Erlebnis Sdafrika - Mit Exkursionen nach Namibia und Swaziland

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    27-Dec-2016

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    3. erweiterte und ergnzte Auflage (Band 2 der Reihe Reise:Erlebnis)

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  • 2 Erlebnis sdliches Afrika

    Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Brugger, Wolfgang: Erlebnis sdliches Afrika: Reisen in der Republik Sdafrika, Nami-bia, Zimbabwe, Botswana und Swaziland Swaziland / Wolfgang Brugger. - 3., erw. und erg. Aufl. - Dillingen a.d. Donau: Brugger 1996 (Reise:Erlebnis; Bd. 2) 1. Aufl. u. d. T.: Brugger, Wolfgang: Erlebnis Sdafrika ISBN 3-926918-12-8 NE: GT

    1. Auflage: Februar 1995 2. Auflage: Juni 1995 (Nachdruck) 3. Auflage: Mrz 1996

    Druck: Druckerei und Verlag Steinmeier, Nrdlingen

    1996 by Wolfgang Brugger Verlag, Dillingen a.d. Donau Entnahme von Text und Abbildungen, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages. Alle Angaben im Buch ohne Ge-whr und Haftung durch Verlag und Autor. Fr konstruktive Kritik an die-sem Buch sind wir offen und dankbar. Ich danke allen Stellen im In- und Ausland fr die geleistete Hilfe beim Zusammenstellen dieser Erlebnisbe-richte- Sammlung. Ganz besonderer Dank fr wertvolle Anregungen und das Korrekturlesen einzelner Kapitel geht hiermit an: Edeltraud Brugger, die auch Basismaterial zum Namibia-Kapitel lieferte, Elga Zander, Ernst Her-

    Wolfgang Brugger Verlag

    D-89407 Dillingen a. d. Donau

  • Erlebnis sdliches Afrika 3

    tell, Helmut Krmer, Manfred Ohr, Gottfried Sodeck, Dr. Alfred Huber, Eli-sabeth Spiteri und Henry Pritschet. Fotorechte sind beim Autor und Edel-traud Brugger, auer Farbbilder Sibhaca-Tanz (Darron Raw, Swaziland), Dampfzug in Ost-Transvaal (heit jetzt Mpumalanga) (Rovos-Rail). Das Titelbild, sowie Nr. 5 und 19 sind von Gerhard de Lange, Tshukudu-Lodge. Dank an Konny Zander, Somerset West, fr die Reproduktion seines Geml-des einer Wstenszene aus Namibia.

    & v vF& I. Inhaltsverzeichnis.........................3

    II. Anstatt eines Vorwortes...................7

    III. Einmal Kap und zurck...................11 v 1 1 1 1 O O O 1

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    IV. Safari und Stromschnellen im Knigreich Swaziland....................................80

  • 4 Erlebnis sdliches Afrika .

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    V. Der Pilanesberg-Vulkankrater - wirklich inaktiv?.....................................99 5 8

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    VI. Zu Fu durch Zululand! Nashrnern auf der Spur........................................110 8 8

    5

    VII. Im Wohnmobil zur Westkste Afrikas.....129 . " 8

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    VIII. Gold und andere Schtze im Nordosten..145

    IX. Safari vom Feinsten.....................163 .

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    X. Mabula Game Lodge........................178

    XI. Berge und Baden.........................188 5 5

    5

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    XII. Madikwe-Wildreservat...................209 XIII. Luxus-Safari zur Bongani-Game-Lodge mit dem Rovos-Nostalgie- Express......215

    XIV. Namibia - sprdes Paradies.............230 ! "# $ % & ' (*) % ! !+, (* - . ! /0,1 2 34 5 6 7 8 9 : ; < 3=; > ? 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 @ A BC D E*F GH F G I J G F KLNM OF P F M K G Q M R H S D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D D T U VW X YNZ [ \ [ ] ^ _ ` a bc a d e \ ` ` ^ f g _ h [ i X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X j k jlX m h n h f c [o \ ` p ^ h q a f a ^ o a X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X j k kpX r s^ t u q bh [ o X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X j v wx y zN{ |,}*~ | | | | | { | x y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y | | | { | x x | { y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y | { |,}*| { | y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y y

    XV. Winter in Zimbabwe......................278 , , N ,N ,

  • 6 Erlebnis sdliches Afrika N

    XVI. Bilder

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    Liebe Leserin, lieber Leser!

    Ein Vorwort wird ganz selten gelesen. Trotzdem hier einige Worte, bevor Sie ins Lesevergngen starten. Eine ganze Reihe von Reisefhrern ber das sdliche Afrika tummelt sich mittlerweile auf dem Buchmarkt. Schon zu Zei-ten der Apartheidpolitik wurden Touristen in die Republik Sdafrika gelockt, egal, ob die Welt das Land damals boykottierte oder nicht. Was den meisten der Sdafrika - Reisefhrer fehlt: Das Afrika-Gefhl will nicht so recht auf-kommen. Diese Bcher, so wichtig sie fr die Vorbereitung der Reise sein mgen, bleiben eine Anhufung von Daten und Fakten.

    Dagegen haben Sie mit diesem Buch eine Sammlung von Reiseerlebnissen vor sich, die Sie mitten ins Herz des sdlichen Afrika fhren. Reiseberichte, die Sie mit Hilfe der am Ende der Kapitel genannten Kontakte (Reise-Info) nacherleben knnen. Praktisch: Mit Hilfe dieser Angaben erhalten Sie Bro-schren und Preise direkt aus dem sdlichen Afrika. Oft knnen Sie direkt im sdlichen Afrika buchen. Dazu ist Zugang zu einem Faxgert sinnvoll, eine Kreditkarte hilfreich. Da sich Preise schnell ndern, sind sie in diesem Buch weggelassen. Alle Touren und Exkursionen sind selbst erlebt, selbst getestet und kritisch bewertet. Wir wollen keine Schnfrberei, die sich fr Sie doch nur nachteilig auswirkt.

    Bei der Vielzahl von Reisen, die der Autor whrend der sechs Jahre seines Aufenthaltes im sdlichen Afrika unternommen hat, ist es nicht einfach, fr dieses Buch eine reprsentative Auswahl zu treffen, die jeder Preisklasse Rechnung trgt. Man kann Afrika vom 5-Sterne-Hotel aus erkunden, oder vom Millionen-Sterne-Hotel, nmlich dem Zelt. Wenn auch manches in die-sem Buch nicht erwhnt wird, weil es sonst den Rahmen sprengen und den

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    Buchpreis in die Hhe treiben wrde, eines ist sicher: Afrika hat eine lange Tradition, entdeckt zu werden. Dies gilt auch heute noch. Machen Sie mit!

    Bei aller Vorfreude auf den Urlaub im sdlichen Afrika sollte eines nicht ver-gessen werden - behutsam ausgedrckt: Westeuropische Qualittsnormen, Wertvorstellungen und Geschftsmethoden knnen hier nicht immer als selbstverstndlich vorausgesetzt werden. Wenn der Tourist dies im Auge be-hlt, nimmt er manches gelassener. Und noch etwas: Nach dem Ende der langen Apartheid - Zeit strmen Touristen aus aller Herren Lnder nach Sd-afrika. Dementsprechend sieht der Tourismussektor aus. Eine Vielzahl von Anbietern und stndige Vernderung der touristischen Infrastruktur. Manche schon vollstndig geschriebene Reiseberichte fr dieses Buch muten hier einfach weggelassen werden, weil es verschiedene Tourismus-Anbieter ein-fach nicht mehr gibt! Wildreservate, Hotels, Autovermietungen erscheinen und verschwinden wieder von der touristischen Bildflche, wechseln hnlich schnell den Besitzer wie viele Sdafrikaner umziehen: mindestens 1 x jhr-lich. Selbst einige der in diesem Buch erwhnten Anbieter sind jetzt, da Sie dies lesen, vielleicht schon nicht mehr auf dem Markt!

    Ausgehend von der zweiten haben wir die dritte Auflage um mehr als 100 Seiten und 32 Farbbilder erweitert! Wenn der Sdafrika-Tourismus sich sol-cher Zuwachsraten erfreut wie in letzter Zeit, ist die vierte Auflage mit noch mehr Farbe nicht weit!

    Zum Schlu: alle Berichte sind fr den Zeitpunkt der Recherchereise gltig. Alle Angaben sind berprft und fr die neueste Auflage revidiert, doch ohne Gewhr und unter Ausschlu jeglicher Haftung durch Autor und Verlag abge-druckt worden.

    Gute Reise!

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    Wohl jeder Urlauber im sdlichen Afrika will einmal ans Kap der Guten Hoff-nung. Wir wollen in den kommenden vier Wochen eine grere Tour mit dem Auto machen: Von Pretoria ber Kimberley nach Kapstadt, dann ber die Garden-Route, Pietermaritzburg und das Zululand zurck nach Pretoria. Wir haben ein Zelt dabei, doch werden wir vor allem um Kapstadt herum und in der Weingegend am Kap Gstehuser als Unterkunft benutzen.

    Dieser Bericht soll all jenen gewidmet sein, die mit einem Mietwagen oder Wohnmobil (siehe Adressen am Ende des Kapitels) die Strecke abfahren. Wer weniger Zeit hat, kann am Ende des Kapstadt-Abschnittes nheres ber die Flug/Mietwagen-Kombination erfahren. Eine letzte Anmerkung, bevor es losgeht: Die Abschnitte ber Ciskei und Transkei sind VOR der Abschaf-fung der Apartheid entstanden. Sie knnen davon ausgehen, da Sie in die-sen Landesteilen immer wieder vernderte touristische und politische Struk-turen vorfinden werden. Es kann sogar vorkommen, da diese Gegend we-gen zeitweiliger Unruhe gemieden werden sollte. Fragen Sie bei SATOUR (sdafrikanisches Verkehrsbro) in Deutschland nach.

    Kurz vor 9 Uhr morgens am Anfang Dezember verlassen wir Pretoria gen Sden. Keine Spur von Feriengedrnge auf der Autobahn, obwohl heute der erste Ferientag ist. Kaum fnfeinhalb Stunden spter erreichen wir Kimber-ley. Stehende Hitze, keine Wolke am Himmel. Daher sind wir dankbar, da das Fremdenverkehrsamt gleich bei der Ortseinfahrt einen Wohnwagen auf-gestellt hat, wo wir nicht nur Auskunft ber Campingmglichkeiten, sondern auch kostenlos ein kaltes Cola bekommen. Bravo, Kimberley!

    Zwischen den dunkelbraun-grauen Hgeln einer alten Abraumhalde, sehr ansprechend im Stil der Diamentengrberzeit zu einem Campingplatz umge-baut, schlagen wir unser Zelt auf. Da der Schwei bei jeder Bewegung in

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    Strmen rinnt, sind wir ber den kleinen, pieksauberen und anscheinend na-gelneuen Pool im Bereich des Campingplatzes, berrascht. Auf niedrig ge-mhtem englischen Rasen federn wir zum kstlichen Na. Erfrischt machen wir uns auf zum Diamantminen-Museum hinber, keine 200 Meter weit vom Camp entfernt.

    Das Big Hole am ueren Rand des Minenmuseum-Komplexes zieht uns magisch an. Der Grund des Groen Loches liegt in etwa 800 Metern Tiefe. Von einer sthlernen Plattform aus sehen wir etwa 150 Meter unterhalb einen kleinen See. 1914 wurde an dieser Stelle der Bergbau abgebrochen. Schon vorher war Wasser in das Loch gelaufen. Die Arbeiten konnten nicht mehr im Tagebau vor sich gehen. Tiefe Schchte muten gegraben werden, im letz-ten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts wurde der erste Frderturm gebaut.

    25 Millionen Tonnen diamanthaltigen Gesteins haben die Digger und spter die Minengesellschaften bis 1914 herausgeholt. Ich erinnere mich an eine al-te Zeichnung, auf der das verwirrende Netz von Seilen zur Frderung des Blue Ground-Gesteins aus der Tiefe abgebildet ist. Mit dem Fernglas kann ich von der Plattform aus einige weie Vgel ausmachen, die sich in der Tie-fe auf dem ruhigen Wasserspiegel des BIG HOLE treiben lassen. Nach und nach machen wir uns ein Bild von der Stadt des Diamantenrausches. Rekon-struierte Straenzge mit Wohnhusern, eine von der deutschen Diaman-tengrber-Gemeinde gebaute Kirche (die Einzelteile wurden per Schiff, Bahn und Ochsenkarren aus Europa hergebracht), mehrere Pubs, Schuhladen, Bekleidungsgeschft, Werksttten usw. sind so gut und wirklichkeitsgetreu gestaltet, da die Atmosphre aus der Zeit des Diamantenfiebers wiederent-steht. Beim Betreten der Kneipe ertnt Klaviergeklimper. Die Gestalten an der Bar scheinen zu leben. Man mchte sich am liebsten dazusetzen und sich ein Bierchen zapfen lassen.

    Der Anzahl der Pubs und Kneipen nach zu schlieen mu es auch damals so hei wie heute gewesen sein. Wir verlassen das Gelnde des Minenmu-seums und streben unserem Pool zu. Am Ausgang des Museums steht ein

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    mittelgroes Gebude, mit der Aufschrift: Kimberley Relief Station (Kimber-ley Erleichterungsstation). Das ist das rtchen. Doch wir verzichten auf ei-nen Besuch: Wir haben alle Feuchtigkeit ausgeschwitzt.

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    Unter dem lebensnotwendigen Schatten spendenden Sonnenschirm auf dem Campingplatz habe ich Zeit und Mue, eine Beilage der Diamantenfeld-Zeitung durchzublttern. Darin wird die erstaunliche Geschichte der Entde-ckung der ersten Diamanten erzhlt. Das Diamantenfieber begann im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts mit einer Gruppe von jungen Diamantensu-chern unter der Leitung eines gewissen Fleetwood Rawstone, die ihr Nacht-lager auf einem erloschenen Vulkan aufgeschlagen hatte. Einer ihrer Hilfs-krfte hatte einen zuviel getrunken. Rawstone schickte ihn zum nahegelege-nen Colesberg Kopje (Hgel), und schrfte ihm ein: Du brauchst gar nicht zurckzukommen, wenn Du keinen Diamanten mitbringst! Kurioserweise kam der Mann zurck, aber vllig nchtern und mit einigen Diamanten.

    Diamanten waren schon Jahre zuvor in der Nhe gefunden worden, darunter der ber 21 Karat groe Eureka. Drei Jahre nach dem ersten Fund brachte ein Schafhirte einen 38 Karat groen Diamanten ins Licht der Geschichte, der spter der Stern von Sdafrika genannt werden sollte. In Genf wurde der geschliffene Diamant ein Jahrhundert spter fr eine halbe Million US - Dollar an einen unbekannten Kufer versteigert. Was nach diesem ersten Fund einsetzte, erinnert mich an viele Beschreibungen des Goldrausches aus USA, Australien oder Sdafrika: Man schrieb das Jahr 1871. Tausende verlieen ihre Arbeitsstellen, packten ihre Besitztmer ein und zogen, in der Hoffnung ein Vermgen zu machen, auf die Diamantenfelder. Aus aller Welt strmten die hoffnungsvollen Glcksritter herbei. Der Kopje verschwand schnell, als die Mnner mit Pickel und Schaufel das grte je von Menschen gemachte Loch der Welt gruben.

    Einige der in den Spitzenzeiten des Rausches ber 30.000 Digger machten in kurzer Zeit tatschlich ein Vermgen, andere hatten weniger Glck und

  • 14 Einmal Kap und zurck

    versoffen ihre sprlichen Funde in den zahlreichen Kneipen der rasch an-wachsenden Stadt. Ihre noch brig gebliebenen Habseligkeiten wurden beim Pfandleiher Goodchild Rothschild (der Laden ist restauriert und zu besichti-gen) zu Geld gemacht, um die Heimreise zu finanzieren, wo sie rmer als zuvor ankamen.

    Der damalige britische Kolonialminister hie Kimberley. So bekam das Dia-mantengrber-Lager seinen Namen. Eine reiche Stadt mu Kimberley gewe-sen sein! Bereits 1882, also 11 Jahre nach der Grndung, wurde die elektri-sche Beleuchtung und eine Straenbahn eingefhrt. Zu Wohlstand gekom-mene Diamantengrber lieen sich ihre Zigaretten in einem speziellen Laden von Hand drehen.

    Mit der Zeit wurde die Arbeit im Big Hole immer schwieriger, da die abge-steckten kleinen Flchen, die Claims, immer tiefer nach unten gegraben wurden, und die Seitenwnde oft einstrzten. Benachbarte Claims muten zusammengelegt werden.

    Cecil John Rhodes, dessen Name uns vor einigen Monaten in Zimbabwe auf einer Grabplatte in den Matopos-Hgeln begegnet ist, hat hier zusammen mit Barney Barnato den Grundstein zu Reichtum und Macht gelegt. Letzterer kam aus einem armen Londoner Viertel. Als Barmann und Schauspieler fing er in der Kimberley Music Hall an, doch verlegte er sich bald auf den Han-del mit Diamanten. Im Big Hole kaufte er nach und nach Anteile an Claims auf, und bald hatte er die Rechte an den meisten.

    Rhodes, dessen Namen bis vor kurzem ein grorumiges Land nrdlich von Sdafrika trug, war aus gesundheitlichen Grnden aus England nach Sdaf-rika gekommen und seit 1871 beim Diamantenrausch dabei. Er erwarb die De-Beers-Mine, grndete 9 Jahre spter die De Beers Mining Company, und bernahm schon 18 Jahre nach seiner Ankunft aus England Barnatos Minenanteile fr einen siebenstelligen Pfundscheck. Seine Gesellschaft kauf-te in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die meisten anderen Diaman-tenminen in der Umgebung auf. Rhodes nutzte sein riesiges Vermgen u. a. dazu, Rhodesien zu grnden und sein Ideal, ein britisch dominiertes Reich

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    von Kapstadt bis Kairo anzustreben, was ihm aber letztendlich nicht gelang. Was aus Barneys Scheck geworden ist? Barnato, der in Kimberley mit 40 Schachteln minderwertiger Zigarren angekommen war, verlie Kimberley in Richtung Johannesburg, wo er sein Geld in Grundstcken und in der Goldindustrie investierte.

    Fr unseren Aufenthalt in Kimberley ist nur ein Nachmittag eingeplant gewe-sen, also machen wir uns am nchsten Tag in aller Frhe auf die Socken. Die abschlieende Stadtrundfahrt in Kimberley ist nicht sehr ergiebig. Wir haben schne alte Huser erwartet, doch Kimberley sieht aus wie jede ande-re Stadt auf dem flachen Land, nur grer. Was wir suchen, gibts anschei-nend nur noch im Minenmuseum zu sehen.

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    In Hopetown, etwa 120 km sdlich von Kimberley, will ich tanken, da die Na-del der Tankuhr bedenklich nach links zeigt. Die Broschre des sdafrikani-schen Automobilclubs stellt Hopetown als eine grere lndliche Gemeinde in der Groen Karoo vor. Doch die Hoffnung (= hope) trgt. Die einzige Tank-stelle in der Stadt hat geschlossen. Als wir in flimmernder Hitze einen schwarzen Angestellten fragen, warum, deutet er uns an, da es Sonntag sei und schickt uns weiter. Hopetown war die Hoffnungsstadt fr die Diamanten-sucher (siehe oben, Stern von Afrika), doch fr uns war sie beinahe das Aus! Fnfzig Kilometer weiter sdlich und mit der Nadel der Tankuhr am linken Anschlag fllt mir ein Stein vom Herzen: Eine kleine Gemeinde mit Namen Strydenburg (Streitburg) hat tatschlich Sprit fr uns. Puh, wieder mal Glck gehabt! Im Vertrauen auf das gute Tankstellennetz Sdafrikas ha-ben wir nmlich den Ersatzkanister zu Hause gelassen.

    Kurz hinter Kimberley beginnt die Groe Karoo, gesprochen Karuuh. Un-endliche Weite, groe Einsamkeit und uerst drftige Vegetation kenn-zeichnen diesen hitzeflimmernden, ariden Landstrich, durch den sich unsere Teerstrae als weit und breit einzige wie eine graue Riesenschlange zieht. Wir fahren oft eine halbe Stunde lang nur geradeaus, bis das Teerband in ei-

  • 16 Einmal Kap und zurck

    ner leichten Kurve die Richtung wechselt. Die Ortschaften liegen mehr als 50 Kilometer auseinander. Eine Wanderung zur nchsten Tankstelle gehrt si-cher nicht zu den schnsten Erfahrungen einer Reise.

    Die weiten Ebenen sind von einzelnen Kuppen, Rippen und Tafelbergen durchsetzt. Die Erosion hat das Land bis auf diese Formationen abgetragen. Die Karoo wird auch als Halbwste bezeichnet. Verschiedene niedrige B-sche sind zu sehen. Dazwischen Sukkulenten, z. B. Aloen und Euphorbien. Wie uns in Kimberley gesagt worden ist, hat es auch hier Anfang Dezember schon einige Male geregnet. Ein zartes, kaum wahrnehmbares Grn ber-zieht die Landschaft, in der alle Viertelstunde mal zwischen einem Dutzend Bumen die hohen Trme der Windrder stehen: Kleine Oasen mit Schatten und Wasser, inmitten von riesigem, auf den ersten Blick lebensfeindlichem Landbesitz: Farmbetriebe mit Schafzucht.

    Kleinen Herden von Merinoschafen halten sich nie mehr als zweihundert Me-ter von Windrder und Staubecken auf. Zune am Rande der Strae halten die Tiere davon ab, Bekanntschaft mit den flitzenden Autos zu machen. Kaum zu glauben, da noch im 18. und 19. Jahrhundert riesige Wildherden das Gebiet auf Suche nach Wasser und Futter durchstreift haben.

    Stundenlang sitzen wir abwechselnd am Steuer. Es ndert sich so gut wie nichts. Auf den ersten Blick eintnige Landschaft. Nur die Sonne wandert langsam bers Firmament. Lautes Wagengerusch bei hoher Tourenzahl, brausende Windwirbel bei geffneten Fenstern. Backofenhitze im Auto. Wir sind bald gar! Eine Klimaanlage wre heute sicher nicht schlecht!

    Im Mittagslicht erscheinen uns die Konturen der Landschaft hart. Luftspiege-lungen flirren am Horizont. Am spten Nachmittag, als wir vllig ausgepumpt am Tor des Karoo-Nationalparks bei Beaufort-West anhalten, ist das Licht weicher geworden. Die Schatten an den Hngen der Hgel und Bergrippen formen ein Farbenspiel von besonderem Reiz.

  • Erlebnis sdliches Afrika 17 ?2@ AB C
  • 18 Einmal Kap und zurck

    ser eindrucksvollen Berglandschaft mit Schluchten und einem Tafelberg, die sich von 800 bis fast zweitausend Metern Hhe erstreckt, hat die Verwaltung einen kleinen Wandelpad (Lehrpfad) ausgesteckt.

    Die uns Mitteleuropern drr und mickrig anmutende Vegetation ist wunder-bar vielfltig. Am Anfang des Pfades nehme ich mir am nchsten Morgen ei-ne fest eingebundene Broschre aus einer berdachten Ablage, die auf ei-nem Pfahl befestigt ist. Dreiundsechzig verschiedene Pflanzen sind darin be-schrieben. Nummern korrespondieren mit den vor den jeweiligen Pflanzen stehenden Schildern links und rechts des Fupfades. Einfallsreich, wie die Natur sich vor der unbarmherzigen Sonneneinstrahlung und drohenden Ver-trocknung schtzt. Seltsame dickblttrige Fettpflanzen wachsen hier, wh-rend kurzlebige Pflanzen ihre Samen in den Boden streuen, um den Regen zu erwarten, der einen flchtigen, aber eindrucksvollen Lebenszyklus verur-sacht. Innerhalb weniger Wochen entwickelt sich der Samen zur ausgewach-senen Pflanze. Viele der Pflanzen haben Stacheln, einige blhen rot oder gelb, Ergebnis des krzlich gefallenen Regens.

    Ein anderer Fuweg fhrte mich schon gestern quer durch die Landschaft. Herden von hbsch wei, hell - und dunkelbraun gestreiften Antilopen, Springbcke, auch Einzelgnger, standen bewegungslos im Gestrpp, bis ich herankam. Mit riesigen Stzen suchten sie das Weite. Auch auf der heutigen Fahrt durch einen Teil des fast 32.000 Hektar umfassenden Parks knnen wir zahlreiche Springbcke und auch zwei Weischwanzgnus erkennen. Die an-deren von der Parkverwaltung versprochenen Wildtiere, wie Bergzebra, Ku-du, Gemsbock, Rotes Hartebeest etc. halten sich heute vor dem suchenden Fernglas gut versteckt.

    Wieder auf der langen, scheinbar ins Unendliche ziehenden Teerstrae, kann man schon ins Sinnieren kommen. Jahrtausendelang haben die Buschleute mit ihren zum Teil vergifteten Pfeilen die Wanderherden - Springbcke, Bles-bcke und Wildebeest - gejagt. Dann kamen die Treckburen, und machten das Recht geltend, an den wenigen natrlichen Wasserlchern ihr Vieh zu trnken. Allmhlich verdrngten sie die berlebenden Buschleute in die noch

  • Erlebnis sdliches Afrika 19

    unwirtlicheren Gebiete der Kalahari-Wste. In den letzten Jahrzehnten hat die Schafzucht als wesentlicher Faktor dazu beigetragen, da groe Gebiete der Karoo von einer unbestndigen Steppe in eine Halbwste umgeformt worden ist. Man stelle sich vor: Die Karoo erstreckt sich heute bereits ber ein Drittel der Flche Sdafrikas! Die Gefahr besteht, da sie sich noch wei-ter ausdehnt.

    Beinahe wren wir an Matjesfontein vorbeigefahren! In kleiner Schrift steht am linken Wegesrand der Name auf einem verwitterten Schild. Wer nicht ge-zielt danach sucht, rauscht an der Einfahrt vorbei. Da mt Ihr hin, um einen Kaffee zu trinken, hat uns ein Bekannter empfohlen. Der reizende Kurort, 1880 gegrndet, liegt etwa auf halbem Weg vom Karoo Nationalpark nach Kapstadt. Weil seine Gebude fast alle im victorianischen Stil erbaut wurden, hat man sie renoviert und 1975 zum Nationaldenkmal erklrt.

    Mr. James Douglas Logan war seinerzeit damit beschftigt, Reisenden gutes Essen und Stimmung zu bieten, whrend sie darauf warteten, da die Dampflokomotive nach der anstrengenden Strecke aus dem Hexriver-Tal ab-khlte. Nach diesem bescheidenen Anfang Mr. Logans beherbergte das Lord-Milner-Hotel spter Besucher aus der ganzen Welt. Zu den illustren G-sten zhlten auch der Sultan von Sansibar und Lord Randolph Churchill. In einem Nebengebude des Lord Milner nehmen wir einen kleinen Imbi zu uns. Auf dem Weg durch die prachtvoll ausgestatteten Rume lassen wir uns viel Zeit, um die wertvollen Antiquitten zu bewundern, die aber nicht hinter Glas oder mit einer Leine abgesperrt, sondern fr die Hotelgste zum alltg-lichen Gebrauch bestimmt sind.

    Matjesfontein ist unter der Woche ein verschlafenes Nest, doch die ffentlich zugnglichen Gebude in der Bahnhofstrae sind von Durchreisenden ver-einnahmt worden. Der Trans-Karoo- Express hlt hier, und am Wochenende sollten Sie mal da sein, da knnen Sie vor lauter Menschen keine Huser mehr sehen, erzhlt uns die schwarze Tankwartin, die an der original nach-gebauten alten Shell-Tankstelle arbeitet. Zwar kommt der Sprit wie an mo-dernen Tankstellen mit Hilfe von elektrischen Pumpen aus dem unterirdi-

  • 20 Einmal Kap und zurck

    schen Reservoir, doch sind die Zapfsulen den alten handbetriebenen mit groen Glaskolben nachgebildet.

    In der Gegend von Ceres, etwa 130 Kilometer weiter sdlich, wird ein Gro-teil des Obstes Sdafrikas geerntet. Hier stehen mehr Pfirsichbume als in den anderen Obstregionen des Kaplandes zusammen. Wir durchqueren ein uerst fruchtbares Becken. Mehr als 2000 m hohe Berge umgeben die Stadt Ceres. Das Klima soll das ganze Jahr mild und angenehm sein, doch leider ist es heute feucht-hei. In den Grten der Stadt findet man subtropi-sche Vegetation. Der angepeilte Besuch in einer der obstverarbeitenden Fab-riken fllt aus, da die Organisatoren in landesweit verteilten Prospekten zwar die Stadt gro ankndigen, doch eine Besichtigung (noch) nicht eingefhrt haben. Stattdessen kaufen wir, um unseren eigenen Flssigkeitsspiegel an-zuheben, einige Tten mit Sften im an die Fabrik angegliederten Pavillon. Es werden in der von Containern und Holzkisten umgebenen Anlage nicht nur einheimische, sondern auch importierte Frchte in Konserven und Sfte umgearbeitet. Fast alle in den sdafrikanischen Supermrkten angebotenen Sfte, ob gemischt oder pur, kommen aus der Gegend um Ceres.

    Ceres wurde 1849 kurz nach der Erffnung des Mitchells Pa gegrndet. ber diesen Pa fhrte die Hauptreiseroute vom Kap zu den Gold- und Dia-mantenfeldern. Ceres war die letzte Verschnaufpause fr die Reisenden mit Pickel, Schaufel und Waschschssel, bevor sie die rauhen Straen durch die unwirtliche Gegend zum Landesinneren hin zogen. Ein weit voraussehender Kopf gab der Stadt damals schon den Namen der rmischen Gttin des A-ckerbaus. Ab 1910 wurden im groen Stil Obstbume angepflanzt. Die Obst-verarbeitung ist heute zum wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Stadt und ihrer Umgebung geworden.

    Der Mitchells Pa und der darauffolgende Bains-Kloof-Pa fhren durch eine landschaftlich reizvolle Gegend, die berreich mit Blumen und phantasti-schen Felsformationen gesegnet ist. Fotos knnen die visuellen Eindrcke nur schwach wiedergeben, man mu es selbst erlebt haben.

  • Erlebnis sdliches Afrika 21

    In Wellington kommen wir wieder von den Bergen herunter ins Tal. Hier fan-gen die Weinberge und -grten an, die sich ber weites Land bis nach Kap-stadt hin ziehen. Das rtliche Touristenbro hlt Prospekte ber die Welling-toner Weinroute bereit. Wir aber fahren weiter und durchqueren Paarl, das wir in den nchsten Tagen wegen Weinproben wieder aufsuchen wollen, kommen auf die Autobahn und rollen die paar letzten Kilometer noch bis zum ersten groen Ziel unserer Reise.

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    Im Dunst taucht dann am spten Nachmittag die majesttische Silhouette des weltbekannten Tafelberges auf. Er scheint vor unseren Augen stetig zu wachsen, und dominiert schon bald das gesamte Blickfeld. Dank der guten Karte von CAPTOUR kommen wir ber die breite Stadtautobahn schnell und ohne uns zu verfahren nach genau 1565 Kilometern (ab Pretoria) in Muizen-berg an, einem an der False Bay gelegenen Badevorort in Kapstadts Sden.

    Die Seele des Gstehauses Sonstraal, Marliese Townsend-Turner, die flie-end deutsch spricht, empfngt uns freundlich. Hier, das werden wir nach kurzem Aufenthalt herausfinden, kann man nach Lust und Laune Urlaub ma-chen: Der eine verbringt seine Zeit am Strand (Sonnenbraten oder Bran-dungssurfen), der andere fhrt die verschiedenen Ausflugsziele an. Entfer-nungen: Victoria & Alfred Waterfront (Hafen von Kapstadt): 30 km. Abends braucht man ca. 20 Minuten dahin, tagsber etwas lnger. Zum mit bunten Badehuschen geprenkelten Strand sind es ca. 5 Minuten zufu. Eigentlich braucht man im Gstehaus Sonstraal keinen Reisefhrer: Marliese wei bes-tens Bescheid, wenn es um kleine oder groe Touren geht! Gste, die mit dem Flugzeug ankommen, werden auf Wunsch vom Flughafen abgeholt. Marliese kann die gnstigsten Mietwagen besorgen.

    Das Gstehaus bietet gerumige, geschmackvoll eingerichtete Zimmer, ei-nen Atrium-Innenhof mit Pool, Springbrunnen und voller Pflanzen; im Ober-gescho ein voll eingerichtetes Apartment mit zwei Schlafzimmern (je 2 Bet-ten), Gstebett, Wohnzimmer und Kche. Schon allein wegen des reichli-

  • 22 Einmal Kap und zurck

    chen dekorativ hergerichteten Frhstcks lohnt es sich, hier einen oder meh-rere Tage zu bleiben: Jeden Morgen ist auf Untersetzern mit tglich wech-selndem Design eine Batterie von Kstlichkeiten aufgefahren. Fr das Frhs-tck ist Marlieses Mann, Derek, zustndig. Als wir gefragt werden, was wir denn zum Essen haben wollen, bleibt mir zunchst die Spucke weg: Steht doch schon alles da, denke ich mir: Drei Sorten Msli, Brot, Brtchen, Croissants, 4 x Wurst, O-Saft, Fruchtplatte (5 Frchte, garniert mit duftenden Blten), 2 x Marmelade, Honig. Doch dann kann ich noch whlen, sagt Mar-liese, zwischen Eiern mit oder ohne Speck. Damit es nicht langweilig wird, zaubert Marliese am nchsten Tag ein Omelett auf franzsische Art (mit fri-scher Sahne), tags darauf ein Kseomelett. Wenn wir noch lnger blieben, bin ich sicher, wrde sie jeden Tag etwas ganz Neues auf den Tisch bringen.

    Durch Marliese habe ich spter brigens zwei hchst interessante Etablis-sements in Muizenberg kennengelernt: Die echt schwbische Kneipe Pro-sit, wo man Schweinshaxen und Pils vom Fa bekommt, und das weiter un-ten erwhnte Top-Restaurant Shrimptons.

    Nach einer wohlverdienten Nachtruhe starten wir zum Kap der Guten Hoff-nung. In einer kleinen Fabrik mit Namen Mineral World haltzumachen, ge-hrt zum Pflichtprogramm eines Besuchs der Kaphalbinsel. Die Fabrik liegt am nrdlichen Ortseingang von Simonstown (ausgeschildert: Dido-Valley), rechts. Ein findiger Unternehmer lt sich aus der ganzen Welt Halbedelstei-ne kommen, und schmirgelt sie in groen, Mischmaschinen hnlichen Trom-meln zu feinen Kleinodien, die man hier gnstig erwerben kann. Unser Junior darf auf einem kleinen eingezunten Gelnde ein Ttchen voller Steine seiner Wahl fllen - eine Attraktion fr die Kleinen, die eifrig nach den nach ihrer Meinung schnsten Steinen suchen. Leider ist bei meinem Besuch die Halbedelsteinschleiferei geschlossen - wegen Stromausfall. Die Firma hat brigens vor einiger Zeit im Hafen von Kapstadt eine Filiale eingerichtet.

    An der Strae Fishhoek - Simonstown - Cape Point, am Ortsende von Si-monstown fhrt man links zum Meer hinunter (Ausschilderung: Boulders). Der kleine Parkplatz scheint in der Hauptsaison aus allen Nhten zu platzen.

  • Erlebnis sdliches Afrika 23

    Fahren Sie lieber in der Green Season (wenn am Kap die Bume aus-schlagen, ab September) oder auerhalb der Wochenenden hin, wenn Sie eine Kolonie Pinguine sehen wollen. Ein geteerter Wanderweg fhrt vom Parkplatz aus an schmucken Ferienwohnungen entlang. Von diesem Weg aus kann man ber Treppen zum Strand hinunter steigen, an dem mchtige Felsen verstreut liegen.

    Wir schleichen uns an einen Felsbrocken heran: Pltzlich liegt da ein Pinguin nur zwei Meter von uns entfernt auf einem groen Stein. Ein paar Schritte weiter kann ich beobachten, wie sich eine Schar von Pinguinen auf den Weg in die Brandung zum Fischefangen macht! Doch Vorsicht: So zahm sind die Vgel nicht - manchmal beien sie, wenn man sich zu frech nhert! Ganz in der Nhe des Autos ein Schild Walbeobachtungsplatz (siehe auch unter dem Stichwort Hermanus).

    Nach einem berteuerten und keinesfalls guten Essen in Fish Hoek an der False Bay (die wir bis zum Kap der Guten Hoffnung entlang fahren werden) kommen wir einige Kilometer weiter sdlich an einen Schlagbaum. Hier fngt das Naturreservat Cape of Good Hope an. Wir entrichten eine kleine Ge-bhr und fahren gemchlich auf einer geteerten Strae durch niedriges Ge-strpp, hier Fynbos genannt. Im Gegensatz zur in unserem Reisefhrer an-gegebenen Vielfalt an Tieren sehen wir kein einziges. Doch als wir endlich am verlassenen Leuchtturm hoch oben ber dem Kap der Guten Hoffnung stehen, dessen steilen Hgel wir zu Fu erklommen haben, kommt schon ein majesttisches Gefhl auf: Bis zum Sdpol nichts als Wasser!

    Man darf sich aber nicht tuschen lassen: Der sdlichste Punkt Afrikas ist dieses Kap nicht! Jenen Rang hat das etwas weiter stlich gelegene Kap Agulhas inne. Bartolomu Diaz umsegelte es, wie es uns berliefert wurde, im Jahre 1488 als erster, und gab der Stelle, auf der wir jetzt stehen, den Namen Kap der Strme. Heinrich der Seefahrer, der die Seefahrt frdernde Prinz der Portugiesen, taufte es in den uns bekannten hoffnungsfrohen Na-men um. Als ich durchs Fernglas im Dunst des Gischt vereinzelt Ozean-dampfer am Horizont in beiden Richtungen fahren sehe, erinnere ich mich

  • 24 Einmal Kap und zurck

    daran, da die Sage vom Fliegenden Hollnder hier ihren Ausgang genom-men hat. Seevgel lassen sich von den Aufwinden treiben, als wir mit einem letzten Blick auf das weite Meer Abschied nehmen.

    An der Westkste wollen wir zurck nach Muizenberg fahren. Den Chap-mans Peak Drive bezeichnen die Sdafrikaner als eine der schnsten Ks-tenstraen der Welt. Hoch ber dem Meer wurde eine Panoramastrae in die Felsen gesprengt. In unregelmigen Abstnden kann man auf winzigen Ausweichstellen parken und die herrliche Aussicht bewundern. Der Ort Hout Bay (Holzbucht) liegt malerisch in einer von Bergen gebildeten Bucht. Im Hafen dmpeln Fischerei- und private Boote. Hout Bay ist der Haupthafen der Langustenfischerei. Hier kann man, kommt man im Juni oder Juli, den schmackhaften barracudahnlichen Speisefisch snoek kaufen.

    Im Gstehaus Bayview Manor in Hout Bay habe ich einmal bernachtet. Die beste Sicht ber den Hafen und den auf der anderen Seite der Lagune gelegenen Chapmans Peak Drive hat man vom Frhstckszimmer aus, das mit Panoramaglasscheiben ausgestattet ist. Die Zimmer haben Fernse-her und Khlschrank. Durch die groen Fensterscheiben des Wohnzimmers sieht man auf einen kleinen Pool. Vom Rand des Gartens aus sind Wande-rungen zu diversen Gipfeln mit Fernsicht ber den Atlantik zu unternehmen. Schon allein die Fahrt zum Gstehaus ist interessant: Vom Hafen in Hout Bay aus durch die Fischereisiedlung (hier hrt man fnfmal tglich den Mu-ezzin rufen!) und dann weiter in Serpentinen immer hher hinauf bis fast zum letzten Haus vor dem Gipfel des Berges.

    Doch zurck zu unserem Aussichtspunkt am Chapmans-Peak-Drive. Wie gut, da ich eine Flasche roten Kapwein und Glser eingepackt habe. Diese Stelle hoch ber Hout Bay, mit dem Blick auf den 300 Meter steil aufragen-den Sentinel-Berg und den schumenden Atlantik ist wie geschaffen fr ei-nen Sundowner. Und so lassen wir den ereignisreichen Tag an dieser Pano-ramastrae ausklingen. Die Fahrt geht in der Abenddmmerung ber Constantia zurck nach Muizenberg.

  • Erlebnis sdliches Afrika 25

    Muizenberg ist der beliebteste Strand der Kapstdter. Ein herrlich weier lan-ger Sandstrand, der Meeresboden fllt nur sehr sanft ab, und so haben auch die Kleinen, die noch nicht schwimmen knnen, etwas davon. Muizenberg liegt an der Breitseite der False Bay. Die beiden Flanken der Bay werden von Bergen gebildet, die heute glasklar zu erkennen sind.

    Gegen Mittag haben die Kinder, die lenkbare Drachen in den Himmel schi-cken, keine Freude mehr: Der stark gewordene Wind macht das Drachen-Steigen unmglich. Viele Urlauber packen ein, denn es macht keinen Spa, auf dem Badetuch liegend sich dauernd Sand aus Mund und Augen zu wi-schen. Unser Sonnenschirm zeigt, da er auch nach oben schauen kann. Lange bleibt er nicht in dieser Position. Eine Windbe fetzt ihn von seinem Stahlgestell und treibt ihn einige Meter den Strand entlang.

    Hchste Zeit zu gehen! Gegen drei Uhr nachmittags bilden sich auf den Wel-len Gischtkronen, und die ansteigende Flut treibt blau-violette berreste von Quallen auf den Sand, die beim Drauftreten teuflisch brennen.

    Auf dem Weg von Muizenberg Richtung Ortsteil St. James findet man das Rhodes-Ferienhuschen (-Cottage). Hier ist der schwerreiche Machtpolitiker Cecil John Rhodes im besten Alter von 49 Jahren verblichen. Damit schliet sich der Kreis: Matopos, seine Grabsttte nahe Bulawayo in Zimbabwe, sein Wirken in Kimberley und nun seine Sterbesttte in Muizenberg, wo man sei-nen Lebensweg im Museum nachvollziehen kann. Das kleine hlzerne Schild Rhodes Cottage ist leicht zu bersehen. Parken Sie vor dem Huschen mit dem kleinen Garten auf der meerwrts angelegten kleinen Parkbucht. Ein Vi-deo ber Rhodes zeigt man auf Anfrage. Mittags und montags ist das Muse-um geschlossen.

    Wer Vogelliebhaber ist, findet ca. 10 Fahrminuten vom Sonstraal-Gstehaus groe Freude an der Vielzahl der Vgel im Rondevlei-Naturreservat. Beo-bachtungshtten mit Sehschlitzen und zwei Aussichttrme mit Fernrohren, made in Mnchen, ermglichen guten Ausblick! Wanderweg am See entlang. Kleines Museum mit Ausstellung der hier vorkommenden Vogelwelt.

  • 26 Einmal Kap und zurck

    Unseren Abschied vom Gstehaus Sonstraal feiern wir beim feudalen Re-staurant Shrimpton, etwa 5 Minuten zufu vom Gstehaus und Strand ent-fernt. Die Inhaberin, die zugleich Kchenchefin ist, hat sich Ihre Meriten ver-dient: Sie ist Mitglied der internationalen kulinarischen Gesellschaft Chaine des Rotisseurs. Als Vorspeise esse ich einen groen dunklen Pilz, der von einigen Scheiben Lachs bedeckt ist, darber Kaviar. Rund um das Gebilde ein Traum von hauptschlich auf Sahne basierender Soe. Als Hauptspeise serviert man Calamari auf drei unterschiedliche Arten. Wir essen im Shrimpton a la carte - die Auswahl ist riesig und das Essen ein Genu, das durch einer auerge-whnliche Auswahl von der Weinkarte gekrnt wird. Auf dem Weg zu unserer nchsten Bleibe in der Stadt, dem Gstehaus Bergzicht, wollen wir zunchst in Constantia bei den Weingtern vorbei-schauen. Wenn man Glck hat, erhlt man entweder von CAPTOUR oder di-rekt an den Weingtern eine Broschre ber die Constantia-Weinroute. Simon van der Stel wird als einer der bedeutendsten niederlndischen Gou-verneure bezeichnet. Er beschlo, 1685 seinen Wohnsitz im kaphollndi-schen Stil hinter dem Tafelberg zu bauen. Sein Anwesen ist heute National-denkmal. Aber nicht nur deshalb ist es Ziel unserer Reise am nchsten Tag. Inmitten von Weingrten haben sich viele Gleichgesinnte eingefunden, um die in den verschiedenen Gebuden ausgestellten alten Mbel und Gemlde zu besichtigen. Hendrik Cloete erwarb etwa 100 Jahre spter Groot Constan-tia. Er beschftigte sich intensiv mit Weinbau. Der deutsche Bildhauer A. An-reith schuf die Giebelskulpturen des gerumigen Kellereigebudes, das so neu wie am ersten Tag vor uns steht. Bis zum Einfall der Reblaus in der Kapkolonie im Unglcksjahr 1860 brachte das Weingut dermaen gute Trpfchen hervor, da Cloetes Weine an vielen europischen Frstenhfen genossen wurden. Als wir von den antiken Mbeln und den ausgestellten Kutschen etc. genug gesehen haben, wenden wir uns dem Eingang eines modernen Kellereige-budes zu, wo wir auf eine Fhrung mit Weinprobe mitgenommen werden.

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    Die fnf uns angebotenen Glser mit verschiedenen auf dem Weingut produ-zierten Tropfen reichen jedenfalls aus, uns fr den Rest des Tages recht frh-lich sein zu lassen.

    Weiter in Richtung Cape Towns Innenstadt machen wir einen Abstecher zum Botanischen Garten in Kirstenbosch, wo schon Cecil Rhodes Eigentmer war. Das Gelnde war seit 1653 Farmland. In eindrucksvoller Landschaft er-streckt es sich am waldreichen Osthang des Tafelbergesmassivs. Kurz nach der Jahrhundertwende hat es Rhodes der Nation zum Geschenk gemacht. Ein Jahrzent spter hat man die Kirstenbosch National Gardens gegrndet.

    Hier wird eine groe Anzahl heimischer Pflanzenarten gezchtet, gesammelt und studiert. Auf 60 Hektar Gelnde sind zahlreiche Wanderwege angelegt. Die zu dieser Jahreszeit in immer neuen Variationen blhenden Protea-Arten lassen die Verschlsse unserer Kameras nicht ruhen.

    Gstehaus Bergzicht: Wie kann diese Bed&Breakfast-Pension am Hang des Berges Lwenkopf gelegen, besser beschrieben werden? Von der Frhstcksterrasse des deutsch gefhrten Hauses haben wir einen direkten Blick auf die massive Front des Tafelberges. Jetzt, da ich dies schreibe, sitze ich gemtlich am Tisch und sehe auf der einen Seite, wie die beiden Kabinen der Tafelberg-Seilbahn auf und ab pendeln, auf der anderen Seite die gesam-te Innenstadt und ein Stck des Hafens von Kapstadt. Bergzicht liegt ideal fr Stadtbesichtigung, Wanderungen und Strandbesuch am Hang des inoffi-ziell Krauthgel genannten Stadtteiles Tamboerskloof unweit der Deut-schen Schule Kapstadt. Nicht der Botanik wegen heit der Hgel so, son-dern wegen der zahlreichen deutschen Einwohner.

