Störungen im Wasser- und Elektrolytehaushalt behandeln

  • Published on
    23-Dec-2016

  • View
    216

  • Download
    3

Transcript

  • 25Heilberufe / Das P egemagazin 2013; 65 (11)

    Infusionen

    Strungen im Wasser- und Elektrolytehaushalt behandelnZiel jeder Infusionstherapie ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Homostase des Gleichgewichts des inneren Milieus des Organismus. Neben der physiologischen Elektrolytkonzentration, dem intakten Sure-Basen-Haushalt und der Nhrstoffzufuhr gehrt dazu auch die Arznei-mittelgabe, die Osmotherapie und das Offenhalten von Gefen.

    Mehrmals pro Dienst verteilen Pflegende angeordnete Arzneimittel.

    Wir stellen die wichtigsten mit Indikation, Wirkung und Nebenwirkung vor.

    T

    hink

    stoc

    k (a

    lle B

    ilder

    )

    Das Verordnen einer Infusionsthe-rapie mit den einzelnen Inhalts-stoffen ist Aufgabe des Arztes. Die Vorbereitung, Durchfhrung und berwachung der Infusion liegt jedoch in der Handlungskompetenz der Pflege-fachkrfte. Weil sich aber Erreger schnell in die Lsung einschleusen knnen oder Rechenfehler beim Mischen oder Ein-stellen der Tropfgeschwindigkeit der Infusion auftreten, ist ein sehr genaues und gewissenhaftes Arbeiten erforder-lich. Nur so lassen sich die verheerenden Folgen fr den Patienten verhindern.

    Physiologie des Wasser- und ElektrolythaushaltesDie Aufrechterhaltung des Wasser-, Elek-trolyt- und Sure-Basen-Gleichgewichts ist fr unseren Organismus lebensnot-wendig. Den grten Teil des Krperge-wichts nimmt Wasser ein, das in und zwischen den Zellen sowie in den Blutge-fen als Plasmawasser gespeichert ist. 75% des Gewichtes eines Neugeborenen ist Wasser. Beim Erwachsenen macht das Wasser immer noch circa 60% des Kr-pergewichts aus. Dabei bestehen zwischen Mann und Frau grere Unterschiede, denn Frauen haben mehr Krperfett, Mnner dagegen mehr Muskelmasse. Das Fettgewebe enthlt aber viel weniger Was-ser, so dass der Anteil des Wassers am

    Krpergewicht bei Frauen geringer ist als bei Mnnern.

    Der tgliche Mindestbedarf an Wasser betrgt fr den erwachsenen Menschen circa 1,5 l und fr Suglinge mindestens 300 ml. Wasser wird vom Krper vorwie-gend ber die Nieren ausgeschieden. Au-erdem verdunstet durch bzw. ber die Haut Flssigkeit (Perspiratio insensibilis). Zum kleinen Teil ist auch in den Fazes (Stuhl) und in der ausgeatmeten Luft noch Wasser enthalten. In Mitteleuropa liegt der durchschnittliche Wasserumsatz eines Erwachsenen bei 2,4 l. Diese Menge setzt sich aus der eingenommenen Flssigkeit (Getrnke wie Wasser, Bier, Tee und Sup-pen) und dem in der festen Nahrung ent-haltenem Wasser zusammen. Daneben erzeugt der Krper mit Hilfe von Stoff-wechselreaktionen selbst noch Wasser (Oxidationswasser).

    Auer der Wassermenge selbst sind noch die gelsten Elektrolyte und das richtige Verhltnis von Suren und Basen (im Plasmawasser) fr die volle Funkti-onsfhigkeit unseres Krpers wichtig.

    Strungen im WasserhaushaltStrungen des Wasserhaushalts betreffen einmal grere Wasserverluste, aber auch zu groe Wasseransammlungen im Kr-per. Folgende Probleme knnen zu gr-eren Wasserverlusten fuhren:

    Diarrh Groflchige Verbrennungen Erbrechen Blutverluste Fieber Starkes Schwitzen

    deme, Infusion zu groer Volumina, Aldosteronberschuss (Mineralkortikoid) oder zu viel antidiuretisches Hormon knnen dagegen zu einem Wasserber-schuss fhren. Ihre Behandlung erfolgt meist mit Diuretika, die zu vermehrter

    DO

    I: 10

    .100

    7/s0

    0058

    -013

    -119

    3-y

    PflegePraxis Serie Arzneimittellehre

    Wichtige Elektrolyte und empfohlene Zufuhr fr Erwachsene in g/TagNa+ K+ Ca++ Mg++ Cl- P23 34 0,8 0,300,35 35 0,8

    InfusionstherapieEine Infusion bezeichnet das lang-same, meist tropfenweise Einflieen von Flssigkeit(en) in den Krper. In der Klinik ist damit hufig die intra-vense Infusion gemeint. Intaarterielle (z.B. in der Angiologie) oder subkuta-ne Infusionen werden dagegen nur selten angewandt. Bei Notfllen in der Pdiatrie wird auch die intraossre In-fusion eingesetzt.Generell sollten Infusionen erst kurz vor ihrer Verabreichung gerichtet wer-den, um evtl. eingebrachte Erreger keine Zeit zur Vermehrung zu geben.

  • 26 Heilberufe / Das Pegemagazin 2013; 65 (11)

    PflegePraxis Serie Arzneimittellehre

    Wasserausscheidung ber die Nieren fh-ren, und kausaler Behandlung der die Wasseransammlung auslsenden St-rungen (Verkleinerung der Infusionsmen-gen).

