Über den Stoffwechsel von 2.4.5-T und 2.4-D bei Ratten und Mäusen

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    10-Jul-2016

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Arch. Toxicol. 32, 217--225 (1974) 9 by Springer-Verlag 1974 tiber den Stoffwechsel von 2.4.5-T und 2.4-D bei Ratten und M~iusen* W. Grunow u n d Chr. BShme Bundesgesundheitsamt, Max-von-Pettenkofer-Institut, Abteilung Toxikologie Eingegangen am 2t. Mgrz 1974 Metabolism of 2.4.5-T and 2.4-D in Ra t s and Mice Abstract. Following oral administration of the herbicide 2.4.5-T to rats and mice, the unchanged acid was found to be the main excretion product in the urine. The conjugates with glycine and taurine, as well as 2.4.5-trichlorophenol, were identified as metabolites. In the urine of rats the conjugates of 2.4.5-T were excreted in nearly equal amounts, whereas in mice the quantity of the taurine conjugate was increased. In rats, biotransformation of 2.4-1) to the corresponding glycine and taurine conjugate was also detected. However, this herbicide showed a remarkably reduced tendency to be conjugated, as compared with 2.4.5-T. Keywords: 2.4.5-T -- 2.4-D -- Herbicides -- Urinary Excretion -- Metabolism. Zusammen/assung. Nach oraler Verabreichung des Herbicids 2.4.5-T an Ratten und M~use wurde im Ham hauptsgchlich die unveriinderte Substanz gefunden. Daneben konnten jedoch die Conjugate mit Glycin und Taurin sowic 2.4.5-Trichlor- phenol als Stoffwechselprodukte identifiziert werden. Wiihrend bei Ratten die beiden Conjugate des 2.4.5-T in etwa gleichen ~Iengen ausgeschieden wurden, war im Ham yon Mgusen der Anteil des Taurin-Conjugates erhSht. Auch nach Verab- reichung yon 2.4-D an Ratten wurden das entsprechende Glycin- und Taurin- Conjugat im Ham nachgewiesen. Im Vergleich zum 2.4.5-T zeigte dieses Herbicid jedoch eine deutlich geringere Tendenz zur Conjugathildung. Schli~sselw6rter: 2.4.5-T -- 2.4-D -- Herbicide -- Harnausscheidung -- Meta- bolismus. I n einer frfiheren Mit te i lung wurde fiber Un te r suehungen zur renalen Ausschcidung des Herbicids 2.4.5-T (2.4.5-Trichlorphenoxyessigs~ure) bei R a t t e n ber ichtet (Grunow et al., i971). Diese Versuehe h a t t e n er- geben, dab 2.4.5-T nieht nu r in freier Form, sondern in n icht unbet r~cht - licher Menge auch in Fo rm yon Conjugaten ausgeschieden wird, die durch saute Hydrolyse in 2.4.5-T gespalten werden. Eines dieser Derivate wurde als N-(2.4.5-Trichlorphenoxyacetyl)-glycin identifiziert. * Herrn Prof. Dr. Dr. reed. F. B~r zum 65. Geburtstag gewidmet. 218 W. Grunow und Chr. BShme Die Un te r suchungen wurden fortgesetzL wobei die Bemfihungen vor allem auf die Isol ierung weiterer Stoffwechselprodukte u n d ihre quant i - t a t ive Effassung gerichtet waren. I m Hinbl ick auf die teratogene Wir- kung yon 2.4.5-T, die besonders bei M~usen zu beobachten ist (vgl. u. a. Roll, 1971), wurden die Versuche auch auf diese Tierar t ausgedehnt . Zu Vergleichszwecken wurde auBerdem die renale Ausscheidung yon 2.4-D (2.4-Dichlorphenoxyessigs~ure) bei R a t t e n untersucht . Methodik Verabre~hte ~ubaanzen. 