    Ein von zwei Seiten vollverglaster Aufenthalts- und Frhstcksraum mit eige-ner Teekche (Mikrowelle, Khlschrank, Heiwasserbereiter, Kaffee, Tee) und viktorianischem fchen trennt den Gstetrakt vom Wohnhaus der Gast-geberfamilie Gltzow. Der Blick ber die Stadt ist zu jeder Tageszeit glei-chermaen schn - man sieht bis zum Helderberg bei Somerset-West. Ein reichliches Frhstck strkt fr die kommenden Expeditionen. Mein in der

  • 28 Einmal Kap und zurck

    Prosit-Kneipe von Zigarettenrauch durchdrungener Pullover wurde von der Gastgeberin gerne gewaschen.

    Eigentlich sollte man das Fremdenverkehrsbro CAPTOUR schon am ersten Tag besuchen. Wir haben uns schon eine Reihe von Informationen per Post besorgt, doch finden wir dort sicher Neues und Interessantes. An der vielbe-fahrenen Adderley-Street gelegen, findet man kaum einen kostengnstigen Parkplatz. So ist man gezwungen, die teuren Parkhuser aufzusuchen. Bei CAPTOUR haben wir jede nur mgliche touristische Information ber das Westkap erhalten. Hier kann der Urlauber auch Unterknfte buchen. An-schrift am Ende des Kapitels.

    An der Talstation der Drahtseilbahn zum Tafelberg, 5 Minuten Autofahrt vom Gstehaus entfernt, stehen etwa 100 Menschen an. Das will etwas bedeu-ten, denn es sind nur zwei Gondeln unterwegs, in die nur wenige Gipfel-strmer passen. Wir verzichten fr heute auf die Fahrt und auf den Blick von ganz oben. Stattdessen genieen wir das Panorama vom niedrigeren Sig-nal Hill aus. Von hier wird jeden Tag um die Mittagszeit traditionsgem ein Kanonenschu abgegeben. Wenig spter, beim Einkaufen, finden wir im na-hen Gardens-Shoppingcenter eine deutschsprachige Metzgerei mit Imbi-mglichkeit. Das im Einkaufszentrum angesiedelte Caf (deutschsprachiger Eigentmer) kann ich nicht uneingeschrnkt empfehlen, da wir dort unfreund-lich und ruppig behandelt worden sind.

    Im Planetarium der Stadt frne ich meinem Hobby. Meine Familie geht frei-willig mit. berall, wo ich hinkomme, mu nmlich das Planetarium, falls vor-handen, besichtigt werden. Fr die Groen und besonders fr die Kleinen ist heute die Entstehungsgeschichte des Weihnachtssternes dran. Eine p-dagogisch ausgezeichnet ausgearbeitete Show! Eine Minolta-Planetariumsmaschine zeigt, da sie den in Deutschland eingesetzten Pro-jektoren ebenbrtig ist. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir noch einmal bei der Talstation des Tafelberges. Bereits nach einer Viertelstunde knnen wir in die gerumige Gondel steigen. Unsere Geduld wird mit einem faszinieren-den, herrlichen Sonnenuntergang ber dem Atlantik, mit Blick ber das Zent-

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    rum, die Vororte von Kapstadt und den verlngerten Rcken des Tafelberges in Richtung auf das Kap der Guten Hoffnung belohnt. Eine zufllig anwesen-de Jugendgruppe begleitet das Verlschen des Tageslichtes mit wehmutsvol-len Gospel-Liedern. Ein kalter Wind blst heute morgen von der Einkerbung zwischen Tafelberg und Lions Head ins Tal. Er kann uns jedoch nicht davon abschrecken, den malerisch am Hang des Tafelbergs und Lions Head mit Aussicht aufs Meer gelegenen Villenvorort Camps Bay zu besichtigen und ein wenig in den eis-kalten Wellen des Atlantiks zu plantschen. Doch nicht weiter als bis zu den Knien. Die Kste entlang nach Norden bis zum Hafen schlngelt sich eine teils en-ge, von vielen Autos zugeparkte Strae, gesumt von Ferienhusern, die oft halsbrecherisch am Felsen kleben. Aus dem Panoramafenster eines dieser Huser hat man sicher beste Sicht. Meer pur: Allein mit Wellen und Gischt. Nur ffnen sollte man die Fenster bei Wind nicht! Der Hafen von Kapstadt ist knstlich angelegt. Die alte Kstenlinie hat weiter landeinwrts gelegen. Zwischen 1937 und 45 hat man der Stadt durch Auf-schttung ausgebaggerten Materials etwa 200 Hektar Land, die sogenannte Foreshore (vorgelagerte Kste), hinzugefgt. Die moderne Stadtautobahn hat die Gemter der Einwohner der Stadt sehr erregt. Der Hafen wurde durch die Baumanahme vllig von der Kernstadt abgeteilt. Dabei ist der Hafen sehr eng mit der Geschichte der Stadt, ja Sd-afrikas verbunden: Am 6. April 1652 landete hier Jan van Riebeeck mit drei kleinen Schiffen und etwa 90 Mann. Im Auftrag der Niederlndisch-Ostindischen Kompanie hatte er eine Versorgungstation fr Schiffe einzurich-ten. Eine lange Zeit war die Geschichte der Stadt am Kap und seiner Umgebung mit der Geschichte Sdafrikas gleichzusetzen. Noch heute wird die Stadt lie-bevoll Mutterstadt genannt, da von hier aus die Besiedelung des riesigen fremdartigen Landes ausging. Allmhlich waren die Huser im Hafen von Kapstadt, dem Table Bay Harbour, reichlich heruntergekommen. Finanz-

  • 30 Einmal Kap und zurck

    krftige Kapitalgeber ermglichten es, da der Hafen eine der meistbesuch-ten Touristenattraktionen des Westkaps wurde: Unter dem Namen Victoria & Alfred Waterfront findet man hier seit 1992 Restaurants, Einkaufszentren, Unterhaltungsetablissemens, Souvenirlden, Hotels. Eine Brauerei und eine Taverne, in der wir gutes Starkbier nach bayerischer Art genieen, sind in der Sommerzeit ein starker Publikumsmagnet.

    Im Windschatten an einem sonnigen Pltzchen sitzend haben wir das ge-schftige Treiben an der Victoria- und Alfred Waterfront betrachtet. Warum nicht eine Hafenrundfahrt buchen? schlgt meine Frau vor. Ich eile gehor-sam zum Bro der Sealink- Hafenrundfahrten und kaufe Tickets. Kaum ha-ben wir zehn Minuten gewartet, geht schon die Fahrt los. Doch bald sind wir an der schtzenden Kaimauer vorbeigetuckert. Wir wollen soeben in das zweite Hafenbecken einfahren, da bringt uns, die wir in Sommerkleidung den Kutter bestiegen haben, ein eiskalter Wind zum Erzittern. Zur Erinnerung: Wir schreiben Dezember, also Sommer!

    Wir sind mit zwei anderen Gsten die einzigen auf dem Winde voll ausge-setzten Hinterdeck des Bootes. Spritzer des schmutzigen Wassers werden auf unsere Haut geschleudert, was uns Schauer ber smtliche Krperteile laufen lt. Doch schon nach 2 weiteren Hafenbecken, die der Kapitn des Marterbootes treu und brav in seinem ganzen Umfang ausfhrt, sind wir wie-der an Land. Jetzt ein Glhwein! Welch ein abwegiger Gedanke, so etwas im Sommer in Kapstadt zu bekommen!

    Wir freuen uns nachtrglich - was unter dem Zhnegeklapper auf dem Kutter gar nicht mglich war - ber die wunderschne Sicht auf den Tafelberg, der sich mit Wolkenfetzen, dem sogenannten Tischtuch zugedeckt hat. Wir be-obachten unrasierte, zerlumpte Mnner mit vernachlssigten Frauen und Kindern, vom Sugling bis zum zigarettenrauchenden Jugendlichen, welche die an der Mole des Fischereihafens liegenden Fischkutter bevlkern. An der Bordwand sind abbltternde, vermutlich chinesische Schriftzeichen auszu-machen.

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    Nach dieser Schnattertour machen wir uns auf in die Stadtmitte, wo wir das Parlament (von auen) und den Botanischen Garten besichtigen. Dieser stdtische Park ist der dritte Teil eines Gelndes, das Jan van Riebeck urprnglich als Gemsegarten gedient hat. Ein paar Tausend exotische Pflanzen sind hier aus aller Herren Lndern zusammengetragen worden.

    Das Fnf-Sterne-Hotel CAPE SUN (Southern-Sun-Gruppe) im Herzen Kap-stadts hat nicht nur Zimmer nach allerhchstem europischen Standard zu bieten. Der stets freundliche Uwe Scheffer, stellvertretender Leiter des Ho-tels, brgt fr Qualitt und TOP-Service. Leider lt mir mein enger Termin-plan keine Zeit, im Hotel zu bernachten. Wir haben beschlossen, das bes-sere der zwei Cape-Sun-Restaurants, das im 1. Stock gelegene Tastevin zu besuchen. Der schwarze Klavierspieler unterhlt uns excellent und unauf-dringlich. Die Atmosphre ist gediegen. Der deutsche Koch zieht das ganze Register seines Knnens: Geschmacklich erste Klasse, Design preisgekrnt - ein optischer und kulinarischer Leckerbissen. Ich habe aus der Karte von 1994 ein Men herausgesucht:

    Vorspeise: Austern, weie und schwarze Muscheln mit Gemse, serviert in Rotwein- und Ingwersoe; Hauptgang: Springbock-Medallions, auf einem Bett von Spinat und Rote-Beete-Prree, serviert mit Rsti und krftiger Shi-raz-Soe. Dessert: Williams-Christ-Birne, in leichtem Bltterteig mit Ingwer-Butter-Soe und Zitronencreme. Na, luft Ihnen da nicht beim Lesen das Wasser im Munde zusammen?

    Im Nico-Malan-Theater, dem Kapstdter Pendant zum Staatstheater Preto-ria, machen wir eine Theaterfhrung mit. Abends bei der Auffhrung der O-per Hnsel und Gretel fhlen wir uns schon fast heimisch in den modernen Rumlichkeiten.

    Auf dem Greenmarket-Square findet jeden Tag ein Flohmarkt statt. Er unter-scheidet sich nicht von anderen Flohmrkten in der Welt. Auf die Frage an eine junge Standinhaberin, warum sie so gut deutsch sprechen knne, ant-wortet sie: Mein Vater hat mich in die Schweiz geschickt, damit ich dort deutsch lerne. Es kommen nmlich viele Deutschsprachige auf unseren

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    Flohmarkt, und die kaufen eher, wenn sie in ihrer Muttersprache angespro-chen werden. Auf Anhieb finden wir keinen Parkplatz bei der alten Festung von Kapstadt. Doch dann winkt uns ein Soldat, der am Tor Dienst tut, in den Vorhof zur Festung, wo sonst nur Militrfahrzeuge parken. Info und Reservierungen in Johannesburg: +27-11-780 -0101, Fax: -0106 Die Festung zur Guten Hoffnung ist schon 1666 entstanden, und somit das l-teste Gebude in Sdafrika. So fngt Olaf, ein deutschstmmiger rothaariger Jungsoldat (Vater ist Sdwester, die Mutter Deutsche), seine Fhrung an. Wir sind eben erst beim Hauptportal in den Innenhof eingetreten und haben mit besorgter Miene die Menschenmassen gemustert, die wie wir auf die Fhrung warten. Zwei Soldaten, der eine auf afrikaans, der andere auf eng-lisch, sammeln ihre jeweilige Sprachgruppe um sich, doch das sind immer noch zu viele. Zu unserer berraschung und auch Erleichterung kommt von der Freitreppe Olaf und ruft: Wer spricht deutsch? Wir sind die einzigen. Mir ist es lieber, wenn ich Sie ein bichen herumfhre. Sonst mu ich stun-denlang den Appell mitmachen. Danach fragt er, ob wir Zeit brig haben. Als wir bejahen, heitert sich seine sonnenverbrannte Miene sichtlich auf, denn er will sich mglichst lange vor dem Appell drcken. Was die dort erzhlen, kenne ich schon! Er fhrt uns ausgiebig durch die Gebude, am Swimmingpool der Tochter des damaligen Gouverneurs vorbei, durch die Folterkammern und das Ge-fngnis. Ein groer Teil der Festung ist nicht zugnglich und wird immer noch von der Militrverwaltung als Kaserne bentzt. Von der Festungsmauer aus haben wir einen guten Eindruck von der Leistung der Kapstdter Bauingeni-eure. Alle Hochhuser zwischen der Festung und der jetzigen Kstenlinie sind in den wenigen Jahren seit der Aufschttung der Foreshore entstan-den, wie Olaf erlutert. Rechtwinklig ziehen sich die Straen durch die mo-derne Innenstadt. Vom jetzigen Aussichtspunkt aus knnen wir auch schn die Form der Fes-tung erkennen. Die mehr als 10 Meter hohen Umfassungsmauern bilden ei-

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    nen fnfzackigen Stern. Die ersten Gouverneure am Kap wohnten hier. Nie-mals hat jemand gewagt, den steinernen Koloss anzugreifen.

    Eines abends gehen wir auf gut Glck in das uns empfohlene Restaurant Die Kapse Tafel, gleich beim Planetarium in der Stadtmitte. Die Empfeh-lung ist gelungen! Gleichsam im Wohnzimmer eines alten Kapstdter Hau-ses wird uns kaphollndische und kapmalayische Kche vom Feinsten gebo-ten. Nur wenige Tische haben in den beiden Rumen Platz, doch das Essen schmeckt kstlich.

    Eine Auswahl der zunchst fremd anmutenden Gerichte: Die Sosaties gibt es da (Fleischspiechen aus mariniertem Lamm- oder Schweinefleisch), Bobotie, ein wrziger Hackfleischauflauf mit Curry und Rosinen, und unter vielen anderen Gerichten, die mit gekochtem Krbis und allerlei Gemse an-gerichtet werden, serviert man hier noch den Bredi, einen Eintopf aus Ham-melfleisch, wobei dazu die gednsteten gehackten Stengel und Blten der Waterblommetjes, einer im Kap vorkommenden Wasserpflanze und Delika-tesse, gereicht werden.

    Nur ein paar Minuten vom Gstehaus Bergzicht entfernt, kann man in der Juwelierwerkstatt von Franz Hirner das Entstehen erlesener Schmuckstcke beobachten. Alvin Hirner holt Sie sogar vom Gstehaus oder Hotel ab, wenn Sie nicht fahren wollen. Sie erhalten Schmuck Ihrer Wahl zu Werkstattprei-sen, da kein Zwischenhndler eingeschaltet ist!

    Da ich in diesem Buch verschiedene Gstehuser vorstellen will, ziehen wir in den Ortsteil Milnerton, der nrdlich des Hafens am langen Sandstrand liegt. Cotswold House heit die im kaphollndischen Stil erbaute reprsen-tative Frhstckspension, die gleich neben einem Golfplatz und 10 Minuten zufu vom herrlichen Strand entfernt liegt. Durch eine Palmenallee nhert man sich dem Eingang des Herrenhauses. Die Strae ist ein bichen laut, bemerke ich beim Spaziergang durch den herrlichen Garten zur Chefin, Mrs Jeffrey. Was ist schon das bichen Straenlrm, erwidert sie, das wird doch vllig ausgeglichen durch den wundervollen Blick zum Tafelberg. Tat-schlich kann man in der Ferne das Wahrzeichen Kapstadts erkennen. Am

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    nchsten Morgen gibt es ein hervorragendes Frhstck a la carte mit Blick vom Frhstcksraum auf den Swimmingpool. In 5 Minuten ist man zu Fu bei Einkaufslden und Restaurants, 13 km ist es bis zur V&A-Waterfront (ca. 15 Minuten Fahrzeit). Cotswold House ist eines der wenigen Gstehuser, wo man streng das Nichtrauchergebot einhlt! Die hellen freundlichen Zimmer sind mit Telefon und Fernseher ausgerstet.

    ikj l mn&o p q r s t)ul&t)v w x t yz&{ p|v w x t)v r n n} qv {

  • Erlebnis sdliches Afrika 35

    Boote von Langustenfischern liegen fest vertut in unmittelbarer Umgebung der kleinen Fabrik, dem einzigen Arbeitgeber hier. Nach einem Blick in die saubere freundliche Kneipe am Meer verlassen wir das Drfchen, denn wir haben beschlossen, Langusten zu Mittag zu essen. Die gibt es hier (zuberei-tet) nicht.

    Im Prospekt des Fremdenverkehrsamtes hat ein Restaurant aus Saldanha (dreiig Kilometer von hier) inseriert. Es soll dort gute Meeresfrchte geben. Schon bald sitzen wir in einem groen Speisesaal mit Blick auf den Fische-reihafen der Stadt. Der Service ist schleppend, die Gerichte klein und die Preise sehr hoch.

    Das betrifft speziell ein Gericht namens Perlemoen (eine Seeschnecke, de-ren groe, perlmuttreiche Schale man anderswo als Souvenir kaufen kann), paniert. Auf dem Teller sieht es so aus wie ein groes Schnitzel, nur viel dnner. Als wir das Gericht interessehalber zerteilen, hegen wir den Ver-dacht, da dem Koch aus Versehen das Tierchen abhanden gekommen ist, und er die Panade paniert hat. Oder er die Schnecke mit einem Hammer et-was gestreckt hat, weil er fr zehn Gste nur noch zwei Tierchen hatte. Nicht zu empfehlen ist auch eine Hummerlanguste, wenn sie oben aufge-schnitten, das Fleisch herausgenommen und durch eine Mischung aus wenig Langustenfleisch, Gewrzen, Mehlpapp und Kse ersetzt worden ist. Das ganze Gericht schmeckt nach Kse. Man braucht viel Phantasie, den feinen Langustengeschmack zu erahnen.

    2 && M & )

    Der Wetterbericht gibt grnes Licht fr die geplante Besteigung des Tafelber-ges. Frh am Morgen steigen wir durch die Platteklip-Schlucht, einer Ein-kerbung im von fern gesehen undurchdringlich scheinenden Massiv des Ta-felberges, steil nach oben. Mehr als dreihundertfnfzig verschiedene Mg-lichkeiten zum Erklimmen des Berges soll es geben. Von der im Reisefhrer beschriebenen Gefhrlichkeit keine Spur. Sogar in Badelatschen sehen wir die touristischen Bergsteiger nach oben und unten keuchen. Wenn der Rei-

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    sefhrer schreibt, da es sogar ein paar Todesflle im Jahr gibt, kann das ei-gentlich nur mit diesen Latschentouristen zusammenhngen.

    Nach einer Weile beginnen wir die ungehindert vom knallblauen Himmel scheinende Sonne zu spren. Doch wir bereuen es nicht, den Aufstieg zu Fu angetreten zu haben. Bei diesem Superwetter stehen die Touristen etwa drei Stunden an der Talstation der Tafelberg-Bahn an. Dann sind wir im Schweie des Angesichts und der Fe oben angekommen: Diese Aussicht! Klar bis an den Horizont. Die Stadt, der Hafen, die sich zu den Bergen hin-ziehenden, schachbrettfrmig und grau in grau angeordneten Vororte, von Fernstraen durchschnitten. Aber auch der Ausblick auf die Gebirgskette der Kaphalbinsel im Sden, sozusagen die Verlngerung des Tafelberges, und die weitgeschwungene False Bay, die einen schon zum Indischen Ozean, die anderen noch zum Atlantik zhlen.

    Nachdem sich der Atemrhythmus wieder etwas beruhigt hat, wandern wir auf dem tischebenen Bergplateau zum anderen Ende, wo auch die Bergstation der Bahn steht. Es wimmelt von Menschen hier, die es geschafft haben, ei-nen Stehplatz in der Seilbahn zu bekommen. Wenige steigen zu Fu auf den Berg. Fr 7 Minuten Fahrt stehen sie drei Stunden und mehr an. brigens: Die Bergstation liegt auf 1067 m ber dem Hafen. Die Seilbahn wurde im Ok-tober 1929 erbaut. Zuvor war der Tafelberg den Wanderern berlassen - pa-radiesische Zustnde!

    Biologen haben mehr als 1400 verschiedene Pflanzenarten auf dem Tafel-berg gezhlt. Die Touristen, glcklich, endlich auf dem Berg angekommen zu sein, verlassen aber die gut ausgeschilderten drei Wanderwege auf dem Gip-fel und treten die Pflanzen zu Brei, um entweder an einer ungewhnlichen Stelle ein Foto zu machen oder aus einem mitgebrachten Picknickkorb zu essen: Ganz Vornehme trinken gekhlten Sekt aus richtigen Sektglsern. Doch die Pflanzen, die es hier oben nicht leicht haben, tragen die Last und verschwinden immer mehr unter den Futritten der unbekmmerten Touris-ten.

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    Feuchtigkeit erhalten die Pflanzen von dem schon erwhnten Tablecloth (Tischtuch), einer flachen Wolkenschicht, die in den Sommermonaten oft den Berg bedeckt. Starke sommerliche Sdwinde nehmen auf dem Weg ber das Meer und die False Bay Feuchtigkeit auf. Diese steigt am Gebirge der Halb-insel auf und kondensiert in khler Hhe zu weien Wolken. Auf dem flachen Tafelberg, der hchsten Erhebung, breiten sie sich aus und fallen ber die Kanten wie ein Tischtuch herab. Sobald sie wrmere Luftschichten erreichen, lsen sich die Wolken auf.

    Dassies, auch Klippschliefer genannt (eine Art groes Meerschweinchen), huschen zwischen den die Aussicht genieenden Touristen herum. Sie bet-teln ungeniert um Nahrung, und wenn einer sie mit dem Fu auf die Seite schieben will, um sich den Weg freizumachen, fauchen sie wild. Anschei-nend sind sie auf eine ganz besondere Art von Erdnssen spezialisiert, die ihnen Kinder und Erwachsene immer wieder vorlegen. Jenseits der die Aus-sichtsterrasse abschlieenden Steinmauer liegen vor dem Abgrund einige Felsen, auf denen sich ganze Dassie-Familien sonnen.

    Zeit zur Rckkehr. Wir schlendern zu Bergstation, wo wir ein Ticket fr die Talfahrt kaufen wollen. Oh Schreck! Schon wieder! Wir knnen es kaum fas-sen, doch nach einiger berlegung dmmert uns die grausame Logik des Geschehens, das sich vor uns abspielt: Eine Riesenschlange von Menschen, die alle nichts anderes vorhaben, als von oben nach unten zu gelangen, und zwar auf die bequemste Art und Weise!

    Nicht mit mir! Jetzt kommt bei mir der schwbische Dickschdel durch. Wartet nur, wir werden schon sehen, wer schneller unten ist! Mit diesen trotzigen Worten lasse ich meine Reisebegleitung, die mir viel Spa wnscht, wartend in der Schlange stehen und schreite zgig ber das Hochplateau zur Platteklip- Schlucht zurck.

    Mittlerweile ist die Sonne ein gutes Stck weitergezogen, ein Teil der Schlucht liegt im Schatten. Das freut mich, mu ich doch so nicht in der pral-len Sonne nach unten steigen. Ein erfrischender Wind blst durch die Schlucht, whrend ab und zu neben dem Geschrei von Raubvgeln das Ge-

  • 38 Einmal Kap und zurck

    brumme des Touristenhubschraubers von Kapstadt zu hren ist, dessen In-sassen es vorziehen, durch Glasscheiben und gleichsam antiseptisch die malerische Szenerie zu genieen.

    Zwei junge Mnner kommen mir schwer atmend entgegen, als ich von Stein zu Stein mit betrchtlichem Tempo (sehr anstrengend, weil man sehr aufpas-sen mu, da man nicht danebentritt) nach unten hpfe. Eineinhalb Stun-den standen wir nun schon an der Seilbahn an. In dieser Zeit ist es keinen Schritt vorwrts gegangen. Da haben wir beschlossen, zu Fu auf den Tafel-berg zu gelangen. Well done - gut gemacht!, stimme ich zu und setze mich leichtfig den Hang hinab in Bewegung, whrend jene nach oben weiter-schnaufen. Als ich meinen Spurt abbremse, weil mir ein Bergwanderer ent-gegenkommt, den ich nicht umrennen will, meint dieser: Dr. Livingstone, wenn ich nicht irre. Nicht ganz, Mr. Stanley, antworte ich entsprechend dem historischen Treffen der beiden Afrika- Abenteurer. Nach einer kurzen Unterhaltung scheiden wir voneinander, jeder mit dem Gefhl, eine gute Aus-rede fr seine eigene Rast gefunden zu haben.

    Drunten im Auto brtet die Hitze, das schwarze Armaturenbrett ist trotz des als Schutz unter die Scheibe gelegten Pappkartons glhend hei. Doch was solls? Ich mu einen Kilometer weiter zur Talstation fahren, um meine Be-gleitung abzuholen. Sehr hilfreich ist dabei ein Taschentuch, das ich um mei-ne Hnde wickle, damit ich das Lenkrad anfassen kann.

    Nach wie vor stehen vor dem Eingang zur Seilbahn mehrere hundert Touris-ten an. Doch meine Leute sind noch nicht da. Eineinhalb Stunden nach un-serer Verabschiedung auf dem Gipfel sehe ich sie nun per Fernglas in der eben ankommenden Gondel stehen. Sichtlich erschpft vom langen Warten fallen sie in die heien Polster des Autos. Dieser Tag ist nun fr weitere Akti-vitten gelaufen. Auer einem spten Mittagessen ist heute nur noch vom Ausruhen die Rede.

  • Erlebnis sdliches Afrika 39 !)&k &
  • 40 Einmal Kap und zurck

    Sentra, 4-trig, nur 4.000 km auf dem Tacho. Wir gehen gemeinsam um das Auto, um eventuelle Kratzer und Dellen auf einem bernahmeprotokoll (wichtig!) festzuhalten.

    Der erste positive Eindruck bleibt. Whrend der ganzen 14 Tage hat mich der Nissan kein einziges Mal im Stich gelassen. Er fhrt mit seinem Fnf-Gang-Getriebe uerst sparsam. Fr den Fall des Falles hat Dolphin eine Telefon-nummer angegeben, wo man sofort Hilfe erhalten kann. Auerdem ist der sdafrikanische Automobilclub zu kostenloser Hilfe bereit, da Dolphin Fir-menmitglied im Club ist.

    Am Flughafen vorbei fhrt die Autobahn N2 nach Kapstadt. Auch ohne eine Autokarte kann man - der guten Ausschilderung wegen - die Innenstadt oder auch unser 1. Ziel Muizenberg erreichen.

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  • Erlebnis sdliches Afrika 41

    Afrika sind groe Kraftquellen und das Groe, das aus ihrer Vereinigung ent-stehen kann, wird vielleicht einmal im Afrikaans offenbar werden. Afrikaans wurde, als ein Zeichen des nach dem 2. Burenkrieg wiedererstar-kenden burischen Selbstvertrauens im Jahr 1925 Amtssprache und lste die hollndische Sprache ab. Afrikaans, ist aus niederlndischen Dialekten des 17. Jahrhunderts mit Einflssen vor allem aus dem Deutschen, aber auch dem Franzsischen entstanden. Seit circa 1800 bezeichnete man die sich neu herausbildende Sprache auch als kaphollndisch. Seit der 2. Hlfte des 19. Jahrhunderts wurde diese Sprache im tglichen Gebrauch vieler Buren bentzt. Seit Beginn dieses Jahrhunderts wurde Afrikaans auch in der Schriftsprache immer hufiger gebraucht. Auch die Bezeichnung Buren wurde nun amtlich durch Afrikaaner ersetzt. Das erste Buch in Afrikaans wurde von einem Kapstdter Moslem in arabi-scher Schrift im Jahre 1856 geschrieben. Im Kapstdter Moslemdistrikt wur-de die Sprache schon 11 Jahre fleiig angewandt, bevor die erste afrikaan-se Schule auerhalb von Paarl 1880 erffnet wurde. Mit der Sprache Afri-kaans sind aber auch uerst negative Ereignisse der jngsten Geschichte Sdafrikas verbunden, die durch die Medien in aller Welt verbreitet wurden. Da dieses Buch sich aber hauptschlich mit Tourismus beschftigt, verweise ich zum Thema Politik auf das reichhaltige Literaturverzeichnis am Ende des Buches. Unsere Bleibe in Paarl ist das Rodeberg Gstehaus, unter der Leitung der rhrigen Frau Rode. Sie spricht englisch, ist aber 1994 in Deutschland gewe-sen, um einen Sprachkurs in deutsch zu absolvieren, denn sie sieht wie ich den vermehrten Zustrom deutschsprachiger Touristen nach Sdafrika. Frau Rode ist ein Schatzkstlein des Wissens ber Paarl und die ganze Re-gion. Sie arbeitet nicht nur im Gemeinderat, sondern ist auch noch fr die Restaurierung historischer Gebude in Paarl zustndig. Zwangslufig kennt jeder sie und sie kennt jeden. Ich bin beeindruckt ber die warmherzige und familire Atmosphre in diesem Gstehaus. Nichtraucher seien hiermit in-formiert: Der Hausherr raucht Pfeife.

  • 42 Einmal Kap und zurck

    Die Rodeberg Lodge gehrt zu den schnsten Beispielen viktorianischer Baukunst im Ort. Die Zimmer sind gemtlich eingerichtet, zum Teil unter dem Dach. Einrichtung mit restaurierten alten Mbeln, Dusche, Bad, Heizung. Nehmen Sie mglicherweise ein Zimmer mit Blick zum Berg. Herr Rode be-sitzt ein kleines Flugzeug. Gegen geringes Entgelt fliegt er, wenn sein Zahn-arztberuf ihm Zeit dazu lt, seine Pensionsgste rund um den Tafelberg o-der zu anderen Zielen in der Gegend.

    Gleich nach unserer Ankunft nimmt Frau Rode uns zu einem Ausflug ins Paarler Naturschutzgebiet mit. Wir steigen mit guten Schuhen ausgerstet auf die Granitfelsen, die hoch ber der Stadt thronen. Sie gaben der Stadt den Namen: Paarl = Perle. Den ersten Siedlern erschienen die glatten Fel-sen, an denen Wasser herunterlief, aus der Ferne wie Perlen. Ein paar Kilo-meter von den Felsen entfernt liegt ein sehenswerter botanischer Garten mit Grillmglichkeit.

    Fnf Minuten zu Fu vom Rodeberg Gstehaus entfernt findet man das vor-nehme Grande Roche Hotel (fnf Sterne). Es wird von Herrn Frehse, einem deutschsprechenden Sdafrikaner, geleitet. Das historische Herrenhaus, die angrenzenden Suiten und das neue Amphitheater liegen eingebettet in ei-nem malerisch angelegten Weingut. Was die Kche zu bieten hat, wollen wir an diesem Abend ausprobieren.

    Nachdem wir im gediegen wirkenden Restaurant Platz genommen haben, wird als erstes ein Handtuch, in warmem Rosenwasser getrnkt, gereicht. Die Kche steht unter deutscher Leitung. Das Restaurant leistet sich eine Dame, die beim Weinaussuchen bert. Ich nutze die Gelegenheit und frage sie ber die Geschichte und den Aufbau der sdafrikanischen Weinindustrie aus.

    Die Qualitt des Essens ist tadellos. Wie ein Gemlde hat der Kchenchef die Zutaten um das Lammfilet garniert. Als Vorspeise gibt es Spargelcreme-suppe und als Nachspeise ein Rotwein-Mousse. Wir erhalten heute nur ein festes Men, da man im Grande Roche eine Veranstaltung fr alle Mitarbei-ter abhlt. Normalerweise it der Gast a la carte. Zum Beispiel: Gerucher-

  • Erlebnis sdliches Afrika 43

    te Regenbogenforelle auf Gurkensalat, serviert mit Blinis und Kaviar; als Hauptgericht Kalbsfilet, mit Gnseleberpastete gefllt, mit Walnusoe und Sesam-Schupfnudeln. Als Nachtisch kann man z.B. einen warmen Apfelku-chen mit Calvadossoe und Eiscreme bekommen.

    Wir haben noch nicht genug von den Weingtern: Die Gegend rund um Stel-lenbosch ist das wohl bekannteste Weinanbaugebiet in Sdafrika. Eine gut gekennzeichnete Weinroute fhrt den motorisierten Touristen an ausge-whlten Weingtern vorbei, die es sich nicht nehmen lassen, ihre wohlge-pflegten Anlagen und Wohnhuser im blendend weien kaphollndischen Stil zu zeigen. Bei mehreren Weingtern machen wir Fhrungen mit, die meist kostenlos sind. Da der Touristenandrang bei zahlreichen Weinbauern zu gro geworden ist, wird auch schon mal fr die Weinverkostung eine klei-ne Gebhr verlangt. Oft ist auch ein Weinglas als Souvenir im Preis enthal-ten.

    Doch viel knnen wir wieder nicht trinken, denn bei der Sonneneinstrahlung, der Hitze im Auto und als Autofahrer insbesondere sollte man lieber einen nchternen Kopf bewahren. Die sdafrikanische Polizei hlt verstrkt nach alkoholisierten Fahrern Ausschau, denen saftige Strafen drohen. Tourist zu sein bedeutet sicher nicht, einen Freibrief zu haben!

    Im Bergkelder, einem groen Weinkeller in Stellenbosch, wird uns erklrt: Der rote Wein wird in franzsischen Eichenfssern gelagert. Sdafrikanische Eichen wachsen zu schnell und geben daher kein gutes Holz zu diesem Zwecke ab. In Stellenbosch brauche ich kein Englisch zu knnen. Die deut-sche Kolonie in Stellenbosch ist sehr gro, plaudert unsere Fhrerin durch Bergkelders Weinkeller mit uns. Sie hat eine Winzerlehre in ihrer Heimat Deutschland absolviert, und arbeitet nun einige Jahre fr einen Weinkonzern am Ort. Damit meint sie, wieder in der Heimat zurckgekehrt, bessere Chan-cen zum Aufstieg zu haben. Wir haben aus hnlichen Weinkeller-Fhrungen dazugelernt: Das Bergkelder-Management hat, wie noch keines der anderen in den von uns besuchten Kellern, in jedem Verkostungsraum Spucknpfe hingestellt. Auch haben wir Kekse vor uns, damit wir den Geschmack am

  • 44 Einmal Kap und zurck

    Gaumen neutralisieren knnen, bevor wir die nchste Flasche verkosten. So verlassen wir den klimatisierten khlen und dunklen Keller, ohne wirklich ein Glas Wein getrunken, doch eine ganze Reihe von Weinsorten probiert zu ha-ben. Urlaub auf dem Bauernhof- dieser Begriff wrde einen kurzen oder auch lngeren Besuch auf Kurt und Lyn Ammanns Wein gut Rozendal nur unzu-reichend charakterisieren. Ganz am Rande der Touristen- und Universitts-stadt Stellenbosch im Grnen gelegen, knnen wir vom Gstehaus L Au-berge Rozendal aus Entdeckungsfahrten in alle Richtungen unternehmen. Kurt ist ein begnadeter Koch, und seine Weine sind mit Liebe gemacht - von der Aufzucht der Reben bis zum Etikettieren der Flaschen legt er selbst Hand an. Das ist das Stichwort: Seine Rozendal-Weine mgen nicht die billigsten sein, doch haben sie eine Seele. So wenig wie mglich ist der Herstellungs-(Werdungs-Proze, um Kurts Worte zu gebrauchen) mechanisiert. Kommen Sie zufllig im September hin, werden Sie vielleicht das Flaschen-abfllen selbst kennenlernen: Das halbe Farmpersonal arbeitet mit! Frhstck und Abendessen werden in einem reprsentativen, doch gemtli-chen Raum gereicht, in der kalten Jahreszeit prasselt dazu ein Feuer im of-fenen Kamin. Die Gstezimmer sind in Gehweite vom Farmhaus entfernt an einem Wiesenhang angelegt und durchschnittlich eingerichtet. Vom Zimmer 1 und 2 berblicke ich das Farmgelnde und die Pferdekoppel (Ausritt mg-lich!) sowie die bergige Gegend um Stellenbosch. Ins Jonkershoek-Tal fhrt eine Strae, an derem Ende ein herrlicher Wanderweg wartet. Kurt gibt ger-ne Auskunft - er ist ihn mehrere Male gegangen. Da ich mglichst viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen aufzeigen will, essen wir heute Abend im Lord Neethling Restaurant, das nur ca. 5 Mi-nuten auf der R310 Richtung Kapstadt entfernt liegt. Der Kchenchef ist seit Mitte 1994 der Deutsche Detlev Schneider, der sein Knnen schon in der ganzen Welt unter Beweis gestellt hat. Die Speiserume sind geschmackvoll eingerichtet. Sehr positiv bleibt in Erinnerung, nicht in einer Speisehalle ge-gessen zu haben.

  • Erlebnis sdliches Afrika 45

    Der Service ist aufmerksam und schnell. Als Vorspeise nehme ich ein Ome-lett mit frischen Meeresfrchten vom Kap der Guten Hoffnung, dann ein saf-tiges Strauensteak in Pfeffersauce auf echt handgeschabten Butter-Sptzle. Als Nachspeise empfiehlt mir Detlev Eiscreme Surprise. Dahinter verbirgt sich eine fritierte Riesen-Eiskugel, hochprozentig flambiert zu Tisch gebracht. Da zum Dinieren verschiedene Zimmer zur Verfgung stehen, kann man zwi-schen Raucher und Nichtraucher auswhlen! Sehr fortschrittlich in einem Land, das beim Thema Gesundheitsbewut leben noch weit hinterherhinkt.

    Detlev Schneider, der sich fr ein lngeres Gesprch mit mir Zeit nimmt, ist ein Meister der Kche! Mehrere Publikationen (im In-und Ausland) haben schon ber seine kulinarischen Schpfungen berichtet. Interessant ist es, da die deutschsprachigen Touristen mehr auf sdafrikanische Kost stehen, whrend die einheimischen Deutschen das Restaurant bis zum letzten Platz buchen, wenn Detlev in der Zeitung typisch deutsches Essen annonciert!

    In der Winzerstadt Franschhoek, nur einige Kilometer von Paarl und Stellen-bosch entfernt, suchen wir das Gstehaus Auberge Du Quartier Francais auf. Es liegt am Rande der Ortschaft. Um einen Pool herum sind Huschen angeordnet. Unseres (Nr. 10) hat sogar einen eigenen Garten. Ich war schon einmal im Winter dort: Abends brannte ein Feuer im offenen Kamin, und zum Schlafengehen erhielt ich eine Bettflasche. Soviel Komfort auf einmal erhlt dann erst den richtigen Stellenwert, wenn man bedenkt, da das Huschen eine Fubodenheizung hat!

    Die Auberge recht unpersnlich, aber superhflich, fast wie ein Hotel verwal-tet. Die Wrme und Gastfreundschaft, die ich in vielen Gstehusern vorge-funden habe, fehlt hier einfach. Ein interessantes Detail: Das Frhstck wird gerne und ohne Aufpreis ins Zimmer gebracht.

    Nur drei Minuten mit dem Auto entfernt liegt das Weingut Clos Cabriere, wo Weinspezialist Achim von Arnim mit Champagner experimentiert und beste Ergebnisse erzielt (siehe auch die Anzeige unter unserem Inhaltsverzeich-nis). Im Clos Cabriere fhrt die Mutter des Gutsbesitzers, Baronin Theodora von Arnim, die Besucher durchs Weingut und lt die bedeutenden Tropfen

  • 46 Einmal Kap und zurck

    verkosten. Als sie hrt, da ich Bcher mache, erwidert sie spontan: Dann sind wir ja Kollegen! Sie kommt mit einem Stapel Kinderbcher ber Afrika in mehreren Sprachen (hauptschlich deutsch) aus dem Nebenraum zurck. Mit 81 Jahren hat sie begonnen, Kinderbcher zu schreiben. Nun sucht sie einen Markt fr Ihre Druckerzeugnisse. Nehmen Sie doch ein paar der uerst preiswerten klei-nen Bcher mit - ein Geschenk aus Afrika fr die Lieben zu Hause! Unser letztes Gstehaus wird Barbara Hattinghs Stellendal in Somerset West sein. Idealer Ausgangspunkt zum Aufstieg auf den Helderberg, zum Ausspannen am Strand der Ortschaft Strand (Vorort von Somerset West), zum Besuch der zahlreichen Weingter ringsumher, zu Touren entlang der Kapkste. Stellendal bietet einfache Zimmer mit ausreichendem Frhstck. Das strohgedeckte Haus hat Atmosphre, und die hilfsbereiten Gastgeber Hat-tingh bemhen sich sehr, uns alle Wnsche von den Augen abzulesen. Nehmen Sie am besten ein Zimmer, das mglichst weit von der tagsber lau-ten Hauptstrae entfernt ist. Nachts lt der Straenlrm sprbar nach. H b-scher Garten, offener Kamin im Wohnzimmer, und zum Golfspielen nur fnf Minuten. Knappe sechs Kilometer vom Gstehaus Stellendal entfernt, auf der Strae R44 Richtung Stellenbosch, liegt das geschmackvoll hergerichtete Landhaus L Auberge du Paysan. Das Landhaus ist Teil einer alten Mission, die sich dadurch auszeichnete, entlaufenen Sklaven Unterschlupf zu gewhren. Der aus dem Elsa stammende Frederick Thermann ist Koch, seine Frau die Empfangsdame. Franzsische Kche vom Feinsten erwartet Sie hier! Bei lei-ser Musik in echt sdfranzsischer Atmosphre wird mir ein dreigngiges Men aufgefahren, das ich aus einer berdimensionierten Speisekarte aus-gewhlt habe: Pro Gang werden bis zu einem Dutzend verschiedene Spei-sen angeboten! Frederick zaubert sie schnell und in makelloser Qualitt: Seit der Erffnung ist L Auberge du Paysan Jahr fr Jahr unter den besten 10 Restaurants

  • Erlebnis sdliches Afrika 47

    Sdafrikas! Grund genug, Fredericks Fhigkeiten zu testen: Als Vorspeise nehme ich frische Austern, gekocht, in einer Sherry-Soe. Hauptgang ist ei-ne berbackene Terrine. Deren Inhalt: Eine gar kstliche Auswahl von fang-frischen Langusten, Shrimps und noch mehr leckeren Meeresfrchte in einer wohlschmeckende Soe (da sind mehrere Kilo Sahne drin, schmunzelt Frederick). Da ich als Nachspeise nicht auch noch Sahniges haben mchte, bringt Frederick ein Crepe Morello auf den Tisch, gefllt mit Sauerkirschen in Portwein, flambiert mit Brandy.

    Sonnig, hei und ohne Wind: So steht es in meinen Aufzeichnungen. Wet-terangaben, bei der Abfahrt von Kapstadt, an einem frhen Mittwochmorgen im Dezember notiert. Immer an der Kste entlang nach Osten erreichen wir das ehemals kleine und freundliche Kstendorf Hermanus. Jetzt kann sich jeder Sdafrikaner glcklich schtzen, hier ein Grundstck oder gar Haus zu haben - Hermanus wchst und wchst. Doch nicht wegen der Bauwut der Einheimischen kommen die Touristen hierher. Hermanus ist das Herz der Wal-Route. Weihnachten ist natrlich die schlechteste Zeit, Wale zu sehen. Doch bei meinem Besuch im September konnte ich die sanften Riesen knappe 20 Meter weit von mir entfernt durch die Wogen gleiten sehen.

    Hier kommen hauptschlich Wale der Art Southern Right Wale vorbei. Wo-bei Right bedeutet, da dieser Wal genau der richtige fr die Walfnger war. Diese Art von Walen sind sehr reich an Tran und Hornplatten. Wegen seiner gedrungenen Form treibt der gettete Wal gut auf dem Wasser und konnte daher leicht abgeschleppt werden. Der Right Wale der nrdlichen Hemisphre ist aufgrund seiner Beliebtheit und des rcksichtslosen Jagens ausgestorben. In der sdlichen Hemisphre zeigt die Population wieder an-steigende Tendenz. Ihre Zahl soll zwischen 3.000 und 4.000 Tieren liegen. Warum kommen diese manchmal mit Fischen in einen Topf geworfenen Su-getiere eigentlich nach Hermanus? Im Winter der sdlichen Halbkugel ziehen die Wale nach Norden und erreichen so die Kste von Milnerton bis Plettenberg Bay. Hier kalben sie und paaren sich in den geschtzten Buch-ten. Von Mai bis Dezember kann man die wandernde Sehenswrdigkeit von

  • 48 Einmal Kap und zurck

    den Klippen der Felsenkste aus beobachten. brigens: Man erkennt den oben beschriebenen Wal an seiner V-frmigen Fontne: Durch den Druck des ausgestoenen Atems wird das Meerwasser hoch in die Luft geschleu-dert. Achten Sie also auf dieses Zeichen beim Absuchen der Meeres!

    Hotline zum Herausfinden, wo Wale gesichtet wurden: Captour in Muizen-berg: (021) 788 1898 ab 9:30 Uhr und Hermanus Hotline: (0283) 22629. In Hermanus angekommen, halten Sie Ausschau nach dem ersten und einzigen Wal-Rufer der Welt in der Nhe des alten Hafens. Mit einem Horn tut er mit-tels Morsezeichen seinen Mitmenschen kund, wo krzlich Wale gesichtet wurden. Und dann: Nichts wie hin! Video, Fotoapparat und Fernglas nicht vergessen!

    Nach einer langen gemchlichen Fahrt, erst der Kste entlang, dann durchs Innere einer Ausbuchtung des Kaplandes, kommen wir an den sdlichsten Punkt Afrikas: Hier liegt das Kap Agulhas.

    Zum Sdpol sind es von dem Podest, in den eine Kupferplatte eingelassen ist, schlappe 6.100 Kilometer, aber bis zum Nordpol, so besagt die Inschrift, 13.800 Kilometer. Wir steigen auf den rot-wei gestrichenen Leuchtturm, wo es uns fast hinunterblst, so strmisch weht der Wind. Der starke Leucht-turm, der laut Informationstafel eine Leuchtkraft von 11 Millionen Kerzen hat, ist fr die Schiffahrt unerllich: Unter dem Meeresspiegel setzt sich das Land etwa 200 km, gefhrlich fr die Schiffahrt, als klippenreiche Bank fort.

    In dem kleinen Vorraum des Leuchtturmes erstehen wir fr unseren Sohn ei-ne Urkunde, gedruckt in deutsch, englisch und afrikaans. Somit wird amtlich bescheinigt, da er kurz nach Weihnachten an der Sdspitze Afrikas gestan-den hat.

    Weit drauen, wo der Himmel die Wasserlinie trifft, kann ich mit dem Fern-glas Container- und andere groe Schiffe entlangziehen sehen. Das erste europische Schiff befehligte Bartolomeu Diaz, der hier 1488 entlangsegelte.

    Swellendam ist die nchste Stadt auf unserem Weg die Kste entlang nach Osten. Nach Kapstadt und Stellenbosch war sie die dritte von der Niederln-

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    disch-Ostindischen Kompanie gegrndete Stadt im sdlichen Afrika. Einige Gebude, die entlang der mit Eichen bestandenen Hauptstrae stehen, stammen noch aus den Grndertagen (ab 1747). Da es mindestens eine deutsche Gemeinde in der Region Swellendam gibt, ist fr uns Kurzzeit-Besucher durch ein in deutscher Schrift gehaltenes Firmenschild an einem Caf ersichtlich. Sdwester Stbchen ist dort zu lesen, eingerahmt von gemalten Bierfssern mit der Aufschrift Windhoek Draught, dem guten na-mibianischen Bier, gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.

