkte aus ein [nteresse. DaB sie b isher keine gr6Bere Verbre i tung gefunden hat , daran tragen zwei Umst~nde Schuld. </p><p>I. Infolge der Verschiedenhei t der Methodik, insbesondere aber deren Bewertungsweise, sind die Ergebnisse der bisher igen Untersuchungen untere inander schwer zu vergleichen. </p><p>2. Es wurden yon der Mehrzahl der Autoren solche Fak- toren auBer Aeht gelassen, die die R an und ftir sich schon zu beeinf lussen imstande sind. </p><p>Ad i. Methoden ffir den kl in ischen Gebrauch mfissen ein- fach und kurz sein. Zu diesem Zwecke ist die Methodik HAMBURGERS nach geringer Modif iz ierung Aul3erst geeignet. Wir ver fuhren fo lgendermaBen: </p><p>2, 5 ccm Blut wurde mit o, 5 ccm isotonischer (I,6proz.) Oxalat- 16sung versetzt und davon je o,o 4 ccm zu r -- I ccm der verschiedenen hypotonischen Kochsalzl6sungen hinzugeffigt. Wir benfltzten immer io R6hrchen und zwar bei S~uglingen o,44-, o,42-, o,4o-, o,26proz. NaC1-L6sung. Die 1R6hrehen wurden geschfittelt, eine Viertelstunde stehen gelassen, dana ausgesehleudert. Der Grad der H~molyse wurde cotorimetrisch festgestellt. Dazu werden o,2 ccm Oxalatblut der zu untersuchenden Person in 5 ccm destilliertem Wasser gel6st. Dies entspricht einer H~molyse yon lOO%. Darauf wurden Verdfinnungen bereitet, die einer IO-, 2o-, 3o - . . . 9oproz. Hi~molyse entsprachen. Der Grad der HAmolyse ergab sich nun durch den Vergleich dieser L6sungen Init der Farbe der einzelnen R6hrchen der Series. </p><p>Wol len wir das Ergebnis einer R.-Prf i fung r icht ig be- werten, so mug eine entsprechende Ausdrucksweise gew~hlt </p><p>R I F T. 7. J A H R G A N G. N r. 45 4. NOVEMBER 1928 </p><p>werden, eine solche, welche die gauze Breite der R. dutch eine Ziffer auszudrf icken vermag. Es genfigt n~ml ich n icht nur die Grenzwerte zu best immen (minimale-maximale R.), sondern es muf3 die ganze ]3reite der R. festgestel l t werden, da die gr6t3ten Abweichungen nach unseren Er fahrungen eben in den Zwischenwerten zu f inden sind. </p><p>Zu diesem Zwecke haben wir die aus IO R6hrchen beste- hende Serie in 2 Teile geteilt. In den ersten 5 R6hrchen, wo die H~molyse eigentl ich beg innt und die Zellen yon min imaler R. zum Opfer fallen, ebenso wie auch in den zweiten 5 R6hr- chen, wo selbst die Zellen yon max imaler R. der HXmolyse unterl iegen, wird die Gr6Be der HAmolyse in Prozentsatz ausgedrfickt, summier t und auf diese Weise mi t je einer Ziffer bezeichnet. Die Gesamtres istenz der B lutk6rperchen des be- tref fenden Ind iv iduums kann also einfach mi t einer Bruchzahl ausgedrf ickt werden, wo der Z~hler die prozentuel le Summa- t ion der H~molyse der Zellen yon minimaler , der Nenner diejenigen der Zellen yon max imaler R. bedeutet . Die Gr6Be der H~molyse s teht in umgekehr tem Verh~ltnis zur R. der Zellen. (Siehe das Beispiel). </p><p>Wenn die Resistenz der roten