2.4.5-T (Schering AG, Reinheitsgrad 99,6 %, F. 153 bis 154 ~ 2.4-D (Schering AG, Reinheitsgrad 97,9 %, F. 136 bis 139 ~ Versuchstiere. Als Versuchstiere dienten m~nnliche Wistar-Ratten aus der zentralen Versuchstieranlage des Bundesgesundheitsamtes mit einem K6rper- gewicht yon 200 bis 250 g sowie weibliehe M~use yore Stature l~IRI /Han mit einem Durchschnittsgewicht yon 30 g. Ratten und M~iuse wurden einzeln in Stoffweehsel- kKfigen gehalten und erhielten Futter (Altromin R, Altromin GmbH, Lage/Lippe) und Trinkwasser ad libitum. Die Substanzen wurden in ErdnuBS1 mit der Schlund- sonde verabreicht. lsolierung vo~ N.(2.4.5-Trichlorphermxyacetyl)-tauri~ aus Ratten- und Md'use- har~. Der Ham yon zwei Ratten wurde nach Verabreichung yon 200 mg 2.4.5-T/kg K6rpergewicht fiber einen Zeitraum yon 3 Tagen aufgefangen, anschlieBend mit Salzs~are anges~uert und viermal mit dem gleichen Volumen EssigsRure~thylester extrahiert. Obwohl ein groBer Teil des polaren Taurin-Conjugates in der w~Brigen Phase verblieb, wurde zur Reinigung und Isolierung dieser Verbindung der Essig- s~ure~thylester-Extrakt verwendet. Der Eindampfrfickstand des Extraktes wurde in l0 ml 0,1 n Natronlauge gel6st und an DEAE-Sephadex A-25 (C1--Form) mit einem Salzs~uregradienten chromatographiert (S~ule: 2,5 x 96 cm; Gradient: Auto- grad der Firma Teehnicon, gefiillt je Kammer mit 330 ml SalzsRure der folgenden Konzentrationen: Kammer I 0,01 n, 2 0,02 n, 3 bis 5 0,05 n, 6 bis 7 0,1 n, 8 0,2 n und 9 0,5 ~, danach welter mit 0,5 n; Fraktionsvolumen 17,7 ml). Die Fraktionen 58 bis 66 enthielten N-(2.4.5-Trichlorphenoxyacetyl)-glycin. Aus den Fraktionen 82 bis 90 wurde unver~indertes 2.4.5-T erhalten und durch Schmelzpunkt (F. t50 bis 154~ Dfinnschichtchromatographie (Kieselgel PF~5 ~, FlieBmittel Chloro- form/~.thanol/EssigsRure 90:5: 5, R~-Wert 0,75) und IR-Spektrum identifiziert. Die Fraktionen 167 bis t74 enthielten 2.4.5-T in gebundener Form. Nach schonen- dem Eindampfen wurde yon dem kristallinen Rfickstand ein IR-Spektrum auf- genommen. Absorptionsbanden bei 1666 und 1535 cm -x zeigten eine S~iureamid- bindung an, wEhrend eine breite Absorption bei 1170 bis 1250 cm -x und eine Bande bei 1040 cm -1 auf elne Sulfons~ure hindeuteten. Zur weiteren Strukturaufkl~rung wurde der isolierte Metabolit mit SalzsRure hydrolysiert und die hydrolysierte L6sung mit Essigs~ure~thylester extrahiert. In der w~iBrigen Phase konnte durch Diinnschichtchromatographie an Cellulose (FlieBmittel n-Butanol/Aceton/DiRthyl- amin/Wasser 30:30:6:t5, RF-Wert 0,32) und durch das IR-Spektrum Taurin nach- gewiesen werden. Durch Vergleich mit synthetischem Material wurde der Metabolit endgfiltig als N-(2.4.5-Trichlorphenoxyacetyl)-taurin identifiziert. Auf ~hnliche Weise wurde dieses Conjugat auch aus dem Ham yon zehn weib- lichen M~usen isoliert, denen eine Dosis yon 200 nag 2.4.5-T]kg K6rpergewieht verabreicht worden war. In diesem Fall wurde die Struktur zusEtzlich durch das Massenspektrum des Methylesters (M: m]e 375) best~tigt. ~ber den Stoffweehsel yon 2.4.5-T und 2.4-D bei Ratten und M~usen 219 Isolierung yon N.