    Die Sonne wirft schon arg schrge Schatten, als wir, 600 km ab Kapstadt, die Vororte von Mossel Bay erreichen. Der Campingfhrer gibt drei Pltze an. Al-le drei sind, wie es sich herausstellt, besetzt. Doch ein paar Kilometer weiter finden wir ein eingezuntes Gelnde mit einigen Ferienhuschen und Cara-vans. Enorm teuer, direkt an der lauten Durchgangsstrae, aber noch ein Pltzchen fr uns frei. Mit einer Flasche roten Kapweines, beenden wir den ungewhnlichen Abend. Eine durch Lautsprecher unangenehm drhnende und wohl alkoholisierte Trompete vom Campingplatz gegenber, die etwas angeduselte Weihnachtslieder von sich gibt, kann uns nicht am Einschlafen hindern, da der Wein bald seine Wirkung zeigt.

    Mossel-Bay am nchsten Tag: Freundlich, blauer Himmel, Sonne strahlt, ein angenehmer Wind weht. Mossel-Bay ist der Anfang der etwa 200 Kilometer langen Garten-Route, einer Ferienlandschaft, die von keinem Sdafrika-Besucher ausgelassen wird, wenn es in seinen Zeitplan pat. Die Strecke fhrt fast immer am Indischen Ozean entlang und endet bei Port Elizabeth. Fr Sdafrikaner selbst ist die Garden-Route Hauptausflugsziel, deshalb al-so die vollen Campingpltze, die man schon einige Monate im voraus fr die Ferienzeit buchen sollte. Der ppig grne Landstrich ist wie ein Magnet fr die Bewohner der oft trockenen, gelblich-braunen Landschaften im Inneren der Republik, ein Garten Eden, wie er oft in den Werbebroschren bezeich-net wird.

    Eigentlich wollten wir ja gleich in die Kleine Karoo fahren, also von der Ks-te weg, doch jetzt, bei dem schnen Wetter, geben wir Mossel-Bay noch eine

  • 50 Einmal Kap und zurck

    Chance und werden nicht enttuscht! Es wre wirklich schade gewesen, wenn wir den informativen Museumskomplex ausgelassen htten, der um die Caravelle des Seefahrers Diaz herum entstanden ist. Genauer gesagt ist das Schiff eine Kopie der Caravelle. In der Nhe von Oporto, Portugal, wo wir vor 1987 einen ganzen Tag damit verbracht haben, die verschiedenen Qualitten des dort produzierten berhmten Portweines zu erforschen, hat man im sel-ben Jahr das Schiff vom Stapel gelassen. Und wozu das Ganze? Am 8. No-vember 1987, nach allen Prfungen auf Seetchtigkeit, hat die Caravelle die Segel gehit und ist am 3. Februar 1988 in Mossel Bay, frher Aquada da Sao Bras, gelandet. Das war ein halbes Jahrtausend nach der historischen Fahrt von Bartholomeu Diaz um die Sdspitze Afrikas und seiner Landung an dieser Stelle.

    Dieser Typ Segelschiff ist von Spaniern und Portugiesen im 14. - 17. Jahr-hundert eingesetzt worden. Im 15. Jahrhundert hat man es zum Handel, zur Umsegelung der Kontinente und fr Entdekkungsfahrten eingesetzt. Der Rumpf ist aus Fichte und Eiche gebaut, 23 Meter lang und an der breitesten Stelle ber sechseinhalb Meter. Die Caravelle ist mit zwei Masten und zwei Segeln bestckt, knnen wir auf einem Schild vor dem eindrucksvollen Schiff lesen, whrend liebliche Musik in unsere Ohren dringt. Ein auf einer Konzertorgel, wie sie frher in Kinos zur Begleitung von Stummfilmen einge-setzt worden ist, spielender Mann lt seine teils schmissigen, teils ein-schmeichelnden Melodien in der modernen hohen Halle erklingen, die um das Schiff herum gebaut worden ist.

    Zum 500. Jahrestag des ersten Kontaktes zwischen dem sdlichen Afrika und der westlichen Welt und damit des Beginns von Handel und Christiani-sierung wurde eine Woche lang ein nationales Fest abgehalten. Als wir voller Interesse durch das Schiffsmuseum schlendern, fallen mir neben gut ge-machten Schautafeln ber die Geschichte der damaligen Zeit auch einige kri-tische Bilder auf.

    Da wird erklrt, da das so hoch gepriesene erste Zusammentreffen zweier Kulturen sich nicht so harmonisch abgespielt haben soll! Bei der Landung

  • Erlebnis sdliches Afrika 51

    versteckten sich die Einheimischen, es sollen San (Buschleute) gewesen sein, zunchst, verlieen dann aber die Deckung. Irgendwie kam es zu Mi-verstndnissen, man sagt, die San verteidigten ihre Wasserstelle, und die Portugiesen verfolgten die in wilder Panik ins Hinterland flchtenden Men-schen. Dabei wurden Einheimische gettet. Die Portugiesen machten sich wieder auf die Weiterreise, nachdem sie Wasser gebunkert hatten. Ein Jahr spter legte wieder ein portugiesisches Schiff an, doch diesmal entwickelte sich die Beziehung harmonischer, und es kam sogar zum Handel.

    Wie der portugiesische Chronist Joao de Barros berichtete, verlor ein Schiffs-kapitn die Verbindung zur restlichen Flotte Cabrals, als sie im Jahre 1500 die Kste Ostafrikas entlangsegelte. Auf seiner Rckreise nach Portugal suchte er in Sao Bras (Mossel Bay) Schutz und hinterlie dort einen Bericht von Cabrals Erfahrungen whrend seiner letzten Reise nach Indien. Die Nachricht wurde in einem Schuh oder Kochtopf hinterlassen und unter oder in der Nhe eines Baumes vergraben. Im nchsten Jahr fand diesen Brief ein anderer Portugiese, der auf dem Weg nach Indien war.

    Das ist also die Geschichte des ersten Postamtes in Sdafrika. Obwohl die Sorte des Postbaumes nirgends verzeichnet worden war, zeigen alte Illust-rationen zahlreiche Milkwood-Bume in der Nhe des Wasserlaufes, aus dem die Seefahrer ihren Frischwasservorrat holten. Der in Mossel Bay stolz als Posttree prsentierte Baum ist ein Milkwood. Er wurde als National-denkmal erklrt, bekam seine Plakette und ist seitdem Teil des Museums-komplexes.

    Vor einer staubigen Kuhle nahe beim Postbaum steht ein Schild, das die schon oben erwhnte Quelle mit frischem Wasser bezeichnet, die schon Herrn Diaz und die Seinen erquickt haben soll. Ist sie heute ausgetrocknet, oder haben Lausbuben das Schild versetzt?

    Im alten Getreidespeicher (1786 gebaut) ist das Informationszentrum der Stadt untergebracht, daneben steht das Muschelmuseum, das ursprnglich von einem Klempner aus einer alten, 1902 gebauten Mhle, errichtet worden ist. Wir knnen uns schwer von den hier ausgestellten, gut prsentierten Mu-

  • 52 Einmal Kap und zurck

    schelschalen trennen. Meterlange Oktopusse und Vergrerungen von Mu-scheln schmcken die von soliden hlzernen Sttzen getragenen Rumlich-keiten. In Wandtafeln wird die Geschichte der Nutzung von Schalentieren er-lutert und die Verbreitung der Tiere erlutert. Daneben sind auch lebendige Objekte in Aquarien zu sehen. Im oberen Stockwerk gehen uns die Augen ber bei der Vielfalt und dem Formen- und Farbenreichtum der Muschelscha-len, die aus aller Welt herbeigetragen worden sind.

    Ich sehe auf die Uhr, dann zur senkrecht stehenden Sonne empor: Schon wieder kurz vor Mittag! Nichts wie los, wir mssen doch heute noch in die Kleine Karoo zu den Strauen! Eine Stunde spter haben wir in Oudtshoorn einen Campingplatz mit Pool(!) gefunden und lassen uns in einem klimati-sierten Restaurant Strauenfilet schmecken.

    Die Kleine Karoo ist ebenso hei und trocken wie die Groe Karoo, die sich im Norden durch die Swartberge getrennt hinzieht. 230 mm Niederschlge im Jahr: Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Ohne Pool und Klimaanlage geht es wirklich nicht. Dabei ist noch nicht einmal die heieste Zeit des Jah-res angebrochen. Das rote Gesicht unserer jugendlichen Fhrerin auf der Strauenfarm beruhigt mich, da es nicht nur mir so schlecht geht. Sie kommt aus der Gegend von Stellenbosch, wo sie auf die Uni geht, doch hier verdient sie sich ein paar Rand in den Ferien.

    300 Meter ber dem Meeresspiegel liegt das fr meine Begriffe de Land, doch die Strauenvgel, die hier gezchtet werden, mgen das Klima gern. Es gab einmal eine Zeit, es war um die Jahrhundertwende, da waren Strau-enfedern in der ganzen Welt sehr gefragt. 750.000 Straue auf einmal konnten damals hier angetroffen werden. Und, um eine andere Zahl zu nen-nen, 460.000 Kilogramm an Federn wurden im Jahr 1913 exportiert. Kein Wunder, da sich die Feder-Barone richtige Strauen-Palste in die tro-ckene Ebene bauen konnten, so wie das in seltsamem Stil gebaute Guts-haus Welgeluk unserer Farm Safari, das wir nur von auen besichtigen knnen, da es nach wie vor bewohnt wird. Der erste Weltkrieg brachte eine

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    starke finanzielle Einbue fr die Farmer, doch spter hat sich die Zucht und der Verkauf der Vgel auf ein mittleres Ma eingepegelt.

    An die 90.000 Straue bevlkern die Kleine Karoo. Auf unserer Show- Farm werden 2500 Tiere gehalten und gezchtet. Der Strau ist ein seltsa-mes Lebewesen: Im Schnitt 2 Meter hoch und an die 100 kg schwer. Bis zu einer Entfernung von 10 Kilometern kann er Feinde erkennen. Wenn er sprin-tet, kann er bis zu 80 km/h erreichen. Er verteidigt sich mit gefhrlichen Trit-ten seiner Beine, die in zwei harten Zehen enden.

    Die in der prallen Sonne stehende Studentin fchelt sich mit ihrem Tropenhut Luft zu. Die Besucher, die im Gegensatz zu ihr auf einer berdachten, vor der Sonne schtzenden Tribne sitzen knnen, nicken ihr verstndnisvoll zu, als sie der Gruppe mit Humor und lauter Stimme Daten und Fakten ber Strau-enzucht mitteilt. Sie redet beruhigend auf einen Strau ein, der von einem Schwarzen in den Pferch gefhrt wird. Sie dreht den Hals des Tieres nach hinten bis zum Schwanz und nach vorne, um die Elastizitt zu zeigen. Die Speiserhre ist auch sehr flexibel. Bei diesen Worten packt sie sie und dreht sie auf die Rckseite des Halses, was der Strau ohne viel zu murren ber sich ergehen lt. Nur als sie versucht, die Beweglichkeit der Flgelgelenke zu demonstrieren, weicht er aus. Doch auch das klappt nach einer Weile.

    Ein paar Mutige sind aufgerufen, auf einem Strau zu reiten. Ich versuche es, ruft einer der Studentin zu, und seine Frau weist er an, mit der Videoka-mera seine heroische Tat fr die Nachwelt festzuhalten. Der Vorfhrstrau Charlie wird weggefhrt, und ein Reitstrau kommt in die Arena, mit ei-nem Papiersack ber dem Kopf. Der schwarze Helfer beruhigt den aufgereg-ten Vogel, und der Tourist schwingt sich auf das Tier. Er hlt sich am Hals des Straues fest und dreht so einige Runden in der Arena, ohne herunterzu-fallen.

    Als der tapfere Held mit strahlender Siegermiene zu der im Schatten verhar-renden Besuchergruppe zurckkommt, fragt er seine Frau Na, wie wars? Worauf seine Gemahlin mit gequltem Gesicht eingesteht, da das mit der

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    Kamera nicht ganz so geklappt habe. Shit, ist sein lautstarker Kommentar. Dann eben nochmals! Doch die Studentin hat nun genug, sie hat immerhin schon einige Stunden in der Hitze ausgehalten und noch mehrere Touren zu fhren. Drei Jockeys zeigen zum Abschlu, da man auch auf Strauen Wettrennen veranstalten kann, und sichtlich erleichtert lassen wir uns in die Gartensessel fallen, wo die Leitung der Strauenfarm unter Sonnenschirmen fr uns Tee und Kaffee bereitgestellt hat. Eine indische Familienmutter sorgt gut fr ihre vielkpfige Sippe. Sie beschlagnahmt alle Teetassen, fllt sie randvoll mit dem bereitge-stellten Tee und mischt ihn mit Zucker und Milch. Zur Abkhlung kurz in den Pool des Campingplatzes. Zu meiner berra-schung hat sich auf unserem Platz der schwarz-rote Bus eines nicht unbe-kannten deutschen Reiseunternehmens eingefunden. Deutsche Stimmen all-berall. Vorbei an den vllig berlaufenen Cango-Caves (Tropfsteinhhlen) fahren wir bergan durch wohlbewsserte Felder. Wir sind verblfft. Wo kommt denn das Wasser her? Irgendwie speichern die Berghnge den vor langer Zeit gefalle-nen Regen. Die von den Bergketten herabkommenden Bche und Flchen fhren auch in dieser Zeit noch Wasser. Auf den vor ppiger Fruchtbarkeit strotzenden, gut bestellten und ordentlich angelegten Feldern wchst vor al-lem Luzerne, das Futter fr die Straue, aber auch Getreide, Tabak, Frchte und sogar Trauben werden hier angebaut. Der Aufstieg zum Swartbergpa, der die Kleine mit der Groen Karoo ver-bindet, ist nicht sehr steil. Unser Auto klettert auf einer steinigen Strae nach oben. Bei einem Aussichtspunkt machen wir Rast. Von dem erhebenden Blick auf das im abendlichen Licht vor uns liegende Tal und die dahinter auf-steigende lange Bergkette knnen wir uns so schnell nicht trennen. In der Ferne sehen wir Rauchwolken eines ausgedehnten Buschbrandes. Das Schild auf der Pahhe gibt an, da wir nun 1568 Meter ber dem Mee-resspiegel sind. Leider steht die Sonne schon sehr schrg, und wir mssen uns sputen, nach Oudtshoorn zurckzukommen. In abenteuerlichen Serpen-

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    tinen fhrt die staubige Strae immer tiefer in eine Schlucht hinein. Hinter je-der Kurve tut sich erneut die gigantische Bergwelt auf. Eine endlos schei-nende Folge von Klippen, Kmmen und schroffen Gipfeln, von seitlichen Schluchten und tiefen Klften. Die Sandsteinschichten sind durch bizarre Fal-tungen und Verwerfungen in Schlangenlinien, Zickzackformen und wie Blitze strukturiert. Wenn einer der letzten orangefarbenen Sonnenstrahlen durch die Schlucht fllt, erinnert es an glimmendes Feuer und bietet einen berwlti-genden Anblick. Als die Schlucht breiter wird, tritt die Staubstrae aus dem Bergmassiv her-aus. Wir sind nun in der Groen Karoo mit ihren gedmpften gelb-braunen Farben. Eine breite Teerstrae fhrt uns zu einem anderen Eingang der Bergkette. In einer stndig leicht bergab fhrenden, von steilen Felswnden begleiteten 21 km langen Schlucht, dem 716 m hoch liegenden Mei-ringspoort, lassen wir den Wagen in Richtung Oudtshoorn rollen. Die Stadt liegt in der samtschwarzen Dunkelheit wie ein funkelndes Juwel vor uns, und der Mond hngt wie eine liegende Sichel im Sternenmeer still ber der wie ausgestorbenen mondartigen Landschaft. Die als kleiner Vorabendausflug geplante Fahrt ber die Berge und zurck hat doch lnger gedauert. Ein er-staunter Blick auf den Kilometerzhler: 170 km! Am nchsten Tag fliehen wir die Hitze der Karoo und machen uns nach ei-nem frhmorgendlichen Bad im Pool wieder auf zur Kste. Knappe 59 Kilo-meter fhrt uns das Teerband nach George, wobei der Outeniqua-Pa (800 m .d.Meer) berwunden werden mu. Auf 16 km fllt die Strae 590 m ab, und manchem Autofahrer knnte bei den engen Kurven, die er hinter einem langsamen Fahrzeug hinterherzuckeln mu, der Geduldsfaden reien. Trotz etlicher PS knnen und wollen wir nicht berholen, aber ein vor uns fahren-der Bakkie fordert sein Schicksal heraus. Ihm kommt aber eine recht schnell fahrende Limousine bergauf entgegen. Einige dicke Gummistreifen auf dem Teer und fr eine ganze Reihe von Autofahreren und -insassen eine gehrige Portion Adrenalin-Aussto sind zum Glck alles, was von diesem Fast-Unfall zurckbleibt.

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    melt die winzigen Kohlenstckchen ein, die beim Fttern der Lok aus dem Fhrerhaus und aus dem Schornstein fliegen.

    Als der Zug mit seinen etwa einem halben Dutzend Personen- und drei Con-tainerwagen eine halbe Stunde lang an einem Bahnhof hlt, um Wasser nachzufllen, nutze ich die Gelegenheit, den malerischen Lokfhrer auf den Film zu bannen, der gerade gedankenverloren aus dem Fenster blickt, wh-rend der Heizer hochroten Angesichtes eine Schaufel nach der anderen in den glhenden Hllenschlund der Lok wirft.

    Bei der Weiterfahrt nach Knysna stehen ab und zu kleine Eukalyptuswld-chen am Streckenrand. Die im vorher erwhnten Buch beschriebenen Gelb-holz- und Stinkholzbume sind hier fast ganz verschwunden. Frher mu es von diesen stolzen Bumen, die sehr lange brauchen, um zu wachsen, nur so gewimmelt haben. Als die Holzfller alles abgeholzt hatten, wurde schnell wachsender Eukalyptus nachgepflanzt. Nheres kann in dem spannenden einfhlsamen Roman nachgelesen werden (siehe Literaturverzeichnis).

    Es ist nach wie vor bewlkt. Nur zeitweise kommt die Sonne durch. Auf einer langen Brcke, die ber zwei Inseln die Ufer der Knysna-Lagune verbindet, erreichen wir den kleinen Bahnhof unseres Ziels. George Rex, britischer Einwanderer und Grnder von Knysna (gesprochen Naisna) ist lngst eine legendre Figur geworden. Es wird behauptet, er stamme vom britischen Knigshaus ab. Nicht sagenumwoben ist es, da er schon in den ersten Jah-ren des 19. Jahrhunderts die fr die Zukunft der Stadt wichtige Holzindustrie begrndete, die allerdings auch einen schweren und nicht wieder gutzuma-chenden Schaden an der Umwelt im einst Wald- und elefantenreichen Knys-na-Wald anrichtete.

    Der Durchstich von der Lagune zum Indischen Ozean wird links und rechts von hohen, mit Flechten bewachsenen Felsen aus Sandstein, den Heads (=Kpfe) begleitet. Viele Schiffe, die die gefhrliche Einfahrt in die Lagune benutzten, kenterten und muten auf die Seite gerumt werden. Das Stadt-zentrum, in dem lebhafter Autoverkehr herrscht, liegt beim Bahnhof gleich um die Ecke. In einem supermodernen, wohl erst krzlich erbauten Einkaufs-

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    zentrum, lassen wir uns beim Italiener ein Eis schmecken und sitzen schon bald darauf wieder im Zug zurck nach George. Die Abfahrt wird mit einem schrillen Laut aus der Dampfpfeife angekndigt, und schnaubend setzt sich das sthlerne Ungetm in Bewegung. Die Sonne scheint, wir sind bester Laune. bermtig winken wir wild den Ruder- und Segelbooten zu, deren Besatzungen zusehen, wie wir auf der schmalen Brcke die Lagune berque-ren. Die aus dem Fenster fallende Brille kann ich nicht mehr ergreifen. Ich sehe sie auf den Steinen des Bahndamms zersplittern. Mist! Beinahe blind. Hoffentlich habe ich die Ersatzbrille im Auto, sonst mu meine Frau die rest-lichen 1.800 Kilometer bis Pretoria am Steuer sitzen. Vielleicht finde ich we-nigstens das Gestell wieder, wenn wir in den nchsten Tagen mit dem Wa-gen durch Knysna kommen.

    Es wird sprbar khler. Dicke Regenwolken. ber Brcken, Lagunen, entlang an Salzwasserseen mit den Namen Langvlei, Rondevlei und Swartvlei erreichen wir wieder Wilderness, einen kleinen Ort voller Blumen. Er liegt an der gleichnamigen Lagune, die der Touw-River bei der Mndung in den Indi-schen Ozean gebildet hat.

    Bei der letzten Lagune, die mit zwei Campingpltzchen und Ferienhusern bunt gesprenkelt ist, verlassen wir den Indischen Ozean. Menschen aller Hautfarben wandern am Schienenstrang entlang. Weil es nun zu regnen an-fngt, schtzen sie sich mit allerhand mglichen und unmglichen Bede-ckungen. Im Handschuhfach des Autos finde ich meine Ersatzbrille: Glck im Unglck! Mit einem mongolischen Essen beschlieen wir den erlebnisrei-chen Tag. Dabei mssen in einem Schsselchen verschiedene Zutaten eines Buffets gemischt werden, die dann von einem an einer heien Platte stehen-den Bediensteten in Minutenschnelle gegart werden.

    Wanderung durch die Outeniqua-Berge Tags drauf beschlieen wir, da das Wetter mitmacht, in den Wldern der Ou-teniqua-Berge zu wandern. So haben wir wenigstens einen kleinen Eindruck, wie der Urwald zur Zeit von George Rex und den berhmten Knysna-Elefanten gewesen sein mu. Ein bequemer Wanderpfad fhrt uns einige

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    Stunden in den dmmrigen Dschungel der Groeneweide, durchstrmt von hell pltschernden Bchlein. Auf der Heimfahrt genieen wir, diesmal vom Wagen aus, die herrliche Landschaft, durch die wir gestern mit der Dampflok gefahren sind, und strzen uns bei Wilderness mit einem in George gekauf-ten Wellengleit-Brett in die Fluten des Meeres, die sich in wildem Gischt am Ufer brechen. Ein starker Wind, wie schon zur Genge bekannt an der Kste dieses Ozeans, und die hereinbrechende Abenddmmerung treiben uns zu-rck zum Campingplatz in George.

    Bei klarer Sicht und warmem Wetter- kein Wlkchen ist am Firmament zu sehen - erreichen wir um halb 11 vormittags Knysna. Wo der Schienenstrang auf das Lagunenufer trifft, finden wir einen Parkplatz. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die verlorene Brille wiederzufinden. Unter einem Stacheldraht hindurch komme ich auf die Geleise, berquere die erste Brcke, und da soll-te die Stelle sein, wo mir vorgestern die Brille aus dem Zugfenster gefallen ist. Keine Spur davon. Oder war es weiter in der Mitte der Lagune? Da ich chronischer Optimist bin, marschiere ich weiter, mit meinem Filius im Schlepptau, der nur uerst langsam vorwrtskommt, da er die groen Schwellenabstnde mit Sprngen berbrcken mu.

    Am Schienenstrang entlang spazieren Farbige, die Plastikeimerchen mit sich tragen. Was sie blo damit anfangen wollen? Glassplitter glitzern im Sonnen-licht. Meine Brille? Nein, sie sind zu gebogen, vermutlich von Colaflaschen.

    Ein Farbiger in ziemlich zerschlissener Kleidung und einem verwaschenen Filzhut zum Schutz gegen die herunterbrennende Sonne stapft barfu im schlammigen Wasser. Der Wasserspiegel an dieser Stelle ist nur etwa kn-chelhoch. Da bckt er sich und puhlt irgend etwas aus dem Schlamm. Seine Beute steckt er in sein gelbes Eimerchen. Dann stapft er wieder im Matsch herum. Spter treffe ich mehrere Einheimische, die ihre Beute, winzige Kreb-schen, heimwrts tragen.

    Papa, schau da hinten, Rauchwolken! ruft mir mein Sohn zu. Zwischen den Bumen, am Ende der Lagune auf halber Hhe des Berges, bewegt sich ei-ne weie Dampfwolke. Ich blicke auf die Uhr. Das knnte die Lok sein. Wir

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    machen uns auf die Socken. Auf die Brcke pat nur einer: Das fauchende Ungetm oder wir!

    Einen Angler, der gemtlich auf der Brcke sitzend seine Angelschnur ber das Gelnder in das seichte Wasser hlt, mache ich auf die drohend nher-kommende Lok aufmerksam. Er erschrickt, rafft seine Leine zusammen, packt seinen Kbel und flieht mit uns zum Ende der Brcke, wo ein Damm die Schienen trgt.

    Da kommt sie auch schon. Gigantisch, wie das sthlerne Ungetm auf uns zustrzt. Wir halten uns an den uersten Rand des schmalen Dammes, dennoch knnen wir die Macht der entfesselten Urgewalten spren. Heftige Erschtterungen lassen den Damm erbeben, als der Koloss von Lok mit den Wagen im Schlepp an uns vorbeistiebt. Der Geruch von Wasserdampf und Kohle erfllt die Luft. Wir sind momentan ganz im Nebel eingehllt. Als er sich verzieht, fhrt der George-Knysna Express schon auf dem Ufer der La-gune entlang.

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    Garten Eden steht auf einem winzigen Schild an einer Parkbucht ein paar Kilometer auerhalb Knysnas. Beinahe wren wir daran vorbeigehuscht. Se-henswrdigkeiten sind hier anscheinend nicht besonders gut und rechtzeitig vorher ausgeschildert. Schn schattig ist es im Inneren eines aus Natur-schutzgrnden bewahrten Teils dieses (vor allem durch Bcher) berhmten Teils des Knysna-Waldes. Ein informativer Waldlehrpfad, wie man in Mittel-europa sagen wrde, fhrt durch das Dickicht. Vereinzelt stehen Informati-onstafeln vor den Urwaldriesen, die sich majesttisch in schwindelnde Hhe zum Bltterdach emporrecken. Mchtige Bume sind auseinandergebrochen, um langsam zu zerfallen: Nahrung fr andere Urwaldbewohner.

    Der Knysna-Forest ist der umfangreichste natrliche Wald in Sdafrika. Groe und sehr alte Bume, aber auch exotische Spezies sind hier zu fin-den: Stinkwood, Gelbholz, Schwarzholz, Eisenholz, daneben Farne, wunder-

  • Erlebnis sdliches Afrika 61

    lich verschlungene Kletterpflanzen und Wildblumen. Der Wald ist, abgesehen von dem Teil, durch den der Waldlehrpfad geht, sehr dicht, und an einigen Stellen undurchdringbar. Ein richtiger Dschungel also. An Tieren leben hier nur ein paar Antilopen und die sprlichen berreste von Herden des Knysna-Elefanten, die einst das Gebiet bevlkerten - die letzten der Busch- oder Sa-vannenelefanten.

    Plettenberg Bay, dreiig Kilometer weiter, wird als das Zentrum der Garden Route bezeichnet. Wir wollen hier nicht baden, es ist zuviel los. Auerdem herrscht am Strand starker Wind. Auf einer Klippe auerhalb des Ortes ver-zehren wir unter einem strahlend blauen Himmel unser Lunchpaket, whrend Mven um uns herum ihre Runden drehen. Wir haben ein wundervolles Pa-norama vor uns: Die weitgeschwungene Bahia Formosa, von den Portugie-sen 1576 wunderschne Bucht getauft. 1778 ging der Erwerb von Grund-besitz noch recht einfach vor sich: Der Gouverneur Joachim von Plettenberg setzte damals einen Stein in den Sand, und damit war das ganze Gebiet fr die Niederlndisch-Ostindische Kompanie in Besitz genommen. Ein Kurio-sum hat die Ortschaft zu bieten: Von 1912 bis 1920 war hier eine norwegi-sche Walfang-Gesellschaft zu Hause. Heute sind es Tausende von Touristen, die links und rechts von einer felsigen, die Mitte der Bucht beherrschenden Insel, die zwanzig Kilometer feinsten Sandstrandes bevlkern.

    Weitere dreiig Kilometer erreichen wir das besonders reizvolle Tsitsikam-ma-Land. Die Hottentotten (Khoi-Khoi) nannten das lange fr Weie unpas-sierbare Gebiet nach dem Klaren Wasser, das in pltschernden Bchlein seiner Kste zustrmt. Auf einer schmalen gewundenen Teerstrae fahren wir ber den Grootriver Pa in steilen Kehren die tiefen Schluchten des gleichnamigen Flusses zum Meer hinunter. Bei Natures Valley, dem Tal der Natur, wagen wir uns endlich ins Wasser. Duschen gibt es in diesem natur-belassenen Gebiet nicht, aber in dem leicht salzhaltigen warmen Wasser der seichten Lagune knnen wir uns vom klebrigen Sand und Salzwasser su-bern. Ferienhuschen bilden eine kleine Siedlung. Gegenber der Lagune liegt ein Campingplatz, der als Anfangs- und Endpunkt fr die Wanderer der

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    beiden ebenso berhmten wie auf viele Monate ausgebuchten Wanderwege, des Otter- und des Tsitsikamma-Trails dienen. Beide Wege durchqueren den Tsitsikamma-Ksten-Nationalpark. 1964 hat die Nationalparkbehrde den ersten Park dieser Art hier gegrndet. Von 800 Metern im Meer bis zu den steil aufragenden Felsklippen umfat der Park ein Gebiet von 80 Kilometern entlang der Kste. Dank des ganzjhrigen Nieder-schlages ist die Vegetation ppig grn. ber die steile Kste scheint ein gr-ner Wasserfall, gebildet durch Wald, Farne und Blumen, zu strzen. Die hier vorkommende Fynbos-Vegetation (Feinbusch) unterscheidet sich von der in der sdwestlichen Kapprovinz vorkommenden wegen der in diesem Gebiet hheren Feuchtigkeit. Erica-Arten und die Knigsprotea (Protea Cynaroides) wachsen neben vielen Lilienarten und Orchideen. Unser Wagen steigt in Kehren den Bloukranspa hinauf. Mit einem fabelhaften Ausblick von einem Halteplatz am Straenrand auf Natures Valley und die Lagune nehmen wir Abschied. Wir berqueren den Storms River, dessen Mndung den Einstieg in den Otter-Trail bildet. Nun passieren wir knstlich angepflanzte Wlder. Die Landschaft wirkt weniger erhebend auf uns. Erst an der St.-Francis-Bucht treffen wir wieder den Indischen Ozean. Hinter der weitflchig ausgedehnten Stadt Port Elizabeth, die wir auf einer grozgigen Stadtautobahn umgehen, biegen wir nach Norden ab. Auf recht holpriger Strae, an mit Plastiktten verzierten Stacheldrahtzunen vorbei, die sich um die Locations, die durch die Apartheidregierung festgeschriebenen Wohngebiete der Nichtweien von Port Elisabeth ziehen, fahren wir auf Addo zu, in dessen Nhe unser heutiges bernachtungsziel, der Addo Elefant Park einfach zu finden ist.

    ! ! ) & &

    Von der schlechten Teerstrae, die durch trockene, staubige, gelbbraune Landschaft zieht, biegen wir auf eine ungeteerte Strae ab, die uns nach mehreren Kilometern in das Camp fhrt. Abends, es ist Silvester, wirft der Vollmond ein zauberhaft weies Licht auf den beschaulichen Campingplatz. Windstille, doch die erwarteten Mcken bleiben aus.

  • Erlebnis sdliches Afrika 63

    Das neue Jahr begrt uns mit einem heftigen Sturm um 4 Uhr frh. Regen-spritzer sprhen durch den nur mit Fliegengaze verschlossenen Eingang des Zeltes auf mein Gesicht. In Windeseile bin ich aus dem Schlafsack und werfe die Regenhlle ber das Zelt, die ich wegen der aufgekommenen Windben festzurren mu. Der Sturm treibt schwere Regenwolken vor sich her. Als wir, noch etwas mde, endlich aufstehen, hat der sich der Sturm gelegt. Sonnen-strahlen kommen durch die weien Federwlkchen. Nach dem Frhstck fahren wir durch ein Gatter, das den Eingang des eigentlichen Elefantenpar-kes bildet. Ein hoher, mit starken Eisenstangen gesttzter Zaun umgibt ein hgeliges Gebiet von achteinhalbtausend Hektar. Die Lieblingsspeise der E-lefanten, der Spekboom und eine Vielzahl von anderen Bumen, Bschen und Kletterpflanzen, meist mannshoch, bevlkern dicht an dicht den Park.

    Vor einigen Jahren hat die Parkverwaltung weitere 1600 Hektar Land hinzu-gekauft, um den ber 160 Elefanten und 21 Schwarzen Rhinos, einer Unter-gruppe der Kenya-Nashrner, sowie Bffeln, Elenantilopen, Roten Harte-beest usw. gengend Platz und Nahrung zu verschaffen.

    berall auf und neben der Schotterstrae durch den Park sehen wir Spuren von Elefanten: Die recht unverdaut aussehenden riesigen berbleibsel ihres Stoffwechsels. Gro ist unsere Safari-Ausbeute heute nicht: Ein einzelner Elefant kommt uns vor die Linse, eine Schildkrte, eine vielfarbige Heu-schrecke, die wir gebhrend und ausfhrlich fotografieren, 6 Hartebeest, und eine Menge blhender Bsche. Besonders schn sind die stacheligen, in gelben Kgelchen blhenden Kameldornbume. Kaum zu glauben, da wir 41 km gefahren sind, als wir den eingezunten Bereich des Parks durch das elefantensichere Tor wieder verlassen.

    Bis in die zweite Hlfte des vorigen Jahrhunderts waren die Elefanten in der sdlichen Kapprovinz heimisch, doch zum Schutz der Farmen und der Sied-ler wurden sie spter in groer Zahl gejagt. Die wenigen noch briggebliebe-nen Tiere bekamen in diesem Park 1931 eine Zufluchtssttte. Ein besonders schnes Exemplar eines Leitbullen, besser gesagt, der riesige Kopf davon, behindert die den Speisesaal des Camps besuchenden Touristen mit hoch-

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    aufgerecktem Rssel und scheinbar wtendem Blick, wenn es heit, an der Salatbar das Essen zu vervollstndigen.

    Vermutlich von Freiheitsdrang getrieben, durchbrach der von einem jngeren Bullen verdrngte Elefant mehrmals die sonst als ausbruchssicher geltende Einzunung des Parks und machte die Gegend unsicher. Damit war sein To-desurteil schon geschrieben. Nachdem er noch mehrere Male seine Kollegen angegriffen und eine Elefantenkuh zu Tode gespiet hatte, machten die Park-Aufseher kurzen Proze und hatten einen neuen Wandschmuck.

    Kurz vor Sonnenuntergang, treffen wir hinter einer mit Ausgucklchern ver-sehenen Bretterwand an einer Wasserstelle eine Herde Elefanten an. Wir werden Zuschauer, um nicht zu sagen Voyeure einer richtigen Elefanten-hochzeit. Eine Gruppe von Touristen filmt und fotografiert die Tiere im Ge-genlicht. Ungerhrt von dem Treiben zweier ihrer Artgenossen saugen ande-re Elefanten in Ruhe Wasser aus dem Teich mit ihren Rsseln ein und sprit-zen sich das kstliche Na ins Maul. Einige Meter weiter kmpfen zwei Bul-len um das Recht, als erste am Wasserloch stehen zu drfen. ber allem dreht sich quietschend ein rostiges Windrad, ohne das die ganze Szene nicht mglich gewesen wre.

    Als wir zusammen mit einem anderen Nachzgler erschrocken ber die sp-te Uhrzeit den Aussichtspunkt verlassen, brausen wir mit leicht berhhter Geschwindigkeit zum Eingangstor. Einmal mssen wir kurz anhalten, als das Auto vor uns bremst. Handbewegungen geben uns zu verstehen, da vor uns Elefanten den Weg blockieren. Aber bald wird Entwarnung gegeben und wir machen, da wir weiterkommen. Die im Licht des Sonnenuntergangs rot-golden glnzenden Staubfahnen, die wir hinter uns lassen, waren umsonst: Das Tor ist zu, das Wrterhuschen verlassen. Ich steige aus dem Wagen, und wir stellen fest, da das Schlo ebenfalls elefantensicher ist: Ein ries i-ges Gert, das ein starkes Stahlseil zusammenhlt.

    Ein Junge wird losgeschickt, um den Wchter zu holen. Kurz darauf finden wir in einer unverschlossenen Schublade im Wrterhuschen einen Schls-sel. In Windeseile ist das Schlo, zu dem der Schlssel tatschlich pat, auf-

  • Erlebnis sdliches Afrika 65

    aufgesperrt, unsere beiden Autos herausgefahren und das Tor wieder zu. Als wir wegfahren wollen, kommt der Junge mit dem schwarzen Wchter auf uns zu. Wir mssen uns eine Standpauke anhren, warum wir denn nicht zur rechten Zeit das Gelnde verlassen htten. Der Sdafrikaner aus dem ande-ren Auto entschuldigt uns mit Elefanten, die sich auf dem Wege befunden htten, verschweigt aber die Elefantenhochzeit.

    Ist noch jemand drin? will der Wrter wissen, indem er auf das wieder ver-schlossene Wildgatter zeigt. Eine Familie, die sich gar nicht von dem Anblick trennen konnte, haben wir bei den Elefanten zurckgelassen. Mit etwas in-digniertem Blick lt der Schwarze uns weiterfahren und geht wohl oder bel zu seinem Wrterhuschen, um berstunden zu machen. Im Krger-Nationalpark htte uns das zu spte Verlassen des Parkes eine stattliche Geldsumme gekostet - und einen Verweis dazu!

    Einige Tage spter erreichen wir Settler Country (Siedler-Land). Gra-hamstown, dessen didaktisch gut aufgemachte Museen wir besichtigen, liegt als alte Hauptstadt im Zentrum des geschichtstrchtigen Landstrichs. Unheil-volle und teils sehr blutige Auseinandersetzungen fanden hier zwischen Schwarz und Wei statt. Zwei gegenlufige Vlkerwanderungen, von Nord-osten kommend schwarze Stmme, hauptschlich Xhosas, und Vertreter der weien Rasse aus dem Sdwesten, prallten vehement aufeinander.

    Die schwarzen Vlker hatten sich nicht sdlich des Keiflusses, sondern auf dem Highveld des Transvaal und in Natal angesiedelt, wo sie Getreide an-bauen konnten. Als die sogenannten Treckburen vom Kap aus nach Norden und Osten vorstieen, konnte erst die Gegend des Kei-Rivers ihnen bieten, was sie brauchten: brauchbare Weide und gengend Trinkwasser. Sie mu-ten feststellen, da das Gebiet bereits besiedelt war. Das nun fhrte zwangs-lufig zum Kampf, in dem der weie Hirte gegen den schwarzen Hirten um das Weiderecht und den guten Boden stritt.

    Dutzende von Bchern geben Aufschlu ber die Waffengnge und Metze-leien. Die blutigen Kriege und der mehrere Jahrhunderte andauernde Kon-flikt, der danach folgte, wurden ausfhrlich aufgezeichnet. Schon andeu-

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    tungsweise enthalten sie den Keim der Probleme, mit denen das Land noch heute zu kmpfen hat. Ein besonders aufschlureiches Buch, natrlich aus weier, burischer Sicht (siehe Bibliographie): Die Farm am Konaap - Flu, von F.A. Venter. Die Briten bauten eine Kette von Militrposten, Forts und Signalstationen, um das Grenzgebiet, das stndig umkmpft war, zu schtzen. Es reichte zu-nchst bis zum Great Fish River, und wurde 1848 bis zum Great Kei River ausgedehnt. Um die Position der Weien zu strken, wurden 1820 rund 4000 Briten hierher gebracht. 1857 wurden im Gebiet des Great Kei River 2315 Deutsche angesiedelt. Als Zeugen davon sind nur noch deutschen Ortsna-men geblieben. Zehn Jahre nach der Ankunft der ersten greren Gruppe weier Siedler war Grahamstown 1830 bereits die nach Kapstadt wichtigste und grte Stadt der Kapkolonie. Bei einem Stadtrundgang unter tiefblauem Himmel erstaunt uns die groe Anzahl der Kirchen - es sind genau 40. Aus der 2. Hlfte des letzten Jahrhunderts sind eine ganze Reihe von fotogenen Bauwerken gut erhalten. Durch das historische Drfchen Bathurst, in dem verschiedene alte Gebude wie das Pulver-Magazin, Kapelle und Pig and Whistle-Hotel gut erhalten sind, kommen wir bei Port Alfred an den von einem heftigen Wind geplagten Strand am Indischen Ozean. Kein Mensch hlt sich am Wasser auf. Nur Mllmnner sind zu sehen, wie sie eine Tonne in ihren Wagen leeren. Da der Mlleimer festgeschraubt ist, greifen die Arbeiter mit beiden Armen ganz tief bis zu den Schultern hinein, und holen einen Berg feucht-schmutzigen Abfalls heraus. Den tragen sie dann zum zehn Meter entfernten Mllauto, wo sie ihn in Scke stopfen. Der heftige Wind blst ihnen auf ihrem langen Weg einen Groteil des Mllbergs von den Armen. Als sie mit halb-leeren Scken den Ort des Geschehens verlassen, ist die vorher saubere Strandpromenade berst mit Papier- und Plastikabfall, der vom Sturm lang-sam, aber bestndig, auf die Vorgrten der nahebei gelegenen Ferienwoh-nungen zugetrieben wird.

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    Ein Rckblick in die Geschichte: Ciskei und Transkei

    Die folgenden Abschnitte spielen sich noch vor der offiziellen Abschaffung der Apartheid 1994 ab - als die beiden homelands (Heimatlnder) Transkei und Ciskei noch existierten. Setzen Sie also vor die Wrter Transkei und Ciskei gedanklich jeweils das Wort ehemalige:

    Von einer Telefonzelle aus versuche ich, in der Transkei, die auf unserem Weg nach Norden liegt, eine Nacht auf einem Campingplatz der Wild Coast (Wilde Kste) zu buchen. Alles, was ich herausbekomme, ist die Empfeh-lung, zuerst nach Umtata, der Hauptstadt zu kommen, um dort zu buchen. Anders gehe es nicht. Der Campingplatzwart an der Kste nehme kein Geld an. Dummerweise ist Umtata viel weiter in Richtung Heimat als der Cam-pingplatz. Somit mte ich einen Umweg fahren. Das mu ich mir noch ge-nau berlegen.

    Im offiziellen Touristenbro Sdafrikas in Kapstadt habe ich mir ein Fact Sheet, ein Informationsblatt ber die Ciskei mitgenommen. Eine Ortschaft mit Namen Hamburg brstet sich dort mit einem Campingplatz, mit einem Hotel und einer Reihe von Ferienhtten. Von der Telefonzelle aus reserviere ich einen Platz auf dem Camp von Hamburg.

    Der Groe Fischflu markiert die Grenze von Sdafrika zum unabhngigen homelands Ciskei, einer Erfindung der Apartheidregierung aus dem Jahr 1981. Dieses seltsame, hauptschlich von dem Nguni-Stamm der Xhosa be-wohnte Gebilde liegt, von Kapstadt aus gesehen, lateinisch cis, also dies-seits des Groen Kei-Flusses. Ein weiteres Heimatland wurde jenseits (trans) des Keiflusses geschaffen, die Transkei.

    ) &!

  • 68 Einmal Kap und zurck

    Schotterstrae weist, hat die Aufschrift Hamburg. Dreiig Kilometer auf dieser fr die Autoreifen grauslichen Unterlage knnen Fahrer und Insassen ganz schn fertigmachen. Die Staubfahnen, die entgegenkommende Fahr-zeuge hinter sich herziehen, sind schon kilometerweit zu sehen. Wenn sich zwei Fahrzeuge begegnen, heit es, schnell die wegen der Hitze weit aufstehenden Fenster hochzukurbeln, sonst ist im Nu der ganze Innenraum mit einer weien Puderschicht berzogen.

    Langsam verzieht sich die Sonne Richtung Westen, als wir verstaubt und durchgerttelt auf dem sogenannten Campingplatz, an der Lagune des Keiskamma-Flusses ankommen. Neben einigen wenigen Zelten mit Schwar-zen steht eine Jaguar-Limousine, ein seltsamer Anblick. Ich steige aus, um die Gegend zu erkunden. Zwei abgerissene Weie halten mich davon ab, die einfachen Sanitranlagen zu besichtigen, und zeigen auf den geffneten Wasserhahn, aus dem nicht einmal ein mdes Rcheln kommt: Kein Was-ser, aber Geld wollen sie schon haben fr die bernachtung!

    Das ist also der Grund, warum Campingplatzbesucher auf dem Kopf Was-serkanister den langen Weg vom Zentrum des kleinen Dorfes in Richtung Camp getragen haben. Natrlich gibt es hier auch keine Rezeption. Glassplitter sind auf dem mit Gras sprlich bewachsenen Streifen entlang der Lagune verteilt. Nach kurzer Beratung beschlieen wir, die zweitteuerste Mglichkeit der bernachtung anzupeilen: die Htten. Unbeschilderte Straen, zum Teil in nicht befahrbarem Zustand, machen es schwer, die Htten zu finden. Einige als Ferienhuser zu definierende Bauten liegen hoch ber der Lagune, aber alle verrammelt und in desolatem Zustand. Keine Spur von den im Prospekt angegebenen Htten.

    Nchster Versuch: Der Hamburger-Hof. Ein dicker Mercedes mit ungari-schem Nummernschild und Aufkleber H steht vor dem etwas herunterge-kommenen Gebude. Hubert, der schwarze Manager, tut hier nur aushilfs-weise Dienst, bis der eigentliche Chef von einem Lehrgang zurckkommt.

    Der pockennarbige, stmmig gebaute Schwarze ist sorgfltig gekleidet, wie eben ein Hotelmanager. Saubere braune Hose mit Bgelfalten, grobkariertes

  • Erlebnis sdliches Afrika 69

    langes Hemd. Die Preise stimmen nicht mehr. Das Prospekt ist schon uralt, klrt er mich ohne mit der Wimper zu zucken in sehr gutem Englisch auf, als ich ber den Preisunterschied, der das dreifache betrgt, den Kopf schttle. Trotzdem entscheiden wir uns fr ein Appartement mit Blick ber die Lagune. Gibt es auch heies Wasser zum Duschen? will ich von Hubert wissen. I promise you (ich verspreche es), gibt er zur Antwort.

    Abends, als wir in Speisesaal mit dem groen Querri an der Wand nicht bel speisen, grillen Schwarze drauen am Pool, den ich aber wegen seiner mangelnden Sauberkeit lieber meide. Auf unseren Wunsch hin hat Hubert ein drittes Bett fr unseren Sohn ins Zimmer stellen lassen. Die Einrichtung des Schlafraumes kommt noch aus der Zeit, als das Hotel in weiem Besitz war. Aus dem fnf-kanaligen Radiogert (Aufschrift: afrikaans-englisch-einheimisch) kommt kein Ton. Die Zentrale ist wohl seit 1981 auer Betrieb.

    Im Foyer des Hamburger Hofes ist eine stattliche Anzahl von leicht vergilb-ten Schwarzweibildern aufgehngt, welche die stolzen Gesichter weier Angler mit ihren Fischen zeigen, die an Haken von einem Gestell hngen. Dabei steht jeweils das Gewicht und die Lnge der kapitalen Brocken. Das letzte Bild stammt vom April 1980, ein Jahr vor der Entlassung des Gebie-tes in die Selbstndigkeit: Die Weien zogen sich und ihr Kapital aus der Region zurck, und die Schwarzen, die die Bauten bernahmen, hatten kein Geld, ihr Erbe in Schu zu halten.

