Soziale Arbeit im Wandel Im Spannungsfeld von ?· Soziale Arbeit im Wandel ... pflegerischen und agogischen…

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    17-Sep-2018

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Soziale Arbeit im Wandel Im Spannungsfeld von Profession, Politik und Wirtschaft Referat Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Berufsidentitt in verschiedenen Feldern der Sozialpdagogik Von Nicole Dobmann, Sozialpdagogin FH und Thomas Kappeler, Sozialpdagog FH. Die Ausgangsfrage Unsere Bachelorarbeit befasst sich mit der Berufsidentitt in der Sozialpdagogik und stellt die Frage, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Berufsidentitt sich aus der Wahrnehmung von SozialpdagogInnen sich anhand des professionellen sozialpdagogischen Handelns in verschiedenen Handlungsfeldern feststellen lassen. Unsere Erfahrungen gegen Ende unseres Studiums zeigten, dass unterschiedliche Haltungen und Beschreibungen der Arbeit in den verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialpdagogik wahrzunehmen sind. Als angehende Fachkrfte hatten wir dies zwar nicht eindeutig benennen knnen, doch haben wir dies auf die Berufsidentitt zurckgefhrt. Kurz vor Abschluss unseres Studiums stellten wir fest, dass wir selber bezglich unserer eigenen Berufsidentitt unsicher waren. Die Neugier, wie denn ausgebildete BerufskollegInnen die Berufsidentitt beschreiben war gross. Anhand von Literatur und Studien haben wir die Berufsidentitt und das professionelle sozialpdagogische Handeln hergeleitet. Dies und das Berufsbild der SozialpdagogInnen diente uns als Ausgangspunkt unserer Befragung. In unserer Arbeit gehen wir davon aus, dass Berufsidentitt und professionelles sozialpdagogisches Handeln sich gegenseitig beeinflussen. Das Stimmungsbild der Befragten Als erstes mchten wir ein Stimmungsbild nachzeichnen. Bei den von uns befragten SozialpdagogInnen sind verschiedenste, sehr individuelle Wege in den Beruf feststellbar, hufig geprgt vom Interesse an der Arbeit mit Menschen, vom Willen neues Wissen zu erwerben, neue Arbeitsfelder zu entdecken oder sich weiterzuentwickeln. Der Beruf wird als abwechselnd angesehen und die Arbeit mit Menschen und im Team als bereichernd empfunden. Untersttzend in der tglichen Arbeit sind sowohl fachliche Kompetenzen als auch Erfahrungswissen. Weitere wichtige Sttzen sind das Team und der Austausch. Auch die Rahmenbedingungen der Organisation oder Weiterbildungen knnen den Arbeitenden eine Sttze sein. Unangenehm oder gar hemmend wirken die unterschiedlichen Meinungen und beruflichen Voraussetzungen im Team, die zum Teil unregelmssigen Arbeitszeiten und vor allem die Rahmenbedingungen (Organisation, Politik, Wirtschaft, Finanzen etc.). Die Befragten zeichnen ein sehr positives Bild von ihrem Beruf und es ist eine hohe Berufszufriedenheit und Motivation feststellbar. Dies sind Bedingungen, die gemss der Literatur fr die Entwicklung und Festigung einer beruflichen Identitt frderlich sind. Auswertung der Fragestellung In theoretischen Beschreibungen wird darauf hingewiesen, dass ein Berufsstand ber eine berufliche Identitt verfgt, wenn die der Berufsgruppe zugehrigen Personen ein berufliches Selbstverstndnis derart verinnerlicht haben, dass dieses sich bei verschiedenen Berufsleuten in hnlicher Weise auf ihr sozialpdagogisches Handeln auswirkt. Die von uns Befragten betonen AvenirSocial/Tagungen/SozialeArbeitimWandel/21.11.2008 2 ihre eigene Persnlichkeit aber tendenziell strker als die eigene Fachlichkeit, vor allem im sozialpdagogischen Alltagshandeln. Liegt der Fokus auf den Grundstzen des Handelns, in der Quelle des Wissens und Erklrens, so wird von den Befragten ein Bild von vertiefter Fachlichkeit gezeichnet. Die Mischung von Fachlichkeit und Persnlichkeit der Befragten ist von einer hohen Reflexivitt getragen. In der Literatur gilt es als Ausweis von Fachlichkeit, wenn der Einsatz der Person fachlich begrndet und berufsethisch fundiert erfolgt. Die interdisziplinre Zusammenarbeit ist in der Sozialpdagogik von grosser Wichtigkeit, die Berufsleute arbeiten zum Teil sehr eng mit diversen Angehrigen anderer Disziplinen und Berufsgruppen zusammen. Die fachliche Autonomie der von uns befragten Personen ist gesamthaft gesehen eher eingeschrnkt. Im alltglichen Handeln kann sie aber recht hoch sein. Dies zeigt, dass die Befragten im Alltag Fachpersonen sind. Im Grundsatz ist das Handeln der SozialpdagogInnen aber (mit-)bestimmt von den Nachbardisziplinen, vor