(2.4.Dichlorphenoxyacetyl)-glycin und -taurin aus Rattenharn. Nach Verabreiehung yon 200 mg 2.4-D]kg KSrpergewicht an Ratten wurde der fiber einen Zeitraum yon 3 Tagen gesammelte Ham in der vorstehend beschriebenen Weise aufgearbeitet. Die durch siiulenehromategraphische Trennung an DEAE- Sephadex A-25 (Cl--Form) unter den obengenannten Bedingungen erhaltenen Fraktionen 51 bis 60 enthielten N-(2.4-Dichlorphenoxyacetyl)-glycin, das nach diinn- schichtehromategraphischer Reinigung (Kieselgel PF~54, Fliel]mittel Chloroform/ Athanol/Essigs~ure 90: 5: 5, R F-Weft 0,58) dutch IR-Spektrum, Massenspektrum des Methylesters (M: m/e291) und den Vergleich mit synthetisch gewonnener Substanz identifiziert wurde. =&us den Fraktionen 68 his 81 wurde unver~ndertes 2.4-D isoliert und dutch Sehmelzpunkt (F. t36 bis 139 ~ und IR-Spektrum identi- fiziert. In den Fraktionen 140 bis 147 wurde N-(2.4-Diehlorphenoxyacetyl)-taurin gefunden. Die Identifizierung gelang dureh Vergleieh des IR-Spektrums mit dem yon synthetiseh hergestelltem Material sowie durch Naehweis des naeh Hydrolyse freigesetzten 2.4-D. Bestimmung yon 2.4.5-T und 2.4-D in Ha m und Kot. Zur getrennten Erfassung der freien, unver~ndert ausgeschiedenen S~iuren und ihrer Conjugate wurden die Harnproben analog dem obengenannten Verfahren an DEAE-Sephadex A-25 (Cl--Form) aufgetrennt. Die entsprechenden Fraktionen warden direkt oder nach tIydrolyse mit Essigs~ure~thylester extrahiert und in den Extrakten 2.4.5-T und 2.4-D nach der frfiher beschriebenen Methode (Grunow et al., 1971) gaschromato- graphiseh bestimmt. Im Unterschied zum 2.4.5-T wurde fiir die Bestimmung yon 2.4-D eine S~ulentemperatur yon 190 ~ gew~hlt und 2.4.5-T als innerer Standard verwendet. Fiir die Bestimmtmg yon 2.4.5-T im Kot war ebenfalls eine Vorreinigung der Extrakte erforderlich. Dazu wurden die Kotproben zerrieben, nach Ans~uern mit 2 n Salzs~ure und Zusatz yon 2.4-]) als innerem Standard zweimal mit Jkthanol extrahiert, die alkoholisehen Extrakte eingedampft, die Rfickst~nde mit 0,1 n ~Tatronlauge aufgenommen und an DEAE-Sephadex A-25 (Cl--Form) chromato- graphiert. Zur Bestimmung nach Hydrolyse wurde der Riickstand des alkoholischen Kotextraktes mit halbkonzentrierter Salzs~ure I Std im siedenden Wasserbad er- hitzt. JBestimmung und Identifizierung yon 2.4.5-Trichlorphenol in Ratten. und Mduse- ham. Gleiche Mengen Ham und 12 n Schwefels~ure wurden nach Zugabe yon 2.3.4-Trichlorphenol als innerem Standard 1 Std am l~iickflul3 im siedenden Wasser- bad erhitzt. Anschliei~end wurde das erhaltene Hydrolysat mit Wasserdampf destilliert, das Destillat mit Essigs~ure~ithylester extrahiert, der Extrakt mit Natriumsulfat getrocknet, bei Raumtemperatur im Vakuum vorsiehtig eingedampft und der Rfickstand mit Tri-Sil (Pierce Chemical Comp., Rockford, Ill.) silyliert. Die gaschromatographische Bestimmung erfolgte an einer 5' i/8"'-Stahls~ule mit 20 % SE-30 auf Chromosorb W 80/t00 mesh bei einer S~,ulentemperatur yon 165 ~ und einem Tr~gergasdurchflul3 yon 20 ml N~Jmin. Durch Vergleich der Retentions- zeit mit der yon authentischem 2.4.5-Trichlorphenyltrimethylsilyl~ther und durch Aufnahme des Massenspektrums (M: m/e 268) gelang die eindeutige Identifizierung (Gaschromategraph Varian 2740/lVIassenspektrometer MAT 311). Synthese von Vergleichssubstanzen N-(2.4.5-Trichlorphenoxyacetyl)-taurin. 