    Frh um viertel vor sieben Uhr klopft es: Eine schwarze Bedienstete steht vor der Tr. Durch das groe Panoramafenster winke ich ihr vom Bett aus zu, sie solle das Tablett mit Tee und Kaffee auf das Tischchen vor dem Zimmer stel-len. Eine alte Sitte aus der englischen Kolonialzeit. Wird automatisch ausge-lst, wenn der Gast im Melderegister unter der Spalte Tee ein Kreuzchen macht.

    Beim Bezahlen bemerke ich kurz zu Hubert, da trotz seines Versprechens immer noch kein warmes Wasser in Bad und Dusche verfgbar sei. Er fhrt mir als Entschuldigung zwei Mechaniker mit lverschmierten Hnden vor.

  • 70 Einmal Kap und zurck

    Diese Leute haben seit gestern abend an der Heiwassereinrichtung gear-beitet, doch sie haben es nicht geschafft, sie in Gang zu kriegen.

    Wir schaffen unser Gepck ins Auto, verabschieden uns von dem lteren, gut deutsch sprechenden ungarischen Herrn und seiner jugendlichen Begleitung, die abends mit uns allein im Speisesaal, aber weit entfernt von uns saen, und fahren noch einmal zum Meer, das still und trge ans Ufer pltschert. Ich flle eine 2-Liter-Flasche mit Meerwasser, auch etwas Sand hinein, fr unse-re Ndebele-Haushaltshilfe. Das ist gut als Medizin. In Mamelodi wird Meer-wasser teuer verkauft! hat sie uns vor der Abreise erzhlt. Am Ende der Rei-se wird sie also drei groe Flaschen Medizin haben: Aus dem Atlantik bei Kapstadt, aus dem Indischen Ozean an der Kste der Ciskei, und spter aus der Transkei.

    Die staubige Rttelstrae bringt uns wieder auf das mit Schlaglchern durch-setzte Teerband der N2-Strae Richtung Durban/ Pietermaritzburg. Eine hohe Geschwindigkeit ist nicht empfehlenswert, da jederzeit Ziegen und Schafe, die am Wegesrand grasen, vllig unmotiviert ber die Fahrbahn lau-fen knnten. Wir kaufen in East-London, das schon wieder auerhalb der Ciskei liegt, etwas Proviant ein und kommen an die RSA-Transkei-Grenze beim Groen Kei-Flu. Doch diese Grenze ist anders als die der Ciskei, wo es schwer ist, einen Grenzverlauf festzustellen. Wir holen uns in einem kahl und abstoend wirkenden Grenzgebude der Transkei ein Visum fr einen Rand, nachdem unsere Psse von sdafrikanischen Grenzern grndlich kon-trolliert worden sind. Die Ausreise aus Sdafrika dauerte lnger als die Ein-reise in das Unabhngige Homeland Transkei, die schon 1976 aus Sdafri-ka ausgegliedert worden ist. Auch hier sind hauptschlich Xhosas zu Hause, d.h. hauptschlich die Familienmitglieder der Schwarzen, whrend ja die meisten Mnner als Wanderarbeiter in den Minen und Industriegebieten der weien Stdte, arbeiten. Daneben leben in der Transkei auch ein paar Sd-Sotho.

    Unser Ziel ist der Campingplatz bei Coffee Bay, dessen Name von einem angeblich von hier vor einiger Zeit gestrandeten Kaffee-Frachtschiff stammt.

  • Erlebnis sdliches Afrika 71

    Die Transkei senkt sich von den sdlichen Auslufern der Drakensberge in sanften Wellen zum Indischen Ozean ab. Die vielgestaltige wilde Kste, Wild Coast, ist bei Kennern sehr beliebt, weil abgeschieden und preiswert, besonders im Gegensatz zur nahen KwaZulu-Nataler Sdkste, die recht ist. Meist wasserreiche Schluchten liegen tief in der Oberflche des Landes ein-gegraben. Wasserflle und Lagunen sind die Besonderheiten der Flsse die-ser Landschaft, die sich heute wie ein grner Teppich darbietet, da es einige Male geregnet hat. Im Winter ist es hier eintnig braun. Wir lassen die Abzweigung nach Coffee Bay rechts liegen, und erreichen bald Umtata, die Hauptstadt, wo wir in einem Handicraft Centre (Souvenir-Laden) einige Geschenke erstehen. Hier werden wie in anderen Lden, in denen Eingeborenenkunst verkauft wird, nicht nur Xhosa-Artikel angeboten. Man findet auch Zulu- und Ndebele-Handwerksarbeiten. Sogar ein aus Schilf gefertigtes Motorrad mit Beiwagen findet sich im Angebot. In Umtata herrscht reger Verkehr. Sogar eine Geschwindigkeitskontrolle an der Einfallstrae ist installiert. Doch zu offenkundig. Da wir sowieso gerade nach einer bestimmten Strae suchen, und dabei besonders aufmerksam sind, knnen die Polizisten unseren mit vorschriftsmiger Geschwindigkeit fahrenden Wagen nicht blitzen. Unser Beitrag zur desolaten Finanzkasse der Transkei entfllt also fr diesmal. Wenn die hier nur Schilder htten! Diesen Ausspruch hrt meine Familie heute noch etliche Male. Keine Chance, in diesem Gewhl auf den Straen irgendein ffentliches Gebude zu finden. Wir suchen das Department of Agriculture and Forestry, das Landwirtschaftsministerium. Nachdem ich nun mde bin, das Stadtzentrum zum 10. Male zu durchsuchen, halte ich einfach an einem fnfstckigen Gebude, von dem ich vermute, da es einen Teil der Regierung beherbergt. Natrlich daneben getippt: Es ist nicht das ge-suchte Ministerium! Doch ein freundlicher Xhosa weist mir den Weg zu ei-nem anderen Gebude zwei Straen weiter. Dort ist gerade die Mittagspause zu Ende, und die Beamten strmen durch das Eingangstor. Sie mssen Kon-trollbeamten ihre Ausweise zeigen.

  • 72 Einmal Kap und zurck

    Ich habe keine Zutrittsberechtigung bei mir. Das scheint nichts zu machen, da ich von weier Hautfarbe bin. Ich zeige einen Zettel vor, den mir das Mi-nisterium vor einigen Monaten geschickt hat, und den ich zufllig dabei habe. Schon werde ich durchgelassen. Vor den Aufzgen stauen sich die Ange-stellten. Ich nehme die Treppe. Im dritten Stock treffe ich einen Weien, der mir den Weg zum Buchungsbro zeigt.

    Zwei schwarze Damen stehen am Tresen und geben jungen Trampern Aus-kunft, die eine mehrere Tage dauernde Wanderung entlang der Wild Coast machen wollen. Im Hintergrund sitzt ein anderer Schwarzer in salopper Frei-zeitkleidung am Computerbildschirm. Ich bekomme einen Computeraus-druck, der gleichzeitig Information fr mich und Eintrittskarte fr das Camp ist.

    Wir verlassen Umtata auf demselben Weg, wie wir hergekommen sind. Bald kommt auch schon die Abzweigung von der Hauptstrae zur Coffee Bay. Die kleine Landstrae zur Kste hin fhrt durch malerische Landschaft, an Rondavels und auf Pferden reitenden Schwarzen vorbei. Prchtige Raubv-gel kreisen im Aufwind ber tiefen Schluchten. Als Fahrer habe ich es nicht leicht, die Landschaft zu genieen und gleichzeitig den oft tiefen Schlagl-chern und bummelnden Ziegen auszuweichen.

    Hinter einer Kurve werden wir pltzlich angehalten. Straensperre? berfall? Polizeikontrolle? Eine etwa 20-kpfige Gruppe von jungen Leuten tanzt mit lautem Gesang auf der Strae. Es sind junge, im Gesicht mit weier Farbe bemalte Mdchen. Ein junger Mann mit einem Stock in der Hand scheint sie unter Kontrolle zu haben. Er reicht mir die feuchte Hand zum blichen Gru unter Schwarzen (drei mal unterschiedlich drcken), will jedoch gar nicht da-mit aufhren, whrend er pausenlos auf mich in Xhosa (das wird es wohl gewesen sein) einredet. Der Knabe scheint unter der Einwirkung von Dag-ga, einer Art Haschisch, zu stehen. Die Mdchen tanzen derweil weiter. Lange begreife ich nicht, was er will, doch pltzlich fllt das Wort Change Money, Wechselgeld. Aha! Betteln will er! Als die Mdchen sich nher an das Auto drngeln, fhrt er sie an und haut mit seinem Stock um sich. Die

  • Erlebnis sdliches Afrika 73

    Hbschen weichen zurck wie Gnse. Ein Mdchen mchte in afrikaans er-klren, was hier vor sich geht, doch das verstehen wir auch nicht. Die jungen Leute singen und tanzen weiter, whrend wir der Teerstrae zum Camp hin folgen.

    Die Landschaft fllt stetig zum Meer hin ab. Wir raten, wo unsere nchtliche Bleibe sein soll, doch schlielich haben wir einen herrlichen Platz, tief im dichten Kstenwald versteckt, gefunden, wo wir unser Zelt gleichsam in einer grnen Hhle aufbauen. Von der kleinen, seichten und lauwarmen Lagune, die durch eine niedrige sandige Aufwerfung vom Ozean abgetrennt ist, wech-seln wir in die mig starken Wellen des Meeres und zurck. Auf der anderen Seite der mit ppiger Vegetation bewachsenen Halbinsel, auf der der Campingplatz liegt, finden wir nach dem berklettern eines dichtbewal-deten Hgels einen ganz aus faustgroen Steinen gebildeten Strand, wo es sich Angler gemtlich gemacht haben. An Baden ist in der starken Brandung nicht zu denken.

    Wir verlassen diese Oase am nchsten Tag nach einem kurzen Strandspa-ziergang. ber Umtata brausen wir durch eine gebirgige Gegend unserem Ziel Wartburg in KwaZulu-Natal zu. Das Wetter wird immer schlechter. Einen Abstecher in die Drakensberge lassen wir lieber bleiben, da es nun auch noch starken Nebel gibt. Aus dem Nichts tauchen die schlecht eingestellten Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge auf. Oft meint man, es sei ein Motorrad, dann ist es aber doch ein Auto oder Lastkraftwagen, dem das andere Auge fehlt. Kein Wunder bei dieser Art von Verkehrsberwachung in Sdafrika (TV nur beim Verkauf des Kraftwagens - also im Durchschnitt alle 10 Jahre!). Als wir die Grenze der Transkei nach KwaZulu-Natal ber-queren, nieselt es.

    In Pietermaritzburg, wo es stark regnet, vereinbaren wir telefonisch ein Tref-fen mit unseren Gastgebern. An der Wartburger Kirche, 60 Kilometer weiter, findet uns Gertrud, die wir in Pretoria kennengelernt haben, unter den mch-

  • 74 Einmal Kap und zurck

    tigen Bumen des Kirchplatzes zitternd stehen. Sie bringt uns zur Zucker-rohrfarm ihrer Eltern. Zu nchtlicher Stunde geht die Fahrt zunchst ber ge-teerte, dann ber Farm-Schotterstraen zwischen Mais- und endlosen Zu-ckerrohrfeldern hindurch, bis wir beim Farmhaus ankommen.

    Gleich erhalten wir das Gstehaus zugewiesen, mit zwei Zimmern und Bad. Die beraus freundliche Aufnahme in dem Haus eines der Zuckerrohrbauern KwaZulu-Natals werde ich gern in Erinnerung bewahren. Unter der Last der aufgetragenen Speisen biegt sich der Tisch, als wir uns zum Abendessen versammeln.

    Am nchsten Tag fhrt uns Gertruds Vater trotz schlechter Witterung durch seine Lndereien. An einem abgeernteten Zuckerrohrfeld halten wir an und verlassen den VW-Bus. Er zeigt auf die abgehackten etwa 15 cm langen St-cke eines Rohres. So wird Zuckerrohr gepflanzt! Die Stcke werden mit Erde bedeckt und beginnen, sobald es regnet, wieder zu keimen. Nach zwei Jahren sind sie reif zur Ernte. An die mannshohen Zuckerrohrpflanzen wird an einem windstillen Tag Feuer gelegt, damit die Teile, die nicht zur Verwer-tung bestimmt sind, vernichtet werden. Dann kommen die Farmarbeiter, meistens Zulus, die mit Haumessern das Zuckerrohr abschlagen und auf ei-nen Wagen werfen. In unserer genossenschaftlichen Zuckerfabrik werden die Pflanzen weiterverarbeitet. Interessant ist brigens, da in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts die in KwaZulu-Natal wohnenden Zulus zu stolz waren, in den Zuckerpflanzungen zu arbeiten! Was wurde gemacht, um dem Arbeitskrftebedarf gerecht zu werden? Eine groe Anzahl indischer Gastarbeiter, hauptschlich Hindus, wurden ins Land gebracht. Einige von ihnen gingen nach der Beendigung ihres Vertrages wieder nach Hause zu-rck, doch die meisten siedelten sich hier an. Dann folgten islamische Inder, die ihre Schiffspassage selbst bezahlt hatten. Sie blieben zum grten Teil hier. Das ist der Grund fr die Anwesenheit von rund einer halben Million In-der in Sdafrika. Wohl die meisten davon leben in der Gegend um Durban.

    Wieder im Auto frage ich den Farmer: In der Trkei haben wir gesehen, da zur Baumwollernte Wanderarbeiter in Scharen auf die Felder geholt werden.

  • Erlebnis sdliches Afrika 75

    Werden die Arbeitskrfte hier auch so rekrutiert? Nein, wir beschftigen et-wa 50 Schwarze das ganze Jahr hindurch auf der Farm. Diese Stammbesat-zung reicht in der Regel aus, um die Ernte einbringen zu knnen.

    Wir fahren durch Zulu-Drfer, besichtigen kurz den hochmodernen Kuppel-bau einer katholischen Kirche und bewundern die knstlerische Ader eines Zuckerrohrfarmers, der das Schild zur Einfahrt seiner Farm aus Motorteilen und Ketten zusammengeschweit hat. Im inzwischen aufgezogenen Nebel sieht das befremdend aus.

    Ich habe in dem ganzen Gebiet hier nur ein einziges Farmschild mit einem deutschen Farmnamen gesehen. Wie kommt es, da die Gegend hauptsch-lich von Deutschstmmigen bewirtschaftet wird und trotzdem fast alle, auch Ihre Farm, englische Namen haben? Das ist ganz einfach, erklrt die Far-mersfrau, wir haben die Farm gekauft, und sie war im Grundbuch mit dem englischen Namen eingetragen. Wir haben den Namen gelassen. Wenn ir-gend jemand den englischen Farmnamen hrt, wei er genau, auf welche Farm er sich bezieht. Deshalb ist ein Wechsel des Namens nicht sinnvoll.

    Ich komme zu dem Schlu, da die Pflege des Deutschtums bei den hier le-benden Deutschen nicht so sehr ausgeprgt ist wie zum Beispiel in Kroondal im Transvaal. Wir sprechen im Alltagsgebrauch hauptschlich englisch, gibt der Farmer zu. Deshalb also ist das Deutsch unserer Gastgeber von direkt bersetzten englischen Wendungen durchzogen. Ein Beispiel: Der Nach-tisch ist sehr reich heit es da, wenn man meint, da der Fettgehalt des Speise hoch sei, vom englischen rich.

    Warum wird ausgerechnet Zuckerrohr in dieser Ecke KwaZulu-Natals ange-pflanzt? Das hngt vor allem mit dem passenden Boden und dem subtropi-schen Klima zusammen, das den Anbau hier in dieser Gegend begnstigt. Wit Ihr, wo der Name Natal herkommt? fragt die Gutsherrin in die Runde. Sie gibt die Antwort gleich selbst: Im Volksmund heit es, der berhmte por-tugiesische Seefahrer Vasco da Gama habe das Land an der Ostkste Sd-afrikas so genannt, weil er es 1497 am 1. Weihnachtstag (dies natalis) ge-

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    sichtet hat. Aus diesem grnen Landstrich wurde in der Folgezeit Sdafrikas Gartenprovinz.

    Etwa 150 Jahre nach der Ankunft des Portugiesen ist es gestrandeten portu-giesischen Seeleuten aufgefallen, da die Zulus ein s schmeckendes Rohr anpflanzen. Aber erst 200 Jahre spter hat man die Mglichkeiten des An-baus genutzt. Der Englnder Edmund Morewood erkannte, da das imfi genannte Rohr hier gut gedieh und unternahm die ersten Anbauversuche. Von der Insel Reunion wurden Zuckerrohrstcke eingefhrt. Im Jahr 1851 konnte er bereits die erste Zuckerrohrernte KwaZulu-Natals einbringen. In-zwischen sind hier 22 groe Raffinerien entstanden.

    So eine habt ihr ja vorhin gesehen, nimmt der Farmer den Faden auf. Wir, das heit wir Farmer zusammen, produzieren jhrlich mehr als zwei Millionen Tonnen Zucker. Sdafrika ist also einer der grten Zuckerlieferanten der Welt! Das ist uns neu, doch wir glauben es sofort, denn Sdafrika hat jede Menge Superlative zu bieten. Bei der Zuckererzeugung gibt es keinerlei Ab-flle! Nachdem der Zuckersaft hergestellt ist, verkaufen wir den briggeblie-benen Kuchen als Dnger. Der zhe Rckstand des Zuckers ist die soge-nannte Molasse. Aus der macht die Raffinerie Alkohol und ein nahrhaftes Viehfutter. Was bleibt noch brig? Ein faseriger Brei heizt nicht nur die Kes-sel der Raffinerie, sondern dient auch als Bestandteil zur Herstellung von Verpackungsmaterial.

    Windig, frisch, sonnig, gute Sicht und keine Wolken: Ideal fr eine Fahrt durchs Zululand. Wir verabschieden uns herzlich von unserer Gastfamilie. Die Hausherrin beehrt uns damit, da wir die ersten sind, die sich in ihr neu-es Gstebuch eintragen drfen. Den Weg bis Tugela Ferry, dem Drfchen am Tugela-Flu, kennen wir schon von unserem letzten Besuch im Wartbur-ger Gebiet. Solange wir noch im Zululand sind, sumen kleine Drfchen, zum kleinen Teil noch mit den blichen Zulu-Htten, die Teerstrae. Erstaun-lich, wie wenig Mnner zu sehen sind. Klar, die verdienen ja ihr Brot in den Minen! Dann verlassen wir das fr Ackerbau nicht so unbedingt geeignete Gebiet und stoen wieder auf groe Felder. ber Dundee, Volksrust, Stan-

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    derton fhrt die sieben Stunden dauernde Reise schlielich zurck nach Pre-toria.

    Reise-Info SATOUR - Sdafrikanisches Verkehrsbro in Deutschland: An der Haupt-wache 11, D-60313 Frankfurt

    CAPTOUR - Fremdenverkehrszentrale der Gegend um Kapstadt: P O Box 863, 8000 Kapstadt, Tel: (021) 418-5214, -5215; Fax: -5228 ffnungszeiten des Stadtbros Kapstadt: Tglich 9-17 Uhr, in der Hauptsaison lnger offen.

    Gstehuser am Kap knnen ber CAPTOUR gebucht werden oder (von Deutschland aus per Fax) direkt bei untenstehenden Anschriften. Tip: In manchen Gstehusern gibt es keinen Stecker fr Trockenrasierer oder Fhn. In jedem greren Supermarkt in Sdafrika erhalten Sie einen preiswerten Adapterstecker, den Sie im Notfall immer griffbereit haben sollten. In Klammern habe ich die Korrespondenzsprache im Kontakt mit dem jeweili-gen Gstehaus aufgefhrt.

    Telefonieren und Faxen leicht verstndlich:

    So whlt man ins sdliche Afrika:

    Auslandsberechtigung whlen (von Deutschland aus 00)

    Land anwhlen (Sdafrika 27, Namibia 264, Swaziland 268). Teilweise ist dies in un-serem Buch mit +27 etc. gekennzeichnet.

    Ortsnetzkennzahl (ohne fhrende Null)

    Beispiel: Die sdafrikanische Rufnummer 012-832925 in Pretoria whlt man von Deutschland aus wie folgt: 00-27-12-832925.

    Gstehaus Sonstraal: Frau Marliese Townsend-Turner, Axminster Road 6, 7975 Muizenberg Fon: + Fax (021) 788 1611 (deutsch).

    Bergzicht Gstehaus: Herr und Frau Gltzow, Devonport Road 5, 8001 Tamboerskloof. Fon: (021) 238 513, Fax (021) 245244 (deutsch)

    Gstehaus Rodeberg, Mrs Antoinette Rode Main Road 74, 2611 Paarl. Fon: (02211) 633202, Fax -633203 (englisch)

  • 78 Einmal Kap und zurck

    Gstehaus Bayview Manor: Flora Close 8, Hout Bay. Fon: (021) 790-2061, Fax (021) 790-5096 (englisch)

    Cotswold House: Mrs Denise Jeffrey, Cotswold Drive 6, 7441 Mil-nerton. Fon: (021) 551 3637, Fax 524228 (englisch)

    LAuberge Rozendal, Herr Kurt Amman, Omega Street, Stellen-bosch. Fon: (021) 883-8737, Fax -8738 (englisch, deutsch)

    Le Quartier Francais, Mrs Huxter, Cnr Berg/ Wilhelmina Streets, Franschhoek. Fon: (02212) 2151, Fax 3105 (englisch)

    Stellendal Guest House, Mr Leon Hattingh, Main Road 169, Somer-set West, Fon: (024) 512599, Fax 37293 (englisch).

    Benutzter Mietwagen: Europcar/Interrent Dolphin Car Hire, Info: Three Anchor Bay Road 10, 8001 Cape Town. Fon: (021) 439 9696, Fax -4336. Gebhrenfreier Mietservice in Sdafrika: 08000 11 344.

    Benutzte Fluglinie: South African Airways (SAA). Info und Bu-chung in jedem Reisebro.

    Informationen ber verschiedene Weinrouten: Franschhoek: Vig-nerons de Franschhoek Valley, P O Box 280, 7690 Franschhoek. Wellington: Wine Route Office, Main Road P O Box 695, 7655 Wel-lington. Fon: 02211-34604. Paarl: Wine Route, Mainstreet P O Box 46, 7622 Paarl. Stellenbosch: Wine Route, Stellenbosch Publicity As-sociation, De Witthuis, Pleinstreet 30, 7600 Stellenbosch. Worcester: Winelands Association, P O Box 59, 6850 Worcester. Fon: (0231) 2-8710.

  • 80 Swaziland

    ! #" $&%' " ()*" +,-.0/12 3 /045 Zwischen Mosambik, nrdlichem Zululand und Osttransvaal (heit seit 1995 Mpumalanga) eingebettet liegt das seit 1968 politisch unabhngige Swazi-land, eines der letzten Knigreiche Afrikas.

    Hier Skizze Zululand/Swaziland aus 2. Auflage, Seite 79

  • Erlebnis sdliches Afrika 81

    Ein Dutzend Grenzbergnge machen Swaziland von auen zugnglich. Wir beschlieen, Oshoek zu benutzen, da wir im sptherbstlichen Mai von Preto-ria her anreisen. Von den Ballungszentren des Transvaals erreicht man Swa-ziland am besten ber die Autobahn N4, biegt dann auf die R33 nach CA-ROLINA ab und folgt dann der R39 und R541 bis zur sdafrikanisch-swazischen Grenze in Richtung der Hauptstadt Mbabane. Sechs Kilometer hinter (stlich) dem Royal - Swazi - Sun - Hotel im Ezulwini- (Himmels - ) Tal folgen wir dem Wegweiser nach rechts zum Mlilwane - Wild-life - Sanctuary, einem seit 1964 bestehenden Wildschutzgebiet, das zu den BIG GAME PARKS of SWAZILAND gehrt.

    67 89 : 9 ;*< = >Es ist schon spter Nachmittag, als wir das Camp im Mlilwane-Schutzgebiet erreichen. Das Auto stellen wir vor einem groen baumbestandenen Teich ab. Kraniche stolzieren zwischen Parkplatz und den einfachen Holzhtten umher. Warzenschweine flchten quiekend mit hocherhobenen Schwnzen, als wir uns ihnen nhern. Freundlich empfngt uns Darron Raw, der Marketing Ma-nager von BIG GAME PARKS. Nachdem er uns unsere Htte gezeigt hat, ldt er fr spter zum Sundowner ein. Wir beziehen einstweilen unser Quar-tier fr zwei Nchte: zwei Einzelbetten, Khlschrank, Waschtisch mit Schs-sel und Wasserkanne. Damit ist die betont einfach gehaltene Unterkunft hin-reichend beschrieben. Um einen weiten Platz mit Sthlen, Tischen und La-gerfeuerstelle gruppieren sich strohgedeckte Holzhtten und einige traditio-nelle Strohhtten in Bienenkorbform (Beehive Huts), die man als Unterkunft buchen kann. Die Beehives sind mit zwei Betten ausgestattet. Vor den Bee-hives etwas weiter unten im Gelnde, die gleich neben dem Campingplatz von Mlilwane liegen, haben wir bei einem anderen Besuch ein groes Lager-feuer entfacht. An der Stirnseite des oberen Versammlungsplatzes finden wir ein einfaches Restaurant mit einem einmaligen Blick auf den Hippo-Pool, den 14 Flupferde bewohnen.

  • 82 Swaziland

    Im warmen Licht der vorabendlichen Sonne fahren wir auf staubigen Farm-wegen gen Westen, dorthin, wo der Platz der kleinen Feuer liegt: ein Berg-hang, in den des fteren Blitze einschlagen, und der deshalb von den Swazis Mlilwane genannt wird. Vorbei an Herden von Strauen erreichen wir mit dem offenen Gelndefahrzeug allmhlich die Spitze eines Plateaus. Der Blick reicht vom Ezulwini-Tal ber das ganze Mlilwane-Wildschutzgebiet. Darron spendiert ein paar Biere. Angesichts der doch recht khlen Mai-Temperaturen wre mir ein Glas Glhwein lieber gewesen. Im Sommer sind die Temperaturen jedoch recht angenehm.

    Auf der Rckfahrt zum Camp begegnen wir einer Vielzahl von verschiedenen Antilopen. Abends genieen wir zum ersten Mal Gnu - Wurst und Impa-laschnitzel vom offenen Feuer. Dazu tanzt, vllig berraschend und unge-plant, eine Gruppe von Swazis einen Sibhaca, den sie fr die Tourismus-messe nchste Woche in Johannesburg ben. Der Tanz erzhlt ausdrucks-voll und rhythmisch die Geschichte einer Jagd.

    Abends, als wir vom Zhneputzen aus dem sauberen Sanitrgebude (heie Duschen, Rasiereranschlu) ber den Lagerfeuerplatz zu unserer Htte zu-rckschlendern, schrecken wir vor zwei weit auseinanderstehenden glhen-den Punkten, die fast neben uns funkeln, zurck. Der Strahl unserer suchen-den Taschenlampen findet in 5 Meter Entfernung einen schwarzen Kolo, ein Flupferd. Behutsam entfernen wir uns von diesem gefhrlichen nchtlichen Besuch, der doch nichts anderes wollte, als auf Futtersuche zu gehen. Doch warum ausgerechnet im Camp? Es ist harmlos, wenn man es in Ruhe lt und nicht gerade in seinem Weg steht, wenn es abends aus dem Wasser kommt! meint Darron tags darauf. Krzlich ist eine Besucherin furchtbar er-schrocken, als sie nachts versehentlich ein Hippo berhrte. Kann ich mir lebhaft vorstellen! Flupferde zhlen zu den gefhrlichsten Tieren in Afrika. Ganz besonders fr den, der sich zwischen ihnen und ihrem Gewsser auf-hlt.

    Eine ruhige Nacht wird um schon halb sechs Uhr morgens abgebrochen, als eine junge Swazi-Dame darauf besteht, uns ein Tablett mit Tee und Biskuits

  • Erlebnis sdliches Afrika 83

    in die Htte zu bringen. Eine englische Unsitte, an die man sich jedoch schnell gewhnt.

    Das Frhstck im Restaurant kurz darauf kann sich sehen lassen: Msli und Cornflakes, Eier und Speck, Wrste, dazu Orangensaft, Kaffee und Tee. Auch der britische Botschafter ist auf ein Open-Air-Breakfast mit einigen Besuchern von Overseas hierher gekommen, wo sie direkt am offenen Feuer im Schatten einer gigantischen Baum-Aloe frhstcken. Das macht sichtlich Eindruck auf seine Gste in Anzug und Krawatte.

    Eine Halbtageswanderung fhrt uns am Berghang entlang. Landschaftlich schn, doch in bezug auf Wild nicht sehr ergiebig. Zur Erfrischung hinterher nutzen wir den 10 x 23 m groen klaren Pool des Camps. In Sichtweite da-neben der Campingplatz von Mlilwane.

    Nach dem Mittagessen (Grillplatte mit Wildfleisch) ist ein Ausritt geplant. Ja-wohl, auch Pferde gibt es hier. Ganz zahm sind diese, und auch solche Leute wie mich gewohnt, die noch nie auf dem Rcken eines Pferdes gesessen sind. Mein Gaul folgt im Gnsemarsch seinen Kollegen durch das niedrige Gras. Die Schatten unserer Pferde werden immer lnger. Romantisches Licht liegt ber der friedlichen Landschaft, als wir, eine kleine Gruppe von einem halben Dutzend Touristen, durch Herden von Antilopen reiten: Blesbok, Gnu, Impala und Zebra grasen, ohne die Flucht zu ergreifen, wenn wir uns nhern: Ein Vorteil, wenn man auf Pferdesrcken auf Safari geht! Ob dies allerdings viel Einflu auf das Verhalten der Elefanten hat, die Juli 1994 in diesem Re-servat eingesetzt worden ist, bleibt zu bezweifeln.

    Kommt um fnf Uhr an den Hippo-Pool, hat uns Darron empfohlen. Ein Swazi bringt per Schubkarren eine Lage Maismehl heran und schttet sie auf die Erde vor dem Teich. Gleich strzen sich die Warzenschweine und Perl-hhner auf die Nahrung, da es nur so staubt. Kugelartige Ausbuchtungen im Wasser nhern sich langsam dem Ufer: Aus den Kugeln werden Augen und Ohren, dann erscheint der ganze Kopf, und als sich die enorme Masse des Flupferdleibes aus dem Wasser hebt, halten wir den Atem an. Doch es passiert nichts auergewhnliches. Die Warzenschweine wissen, was Sache

  • 84 Swaziland

    ist. Sie machen dem Kolo bereitwillig Platz, der die Reste des Maismehls mit seiner berbreiten Schnauze vom Boden saugt und dann mit lautem Schmatzen frit. Fast alle Fotos in Bildbnden von Hippos auerhalb des Wassers sind hier entstanden, erklrt Darron. Hier ist wohl die einzige Stel-le in Afrika, wo jeden Nachmittag zur selben Uhrzeit ein wild lebendes Hippo sein Wasser verlt!

    Kurz vor Redaktionsschlu erreicht mich die Nachricht, da es auf Mlilwane jetzt auch Safaris auf Mountain-Bikes gibt! Natrlich fhrt ein bewaffneter Ranger mit.

    Nach dem Frhstck am nchsten Tag verlassen wir Mlilwane, wo wir gerne noch lnger geblieben wren, nach Osten. Eine gute Teerstrae folgt dem sanft abfallenden Hgelland in eine andere Klimastufe, dem Lowveld, wo es bedeutend wrmer ist. An der Bahnstation Phuzajoya wartet schon eine Gruppe von anderen Touristen auf uns. Im Konvoi folgen wir einem Landro-ver ins Mkhaya-Wildreservat. Eine Mercedes-Limousine vor uns bleibt bei ei-ner Bachberquerung im Schlamm der Furt stecken. Kurz nach dem Passie-ren des elektrischen Wildzaunes des Reservates wechseln wir vom PKW zum offenen Landrover. Etwa eine Stunde fahren wir durch dichtes Busch-veld. Trotzdem haben wir Glck und sehen noch vor dem Mittagessen ein halbes Dutzend Breitmaulnashrner aus nchster Nhe, natrlich eine Men-ge Impalas und Warzenschweine sowie Kudus und andere Antilopen.

    ?@ AB C DCDas Stone-Camp liegt malerisch mitten im dichten Buschveld. Man kann die Vegetation getrost als Dschungel bezeichnen, dichtbelaubt, mit Schling-pflanzen durchwachsen. Die Eintragungen im Gstebuch des Camps stam-men aus nicht weniger als 65 Lndern. Wer direkt nach Mkhaya (nach An-meldung) fahren will: 460 km von Joburg oder Pretoria oder Durban bis zum Camp!

  • Erlebnis sdliches Afrika 85

    Schmale, suberlich gerechte Sandwege fhren zu den groen Safarizelten. Zwei bis drei Betten stehen in jedem, ein Waschtisch mit Spiegel, darunter Wassereimer und Schssel. Wasserhahn vor dem Zelt. Alles hbsch schattig unter Feigen-, Bleiholz- oder Wurstbumen. Toilette ein paar Meter auer-halb, in Form einer auf einer Seite offenen strohgedeckten Steinhtte: freier Blick auf den Dschungel. Damit man nicht gestrt wird, wird ein Seil vor den Zugang zum Huschen gehngt, die Seilenden mit Antilopenhrnern be-schwert.

    Die Duschen, ebenfalls auerhalb des Zeltes, bestehen nur aus Steinwn-den, oben offen, heies Wasser wird nebenan mit einem Rhodesischen Boi-ler erzeugt, also einem Kessel, der mit Holz beheizt wird. Wer es ganz luxu-ris haben will, kann auch ein Zelt mit Toilette und Dusche buchen.

    Nach einem reichlichen Mittagessen, direkt am Lagerfeuer zubereitet, geben John und seine Tanzgruppe, die Stone Camp Surprise Band, eine Vorstel-lung, eine Reihe von Sibhaca-Tnzen. Witzig, die Mnner in blau-gelben Fal-tenrckchen, Fellarmbinden und rotblauen, schrg gestreiften Krawatten auf dem nackten Oberkrper. Die Musik besteht nur aus Gesang, begleitet durch mit Stcken geschlagene Trommeln und einem trommelhnlichen Instru-ment, das Grunzlaute erzeugt.

    Mittagessen, Pirschfahrt im Reservat, dann warten wir vor dem Zelt mitten in der Wildnis, an einem ausgetrockneten Flubett, auf das Abendessen. Er-quickend, diese Stille, nur unterbrochen vom Suseln des Windes in den Wipfeln des dichten Waldes. Ab und zu ist leises Vogelgezwitscher zu hren, das spter am Tag von langsam verstrktem Gezirpe von Grillen und Zikaden abgelst wird. Da ist schon das Summen einer einzigen Fliege strend!

    Abends genieen wir vom Buffet Impala-Gulasch, am Lagerfeuer gekocht. Auch die mit uns angekommenen Beamten der Europischen Union, von ei-ner internationalen Konferenz zurck, lassen es sich schmecken. Die Unter-haltung luft bei ihnen meistens in franzsisch ab, doch der Verstndigung mit anderen Campbesuchern halber kommt auch englisch und deutsch zum Vorschein. Zu vorgerckter Stunde stimmt eine Italienerin englische Lieder

  • 86 Swaziland

    an, die die Runde in rotweinseliger Stimmung halbstrophig mitsingt. Empfind-lich kalt ist es: Mehr und mehr Campbesucher scharen sich um das wrmen-de Lagerfeuer, wo das Singen und Feiern weitergeht. Das Stone-Camp hat keine Elektrizitt. Deshalb sind in Sichtweite auf die den Dschungel durchkreuzenden Pfade Petroleumlampen aufgestellt, die uns nachts den Weg zu den Zelten weisen. Gnu- und Zebralaute beweisen uns vor dem Einschlafen, da wir uns tatschlich mitten in der Wildnis befinden, ohne Zaun ums Camp herum! Der von dezentem Grillen - und Zikadengezirpe begleitete Schlaf ist nur von kurzer Dauer, denn um Punkt 6 Uhr am nchsten Morgen tnt eine weibliche Stimme durch die Zeltleinwand: Knock-Knock!. Da es an einem Zelt nichts zu klopfen gibt, begehrt auf diese Weise eine schon hellwache Swazischn-heit mit einem Tablett mit Guten-Morgen-Tee Eintritt. Es ist noch dunkel, doch als schon Stunde spter der Klang der Trommeln zum Versammlungsplatz ruft, ist die Sonne gerade dabei, die ersten wr-menden Strahlen ber die Lebombo-Berge zu schicken. Vier Landrover star-ten heute frh zur Fotosafari, und wir sind die ersten, die eine friedlich sen-de Herde von jungen Elefanten entdecken. Ein Busch nach dem anderen wird von Blttern und sten befreit. Als die grauen Dickhuter, die vor kur-zem erst aus dem Krger-Nationalpark hierher versetzt worden sind, den vl-lig verwsteten Platz verlassen, fahren wir auch weiter. Den Rest der zwei-stndigen Fotosafari verbringen wir, indem wir uns langsam aus den wr-menden Kleidungsstcken schlen, da die Sonne schon erheblich an Kraft gewinnt. Durch ein Spalier von Mkhaya-Bumen, Dornbumen mit warzenar-tigen Wucherungen, die wie Knpfe aussehen, erreichen wir das Stone-Camp, wo uns ein reichhaltiges Frhstck erwartet: Bohnen, Wilde-beestwurst, Tomaten-Zwiebel-Gemse, Fettgebackenes, auf dem Grill gers-tetes Weibrot, Cornflakes und anderes samt Tee, Kaffee, Kakao. An dieser Stelle darf ich wiederholen, da es im Camp keinen Strom gibt, auch nicht in der Kche! Um so verwunderlicher, welche Vielfalt an herzhaften und schmackhaften Speisen aus dieser Buschkche kommt.

  • Erlebnis sdliches Afrika 87

    Noch ein Tip: Mitte Mai kann es nachts empfindlich kalt werden. Ich habe meinen Schlafsack, den ich im Mietwagen am Farmhaus vergessen hatte, sehr vermit! Doch trotz der nchtlich khlen Temperaturen kann uns am fol-genden Tag nichts auf der Welt davon abhalten, alle Vorbereitungen zum Wildwasserfahren zu treffen! Im offenen Landrover mit Anhnger erreichen wir nach etwa halbstndiger Fahrt ber eine Gravel-Road den Great-Usuthu-River. Glasklare Luft, erdigbraunes Wasser, das sich zwischen ockerbraunen Felsen zwngt und Stromschnellen, ja Wasserflle bildet!

    Doch bis zum Flu gibt es keine Strae! So mu auf Allradantrieb geschaltet werden. Wir fahren (schieben uns, wre besser gesagt) durch ein Tro-ckenflubett zum Usuthu hinunter. Vor dem Ufer berwindet der Landrover noch einige Felsschwellen. Mit dem Chassis bleiben wir hngen. Steine drunter. Vorwrts, rckwrts. Geschafft! Aufblasen der Zweier-Kajaks. Grnd-liche Einfhrung in die Kunst des Wildwasserfahrens durch Darron. Sturz-helm auf, Schwimmweste an. Los gehts!

    Zwischen den Stromschnellen wird gebt: 360-Grad-Drehung, Koordination von Vorder- und Hintermann, Verstndigung. Kleine Stromschnellen schaffen wir schon mit Bravour, und zwar, wie es sich gehrt, lngs. Immer wenn es klappt, nicht ins Wasser zu fallen, wenn der Gischt schon nach uns zu grei-fen droht, jauchzen wir ausgelassen!

    Doch jetzt kommts! Alle ans Ufer! Aussteigen, Besichtigung und Beurteilung der folgenden zweistufigen Stromschnelle mit einem sehr strenden Felsen vor der zweiten Stufe mitten im rauschenden Wasser! Fachsimpeln, planen, verwerfen! Die Mannschaften verstndigen sich. Ich nehme meine teure Bril-le lieber vom Kopf und hnge sie in eine Lasche innerhalb der Schwimmwes-te. Sicher ist sicher!

    Darron und Freundin machen es vor, wie die Stromschnelle gemeistert wer-den soll. Stahlblauer Himmel, sandigbraune Felsen, die Sonne beleuchtet unser Unternehmen perfekt. Flutsch sind die beiden zwischen den Felsen den Abgrund hinunter. Nach zwei Minuten sind wir dran loszufahren. Schon haben wir die erste Stufe hinter uns. Doch da ergreift uns die Strmung.

  • 88 Swaziland

    Drckt uns gegen den verdammten Mittelfelsen. Vorwrts! brlle ich Alfred, meinem Mitruderer, durch das Tosen des Usuthu zu. Schon wird der letzte Laut aus meinem Mund mit erdigem Wasser erstickt. Wie es geschehen ist, wei ich nicht, ich wei nur, da mich die aufgischtende Strmung unter das strudelnde Wasser drckt und ich in einem Wasserfall in die bodenlose Tiefe sause. Irgendwie schaffe ich es, mich an einem Strick festzuhalten - wie es sich herausstellt, gehrt der Strick zum Boot, das mit uns heruntergesplt worden ist. So mu sich eine Fliege in der Toilettenschssel vorkommen, wenn die Splung bedient wird!

    Alfred und ich schaffen es, das Boot wieder umzudrehen und einzusteigen, als wir ruhigeres Wasser erreichen. Hast Du Deine Brille noch?, will Darron wissen. Nickend lchle ich, greife ins Innere meiner Schwimmweste, und ... leicht erblat mu ich zugeben, da der Aufbewahrungsplatz fr die Brille doch nicht so gut gewhlt war. Spter erzhlt mir Darron, da auf dem Grund des lehmigen Usuthu wohl schon mehrere Dutzend Brillen liegen. Dann ist meine ja in guter Gesellschaft!

    Wir landen an einem Sandstrand, tragen die Kajaks zwischen Felsen, B-schen und Gestrpp hindurch auf den Kpfen zum schon wartenden Landro-ver, erfreuen uns an einem kurzen Picknick und gehen zurck zum Flu. Fo-totermin: Knapp vor einem tosenden Wasserfall macht Darron vor, was er in langen Jahren als Trainer von Wildwasserenthusiasten gelernt hat. Eine stei-le Stromschnelle schafft er mit Klasse, und kommt sogar noch vor dem Was-serfall an Land, wo der Great Usuthu abrupt einige Meter an Boden verliert! Weiches Licht, guter Aufnahmestandort, beste Bedingungen fr ein gutes Fo-to. Am Wasserfall wird brigens eine neue Attraktion eingefhrt: Abseilen an den steilen Kliffs. Da schlgt das Abenteurerherz hher!

    Zurck zur Polizeistation, wo wir die Autos zurckgelassen haben, dann nach Big Bend zum Einkaufen. In der Abenddmmerung zum nchsten Wildreser-vat, nach Norden: Hlane-Royal-National-Park, der grte Wildpark im Land (30.000 Hektar), von Knig Mswati III beschtzt, traditioneller Jagdgrund der

  • Erlebnis sdliches Afrika 89

    Swazi- Knige. Im Juli 1994 wurden in Hlane zum ersten Mal Lwen freige-lassen.

    EF GIH J K LNachts kommen wir im Ndlovu-Camp an. Ein kleines Camp, das aus zwei Rondavel-Htten besteht, die mit Gaskhlschrnken und einer kleinen Kche bestckt sind. Auerdem gibt es hier einen Campingplatz. Keine Elektrizitt, stattdessen Kerzen und Petroleumlampen. Aber eine heie Dusche, oben of-fen, vor der Tr! Am nchsten Morgen stellt sich heraus, da wir uns in einer parkhnlichen Landschaft niedergelassen haben. Straue lungern ums Haus herum. Vor dem Camp ein Teich, an dem wir spter noch viele Stunden sitzen werden und Besuch von Antilopen, Nashrnern, Warzenschweinen und Geiern be-kommen werden. Doch zunchst verlassen wir in aller Herrgottsfrhe mit dem eigenen Wagen das Camp mit Ziel zu einem groen Stauteich, wo wir den Sonnenaufgang erleben. Tee aus der Thermoskanne wrmt uns beim Beobachten des Wil-des, das, von der Sonne vergoldet, zum morgendlichen Trank an den Teich kommt. Im Hlane-Nationalpark gibt es noch ein weiteres Camp (Bhubesi), das ent-weder direkt von auerhalb oder auch vom Ndlovu-Camp aus auf einer der verschiedenen Erdstraen erreicht werden kann. Drei Steinhuser in bemer-kenswerter Architektur, zu je 4 Betten (zwei Schlafzimmer). Am Umbuluzana-Flu gelegen, erinnern sie am wenigsten der fr diesen Bericht besuchten Camps an Afrika, da sie zu luxuris sind: gerumige hohe Rume, Elektrizi-tt, groer Khl-/Gefrierschrank, Herd, Backofen, Sple, Eecke, gemtliche Wohnzimmerausstattung, Dusche und Badewanne. Hier kann man sich nach dem Buschabenteuer in Swaziland erholen! Wer sich mit dem blichen zwei-poligen Rasierer seines Bartes entledigen will, sollte sich vorher einen in Sdafrika blichen Adapter beschaffen.

  • 90 Swaziland

    Eine andere Art, stilgerecht ber seine Wildnisabenteuer nachzudenken und Tagebuch oder Ansichtskarten zu schreiben, ist das Royal Swazi Sun Hotel im Ezulwini-Tal, etwa 100 km vom Hlane-Nationalpark entfernt. Als ich dort ankomme, trifft sich gerade ein Teil der Swazi-Regierung mit Mitgliedern der Erziehungs- Szene des Landes zum Mittagessen im Terrassenspeisesaal des Hotels. Da der Andrang am Buffet zu gro ist, beziehe ich solange mein Zimmer im 2. Stock (mit Dachterrasse). Dort will ich mich wieder in einen zi-vilisierten Menschen verwandeln, mu aber feststellen, da der Anschlu fr den Trockenrasierer defekt ist.

    Kaum habe ich deswegen die Rezeption angerufen, liegt einige Minuten sp-ter ein Adapterstecker bereit, und die Rbezahlstoppeln fallen. Als kleine Entschuldigung steht eine prchtige Obstschale auf dem Tisch, geschmckt mit gelben und roten Rosen!

    Von meiner Dachterrasse habe ich einen herrlichen Blick auf den Pool und den gegenberliegenden Berghang, an den sich das Royal Swazi Sun Hotel schmiegt. Auf der Terrasse dieses Nobelhotels geniee ich den berwlti-genden Ausblick auf die Berge. Ich genehmige mir an der Pool-Bar einen Campari-Orange. Die Kche in ihren weien Berufsuniformen - einer davon spricht sogar deutsch - bereiten rund um den Pool die Tische fr das Abend-essen vor, whrend ich mich auf die in Viererreihen auf sattgrnem Rasen stehenden bequemen Liegesthle begebe und die blhenden Jacarandas und Bougainvilleen vor dem oben kahlen, unten mit Bumen bewachsenen Berg bewundere. Ein prchtiger Baum- Gigant mit frischen gelb-grnen Blt-tern beschattet die romantische runde Pavillon-Bar am Pool. Lange wrde ich es allerdings hier nicht aushalten, denn es tut sich nicht viel, auer dem Kommen und Gehen der Gste und dem geschftigen Treiben des Hotelper-sonals.

    Golfspielern dagegen wird es nicht langweilig, haben sie doch ein ausge-dehntes Gelnde direkt am Fu des Pooles zur Verfgung. Ein Reitstall im Nachbarhotel steht den Gsten ebenfalls zur Verfgung.

