Magnesium und Calcium im Duodenalsaft bei verschiedenen Funktionszuständen des Pankreas und bei primärem Hyperparathyreoidismus

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    12-Aug-2016

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  • Klin. Wsehr. 52, 74--79 (1974) by Springer-Verlag 1974

    Originalien

    Magnesium und Calcium im Duodenalsaft bei versehiedenen Funktionszustiinden des Pankreas und bei primiirem Hyperparathyreoidismus

    G. Baltzer, H. Goebell* und B. Mtiller-l%einhardt

    Medizinische Klinik (Direktor: Prof. Dr. G.A. 5iartini) and Urologisch-balneologisehe Forschungsstelle Bad Wildungen der Philipps-Universit~t Marburg a.d. Lahn

    Magnesium and Calcium in Duodenal Juice: Secretion Pattern in Chronic Pancxeatitis and in Primary Hyperpara- thyroidism.

    Summary. 1. The secretion of magnesium (concentration and output) was measured in human duodenal juice before and after stimulation of the pancreas by secretin and pan- creozymin (1 unit/kg) and compared with the behaviour of calcium. 27 subjects with normal pancreatic function, 23 patients with moderate and 15 with severe pancreatic insufficiency and 14 patients with primary hyperparathy- roidism were investigated.

    2. In all functional states of the normal pancreatic gland magnesium and calcium were secreted in close positive correlation. The concentration was lowered after secretin. Pancreozymin increased both the concentration and the output of the two electrolytes.

    3. The parallel secretion was also found, at few ex- ceptions, in the patients with pancreatic insufficiency. Here, the secretion of both electrolytes was significantly diminished afar panereozymin ~gether with the lowered secretion of ellzymes.

    4. In primary hyperparethyroidism associated with normal pancreatic function a higher than normal concentration and output of magnesium and calcium after pancreozymin were measured. When enz}~me secretion was disturbed in these patients as well the secretion of the two electrolytes was lowered. In primary hyperparathyroidism the secretion of magnesium was more markedly stimulated by panereozymin than that of calcium. The parallelism in the behaviour of magnesium and cMeium was no longer present in this situation.

    Key words: Magnesium, calcium, pancreas, secretin. pancreozymin, chronic panereatitis, primary hyperparathy- roidism.

    Zusammen/assung. 1. Die Sekretion yon Magnesium (Konzentration and Ausseheidung) wurde im menschlichen Duodenalsaft vor und nach Stimulation des Pankreas mit Sekretin and Pankreozymin gemessen und mit den Werten fiir Calcium verglichen. Es wurden 27 Personen mit normaler Pankreasfunktion, 23 Patienten mit m~giger and 22 mit ausgepriigter Pankreasinsuffizienz sowie 14 Kranke mit prim~rem Hyperparathyreoidismus untersucht.

    2. In allen Funktionszust~nden des Panln, eas wurden bei normaler Bauchspeicheldriise Magnesium und Calcium par- allel sezerniert, die Xorrelation war signifikant positiv. Naeh Sekretin erniedrigte sich die Konzentration. Pankreo- zymin erh6hte sowohl die Konzentration als auch die Aus- scheidung.

    3. Die parallele Sekretion fund sich mit wenigen Aus- nahmen auch bei Pankreasinsuffizienz. Hier war die Se- kretion beider Elektrolyte nach Pankreozymin signifikant erniedrigt, wenn auch die Enzymsekretion vermindert war.

    4. Bei prim~rem Hyperparathyreoidismus fund sich bei normaler Pankreasfunktion eine gegeniiber der Norm er- hShte Konzentration und Aasscheidung ffir Magnesium and Calcium nach Pankreocymin, w~hrend bei gestSrter Enzym- sekretion auch die Elektrotytsekretion vermindert war. Bei ttyperparathyreoidsmus wurde die Magnesiumsekretion durch Pankreozymin st/ixker stimuliert als die yon Calcium. Die Parallelit~t im Verhalten yon Magnesium und Calcium war hier nicht mehr gewahrt.

    Schl~sselwSrter: Magnesium, Calcium, Pankreas, Se- kretin, Pankreozymin, chronische Pankreatitis, prim~irer Ityperparathyreoidismus.