allem wenn es um Entscheidungen bei der Abklrung des Hilfsbedarfs und um Problemdefinitionen geht. Die von uns Befragten sehen sich von ihrem fachlichen Umfeld klar als Fachperson im Umgang mit sozialen Problemen. Schlussfolgerungen Die Ergebnisse zeigen, dass bei den befragten Personen eine berufliche Identitt zu erkennen ist und diese aus persnlichen und fachlichen Komponenten besteht. Dabei sind nur geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Handlungsfeldern feststellbar. Die berufliche Identitt ist eher als gemeinsam sozialpdagogisch geprgt zu verstehen. Diese Gemeinsamkeiten lassen die SozialpdagogInnen als Fachpersonen auftreten und machen es mglich, dass sie sich gegenber Angehrigen anderer Berufsgruppen abgrenzen knnen. Dass sich kaum typische handlungsfeldspezifische Ergebnisse darstellen lassen, kann einerseits mit der kleinen Anzahl Befragten zusammenhngen oder mglicherweise damit, dass die Befragten Mitglied im Berufsverband sind. Dieser Umstand wird in der Literatur als beruflich identittssttzend erwhnt und knnte so vielleicht die handlungsfeldspezifischen Einflsse etwas verwischt haben. Transfer in die heutige von Arbeit Nicole Dobmann In meiner Ttigkeit bin ich immer wieder mit meiner Berufsidentitt konfrontiert. Ich arbeite im Erwachsenenbereich der Beschftigung in der Stiftung Scalottas in Scharans. Teilweise ist es schwierig mich als Sozialpdagogin zu behaupten. In meiner Organisation sind die pflegerischen und agogischen Berufe ausgeglichen. Jedoch merkte ich schnell, dass die pflegerischen Fachpersonen es einfacher haben, ihr berufliches Handeln zu erklren und zu legitimieren. Meiner Meinung nach ist es mir gelungen, in interdisziplinren Sitzungen meinen Standpunkt, sowie die Ziele und Hintergrnde meines Handelns aufzuzeigen. Nach dem Studium war fr mich klar, dass ich einen Koffer mit Theorien, Methoden und allgemeinen Grundlagen fr mein berufliches Handeln bereit habe. Die Kunst liegt nun im Berufsalltag im richtigen Moment ein gutes Werkzeug aus dem Koffer zu nehmen es einzusetzen und zu evaluieren. Seit diesem Sommer habe ich die Gruppenleitung der Beschftigung bernommen. Diese Befrderung strkt mich als Berufsfrau und auch in meiner Berufsidentitt. Somit kann ich sagen, dass ich zwei Jahre nach Abschluss des Studiums meine Berufsidentitt als gestrkt und ausgeprgter empfinde. Ich weiss was ich tue und ich weiss wo und wie ich mir Wissen holen kann wenn ich etwas nicht weiss. Ergnzungen aus der heutigen Sicht von Thomas Kappeler Ich arbeite auf der sozialpdagogisch gefhrte Wohngruppe Tigelberg Berneck. Acht Jugendliche, die sich in einer besonderen Lebenssituation befinden, machen bei uns Schritte in Richtung Selbstndigkeit oder zurck zu ihrer Herkunftsfamilie. In enger Zusammenarbeit mit ihren Familien, AvenirSocial/Tagungen/SozialeArbeitimWandel/21.11.2008 3 VersorgerInnen, LehrerInnen, TherapeutInnen und LehrmeisterInnen begleiten wir sie auf dem Weg. In meiner tglichen Arbeit bin ich oft mit einem Balanceakt meiner beruflichen Identitt zwischen den Polen Persnlichkeit und Fachlichkeit betroffen. Mein sozialpdagogisches Handeln ist ein Arbeiten mit Menschen und meine Fachlichkeit kommt immer auch als Person daher. Es gilt widersprchliche berufliche Anforderungen ausbalancieren, den eigenen persnlichkeitsbedingten Fhigkeiten und ihren Wirkungen bewusst zu werden und mich selbst als Werkzeug zu erfahren und als solches einsetzen. Kompetenzen der Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion haben dabei einen hohen Stellenwert. Der Einsatz meiner Person ist letztlich auch fachlich zu begrnden und muss berufsethisch fundiert erfolgen. Weiterbildungen sind mir da eine gute Sttze. Auch dasTeam, Supervision und die Organisation selbst sind mir bei der Arbeit eine Hilfe. Bei meiner Arbeit ist der Einfluss von Nachbardisziplinen gering. Aber ich muss den Personen an den Schnittstellen immer wieder genau erklren knnen, was wir tun und mit ihnen gemeinsam die Zusammenarbeit definieren. Nach ein paar Jahren in der Praxis bin ich mir bezglich meiner eigenen beruflichen Identitt sicherer geworden. Spannend wre es aber auch, sich die Fragen in einigen Jahren nochmals zu stellen... Dobmann, N. & Kappeler, T. (2007). Berufsidentitt in der Sozialpdagogik. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Berufsidentitt in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialpdagogik. Bern: Edition Soziothek. ISBN 987-3-03796-7

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