10,2 g 2.4.5-T wurden mit 12 mlThionyl- chlorid I Std zum Sieden erhitzt. Der (~bersehuB anThionylchlorid wurde im Vakuum abdestilliert und der erstarrte Rfickstand aus n-Hept~n umkristallisiert. 5,5 g des so erhaltenen 2.4.5-Triehlorphenoxyaeetylchlorids wurden langsam unter Schiitteln 220 W. Grunow und Chr. B6hme in eine L5sung yon 2,5 g Taurin in 40 ml 1 n l~atronlauge eingetragen. Die L5sung ~urde filtriert, mit l n SalzsRure angesRuert, zweimal mit Essigs~ureRthylester extrahiert, die wRBrige Phase weitgehend eingedampft und das zur~ckbleibende Natriumsalz mehrfach aus 90%igem und absolutem Athanol um~stallisiert (F. 240 bis 245~ Analyse: berechnet ffir das Natriumsalz CxoHgCIsNNa05S 31,23 % C, 2,36 % H, 3,64 % N, 27,65 % C1; gefunden 31,27 % C, 2,27 % H, 3,60 % N, 27,94 % C1). N-(2.4-Dichlorphenozyacetyl)-glycin. 4,4g 2.4-D wurden mit 10 ml Thionyl- chlorid t Std zum Sieden erhitzt. Der Ubersehull an Thionylehlorid wurde im Vakuum abdestilliert und das als Riickstand erhaltene 2.4-Dichlorphenoxyacetyl- chlorid mit einer LSsung yon 1,5 g Glycin in 40 ml t n l~atronlauge krgftig ge- sehiittelt. Der beim Ans~uern ausgefallene Niederschlag wurde abgesaugt und aus Wasser und Essigsliure~thylester umkrisf~llisiert (F. 225 bis 230~ Analyse: berechnet fiir C10H~C12N04 43,19% C, 3,26% H, 5,04% N; gefunden 42,79 % C, 3,27 % H, 4,89 % N). N-(2.4-Dichlorphenvxyavetyl).taurin. Das aus 4,4 g 2.4-D und 10 ml Thionyl- chlorid wie vorstehend erhaltene 2.4-Dichlorphenoxyaeetylehlorid wurde mit einer L6sung yon 2,5 g Taurin in 50 ml 1 n Natronlauge kr~ftig geschiittelt. Die L6sung wurde filtriert, mit I n Salzs~ure anges~uert, eingedampft und das zurfickbleibende Natriumsalz mehrfach aus absolutem und 90%igem _~thanol umkristallisiert (F. 231 bis 233 ~ Analyse: berechnet fiir alas Natriumsalz, Hemihydrat Cx0HxaC12N'Na05.sS 33,44 % C, 3,07 % H, 3,90 % N, t9,74 % C1; gefunden 33,33 % C, 3,13% H, 4,00% N, 19,82% C1). Messung von pK-Werten. Die pK-Werte yon 2.4-D und 2.4.5-T wurden dutch potentiometrische Titration der l~atriumsalze mit 0,0t n Sehwefels~ure bestimmt (Albert u. Serjeant, 1962). Ergebnisse Nach oraler Verabreichung yon 2.4.5-T an Ratten wurde aus dem t tarn neben freiem, unver~ndertem 2.4.5-T und dem bereits friiher be- sehriebenen N-(2.4.5-Trichlorphenoxyacetyl)-glycin als weiterer Meta- bolit N-(2.4.5-TricMorphenoxyaeetyl)-taurin isoliert. Dieses Taurin- Conjugat kormte aueh im H a m yon M~usen identifiziert werden. Die naeh einer Dosis yon 50 mg/kg renal ausgesehiedenen Mengen des freien und als Glycin- und Taurin-Conjugat gebundenen 2.4.5-T wurden im