    In friiheren Arbeiten berichteten wit fiber die Sekretion yon Calcium in den Duodenalsaft des Menschen bei normaler und gest6rter Funkt ion der Bauehspeicheldriise [6, 9] und in den Pankreas- salt des Hundes [10, t2]. Sekretin fiihrte zu einer Erniedrigung der Konzentrat ion, Pankreozymin da- gegen zu einem Anstieg sowohl der Konzentrat ion als aueh der Ausscheidung yon CMcium im Pankreas- salt. Die Caleiumsekretion vefliel dabei parallel derjenigen yon Enzymprote in [10, 12]. _~hnliche Untersuehungen ztw Sekretion yon Magnesium sind bisher nicht bekannt geworden. Lediglieh Nimmo et al. [18] beriehteten kih'zlieh tiber den Magnesiumgehalt in Duodenalsaft. Die Autoren beriicksiehtigten jedoeh nur das basale und das sekretinstimulierte Sekret. Wir untersuchten daher die Sekretion yon Magnesium

    * Gef6rdert dutch eine Sachbeibilfe der Deutsehen For- schungsgemeinschaft (GO 118/7).

    in das Duodenum bei verschiedenen Funktionszu- st~nden der normalen und der insuffizienten Baueh- speieheldriise und verglichen sic mit dem Verhalten yon Calcium. Einbezogen wurden aueh 11 Pat ienten mit prim/~rem I-Iyperparathyreoidismus.

    Untersuchte Patienten 1. 27 Patienten mit normaler Pankreasfunktion im Se-

    kretin-Pankreozymin-Test; anamnestiseh und klinisch be- stand kein AnhMt fiir eine Erkrankung der endokrinen Sy- sterne, der Leber, des Magen-Darmtraktes. Es waxen 12 Frauen and 15 M~nner. ])as Durchschnittsalter betrug 49,9~ 15,1 Jahre.

    2.23 Patienten mit m~giger (Definition s. unten) Pankreas- insuffizienz im 8ekretin-Pankreozymin-Test. Durehschnitts- alter 38,7~: 12,5 Jahre. Es waren 8 Frauen nnd 15 Miinner.

    3. 22 Patienten mit ausgeprggter (Definition s. unten) Pankreasinsuffizienz im Sekretin-Pankreozymin-Test. Durch- scbxfittsalter 45,9 13,6 Jahre, 8 Frauen und 14 M~nner. Xein Patient hatte eine rSntgenologisch erfagbare Calci- fizierung im Pankreasbereich.

  • G. Baltzer et al.: Magnesium and Calcium im Duodenalslaft 75

    Die Diagnose der Patienten der Gruppe 2 und 3 lautete: Chronisch-rezidivierende Pankreatitis. Gravierende Begleit- erkrankungen der hbrigen Stoffwechselorgane sowie der endokrinen Systeme bestanden nieht.

    4. 14 Patienten mit operativ gesichertem prim/irem I-Iyperparathyreoidismus ohne Anhalt fiir eine klinisch mani- feste Pankreatitis, 7 Frauen and 7 M/~nner, Alter 41,5-4- 17,8 Jahre.

    Vntersuchungsmethoden 1. Methodik des Sekretin-Pankreozymin-Testes

    Der Duodenalsaft wurde mit der yon Bartelheimer [1] angegebenen dreil/~ufigen Sonde quantitativ in eisgekiihlten Beh~iltern gesammelt. In jedem Fall wurde die LaMe der Sonde vor Beginn des Testes r6ntgenologisch kontrolliert. Sammel- perioden nach Aufblasen der Ballons:

    1. 30 rain als Leerperiode, anschlieBend intravenSse Gabe yon 1 klin. Einheit Sekretin/kg KSrpergewicht (Boots, Nottingham, England) als Einzelinjektion innerhalb yon 15--30 see.

    2. Sammlung des Saftes in zwei 10 min-Perioden und dann in zwei weiteren 20 min-Perioden.

    3. 60 rain nach der Sekretin-Injektion Gabe yon 1 klin. Einheit Pankreozymin-Cholecystokinin (Boots) intravenSs (in 2--3 rain), Sammlung des Saftes fiir weitere 30 rain.