  • Erlebnis sdliches Afrika 91

    In der kalten Jahreszeit, auch schon Ende Mai, ist es angenehm, sich vom Shuttle-Bus, der brigens alle drei Hotels des Royal-Swazi-Sun-Tales verbin-det (Ezulwini-Sun und Lugogo-Sun heien die beiden anderen Hotels in Sichtweite), zu den Thermen fahren zu lassen, die Royal Swazi Spa, oder im Volksmund Cuddle Puddle (Knutsch-Pfuhl) genannt werden. Dort wer-den heie Quellen in ein groes Schwimmbecken geleitet. Gste der Sun-Hotels haben kostenlosen Eintritt. Ein Massage - und Fitne - Studio ist an-geschlossen.

    Abends schaue ich kurz im Kasino vorbei, das fast rund um die Uhr geffnet hat. Die bliche Anzahl an funkelnden und glitzernden Automaten mit dre-henden bunten Rdchen und Scheibchen, dann eine Etage darunter etliche Black-Jack und Roulette -Tische, aber wenig Spieler. Nur Hotelgste oder Besitzer einer Eintrittskarte werden zugelassen, erklrt mir ein Schwarzer in Hoteluniform. Als ich meine Hotelkarte zeige, kann ich ins Reich der Spiele vordringen. Ich verzichte auf das Betreten des Spielparketts und begnge mich mit einem Blick von der Terrasse auf die blassen und angespannten Gesichter der Spieler, darunter auch etliche Ladies, deren Gatten mit ngstli-cher Miene hinter den Spielerinnen stehen.

    Noch eine Bemerkung zum Essen im Royal Swazi Sun: Ich habe zweimal zu Mittag gegessen, einmal Continental Breakfast und einmal Abendessen dort eingenommen. Alle Essen wurden, als ich dort war, als Buffet zum Pau-schalpreis (Kaffee oder Tee inklusive) angeboten. Man scheint hier den Schwerpunkt auf Kurzgebratenes zu legen: Der Gast stellt sich rohe Zutaten zusammen, die dann von einem Koch auf einer heien Platte gar gegrillt werden. Das heit hier im sdlichen Afrika Mongolian Barbecue. Daneben gibt es eine Auswahl an Braten.

    Nach dem Mahl wird Tee gereicht. Ich geniee den Blick durch die Fenster-scheiben des Restaurants auf die hellerleuchtete Terrasse und den Pool und erinnere mich an den September 1990, als ich zum ersten Mal in Swaziland war:

  • 92 Swaziland

    Nach mehreren Anfragen beim Swazi-Konsulat in Johannesburg und bei ei-nigen Reisebros, die sich ber Wochen hinziehen, bekomme ich endlich den genauen Zeitpunkt des Reed-Dance heraus. Der Hhepunkt des eine Woche dauernden Festes soll am dritten September im Knigskral von Swa-ziland stattfinden. Olaf, ein Bekannter aus Swaziland, der mich zum Fest begleitet, kennt sich aus: Einmal in Jahr zur Vollmondzeit tanzen eine Menge Frauen und Md-chen vor dem Knig. Er sucht sich der Tradition gem bei dieser Gelegen-heit eine Frau aus. Der Knig Mswati III ist nun 22 Jahre alt, und dies wird seine dritte Frau sein. Dieses Jahr hat der Knig, vllig auerhalb der Gepflogenheiten, schon eine Frau. Dem Vernehmen nach ist sie ihm von einem Bruder empfohlen worden. Wie die Leute reden, kommen deshalb zum Reed-Dance viel mehr Frauen als sonst. Das verstehe ich nicht, ist es nicht eine Ehre fr eine Familie, wenn die Tochter Knigin wird? Olaf, der mit mir in einem Restaurant sitzt, nimmt einen Schluck von dem wrigen Dosenbier und holt aus: Viele Fami-lien wollen nicht, da ihre Tochter in den Knigskral kommt. Warum? Es gibt kein Lobola, also kein Brautgeld, das normalerweise jeder mnnliche Swazi an die Eltern der Braut zahlen mu, wenn er sich eine Frau nimmt. Und au-erdem: Was hat die knftige Knigin noch vom Leben? Sie bleibt in der k-niglichen Residenz eingesperrt, und ist frs Leben vergessen. Sie darf nicht ausgehen, wie die anderen ihres Alters. Das ist der Grund fr die Zurckhal-tung der Eltern! Darf man da einfach fotografieren? Ich habe nmlich meine Fotoausrstung mit Teleobjektiv mitgebracht. Na klar. Sogar die Mitglieder der Knigsfamilie haben ihre Fotoapparate dabei. Der Knig erhielt vor einiger Zeit eine teure Videokamera von einer deutschen Firma geschenkt. Du wirst sehen, da ein uniformierter Offizier aus seiner Leibgarde bei der Tanzzeremonie die Md-chen filmt. Es wird gemunkelt, da der Knig sich daheim in der Residenz die Filme anschaut, und sich die schnste Tnzerin fr das kommende Jahr als Knigin reserviert.

  • Erlebnis sdliches Afrika 93

    Hat er denn in seinem Kral in der reetgedeckten Htte einen Fernsehappa-rat? Wo denkst Du hin, der Kral ist doch nur ein Zugestndnis an seine tra-ditionell lebenden Untertanen. Nein, er wohnt die meiste Zeit in seiner Resi-denz, einem in wei gehaltenen Palast im Stil eines Luxushotels mit Swim-mingpool und Discoraum auf der anderen Seite des Tales. Doch das hat ei-nen Haken: Er mu mit seiner Mutter zusammenleben. Deshalb hat er sich in den Kopf gesetzt, oben auf dem Highveld bei Mbabane eine Zweit- Residenz zu bauen, seine Zufluchtsttte vor seiner Mutter, wo er in Ruhe dem moder-nen Leben frnen kann, ohne geschimpft zu werden.

    Bei den Vorbereitungen zum Tanz werden Swazilands Mdchen jede ein Bndel ber drei Meter langes Schilfrohr auf den Schultern zum Tanzplatz tragen. Der Tradition zufolge dienen die Reet-Binsen dazu, die Dcher der Residenz der Kniginmutter iNdlovukazi zu decken und die Schden in der Kralumzunung auszubessern.

    Endlich ist Tag des Festes gekommen. Ist es beim Aufstehen noch sonnig, zieht es immer mehr zu, als wir mittags nach kurzer Fahrt durch die sdli-chen Bergketten am Festplatz ankommen. Der Festplatz ist noch ganz frisch. Die Bulldozer und Erdbearbeitungsmaschinen sind nur ein wenig auf die Sei-te gefahren worden. Vor dem kniglichen Kral ist eine Flche, etwa so gro wie ein Fuballfeld, geglttet worden. Eben fhrt ein Wasserwagen ber den Platz und befeuchtet die rote Erde, wohl deshalb, damit es nachher beim Tanz nicht so staubt.

    Alle Welt scheint heute unterwegs zu sein. Ganz Swaziland strebt durch das einzige Tor in der ueren Umzunung des Knigskrals. Beim Abstellen des Autos posieren halbwchsige Swazimdchen oben ohne, um sich als Foto-modell etwas Geld zu verdienen. Fliegende Hndler verkaufen warmes Es-sen und Obst. Der Abfall, Plastiktten, Schalen, Bierflaschen etc., wird ein-fach auf den Boden geworfen, in Ermangelung eines Abfallkorbes. Wir ms-sen aufpassen, da wir ein freies Stck Feld finden, ohne auf Abfall zu tre-ten.

  • 94 Swaziland

    Halbnackte Reed-Tnzerinnen und bekleidete Zuschauer wimmeln frhlich und lautstark durcheinander. Wir finden einen Sitzplatz auf der untersten Stu-fe direkt vor dem Festplatz. Zweieinhalb Stunden haben wir schon gewartet, und nun scheint einiges in Bewegung zu geraten. Die Mdchen haben sich gesammelt und pfeifen auf Trillerpfeifen, wir - aus akutem Hungergefhl we-gen des fehlenden Mittagessens - aus dem letzten Loch. Drei Stunden nach dem vermuteten Anfang der Festlichkeiten ziehen in Pulks von jeweils 20 bis 30 Mdchen, die - neben dem Knig - wichtigsten Akteure des heutigen Tages ein. Rhythmisch stampfen die in der ersten Gruppe 6- bis 8-jhrigen Mdchen mit den Fen, an denen Rasseln befes-tigt sind. Mit der rechten Hand schwingen sie schwere Brotmesser durch die Luft, um das Abschneiden der Binsen zu symbolisieren. Am lustigsten sind die, die schon an die Heimwanderung im Dunkeln gedacht haben und statt eines Messers eine silbern glnzende Taschenlampe schwingen. Oder gar eine hlzerne Messerattrappe oder einen Regenschirm in der Hand halten. Wo sind die Binsen? Die sind schon gestern abgeliefert worden, erklrt Olaf, heute wird nur getanzt. Fotografen nach oben! Ein in Zivil gekleideter Schwarzer geht durch die Reihen. Gerade wird es interessant, als das Alter der Mdchen in den vorbei tanzenden Truppen langsam ansteigt, da werden wir hinter eine Absperrung gescheucht. Nur diejenigen unter uns Fotografen drfen zum Zentrum des Geschehens vorgehen, die eine Erlaubnis vorweisen knnen. Ich mu von weitem mit einigen Leidensgenossen zusehen, wie die farbige Pracht vor der Tribne vorbeizieht. Der Einsatz eines Teleobjektivs ist jetzt angebracht (Foto siehe Farbteil). Ein einmaliges Bild! Der Swaziland - Prospekt hat nicht zu viel versprochen. Die bis zu 25 Jahre jungen Mdchen tragen einen bunten mit Perlen durch-wirkten Lendenschurz, der hinten offen ist, um die Hften. Bis auf eine Hals-kette und ein buntgewebtes Band, das sich von der Schulter ber den Ober-krper zieht, sind sie nackt. Vom Lendenschurz und von der Schrpe hn-gen bei manchen Tnzerinnen Tcher in den Farben rot, blau, gelb.

  • Erlebnis sdliches Afrika 95

    Mehrere tausend Mdchen und Frauen sind schon im Stadion, und immer noch ziehen ganze Pulks von Schnheiten auf den planierten Festplatz. Jetzt wird es spannend: Ich habe in der Menge der Swazilnderinnen welche ent-deckt, die rote Federn kranzfrmig im Haar tragen. Eine davon hat sogar drei Federkrnze und einen Rock an. Who is she? frage ich einen der Umste-henden. Sie ist die neue Frau des Knigs! Verheiratete Frauen tragen einen Rock, whrend sich die anderen mit einem Lendentuch begngen mssen. Die neue Knigin ist schon in den Clan des Knigs integriert. Sie tanzt mit den Frauen und Mdchen der Knigsfamilie, die sich durch besonders far-benfrohe Kleidung auszeichnen. Eine Vielzahl bunter Tcher und Quasten in rot, blau und gelb, sorgfltig mit geknpften Bndern und Ringen verziert, hngen von der Hfte und von der Schrpe. Um das Handgelenk haben sie mit Zickzackmustern verzierte Armbnder in knalligen Farben.

    Ein Raunen geht durch die Menge, und die Tnzerinnen auf dem Feld treten mit einem Mal in den Hintergrund der Aufmerksamkeit des Publikums. Hinter uns fhrt ein schwarzer chromglnzender Cadillac vor, begleitet von vier protzigen Hyunday - Straenkreuzern aus Taiwan. Jawohl, es ist der Knig, in seiner traditionellen Stammestracht und einem Kranz von blutroten Federn um das Haupt, der wrdig aussteigt, und unter Jubel und Beifallsklatschen auf die Ehrentribne zuschreitet. Von Ferne sehe ich in der Menge seinen kniglichen Stab mit dem obenaufgesetzten goldenen Dreieck.

    Nach diesem kurzen Intermezzo geht der Tanz weiter. Mnnliche Mitglieder der Knigsfamilie sind in Leopardenfelle gekleidet, mit Halsketten ge-schmckt und tragen Fell- und Federschmuck auf dem Kopf. Sie haben auf der berdachten Tribne Platz genommen. Einige springen auf, vollfhren regelrechte Kriegstnze, wobei sie ihre Waffen schwingen. Einer galoppiert auf eine Gruppe von Mdchen zu und versucht sie durch das Hinlegen eines Stockes zum Stillstand zu bringen. Er streckt den Kopf in die Menge der Girls, um seine Zuneigung zu einer Tnzerin anzudeuten. Aber er blitzt ab. Theatralisch reit er seinen Kopf zurck, klaubt seinen Stock wieder auf, und

  • 96 Swaziland

    entfernt sich eckig hpfend und springend, mit seinen Armen wild um sich schlagend. Als er sich bckt, schwingt sein hinteres Lendentuch nach oben, so da sein blanker Hintern sichtbar wird. Das reit die Menge zu wilden Beifallsstrmen und Gelchter hin. Gro ist die Freude! Seltsam. Der Unterschied in der Re-aktion des Publikums auf ein entbltes Hinterteil eines Mannes und auf die Popos von 5.000 tanzenden Frauen. Es wird fr die Fotografen immer schwieriger, ein gutes Bild zu machen. Der Abend zieht herauf, und die Regenwolken tun ihr briges, da die Kameras langsam in den Taschen verschwinden. Der Knig erhebt sich von seinem Platz. Langsam schreitet er inmitten seines Gefolges auf die Tanzflche. Zielsicher geht er auf die neue Knigin zu und fhrt sie zurck auf die Trib-ne. Beifall und lautes Rufen allerseits. Jetzt aber nichts wie weg, winke ich Olaf zu, der noch unten auf der Stufe sitzt. Es wird langsam dunkel. Wenn alle Menschen nach Hause aufbrechen, gibt es ein Verkehrschaos. Als wir schon im Auto sitzen, warten die ungedul-digen Mdchen darauf, da die Absperrung um den Tanzplatz endlich freige-geben wird, und sie nach ihrem Auftritt nach Hause knnen. Viele mssen et-liche Kilometer zu Fu bis zu ihrem Kral gehen. Nur wenige erhalten einen Lift. Zurck in der Gegenwart, zurck im Terrassenrestaurant des Royal Swazi Sun, zurck im hier und heute des Jahres 1994, winke ich dem Kellner, der die Rechnung bringt. Morgen wird es nach Hause gehen. Ich habe mich ent-schlossen, statt auf dem Landweg mit dem Flugzeug nach Johannesburg zu reisen. Der kostenlose Shuttle-Bus des Hotels bringt mich zum Airport bei Manzini. Eine seltsame Vorschrift, schon zwei Stunden vor Abflug anwesend sein zu mssen! Bei so einem winzigen Flughafen und bei einem so geringen Flug-gastaufkommen ist diese Vorschrift alles andere als angebracht. Noch lsti-ger wird sie, als die Fluggste nach dem Einchecken feststellen, da die Royal Swazi Air, aus Harare kommend, eineinhalb Stunden Versptung hat.

  • Erlebnis sdliches Afrika 97

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    MNO P N Q R ST UBIG GAME PARKS: Headquarters, P O Box 33, Mbabane, Swaziland. Telefon: +268-44541, Fax: +268-40957. Info und Reservierungen fr: Hlane National Park, Wildwasserfahren, Mlilwane Wildlife Sanctuary, Mkaya Game Reserve. Sun International: Info und Reservierungen fr: Royal Swazi Sun Hotel, Ezulwini Sun Hotel, Lu-gogo Sun Hotel in Sdafrika: Central Reservations, P O Box 784487, Sandton 2146, Tel. (011) 780 7800, Fax (011) 780 7449 in Europa: Feldbergstrae 8b, Oberursel, Tel. (06171) 57071, Fax (06161) 54149. Der Reed-Dance findet jhrlich Ende August/ Anfang September statt. Der Termin ist variabel gehalten. TIP: Bei BIG GAME PARKS anrufen!

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  • Erlebnis sdliches Afrika 99

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    In nachstehendem Reisebericht versuche ich zu beweisen, da man selbst in einem seit langer Zeit inaktiven Vulkankrater hchst aktiv sein kann.

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    Als wir an einem sonnigen Freitagabend im Mrz an einem Trockenwald von Korallen - und Kamelfubumen vorbei ber eine verzierte Brcke, die einen rauschenden Bach berspannt, mit unserem 10 Jahre alten VW Passat auf den von Washingtonia - Palmen bestandenen runden Empfangsplatz einrol-len, komme ich mir schon leicht komisch vor: Lauter BMWs und Daimler, a-ber auch vereinzelt andere hochpreisige Vehikel stehen da herum. Als aber dann von einem schwarzen Angestellten ein VW Golf aus der unter einem Seerosenteich verborgenen Tiefgarage zum Empfang gefahren wird, bin ich erleichtert. Also sind im Palast auch normale Leute untergebracht. Diese Meinung ndert sich leicht, als in den VW Golf ein Mann mit einer sndteu-ren Golfausrstung einsteigt.

    Warum ich nun unseren staubigen und von der afrikanischen Sonne vorzeitig gealterten Wagen abgeben mu, um von einem livrierten piekfeinen Schwar-zen im Austausch gegen die Wagenschlssel ein Stck Pappendeckel mit der Aufschrift Parkgebhr pro Tag: 20 Rand zu bekommen, wei ich nicht, nehme es aber hin, denn dies ist ja ein Luxushotel. Wehmtig blicke ich mei-nem treuen Begleiter auf Sdafrikas Straen nach, als er in einem dunklen Loch in der Landschaft, der meisterhaft getarnten Tiefgarage, verschwindet. Der Empfangschef blickt mich amsiert an, als wolle er sagen: Keine Angst, Sir, bei uns ist noch nichts verlorengegangen!

  • 100 Pilanesberg

    So getrstet, gehe ich vorbei am Geparden - Springbrunnen, eines im Licht der untergehenden Sonne golden glnzenden Skulpturen - Ensembles, das die Jagd einer Gruppe von Gazellen durch einen Geparden darstellt, passie-re die 8 m hohen knstlich auf alt gemachten gigantischen Eingangstore des Palastes und ... mir bleibt vor Erstaunen der Mund offen: 25 m hoch und 16 m im Durchmesser schwebt ber der mit Marmor und Granit in 38 verschie-denen Schattierungen gepflasterten Empfangshalle (in kleineren Hotels Rezeption genannt) in sechs Segmenten eine Orgie von Farben und For-men, die das Leben im Dschungel darstellt. Man mte sich schon auf den Boden legen, oder auf den riesigen runden Tisch, um das Kunstwerk in der Kuppel der Halle gebhrend wrdigen zu knnen. Der Tisch ist mit einem ausladenden Blumenbukett gekrnt und steht auf vier geschnitzten Lwenf-en. Die Tischplatte ist als Einlegearbeit aus acht verschiedenen Hlzern gefertigt.

    Durch die luftige Empfangshalle hindurch kann man auf das Valley of Wa-ves sehen, doch bleibt der Blick vorher an einem noch erstaunlicheren archi-tektonischen Kunstwerk hngen: dem Crystal Court (Kristallhof). 15 Meter hohe Sulen, scheinbar aus Palmstmmen, Bambus und Seil gefertigt, auf Elefantenfen stehend, tragen das durch Fensterkuppeln, von denen Grn-pflanzen hngen, aufgelockerte frei schwebende Dach. Die Mitte der riesigen Halle nimmt ein eindrucksvoller Brunnen ein, der von lebensgroen Elefan-tenkpfen flankiert wird. Darber: Ein prchtiger Kronleuchter, der an Palm-bltter erinnert, mit Rippen aus Bronze und die Bltter aus Bergkristall. Das ganze Kunstwerk 5 Meter im Durchmesser und in der Senkrechten ber 4 Meter.

    Diesen Raum betreten wir nun ber eine mit Marmor belegte Freitreppe, ihr Gelnder aus einer Kombination von Bergkristall und Bronze. Luftig und leicht erscheint einem doch dieser Raum, mit sieben Meter hohen Bgen, die ihn an drei Seiten umgeben. Wie kann diese frei schwebende Decke von 29 Meter Spannweite eigentlich das Gewicht von vier Luxussuiten tragen, die sich ber ihr auftrmen? Fr je 4 Personen geschaffen, die es sich leisten

  • Erlebnis sdliches Afrika 101

    knnen, wird alles geboten, die Suite zum Preis von ca. 4000.- DM pro Nacht whrend der Woche und 5000.- DM am Wochenende. Frhstck nicht einge-schlossen. Besonders beeindruckt hat mich bei einer Fhrung durch eine Su-ite die Dusche, von einem PR-Mann des Palastes wegen der Gre der An-lage als Car-Wash bezeichnet, Autowaschanlage. Der ganz rechte Aufzug (von dreien) im linken Gebudekomplex fhrt Sie ins oberste Stockwerk, von wo Sie ber eine Anzahl von Treppenstufen in die hchste Kuppel des Palastes kommen: Herrliche Rundumsicht ber das gan-ze Gelnde des Sun-/Lost-City-Komplexes mit seinen Golfpltzen, dem gro-en Staudamm (Bootsverleih, Wasserschi, Drachengleiten usw.), den drei anderen Unterkunftsmglichkeiten (Cabanas, Main-Hotel, Cascades), dem Valley of Waves und dem Entertainment-Center mit seinen Spielautomaten und zahlreichen Restaurants. Nun aber ins Zimmer, wo unser Gepck schon auf uns wartet. Unsere Emp-fangsdame, die nichts anderes zu tun hat, als Gste aufs Zimmer zu beglei-ten, geht uns wrdevoll die Gnge entlang, an offenen Innenhfen, an Was-serfllen und Bchen vorbei, voraus. Eine ausgedehnte Wanderung haben wir hinter uns, wobei unser Auge immer wieder auf liebevoll geformten De-tails in der Architektur hngenbleibt, so da wir voller neuer Eindrcke die massive geschnitzte Tr zu unserem, einem von 338, Zimmer ffnen. 19 verschiedene Zimmereinrichtungen gibt es im Palast. Wir haben ein Fa-milienzimmer, dessen komfortables Sofa sich in ein Bett verwandeln lt, whrend die Eltern in einem bemerkenswerten Doppelbett schlafen: Gem dem Thema von Lost-City, soll dies einmal ein Himmelbett gewesen sein. Vier abgebrochene 2 Meter hohe handgeschnitzte Pfosten an jedem Ende des Doppelbettes tragen zu diesem Eindruck bei. Auch hier wieder eine e-norme Detailvielfalt. Besonders interessant das zweite Telefon im separaten Toilettenraum (mit Amtsanschlu) neben der Klorolle, damit man auch auf dem Huschen mit der Auenwelt in Kontakt bleibt, und der elektronisch ver-siegelbare Tresor neben der wohlgefllten Zimmerbar und dem Farbfernse-her.

  • 102 Pilanesberg

    Der Palast hat verschiedene Restaurants, in denen man sich kulinarisch ver-whnen lassen kann. Wir besuchten die Villa del Palazzo, in der nur abends serviert wird. Dort wird man von mindestens drei verschiedenen Angestellten weitergereicht, bis man zu einem der berdimensionalen Etische kommt, wo schon zwei Kellner bereitstehen. Diese ffnen die sorgfltig gefaltete Stoffserviette und breiten sie, nachdem sie einem den Stuhl unter die Sitzfl-che geschoben haben, auf dem Scho des Gastes aus. Der Ausblick durchs Fenster erfreut uns mit beleuchteten pltschernden Wasserspielen. Dahinter sehen wir die verzierten Sulen und die Spielereien der Architekturdetails des Palastes.

    Im Kerzenlicht schmausen wir Carpaccio di manzo con pomodori al balsa-mico, einem dnngeschnittenen Rindsfilet mit in Krutern marinierten Toma-ten, hauchdnne Parmesanksescheibchen und jungem Olivenl. Das Gan-ze als Vorspeise kostet an die 12.- DM. Wie man unschwer erkennen kann, ist der Schwerpunkt dieses Restaurants im Italienischen zu suchen, daher auch die Auswahl der vier verschiedenen Pastas. Ich esse LINGUINE ALL ARAGOSTA, auf deutsch: eine farbige Kombination von Pasta (Nudelteig), Hummer, sonnengetrockneten Tomaten, Basilikum, mit einem Hauch von Knoblauch. Preis: 30.- DM. Als Hauptspeise nehme ich NODINO DI VITEL-LO RIPIENO CON FONTINA E PROSCIUTTO, das etwa wie gednstetes Kalbsrippchen, gefllt mit Fontina - Kse und Parmaschinken schmeckt, fr 35.-DM. Vom Nachtisch, den ich mir ausgesucht habe, bin ich leicht ent-tuscht. Fr knapp 9 DM kam ein Tirami Su nach Art des Hauses auf den Tisch, das meine Mutter nach Art ihres Hauses viel besser macht.

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    Nur wenige Kilometer sind es vom Parkplatz der Sonnenstadt bis zum Ba-kubung - Eingang des 55.000 Hektar groen Pilanesberg - Nationalparks. Wir fahren nach diesem Wochenende in der Lost City erst einmal zurck nach Pretoria.

  • Erlebnis sdliches Afrika 103

    Wenige Wochen spter sind wir wieder am Vulkankrater Pilanesberg. Das Bakubung - Tor ist auf guter Teerstrae von Pretoria aus nach 170 Kilome-tern erreicht. Hinter einer Bergkuppe versteckt schmiegt sich die Ferienanla-ge Bakubung (da, wo das Flupferd wohnt) an einen Hang. Reetgedeckte Huser, in Hufeisenform um ein Freigelnde angelegt, welches, wie wir sp-ter herausfinden, Teil des Pilanesberg - Nationalparkes ist. Daher also der elektrische Zaun, der nicht nur die beiden halbzahmen Flupferde Twiggy und Georgie, sondern auch alles andere mglicherweise gefhrlichere Wild abhalten soll, die auf der Terrasse vor ihren Huschen braaienden Besucher zu erschrecken.

    Ich habe Besucher aus Deutschland dabei, denn es gibt selten eine bessere Gelegenheit, dem Besuch aus Overseas einen groen, wildreichen Park in der malariafreien Zone, zudem noch so nah an Pretoria bzw. Johannesburg, zu zeigen.Mittagessen gibt es vom Buffet. Die Tische biegen sich unter der Last. Vom saftigen Rinderbraten einige zarte Scheibchen, nach einem guten Vorspeisenbuffet. Die zu harten Kartoffeln finden keinen Anklang bei meinen Gsten. Das Impala-Gulasch und der Lammbraten fallen ebenfalls durch, weil zu zh. Wir sitzen im geschmackvoll ausgestatteten Restaurant, dessen Strohdecke sehr hoch liegt. Das ist ntig, damit sich im Sommer die heie Luft dahin begibt, wo sie soll. Von der Terrasse des Restaurants knnen wir die Tiere im Nationalpark beobachten.

    Unser Chalet liegt in der zweiten Reihe, am Fue eines dichtbewaldeten Hanges. Da wir nicht direkt auf das Freigelnde sehen, haben die Campde-signer den weiter entfernt liegenden Chalets einen kleinen Pool spendiert, sowie einen knstlichen Bach zwischen den Huschen angelegt, wo sich Vgel von weither ein Stelldichein geben und abends in allen Tonarten sin-gen. Da pltschert es nun in dieser die meiste Zeit des Jahres wahrhaft knochentrockenen Gegend. Wo wohl das Wasser herkommt? Unser Chalet hat eine komplett eingerichtete Kche, ein Wohnzimmer, 2 Schlafzimmer (also Platz fr 4 Personen). Je Schlafzimmer steht ein Badezimmer zur Verfgung, eines mit Dusche, das andere mit Badewanne.

  • 104 Pilanesberg

    Wir knnen es nicht lassen. Der Reiz von Lost City hat uns immer noch im Bann. Da es von Bakubung aus einen kostenlosen Shuttle-Bus gibt, lassen wir uns in 10 Minuten Fahrt dorthin bringen. Er fhrt alle 2 Stunden zum Wel-come-Center von Sun-City. Auf unseren Wunsch hin werden wir direkt vor dem Eingangsportal zum Palast von Lost-City abgesetzt. Wir verabreden, da wir in ca. 3 Stunden, wenn der Bus sowieso die Strecke fhrt, hier wie-der abgeholt werden. Nach einer Kurzbesichtigung des Palastes (normaler-weise kommt man IN den Palast nur als Hotelgast, fr Tagesbesucher ist nur die prchtige Auenanlage zugnglich) warten wir auf den Shuttle-Bus von Bakubung. Und warten. Und warten. Vergeblich. Der fr den Transport zustndige Livrierte des Palastes ruft beim Welcome-Center an, doch der Bus ist dort schon weg. Wir sind an afrikanische Zustnde gewhnt, geben daher nicht so schnell auf. Doch nach einer weiteren Viertelstunde des Wartens besorgt uns Craig, so heit der freundliche Transportmeister, einen Kleinbus von Lost City, der uns schnell und unbrokratisch zurck zur Baku-bung-Lodge bringt. Ein weiterer Pluspunkt fr den Palast.

    Das Schlafzimmer unseres Chalets hat eine Glastr hinaus auf die Terrasse und den Pool. Der Schlssel, der uns bei der Rezeption von Bakubung mit-gegeben wurde, pat nicht. Ein neuer Schlssel, den ich mir hole, pat auch nicht. Auf meinen Anruf hin kommt niemand. Also bleibt diese Tre zu. Afri-ka. Oder?

    Abends kommen Twiggy und Georgie, die beiden Stars des Camps, aus ih-rem Wasserloch, um in Sichtweite der Chalets bei Flutlicht zu grasen. Um fnf Uhr morgens soll Weckzeit sein, und siehe da, dies funktioniert, wider Erwarten, tadellos. Etwa 20 Minuten fahren wir im offenen Gelndewagen in den Nationalpark hinein, dann drfen wir wandern. Der Himmel ist bedeckt, das erleichtert das Stapfen durch das Buschveld. Auf dem Weg entdecken wir Zebras, Hartebeest und Warzenschweine. In der Ferne Donnergrollen. Passend zur dramatischen Geruschkulisse entdecken wir hinter einer Baumgruppe zwei Breitmaulnashrner. Ein besonderes Erlebnis fr unsere Deutschlandgste. Auf den Gesichtern kann man wie in einem Buch lesen.

  • Erlebnis sdliches Afrika 105

    Halb unbezhmbare Neugier, halb panikartige Furcht. Die sind gefhrlich, erzhle ich meinen Gsten. Das ist keine Lge (siehe andere Kapitel in die-sem Buch). Deshalb begngen wir uns mit ein paar hbschen Aufnahmen fr das Familienalbum, in sicherer Entfernung. Doch wozu gibt es denn das Te-leobjektiv, damit man, wenn auch nur auf dem Film, ganz nahe kommt!

    Der bewaffnete Ranger, der uns durchs Buschveld fhrt, kennt sich auch mit der Botanik aus. Zum Beispiel erzhlt er uns Wissenswertes ber den Mopa-nebaum. Kudus mgen Mopanebltter. Mopanebume wissen sich aber ge-gen Kudus zu wehren. Der erste Bi des Kudus: Blitzschnell schiet Tannin in die Bltter, die daraufhin bitter schmecken und schon nach zwei Minuten das Kudu sich eines besseren besinnen lassen. Das Kudu wendet seinen Kopf ab und geht zum nchsten Mopanebaum. Doch - ei der dau- auch hier schmecken die Bltter bitter. Und beim nchsten ebenfalls, obwohl die Blt-ter noch nicht berhrt worden sind. Des Rtsels Lsung: Mopanebume kommunizieren untereinander, und helfen sich dadurch gegenseitig, zu ber-leben. Quatsch, meinen Sie? Mopanebume reden natrlich nicht: Achtung, Kudus kommen!. Sondern sie strmen ein Gas aus, das den anderen Mo-panebumen in weitem Umkreis als Warnung dient.

    Eine unstrapazise Wanderung ist dies heute morgen. Wir sehen noch ein Rudel Paviane, Kudus in der Ferne und vereinzelt Landrover, vollgepackt mit Besuchern auf Safari. Ein tolles Frhstck vom Buffet belohnt unsere An-strengung, danach relaxen wir an unserem kleinen Hauspool. Habe ich schon erwhnt, das neben dem Restaurant auch ein groer Pool angelegt ist, in dem man richtig schwimmen kann und eine hervorragende Aussicht hat?

    Nach dem Mittagessen werden wir in einem Landrover zur sowohl preis - als auch topographisch hhenmig weit ber Bakubung liegenden Tshukudu-Lodge gebracht. Tshukudu hat ein Nashorn in seinem Logo, nennt sich dem-nach Home of the Rhino. Schwere Regenwolken, Blitz und Donner beglei-ten unseren Weg zum eine halbe Stunde entfernten Hgel, auf dem Tshuku-

  • 106 Pilanesberg

    du liegt. Bis wir dort ankommen, giet es in Strmen. Die ber den Safari-wagen gespannte Plane hlt den Sturzregen nur ungengend ab. 50 Stufen mssen wir bewltigen, bis wir auf dem hchsten Punkt des H-gels stehen, wo das offene strohgedeckte Restaurant - mit - Wohnzimmer liegt. Da unser Ranger, Verwandter des ehemaligen Prsidenten des Apart-heidstaates, Regenschirme organisiert hat, sind wir nicht allzu na gewor-den. Wie das giet! Die drei Erddmme tief unter uns fllen sich schnell. Das Personal der Lodge freut sich. Man lacht und klatscht vor Freude in die Hnde, ist dies doch der erste Regen seit vielen vielen Monaten. Eine junge vollbusige Besucherin fllt einem Ranger um den Hals. Ist das nur der Regen? Jedenfalls: das mu begossen werden. Mit Champagner und Orangensaft werden wir und der langersehnte Regen begrt. Da birst der untere, grere Damm an der Seite und die Flut der Wasser-massen reit eine tiefe Schneise in die Dammauer. Einen prchtigen Schrei-seeadler (Fish eagle), der auf einem Mopane - Baum daneben thront, lt dies kalt - er beobachtet das Geschehen gelassen. Vom Balkon unseres rietgedeckten Huschens am Hang beobachte ich die unter mir vorbeiziehenden Tiere. Etwa 30 Gnus erfreuen sich am Regen. Ein Dutzend Elandantilopen, eine Herd Zebras, acht Giraffen und fnf Schabra-ckenschakale durchqueren die sprlich von Bumen bestandene, leicht schrge Ebene zu meinen Fen, whrend der Regen langsam nachlt. Warzenschweine fhren Freudentnze auf. Rock-Dassies (Klippschliefer) knabbern unter unserem Holzbalkon ungestrt an den Bschen des dichtbe-waldeten Hgels. Ein offener Kamin schmckt unser Huschen, das ein Doppelbett und zwei Einzelbetten im Nebenraum hat. Der Clou des Chalets ist das Badezimmer. Eine extra groe Wanne mit ungestrter Sicht auf die Ebene, auf der das Wild zum Staudamm zieht; auf die dahinter liegende Hgelkette und die drei Staudmme. Nicht alle Huschen haben den gleichen guten Blick, deshalb empfehle ich Haus Nummer 14 bei der Buchung gleich mit anzugeben.

  • Erlebnis sdliches Afrika 107

    Ganz oben auf dem Hgel stehen bequeme Liegen rund um einen Pool, der im Sommer zur Abkhlung einldt. Das Essen auf Tshukudu ist auserlesen und reichlich. Eine Spezialitt wird heute zum Abendessen serviert: Salat in einer Schale aus Bltterteig! Daneben gibt es verschiedene Hauptgerichte vom offenen Feuer, unter anderem Fisch, Steak, Paptorte usw. Die Bar kann mit einem betrchtlichen Angebot an Getrnken, auch auslndischen, auf-warten.

    Seitdem Gerhard de Lange die Leitung der Tshukudu-Lodge bernommen hat, geht es in jeder Weise aufwrts. Bei unserem ersten Besuch - er war ge-rade einen Tag Chef- gab es noch allerhand zu bemngeln. Doch heute scheint es, da Gerhard alles im Griff hat. Dabei kommt er nicht aus der Ho-tellerie, sondern hat eineinhalb Jahre im Busch gelebt und Lwen studiert. Als Beweis prsentiert er mir mehrere Koffer mit Lwendias. Ich zeige ihm ein Lwenbild aus der 2. Auflage dieses Buches. Das ist mein Lwe, platzt er heraus. Kann nicht sein, Gerhard, ich habe des Foto 1991 in Namibia in der Etosha-Pfanne gemacht!

    Doch Gerhard zeigt mir im trben Licht einer Petroleumlampe, die seine Pri-vathtte erhellt, da wir BEIDE recht haben. Denn kurz nach meinem Be-such wurde ein Rudel Lwen aus der Etosha-Pfanne zum Pilanesberg ge-bracht, und Gerhard wurde auf ihre Spur gesetzt. So kam es zu dieser Un-menge an Dias. Bald wird Gerhard ein Buch ber seine Monate mit den L-wen im Busch schreiben. Die besten Bilder hat er vergrern lassen. Sie stehen in der Lodge zum Verkauf. Das Titelbild dieses Buches sowie zwei andere Farbbilder gehen auf sein Konto.

    Stocks Leisure, denen die drei Ferienanlagen KwaMaritane, Tshukudu und Bakubung gehren, haben Gerhard als Manager von Tshukudu eingesetzt, doch bei diesem heutigen Besuch erklrt mir Gerhard, da er ab sofort fr die Lwen vom Pilanesberg zustndig sein wird. Wie vorher? frage ich. Nein, jetzt fahre ich jeden Nachmittag los, um in den 55.000 Hektar des Na-tionalparks mein Lwenrudel zu finden. Dann funke ich den Game - Rangern

  • 108 Pilanesberg

    der drei Lodges, damit sie beim abendlichen Game - Drive den Touristen auf jeden Fall Lwen vorfhren knnen. Ein Konzept, das von den Luxuslodgen in Mpumalanga her bekannt ist, wo z.B. Jurie Moolman von der Djuma - Lodge mit einem Motorrad losfhrt, um seine Tracker per Funk zu den Lwen zu fhren. Und so kommt es auch: fr die stattliche Summe, die Touristen in Tshukudu hinlegen, bekommen Sie 2 mal tglich bis zu 4 Stunden Game-Drive, und sehen neben den blichen Antilopen ziemlich garantiert Lwen. Meine Besu-cher aus Deutschland bekommen zustzlich auch ein paar Leoparden zu se-hen, wirklich eine Raritt. Unser Aufenthalt im Pilanesberg-Krater geht zuende mit einem Besuch in KwaMaritane, wo wir durch einen Tunnel unterirdisch bis zu einem Versteck nahe an einem Wasserloch geleitet werden, wo Wild jeder Art zum Trinken kommt. Wer nicht ganz soviel Geld fr eine Safari im Pilanesberg anlegen will, kann sich bei Golden Leopard Resorts informieren, die vom Camping ber ein rustikales Httencamp bis zu festen Husern mit Selbstverpflegung eine Rei-he von Auswahlmglichkeiten innerhalb des Nationalparks anbieten. [ \!] ^F\ _ `!ab,c

    Buchung des Palastes von Lost-City: In jedem Reisebro zu Hause. Info: Deutsch-sprachiger Raum: Sun International, Feldbergstrae 8B, D-61440 Oberursel, Deutsch-land. Sdafrika: The Palace, P O Box 308, Sun City 0316, Sdafrika oder: Central Reservations, P O Box 784487, Sandton 2146, Sdafrika. Fon: +27-11-780-7444, Fax: +27-11-780-7701 Bakubung: Info und Buchung: Fon 0027-1465-21861, Fax -21621, -21620, -21618; Kwa Maritane: Info und Buchung: Fon -21821, Fax -21147;Tshukudu: Info und Bu-chung: Fon -21861, Fax -21621. Da die drei obengenannten Resorts organisatorisch zusammen gehren, knnen Sie, wenn Sie bei einer Nummer noch keinen Erfolg se-hen, auch die anderen probieren. Ansonsten versuchen Sie es in der Hauptverwal-tung in Johannesburg, Fax 0027-11-806-4108.

  • Erlebnis sdliches Afrika 109

    Golden Leopard Resorts: P O Box 937, 2062 Lonehill. Fon: 0027-11-465-5437, Fax -1228.

    7 x 10 cm Werbung Hirner, Kapstadt (aus 2. Auflage, Seite 32 un-ten)

    und 7x 10 cm Werbung African Special Tours, AST (Papiervorla-ge liegt bei)

  • 110 Zululand

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    (Skizze im Kapitel Swaziland)

    Kurz nach 7 Uhr morgens hebt die Fokker 27, eine Zwei - Propeller -Maschine der Fluggesellschaft COMAIR, von der Startbahn des Flughafens Johannesburg International sanft ab. Ziel meiner Reise ist es, zwei verschie-dene Wildreservate im Zululand, Teil der Provinz KwaZulu - Natal, zu erkun-den. Kaum haben wir Reiseflughhe erreicht - immer noch sind Details der unter uns weggleitenden mrzgrnen Landschaft gut zu erkennen- beschreibt der Kapitn die Flugroute und gibt das Wetter in Richards Bay, unserem Ziel-flughafen durch. Flugdauer: 1 Stunde und 20 Minuten. Durch den Flug spart man sich 5-6 Stunden Autofahrt.

    Enorm die Beinfreiheit in der Maschine: Von Fenster zu Fenster sind nur 4 Sitze installiert! So komfortabel bin ich lange nicht mehr gesessen! Als wir mit leisem Fluggerusch ber den Ebenen des Highveldes schweben, genie-en wir das Frhstck.

    Blick aus dem Fenster: Merkwrdig flach wirkt das Escarpment (Steilabfall der Highveld-Platte zum Nataler Tiefland), das wir in kurzer Flugzeit erreicht haben. Wenn ich bedenke, wieviel Schwei und Pfunde ich schon auf Wan-derabenteuern in dieser Gegend, vor allem rund um Newcastle, gelassen habe, wirkt von oben gesehen die Landschaft durch die Perspektivenverkr-zung geradezu unglaublich platt.

    Pnktlich setzt die COMAIR-Fokker nach einmaliger Umkreisung des kleinen Flughafen Richards Bay auf der Landebahn auf, in unmittelbarer Nhe einer Ausbuchtung des Indischen Ozeans. Der Rckflug, den ich hier zeitlich vor-ziehe, wird mir ebenfalls erfreulich in Erinnerung bleiben: Ein ruhiger Flug, zum Abendessen drei hbsch dekorierte Brote (Fisch, Rindfleisch und Hhn-chen), eine kleine Hhnchenkeule, und, als besondere Leistung, im Preis

  • Erlebnis sdliches Afrika 111

    eingeschlossene alkoholische Getrnke. Zum ersten Mal probiere ich das Af-rika - Getrnk der Englnder, als Malaria - Prophylaxe benutzt: Gin Tonic on the rocks. Fr die Wirkung dieser Arznei kann ich jedoch keine Garantie bernehmen. Gleich beim Aussteigen aus dem Flugzeug bemerke ich, wie feucht und warm die Luft hier ist: Gewohnt, in der relativ trockenen, dnnen Luft des Highveldes zu leben, brauche ich schon einige Zeit, mich diesem Klima hier anzupassen. Schtzen mu ich mich auch an die hier hufig vorkommende Malaria. Die bisher in Sdafrika erhltlichen Tabletten gegen die gefhrliche Krankheit sind (bei meiner Recherchereise anfangs 1994) wirkungslos, weil sich die Malaria - Erreger daran gewhnt haben. Doch in sdafrikanischen Apotheken haben sich schon etliche neue Mittelchen etabliert. Ich mu jeden Tag zwei Tabletten der einen Sorte und jeden Mittwoch zwei Tabletten der anderen Sorte nehmen. Damit soll der Erreger, den die A-nopheles - Mcke trgt, angeblich keine Chance mehr haben. Leider kommen immer mehr Deutsche und sterreicher mit dem Medikament Lariam als Prophylaxe ins Land. Vor Jahren war Lariam noch als Kur gegen Malaria verwendet worden, jetzt, mit der Anwendung als Prophylaxe, besteht die Gefahr, da die Arznei bald nicht mehr wirkt, weil die Erreger sich daran gewhnt haben. Die Chemiefirmen mssen neue Mittelchen zur Heilung erfinden.

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    Drei volle Tage Wanderung durch die Wildnis habe ich nun vor mir. Mike, ein Angestellter vom Umfolozi Game Reserve, holt mich nach einer lngeren Wartezeit mit einem Lieferwagen ab. Ich bin dankbar fr diesen Service, mu ich auf diese Weise keinen Mietwagen nehmen, um zum ca. 1 Stunde ent-fernten Wildreservat zu kommen. Erst gegen Mittag treffen wir im Basiscamp des Umfolozi-Wildreservates ein, da Mike in Richards Bay und Empangeni Erledigungen zu machen hat.

  • 112 Zululand

    Am erdbraunen Weien Umfolozi - Flu, der hier eine Biegung macht, liegt das Mdindini - Rastlager, das nur Wanderern zur Verfgung steht, am sanft zum Wasser abfallenden baumbestandenen Hang. Auf der anderen Seite steigt das schilfbestandene Ufer leicht Richtung Sden an, ideal zur Wildbe-obachtung.

    Zu unserer Linken erhebt sich ein Steilufer mit zerklfteten Klippen, bevor-zugter Aufenthaltsort von Pavianen, deren Bellen ab und zu vom Wind getra-gen herber weht. Das Camp selbst besteht aus Zelten, die auf hlzernen, auf Stelzen errichteten Plattformen stehen. Je zwei Betten befinden sich in den grnen Leinwandzelten, ber den Betten Moskitonetze, daneben zwei Nachtkstchen. Sanitranlagen: Oben offene Dusche mit heiem Wasser, eine geschlossene Toilette aus Holz und Binsen. Eine einfache strohgedeck-te Kche ganz aus Holz: Erstaunlich, welch schmackhaften Gerichte der Zulu - Koch Nelson mit einfachsten Mitteln zaubert!

    In den Hang ist ein strohgedeckter Aufenthaltsraum hinein gebaut. Rattan-sessel, ein groer hlzerner Tisch, eine Karte des Umfolozi-Wildnisgebietes an der Wand, ein Gstebuch mit Eintragungen aus aller Welt. Nach einem wohlschmeckenden und reichlichen Abendessen, nur von friedlichen Geru-schen des Busches umgeben, versinkt die Sonne sehr schnell, wie blich in diesen Breiten.

    Schon verbreitet ein Lagerfeuer romantische Stimmung, whrend wir uns kennenlernen und die eben beobachteten Vgel rund ums Camp mit den Abbildungen im Vogelbuch vergleichen. Mit auf dem Trail, der morgen in aller Herrgottsfrhe startet, werden sein: Ian, ein Ranger von englischer Abstam-mung um die 50, Sippho, ein etwa 25 Jahre alter Zulu, beide in Khaki-Uniform mit dunkelgrnen Schulterklappen (Aufdruck Natal Parks Board) und mit je einer dreischssigen grokalibrigen Flinte versehen, ein lteres Ehepaar aus Cambridge in England, zwei junge athletisch gebaute Neusee-lnder und meine Wenigkeit. Normalerweise knnen 8 Besucher auf einer Wildnis-Wanderung teilnehmen.

  • Erlebnis sdliches Afrika 113

    Schon um fnf Uhr morgens heit es aufstehen: Nelson hat ein ausgiebiges Frhstck gemacht, das auf eine anstrengende Wanderung schlieen lt. Doch vorerst mssen wir eine vierzig Kopf starke Bffelherde passieren las-sen, die in einer langen Reihe durch den hier etwa 20 m breiten Weien Um-folozi watet, und direkt unsere Wanderroute schneidet. Bald ist das letzte der schwarzen Ungetme, deren Hrner sichtbar mit einer festen Hornplatte ver-bunden sind, verschwunden, und wir ziehen los.

    Im Nu sind wir auf etwa 40 m Hhe ber dem Flu angelangt, ein bevorzug-ter Aufenthaltsort von Baboons (Pavianen), die die relativ khle Luft, die als Aufwind vom Flu herauf zieht, genieen. Die Paviane sitzen tagsber direkt auf den Klippen, die steil zum Fluufer hin abfallen.