Blutk6rperchen wdchst, so werden die Zi]]ern lcleiner (die H~molyse ist Ideiner), wenn sich die R. der roten Blutk6rperchen vermindert, so werden die Zif#rn gr6fler (die H~molyse w(~ehst). </p><p>Zum Beispiel : </p><p>In o,44proz. NaCI: o% H~mol. In o,34proz. NaCI: 74% H~mol. ,, o,42proz. ,, 8% ,, o,32proz. ,, 89% ,, </p><p>o,4oproz. ,, lO% ,, o,3oproz. ,, 96% ,, .. o,38proz. ,, 32% .. o,28proz. ,, 99% ,, .. o,36proz ., 70% .. o,26proz. ,, lOO% ,, </p><p>Min.R. I2O % Max.R 458 % </p><p>Die Resistenz der roten ]31utk6rperchen in diesem Falle ist also min imale R. 12o r458 max. R. in NaC1-L6sungen yon 0,44% 0,26% untersucht . </p><p>Ad 2. Wi t konnten bereits nachweisen (Biochem. Zeitschr. I86, H. 5/6), dab von den bei der Nahrungsaufnahme resor- b ierten N~.hrstoffen in erster Linie die Proteine und Fet te diejenigen sind, welche eine res istenzf6rdernde Wi rkung ausfiben. </p><p>Die Untersuehungen mi~ssen also immer au] ni~chternen Magen angestellt werden. Es muB aber auch der augenbl ickl iche K6rperzustand des zu untersuchenden Ind iv iduums berfick- s icht igt werden, da wie es aus unseren Untersuchungen hervor- ging, die Abmagerung immer mi t einer R.-Steigerung, die Gewichtszunahme dagegen mi t einer R . -Abnahme einhergeht, w~hrend im Gle ichgewichtszustande die R. unver~nder t bleibt. </p><p>Wi r m6chten unsere Resultate, die wir mi t Berf icksichti- gung der oben erw~hnten Ges ichtspunkte bei S~tuglingen bisher gewannen, folgend zusammenfassen: </p><p>I. Wi r k6nnen mi t Hilfe der Res is tenzbest immung die Resorpt ionszeit der einze]nen N~hrstoffe best immen. Zu Beginn der Resorpt ion erfolgt n~kmlich eine Steigerung der Resistenz. </p><p>2. Da die Resistenz nur AufschluB fiber solche Gewichts- schwankungen gibt, die durch Prote ine und Fet te bed ingt sind, k6nnen die durch Ansatz, oder Abgabe yon K6rperstof fen ents tandenen Gewichtsschwankungen yon denjenigen ab- gesondert werden, die dutch Wasserb indung, bzw. Wasser- abgabe hervorgerufen worden sind. </p><p>3. In teressante Angaben k6nnen wir mit te ls den Resistenz- prf i fungen fiber den Zustand der Kranken in den verschiedenen Stadien der Krankhe i t gewinnen : die R. ist im ersten Stad ium der Krankhe i t immer gr613er, als in der Zeit der Rekonvales- zenz. </p><p>4. Die R. der s tark heruntergekommenen, at rophischen S~uglinge ist auch absolut gr6Ber, als der Durchschn i t t swer t yon gesunden S~uglingen. </p><p>Wir wollen hier au f eine Schi lderung des Mechanismus der R. -Ver~nderung verz ichten und weisen nur auf unsere demn~chst erscheinende ausff ihrl iche Mit te i lung hin. Im voraus m6chten wir nur so viel bemerken, dab die R.- </p></li><li><p>4, NOVEMBER 1928 KL IN ISCHE WOCHENSCHRIFT . 7- JAHRGANG. Nr . 45 2159 </p><p>Steigerung, welche mi t der Nahrungsaufnahme bzw. mi t der R. -Pr f i fungen und auf jene M6gl ichkeiten h indeuten, die Anderung des K6rperzustandes e inhergeht, wahrschein l ich auf d iesem Gebiete noch unersch6pf t s ind; anderersei ts dutch eine Adsorpt ion der resorbierten, oder aus den Depots g lauben wir eine einfache, jedoeh eine gute IDbersicht ge- mobi l is ierten Fett - und Eiweil3k6rpern an die roten Blur- w~ihrende Ausdrucksar t der R . -Wer tbest immungen den mi t k6rperchen bedingt ist. dieser Frage sich befassenden Forschern vorsch lagen zu </p><p>Der Zweck dieser Zusammenfassung ist ein zweifacher; dfirfen. (Aus der Kinderklinilc der Kgl. Ungarischen Elisa- einerseits wollen wir auf die kl inische Verwendungsweise der beth-Universit(it in Pdcs [Direktor: Prof. Dr. Paul Helm.].) </p><p>KASUIST ISCHE MITTE ILUNG. </p><p>ZUR KLINIK DER AGRANULOCYTOSE. Yon </p><p>Pr ivatdozent Dr. M. NOTHMANN, Assistenzarzt der Medizinischen Universit~tsklinik Breslau </p><p>(Direktor: Prof. Dr. STEPP). </p><p>Seitdem W. SCHULTZ die Agranulocytose zum ersten Male als selbst~ndiges Krankheitsbild dargestellt hat, sind eine grol3e Anzahl yon Arbeiten ver6ffentlicht worden, die sich mit der Pathogenese nnd der Symptomatologie dieser Erkrankung beschAftigen. WEiss hat die bis zum Jahre i927 beschriebenen F~lle zusammengestellt. Seine tJbersicht umfal3t 35 kasuistische Beitr~ge, die aber bei SchArferer Kritik nicht alle dem Symptomenbilde der Agranulo- cytose zugerechnet werden k6nnen. Aus unserer Klinik haben L ICHT und HARTMANN und neuerdings STERN und HARTMANN f iber ]e einen Fall des neuartigen Krankheitsbildes berichtet. Wenn ich heute eine weitere Beobachtung mitteile, so liegt der Grund hierffir vor allen Dingen darin, dab die Lokalisation der sich bei unserem Falle im Rachen ausbildenden GangrAn eine besondere Seltenheit bedeutet. </p><p>Die 54j~hr. Pat., die in frt~heren Jahren angeblich zweimal an Gelenkrheumatismus gelitten hat, wurde der I(linik am 31. VII. ~928 wegen hohen Fiebers und geringgradiger Halsschmerzen fiber- wiesen. </p><p>Es handelt sich um eine mittelgroBe Frau in leidlichem Er- ntihrungszustand. Skleren nicht ikterisch, keine 0deme, keine Exantheme, keine Hautblutungen. Die Zflnge ist trocken und be- legt. Die Tonsillen sind leicht geschwollen,~die hintere Rachenwand Jst ger6tet, keine Beli~ge. Die Atmung ist etwas dyspnoisch. ~,ungen o. B. Herz: Aktion beschleunigt, sonst o. ]3. Blutdruek: lO 4 mm Hg. Abdomen welch, gut eindrfickbar. Leber und Milz nicht vergr6Bert. </p><p>Im Urin: Albumen positiv, Urobilin positiv, im Sediment ver- einzelte hyaline und granulierte Zylinder. </p><p>Temperatur: 40,2 ~ Therapie: Salicyl, Exzitantien. I VII I . 1928: Temperatur 38,8 ~ H~moglobin 73%, Erythro- </p><p>cyten 39o00o0, Leukocyten 17oo, Neutrophile 38%, Lymphocyten 6o%, Mononucl. 2%. Di.-Abstrich negativ. </p><p>Klinische Diagnose : Agranulocytose. 3. VIII. Die Temperatur ist normal. Die Tonsillen sind ab- </p><p>geschwollen, Leukocyten 14oo. 7. VIII. Leukocyten I7OO, Zustand scheillt erheblich gebessert. 9. VII I . Erneuter Temperaturanstieg auf 39,2 ~ io. VIII.. Temperatur 4o,I ~ H~imoglobin 7o%, Erythrocyten </p><p>4,i Mill., Thrombocyten 262000. io Uhr 45 Min. Leukocvten IIOO, Io Uhr 45 Min. I ccm Adrenalin: i i Uhr Leukocycen 17oo; i i Uhr 15 Min Leukocyten IlOO; 2 Uhr 1, 5 ecm Yatrell-Casein; 4 Uhr Leukocyten 8oo. </p><p>Im Ausstrich nur vereinzelte Leukoeyten. I I. VIII. Starke Sehmerzen im Raehell. Die Tonsillen sind frei, </p><p>ohne ]3el~ge. Die Uvula ist geschwollen, prall gespannt, btgulich ver- ]grbt, gl~inzend, vorgew61bt und hat etwa die Gr6fle einer Haselnufl, keine Bel~ige. Der Rachen ist vollst~illdig frei (s. Abb. I). </p><p>Bestrahlullg der langen R6hrenknochen : 5 % der HED. 4 Felder (nach FRIED~MANN). </p><p>Weil3e Blutk6tperchen ~ioo, darunter nur vereinzelte poly- nucleate Leukocyten. </p><p>12. VIII. Temperatur fiber 4 o~ Leukocyten iooo. Die Skleren sind leicht ikterisch, der Rachenbefund ist unver~n- </p><p>dert. </p><p>13. VIII. Temperatur 40,6 ~ 9 Uhr Anlegung eines sterilen Terpentillabscesses. </p><p>Rachenbefund: Tonsillen frei, Uvula unver~indert. Neben der Uvula schmierige ]3el~ige. </p><p>Bakteriologischer Befund (Prof. PRAUSNITZ, Dr. MEISSNER): Im Uvulaabstrich hiimolytische Streptokokken, Pneumokokken, </p><p>Abb. I. Gangr~in des Z~pfchens bei Agranulocytose. </p><p>vereinzelte Staphylokokken und geringe Gram-positive St~bchen, die nicht identifiziert wurden. </p><p>Im Blute: aerobe und anaerobe Streptokokken: ca. i Strepto- kokkus in 5 ccm Blut. </p><p>I Uhr ]31uttransfusioll yon 125 ccm Blut. 4 Uhr i ioo Leukocyten, darullter 4 % polynucle~re Leukoeyten. 9 Uhr 45 Mill. Exitus letalis. Sektion verboten. </p><p>Die unter hohem Fieber einsetzellde Erkrankullg, das fast voll- stltndige Fehlen der granulierten Zellen im Blut bei nur gering- gradiger sekund~rer An~imie, norrnaler PEittchenzahl und Fehlen irgendwelcher Zeichen einer hlimorrhagischen Diathese, der leichte Ikterus, die Gangr~n des Z~pfchens charakterisieren diesen Fall als Agranulocytose, wenn auch unsere Diagnose dutch die verbotene Sektion nicht erh~irtet werden konnte. </p><p>Die eigellartige Lokalisation der Gangriin, yon der lediglich die Uvula befallen war, und die Erfolglosigkeit unserer Versuche, durch Adrenalin, Yatren-Casein, R6ntgenbestrahlung, Anlegung eines Terpentinabscesses und Bluttransfusion eine Vermehrung der Granulocyten zu erzeugen, rechtfertigell seine Publikation, </p><p>L i te ra lu r : W, SCHULTZ, Dtsch, med. Wschr. 1922, Nr 44. -- W. SCHULTZ und L. JACOBOWITZ, Med. iKlin. 1925. Nr 44. -- J. WEISS, Wien. Arch. inn. Med. 1927 Nr 14. -- LICHT und HARTMANN. Dtsch. reed. Wschr. 1925, Nr 37. STERN und HARTMANN, Kiln. Wschr. 1928. Nr 26, </p></li></ul>

Recommended

View more >