    Nach Bestimmung des Bikarbonatgehaltes wurden die beiden 10min-Fraktionen vereinigt nnd als gemeinsame Fraktion weiter verarbeitet. Nach Notierung des Volumens wurden yon allen gut durehmischten Saftfraktionen aliquote Teile entnommen und bei 5000 g in der Kiilte zur Ent- fernung yon Zelldetritus zentrifugiert (Sorvall Kiihlzentrifuge I~C-2). Alle Untersuchungen warden am gleichen Tage durch- gefiihrt. Diezur Elektrolytanalyse bestimmten Proben warden bis zur Untersuchung bei minus 20C eingefroren. Die Mes- sung der Konzentrationen yon Magnesium und Calcium er- folgte in folgenden Fraktionen:

    I Leerperiode: 30 rain (Basalsekretion). II Sekretinperiode: 60 min. Hierzu wurden alle Einzel-

    fraktionen dieser Periode vereinigt und gemischt. I I I Pankreozyminperiode: 30 rain.

    Kriterien fiir die Pankreasfunkt ion Als Kriterien wurden herangezogen: a) die maximale Konzentration (mVal/1) und die Mengen-

    ausscheidung (tzYal/min) yon Bikarbonat in der Sekretin- periode;

    b) die Mengenausscheidung der Enzyme Trypsin, Chymo- trypsin, Lipase, Amylase (Einheiten/min) in der Pankreo- zyminperiode.

    Die Normalgrenzen (2-k 2 s) fiir alle untersuchten Gr6Ben wurden in einer friiheren Arbeit an 42 gesunden Personen festgelegt Ill]. ttierbei wurde die logarithmisch-normale Verteilung der einzelnen MeBgr61]en berficksichtigt. Der Grad einer Pankreasinsuffizienz wurde wie folgt definiert:

    M/tgige Pankreasinsuffizienz a) Verminderung aller gemessenen Gr6Ben unter die

    untere 2s-Grenze des Normalkollektivs, wenn die untere 3s-Grenze nicht fiir alle GrSBen unterschritten wird oder

    b) Verminderung yon mindestens zwei Enzymen unter die untere 3 s-Grenze bei noch normalen Werten der fibrigen MeBgr6Ben.

    Ausgepr/igte Pankreasinsuffizienz Verminderung aller Parameter unter die untere 3 s-Grenze

    des Normalkollektivs. Die Einteilung der untersuchten Patienten in die oben

    genannten Gruppen 1--3 erfolgte naeh dem Ausfall des Sekretin-Pankreozymin-Tests, gemessen an den Kriterien des Normalkollektivs [11].

    6*

    2. Bestimmung~methoden Zur Absch/~tzung der Leistung des exokrinen Pankreas

    wurden in den Saftproben folgende Bestimmungen dnrch- gefiihrt:

    pH: Orientierende Priifung mit Spezialindikatorpapier Merck.

    Bikarbonat: Titrimetrische Bestimmung im frischen Duo- denalsaft naeh Hodes [15J.

    Amylase: Nach Bernfield [2] mit 2.3-DinitrosMieyls/iure. Trypsin: Nach Schwert u. Takenaka [20] mit N-Benzoyl-

    L-Arginingthylester als Substrat am Spektralphotometer PM QII, Zeiss, mit automatischer Registrierung.

    Chym..otrypsin: Nach Hummel [17] mit N-Benzoyl-L- Tyrosin-Athylester als Substrat am Spektralphotometer PM QII, Zeiss, mit automatischer Registrierung.

    Lipase: Bestimmung nach Marchis-Mouren et al. [16] durch die Triglyceridspaltung in einer Oliven61emulsion mittels der pI-I-Stat-Methode am Autotitrator Radiometer. Alle Enzymaktivitgten warden bei 25C gemessen.

    Magnesium und Calcium warden mit dem Atom-Ab- sorptionsspektrophotometer SP 90 (Leitz Unicam) bei 285,2 nm (Mg++) und 422,7 nm (Ca ++) in Dreifachbestim- mungen gemessen.

    3. Statistik Die statistischen Analysen erfolgten unter Verwendung

    der Logarithmen der einzelnen MeBwerte ffir Mittelwert und den Logarithmus der Standardabweichung. Die Signifikanz des Unterschiedes yon Mittelwerten wurde nach dem Student- t-Test ermittelt. Alle Rechenoperationen wurden mit dem Tischcomputer Programma 101 der Firma Olivetti durch- gefiihrt.

    Ergebnisse 1. Magnesium und Calcium im Duodenalsa/t

    bei normaler Pankreas/un]ction Die Mittelwerte und Standardabweichungen der

    Ionen-Konzentrations- und Ausscheidungsmenge yon Calcium und Magnesium bei den einzelnen Funkt ions- zust~nden des Pankreas sind in Tabelle / zusammen- gefaBt.