    Durch schtteren Bewuchs ziehen wir fluabwrts. Langsam wird es hei. Wir erfahren, was es heit, an einem der ersten trails in der Saison teilzu-nehmen. Im Sommer (November bis Mitte Mrz) werden keine Wanderungen durchgefhrt. Dann artet der Spa der Wanderung durch die stechende Hitze eher in Folter aus.

    Willkommen ist ein Wldchen von schattenspendenden Sycamor-Bumen (Ficus sycomorus) direkt am Fluufer, wo wir Rast machen. Sycamoren wachsen in der Regel entlang von Flubetten, die Rinde grn bis grnlich-gelb, manchmal auch hellbraun. Die Bltter sind behaart. Die Frchte wach-sen in groen Trauben an Zweigen und sten. Bis in Brusthhe sind die Bume mit einer braunen Schicht bedeckt. Die Rhinos werden von Zecken geplagt. Sie wlzen sich deshalb im Schlamm, lassen diesen trocknen, und reiben sich dann an Bumen die festgebackenen Zecken von der Haut, er-klrt Ranger Ian.

    Zunchst betrachten wir skeptisch, wie er sich seiner Kleidung entledigt, und im schlammbraunen Wasser buchlings plantscht. Denn im Sitzen reicht das Wasser nur bis zum Bauchnabel. Bald tun es ihm einige von uns gleich. Ab-khlung bringt das ca. 30 Grad warme Wasser ja nicht, doch es splt das Salz des angetrockneten Schweies weg.

  • 114 Zululand

    Nach dieser etwas seltsam anmutenden Zeremonie (man kommt dreckiger raus als man hinein geht) durchwaten wir den knietiefen Flu, die Wander-schuhe - und Socken in der Hand, wobei wir zunchst im lockeren nassen Sand leicht einsinken. Auf der gegenberliegenden Sandbank machen wir Rast, um sorgfltig den Sand zwischen den Zehen zu entfernen. Der gebte Wanderer wei, da jeder Fremdkrper auf der Haut wegen der Reibung zu schlimmen Hautabschabungen fhren kann.

    Immer wieder wird auf der Wanderung Rast gemacht. Ian, der unserer Gn-semarsch-Gruppe vorangeht, ntzt den Schatten, um Interessantes ber V-gel, Bume und das ab und zu vorsichtig hinter einer Deckung hervorlugende Wild zu erzhlen. Hier ein Rudel Impalas, dort der weie runde Klodeckel um den Schwanz eines grauen Wasserbockes, hier ein bunter Vogel mit dem Namen Lilac Breasted Roller in der ganzen Farbenpracht seiner Federn, dort ein Mopanebaum (Colophospermum mopane) mit seinen schmetter-lingsmig angeordneten Blttern, eine wertvolle Futterquelle fr das Wild.

    Zwei schwarze Lehrlinge, Eric und Isaac, aus den beiden anderen staatli-chen Wildreservaten der Gegend Hluhluwe und Mkuze, begleiten uns. Sie lernen begierig, was Ian und Sippho zu erzhlen wissen. Oft fragen sie nach der genauen Schreibweise der englischen Namen von Bumen und Vgeln, die sie eifrig mit Notizblock und Kugelschreiber festhalten, denn schon eine Woche spter werden sie die Morgenwanderungen fr Touristen in den ge-nannten Wildreservaten leiten.

    Wir genieen die leichte Wanderung, abgesehen von der nun herunterknal-lenden Sonne: Wir folgen den Nashornpfaden durch eine Landschaft mit einmal mehr, einmal weniger dicht zusammenstehenden Bumen und B-schen. Die Vegetation ndert sich stndig: In der Nhe des Flusses wchst Kriechgras, hnlich dem LM-Lawn in den Grten in Pretoria, doch hier in Umfolozi bumt es sich auf, wchst ber der Erde und bildet Fallen, die es zu meiden gilt, sonst stolpert man schnell.

    Unsere 2-Liter-Wasserflaschen, die als Ausrstung neben einem Rucksack bereitlagen, werden immer hufiger bentzt, vor allem jetzt, da es gilt, einen

  • Erlebnis sdliches Afrika 115

    mittleren Anstieg zu bewltigen. In gutem Tempo ziehen wir bergan: Der Gruppendruck hilft uns, auch bei der groen Hitze zusammenzubleiben. Die jungen Neuseelnder, die noch nie eine derartige Wanderung unternommen haben, und die welterfahrenen drahtigen Englnder geben ihr bestes. Die willkommene Mittagsrast auf einem Berg mit malerischer Aussicht (360 Grad) bringt nicht nur Entspannung und ein krftiges Mittagessen, sie ver-wirrt mich auch. Macht doch der ohnehin schon ohne erkennbare Ordnung dahinziehende Weie Umfolozi hier eine 180-Grad-Wendung. Auf der Karte sieht es tatschliche so aus, als wte der Flu nicht, wo er sich mit dem etwas tieferen Schwarzen Umfolozi treffen sollte, um dann den Namen Um-folozi zu tragen, dessen Wasser sich in 30 km Entfernung in den Indischen Ozean ergieen.

    Offenbar befinden wir uns hier auf einer durch den Flu gebildeten Halbinsel. Beeindruckt stehen wir auf einer Felsenklippe, die 150 m steil zum Flu hin abfllt, und genieen unser Mittagspicknick, mit Leberpastete, Kse, allerlei Gemse und mehreren Tassen Tee. Da die verbeulte rugeschwrzte Tee-kanne immer dabei ist, und Sippho ein Meister im Feuermachen ist, knnen wir inmitten unberhrter Natur unseren Tee genieen.

    Im allmhlich sich orangefarben ber die unberhrte Flulandschaft ausgie-enden Sptnachmittagslicht erreichen wir, nachdem wir mehreren Breit-maulnashrnern in einer spannenden Aktion ausgewichen sind, das Ufer des Umfolozi, dem wir fluabwrts folgen. Auf der gegenberliegenden Seite weidet eine groe Herde Bffel, die sich, als sie uns wahrnimmt, langsam vom Ufer zurckzieht. Das heit, alle, bis auf zwei Bffel: Ein Bffelkind hat noch keine Angst vor dem zweibeinigen Raubtier, dem Menschen. Seine Mutter versucht mit allen Tricks, ihr Junges in den Uferwald zu locken, doch dieses will nicht. Wir beobachten das Geschehen gespannt. Bald hat die Mutter genug von dem Spiel, und nach einer Viertelstunde ist das unfolgsa-me Tierchen allein am Ufer...bis pltzlich zwei erwachsene Bffel am Rande des Uferwaldes erscheinen. Hat die Mami zur Durchsetzung ihrer Wnsche Hilfe geholt? Unsere Gruppe will nicht mehr warten, denn es ist noch weit bis

  • 116 Zululand

    zum Camp, und so verlassen wir die Sttte des Familienstreites, von dem wir nicht wissen, wie er ausgehen wird.

    Die seit einer Stunde wehende khlende Brise empfinden wir als sehr ange-nehm. Die Sonne kommt nun von hinten, was unser Wohlbefinden erheblich steigert. Allerdings nhert sich der Wasserspiegel in unseren Feldflaschen dem Nullpunkt!

    Endlich erblicken wir in der Ferne dunkelgrne Flecken inmitten des dichten Busches: Die Zelte des Camps! Bevor wir den Flu berqueren, gibt es erst einmal eine Schlammschlacht: Genlich lassen wir das schmutzigbraune Wasser ber unsere ausgepowerten Krper flieen. 18 km sollen das gewe-sen sein? Uns kam die Strecke eher wie 25 km vor! Macht nichts, jetzt sind wir ja da, und es hat sich allemal gelohnt. Das Camp liegt auf sauber festge-stampftem Urwaldboden im Schatten von hohen Bumen. Zelte diesmal nicht auf Stelzen, sondern direkt am Boden, der Etisch unter einer Zeltpla-ne: Ein Brett auf vier Pfosten. Einige Matratzen sind fein suberlich aufein-ander gestapelt, eine Reihe Holzkltze liegen herum, offensichtlich unsere Sthle. In einigen Metern Abstand die Kche, von Zulu-Koch Shedrick be-treut: Unter einem Sonnendach ein Lagerfeuer, mit Tpfen und Kochinstru-menten, daneben ein einfacher Tisch mit Schsseln zum Abwaschen. Fertig ist das Rastlager!

    Minimum Impact, kleinstmgliche Einwirkung durch den Menschen, lautet die Devise des Natal Parks Board in diesem Wilderness Area (Wildnisge-biet). Das heit: Keine festen Strukturen, also keine Bauten aus Stein, keine festen Htten. Alles mu innerhalb kurzer Zeit abgebaut werden knnen. Natur pur! Das gilt auch fr die Sanitreinrichtungen: Eine Spatentoilette (bestehend aus einem Spaten und einer Toilettenrolle -bitte nach links ge-hen!), eine bucket shower, also Kbeldusche. So funktioniert sie: ber einen starken Ast wird eine Schnur mit Hilfe einer Rolle geleitet, ein Eimer wird mit Wasser gefllt (bereit stehen je ein Eimer kaltes und heies Wasser zum Mischen), dann wird der Eimer in Kopfhhe gezogen, die Schnur an ei-nem Pfosten befestigt. Nun ffnet man den Wasserhahn an der Brause, die

  • Erlebnis sdliches Afrika 117

    am unteren Ende des Eimers angebracht ist: Eine perfekte Buschdusche! Damit die anderen Gste des Buschcamps nicht im Schlamm waten mssen, ist der Boden mit Steinen belegt. brigens: Die Dusche ist im Freien, nur -ber einen schmalen festgestampften Pfad zu erreichen, durch Bsche aus-reichend von potentiellen Blicken der Mitwanderer abgeschirmt.

    Kaum komme ich aus der Dusche zurck, stellt Shedrick einen schweren Eisentopf auf den Tisch: Hat doch der Koch tatschlich in diesem potjie ein Buschbrot gebacken! Schnell in dampfende Scheiben geschnitten, mit Margarine bestrichen: Dickes Lob reihum! Dazu gibts Kaffee, Tee, Kakaoge-trnk.

    Wir kauen mit vollen Backen, den Blick auf den Umfolozi gerichtet, der von einem dichten Schilfgrtel gesumt wird. Nach der Vorspeise sind wir be-schftigt, die Pepperticks (etwa ein Millimeter kleine Mini-Zecken) zu fin-den, die langandauerndes Jucken verursachen und Krankheiten bertragen knnen. Es ist ratsam, sich nach dem Baden oder Duschen erneut einzu-sprhen bzw. mit einem Abwehrmittel einzureiben.

    Das eigentliche Abendessen (Hamburger) wird durch ein niedergehendes Gewitter gestrt. Wir stehen unter dem Sonnendach, das sich durch die nie-dergehenden Wassermassen stark ausbeult. Das hat aber auch seine prakti-sche Seite: Frischwasser! Wo meinen Sie kommt denn hier in der Wildnis Trinkwasser her? Die wissen sich zu helfen: Vom Flu. Pfui, entfhrt es nun sicherlich dem Leser, so eine ekelhafte Brhe! Nicht ganz: In den Sand, un-weit des Ufers, wird ein Loch in das Flubett gegraben, dann wartet man, bis gengend Wasser durch den als Filter wirkenden Sand gesickert ist, und nach einer gewissen Zeit hat diese Schpfaktion gengend relativ sauberes Wasser zum Duschen, Zubereiten von Tee und Kaffee und zum Geschirrwa-schen hervorgebracht.

    Einen zweiten Vorteil hat das Gewitter: Die Temperatur hat erheblich ange-khlt. Wir schlafen gut und fest, nur einmal vom Geheul einer Hyne unter-brochen. Es soll hier eindeutig hervorgehoben werden, da dieses Camp mit-ten in der Wildnis liegt, kein Zaun zwischen uns und den umherstreifenden

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    Raubtieren (Lwen, Leoparden, Schakalen, Hynen, Geparden) oder Bffeln und Nashrner (Schwarz und Wei). Wer nachts seine Blase sprt, berlegt sich da schon zweimal, ob er den Schutz seines Zeltes verlt. Es ist mir nicht ganz geheuer, wenn ich als letzter wach bin und am Rande des Camps die Zhne putze, immer auf der Suche nach grn-glhenden Augen, die aus dem Dickicht funkeln.

    Kurz war die Nacht, aber erholsam. Drauen scheppert es - keine Hyne, wie sich herausstellt, es ist Shedrick, der Ordnung macht. Gestern war es wohl zu feucht und schlammig. Um 6 Uhr gibts Frhstck (Omelett mit ver-schiedenfarbigen Paprikas, Brtchen, Tee, Kaffee). Das Flubett des Umfo-lozi ist vollstndig mit braunen Fluten gefllt - dank des ergiebigen Regens in der Nacht. Unsere Fhrer beschlieen, heute den Flu nicht zu berqueren, und so wandern wir an einem schilfumstandenen Tmpel entlang, der auer einigen Reihern und Fuspuren von Rhinos nur mit ein paar Wasserbcken aufwarten kann, dann den Berg hinan, wo sich Impalas herumtreiben, und wieder einige Wasserbcke.

    Interessant das ber Nashorn-Hhe angebrachte Wagenrad - groe Netz ei-ner Bark-Spider, einer der Farbe der Baumrinde (=Bark) hnlichen Spinne. Gut, da der Ranger vorangeht. Auf diese Weise sammelt er die Spinnwe-ben ein, und die einzige Gefahr der im Gnsemarsch hinterher Wandernden ist es, an einem Wag-n bietjie- (Wart ein bichen-) Baum hngenzublei-ben: Rckwrts gebogene Dornen verursachen Kratzer in der Haut, reien den Sonnenhut weg oder zerreien Hemden und Hosen. Genau genommen ist es nicht der Baum, der auch in Pretoria vorkommt, sondern ein Verwand-ter, der buffalo thorn-Baum, 3-6 Meter bis zu 20 Meter hoch (Ziziphus muc-ronata), mit je einem geraden und einem gebogenen Dorn nebeneinander auf den Zweigen verteilt. Der Zulu - Knig Shaka nahm diesen Baum zum Anla, seinem mchtigen Zuluvolk den folgenden Ratschlag mit auf den Weg zu geben: Der gerade Dorn: Blicke fest in die Zukunft! Der gekrmmte Dorn: Vergesse nie Deine Vergangenheit! Bleibt nur noch hinzuzufgen: Trotz der Anzahl von Stacheln werden die Frchte und Bltter gerne von Wildtieren,

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    natrlich auch Bffeln, gefressen. Die Einheimischen machen sogar Kaffee aus seinen Frchten!

    Nach einem kurzen Mittagessen nehmen wir eine andere Route durch schat-tigen Dornenwald, wobei wir unter Schirmakazien von Zeit zu Zeit rasten. Mehrere Gruppen Zebras, sonst recht scheu, lassen sich ruhig von uns mit dem Fernglas beobachten. Andere Antilopen, wie Duiker und Impalas, um nur einige zu nennen, sind ebenfalls zu sehen. Als Sippho, der nachmittags der kleinen Schar vorangeht, eine Familie Breitmaulnashrner entdeckt, be-deutet er uns, hinter Bumen Schutz zu suchen. Von dort aus knnen wir in Ruhe die brunlichen Dickhuter beobachten, die sich nicht im mindesten von uns stren lassen. Ganz im Gegensatz zu den ungezogenen Nashr-nern, von denen uns das Gstebuch im Basiscamp berichtet hat: Unglaub-lich, wie schnell ein sonst eher behbiger Mensch auf einen mit Dornen ge-spickten Baum klettern kann, wenn er, wie zu lesen war, von einem wten-den Nashorn angegriffen wird. Hinauf kam er ja, nur das Herunter ging langsam und uerst mhevoll vor sich, nachdem sich das Nashorn wieder verzogen hatte und die Luft rein war. Einer der Unterschiede zwischen Spitz - und Breitmaulnashorn zeigt sich im Verhalten: Wird der Mensch vom Spitz-maulnashorn angegriffen, kann er den Angriff durch lautes Gerusch abbre-chen - das White Rhino dagegen lt sich nicht aufhalten. Also: Auf die Bume, mein Lieber!

    Abends liege ich auf dem Bauch im stark strmenden Umfolozi und beobach-te den Sonnenuntergang. Ah, tut das gut! Ein romantisches Bild. Ich komme mir vor wie ein sich im Schlamm suhlendes Warzenschwein. Im Wasser trei-ben nun ste, Schilfbschel und andere Feststoffe. Doch was solls. Heute mu man mit dem Wasser sparen, da das Loch zur Wassergewinnung durch Filterung vom Umfolozi berschwemmt wurde, und man mit dem gestern geschpften Wasser auskommen mu. Somit bleibt zur Abkhlung einzig und allein der braune Flu, offenbar flschlicherweise Weier Umfolozi ge-nannt.

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    Mit Bedauern verlassen wir unser heimeliges Camp im Schatten und wan-dern in zunehmender Hitze Richtung Basiscamp, wobei wir hufig unter schattenspendenden Schirmakazien (acacia tortilis, umbrella thorn)- mit der flachen Baumkrone - Rast machen.

    Immer wieder kommen wir an blankpolierten Baumstmpfen vorbei. Das sind Nashorn - Reibe - Pfosten, erklrt Jan, whrend er mit der Handflche an der hbschen Maserung des Holzes reibt. Sie wissen ja, Rhinos haben Zecken, die sie gerne durch das Reiben am Stamm loswerden wollen. Da, riechen Sie mal! Fein riecht es, aromatisch! Das ist der Tamboti - Baum - sprostachys africana. Man findet ihn oft in Tlern und zeitweilig Wasser fh-renden Flulufen. Er schneidet einen Zweig ab, heraus tropft ein milchiger Saft. Diese Flssigkeit ist extrem giftig! Wenn Sie ein Lagerfeuer machen, duftet es angenehm, wenn Sie aber auf diesem Lagerfeuer etwas grillen wol-len, haben Sie wenige Stunden spter garantiert frchterliche Magenschmer-zen! Deshalb also hatten wir im Camp zwei verschiedene Feuer, eins fr die Romantik, und eines, um Speisen zu kochen! Tambotiholz brennt hervorra-gend und ausgiebig.

    Einige schlammige Wasserlufe fhren dazu, da einige von uns sanft auf dem Hosenboden landen - doch das strt uns nicht weiter, sind wir doch alle nicht aus dem Modejournal entsprungen, mit unserer dreckigen, teils zerris-senen Buschkluft. Nicht etwa, da wir so verschmutzt morgens losgelaufen wren! In der Ausrstung befand sich, wie in der Kurzbeschreibung fr die Wanderung vorgeschlagen, noch ein letztes sauberes Hemd, saubere Hose und Unterwsche. Mitzubringen waren 4 x die oben erwhnte Kleidung zum Wechseln, Mosikitoschmiere, Zeckenspray, Sonnenhut, Sonnencreme. Emp-fehlenswert: Wscheleine und Klammern. Fr das Basiscamp einen Sixpack Bier (Khlschrank dort vorhanden!), fr das Buschcamp Sherry oder hnli-ches als Sundowner.

    Als die Sonne sich an diesem dritten vollen Tag unserer Wanderung langsam dem Horizont nhert und die Binsen des Fluufers golden frbt, fhlen wir, da das Basiscamp nicht mehr fern sein kann. Irgendwie sind wir ganz schn

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    fertig- und voller Eindrcke (damit beziehe ich mich nicht auf die Blasen an den Fen). Ein letztes Mal berqueren wir den undurchsichtigen Flu. Langsam, ganz langsam und vorsichtig durchziehen wir die Fluten wie die Is-raelis das Rote Meer. Unsere Wanderfreundin aus England sinkt bis ber den Bauchnabel ein, als sie in der Mitte des Flusses in ein Loch tritt. Doch mit Hilfe von Sippho und ihrem Mann kommt sie ans rettende Ufer. In der Tro-ckensaison ist der Umfolozi natrlich halb ausgetrocknet, und die Fluber-querung ist weit einfacher!

    Nach einer krftigen Dusche sitzen wir rund ums Lagerfeuer und beobachten den makellosen Sternenhimmel, mit klarer Sicht auf das Kreuz des Sdens und die Milchstrae. Nelson, der Koch des Basiscamps, hat ein feines A-bendessen fr unsere schlappernden Mgen gezaubert: Boerewors, Lamm-kotletts, leckerer Kartoffelsalat in Sauce, Pap (krmelartiger Maisbrei), Toma-tensauce. Als Desert: Milktart (se, feste Milchspeise). Um halb neun Uhr sind fast alle im Bett. Ich geniee auf der Veranda meines Zeltes den Blick auf die unendliche Milchstrae, die hier, weil Streulichter fehlen, wirklich mil-chig ist, hre die Gerusche des Busches. Wenige Meter entfernt raschelt es im hohen Gras. In der Ferne heult eine Hyne, und sicherlich treibt sich wie-der die Bffelherde ums Camp herum.

    Rckblickend kann ich jedem, der auch nur einigermaen fit ist, diese preis-werte und erlebnisreiche Wanderung empfehlen. Umfolozi war der Wegberei-ter fr Wanderungen dieser Art, vom Krgerpark kopiert. ber Wanderungen im Krgerpark kann ich nichts sagen, weil die zustndigen Stellen in Pretoria (National Parks Board) an einem Bericht fr dieses Buch nicht interessiert waren.

    Am nchsten Tag verabschieden sich die Teilnehmer der Wanderung vonein-ander und reisen in verschiedene Ecken dieses Globus ab. Ich habe noch die Gelegenheit, in der Boma die vergleichsweise zarte Haut eines jungen Breitmaulnashornes zu streicheln, das mit seiner Mutter gefangen wurde, um in ein Wildreservat im Transvaal gebracht zu werden. An die 3.000 Nashr-ner gibt es im Umfolozi-Hluhluwe-Wildreservat. Um den Bestand zu regulie-

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    ren, und um zustzliche Einknfte zu erwirtschaften, werden pro Jahr eine bestimmte Anzahl von Nashrner vom Hubschrauber aus betubt, mit einem Lasthubschrauber oder -wagen in die Boma, ein mit starker Umzunung versehenes Camp gebracht, und nach einiger Zeit auf Auktionen an private Wildreservate oder Zoos in der ganzen Welt verkauft. Ich glaube, da ein fr ein Wildreservat bestimmtes Rhino das bessere Los gezogen hat! Zur Zeit des Berichtes (1994) kostet ein Breitmaulnashorn etwa 10.000.- DM, vor ei-nigen Jahren mute man bis zu 25.000 DM hinlegen.

    Ian, der heute abend schon die nchste Wandergruppe erwartet, fhrt mich zum etwa 25 Minuten entfernt liegenden Tor des Nationalparks, wo mich be-reits ein Landrover von der Zulu - Nyala - Lodge erwartet, der nchsten Stati-on meiner Reise.

    AB CED F D G HIJK J L MN O PQ

    Das private Wildreserat, eingebettet in hgeliges Gelnde, liegt etwa eine dreiviertel Stunde vom Eingang des Umfolozi - Reservates entfernt. Sein Name kommt a) von den in der Gegend lebenden Zulus und b) von der Anti-lopenart Nyala, einem kuduhnlichen scheuen Geschpf, dessen Hrner spiralfrmig nach hinten wegstehen. Nyalas sind eine afrikanische Raritt.

    Der hchste Berg des Zulu-Nyala-Wildreservates wird von der architekto-nisch bemerkenswerten Lodge gekrnt: Mit Reet gedeckt, schmiegt sich die Lodge im Halbrund an einen nierenfrmigen Pool, hinter dem direkt die Wild-nis anfngt und 30 km weiter an der Kste des Indischen Ozeans endet. Oh-ne Zweifel kann man hier von luxuriser Unterbringung sprechen.

    Hier im sdlichen Maputaland pulsiert der Rhythmus des uralten Afrika. Na-hezu unentdeckt erstrecken sich weite Kstenebenen, die von den prchti-gen bewaldeten Lebombo - Bergen im Westen und vom ungestmen Indi-schen Ozean im Osten begrenzt werden.

    Unverdorbene Wildnis beherbergt neben einer Vielzahl von Antilopen und Raubtieren anderes afrikanisches Wild, das sich hier frei und ungestrt be-

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    wegen kann. Der Trend geht in den Neunziger Jahren zu groen Wildreser-vaten ohne Hindernisse: Gerchteweise wird schon ber das offizielle Ent-fernen der Wildzume zwischen den wenigen privaten Wildreservaten nach-gedacht.

    Bei Zulu Nyala wird es garantiert nicht langweilig. Schade, da viele Besu-cher aus Deutschland, die ich dort traf, nur eine Nacht blieben: Zeugnis der Unkenntnis der Reiseveranstalter, bei denen die Touristen eine Husch-Husch-Pauschaltour gebucht haben. Zulu Nyala bietet neben dem vlligen Entspannen in herrlicher Natur eine Reihe von Freizeitattraktionen an. Im ei-genen Reservat: Morgenwanderungen (Aufspren der noch jungen Elefan-ten, Morgen - und Abend - Safarifahrten im offenen Landrover oder -Cruiser (neben Elefanten gibt es hier Giraffen, Bffel, Wildebeest, Blesbok, Impala, Zebras, Warzenschweine, Nashrner), Tennis, Billard im reprsentativen groen Billardraum der Lodge, Volleyball, Tontaubenschieen.

    Eine Reihe von Wildnisvideos (Okavango-Delta in mehreren Fortsetzungen, Videos ber Lwen und Hynen etc.) sowie Bildbnde knnen in bequemen Sesseln genossen werden, einen Drink von der wohlsortierten Bar in der Hand (Es gibt hier sogar ein Bier nach dem bayerischen Reinheitsgebot: Freeman, gebraut in Natal). Die in zwei Ebenen gestaltete Terrasse, von der ich einen 180-Grad Ausblick auf die herrliche Natur tief unter mir habe und bis zu den Kstendnen des Indischen Ozeans sehe, beherbergt einen groen Swimmingpool. Auf der oberen Terrasse wird unter dem Glanz des afrikanischen Sternenhimmels ein vorzgliches Abendessen serviert. Am Wochenende, oder wenn die Lodge ausreichend belegt ist, wird ein Lager-feuer in der Boma angezndet, dabei werden feine Steaks vom Wild gegrillt. Zur Unterhaltung ist eine Zulu-Tanzgruppe eingeladen.

    Chris ist der Meisterkoch der Lodge: Seine mit feinem Kse berbackene Impala-Pastete hat mir kstlich gemundet, nur bertroffen von seinem Nya-la-Geschnetzelten. Um zu zeigen, wie vielfltig Nyala-Fleisch ist, hat er gleichzeitig kalten Nyala-Braten in Scheibchen angerichtet. Schade, da

  • 124 Zululand

    schon rein organisch (Magenvolumen nicht beliebig dehnbar) dem Schlem-men eine natrliche Grenze gesetzt ist!

    Die Lodge organisiert Foto-Safaris in den Hluhluwe - und Mkuze - Park, bringt den Besucher zur nicht weit entfernten Sodwana-Bay, wo man nicht nur schwimmen und sich am Strand des Indischen Ozeans sonnen, sondern auch herrlich schnorcheln und (mit Sauerstofflasche) tauchen kann. Zulu Ny-ala bietet auch Bootsfahrten auf dem St. Lucia - See an, wo man die Flupferde mal aus der Nhe betrachten kann. Noch etwas zum Thema Sodwana-Bay: Der Hobbytaucher findet dort sein Eldorado: 1200 verschie-dene Arten von indo-pazifischen tropischen Fischen, die in und ber einer Vielzahl von Korallen schweben, machen eine Tauchtour zu einem einmali-gen und farbenfrohen Erlebnis. Auch die geschtzten Riesenschildkrten kann der Taucher beobachten. Von November bis Januar legen die Log-gerhead - und Leatherback - Schildkrten in der Nacht ihre Eier an den Strand. Ausflge dahin werden organisiert.

    Wenn wir schon einmal beim Thema Tauchen sind: 1995 hat ein Deutsch-stmmiger in Pretoria ein Unternehmen gegrndet, das europische Touris-ten mageschneiderte Ferienabenteuer einschlielich Tauchen verspricht. Boleng heit die Firma von Wolf Snyckers.

    Zurck zur Lodge auf der Spitze des Berges: Fast alle Zimmer gehen auf die Terrasse (Prchtige Aussicht!) hinaus. Ich nahm die Suite im Erdgescho: In den Fels hineingebaut, bietet sie eine 270-Grad Panorama-Fensterfront, mit Blick auf die Buschlandschaft und einen gerumigen privaten Vorhof mit Glastisch und bequemen Rattan-Sthlen. Ein Doppelbett mit farbenfrohen berzgen steht unter zwei messingbeschlagenen Deckenventilatoren. Eine Ledercouch ldt zum lssigen Studieren von knftigen Touren durch Sdafri-ka ein. Rundherum an den Wnden geschmackvolle Grobilder von Wild und Natur des Zululandes.

    Durch eine Passage mit allerlei Kleider- und sonstigen Schrnken kommt man zum gerumigen Badezimmer mit in Gold - und Platinfarben gehaltenen

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    Armaturen. Witzig ist das Ensemble der Badewanne: Hinter der Wanne eine ebenso groes Blumeninsel mit subtropischen Pflanzen!

    Eines Nachmittags ldt Todd mich ein, seinen Plan zu begutachten, wie er das Tourismusangebot von Zulu Nyala um eine weitere Attraktion bereichern will. Er holt seinen alten Landrover aus dem Unterstand, hngt das zweimo-torige Schlauchboot an, und fhrt etwa eine Viertelstunde lang durch offenes Grasland bis zu einem kleinen Flu, der sich mitten durch einen wildwu-chernden Urwald schlngelt. Der Zugang zum Flu mu noch besser aus-gebaut werden, bemerkt Todd, als wir es geschafft haben, das Boot zu Was-ser zu lassen. Dann gleiten wir, zuerst vom Auenborder, dann von einem superleisen Elektro-Quirl angetrieben, durchs klare Wasser stromaufwrts. Im milden Nachmittagssonnenschein gelingt mir eine romantische Aufnahme von angelnden Zulukindern. Immer wieder macht mich Todd auf Vgel auf-merksam, die am Rande des Flulaufes sitzen oder ihn berfliegen.

    Zusammen mit einem Mitarbeiter mit er eine Picknickstelle am Ufer aus, wo in Zukunft die Gste sich die Beine vertreten knnen und bei Sonnenunter-gang ihren Sundowner zu sich nehmen knnen. Sicher kommt die Sun-downer - oder Vogelbeobachtungs - Fahrt beim Publikum gut an! Da Zu-lu-Nyala-Safaris sehr viele auslndische Gste hat, wurde ein Abhol-Service zum Flughafen in Richards Bay eingerichtet. Von dort aus verlasse ich mit der Abendmaschine (17 Uhr) der Fluglinie COMAIR nach einem reichhaltigen und eindrucksvollen Besichtigungsprogramm das Zululand, dem ich friedvolle Tage und zahlreiche interessierte Besucher aus aller Welt wnsche!

    Reise-Info Flge mit COMAIR bucht man in Europa und Sdafrika in jedem Reisbro. Beispiel (ohne Gewhr): Kruger-Nationalpark-Pauschalreise, zwei Nchte im Doppelzimmer, ab und bis Johannesburg ca. 990.- DM pro Person (1994).

    Umfolozi Wilderness Trail: Keine Kinder unter 14 Jahren zugelassen. Es gibt auch Wochenendwanderungen. Eine 4-Tage-Wanderung kostete 1995:

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    284.- DM pro Person. Info: The Reservations Officer, Natal Parks Board, P O Box 662, ZA-3200 Pietermaritzburg. Sprache: Englisch. Info-Fax: 0027-331-47-1980.

    Zulu Nyala Safaris (Info und Buchung): P O Box 163, ZA-3960 Hluhluwe; Fon + Fax: +27-35-5620169. Sprache: Englisch. Angebot (ungefhre Preise fr 1995): bernachtung mit Verpflegung einschlielich Landrover-Fotosafari 190.- DM/Person. Reiten auf Pferdesrcken durch Big Five Country oder al-ternativ eine romantische Flufahrt (Hippos, Krokodile, Vogelbeobachtung) je DM 30.-

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    !" #$&%Ein bulliger Lastzug nhert sich von vorne unserem trge dahinzuckelnden Wohnmobil mit hoher Geschwindigkeit. Zack! Schon wieder! Ich kurble das Fenster herunter. Mit gebter Handbewegung schiebe ich den berdimensio-nierten Auenspiegel wieder in seine Ausgangsposition. Meine Frau tut das-selbe auf der Beifahrerseite. Nun habe ich die Strae auch optisch wieder im Griff, bis zum nchsten Lastzug, oder zur nchsten Windbe.

    Schon 524 Kilometer haben wir hinter uns, seitdem wir heute frh unser Wohnmobil bei CI Leisure Rentals in Kempton Park bernommen haben. Die Verleihstation liegt nahe beim Johannesburger Flughafen. Auf Anfrage holen die Wohnmobilvermieter Kunden am Flughafen ab.

    Nun sind wir in der alten Diamantengrberstadt Kimberley angekommen. Auf dem schon bekannten Campingplatz am Groen Loch finden wir einen ru-higen Stellplatz mit Stromanschlu. Zum ersten Mal probieren wir das im Wohnmobil eingebaute Mikrowellengert aus. Sehr praktisch - doch man braucht eine Steckdose dazu, und die gibt es unterwegs nicht immer!

    Wir wollen zum Atlantik, genau dahin, wo Namibia sdlich zu Ende ist. Am zweiten von neun Reisetagen verlassen wir Kimberley. Die Zitronenbaumal-lee an der Ausfallstrae nach Westen ist nicht nur foto - und videogen, son-dern liefert uns auch eine Handvoll saurer Frchte fr die Bordkche.

    Griquastadt, wo man haupschlich afrikaans spricht, ist nach 162 km hinter Kimberley erreicht. Dort wartet eine berraschung auf uns: Satte 20,3 Liter pro hundert Kilometer ist der Spritverbrauch, den ich nach dem Tanken er-rechne. Da kann auch das auf afrikaans geschriebene Schild Frischer Sprit von der Farm mir kein Lcheln mehr entlocken. Und ich dachte, der gestern in Kimberley ermittelte Verbrauch von 19 Litern sei eine Fehlkalkulation!

    Unser Explorer Deluxe 5-Betten-Wohnmobil auf der Basis eines Mitsubishi L300 scheint mir doch ein rechter Benzinfresser zu sein. Den 5. Gang kann

  • 130 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    man glatt vergessen, da das Mobil untermotorisiert ist. Der Tank ist dem Spritverbrauch nicht angemessen. Wir tanken jeden Tag zweimal. Aus unse-rer Fahrt ans Kap (siehe anderes Kapitel im Buch) haben wir gelernt, nicht erst dann zu tanken, wenn die Nadel im roten Feld ist. Mglicherweise gibt es keinen Sprit an der nchsten Tankstelle, und man mu ein paar Stunden wandern, um den Tank zu fllen! Mit dem Reservekanister (nicht als Ausstat-tung vorhanden) unter dem Arm!

    Bei Groblershoop berqueren wir die Lebensader dieses wstenhaften Ge-bietes, den Oranje-Flu. Ab hier begegnen wir immer wieder Traubenfarmen, die sich links und rechts des Oasen-Flusses hinziehen. Upington ist die gr-te Stadt in der Gegend, eine Verwaltungs-, Geschfts-, Versorgungsstadt und gleichzeitig Ausgangspunkt fr verschiedene Touren. Hier kommt jeder durch, der von den Ballungsgebieten im Osten des Landes nach Namibia will. Deshalb wohl gibt es hier auch zwei Campingpltze. Einen davon, Ei-land genannt, haben wir schon letztes Mal ausprobiert. Er liegt am Ufer des Oranje-Flusses und bietet viel Platz. Saubere Sanitranlagen, Stro-manschlu, Pool, Huschen zum Mieten und trotz seiner Lage in Sichtweite der Stadt ist er sehr ruhig. Adresse unten.

    Fhrt man von Upington auf der R360 nach Norden, erreicht man den Kala-hari-Gemsbok-Park, eingezwngt zwischen Namibia und Botswana. Eines Urlaubes blieben wir dort mit unserem VW- Bus einfach hngen (Motor). Doch dies, und was wir trotzdem dort sahen, soll Gegenstand einer anderen Geschichte sein. Ebenso unser Besuch der Augrabies-Wasserflle, wo un-weit von Upington, etwas abseits des Weges Richtung Springbok der Oranje-Flu mit viel Getse 56 Meter in eine Schlucht strzt. Die Gewalt, mit der er das tut, kann man daran messen, da der vom Flu ausgehhlte Felsenpool 130 Meter tief ist! Im Laufe von Millionen von Jahren hat der Oranje groe Mengen von Diamanten in den Atlantischen Ozean gesplt. Das Meer brach-te die Diamanten wieder an Land, ins reichste Diamantenfeld der Welt. Geo-loge Dr. Hans Merensky, Sohn eines Missionars, fand in Alexander Bay, un-

  • Erlebnis sdliches Afrika 131

    weit unseres Zieles Port Nolloth, im Jahre 1927 Diamanten im Gewicht von 2.000 Karat!

    Fr europische Verhltnisse ist es wahrscheinlich verwunderlich, wenn in Upington der Blick auf den Kilometerzhler 939 ab Johannesburg anzeigt und man immer noch im selben Land ist! Die hiesige Winzergenossenschaft, in einem Vorort gelegen, bietet uns willkommene Gelegenheit, unseren Weinvorrat aufzufllen. Die Oranjeflu-Weinbauern veranstalten auch Weinproben. Das knstlich bewsserte Gebiet am Oranje bringt nicht nur Obst und Gemse fr das ganze nrdliche Kap hervor, sondern auch Trauben, die als Tafeltrauben gegessen werden, als Rosinen und Sultaninen auf den Markt kommen, und die einen trinkbaren Weiwein abgeben. Die Upingtoner Gegend ist auch bekannt fr ihre Sherries und Portweine.

    In Pofadder (1157 km ab Joburg) wollen wir bernachten, doch der Cam-pingplatz scheint mir nur fr Notflle zur bernachtung geeignet. Aus dem Prospekt lesen wir nach einer Teepause um halb sechs abends, da es un-weit von hier, auf der Strae nach Onseepkans (namibianische Grenze), ei-nen Kcherbaumwald gibt. Dort will ich bernachten. Meine Frau nicht, denn sie findet es zu gewagt, abseits der Zivilisation und ohne Schutz eines Campingplatzes.

    Mein zweiter Vorschlag ist Pella, eine katholische Missionsstation unweit von Pofadder. Damit kann sich die Familie anfreunden! Noch ein paar Kilometer Teerstrae in Richtung Springbok, der Hauptstadt des Namaqualandes, dann biegen wir im Licht der untergehenden Sonne in eine ungeteerte Strae ein. Mchtige Staubfahnen in der Ferne zeigen an, wo die Gravelroad ungefhr verluft. Sie zieht in Richtung graubrauner Berge. Doch wir fahren noch kei-ne Minute, da fangen die Teller, Tassen und das Besteck im Wohnmobil einen irren Tanz an. Wir blicken uns an und die Entscheidung ist getroffen: Diese Wellblechpiste mag ja gut fr Vierradfahrzeuge sein, doch fr ein Mietwohnmobil, das gerade aus der Fabrik gekommen ist, kann dies der To-dessto sein. Wieder auf der Teerstrae Richtung Springbok zurck zieht unser CI-Wohnmobil mit leisem Motor dahin. Ich blicke gerade aus dem of-

  • 132 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    fenstehenden Seitenfenster, als die im Wohnaufbau ber der Fahrerseite montierte Gummiantenne beschliet, diese Fahrt nicht lnger mitzumachen. Sie lt sich - vllig auer Fassung - fallen. Da ich diese verantwortungslose Tat - wie sollen wir nun Radio hren? - mitverfolge, merke ich mir, wo die An-tenne fiel, und kann sie nach lngerer Suche in der Dmmerung finden.

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  • Erlebnis sdliches Afrika 133

    immer verschiedene Sukkulenten. Ein Gemsbok (Oryx-Antilope) lt sich oh-ne Mitrauen auf den Film bannen. Ein kleines Rudel von Bergzebras verrt sich in der felsigen Wildnis nur durch seine Warnrufe.

    Fr Liebhaber von Pflanzen, die Anfang August bis Mitte September das Namaqualand bereisen, hier noch ein Tip: Die Wildblumensaison beginnt im Sandveld-Streifen im Westen und im Gebiet um Springbok und Steinkopf. Wenig spter sieht man die blhenden Teppiche stlich davon, wenn man auf die Berge zufhrt. An sonnigen Tagen von 11 bis 16 Uhr kann man die besten Fotos machen, mit der Sonne im Rcken, da sich die Wildblumen (z.B. Namaqualand Daisies/ Gnseblmchen) an der Sonne orientieren. Ka-mieskroon und Springbok sind die Orte, an denen man sicherlich beste Aus-sicht auf Wildblumen hat. 4.000 verschiedene Pflanzenarten gedeihen in die-sem auf den ersten Blick so wstenhaften Landesteil. In Kapstadt wurde ein Blumentelefon eingerichtet. Unter der Nummer (021) 4183705 erfhrt man an sieben Tagen der Woche in der Zeit vom 1.6.-31.10. von 8-16 Uhr, wo am Kap (bis an die namibianische Grenze) gerade die Wildblumen blhen. Regi-onales Blumentelefon Namaqualand: (0251) 22011.

    Springbok, die Haupt- und Versorgungsstadt des Namaqualandes, ist nach dem Kupferboom entstanden und mit ihm gro geworden. Hier kaufen wir ein und fllen wieder mal unseren Benzintank. Jetzt schlgts aber dreizehn! -ber 22 Liter pro hundert Kilometer! Ich suche nach einem Mitsubishi-Hndler, und finde tatschlich einen. Ein freundlicher Manager wundert sich zusam-men mit mir ber den enormen Spritverbrauch. Er bietet an, mit CI Leisure Rentals in Kempton Park Kontakt aufzunehmen. Der Geschftsfhrer, Herr Stringer, ist dort im Moment nicht zu erreichen, da er an einem anderen Tele-fon spricht. Whrend wir auf einen Anruf warten, stellen wir fest, da sich beide Auenspiegel um ein Haar aus der Verankerung lsen und bei nchs-ter Gelegenheit davonflattern. Mit Hilfe des Eigentmers der Werkstatt ist das Problem bald beseitigt.

    Mehr als eine dreiviertel Stunde ist nun vergangen. Der versprochene eilige Rckruf ist noch nicht gekommen. Da mu der Manager fr uns noch einmal

  • 134 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    anrufen. Der Spritverbrauch sei ganz normal, wird da behauptet. Ich solle halt nicht soviel Gas geben. Wir diskutieren noch ein Weilchen ber den Benzinfresser, und als ich bezahlen will, schttelt der Manager des Mitsubi-shi-Vertretung in Springbok den Kopf. Das sei doch alles selbstverstndlich gewesen, winkt er ab. Mit vielen guten Wnschen verabschiedet machen wir uns auf den Weg ber Steinkopf zur Atlantikkste nach Port Nolloth.

    >? @A:@B C D E1B F GDort empfngt uns ein starker Sdwind. Mit Mhe kann ich die Kamera ruhig halten, um im Hafen die Diamantsuchboote zu filmen, die heute aufgrund der starken Dnung nicht ausgelaufen sind. Durch einen langen Schlauch, der an eine starke Pumpe angeschlossen ist, wird der Sand am Meeresgrund in ei-nen Filter an Bord gesaugt, in dem dann Diamanten hngenbleiben sollen. In McDougalls Bay, ein paar Kilometer sdlich, finden wir einen durch He-cken einigermaen windgeschtzten, direkt am Strand gelegenen Camping-platz. Auch Htten stehen zur bernachtung zur Verfgung. Ein einfacher Platz, aber mit Stromanschlu. Und die alten Erinnerungen kommen wieder: Am Strand von Side standen wir vor 10 Jahren, mit dem Blick auf die in der gis untergehenden trkischen Sonne. Hier ist es ein wenig rauher: Der Wind beutelt unser Miet-Wohnmobil von Zeit zu Zeit, und das groe Pano-rama-Heckfenster lt sich nicht ffnen. Nicht wegen des Windes, sondern weil der Konstrukteur nicht daran gedacht hat. Aber auch im Inneren des gerumigen Mobils kann man den Sundowner genieen, mit Blick auf das recht schnell in den Fluten versinkende Tagesgestirn. Wir haben uns Hondeklip Bay als nchstes Tagesziel herausgesucht, ein kleines Dorf, das hauptschlich von Arbeitern der Diamantenminen an Land und der Diamantensuchboote bewohnt wird. Besonders malerisch die abge-rundeten Felsen, an denen sich die Wellen in meterhohem Gischt brechen. Endlich ist auch der Spritverbrauch gefallen. Da man auf Gravel Roads nicht rasen kann, sondern eher gemtlich und vorsichtig fhrt, hat der Wagen zwi-schen Port Nolloth und Hondeklip Bay nur 16 Liter geschluckt.

  • Erlebnis sdliches Afrika 135

    Kleinsee, sdlich von Port Nolloth gelegen, ist Sperrgebiet und nur mit Er-laubnisschein zu erreichen (Diamanten!). Die ungeteerte Strae zwischen Port Nolloth und Hondeklip Bay ist dennoch ohne Probleme zu befahren. Kurz nach der Abzweigung von der Strae R355 Kleinsee - Springbok nach Sden kommen wir an einen Felshang, der mit groen und kleinen Hhlen durchsetzt ist. Kein Schild weist auf diese Sehenswrdigkeit hin. Ein hb-scher Platz zum Ausrasten, Klettern, die Stille und Aussicht genieen.

    Doch nun von dieser Rckblende zurck zum Camp in Hondeklip Bay. Der Ort dient den umliegend wohnenden Farmern als Ferienziel, wenn sie von der sommerlichen Hitze einmal abkhlen wollen. Daher wohl auch der Cam-pingplatz, eher rustikal, wrde ich sagen. Doch immerhin gibt es kaltes Was-ser! Die Toiletten sind grtenteils jetzt, in der Zwischensaison, auer Be-trieb. Ein Bretterzaun schtzt die Zelter und Wohnmobile vor zuviel Sdwind. Vom Wohnmobil aus blicken wir direkt auf den Hafen. Ein malerischer Sonnenuntergang verwhnt uns, die einzigen Gste. Wenig Streulicht strt die blitzenden Sterne am Firmament. Am nchsten Tag kommt natrlich nie-mand, um eventuell angefallene Campinggebhren zu kassieren. In der Hauptsaison ist dies sicher anders!

    brigens: Wer seinen Tank leergefahren hat, mu auch hier nicht heimlau-fen: Der einzige Laden in der Ortschaft hat auch eine Zapfstelle fr Sprit. Daneben gibt es noch eine Poststelle, einen Polizeiposten und eine Langus-tenfabrik, die jedoch nur in der Langustensaison geffnet hat.

    In Garies erreichen wir, 1820 km seit Johannesburg gefahren, eine Teerstra-e, die N7 Kapstadt - Windhoek. Die Strecke bis Vredendal dsen wir auf ge-raden Teerstraen. Wenn man glaubt, man habe endlich sein Ziel erreicht, taucht nach einer Bergkuppe wieder ein endlos langes Teerband auf, das sich bis zum Horizont zieht. Hier knnen wir Sdafrika wirklich erfahren. Diese Gegend hat einen therapeutischen Effekt. Man mu sich einfach Zeit nehmen und kann dadurch zur Ruhe kommen, meditieren.

    In Vredendals Weinkeller erstehen wir einige Kartons Wein, Sekt und Sherry direkt von Produzenten. Vredendal (Friedenstal) ist von Wein - und Obstgr-

  • 136 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    ten umgeben, Teil des Olifantsflu. Im Gebiet von Vredendal gibt es fnf Winzergenossenschaften, die hauptschlich leichte Tafelweine auf den Markt bringen. Eigentlich haben wir vor, uns in der Nhe am Atlantischen Ozean auf einem Campingplatz bei Strandfontein niederzulassen, doch die Unfreundlichkeit der dortigen Platzverwaltung stt mich dermaen ab, da wir beschlieen, noch einige Kilometer ungeteerte Strae bis Lamberts Bay zu fahren, wo wir am spten Nachmittag, 2107 km von Johannesburg entfernt, ankommen. Nur noch 275 Kilometer ist Kapstadt entfernt, also mit Leichtigkeit zu errei-chen. Doch Kapstadt kennen wir schon. Fr Touristen ist es aber nicht schlecht, den Gedanken Cape Town im Kopf zu behalten, denn das Wohn-mobil kann - gegen Aufpreis - auch in Kapstadt zurckgegeben werden. So erspart man sich die - allerdings erfahrenswerte Reise durch die Groe Ka-roo zurck nach Johannesburg. Wie auch immer Ihre Entscheidung sein mag, der Schreiber dieser Zeilen ist nun in Lamberts Bay angelangt, einer schmucken kleinen Stadt im Sand-veld , wie die Landschaft nicht zu Unrecht genannt wird. Was sich im Sand-veld ereignet hat, erfhrt man im Nebenzimmer des Touristenamtes. Ist doch das Gebiet um Lamberts Bay schon seit der 2. Hlfte des 17. Jahrhunderts Europern bekannt, in Gestalt von Abenteurern und Jgern, die von Kapstadt her kamen. Ein paar Stunden nehmen wir uns Zeit, vom am Meer gelegenen, gut ausgestatteten Campingplatz am Strand entlang zum Hafen zu schlen-dern. Das Wasser des Benguela-Stroms ist eiskalt - welch ein Kontrast zum heute wehenden heien Ostwind, der aus der Karoo kommt. Im Hafen spazieren wir auf der Mole entlang zu einem Aussichtsturm: Vor uns eine Kolonie mit Tausenden von Cape Gannets (Tlpeln). Gelblich-weie Vgel, die aussehen, als trgen sie gerade frisch aufgelegtes Make-up um Augen und Schnabel. Zur Begrung legen diese bemerkenswert hbschen Vgel ihre Hlse an-einander. Manchmal strecken sie auch ihre Hlse pfeilgerade senkrecht in die Hhe. Das hat alles seine Bedeutung, wie wir auf der Merktafel im Aus-

  • Erlebnis sdliches Afrika 137

    sichtsturm nachlesen knnen. Auf der Vogelinsel geht es im Frhling herzhaft zu: Bei der Begattung zwickt das Mnnchen seine Partnerin mit spitzem Schnabel tief in den Nacken und beutelt sie herum. Dicht an dicht sitzen die lrmenden Vgel auf den Klippen ihres geschtzten Lebensraumes. Sie br-ten jedes Jahr am selben Platz. Ihr Nest ist aus Guano erbaut - ihren eige-nen Exkrementen. Nicht weit entfernt von der Vogelinsel sehen wir Pinguine wie Wchter auf den Felsen stehen. Nach einem reichlichen Abendessen vom Grill, begleitet von einem sffigen Kaprotwein, sitzen wir vor dem Wohnmobil mit Blick auf Strand und Hafen samt Vogelinsel, und lassen uns, whrend die Sonne sich zum Schlafenge-hen bereitmacht, den Sinn dieser Reise durch den Kopf gehen. Wir sind ja nun am Scheitelpunkt der Tour angelangt: Ab jetzt gehts nur noch zurck nach Johannesburg. Zeit fr eine Zwischenbilanz: Wie schon weiter oben erwhnt, scheint mir diese Tour etwas fr Kenner zu sein: Sdafrika fr Fortgeschrittene. Nicht fr Leute, die in kurzer Zeit mg-lichst viele Highlights, touristische Hhepunkte sehen wollen. Doch berhrt diese Tour nicht mehr vom echten Sdafrika, als ein Besuch in Johannes-burg, eine Pirschfahrt im Krgerpark und die Besteigung des Tafelberges? Wer die Westkste sehen will, und nur diese, reist am besten von Kapstadt aus an. Wer die Tour wie wir mit einem CI Explorer Deluxe Wohnmobil angeht, mu viel Zeit und Geduld mitbringen und sich stets den Spruch vor Augen halten: Die Reise selbst ist das Ziel! Bis zu 22 Liter Sprit auf 100 km (mit eingeschalteter Klimaanlage mehr). Durchschnittsgeschwindigkeit 80-85 km/h. Vorteil eines Wohnmobils: Ver-pflegung an Bord. Tee- oder Kaffeepause an den schnsten Pltzen. Man braucht kein Zelt aufzubauen, keine Unterkunft suchen. Meistens bekommt man in Hotels/ Pensionen in der Hauptsaison sowieso keinen Platz. Finden Sie mal ein Hotel in Hondeklip Bay! Ohne Wohnmobil htten wir weiterfahren mssen, ohne die erinnernswerte Stimmung in der wstenhaften Ortschaft am Meer genieen zu knnen.

  • 138 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    Stundenlange Fahrt durch sich wenig ndernde Landschaft. Sdafrika erfah-ren im wahrsten Sinn des Wortes - und verstehen lernen, da die oben ge-nannten Touristenziele eben nur ein winziger Teil des Gesamtkomplexes Sdafrikas sind. Verstehen, da mehr als 40% des Landes arid sind - wo et-was Verwertbares wachsen soll, mu auf knstliche Bewsserung zurckge-griffen werden. Die sprlichen Regenflle bringen nur wenig und kurzfristige Hilfe, wenn auch mit so bemerkenswerten Auswirkungen wie der Wildblu-menblte im Namaqualand.

    Sehr eindrucksvoll die Fahrt von Port Nolloth ber Land, also ber nicht ge-teerte Straen nach Hondeklip Bay - hier kann man ein Spiel machen: Wer die meisten Farmhuser erspht. Wie die Menschen hier nur leben knnen: Einsam, einfach und frei. Mit allen Konsequenzen.

    Der Zeitpunkt unserer Rckreise ist angebrochen. Nach Clanwilliam, wo der berhmte Rooibos-Tee (sehr vitaminreich!) angebaut wird, schneidet die un-geteerte Strae durch den nrdlichen Teil der landschaftlich imposanten Ze-derberge. Vor dem Pakhuis - Pa finden wir zufllig an der Strae einen un-ter Bumen inmitten von Felsen eingebetteten Campingplatz mit Wander-mglichkeit (wildromantisches Tal - Rehbokvlei). Die Farmnamen auf zum Teil verwitterten Schildern links und rechts der Staubstrae berichten vom harten Leben in der Halbwste der Karoo: Doringbos (Dornbusch) oder Moedverloor (den Mut verloren). In Calvinia, dem Zentrum eines Hantam genannten Teils der Karoo, sind wir kurz vor dem Mittagessen (km-Stand 2330). Das rtliche Museum ist sicher mehr als einen kurzen Blick wert. Dort erfahren wir, wie und warum die Menschen hier leben und lebten. Ausstel-lungsgegenstnde sind unter anderem sehr interessante alte Fotos, Klei-dungsstcke, aus Europa importierte Mbel. Ein Zimmer des zum Museums-komplex gehrenden Wohnhauses ist der Lebensgeschichte von Vierlingen gewidmet. Kstlich! Fr die kleinen und groen Eisenbahnfans ist im Garten eine riesenhafte schwarze Dampflok aufgestellt. Nun haben wir Appetit auf eine kleine Zwischenmahlzeit. Neben einer Tankstelle am Ortseingang kau-fen wir in einem Laden ein paar Hhnchenteile mit Pommes. Sogar die

  • Erlebnis sdliches Afrika 139

    Pommes haben hier Fleischbeilage: In der Tte finden wir einen fritierten Grashpfer!

    Wir verlassen das schmucke Calvinia, das sich besonders durch seinen akti-ven Denkmalschutz und die Restaurierung von alten Husern auszeichnet, auf dem Weg nach Osten. Endlos zieht sich die Strae dahin, -zig Kilometer geradeaus, immer von Zunen begleitet. Wo Windrder stehen, sieht man auch die Haupteinkommensquelle der Bauern: Schafe. Schafe verschiedens-ter Sorten, viele mit schwarzen Kpfen auf weien Krpern (mehr dazu im Museum zu Calvinia).

    Wer sich stur an die Karte hlt, um von Carnarvon ber Teerstrae die N12 nach Kimberley zu erreichen, wird nie nach Vosburg kommen. Wir erreichen den idyllischen, vllig untouristischen Ort inmitten von Farmland (also riesige Areale in der Halbwste) auf einer guten Gravel Road nach Sonnenunter-gang. Steht doch da am Ortsrand tatschlich ein Schild Campingplatz. Kaum zu fassen! Wir folgen dem Schild, verlieren es kurzfristig aus den Au-gen, kommen dann aber doch an einen von Hecken umgebenen, von Pal-men berdachten Platz. Kein Mensch zu sehen weit und breit. Ein Teich, mit Bumen umgeben, heie Dusche in den sauberen Sanitranlagen. Ruhe. Kein Strom, kein Licht, keine Gebhr. Sicher ist hier mehr los, wenn im Lan-de Ferien sind.

    ber Britstown erreichen wir wieder Kimberley, wo wir schon zum 2. Mal die Diamantenmine und das angeschlossenen Museum besichtigen. Diesmal darf unser Sohn wie ein Digger Diamanten schrfen und aus den Kieseln be-sondere Steinchen heraussuchen. Die wurden vorher heimlich in die sorgfl-tig restaurierten Wascheinrichtungen eingebracht. Manche Kinder finden die Miniwrfel und erhalten dann Geschenke. Unser Sohn fand nichts. Wieder einer, der die Diamantenfelder von Kimberley mit leeren Hnden verlassen hat.

    In Kimberley zeigt unser Kilometerzhler brigens 3.000 an. Wir fahren noch 120 km weiter nach Norden, um dem Aventura - Resort Vaal Spa einen Be-such abzustatten. Es hat die blich gute Ausstattung der Aventura-

  • 140 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    Ferienanlagen. Ich finde die berdachten heien Bder jedoch etwas unbe-quem, da das brunliche Thermal-Wasser nur hfthoch steht, und man die vllig unntigerweise angebrachten Treppchen und die kreuz und quer aus-gestreckten Beine der im Wasser Dsenden nicht sehen kann. Erfolg: Ein paar blaue Flecken, wenn man sich durchs Becken bewegen will. Das Au-enbecken ist mit khlem Wasser gefllt. Flutlicht - Tennispltze, eine sch-ne Minigolfbahn und ein Wildreservat ergnzen die sehr gepflegte und be-sonders am Wochenende und in den Ferien vielgefragte Freizeitanlage.

    Am nchsten Morgen geht es wieder Richtung Johannesburg. Wir fahren auf der N12 noch einige Kilometer am Wildzaun des Reservates entlang, da be-merken wir einige Autos am Straenrand. Menschen stehen am Zaun und ... da sehen wir sie auch: Etwa ein halbes Dutzend Breitmaulnashrner stehen und liegen etwa 10 Meter vom Zaun entfernt. So eine berraschung! Weil wir das Wohnmobil vor der Abgabe noch einmal grndlich geputzt haben, haben wir beschlossen, die Staubstraen des Wildreservates nicht zu benutzen. Trotz dieser Entscheidung haben wir einen wesentlichen Teil des Wildbe-standes gesehen, ganz durch Zufall!

    Nach 3530 Kilometer sind wir wieder im Depot von CI Leisure Rentals in Kempton Park angekommen. Das Ausrumen des Wohnmobils geht schnel-ler als das Einrumen vor sich. Wir haben Glck: Das Gefhrt hat keine Schramme. Somit erhalten wir die beim Abholen hinterlegte Kreditkartenab-rechnung von 900 Rand wieder (Pfand fr Schden). Wir fahren wieder nach Pretoria zurck. Touristen hingegen knnen mit dem Vermieter vereinbaren, wohin sie gebracht werden wollen (Flugplatz, anderer Autovermieter, Hotel). Die im Mietpreis eingeschlossene Pannenhilfe des hiesigen Automobilclubs haben wir nicht bentigt.

    Auch andere Wohnmobilvermieter tummeln sich auf dem sdafrikanischen Tourismusmarkt. Ein paar Monate vor dieser Reise testete ich ein Wohnmobil (fr 5 Personen) von Campers Corner auf dem Weg in die Drakensberge bei Lesotho. Vorteil des ebenfalls auf Mitsubishi-L300-Basis aufgebauten Mo-torhomes Flamingo. Man hat dem Haupttank einen 2. Benzintank zur Seite

  • Erlebnis sdliches Afrika 141

    gegeben. Nun braucht man nicht mehr so oft zu tanken. Mein Testfahrzeug hatte damals einen Verbrauch von 13 Litern/ 100 km, also wesentlich besser als das Wohnmobil von CI.

    Die Freundlichkeit der Vermieter bei der bernahme des Campers-Corner-Wohnmobils hat mich nicht darber hinweggetrstet, da am Ende der ers-ten Tagesetappe die Wohnraumbatterie leer und nicht mehr zu laden war. Daher fiel die Allgemeinbeleuchtung und die Wasserpumpe aus. Also keine Dusche, kein Frischwasser, keine Toilettensplung. Jeden Abend Candle-light Dinner, Abendessen bei Kerzenschein.

    HIKJ LI M NKOP Q

    Eiland Holiday Resort (Campingplatz und Zimmer), Private Bag X6003, 8800 Upington;

    Den Frhlingsblumen-Fhrer (Faltblatt) erhlt man von CAPTOUR, P O Box 863, 8000 Cape Town.

    Augrabies Flle und Kalahari-Gemsbok-Park: Info und Buchung bei National Parks Board, Foreign Desk, P O Box 787, 0001 Pretoria; Fax: +27-12-343-2006. Fon: -2007. Fax-Buchung (lt. Auskunft von Frau E. Fouche Ende 1994) mglich: Scheck in DM oder Kreditkarte gengt.

    CI Leisure Rentals (man spricht deutsch): P O Box 4300, 1620 Kempton Park. Fon: +27-11-396-1860, Fax -1937. Buchung aus Europa mit Kreditkarte mglich. Preis des benutzten Mobils (1994, unbegrenzte Kilometer) pro Wo-che: ca. DM 2.000.-, alles eingeschlossen.

    Campers Corner: In Europa in jedem Reisebro mit Sdafrika- Angebot zu buchen.

  • 142 Mit dem Wohnmobil zur Westkste Afrikas

    Namaqualand Infos (z.B. 27- seitige Broschre) von: Namaqualand Regional Services Council, PR Officer Tourism, P O Box 5, 7240 Springbok. Fax +27-0251-81333.

    Vaal Spa: Info und Buchung bei Aventura (siehe Kapstadt-Kapitel, Infoleiste)

    Oasis-Protea-Lodge und Upington-Protea-Hotel: Siehe Namibia

    Noch mehr Reise:Bcher aus dem Wolfgang Brugger Verlag erhalten Sie per Postversand umgehend nach Eingang des Betrages (DM-Scheck an W. Brugger Ver-lag, D-89407 Dillingen oder berweisung auf Postgiro Mnchen, Konto 311 385-803). Noch einfacher per Telefon: Bestellung mit Lastschriftabbuchung: 09071-71231 oder nutzen Sie unsere Bestellhotline -71233). Die unten genannten Preise sind Versandpreise und enthalten Porto und Verpackung.

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  • 145 Erlebnis sdliches Afrika

    "! #%$ &(' ) *,+

    Zur Osterzeit soll der Nordosten Sdafrikas Ziel einer etwa zweiwchigen Rundreise werden. Start und Ziel ist Pretoria. Wir haben vor, einem Besucher aus Deutschland das schne Mpumalanga (frher Osttransvaal) zu zeigen.

    Nach einer Stunde auf der N1-Autobahn nach Norden erreichen wir Warm-bad. Dort plantschen wir in den heien Quellen des Freizeitparkes (ber-nachtung auf dem Campingplatz oder in Zimmern mglich), der zur Aventura-Gruppe gehrt, bevor wir uns nachmittags auf die lange Fahrt Richtung Pie-tersburg begeben.

    Wir durchqueren die Springbokvlakte (-ebene) und passieren anschlieend linkerhand die Water -, rechterhand die Strydepoortberge. In Pietersburg kommen wir noch rechtzeitig vor der Abenddmmerung an. Leider ist der Weg zum auerhalb der Stadt liegenden Campingplatz schlecht ausgeschil-dert. Durch Fragen nach dem richtigen Weg kommen wir in Kontakt zur ein-heimischen Bevlkerung und lernen zwangsweise durch Umwegfahrten die City etwas kennen. Natrlich htte auch ein Weg auerhalb der Stadt ent-langgefhrt, doch auch auf unsere Weise erreichen wir den stdtischen Campingplatz, der direkt neben einem Wildreservat liegt.

    Der schwarze Wchter in der von der abendlichen Sonne in warmen Farben durchfluteten verglasten Rezeption lt mich einige Aufnahme-Formalitten erledigen. Nach dem Aufbau der Zelte sind wir erfreut ber die Sauberkeit der Camping-Anlagen und nutzen eifrig die warme Dusche, um uns den Staub der langen Fahrt abzusplen.

    Der Morgen begrt uns mit vom Tau klatschnassem Rasen und hellem Sonnenlicht am wolkenlosen Himmel. Die Luft ist frisch und rein von Verschmutzungen. Ein paar Meter jenseits des Zaunes, der den Campingplatz vom Wildreservat trennt, bewegt sich send ein stattlicher Kudubulle zwischen den Bschen, die in orangefarben bestrahlter Landschaft

  • 146 Gold und andere Schtze im Nordosten

    schen den Bschen, die in orangefarben bestrahlter Landschaft lange Schat-ten werfen.

    Der erste Teil der heutigen Fahrt geht scharf nach Osten ber eine Ebene, die etwa 1370 m hoch liegt. Anfangs blendet noch die Sonne, doch sie steigt bald hoch, um eine fr die Insassen des Autos unangenehme Hitze zu er-zeugen. Nach einiger Zeit wird es hgelig. Wir knnen links und rechts der Strae die bis zu 5 Meter hohen Naboom-Pflanzen (euphorbia ingens) be-wundern, die hnlich wie Kakteen ihre vielen Arme in den tiefblauen Himmel strecken. Sanft laufen grasbedeckte Hnge in die Tler aus. Auf einem Wegweiser steht University of the North -Turfloop, die grte schwarze U-niversitt im Lande. ber einen kleinen Pa kommend mu ich langsamer fahren. Felder von Aloen bedecken das Tal, das sich vor uns ffnet. Die An-zahl der Schwarzen, die die Straen sumen, wird immer grer. In gem-igtem Tempo passieren wir ein Areal, wo Dutzende von Zelten aufgebaut sind und Busse und Minibusse am Straenrand geparkt sind. Ein kleiner Wegweiser zeigt nach rechts: Zion City Moria.

    Die schwarze Sekte der Zion-Christen hat an diesem Ort am Karfreitag, den sie hier Good Friday nennen, ihr Jahrestreffen. Millionen von Menschen aus ganz Sdafrika versammeln sich hier, um zu beten und zu feiern. Noch in Pretoria wurden wir gewarnt: Vermeiden Sie es, die Gegend am Karfreitag zu durchqueren! Letztes Jahr waren die Straen um den Versammlungsplatz so vollgestopft, da kein Auto mehr durchkam.

    Das ist dieses Jahr offenbar nicht der Fall. Wir passieren in Schrittgeschwin-digkeit eine enorme Ansammmlung von Menschen, meist in Uniform, doch nirgends werden wir aufgehalten. Die Zion Christian Church hat die grte Anhngerschaft im Lande. Zion-Christen tragen ein grnes Abzeichen mit ei-nem silberglnzenden Stern auf der linken Brustseite der Kleidung. Sie wer-den von den Weien besonders gerne als Hilfskrfte in Haus und Garten be-schftigt, weil sie als absolut zuverlssig und ehrlich gelten. Warum sind hier so viele Polizisten zu sehen? will Gnter, unser Besucher, wissen. Du meinst die Sterne auf den Schirmmtzen, die die Leute tragen? Viele mnn-

  • 147 Erlebnis sdliches Afrika

    liche Zion-Christen tragen diese Kappen, die den gleichen Zweck wie die Ab-zeichen auf der Brust haben.

    An einigen Stellen der Strae erhaschen wir Ausblicke auf den 2127 Meter hohen Wolkberg, in dessen Naturschutzgebiet man gut wandern kann. Ein paar Kilometer spter, als die Berge steiler werden, und wir in vielen Spitz-kurven Schluchten ausfahren, meint unser Gast: Wie bei uns in Sddeutsch-land: Berge und ein dichter Nadelwald! Tatschlich heit diese Gegend Black Forest, nmlich Schwarzwald. Hier wurden riesige Monokulturen an Kiefernwald angelegt. Die Hnge bis fast zu den Spitzen der Berge sind mit ihnen bedeckt. Holzkohlemeiler qualmen vereinzelt aus dem grnen Tann. Wir verlassen den direkten Weg nach Tzaneen, der durch das Letaba-Tal fhrt, und folgen einer steil ansteigenden gewundenen Pastrae. Auf der Karte ist ein ungeteerter Weg eingezeichnet, der uns durch die dichten Wl-der des De Hoek State Forest bis zu einem Wasserfall fhren soll. Leider ist die Abzweigung nicht ausgeschildert. Ich glaube, es mu noch hher hi-naufgehen! meint Edeltraud. Laut Karte mu die Abzweigung bald kom-men.

    Doch wir stehen vor einem Rtsel. Auf einem Parkplatz studieren wir das Prachtstck von Karte des Fremdenverkehrsamtes, lassen es aber bald er-gebnislos bleiben. Vor uns ffnet sich der Ausblick auf eine der groartigen Schluchten Sdafrikas. Im strahlenden Glanz der Sonne leuchtet das Grn aus dem Lowveld zu uns herauf. Innerhalb von nur sechs Kilometern senkt sich die Landschaft an der Groen Randstufe um 600m. Der Blick schweift ber die Anlage des Hotels Magoebaskloof, das die gleichnamige Schlucht dominiert.

    Langsam fahren wir Kehre fr Kehre die Schlucht hinunter und hoffen, die untere Einfahrt der ungeteerten Strae zu erreichen, die wir vorhin verpat haben. Die Strae windet sich durch khle schattige Wlder, dazwischen ver-streut Plantagen mit subtropischen Frchten. Mit abnehmender Hhe ber Meeresspiegel ndert sich deutlich die Vegetation.

  • 148 Gold und andere Schtze im Nordosten

    Der Name der Schlucht Magoebaskloof ist ein Anhaltspunkt fr eine turbu-lente Vergangenheit dieser Region. Makgobo war der Huptling des Tlou-Stammes. Er fhrte seine Leute im Jahre 1894 in eine Revolte gegen die Regierung der Zuid-Afrikaansche Republiek wegen einer Steuerangelegen-heit. Er suchte Zuflucht in den nebligen Abhngen der Berge und in versteck-ten Schluchten. Die Geschichte berichtet weiterhin, da dieser Huptling von Swazi-Kriegern gefangenen genommen und enthauptet wurde. Es geht die Legende, da sein eingesperrter Geist im Stamm einer Palme in Thabina im Lowveld sein Unwesen triebe. Fr Botaniker war diese Palme nur ein grotes-ker Baum mit einem aufgeblhten Stamm. Fr die Stammesltesten war es ein Zauber, der besagte, da der Geist von Makgobo befreit sein wrde, wenn die Schwellung des Stammes den Gipfel der Palme erreicht haben wrde. Der Baum jedoch wurde von einem Sturm umgerissen, bevor dieses Ereignis stattfinden konnte.

    Ich bremse abrupt. Da steht doch Debegeni Falls auf dem verwaschenen Wegweiser! rufe ich, nachdem ich ein winziges Schild am Wegesrand ent-deckt habe. Das ist der Name des Wasserfalls, an dem wir nach unserer Planung vorbeigekommen wren. Also versuchen wir unser Glck. Auf der ungeteerten Strae steigt unser VW, eine lange Staubfahne hinter sich her-ziehend, den steilen Hang hoch. Eine Abzweigung fhrt uns nach einer Vier-telstunde zu einem Parkplatz, wo ein schwarzer Wchter eine kleine Eintrittsgebhr verlangt.

    Der Debegeni-Wasserfall strzt in einer Serie von Kaskaden 80m in ein tiefes topfhnliches Loch. Daher auch der Name Debegeni, der Platz des groen Topfes bedeutet. In frheren Zeiten wurde von dem hier lebenden Stamm geglaubt, der Pool sei die Heimat verschiedener Geister. Geschenke in Form von E - und Trinkwaren fr bernatrliche Krfte wurden am Rande des Pools zurckgelassen. Wir rasten im Schatten der hohen Waldgiganten im gutausgersteten Picknickgebiet am Fuende des Wasserfalles.

    Ich kann es mir nicht verkneifen, obwohl es nicht allzu warm ist, knapp vor dem herabstrzenden Wasserfall in den Pool zu springen. Das Wasser ist

  • 149 Erlebnis sdliches Afrika

    wirklich kalt, doch auf den von der Sonne erhitzten Felsen vor dem Pool bin ich bald wieder aufgewrmt. Nachmittags geht es weiter Richtung Tzaneen. Links und rechts des Weges dominiert die Farbe hellgrn. Sie zieht sich in sanft geschwungener Form die Hgel hinauf. Welche Pflanzen knnen das wohl sein? Auf der Karte ist etwa an dieser Stelle Sapekoe Tea Estate Mid-delkop/Tea Factory eingezeichnet. Ob man die Teefabrik wohl besichtigen kann?

    Ich wende den Wagen und lasse ihn die ungeteerten einspurigen Straen, die zwischen brusthohen, grn leuchtenden Teeanpflanzungen hindurchfh-ren, nach oben fahren, wo auf dem Hgel ein weigestrichenes Gebude aus dem Grn schimmert. Da stehen - wir kommen eben aus einer unber-sichtlichen Kurve - an die zwanzig Schwarze in Arbeitskleidung auf der Stra-e, und noch mehr in einem Teefeld. Ein paar von ihnen tragen gelbe Plas-tikkrbe voll mit der grnen Ernte. Darber wlbt sich der stahlblaue Himmel, ein malerisches Bild. Wir schauen die Arbeiter fragend an, und einer von ih-nen weist uns den Weg.

    Endlich sind wir oben angelangt, wo schon einige Fahrzeuge parken. Ich spreche mit dem schwarzen Wchter, der aus einer Holzhtte herausgetreten ist, und frage ihn, ob die Teefabrik zu besichtigen ist. Er schaut kurz auf die Uhr und bittet uns, ihm in das von Stacheldraht umgebene Gelnde zu fol-gen. Der Wchter lt uns in einem mit gemtlichen Korbsesseln und Ti-schen ausgestatteten Raum alleine. Dort wird gerade Teewasser gekocht.

    Bald danach erscheint eine Gruppe von Weien mit einem schwarzen Fh-rer. Jeder von ihnen erhlt eine Tasse frisch aufgegossenen Tees. Der ju-gendliche Schwarze in moderner Freizeitkleidung und mit Silberkettchen um den Hals ldt uns ein, gleich mit ihm zu kommen, er mache jetzt eine Fh-rung. So viel Glck haben wir nicht erwartet: In der Mittagszeit und sogar oh-ne Anmeldung sofort dranzukommen! Unser Fhrer zeigt uns den Weg, den ein Teeblatt vom Pflcken ber die Trocknung durch warme Luft, ber das Zerkleinern und Fermentieren bis zum Mischen und Verpacken in groe S-cke macht, um Tee verschiedener Gteklassen zu werden. Er lt uns bei

  • 150 Gold und andere Schtze im Nordosten

    jeder Station des Werdegangs von der Teepflanze zum Fertigprodukt Tee eine Probe, die er dem laufenden Frderband entnimmt, anfhlen und rie-chen. Der Tee braucht vom Pflcken bis zum Verpacken genau zwei Tage.

    Was bedeutet SAPEKOE? frage ich. SA steht - wie fast immer - fr Sdaf-rika, PEKOE ist der fernstliche Name fr eine bestimmte Teequalitt. Nach der Fhrung werden wir zu einer Tasse Tee eingeladen. Dabei wird auch SAPEKOE-Kaffee prsentiert, was bei uns Stirnrunzeln auslst. Ja, SAPE-KOE hat nicht nur mehrere Teeplantagen, sondern ist auch im Kaffeegeschft ttig. Fr einen uerst gnstigen Preis erstehen wir mehrere Pckchen gemahlenen sdafrikanischen Kaffees direkt vom Erzeuger. Auch ein T-Shirt mit dem Aufdruck The real Tea-Shirt wird angeboten. In Tzaneen bernachten wir auf dem Campingplatz des Fanie Botha Natur-reservates. Dabei kommt es mir sehr merkwrdig vor, da in einem sdafri-kanischen Naturreservat auf dem Fanie Botha Staudamm mit starkmotorisierten Booten in allen Buchten herumgeflitzt werden darf und durch Motorenlrm und hohen Wellengang die Natur und die Lebewesen darin dermaen gestrt werden drfen. Der Campingplatz ist ein qualitativer Abstieg im Vergleich zu dem von Pietersburg (Sanitranlagen!). Dafr haben wir hier Sicht auf eine groe Wasserflche.

    Tzaneen, eine hbsche kleine Stadt (710 m .d. M.), liegt im subtropischen Lowveld in einem Meer von Grn und Blten. Wlder, Citrus-, Baumwoll-, Tee- und Gemseplantagen umgeben die Ansiedlung. Das Wetter ist nahezu perfekt. Wie die Belegung des Campingplatzes und die gute Infrastruktur der Umgebung zeigt, ist Tzaneen ein beliebter Ferienort am Fu der Drakens-berge. Charakteristisch fr den berflu an Frchten und Gemse sind die vielen kleinen Holzstnde am Straenrand, an denen Avocados, Orangen, Zitronen und Nsse verkauft werden. Allerorten sehen wir Baumschulen, die Palmen, Cycaden und subtropische Fruchtbume ziehen. Tzaneen liegt im Malariagebiet. Nheres zur Malaria habe ich im Reisebericht Zululand und Bongani angefhrt.

  • 151 Erlebnis sdliches Afrika

    Wir verlassen Tzaneen auf der R71 Richtung Gravelotte, um nach kurzer Zeit beim Schild Giyani und Modjadji zum Modjadji - Naturreservat abzubie-gen. Dort lebt bis zum heutigen Tage die legendre Regenknigin. 1979 wurde das Naturreservat gegrndet, um einen Wald von einzigartigen Mod-jadji-Cycaden zu schtzen.

    Rundherum lebt der Lobedu-Stamm, der vor 400 Jahren aus dem Norden in dieses Gebiet eingewandert ist. Encephalartos transvenosus ist die viel-leicht berhmteste Cycade im sdlichen Afrika - und eine der grten der Welt. Hier kommt die normalerweise 5-8 Meter hohe Pflanze (manchmal bis zu 13 Meter!) zu Tausenden vor. Das lebende Fossil stammt aus der Stein-zeit, ist also nahezu unverndert seit 50-60 Millionen Jahren gegenwrtig. Die Regenknigin ist die Beschtzerin der Cycaden. Fr ihre Leute ist sie immer noch eine mystische Regentin, deren Macht und Gesundheit lebens-wichtig fr die kleine Nation ist.

    Hoch oben vom Besucherzentrum (kleines Museum, Picknickplatz, Grillstel-len) haben wir einen herrlichen Blick auf die mit Cycaden bedeckten Hnge und sehen weit ins Lowveld hinein. Auf die angebotenen Wanderwege im Wildreservat (Impala, Nyala, Gnu, Wasserbock) verzichten wir heute, da wir unser Tagesziel bald erreichen wollen.

    Von Tzaneen aus sind es auf direktem Wege zum Eiland-Resort 68 km, von Johannesburg fhrt man schon 5-6 Stunden am Stck! ber die R529 kom-men wir zum Eiland-Resort, das wie Warmbad zur Aventura-Gruppe gehrt. Dort haben wir ein reetgedecktes Rondavel gebucht. Die Rondavels von Ei-land stehen in konzentrischen Halbkreisen angeordnet, umgeben vom Hans-Merensky-Naturreservat. Sehr empfehlenswert ein Rondavel an der Auen-seite der Anlage, mit Blick ins Buschveld. Unser Rondavel hat zwei Schlaf-zimmer mit je 2 Betten, Bad mit Duschbrause, Khl - und Gefrierschrank, Wohnzimmer mit Rattanmbeln und eine gerumige Kche zur Selbstversor-gung. Verpflegung kauft man im Shop ein, Fleisch und Fisch kann man auf der Grillstelle vor dem Haus zubereiten. Oder man geht zum Schnellimbi auf dem Gelnde. Fr gehobene Ansprche steht ein klimatisiertes Restau-

  • 152 Gold und andere Schtze im Nordosten

    rant zur Verfgung. Ein Blick auf die Speisekarte: Eiland-Rumpsteak, Filet, Schnitzel, Cordon Bleu, Calamari. Dazu ein gutes, nicht ganz billiges Ange-bot an Weinen.

    Rondavels nahe dem Pool haben den Nachteil, da der Lrm von der Ener-gieversorgung und der Pumpe stark zu hren ist. Auer dem warmen Au-enpool nutzen wir abwechselnd die Superrutsche und die Trampolins, die nicht nur fr Kinder anziehend sind! Gleich neben dem Auenpool finden wir ein Hallenbad mit Massagedsen und Fontnen, das von den heien Quel-len unter dem Resort gespeist wird. Wer in der Hauptferienzeit kein Rondavel mehr bekommt, kann auf einem der 360 von Mopane-Bumen beschatteten Caravanpltze sein Wohnmobil oder Zelt aufstellen, 122 davon haben Stro-manschlu.

    Wir verlassen Eiland und sind schon wenige hundert Meter weiter im Hans-Merensky-Naturreservat. Dort besuchen wir das Tsonga - Kraal - Museum und wandern den Naturlehrpfad entlang. 170 km mssen wir vom Eiland-Resort bis zum Camp am Blyde-River-Canyon fahren. Der Regen belstigt unsere Windschutzscheibe nur etwa eine Stunde, dann beginnen wir den Anstieg vom Lowveld auf die Drakensberge, deren Gipfel von Regenwolken umgeben sind. Durch den 132 m langen J.G. Strijdom-Tunnel, der den Be-ginn der Pastrae bildet, erklimmt unser VW im Tal des Olifants Rivers eine immer enger werdende Schlucht, bis der Abel-Erasmus-Pa auf der Schei-telhhe von 1224 m erreicht ist. Wir sind nun am Beginn der Panorama-Route angelangt. Kurz bevor wie zum Blyde-River-Canyon abbiegen, besich-tigen wir die Echo-Hhlen, die auf einem sehr staubigen Pfad per Auto zu erreichen sind. Im Dolomit-Fels erstrecken sich mehrere Kilometer verschie-dener Hhlengnge, von denen sechs Rume in einer Lnge von insgesamt 200m zur Besichtigung mit Fhrer freigegeben sind.

    Kurz und eindrucksvoll ist die Fahrt von den Hhlen zum Aventura-Resort Blydepoort. Der 32 km lange Blyde-River-Canyon, der zu den eindrucks-vollsten, groartigsten Naturerscheinungen Sdafrikas zhlt, ist Mittelpunkt eines 22.000 Hektar groen Naturschutzgebietes. In diesem Reservat findet

  • 153 Erlebnis sdliches Afrika

    man alle in Sdafrika lebenden Affenarten! Zur reichen Vogelwelt des Gebie-tes gehren neben Adler, Fischadler und weibrstigen Kormoranen auch die sdafrikanischen Lories (turacus), die in dichten Waldgebieten leben.

    Der Name des Canyons und des Flusses hat eine interessante Geschichte. Der Voortrecker Potgieter leitete im Winter 1840 eine Expedition durch das Lowveld zum portugiesischen Hafen Laurenco Marques. Die Frauen blieben aber auf den malariafreien Hhen der Drakensberge in der Nhe von Graskop zurck. Leider kamen die Mannen um Potgieter nicht zur vereinbar-ten Zeit zurck. Daher glaubten die Frauen, da ihnen irgendein Unheil zu-gestoen sei und nannten den Flu, an dem sie gerade ihr Camp aufge-schlagen hatten, Treur, nmlich Trauer. Sie brachen mutlos in Richtung Westen auf. Auf dem Weg holten sie aber Potgieter und seine Mnner ein. Dies war genau am Blyde-Flu, dem Flu der Freude.

    Der Blumenfreund findet hier sieben Erica - und Protea - Arten, darunter die sehr seltene Protea leatens.

    Atemberaubende Natur, fantastische Aussicht, zentral gelegen fr alle Arten von Freizeitaktivitten, so preist Aventura sein 1971 erffnetes Blydepoort-Resort an. War Aventuras Resort Eiland auf flachem Lande gelegen, bietet Blydepoort am Rand eines eindrucksvollen Canyons schon vom Chalet aus allerhand frs Auge.

    An der Rezeption haben wir eine Landkarte des weitverzweigten Camps erhalten. Morgen werden wir eine der angebotenen Wanderungen im Canyon ausprobieren. Heute wollen wir einen Sundowner genieen. Wir packen un-sere mitgebrachten Kaltenberg - Bierflaschen, die es im hiesigen Supermarkt noch nicht gibt, zuerst in den Gefrierschrank, und machen uns, nachdem die Biere khl genug sind, zu Fu auf den Weg zum Aussichtspunkt. Wir kom-men am Rand des Canyons an, als die Sonne ihre letzten gldenden Strah-len auf das markanteste Naturmonument im Nordosten wirft: Die drei Ron-davels, wohl in jedem Prospekt und Bildband ber Sdafrika zu finden. Die Felsformationen werden in rtliche Tne getaucht, bis die khl einstrmende Sptabendluft uns wieder zum Chalet ruft. Auf einem Absatz ber dem gh-

  • 154 Gold und andere Schtze im Nordosten

    nenden Abgrund sitzend genieen wir unseren Sundowner, und freuen uns schon auf die Steaks, die wir gleich nachher auf dem Grill vor dem Haus zu-bereiten werden. Frh am Morgen beginnen wir am nchsten Tag unsere Wanderung. Wir folgen den Wegweisern zum Tuffstein-Wasserfall (Tufa-Falls). Die uns wohl bekanntesten Wasserflle dieser Art sind die von Plitvice in Europa. Im Talgrund des Kadishi-Baches wandern wir Richtung Stau-damm. Wir halten uns auf der linken Seite des Kadishi, der mehrere impo-sante Tuffbecken ausgebildet hat. Der Wanderweg verluft im Schatten ur-waldhnlicher Vegetation. Auf halber Bergeshhe, schon nicht mehr so schattig, haben wir die ganze Zeit die Three Rondavels in Sicht. Diese Felsbastionen sehen tatschlich wie enorm vergrerte Eingeborenen-Rundhtten mit Reetdach aus!

    Nach mehr als der Hlfte der Wanderung biegen wir um eine Kurve, und das Gebsch gibt den Blick auf einen Stausee frei. An seinem gegenberliegen-den Ufer ein Bergrcken, aus dem deutlich die Silhouette eines Mnnerge-sichtes zu erkennen ist. Bemerkenswert sind die vor allem an der Nordseite der Felsenkliffs, die hier in drei Schichten senkrecht abfallen, leuchtend gel-ben Flechten, eine Symbiose aus Algen und Pilzen. Mehr davon erfahren wir spter im 17 Kilometer entfernten Bourkes Luck Potholes Museum.

    Etwa vier Stunden auf diesem leichten Wanderpfad sind wir schon unter-wegs, da erreichen wir wieder die Zivilisation in Form einer Teerstrae, die hier am Weltenende eine Schleife bildet. Von hier haben wir gestern das herrliche Farbenspiel des Sonnenunterganges verfolgt. Die Sonne natrlich im Rcken, den Blick nach Osten auf die drei Rondavels gerichtet. Zu Hau-se angekommen erwartet uns zunchst eine berraschung. Die Kche ist blitzblank geputzt, das Geschirr gewaschen und aufgerumt, die Betten ge-macht, die Handtcher gewechselt: Diesen Service lasse ich mir gefallen!

    Noch ein Wort zur Einrichtung des aus rohen Steinen rustikal gebauten Cha-lets: Rattansthle und -tische in E/Wohnzimmer, geschmackvolle Vorhnge mit afrikanischen Motiven, zwei Schlafzimmer, Carport, Grillplatz, herrlich rotblhende Bume mit reichem Vogelleben ums Haus herum, vollausgestat-

  • 155 Erlebnis sdliches Afrika

    tete Kche (Vierplatten-Herd, Khl-/Gefrierschrank, Kaffee/Tee mit Zucker und Milchpulver stehen bereit! Das Camp bietet einen gutsortierten Laden, Minigolf, Fernsehraum, Restaurant, Pool, Tennisplatz. Ein Laden fr alkoholi-sche Getrnke und eine Tankstelle ergnzen das Angebot des Aventura-Resorts Blydepoort. Auf der Weiterfahrt Richtung Graskop biegen wir beim Schild Three Rondavels nach links ab. Kurz nach einer schwungvollen Straenfhrung werden wir durch eine Umkehrschleife gestoppt, die auf ei-ner Felszunge liegt, auf drei Seiten vom ghnenden Abgrund umgeben. Zwei Wege fhren durch das Gestein und Gestrpp zu verschiedenen Aus-sichtsplattformen. Dort setzen wir uns erst einmal hin, um das berwltigen-de Panorama zu genieen. Tief unten in der Schlucht fliet der Blyde-Flu, der im spteren Verlauf aufgestaut wird. Uns gegenber, in etwa 2 km Ent-fernung, aber mit der angsteinjagenden ghnenden Schlucht dazwischen, hat die Natur die drei uns schon bekannten Rondavels geformt. Natrlich mu jeder Besucher hier gewesen sein. Zwischen zwei Bergrcken hindurchse-hend kann ich im Osten Teile des dunkelgrnen Lowveldes erkennen. Ich mu meinen Sonnenhut festhalten, so stark ist der Aufwind hier, der ber die mit Flechten berwachsenen Felsen braust. Etwa 17 Kilometer vom Blydepoort-Camp entfernt finden wir das Touristen-zentrum Bourkes Luck Potholes. An der Vereinigung von Treur - und Blyde-Flu gab es, wie die Geschichte berichtet, eine kleine Goldmine mit dem Namen Bourkes Luck. Der Name ist vom Glck des Tom Bourke abgelei-tet, der hier Gold fand. Die vom Wasser mitgefhrten Gerll - und Sandmas-sen schufen in den Felswnden der tief eingeschnittenen Flsse bizarre Potholes, das englische Wort fr Strudellcher oder Kolke. Wege und Brcken fhren zu verschiedenen Aussichtspunkten. Vor allem fr Fotografen ist die beliebte Touristenattraktion eine groe Freude, da es dort mannigfalti-ge Formen und Farbschattierungen auf den Film zu bannen gibt. Wir bewun-dern die bizarren Auswaschungen und informieren uns im Museum ber Flo-ra, Fauna und vor allem die Flechten des Canyons. Danach gehts zum Bly-depoort - Camp zurck, um dort ein letztes Mal zu bernachten.

  • 156 Gold und andere Schtze im Nordosten

    Am nchsten Morgen: Gut geteerte, breite Straen durchschneiden dunkel-grne Wlder. Links stehen alle paar Kilometer Schilder, die auf gute Aus-sichten ins Lowveld und auf Wasserflle hinweisen. Die Namen der Punkte lauten Gods Window, Worlds View, und die Wasserflle erinnern mit Lisbon Falls und Berlin Falls an die weitentfernte Heimat Europa.

    Da heute vom durchschnittlich 600 m tief gelegenen Lowveld dichte Wolken-fetzen ber den Rand des Escarpments (am Mariepskop bis 1950 m hoch) ziehen, ist die Strae in ein Phnomen gehllt, was wir als Einwohner eines Stdtchens an der Donau sehr genau kennen. In der Nebelsuppe, die immer nur einige Kilometer andauert, sehen wir keine 10 Meter weit und mssen bei Tageslicht mit eingeschalteten Scheinwerfern fahren.

    Die kleine Ortschaft Graskop hat einen groen stdtischen Campingplatz, auf dem auch Rundhtten stehen. Zu unserer groen Freude sind am frhen Nachmittag noch einige Pltze frei. Als ich nach dem Zeltaufbau zur Rezep-tion zurckkomme, erlebe ich, wie zwei andere Touristen, die einen Platz su-chen, bedauernd zurckgewiesen werden. Sie ziehen enttuscht ab, denn dies war ihre letzte Hoffnung: In Graskop ist alles ausgebucht. Ferienzeit bedeutet, da man lange vorher buchen, oder von nicht so berlaufenen Ge-genden aus seine Touren machen mu.

    Die Anlagen sind zwar nicht so gut wie die von Tzaneen, aber dafr hat der Platz ein groes Minigolfzelt, einen Weiher mit Bootsverleih, ein sauberes Freibad und ein Restaurant mit kleiner Einkaufsgelegenheit.

    Nachtrag zur 3. Auflage: In Graskop besuchten wir 1995 eine Gemldegale-rie mit angeschlossenem Kaffeehaus (The lonely tree pancake cabin), das sich als die Heimat der Schwarzwlder Kirschtorte bezeichnet. Zwar sitzt man gemtlich auf der Veranda des Hauses, mit Blick auf die vorbeiziehen-den Touristenscharen, doch lt die Qualitt der erwhnten Torte sehr zu wnschen brig. Der dort erhltliche Earl-Grey-Tee kommt in ausreichender Menge (= Kanne) auf den Tisch, doch der Cappucino (DM 1,70) hat seinen Namen nicht verdient.

  • 157 Erlebnis sdliches Afrika

    Wir machen einen Ausflug durch eine Art Voralpenlandschaft in die 11 km entfernt gelegene Goldgrberstadt Pilgrims Rest, eher ein Drfchen, ber das zu bestimmten Tages - und Jahreszeiten Touristen herfallen.

    Der Legende nach entdeckte ein gewisser Alec Schubkarren - Patterson im Pilgrims Bach im Jahre 1873 Gold. Schubkarren deshalb, weil Alec seine ganze Habe in einem Schubkarren mit sich zu fhren pflegte. So kam er auch eines Tages in dem noch friedlich-unberhrten Tal an. Schubkarren-Patterson war ein einzelgngerischer Goldgrber, der die fr ihn zu hekti-schen Goldclaims bei Mac Mac verlassen hatte. Er beschlo, seine Entde-ckung geheimzuhalten. Aber mittlerweilen hatte ein anderer Golddigger, nmlich William Trafford, ebenfalls Mac Mac verlassen, und war im Tal von Pilgrims Rest angekommen. Die Legende berichtet weiter, da Trafford dem Ort seinen Namen gab, indem er bei der Entdeckung von Gold vor lauter Freude ausrief: The Pilgrim is at a rest: seine Pilgerfahrt sei nun zu Ende.