vereinigten H a m yon i0 Wistar-Ratten gemessen. Die in Tabelle i wiedergegebenen Werte zeigen, dab die beiden Conjugate bei den untersuchten Ratten in etwa gleichen Mengen gebildet warden und ihr Gesamtanteil an der Ausscheidung 7% der verabreichten Dosis betrug. In frfiheren Versuchen war ein noeh hSherer Anteil an gebunde- nero 2.4.5-T beobachtet worden (Grunow et al., i97t). Auch im Kot der Tiere war neben unver/~ndertem 2.4.5-T eine geringe Menge in gebundener Form enthalten. In 3 Tagen betrug die Ausschei- dung an freiem 2.4.5-T im Kot 4,8 % der Dosis, w/~hrend in hydrolysierten Kotproben 6,4% gemessen wurden. Als Metabolit yon 2.4.5-T wurde im Rattenharn auBerdem 2.4.5- Trichlorphenol nachgewiesen und quantitativ erfal3t. Die renale Aus- scheidung in 4 Tagen betrug 2,3% der verabreichten Dosis. I n einer ~ber den Stoffwechsel yon 2.4.5-T und 2.4-D bei Ratten und M~usen 221 Tabelle 1. Ausscheidung yon 2.4.5-T und 2.4.5-Trichlorphenol in % der Dosis im Ham und Kot yon 10 m~nnlichen Wistar-Ratten nach oraler Verabreichung yon 50 mg 2.4.5-T/kg KSrpergewicht Tage 2.4.5-T 2.4.5-Trichlorphenol nach Ham Kot Ham Verab frei Glycin- Taurin- frei gesamt gesamt reich. Conjugat Conjugat 1 33,0 1,7 2,3 2,1 2,9 t,0 2 29,2 1,2 1,0 2,4 3,2 1,t 3 4,4 0,4 0,2 0,3 0,3 0,2 4 t,2 0,I 0,1 -- -- -- 5 0,5 . . . . . 68,3 3,4 3,6 4,8 6,4 2,3 Tabelle 2. Ausscheidung yon 2.4.5-T und 2.4.5-Trichlorphenol in % der Dosis im Ham yon 3 weiblichen NMRI-Mitusen naeh oraler Verabreichung yon 50 mg 2.4.5-T/kg K6rpergewicht Tage nach 2.4.5-T Verabreich. frei 2.4.5-Trichlorpheno] Glyein-Conjugat Taurin-Conjuga~ gesamt l 9,2 1,I 7,0 1,3 2 15,7 1,3 3,4 1,0 3 5,4 -- -- 0,2 30,3 2,4 t0,4 2,5 anderen Gruppe yon l0 Wistar-Ratten wurden im H a m innerhalb von 4 Tagen sogar 3,9 % der verabreichten Dosis als 2.4.5-Triehlorphenol aus- geschieden. Auch bei Miiusen wurden freies 2.4.5-T und seine hydrolysierbaren Conjugate im Harn bestimmt. Die in Tabelle 2 aufgefiihrten Werte deuten darauf hin, dab bei weibliehen Miiusen etwas mehr gebunde- nes 2.4.5-T ausgeschieden wird als bei m~nnlichen Ratten und dab vor allem der Anteil des Taurin-Conjugates vergr6Bert ist. Die lVlenge des im M~useharn gefundenen 2.4.5-Trichlorphenols ist dagegen mit dem bei Rat ten gefundenen Wert vergleichbar. Auch nach Verabreichung yon 2.4-D konnten im Rattenharn Conju- gate mit Glycin und Taurin isoliert und identifiziert werden. Jedoch zeigte sich, dab eine wesentlieh geringere Menge in Form yon Conjugaten ausgesehieden wurde als beim 2.4.5-T. Nach oraler Gabe von 50 mg/kg ergaben sieh Werte ffir gebundenes 2.4-D yon weniger als 1% der Dosis. 