    Ein Wassermangel durch starkes Schwitzen und Fieber kann einfach durch Trinken entsprechender Flssigkeitsmen-gen behoben werden. Meist handelt es sich aber um einen Mangel an Wasser und Elektrolyten (Schwei enthlt Wasser und gelste Salze).

    Strungen im ElektrolythaushaltDie Verteilung der Salze ist in der extra-zellulren Flssigkeit anders als in den Zellen. Whrend in den Zellen vor allem Kaliumionen und Protein Anionen (ne-gativ geladene Ionen) zu finden sind, herrschen auerhalb der Zellen Natrium- und Chlorid-Ionen vor. Diese spezifischen Unterschiede sind fr die verschiedenen Krperfunktionen wie fr das Aktions-potential (elektrische Reizleitung) wichtig.

    Strungen knnen auch einzelne Ionen betreffen, z.B. Kaliummangel. Zur Behe-bung dieser Strung ist es ntig, gezielt das entsprechende Salz (Ion) zu geben. Liegt ein allgemeiner Elektrolytmangel

    vor, gibt es spezielle Salzlsungen, die infundiert werden knnen.

    Strungen im Sure-Basen-GleichgewichtDer pH-Wert des Blutes liegt bei 7,4. Schon geringe Abweichungen werfen groe Probleme fr viele Enzyme auf. Ein Absinken des pH-Wertes unter 7,35 wird als Azidose (saures Blut), ein bersteigen der 7,45-Marke als Alkalose (alkalisches Blut) bezeichnet. Eine Azidose, die durch eine verminderte Ausatmung von Koh-lensure (respiratorische Azidose) oder aufgrund vernderter Stoffwechsellei-stungen (metabolische Azidose; bei Dia-betes mellitus) entstanden ist, kann durch die Infusion von Bikarbonatlsungen behoben werden. Vereinzelt finden auch Laktat- und Acetatinfusionslsungen Ver-wendung.

    Mangel an SpurenelementenSpurenelemente wie Kupfer, Jod und Brom sind nur in sehr kleiner Menge im Krper vorhanden und wirksam. Ihr Feh-len (in der Nahrung) jedoch fhrt zu Mangelerscheinungen. Medikamente, die ein breites Spektrum an Spurenelementen enthalten, sind beispielsweise Addel, Tra-citrans, Inzolen oder Tracutil. Diese Ampullen knnen den Infusionslsungen zugesetzt werden, damit die Patienten auch bei langfristiger Infusionstherapie keinen Mangel an Spurenelementen er-leiden.

    Patienten, die langfristig eine Infusi-onstherapie bentigen und auch mit Hil-fe von Infusionen ernhrt werden, ben-tigen neben der Infusionstherapie auch die tglich notwendigen Vitamine. Es

    mssen sowohl die wasserlslichen als auch die fettlslichen Vitamine supple-mentiert werden. Dies ist besonders fr Patienten wichtig, die nur noch parenteral ernhrt werden. Folgende Medikamente knnen dabei als Vitaminzusatze den In-fusions- oder Ernhrungslsungen zuge-geben werden: Vitalipid, Soluvit, Cer-nevit oder Frekavit.

    Allgemeine Aspekte der InfusionstherapieDas Ziel der Infusionstherapie muss es sein, das Gleichgewicht von Wasser-, Elektrolyt- und Sure-Basen-Haushalt wiederherzustellen (Homostase). Dabei ist zwischen einem Erhaltungsbedarf (bei dem nur die durch normale Ausscheidung verlorenen Stoffe wieder ergnzt werden mssen) und einem Korrekturbedarf zu unterscheiden. Der Korrekturbedarf muss pathologische Verluste, wie sie zum Bei-spiel durch hufiges Erbrechen entstehen, wieder ersetzen. Folgende Arten von In-fusionslosungen stehen zur Verfgung:

    Grundlsungen: Hierbei handelt es sich um Kohlenhydratlsungen (Zuckerl-sungen), die keine Salze enthalten.

    Elektrolytkonzentrate: Diese Lsungen enthalten die Salze in konzentrierter Form. Sie werden den Grundlsungen zugemischt.

    Vollelektrolytlsungen: Die Salze dieser Zubereitungen haben die gleiche Kon-zentration wie im Blutplasma.

    Halbelektrolytlsungen: Sie enthalten die Salze nur in der halben Konzentra-tion wie sie normalerweise im Blutplas-ma zu finden sind. Durch Zusatz von Kohlenhydraten knnen sie den Plas-maverhltnissen angeglichen werden. Solche Lsungen dienen v. a. dem Er-satz von Wasserverlusten.

    Dr. Hermann PltzLeiter der Apotheke des Krankenhauses der Barmher-zigen Brder Regensburg Bergschneider Str. 25 94330 Salching Hermann.Ploetz@barmher-

    zige-regensburg.de

    Buchtipp

    Pltz, Hermann Arzneimittellehre fr Fachberufe im Gesundheitswesen Springer-Verlag Ber-lin Heidelberg, 2013. 6. Aufl. ISBN 978-3-642-29986-5; 22,95 .

    Spurenelement Mangelerscheinungen Depotmenge Empfohlene Zufuhr/Tag

    Eisen Eisenmangelanmie 45 g, davon 800 mg mobilisierbar

    Menstruierende Frauen 18 mg, sonst 12 mg Fe++

    Fluor Unbekannt Zur Kariesprophylaxe 1 mg, ab 5 mg toxisch (Osteoskle-rose)

    Jod Struma; Hypothyreose 10 mg 180200 g

    Kupfer Eisenresorptionsstrungen, Anmie, Pigmentstrungen

    100150 mg 24 mg

    (aus: Schmidt u. Thews 1990)

    TAB. 1 SPU R E N E LE M E NTE

Recommended

View more >