    Nicht durch Patterson, sondern durch Trafford wurde die Kunde von Goldfun-den schnell ber alle Goldgrbergebiete des Nordostens verbreitet. Ein gro-er Ansturm von Diggern auf das Tal setzte ein. Bis 1881 folgte eine Zeit, in der leicht erreichbares, ziemlich in den oberen Schichten der Erde liegendes Gold gewaschen wurde. D. H. Benjamin erwarb in diesem Jahr eine Konzes-sion, die ihm erlaubte, auf den Farmen in und um Pilgrims Rest in groem Stil Gold zu frdern. Am 29. Juli 1896 wurde die Transvaal-Goldminen-Gesellschaft gegrndet, die bis 1971 arbeiten konnte. Dann muten die Akti-vitten wegen mangelnder Rentabilitt eingestellt werden.

    Die Stadt und das Minengebiet erwarb die Verwaltung der Provinz. Pilgrims Rest wurde unter Denkmalschutz gestellt und restauriert. Somit ist ein Teil des heutigen Ortes eine Art Museum, wo wir eine Goldgrberstadt der Jahr-hundertwende mit Wohnhusern, Geschften, Kirchen und einem Hotel be-wundern knnen.

    Beginnen wir die Besichtigung da, wo normalerweise alles aufhrt: Der Friedhof von Pilgrims Rest ist hoch ber dem Ort in einem kleinen Wldchen angelegt. Alle Grber der Bergleute und Goldsucher liegen in Ost-West-

  • 158 Gold und andere Schtze im Nordosten

    Richtung, nur eines nicht: Das Robbers Grave, das Rubergrab, ist in Nord-Sd-Richtung angelegt. Ruberei war nicht sehr gebruchlich im Ort, denn Ruber wurden sehr streng bestraft. Der Verbrecher im Robbers Gra-ve wurde kurzerhand erschossen, andere wiederum wurden mihandelt, be-vor sie vertrieben wurden

    Ein Huschen, das als eines der drei Museen hergerichtet wurde, ist das e-hemalige Verlagshaus der Zeitung Pilgrims and Sabie News. In dem am Ende des 19. Jahrhunderts von John McNally errichteten Gebude sind Druck-und Setzmaschinen sowie alte Drucke zu besichtigen.

    Ein paar Meter weiter steht das Royal Hotel, wo man noch heutzutage im Stil der alten Zeit bernachten kann. Als wir uns dem Gebude nhern, dringt Bierdunst und Zigarettenqualm in unsere Nasen und Musik an unsere Ohren. Tatschlich, in dem zwischen den Hotelrumlichkeiten gelegenen Biergarten wird Dixieland-Musik gespielt. Es ist fast kein Durchkommen, so viele durstige Menschen haben sich hier versammelt. Sie stehen nicht nur im Biergarten, sondern haben sich auch um die Bar versammelt, die besonders sehenswert ist. Der einstige Hotelbesitzer brachte, so wird berichtet, eine Kirche aus Maputo, dem damaligen Laurenco Marques, auf einem Ochsen-wagen nach Pilgrims Rest, und gestaltete eine Bar daraus. Die Goldgrber zahlten ihre Spirituosen mit Goldstaub - und -klmpchen, die vom Barkeeper sorgfltig mit einer Waage auf dem Tresen abgewogen wurden.

    In der alten Post des Ortes wurde eine Ausstellung eingerichtet, die nicht nur ber die Zeit und die Sitten der Goldgrber berichtet, sondern auch ber die Epoche davor, als die Buschmnner, und viele Jahre danach schwarze Stmme dieses Gebiet durchwanderten.

    Wir haben noch nicht genug von der Vergangenheit. Deshalb informieren wir uns, wie die Oberschicht hier gelebt hat. Im Jahr 1913 wurde das vor uns stehende Huschen fr einen Arzt erbaut, zwei Jahrzehnte spter zog ein Rechtsanwalt ein. Das Haus strahlt Charakter aus. Holzwnde, Wellblech-dach, innen mit typischem Zierrat der victorianischen Zeit ausgestattet. Im Jahr 1909 wurde hier ein Telefon installiert, ab 1911 gab es Elektrizitt aus

  • 159 Erlebnis sdliches Afrika

    einem heute noch stehenden Generatorenhaus. Zu seiner Zeit war dieses brigens die grte Station der sdlichen Hemisphre, die mit Hilfe von Wasser Strom erzeugte.

    Bevor wir wieder nach Graskop fahren, mssen wir uns noch unbedingt in ei-nem Goldgrber-Kaufhaus umsehen. Weil der Goldpreis in den Dreiiger Jahren so stieg, wuchs auch die Bevlkerung von Pilgrims Rest stark. Zur Versorgung gab es hier neben Metzgereien, Bckereien, Schmieden tatsch-lich sechzehn General Dealer, also Einkaufslden, wo einfach alles verkauft wurde. Das Dredzen Shop Museum ist der letzte, liebevoll im Stil der Peri-ode von 1930 bis 1950 restauriert. Natrlich banne ich den Tante-Emma-Laden auf den Film, mit meinen Mitreisenden an der Theke.

    Jetzt erst bemerken wir, da wir auf der einzigen Strae des Ortes kaum noch gehen knnen, so hat der Autoverkehr zugenommen. Zu allem berflu kommt noch eine Hochzeitsgesellschaft vorbei, das Paar in einem rotgln-zenden offenen Oldtimer - stilgerecht zur Goldgrberstadt.

    Der Tourismus ist hier erstaunlich weit gediehen: Am Auto steht ein halb-wchsiger Schwarzer und zeigt uns ein Schild: Autowaschen 5 Rand. Tat-schlich sind die Scheiben des Passat sauber. Ich zahle schmunzelnd einen Obulus, nachdem ich eine Anzahl von Flugblttern unter den Scheibenwi-schern weggenommen habe. In alter Schrift der Goldgrberzeit wird dafr geworben, bei der XY-Ranch nach einem opulenten Goldgrbermahl Gold zu waschen, ein anderes ldt zur Pa - Photographie im Stil der alten Zeit ein. Selbst die Tankstelle Highwayman - sie hat noch die uralten Zapfsulen - wirbt mit ihren Diensten. Sie wurde damals von einem ehemaligen Straen-ruber (= Highwayman) gegrndet, der angeblich nach Rckgabe aller ge-stohlenen Sachen noch einmal glimpflich davon kam (anders als der im Rob-bers Grave).

    Kaum sind wir dem Touristenrummel und der Hitze des Tales entflohen, kommt ein strmischer Wind auf, der uns weg von den Zelten in die Put-put- Halle zum Minigolfspielen treibt. Als wir fertig sind, rauscht ein Wolken-bruch hernieder, der sich aber bis abend legt. Am nchsten Morgen - es ist

  • 160 Gold und andere Schtze im Nordosten

    Ostersonntag - will ich in aller Frhe zur Aussichtsstelle Gods Window fah-ren, doch nach einigen Metern mu ich einsehen, da mit einem Platten vor-ne links selbst die wenigen Kilometer dahin nicht zu machen sind. So starten wir versptet. Das haben wir dort mit Waschkchenklima zu ben. Trotz-dem ist es ein unheimliches Erlebnis, wenn ich mich ber die Brstung beu-ge, und den rotblhenden Aloen zusehe, wie sie sich an den steil abfallen-den Felsen klammern, wo der Nebel aus dem dsteren Untergrund in Schwaden abgestreift wird. Einige Sekunden ist das Lowveld sichtbar, bis wir wieder von nasser Watte umgeben sind. Meine Begleiter hlt hier nichts mehr. So nehmen wir Abschied von der Gegend, die fr Goldgrber aus der ganzen Welt zum Inbegriff ihrer Sehnsucht wurde. Kaum sind wir am Mac-Mac-Fall, einem 60 m herabstrzenden Wasserfall vorbei, da schiebt sich die Sonne heraus, die Wolken verschwinden, und wir sthnen wieder unter der Hitze im Auto. Drei Stunden spter halten wir auf dem Parkplatz vor den Sudwala-Hhlen. Einer der zahlreichen umhertollenden Affen verzehrt genlich auf einem Ast direkt ber der Windschutzscheibe, Saft verspritzend, Stck fr Stck einer stibitzten Orange.

    Wir verzichten aufgrund der wartenden Menschenmenge auf eine Besichti-gung der Sudwala-Caves, whrend ich mich, zusammen mit meinem Sohn, der englischsprachig gefhrten Besuchergruppe anschliee. Im Gegensatz zu den Echo-Caves, die wir vor einigen Tagen besuchten, ist diese hier gro-zgig angelegt. Sie kann eine Menge Menschen vertragen und erinnert mich an die groen slowenischen Hhlen.

    In prhistorischer Zeit wohnte man in den Tropfsteinhhlen aus Dolomit-Gestein. Sie erstrecken sich ber dreiig Kilometer in den Berg. Verschie-denfarbige Strahler versetzen die Stalagtiten und - miten in geheimnisvolles Licht. Der Hhlenfhrer versteht es prchtig, mit seinen Geschichten und Er-klrungen diesen Eindruck zu verstrken. Eine Halle bildet ein natrliches Amphitheater, mit einem Durchmesser von 70 und einer Hhe von 40 Me-tern.

  • 161 Erlebnis sdliches Afrika

    Die Akustik dieses Teils wird fr Konzertauffhrungen genutzt.Sogar auf allen Vieren drfen wir noch klettern, was einerseits den Abenteuercharakter der Unternehmung hervorhebt, andererseits meine Begleiter bei der Rckkehr aus der Hhle zu deftigen Bemerkungen veranlat. Tatschlich sehen wir aus, als htten wir wie Schweine im Dreck gesuhlt. Macht nichts, denke ich mir, wir haben ja kurze Hosen an, und die Beine sind schnell abgewaschen. Bei der Fhrung waren einige Mdchen dabei, die mit ihren weien Hosen durch den feuchten Dreck krochen - na, das sieht aber aus! Damit unser Sohn noch ein bichen auf seine Kosten kommt, besichtigen wir den benachbarten Dinosaurierpark. Lebensgroe Nachbildungen der Tiere stehen in urtmlicher Landschaft, erschrecken die Kleinen aus dem Dickicht heraus, oder sen gemtlich in einem Weiher. Aus luftiger Hhe droht ein mit Dolchen bewehrtes riesiges Gebi eines fleischfressenden Sauriers. Bei Waterval-Boven machen wir Rast bei einem imposanten Wasserfall, dem wir uns durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel - heute Nationaldenkmal - nhern. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir wieder Pretoria.

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  • Safari vom Feinsten 163

    Wer es vermeiden will, in seinem eigenen Wagen, eingepfercht zwischen VW-Bussen und anderen Pkws, Wild im Krgerpark zu beobachten, oder, noch schlimmer, wie wir stundenlang in Sdafrikas bekanntestem Wildreser-vat herumzufahren, ohne ein einziges Stck Wild zu sehen, dem ist in den

    angrenzenden privaten Wildreservaten ohne viel Mhe die Gelegenheit ge-geben, seine Photosafari erfolgreich durchzufhren. Mit mehr oder weniger Luxus, wie die nchsten Zeilen zeigen werden. Aber das Ambiente stimmt immer. Ein Erlebnis, das der Besucher nicht so schnell vergit. Fr diesen Reisebericht habe ich mit allen privaten Wildreservaten in Mpumalanga Kon-takt aufgenommen. Von denen, die Interesse an deutschsprachigen Besu-

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  • 164 Erlebnis sdliches Afrika

    chern gezeigt haben, habe ich aufgrund der mir vorliegenden Informationen ein paar herausgegriffen und zu einer Reise zusammengestellt.

    Wie im Kapitel Bongani/Rovos-Rail beschrieben erreichen wir Nelspruit und biegen dann, nach einer Rast an der schon erwhnten Shell-Tankstelle, Rich-tung Nord auf die R40 ab. Fnfzig Kilometer spter kommen wir an der Hu-lala Lakeside Lodge, der ersten Station unserer Reise an. Fahrtzeit von Pre-toria: 3 Stunden.

    Die Lodge ist an drei Seiten von einem See umgeben, dessen Wasserstand bei unserem Besuch unter dem mangelnden Regen leidet. Hulala heit friedlicher Rastplatz. Hulala Lakeside Lodge ist idealer Ausgangspunkt fr Fahrten in den Krgerpark sowie fr den Besuch all jener Sehenswrdigkei-ten, die das Escarpment, die Groe Randstufe von Mpumalanga (frher:

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  • Safari vom Feinsten 165

    Osttransvaal) so berhmt gemacht haben. Nicht zu vergessen die an den Hauptrouten gewachsenen Touristenattraktionen, wie Tpfereien, Bildhau-erwerksttten, Kunstmaler-Ateliers und viele andere mehr.

    Markierte Wanderwege durchziehen das Gebiet von Hulala, vorbei an bis zu 500 Jahre alten Baumfarnen. Der See sorgt fr Wassersportfreuden: Surf-bretter, Tretboote und Kanus knnen ausgeliehen werden. Weniger fr den Durchschnitts-Touristen, der ja in der Regel nicht so viel Zeit mitbringt, son-dern fr den einheimischen Urlauber ist interessant, da er auf dem See mit der Angel auf Safari gehen kann.

    Hulala, Mount Sheba Hotel (ganz in der Nhe) und ein englisches Landhaus, die Glenshiel Country-Lodge (Magoebaskloof, bei Tzaneen) werden gemein-sam vermarktet. Anschrift am Ende dieses Kapitels.

    Unser Huschen, das wir an diesem Nachmittag beziehen, ist mit einem Doppelbett und einem Sofa-Doppelbett ausgestattet. Bunte Vorhnge und dazu passende Bettbezge sorgen fr gute Laune. Wir probieren gleich die Tretboote aus, danach das Ruderboot. Auf einem Fels sitzt ein Pied Kingfis-her (Ceryle rudis), bei uns Eisvogel genannt, einen kleinen Fisch im langen spitzen Schnabel. Ein Verwandter, der hbsche bunte Malachite Kingfisher, ist der Wappenvogel der Hulala Lakeside Lodge. Wir nhern uns dem Eisvo-gel im Ruderboot fast geruschlos, bis er, genervt von unserer Dreistigkeit, mit seiner Last bers stille Wasser davonfliegt. Zurck bei der Lodge genie-en wir den Sonnenuntergang ber den Da Gama Dam. Das jenseitige Ufer ist mit Bluegum (Eukalyptus) bestanden. Von unserer Terrasse fllt der Hang sanft zum Wasserspiegel hin ab. Schade, da der Rauch von unserem offe-nen Kaminfeuer schlecht abzieht und wir die Terrassentr ffnen mssen, damit die Augen nicht trnen. Sicherlich steckt irgendwo im Abzug ein Vo-gelnest, und noch kein Gast hat sich beschwert.

    Das Dinner ist viergngig, Nouvelle cuisine. Die Flammen des offenen Ka-minfeuers bilden lebhafte Muster an den Wnden. Dazu spielt der CD-Player dezent Beethovens Fnfte. Der Raum wird auer vom Kaminfeuer nur von Kerzen beleuchtet. Die Weinpreise spiegeln das gediegene Ambiente des

  • 166 Erlebnis sdliches Afrika

    Speiseraums wider. Wie fast immer in Mpumalanga, ein herrlicher Nacht-himmel, mit puderzuckerartigen Sternen der Milchstrae berst. Am nchs-ten Tag sitzen wir auf der Terrasse ber dem glasklaren Pool beim Frhstck, das nichts zu wnschen brig lt. Gut gestrkt wandern wir noch ein letztes Mal zum Seeufer, wo wir den Kingfishers fotografisch zu Leibe rcken.

    ! " #$

    Djuma Lodge heit unser nchstes Ziel, im nrdlichen Sabie Sands Wildre-servat, genau 164 Kilometer von Hulala entfernt gelegen. Bis kurz nach A-cornhoek (R40) geht eine Teerstrae, dann fahren wir langsam eine nicht sehr gute Gravel-Road durch ehemals schwarzes Homeland immer den Schildern Djuma in stliche Richtung nach.

    Der Zustand der ungeteerten Strae hngt davon ab, wie oft der Padskrap-per seinen Dienst tut. Bei unserem Besuch war man sich in der Politik noch nicht ganz einig, ob diese Strae zur Mpumalanga - Provinz oder zur Nor-thern Province gehrt. Daher fuhr das Rumfahrzeug erst mal gar nicht. Und an unserem Passat lockern sich nach und nach smtliche Schrauben, sogar der Sicherungskasten verlt seine Halterung. Im Schatten einer Dornbusch-Akazie kann ich die Fehler nach kurzer Zeit beheben und nach einem Stop beim Eingangstor zum Sabi Sand Game Reserve (Eintritt!) Jurie Moolman, den Eigentmer der Djuma Lodge begren.

    Da sich der Ventilator am Khler von der Antriebsachse gelst hat, frage ich Jurie um Rat. Natrlich hat er einen Zwei-Komponenten-Kleber zur Hand. Im Busch mu man autark sein, um berleben zu knnen.

    Djuma Game Reserve (Zugangsberechtigung zu mehr als 4.000 Hektar Wildnis) ist Teil des Sabi-Sand-Komplexes (55.000 Hektar). Djuma heit Das Brllen des Lwen auf Shangaan. Sabi-Sand hat keinen Zaun zum Krger-Park (um die 2 Millionen Hektar gro). Djuma wiederum hat keinen Zaun zu Sabi-Sand. Ein seltsames Gefhl, mitten in der Wildnis, sozusagen

  • Safari vom Feinsten 167

    schutzlos dem wilden Afrika ausgesetzt zu sein. Das gibt es nur in den pri-vaten Wildreservaten. Victoria, oder einfach kurz Vickie, ist das zahme Impala, das sich vornehm-lich im Camp aufhlt. Bisher hat Vickie berlebt, obwohl es sicherlich rund-herum eine Menge an Raubtieren gibt. Doch seltsamerweise kommen diese - tagsber wenigstens - nicht ins Camp. Das Djuma-Camp in Krze: Maximal 10 Gste im Camp, also genau das Gegenteil vom Skukuza-Camp im Krgerpark. Ruhe, persnliche Betreuung und jederzeit eine Antwort auf noch so dumme Fragen. Stromversorgung ber Solarzellen; wenn es bedeckt ist, hilft ein Dieselgenerator. Heiwasser wird mit Gas bereitet. Das Huschen hat 2-3 Betten und Dusche/WC. Vom Balkon des groen offenen Gemeinschaftshauses blicken wir auf einen Staudamm, an dem sich eine Vielzahl der auf Djuma vorkommenden 300 Vogelarten trifft. Kommt man erhitzt vom Game-Drive zurck, kann man sich im winzigen Pool erfrischen. Juries Spezialitt ist die gefhrte Wanderung durch den Busch. Er kann sehr gut die Zusammenhnge in der Natur des Buschveldes erklren. Zum Bei-spiel gibt es da die Story von den Termiten, die von Ameisen gekidnappt wer-den, oder vom Wag-n-bietjie-Baum (Ziziphus mucronata), der auf einem Grab gedeiht, das mit Glassplittern und Eisenteilen bedeckt ist. Dann die Bume, die am Hang wachsen: Oben am Hang sind sie kleinblttrig, mit vie-len groen Stacheln, unten groblttrig, da kein Verteidigungsmechanismus notwendig ist. Dazwischen Grasland. Jurie, der Biologie und kologie studiert hat, erzhlt eine interessante Ge-schichte nach der anderen. Wir bleiben an einem der vielen Termitenhgel stehen. Die Harvester Termites (Erntetermiten) zchten Pilze auf verrotteten Grashalmen, die sie vorher schn handlich zerschneiden, um sie in den Ter-mitenbau zu bekommen. Abends findet unser Shangaan-Ranger Dickson fnf Elefanten, eine Reihe von Wasserbcken, Bffel, Impalas, eine Ginsterkatze, 200 Bffel und, gleich um die Ecke beim Camp, in einem Staudamm zwei Flupferde, die lustig mit

  • 168 Erlebnis sdliches Afrika

    den Ohren wedeln. Eine andere Herde von Elefanten, die wir in sicherem Abstand verfolgen, frit sich in gemchlichem Tempo eine Viertelstunde lang durch den Wald. Am Wasserloch warten wir auf sie. Fr das Videofilmen ist es schon zu spt, weil zudem dicke Wolken das letzte Tageslicht verdunkeln. Fr das Auge aber ein fantastischer Anblick, als sich im Dmmerlicht 12 Ele-fanten wie Gespenster, trotz ihrer enormen Krpermasse vllig lautlos, am Wasserloch einfinden.

    Pipa und Jurie Moolman erweisen sich beim Abendessen rund um das La-gerfeuer als hfliche, offene und informative Gastgeber. Wir berichten, da wir schon bei der Anfahrt auf das Camp ein halbes Dutzend Giraffen direkt neben der Strae gesehen haben. Dies sei oft der Fall, meint Jurie. Unterm samtigen Sternenzelt, mit Lagerfeuer aus Leadwood (Bleiholz, weils im Wasser untergeht), werden gegrilltes Schweinekotelett, Ochsenschwanz, drei Gemse und Salat serviert. Dazu gibt es Rotwein oder Bier.

    Morgens, nach einer erholsamen Nacht, fahren wir die Strae an der Grenze zum Krgerpark entlang. Mein Sohn hat im Gebsch einen Lwen entdeckt - das Ergebnis langjhriger Schulung bei Safaris. Als wir nher kommen, fin-den wir 14 im Busch versteckt! Normalerweise flchten die Lwen ber die nunmehr offene Grenze zum Krgerpark, wo sie nicht verfolgt werden kn-nen. Heute ist dies nicht so einfach, denn drei Landrover parken auf der Strae, ber die ihr Fluchtweg fhrt. Die Fotokameras klicken und surren, die Videos summen, und die Lwen werden immer nervser. Nur ein paar Meter entfernt huschen sie ber die Strae, in die Freiheit des unendlichen Krger-parks.

    %& ')( *( + ( *( + (Zurck zur R40, dann Richtung Hoedspruit, bei Klaserie auf der R531 nach Nordwesten. Auf der linken Seite der Strae, am Hang des Moholoholo, des Ganz Groen Berges (von den Buren Mariepskop genannt, falls Sie ihn auf der Karte suchen), liegt das Moholoholo Forest Camp and Wildlife Rehabilitation Centre. Reetgedeckte Holzhuser auf Stelzen stehen in dich-

  • Safari vom Feinsten 169

    ter Lowveld-Akazien-Wildnis, weit genug voneinander entfernt, da sich die Besucher des Wildreservates nicht gegenseitig stren. Bis zu 12 Gste kann das Camp beherbergen. Moholoholo ist eine Wildfarm ohne Predators, oh-ne Raubtiere. Es kann aber durchaus sein, da man, wenn man Glck hat, auch mal einen Leoparden zu Gesicht bekommt. Auf der Wildliste haben wir folgende Tierarten gefunden: Nyala, Buschbock, Red und Grey Duiker, Sa-mango - und Blauaffen, Paviane, Kudu, Wasserbock, Tsessebe, Impala, E-land und Giraffen.

    Nach dem Einchecken wird ein einfaches Mittagessen auf der offenen Ve-randa serviert. Von der Veranda aus blicken wir auf einen schattigen Wald, dessen Mitte ein Wasserloch bildet. Ist man still genug, kann man von hier oben eine Vielzahl von Wild beobachten, das hier seinen Durst lscht. Den Nachmittag verbringen wir an einem kleinen Staudamm in einer Wildbeo-bachtungshtte. Auer der imposanten Aussicht auf das Escarpment, dies-mal von unten, ist der Nachmittagsaufenthalt nicht sehr ergiebig. Zum Abendessen sitzen wir echt afrikanisch in der Boma, zu vielen verschiedenen Beilagen werden Schweinekoteletts und gegrilltes Warzenschwein, letzteres ziemlich zh, gereicht.

    Auf der anschlieenden Nachtsafari, die von Ranger Frank, der brigens gut deutsch spricht, kundig geleitet wird, treffen wir u.a. auf Giraffen und Tsesse-bes.

    Am nchsten Morgen wandern wir in zehn Minuten zum Rehabilitationszent-rum von Moholoholo. Frank fhrt uns und die Tagesbesucher, die nicht im Camp bernachtet haben, an den Gehegen und Kfigen vorbei, in denen die Patienten untergebracht sind. Frank erklrt mit Enthusiasmus, wie die Gei-er, Hynen, ein Warzenschwein, Servalkatzen, Zebras, Adler, verschiedene Eulen und viele andere Tiere wieder gesund gepflegt worden sind, nachdem sie mit Schuverletzungen, vergiftet oder in Fallen verletzt hierher gebracht worden sind. Der Chef von Moholoholo, Wildexperte Brian Jones, hat ein be-sonderes Talent, mit den Tieren zu kommunizieren. Seine Pfleglinge vertrau-en ihm. Es ist faszinierend, ihm zuzusehen, wie er auf die Tiere zugeht. Auch

  • 170 Erlebnis sdliches Afrika

    wir gehen auf die Tiere zu, und sind dankbar, da die Geier, die eine enorme Flgelspannweite haben und zu denen wir uns in den Kfig begeben, uns in Ruhe lassen. Nur mit Mhe kann Frank einen Geier auf dem Arm halten, denn der Greifvogel hat ein enormes Gewicht.

    Brian fhrt, neben seiner Arbeit als Leiter des Tierkrankenhauses,in Zu-sammenarbeit mit Umlani Wildnis - Erfahrungskurse im weiter unten be-schriebenen Timbavati - Wildreservat durch.

    ,- .-/-

    Zurck Richtung Klaserie, dann auf der R40 nach Norden erreichen wir in wenigen Minuten das Kapama-Wildreservat, das einem Industriellen aus Pre-toria gehrt, der mit Maisverarbeitung reich geworden ist. Wir parken unseren Wagen im Schatten neben dem Geparden-Forschungszentrum (es heit nun nach einer Namensnderung Hoedspruit Research and Breeding Centre), doch davon spter.

    Mit einem Vierradfahrzeug werden wir zum hbschen kleinen Buffalo-Camp gebracht. Unser wohleingerichtetes Zelt (mit Garderobe) und die Auentoilet-te stehen auf einer hlzernen Plattform am Rand der Wildnis. Auch hier klemmt es wieder: Heies Wasser zum Duschen gibt es nur, nachdem der Wasserhahn zehn Minuten geffnet ist. So eine Vergeudung an kostbarem Wasser!

    Im Zelt steht eine Obstschale, die im Verlauf unseres Aufenthaltes immer wieder aufgefllt wird. Am Boden liegen Felle von Kudu und anderen Antilo-pen. Eine himmlische Ruhe! Richtige Buschveldatmosphre mit Vgeln rundherum und knackenden Tambuti-Samen, die durch die Hitze aufsprin-gen. Leider wird ab halb vier nachmittags der Dieselgenerator angeworfen und die Stimmung abrupt und ein fr alle mal zerstrt. Kann man das nicht machen, wenn die Gste auf der Nachtsafari sind?

    ber den Hof liegt der Eraum, der mit rustikalen Mbeln aus hochglanzpo-lierten Eisenbahnschwellen ausgestattet ist, mit Masken aus Malawi und Fi-

  • Safari vom Feinsten 171

    guren aus Victoria Falls an der Wand. Nur acht Personen sind gleichzeitig im Camp.

    Abends fahren wir zur Hhle des Lwen, einer Htte, die mitten im Lwen-gehege liegt. Auch dort kann man bernachten. Die Wege auf der Wildfarm sind gut. Es ist nicht zu bersehen, da die Wildfarm vor nicht allzu langer Zeit eine kommerziell genutze Viehfarm war, in die dann spter Wild einge-setzt wurde. Bei Biltong, Trockenwurst und einem Glas Wein genieen wir den Sundowner am Staudamm.

    Als wir uns nach dem Abendessen ins von Solarlampen beleuchtete Zelt zu-rckziehen, liegt eine Bettflasche bereit, da es im Winter empfindlich kalt werden kann. Vom nahen Flughafen Hoedspruit hren wir am nchsten Mor-gen den Lrm der startenden Hubschrauber. Es ist geplant, den Militrflugha-fen fr die zivile Luftfahrt freizugeben. Es ist natrlich klar, da es um die Ruhe im Camp geschehen sein wird, wenn u.a. auch Dsenmaschinen in Hoedspruit landen. Nach dem Frhstck besuchen wir das oben schon er-whnte Hoedspruit Research and Breeding Centre. Frher konnte man noch in engem Kontakt die Geparden betrachten, heute dagegen wird man mit ei-nem Kleinbus an den Gehegen vorbei gefahren. Nur einmal drfen wir aus-steigen. Und sehen nichts anderes als eine vermutlich verhaltensgestrte Serval-Katze. Der Reiz der Pionierzeit des Forschungs- und Zuchtzentrums fr Geparden und andere Raubtiere ist verflogen. Der Kommerz hat Einzug gehalten.

    01 234 5 6 7 8 9: ; < = < >?@So schnell, wie es die holperige und kurvige Pad zult, saust unser offener Safari-Gelndewagen durch das nchtliche Timbavati-Wildreservat. Steve fhrt den weich gefederten Landrover wie einen Beetle (VW-Kfer). Der Ln-di macht hohe Sprnge, wir mit ihm! Hinter der nchsten Gruppe von B-schen haben wir unser Ziel erreicht. Vollbremsung. Die Staubfahne holt uns ein. Sie lt das von unserem Tsonga-Tracker George gehaltene und uner-mdlich hin und her geschwenkte Spotlight zur Lanze werden, die die samtig

  • 172 Erlebnis sdliches Afrika

    warme Winternacht durchstt. Ein Dutzend Lwen liegt gemtlich vor uns und lt sich durch unsere bereilige Ankunft nicht im geringsten stren. Selbst wir alte Safari-Hasen sind von unserem Umlani-Safari-Team begeis-tert: George, der Tracker, und Steve, unser Ranger. Umlani-Bushcamp, so firmiert der Geheimtip von Safari-Begeisterten, ist ein von Marco Schiess, ei-nem Sdafrika-Schweizer geleitetes Unternehmen. Noch nicht genug, da wir inmitten einer 400 kpfigen Bffelherde Rast gemacht haben, eine Stun-de lang die gemchlich sich vorwrts bewegende 20 kpfige Elefantenherde (mit niedlichem Baby-Ele) begleitet haben.

    Lwen mssen her!, kam der Wunsch unter den Passagieren des Gelnde-fahrzeugs auf dieser sptnachmittglichen Safari auf. Deutsche, Kapstdter, ein Franzose, eine Schwedin waren sich einig: Lwen wren der krnende Abschlu des heutigen Tages! Nach den Antilopen, den Giraffenherden und Warzenschweinen, die sich hier tummeln, ist die Suche nach Lwen eine be-sondere Aufgabe fr den Tracker und den Ranger. Nur erfahrene Spurensu-cher (Tracker), die sich in dem Safari-Gebiet wie zu Hause auskennen, ha-ben berhaupt eine Chance auf Erfolg. Nach dem Sonnenuntergang fanden wir eine das Tageslicht scheuende African Wildcat und einige Ginsterkatzen (Genet), die im Autoschweinwerfer durch den Busch flitzten. Hynen galop-pierten neben dem Lndi her. Doch von Lwen keine Spur. Spannend!

    Links, rechts, links, rechts. Tracker George schien eiserne Muskeln zu ha-ben, so bestndig und scheinbar mhelos schwenkte er das Spotlight stetig durch die Gegend. Wenn irgend etwas in der Dunkelheit aufleuchtete, gab er Steve die Anweisung, anzuhalten, und ein anderes afrikanisches Nachttier wurde ausgiebig bewundert. In der Ferne zwischen zwei Baumgruppen wa-ren pltzlich hellbraune Leiber zu sehen. Wir pirschten uns nher. Die Lwen waren jedoch von unserer Annherung recht wenig angetan und verschwan-den schnell im undurchdringlichen Busch. Oh, die Enttuschung war gro.

    Doch unser Team machte einen Plan, wie es so schn im burischen Volks-mund heit. Die Pfade des Wildreservates genau im Kopf, fhrte George den

  • Safari vom Feinsten 173

    Wagen sicher bis zu der Stelle, wo wir wie gebannt auf unsere Beute stie-en, die sich nun ausgiebig fotografieren und filmen lt.

    Beim hervorragenden Abendessen im Kerzenschein, beleuchtet von einem bergroen afrikanischen Vollmond, loben wir unser Safari-Team, das sich sichtlich ber dieses Abenteuer freut. Das Umlani-Camp besteht aus einer kleinen Anzahl von reetgedeckten Htten am sandigen Trockenflu. Elefan-ten, Wasserbcke, alle mglichen Vogelarten, alle haben ungehinderten Zu-tritt zum Camp. Kein Zaun hindert die Wildnis Afrikas, von der mozambiqua-nischen und zimbabwischen Grenze bis hinunter zum Crocodile-River im S-den, unserem Camp einen Besuch abzustatten. Nur die Tatsache, da hier Menschen leben, scheint die greren und gefhrlicheren Tiere irgendwie davon abzuhalten, Touristen zu belstigen. Unsere Htte hat natrlich keine Tren. Die Wnde sind Strohmatten. Fr einen Elefanten wre es ein einfa-ches, hier mal kurz mit seinen Stozhnen die Moskitonetze zu durchstoen. Macht er aber nicht. Sondern lt nur ab und zu die Resultate seines un-glaublich schlechten Stoffwechsels im Flubett liegen.

    Steve bringt uns zu einer auf Stelzen stehenden Aussichtsplattform neben einem knstlichen Teich. Giraffen, Impalas, Warzenschweine gesellen sich zu Elandantilopen, die uerst foto - und videogen zum Umtrunk kommen. Ist nicht gerade Morning Walk, Evening Drive, oder Staudamm ange-sagt, genieen wir die Stille des einmaligen Camps in der Wildnis des Tim-bavati, nur von der Unterhaltung der beiden Putzfrauen unterbrochen. Nachts brllen in nicht zu weiter Entfernung dramatisch die Lwen, Hynen antwor-ten heulend. Natrlich gibt es hier in der Wildnis keinen Anschlu an das Stromnetz. Deswegen werden meine Videoakkus mit Solarstrom aufgeladen.

    Kurzcharakteristik von Umlani: 100%ige Buschatmosphre ohne Yuppie-Schnickschnack. Genau das Richtige fr den erlebnishungrigen Besucher.

    32 Kilometer von Umlani entfernt, ebenfalls im Timbavati gelegen, erreichen wir das Motswari Private Game Reserve. Dort parken wir unseren Passat und werden, nach einer langwierigen Anmeldung, die aufgrund der falschen bermittlung unserer Buchung vom Buchungsbro in Johannesburg mehr als

  • 174 Erlebnis sdliches Afrika

    eine Viertelstunde dauert, per Landrover zum 10 km entfernten Luxuscamp Mbali gebracht. Auf der Fahrt dorthin finden wir immer wieder frische L-wenspuren. Die Warthogs scheinen das zu wissen, flitzen sie doch heute sehr aufgeregt knapp vor dem Landrover ber die Strae.

    AB CDEF G

    Mbali liegt am Hang eines Hgels, mit Blick zum aufgestauten Sharalumi-Flu. Auf einer Plattform mit Stelzen stehen Zelte mit 2-3 Betten. ber der Plattform ein Strohdach. Dusche und WC im Keller der Einheit. Der Spl-kasten des WCs wird von kleinen Frschen bewohnt. Das Wasser luft permament, da die Dichtung nicht schliet, und wird auch noch laufen, wenn wir nach mehreren Hinweisen, nach 2 bernachtungen das Camp verlassen.

    Neun dieser Zelteinheiten stehen in gebhrendem Abstand voneinander, alle mit Blick auf den Staudamm. Bei der Fahrt mit einem der beiden Boote brau-chen wir Geduld und Ausdauer: Wir gleiten mhelos dahin, sehen in einer halben Stunde etwa 30 Vogelarten. Wasserbcke durchqueren spritzend den Staudamm, Impalas scheuen zurck, Paviane spielen am Ufer. Auf dem Ver-bindungsweg zwischen Zelt und Bootsanlegestelle liegt Elefantenkot. Er dampft noch. Mig zu erwhnen, da es hier auch keinen Zaun gibt, der das Camp von der Wildnis trennt.

    Und wieder ein Game-Drive am Sptnachmittag. Erstes Wild: Eine Hyne. Erstaunlich, was ein Gelndefahrzeug alles vermag. Kreuz und quer geht es in allen mglichen Schrglagen durch das Gebsch, durch den herbstfarbi-gen Mopane-Wald. Die Bume und Bsche werden nicht geknickt, sondern richten sich hinter dem Lndi wieder auf.

    Dann wird es still. Ranger Matthew und Tracker John (wei und schwarz, in dieser Reihenfolge) verschwinden mindestens eine halbe Stunde im Busch, doch sie kommen achselzuckend und mit leeren Hnden wieder. Sorry. Der Himmel ist bedeckt. Es ist kalt. Das reichliche und geschmackvolle Abendes-sen wird im Halbkreis ums Lagerfeuer auf der Aussichtsterrasse von Mbali

  • Safari vom Feinsten 175

    serviert. Die Lwen, die wir nicht gefunden haben, und die Hynen, jetzt h-ren wir sie, die ganze Nacht hindurch. Unter dem Moskitonetz fhlen wir uns sicher vor den groen Bestien, und vor den kleinen, die Malaria-Krankheit bertragenden.

    Im Morgengrauen, nur ein Rusk und Tee im Magen, finden wir auf einem Game-Drive vier Lwen sowie mehrere Bffel. Die blichen Antilopen brau-che ich nicht mehr zu erwhnen. Zurck im Camp ziehen wir die Winterklei-dung aus, die wir auf dem Landrover wegen der Klte bentigt haben. Unten auf dem See fhrt jemand Boot. Ein Fish-Eagle (Schreiseeadler) lt seinen schrillen Ruf bers Wasser schallen. Das Frhstck bricht jeden Rekord, den ich im sdlichen Afrika im Busch erlebt habe: Frisches Brot, Kse, wie wir ihn in Sdafrika noch nie bekommen haben (wird in Nelspruit von einem Deut-schen gefertigt), und mehrere Gnge von herzhaften Speisen sorgen dafr, da wir den Tag berstehen.

    Der Rest unseres Aufenthaltes ist schnell erzhlt. Ein informativer Morgen-spaziergang im Busch, mit zwei bewaffneten Rangern, dann Siesta, das Wasser im Klo luft noch immer, dann ein Evening-Game-Drive mit einem Rudel Lwen. Am Morgen unserer Abreise wieder ein Lwenrudel. So viele Lwen, wie uns die Tracker in den privaten Wildreservaten am Krgerpark in den letzten paar Tagen serviert haben, sind mir in den ganzen sechs Jahren meiner Touren im sdlichen Afrika nicht untergekommen. Hut ab vor den Rangern und Trackern im Sabi-Sands- und Timbavati-Game-Reserve!

    Motswari verlassen wir um die Mittagszeit, die Teerstrae erreichen wir nach 41 Kilometern. ber den Abel-Erasmus-Pa und Middelburg kommen wir nach 480 km Fahrt kurz nach 17 Uhr in Pretoria an, ziemlich sicher, da wir in den nchsten zwei Wochen, voll von starken Eindrcken, sicherlich keine Safari mehr brauchen. Doch wer wei, wann uns the real Africa wieder lockt? Die Erfahrung zeigt, da schon bald wieder der Wunsch entsteht, Wild in freier Natur zu beobachten.

  • 176 Erlebnis sdliches Afrika HI JLKM N K O P QR S

    Bitte informieren Sie sich zu Hause und in Apotheken in Sdafrika, welche Malaria-Prophylaxe zur Zeit in Mode bzw. wirksam ist. Touristen aus Europa machen gerne den Fehler, berproportionierte Medizin mitzubringen, die ei-gentlich nur fr die Behandlung, nicht aber fr die Prophylaxe der Malaria er-funden wurde. Hulala Lakeside Lodge, Reservierungsbro Johannesburg: 0027-11-788-1258/9, Fax -0739. Info auch bei der Lodge, P O Box 1382, 1240 White Ri-ver, Sdafrika. Djuma Bush Lodge, P O Box 338, 1363 Hluvukani. Lodge-Fon und Fax: 0027-1311-65118. Reservierung auerdem unter: 0027-11-789-2722. Von dieser Lodge habe ich ab Dezember 1995 trotz mehrerer Briefe, Faxe und Anrufe keine Ausknfte bzw. Antworten mehr erhalten. Es kann also nicht unbedingt davon ausgegangen werden, da sie noch auf dem Markt ist. Moholoholo: P O Box 58, 1381 Klaserie. Fon: 0027-1528-35236, Fax: -35874. Kapama Game Reserve und Hoedspruit Research and Breeding Centre: Info und Reservierung in Pretoria: P O Box 912-031, 0127 Silverton. Fon: 0027-12-804-1711, Fax: 0027-12-86-1237. Umlani Bushcamp und Trails. P O Box 26350, 0007 Arcadia, Pretoria. Fon: 0027-12-329-3765, Fax: -6441. Mbali: P O Box 67865, 2021 Bryanston. Fon: 0027-11-463-1990, Fax: -1992.

    Zulu - Nyala - Safaris: Naturerlebnis im Zululand Spezialisten fr ko-Tourismus: Telefon und Fax: 0027-35-56 20 169

  • 178 Erlebnis sdliches Afrika

    Im Herzen des afrikanischen Buschfeldes, wo die Ebenen goldbraun leuch-ten, zahlreiche Schattierungen von Grn das Grasland charakterisieren und die Berge in blulichem Licht schimmern, da liegt in warmen Schein der rot-golden untergehenden afrikanischen Sonne die Mabula-Game-Lodge. So etwa stehts im Prospekt eines bekannten privaten Wildreservates, das nur 1 Autostunden von Pretoria entfernt gelegen ist. Wesentliches Merkmal der Lodge: Es gibt dort keine Malaria-Moskitos. Prophylaxe ist also nicht ntig.

    Wir werden von einem Grnen empfangen. Ein brtiger Game-Ranger mit Pfeife und grnem Nato-Anorak erklrt sich bereit, unser Gepck zu einer der Bungalows zu schleppen.

    Unser Domizil fr das verlngerte Wochenende liegt in einem strohgedeckten Huschen, genauer gesagt, auf der rechten Seite eines Doppelhauses. Drei Betten stehen drin, mit Decken in afrikanischen Mustern, passend zu den Vorhngen. Wir fhlen uns sofort wie zu Hause in dem gemtlichen Zimmer. Telefon, Klimaanlage, Radiatorheizung, ber dem Doppelbett zwei Moskito-netze fr die feuchte Jahreszeit, ein Heiwasserbereiter fr Tee oder Kaffee. In einem Krbchen Teebeutel, lslicher Kaffee, Zucker, Kaffeesahne.

    Drauen vor dem Chalet rauscht der (knstliche) Wasserfall und mndet in einen Swimmingpool, an dem Tische und Sthle stehen. Nur ein paar Meter ist es zum Restaurant und zur Boma. So wird ein mit Baumstmmen einge-zunter kreisrunder Platz, wo abends zum Schein des prasselnden Lager-feuers feudal gespeist werden kann, genannt.

    Auf dem Weg durchs Camp ist mir ein Schild Hippo-Pool aufgefallen. In Wirklichkeit sind dies zwei Wasserlcher, mit einer strohdachgedeckten Ter-rasse davor. Hier kann man also Hippos beim Trinken betrachten. Ein Schild besagt, da der sdafrikanische Auenminister Pik Botha vor einigen Jahren

  • Mabula Game Lodge 179

    eine handvoll Flupferde offiziell hier freigelassen hat. Lange her. Von den Hippos keine Spur. Die Sonne ist mittlerweilen als glhendrote Scheibe untergegangen. In der Ferne hrt man Afrika: Schwarze singen mit wohlklingenden Stimmen das Wochenende ein. An einem Pfosten, auf dem das Reetdach ruht, hngt ein Schild: Nicht auf der Einzunung sitzen, auch nicht darbersteigen! Men-schen knnen bei unseren Krokodilen Verstopfung hervorrufen! Im Dunkeln gehe bis zum Rand der Terrasse. Nur die Sterne weisen mir den Weg. Es raschelt im Gebsch. Ein Hippo? Sicherlich nur ein Impala, das Durst hat. Nur etwa sechs Meter von mir schiebt sich ein gigantisches spitz zulaufendes Horn ber den Hgel. Ein massiver schwarzer Krper wuchtet sich hoch und kommt auf mich zu. Ein Nashorn! Die Anlage sollte vielleicht besser Rhino-Pool heien. Ich verhalte mich still, den zwischen mir und dem niedlichen Tierchen ist nur eine etwa kniehohe Terrassen-Umrandung. Offensichtlich steht der Wind gut, oder das Rhino hat nichts gegen mich. Es teilt in gemessenem Schritt das mannshohe Reet-Gras, stampft an mir vorbei und gelangt, ohne mir ein Haar zu krmmen, das mir zu Berge steht, zum Pool. Es verschwindet in der Dunkelheit. Das war genug Wildlife fr heute, beschliee ich. Es ist betrchtlich kalt. Highveld-Winter. Und da wollen die drauen das A-bendessen servieren? Da dies aber mglich ist, erfahren wir am eigenen Leibe. Ein reichliches Abendessen-Bffet ldt zum Genieen ein. Von Suppe ber Gegrilltes und Gulasch bis zu vielerlei Kse und einigen Nachtischen reicht das Angebot. Damit wir nicht frieren, haben wir uns einen Platz am hochschlagenden Lagerfeuer reservieren lassen. Zwischen den Tischen ste-hen durchlcherte hohe Blechkanister mit glhender Holzkohle. Das wrmt. Auf der Rotweinflasche steht: Mabula-Red; darunter: Bottled by Simonsvlei, einem Weingut in der Kapprovinz. Zwischen 3. Hauptgang und dem Kse tanzen unter Gesang und Trommel-klngen fnf traditionell gekleidete schwarze Frauen in die Boma. Die Be-leuchtung des Bffets wird abgedunkelt, ein dezenter Hinweis, da Essenho-

  • 180 Erlebnis sdliches Afrika

    len nunmehr nicht erwnscht ist. Traditionelle Gesnge schwarzer Vlker werden vorgetragen, dann auch - es wird richtig feierlich - das bekannte Lied Nkosi sikelel i Afrika, das in jngster Zeit sogar zum Bestandteil der sdaf-rikanischen Nationalhymne wurde. Einige der Musikstcke erfordern peinlich genaue Choreographie, wenn nmlich die Sngerinnen mit hoher Geschwin-digkeit in zwei gegegenlufigen Kreisen haarscharf aneinander vorbei um das hohe Lagerfeuer tanzen. Afrika, wie der Tourist es gerne sieht! Zweiter Tag in der Game-Lodge: Mein Armbanduhrwecker piepst um 6 Uhr. Fnf Minuten spter klingelt das Telefon: Hier ist Ihr Ranger Quentin, hre ich immer noch schlaftrunken. In einer halben Stunde fahren wir los! Tatschlich werden wir noch rechtzeitig fertig. Warm anziehen, heit die De-vise. Die Temperatur liegt sicher unter Null Grad. Als wir in einem offenen vierradgetriebenen Fahrzeug das Lager verlassen, haben wir Decken auf den Knien und eine Kapuze ber dem Kopf. Gerade eben geht rtlich-golden die Sonne auf. Ich verstehe nicht, warum Quentin zwar einem warmen Nato-Anorak, aber nur eine kurze Hose anhat. Seine Hnde sind schon ganz blau, seine Beine rot. An einer mindestens 5 m hohen Umzunung hlt Quentin den Toyota Landcruiser an. In diesem Grogehege halten wir Leoparden, erklrt er. Warum sie nicht frei herumlaufen, mchte ich wissen. Der Zaun um die 8.000 Hektar umfassende Game-Farm ist nicht hoch genug. Sobald eines der sehr teuren Raubtiere die Farm verlt, wird es von einem der ringsum wohnenden Vieh Farmer erschossen. