Plasma-Cortisol-Spiegel nach intravenöser Injektion von Thyreotropin-releasing Hormon (TRH) beim Menschen

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    12-Aug-2016

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  • Kurze wissensehaftliche Mitteilungen 211

    Der Anstieg des Serum-Kreatinin betrug unmittelbar nach Belastung im Mittel 34%, der Abfall der Kreatininausschei- dung und der endogenen Kreatininclearance w~hrend der Be- lastung 18,3 resp. 34%. Alle Ver~nderungen waren hoch- signifikant (t-Test) nnd hielten - - wenn aueh vermindert - - fiber die Belastungsporiode hinaus an.

    Diskussion Nach Schloerb (1960) verteilt sich Kreathfin innerhalb yon

    4 Std im Gesamtk5rperwasser. Unter maximaler k5rporlicher Belastung sank die Kreatininausscheidung bei unseren Pro- banden im Mittel um 0,26 rag/rain (0,04--0,48 mg/min). Wird aus diesen Werten ffir jede einzelne Versuchsperson die Kreatininretention ffir den Zeitraum der Ergometerarbeit be- stimmt und diese retinierte Menge den Angaben yon Schloerb (1960) entsprechend auf den zum Zeitpunkt des Belastungs- endes gfiltigen Verteilungsraum fiir Kreatinin umgerechnet (rag Kreatinin/100 ml des Verteilungsraumes; fiir das Gesamt- kSrporwasser wurden 60% des KSrpergewiehtes eingesetzt), so ergibt sieh der zu erwartende Anstieg der Serum-Kreatinin- konzentration unmittelbar bei Betastungsende. Dieser Anstieg h~tte im Mittel bei 0,044 rag-% liegen m(issen (95%-Ver- trauensbereich 0,023--0,064 rag-%), gefunden w~rrde jedoch ein mittlerer Anstieg um 0,35 rag-% (95%-Vertrauensbereich 0,27--0,42 rag-% ). Die dureh Abfall der glomerularen Filtra- tion eingetretene l~etention yon Kreatinin war demnach nur zu 12,58% (5,48--23,7%) am Anstieg des Serum-Kreatinin beteiligt, d.h. der Differenzbetrag mug wghrend der k5rper- lichen Arbeit aus der Muskulatur abgegeben worden sein. Dies bedeutet, dab aus ~nderungen des Serum-Kreatinin unter k5rperlicher Belastung nicht auf entspreehende J~nderungcn der glomerulgren Filtrationsrate geschlossen werden daft.

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    Prof. Dr. J. Sehirmeister Priv.-Doz. Dr. W. IzIallauer I. Med. Klinik der S~dt. Kranken- anstalten Karlsruhe D-7500 Karlsruhe, Moltkestr. 14 Deutschland

    Dr. J. Staiger z.Z. Universit~ts-Frauenklinik D-7800 Freiburg i. Br. Deutschland

    Klin. Wschr. 50, 211--212 (1972) by Springer-Verlag 1972

    Plasma-Cortisol-Spiegel nach intraveni~ser Injektion yon Thyreotropin-releasing Hormon (TRII) beim Mensehen

    H. B]~GE, W. W~DM~IS~ uad F. A. ttO~STEr~ II. 5Iedizinisehe Ktinik, Universit~t Diisseldorf (Prof. Dr. K. Oberdisse), Endokrinologische Abteilung

    (Prof. Dr. It. Zimmermann)

    Eingegangen am 23. August 1971

    Plasma Cortisol Levels ]ollowing Intravenous Injection o/ Th yreotropin- Releasing Hormone ( T RH ) in Man.

    Summary. Following intravenous injection of 1000 izg thyreotropin-releasing hormone (TRI{) plasma cortieosteroid levels decreased or remained unchanged in 9 of 10 normal sub- jects. The results may be interpreted in that TRIt has no inherent corticotropin-releasing activity, at least not in doses up to 1000 ~g.

    Key words: Thyreotropin-releasing hormone (TRH), plasma cortisol.

    Zusammen/assung. Nach intraven6ser Injektion yon 1 O00 ~g Thyreotropin-releasing ttormon (TRH) kam es bei 9 yon 10 gesunden Versuchspersonen zu einem Abfall oder Konstant- bleiben des Plasma-Cortisol-Spiegels. Aus den Befunden ist zu folgern, dab TRH wenigstens in Dosen bis zu 1000 ~g keine Cortieotropin-releasing Aktivit~it besitzt.

    Schliisselw6rter: Thyreotropin-releasing Hormon (TRH), Plasma-Cortisol.

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    Minuten Abb. 1. Oortieosteroide im P]asma (I1-OHCS) naoh Injektion yon 1000 [Lg Thyreotropin-releasing-Hormon (TRI-I) bei 10

    gesunden Versuchspersonen

    Nach der Aufkl~rung der chemischen Konstitution des Thyreotropin-releasing Hormon (TRH) bestand die MSglich- keit, das aus nur drei Aminosguren (L-Pyroglutamyl-histidyl- prolin-amid) aufgebaute Molekfil in grSl]eren Mengen zu synthetisieren und dessen Wirkung am Menschen zu unter- suchen. Von besonderem Interesse war die Frage, ob es sich um ein spezifisches Hormon handelt. Definitionsgemi~i3 sollte es nut das thyreotrope Hormon (TSH) aus dem Hypophysen- vorderlappen (HVL) ffeisetzen, nicht aber die anderen HVL- Hormone. Neben dem TSH, das nach der Injektion yon TRH regelmi~Big bei gesunden Versuchspersonen (VP) im Blut an- steigt, wurde aul~er dem Wachstumshormon, als Parameter der adrenocol~icotropen ACTH-Aktivit~t auch der Cortisolspiegel im Plasma von mehreren Untersuehern gemessen. Die ange- wandten Dosen lagen zwischen 50 und 750 Fg i.v. [2--7].

    Wir haben bei 10 gesunden VP nach i. v. Injektion yon 1000 Fg TRH/10 see den Cortisolspiegel im Plasma (ll-OHCS, Methode: 1) morgens basal und 30, 45, 60, 75 und 90 rain nach der Injektion bestimmt. Die Ergebnisse sind in der Abb. 1 dar- gestellt. Man sieht, dal] 5 VP einen deutlichen Abfall des Cor- tisolspiegels erkeImen liel~en, der dem physiologischen Rfick- gang der Cortisolkonzentration im Verlauf des Vormittags ent- spricht (Tagesrhythmik). Bei 4 VP waren leiehte Schwankun- gen mit einer nach unten gerichteten Tendenz vorhanden. Nut eine VP, die auch einen erhShten Basalwert yon 20,5 [~g/100 ml bet, zeigte einen Anstieg um maximal 6,5 ~g/100 ml bis zur 45. Minute.

    Diese Ergebnisse entsprechen weitgehend den Befunden der Voruntersucher, die geringere TRH-Dosen i.v. verab- reichten: Retiene eta]. [7] beobachteten nach 100--500 ~zg einen Abfall des Cortisolspiegels. Von zur Mfihlen et al. (50-- 200 gg) [5], Ormston et al. (50--200 [zg] [6] und Fleischer et al. [3] (250--750 ~g) fanden weitgehend unvergnderte Corti- sol-Konzentrationen naeh der TRH-Gabe. Von Karlberg et al. (100 und 200 tzg) [4] wurde bei fast allen VP ein geringer An-

    stieg beobachtet. Ab der 10. Minute hatte die Mittelwertskurve jedoeh eine deutlich abfallende Tendenz. Lediglich yon Brisse et al. [2] wurde ohne niihere Angaben naeh TRH-Injektion ein Anstieg des Cortisol-Spiegels im Plasma festgestellt.

    Aus diesen Ergebnissen daft geschlossen werden, dal3 TRH nach i. v. Injektion beim Menschen im Dosisbereich zwischen 50 und 1000 ~tg keine meBbare ACTH-freisetzende Aktivit~t besitzt. Wenn gelegentlich, wie bei 2 VP yon Fleischer et al. [3] und einer VP yon uns, ein Anstieg des Cortisol-Spiegels auf- tritt, so ist dieser Effekt als unspezifisehe Stress-Reaktion mit endogener ACTH-Freisetzung auf die fast regelm~13ig nach der Injektion des TRH auftretenden l~ebenwirkungen wie ~,Jl0el- keit, Hitzewallungen und Miktionsdrang aufzufassen.

    Die Untersuehungen erfolgten mit dankenswerter Unter- stfitzung dureh die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

    Fiir die gewissenhafte Durchffihrung der Analysen danken wir der med.-techn. Assistentin, Frau M. Altermann.

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    Prof. Dr. H. Bethge 1 Dr. W. Wildmeister Prof. Dr. F. A. Horster II. Medizinische Klinik Universit~t Diisse]doff D-4000 Diisseldoff MoorenstraSe 5 Deutschland

    1 Postanschrift: Prof. Dr. med. I-I. Bethge, E. Merck, 61 Darmstadt, Postfach 4119.

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