222 W. Grunow und Chr. BShme Tabelle 3. Ausscheidtmg yon 2.4-D in % der Dosis ira Ham yon 10 m~nnlichen Wistar-Ratten nach oraler Verabreichung yon 200 mg 2.4-D/kg K6rpergewicht Tage nach 2.4-D Verabreichung frei Glycin-Conjugat Taurin-Conjugat 1 19,2 0,2 0,4 2 19,7 0,3 0,6 3 19,1 0,9 0,2 4 1,3 -- 0,2 59,3 1,4 1,4 Bei Verabreichung yon 200 n]g/kg wurden 2,8% ffir die Summe des Glycin- und Taurin-Conjugates im H a m gefunden (Tabelle 3). Diskussion Angaben yon Nencki u. Giacosa (1880) und Thierfelder u. Schempp (1917) fiber die unver~nderte Ausscheidung yon Phenoxyessigs~ure bei Mensch und Hund sowie Stoffwechselversuche yon Levey u. Lewis (1947) mit unsubstituierter Phenoxyessigs~ure und o- und p-Chlorphenoxy- essigs~ure an Kaninchen haben die weitverbreitete Ansicht entstehen lassen, dab Phenoxyessigs~uren in] tierischen Organismus keine Conju- gate bilden und nur in unver~nderter Form zur Ausscheidung gelangen (Williams, 1959). Diese Auffassung wurde durch sp~tere Berichte fiber die vollsti~ndige und unver~nderte Ausscheidung yon 2.4-D (Lisk et al., 1963), 2.4.5-T (St. John et al., 1964) und 2-Methyl-4-chlorphenoxy- essigs~ure (Bache et al., 1964) bei Rindern und yon 2.4-D bei Sehafen (Clark et al., 1964) best~tigt. Ein erster Hinweis darau/, dab aueh bei Phenoxyessigs~uren eine Conjugatbildung n]Sglich ist, ergab sich aus Untersuchungen n]it 2.4-D an Sehweinen (Erne, i966). Naeh wiederholter oraler Verabreichung wurde 2.4-D im H a m nicht nur in unver~nderter, sondern bis zu i8 % der renalen Gesan]tausscheidung aueh in gebundener Form gefunden. Die entsprechenden Conjugate konnten jedoch nieht isoliert und identi- fiziert werden. Die Ergebnisse unserer Versuche mit 2.4.5-T und 2.4-I) haben ge- zeigt, da$ Conjugate aueh bei Rat ten und M~usen gebildet werden. Nach oraler Verabreiehung yon 50 mg/kg 2.4.5-T werden sie in] I tarn in Mengen yon etwa i0% der applizierten Dosis ausgesehieden. Bein] 2.4-]) ist die Tendenz zur Ausseheidung yon Conjngaten geringer. Die Conjugatbildung beim 2.4.5-T ist besonders erstaunlich, da die Acidit~t der Carboxylgruppe in der Reihenfolge Phenoxyessigs~ure ~ber den Stoffwechsel yon 2.4.5-T und 2.4-D bei Ratten und l~I~usen 223 (pK 3,t), 2.4-D (pK 2,9), 2.4.5-T (pK 2,7) zunimmt. Die h~ufig beobaeh- tete Regel einer mit steigender Acidit~t verringerten Neigung zur Conjugatbildung (Williams, 1959) ist in diesem Falle nicht erffillt. Da aromatische Carbons~uren im tierischen Organismus h~ufig an Glycin gebunden werden, konnte die Ausscheidung eines Glycin-Conju- gates erwartet werden. Der Nachweis des im Ratten- und M~useharn auBerdem gefundenen Taurin-Conjugates war dagegen v611ig iiber- rasehend. Eine Conjugation yon Carbons~ure mit Taurin wurde bisher nur in wenigen Fallen beobachtet. Bekannt ist vor aUem die Paarung der Gallens~uren mit Taurin. Daneben wurde nur bei der Phenylessig- s~ure ein eehtes Taurin-Conjugat gefunden. Tauben, einige niedere Primaten (Nycticebus coucang, Galago senegalensis), Frettchen und Hunde scheiden diese Carbons~ure als Phenylacetylglycin und aui~erdem in Form eines Conjugates aus, das auf Grund chromatographischer und massenspektrometriseher Daten als Phenylacetyltaurin identifiziert wurde (James et al., 1971). Ein Conjugat, das Taurin und Glycin in peptidartiger Bindung enthalt, ist das Chinaldylglycyltaurin, das bei Katzen aus Chinaldin- und Kynurens~iure entsteht (Kaihara u. Price, 1961). In neueren Untersuehungen mit 14C-markiertem 2.4.5-T beobachteten Fang et al. (1973), dab weibliehe Wistar-Ratten in 7 Tagen unabhangig yon der Dosis 85% der Radioaktivit~t im Ham ausschieden, wobei 90 bis 95% der renalen Ausscheidungsprodukte aus unverandertem 2.4.5-T bestanden. Die restliche Radioaktivit~t im Ham lag in Form yon drei Metaboliten vor, deren Struktur jedoch nieht aufgekl~rt wurde. Im Gegensatz zu der yon diesen Autoren festgestellten hohen Aussehei- dungsrate haben Shafik et al. (1971) bei m~nnlichen Sprague-Dawley- Ratten nach Applikation vergleichbarer Dosen nut 50% der Gesamt- dosis im Ham als 2.4.5-T wiedergefunden. Die yon uns an m~nnliehen Wistar-Ratten beobachtete renale Gesamtausseheidung an freiem und gebundenem 2.4.5-T liegt mit 75 % zwischen diesen Werten. Der Befund, dab 2.4.5-T bei Ratten und M~usen in geringem Um- fang in 2.4.5-Trichlorphenol umgewandelt wird, stimmt mit der Beob- aehtung yon Shafik et al. (197i) iiberein, die ebenfalls dieses Phenol nach Verabreichung yon 2.4.5-T im Rattenharn nachwiesen. Auch in der Milch yon Kiihen, die 2.4.5-T im Futter erhalten hatten, wurden kleine Mengen 2.4.5-Trichlorphenol beobachtet (LeRoy Bjerke et al., i972). Es ist jedoch bemerkenswert, dab die /~therspaltung im Stoffwechsel yon Phenoxyessigs~uren nur von untergeordneter Bedeutung ist, w~hrend sie bei anderen Phenol~thern im Vordergrund der metabolischen Um- wandlungen steht. AuBer dureh Conjugation an der Carboxylgruppe und dureh Spaltung der Atherbindung k6nnen Phenoxyessigs~uren auch durch Hydroxylie- 224 W. Grunow und Chr. B6hme rung des Phenylkerns metabolisiert werden. Bohnenpflanzen (Phaseolus vulgaris) wandcln 2.4-D und 2.4.5-T in p-hydroxylierte Produkte urn, wobci das in p-Stellung befindliehe C1-Atom in andere Ringstellungen wandert oder ausgetauscht wird (Thomas et al., i964; Hamilton et al., 1971). Der Mikroorganismus Aspergillus niger bildet aus 2.4-D haupt- s~chlieh 2.4-Dichlor-5-hydroxy- und in geringerer Menge 2.5-Dichlor-4- hydroxyphenoxyessigs~ure (Faulkner u. Woodcock, i964). Auch bei Rat ten soll im Fall von 2.4.5-T Ringhydroxylierung stattfinden. Fiir zwei Metaboliten wurde auf Grund massenspektrometrischer Unter- suehungen die Struktur einer hydroxylierten Trichlorphenoxyessigs~ure und eines hydroxylierten Trichlorphenols vorgesehlagen (Shafik et al., 1971). Diesen Befund konnten wir in unseren Versuehen allerdings nieht best~tigen. Herrn Prof. Dr. Dr. med. F. B~r, dem Leiter der Abteilung Toxikologie im Max-von-Pettenkofer-Institut des Bundesgesundheitsamtes, danken wir ffir die FSrderung dieser Untersuchung. Fiir die sorgf~ltige Durehfiihrung der experimen- tellen Arbeiten m6ehten wir Frau O. Ebert, Frau I. Kachur, Frau R. Zimmermann und Hcrrn K. Krctsehmer unseren besonderen Dank ausspreehen. Der Firma Sobering AG, Berlin, wird fox die ~berlassung yon 2.4.5-T und 2.4-D und Herrn Prof. Dr. R. H. Hamilton, The Pennsylvania State University, University Park, Pa., fiir die t~bersendung einiger Vergleichssubstanzen gedankt. 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