    Die mittlere Konzentrat ion yon Magnesium lag am unstimulierten Duodenalsaft bei 0,66reVal/l, diejenige yore Calcium betrug 1,19reVal/1. Die Konzentrat ionen beider Elektrolyte nahmen im 60rain-Salt nach Sekretinstimulierung parallel ab, die Gesamtausscheidung stieg dabei um den Faktor 1,5--1,6 an. Nach Pan]creozymin kam es gegeniiber der Sekretinperiode zu einer signifikanten Zunahme der Konzentrat ion yon Magnesium and Calcium. Ebenso stieg die Ausscheidung beider Elektrolyte an, bei Magnesium um den Faktor 2,07, bei Calcium um den Faktor 1,07.

    In allen Frakt ionen land sich eine hoch positive Korrelation zwisehen beiden Elektrolyten (Tabelle 1).

    2. Magnesium und Calcium im Duodenalsa/t bei Pankreasinsu//izienz

    Die MeBwerte der Pat ienten mit Pankreasinsuf- fizienz sind ffir die Konzentrat ion in Tabelle 2, fiir die Ausscheidung in Tabelle 3 zusammengefaBt. Die Abb. 1 zeigt die Parallelit/~t im Sektretionsverhaltcn yon Magnesium und Calcium.

  • 76 G. Baltzer et al.: Magnesium und Calcium im Duodenalsaft

    I 0 - 8 - 6-

    4-

    2-

    | -

    0 .8 -

    0 .6 -

    O.z.-

    0,2-

    mval / [ KONZENTRATION

    0.1

    N= 27 23 15 [] [] []

    I n l l l ! 11 Ill l II I[I

    AUSSCHEIDUNG ~.IvaL,/min

    27 23

    []

    I 11 lII l II Ill I II I l l

    Abb. 1 a--c. Untersuchungsergebnisse bei 27 Normalpersonen (a) und 14 Patienten mit einem prim~ren Hyperparathyreoidismus bei normaler (b) und gest5rter (c) Pankreasfunktion. (I Basalsekretion, 30 rain; I I Sekretion nach Sekretin, 1 klin. E/kg,

    60 rain; I I I Sekretion nach Pankreozymin, 1 klin. E/kg, 30 rain)

    Tabelle 1. Konzentration und Ausscheidung yon Magnesium and Calcium im Duodenalsaft bei 27 Personen mit normaler Pankreasfunktion. Die Perioden I - - I I I bezeiehnen verschiedene Funktionszust~nde der Driise

    Magnesium Calcium

    mVal/1 Signifi- ~Val/min Signi- mVal/1 Signifi- ~Val/min Signifi- kanz fikanz kanz kanz P P P P

    I. Basalsekretion 0,66 0,62 1,19 1,11 30 rain ~ log. 0,1382 ~= log. 0,2572 log. 0,2032 =~ log 0,3286

    0,005 < 0.025 < 0,0005 < 0,1

    II. Nach Sekretin 0,44 1,01 0,65 1,67 1 E/kg; 60 rain :1: log. 0,1603 :]: log. 0,2530 :E log. 0,1362 log. 0,2860

    < 0,005 < 0,005 < 0,01 < 0,01 II I . Nach 0,72 2,09 1,06 2,8

    Pankreozymin =~ log. 0,1954 ~ log. 0,3161 =1= log. 0,2101 log. 0,3503 1 E/kg; 30 min

    Korrelationskoeffizienten Mg:Ca fiir die Ausscheidung der Elektrolyte in den Duodenalsaft bei 27 Personen mit normaler Pankreasfunktion. Die Bereehnung erfolgte fiber die Logaritlimen der entsprechenden Einzelwerte. Die Perioden I - - i I I entsprechen der in Abb. 1 vorgenommenen Einteilung der Funktionszust~nde der Drfise. I. Basalsekretion r~ +0.864, p

  • G. Baltzer et al.: Magnesium und Calcium im Duodenalsaft 77

    Tabelle 2. Konzentration yon Magnesium und Calcium im Duodenalsaft yon Normalpersonen und Patienten mit verschieden stark ausgeprKgter Pankreasinsuffizienz (Klassifizierung s. Text), sowie yon Patienten mit einem prim/~ren Hyperparathyreo- idismus (HPT) bei denen z.T. eine St5rung der exokrinen Pankreasfunktion vorlag. Angegeben sind die Mittelwerte mit den

    logarithmischen Standardabweichungen

    Normal- M/ i l3 ige Ausgeprggte Patienten mit HPT personen Pankreas - Pankreas-

    insuffizienz insuffizienz mit normMer mit gest6rter Enzymsekretion Enzymsekretion

    rt=27 n=23 n=15 n=8 n=6

    Magnesium (m Val/lJ I. Basalsekretion 0,66 0,62 0,64 0,73 0,58

    30 rain 4- log. 0,1382 ~ log. 0,1883 :~ log. 0,0937 :[: log. 0,1039 4- log. 0,1660 II. Nach Sekretin (1 E/kg) 0,44 0,54 0,45 0,33 0,46

    60 min 4- log. 0,1603 ~- log. 0,1002 ~ log. 0,1055 ~:log. 0,1583 4- log. 0,1080

    III. Nach Pankreozymin (1 E/kg) 0,72 0,73 0,47 ~ 1,19 a 0,90 30 rain 4- log. 0,1954 4- log. 0,1062 :t: log. 0,1813 ~ log. 0,1343 :J: log. 0,0889

    Calcium, (reVal~l) I. Basalsekretion 1,19 1,04 0,98 1,09 0,92

    30 rain 4- log. 0,2032 4- log. 0,1039 4- log. 0,2093 ~ log. 0,1635 ~: log. 0,1823

    II. Nach Sekretin (1 E/kg) 0,65 1,04 b 0,82 0,63 0,70 60 rain 4- log. 0,1362 :J: log. 0,1391 4- log. 0,1526 4- log. 0,1881 =~: log. 0,1849

    III. Nach Pankreozymin (1 E/kg) 1,06 1,19 0,82 1,63 a 0,90 30 rain ~ log. 0,2101 4- log. 0,1680 -]: log. 0,2062 4- log. 0,1408 : log. 0,2514

    a Signifikant gegeniiber dem Normalkollektiv p < 0,05. b Signifikant gegeniiber dem Normalkollektiv p< 0,0025.

    Tabelle 3. Ausscheidung yon Magnesium und Calcium im Duodenalsaft yon Normalpersonen und Patienten mit versehieden stark ausgepr~gter Pankreasinsuffizienz (Klassifizierung s. Text), sowie yon Patienten mit einem prim~ren Hyperparathyreoidismus (HPT), bei denen z.T. eine StSrung der exokrinen Pankreasfunktion vorlag. Angegeben sind die Mittelwerte mit den

    logarithmisehen Standardabweichungen

    Normal- Mggige Ausgepr/igte Patienten mit I-IPT personen Pankreas - Pankreas-

    insuffizienz insuffizienz

    n=27 u=23 n=15

    mit normaler mit gestSrter Enzymsekretion Enz ymsekretion n----8 u~6

    .Magnesium (~ Val/min) L Basalsekretion 0,62 0,61 0,50 0,69 0,43

    30 rain 4- log. 0,2572 4- log. 0,2638 ~ log. 0,2414 4- log. 0,2690 4- log. 0,3239 II. Nach Sekretin (1 E/kg) 1,01 1,14 0,81 0,77 0,95

    60 min ~= log. 0,2530 4- log. 0,2520 =L log. 0,2264 ~= log. 0,2976 =~ log. 0,2698

    III. Pankreozymin 2,09 1,44 0,41 2,60 1,13 a 30 rain 4- log. 0,3161 4- log. 0,2132 4- log. 0,1900 :~ log. 0,1221 4- log. 0,1891

    Calcium (~ Val/min) I. :Basalsekretion 1,11 1,03 0,77 1,21 0,65

    30 rain log. 0,3286 =~ log. 0,2570 4- log. 0,2202 4- log. 0,3603 4- log. 0,4311

    II. Nach Sekretin (1 E/kg) 1,67 2,27 1,50 1,46 1,43 60 rain ~ log. 0,2860 4- log. 0,3589 ~= log 0,2530 =~ log. 0,2996 4- log. 0,3741

    III. Nach Pankreozymin (1 E/kg) 2,80 2,32 0,81 c 3,53 1,13 b 30 rain =t= log. 0,3503 4- log. 0,2642 4- log. 0,3158 4- log. 0,0944 4- log. 0,3601

    a Signifikant gegeniiber dem NormMkollektiv p

  • 78 G. Baltzer et al.: Magnesium und Calcium im Duodenalsaft

    mval / I

    N: 27

    1

    o,6-

    0/.-

    0,2-

    8 6

    10 8

    6

    4

    [ ]

    1 II Ill 0,1

    KONZENTRATION uva[/m,n

    2?

    I II llI I II III

    AUSSCHEIDUNG

    8 6

    I II Ill [ II III 1 II Ill

    Abb. 2a--c. Untersuchungsergebnisse bei 27 Normalpersonen (a), 23 Patienten mit m~tBig (b) und 15 Patienten mit ausgepr~gt (c) gest6rter Pankreasfunktion ohne Calcifizierung (1 Basalsekretion, 30 rain; I I Sekretion nach Sekretin, 1 klin. E/kg,

    60 rain; Sekretion nach Pankreozymin, 1 klin. E/kg, 30 rain)

    Ca ++ dagegen nur 2,5. Das Verhalten war hier nicht mehr vSllig parallel, was in Abb. 2 zu erkennen ist. Bei verminderter Enzymsekretion in der Bauch- speicheldriise lieB sich die gegeniiber der Norm ge- steigerte Konzentration der Elektrolyte nach Pan- kreozymin nicht mehr nachweisen. Die Konzentration war allerdings bei Magnesium immer noch doppelt so hoch wie bei den Patienten mit chronischer Pan- kreasinsuizienz aus anderer Ursache. Die gesamten Ausscheidungen nach Pankreozymin waren gegen- fiber den Normalpersonen und gegenfiber dem Kol- ]ektiv mit prim/~rem Hyperparathyreoidismus und normaler Enzymsekretion signifikant vermindert. Im Vergleieh zur vorangehenden Sekretinfraktiofi kam es zu einem geringen Anstieg der Magnesiumaus- scheidung yon im Mittel 0,95 ~tVal/min auf 1,13 ~Val/ rain, die Calciumausscheidung nahm gleichzeitig yon 1,43 fzVal/min auf 1,13 ~Val/min ab. Hier zeigte sich ein Auseinanderweichen von Magnesium und Calcium, wie es sonst in keinem der untersuchten Kollektive beobachtet wurde (s. Abb. 2).

    Diskussion

    An einem friiher yon uns untersuchten Kollektiv yon Normalpersonen haben wir gezeigt, dab Kon- zentration und Ausscheidung yon Calcium im Duo- denalsaft eine Kinetik in Abhngigkeit yore Sti- mulationszustand der Banchspeicheldrtise aufweisen: Sekretin fiihrte zu einer Verminderung der Kon- zentration mit kurzfristigem Anstieg der Gesamtaus- scheidung und Pankreozymin steigerte beide Para- meter signifikant [6, 9]. Die genauere Untersuchung des Sekretionsverhaltens am reinen Pankreassaft des Hundes [10, 12] zeigte, daB die Hauptfraktion des Calciums in den Pankreassaft zusammen mit den Enzymproteinen gelangt, ein Vorgang, der durch

    Pankreozymin gesteuert wird. Die jetzt vorgelegten Befunde zeigen, dab auch Magnesium dieses Se- kretionsverhalten besitzt. In allen Phasen vor und nach Stimulation der normalen Bauchspeieheldriise waren die Magnesium- und Calciumwerte signifikant positiv korreliert. Nimmo u. Mitarb. [18] unter- suchten die Sekretion yon Magnesium im Duodenal- salt nach Stimulation mit Sekretin und fanden wie wit ein Absinken der Konzentration und einen An- stieg der Gesamtausscheidung. Messungen zur Ma- gnesiumausseheidung im Pankreas nach Pankreo- zymin wurden unseres Wissens bisher nicht mitgeteilt.

    Auch bei den untersuchten Kranken mit chro- nischer Pankreasinsuffizienz verschiedenen Aus- maBes ohne Calcifizierung der Driise verhielten sich Magnesium- und Calciumionen mit wenigen Aus- nahmen gleich: Es zeigte sich eine Verminderung der Konzentration und der Gesamtausscheidung der Pankreozyminfraktion, wie es yon uns fiir das Cal- cium an einem anderen Krankenkollektiv bereits beschrieben wurde [6, 9]. Dieses Ausbleiben des Pankreozymineffektes erkl~rt sieh durch das Schwin- den intakter Acinuszellen bei der chronischen Pan- kreatitis, was dann die Verminderung der Sekretion yon Enzymen, Calcium und Magnesium zur Folge hat. Nach Sekretin waren in der Gruppe mit m/~Biger Insuffizienz der Bauchspeicheldriise die mittlere Konzentration und die Ausscheidung beider Elektro- lyre im Mittel gegeniiber der Norm erhSht, allerdings statistisch nicht signifikant. Bei einzelnen Patienten fanden sich dagegen eindeutig erhShte Werte. Ent- sprechende Beobachtungen machten Nimmo et al. ffir Magnesium und Calcium [18] and Hansky [14]. Die Befunde beziiglich des Calciums konnten auch in der eigenen Arbeitsgruppe an einigen Patienten be- st/~tigt werden [6]. Wie wir vermuten, befinden sich

  • G. Baltzer et al.: Magnesium und Calcium im Duodenalsaft 79

    diese Pat ienten in einer Vorphase zur Bi ldung cal- cifizierter Gangkonkremente. Bei bereits manifester Calcifizierung sahen wir basal, nach Sekretin und nach Pankreozymin erhShte Konzentrat ionen und Aus- scheidungswerte ftir Calcium im Duodenalsaft [6]. Das gelegentlich beobachtete verschiedene Verhal- ten yon Magnesium and Calcium zu Beginn der Sekretinphase bei Pankreasinsuffizienz, wie es in Einzelfii l len zu sehen ist [17a], kSnnen wir bisher nicht erklgren. MSglicherweise spielen unterschied- liche Bindungsorte an Enzymmoleki i le fiir Magnesium and Calcium eine Rolle.

    ~ber das Verhalten der Calciumsekretion im Pankreas yon Pat ienten mit pr imi~rem I-lyper- parathyreo id ismus haben wir an anderer Stelle aus- fi ihrlich berichtet IS]. Die jetzt mitgetei lten Befunde best/itigen die Ergebnisse fiir das Calcium: Eine er- h6hte Konzentrat ion und Ausscheidung nach Pan- kreozymin und eine erniedrigte Sekretion, wenn die Enzymausschi i t tung in den Acinuszellen vermindert ist. Im Prinzip verhielt sieh aueh das Magnesium wie Calcium. Die Zuwachsrate war allerdings gegeniiber der Sekret infrakt ion fiir Magnesium sowohl bei der Konzentrat ion als auch bei der Ausscheidung unter Pankreozyminwirkung gr56er als bei Calcium. In der Pat ientengruppe mit gest6rter Enzymsekret ion war die Mengenausscheidung yon Magnesium sogar gegeniiber der Sekretinperiode etwas gesteigert, die- jenige yon Calcium jedoch vermindert. F i i r dieses sonst nieht beobachtete Auseinanderweichen yon Magnesium: und Calciumsekretion naeh Pankreozymin haben wir bisher keine Erklgrung.

    W/ihrend die Calciumkonzentrat ion im Serum der Pat ienten mit pr im~rem Hyperparathyreoid ismus erhSht ist, wurde diejenige yon Magnesium als Folge einer negativen Bilanz [13] hgufig erniedrigt ge- funden ([Jbersicht bei [3]). Bei der Analyse der Enzymsekret ion in verschiedenen Phasen der Pan- kreasst imulat ion der yon uns untersuchten Pa- t ienten mit Hyperparathyreoid ismus fanden wir eine erhShte Konzentrat ion yon Lipase und Amylase im Duodenalsaft im Vergleich zu einem Kol lekt iv gesunder Kontrol lpersonen [4]. Akute Hypercalc/ imie st imuliert die Enzymsekret ion im Pankreas [5]. Es ist daher denkbar, dab die Besonderheit der Magnesiumsekretion nach Pankreozymin mit der bevorzugten Sekretion eines Enzymproteins zusammen- hangt.

    Literatur 1. Bartelheimer, H.: Quantitative fraktionierte Pankreas-

    und Gallensaftuntersuchung durch Anwendung einer dreiliiufigen Doppelballonsonde. Dtseh. reed. Wschr. 78, 993 (1953)

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    Priv.-Doz. Dr. G. Baltzer Dr. B. Miiller-lgeinhardt Med. Univ.-Klinik D-3550 Marburg a.d. Lahn MannkopffstraBe 1 Bundesrepublik Deutschland

    Prof. Dr. H. Goebell Zentrum fiir Innere Mcdizin und Kindcrheilkunde der Universitiit Sektion Gastroenterologie D-7900 Ulm Steinh6velstra$e 9 Bundesrepublik Deutschland

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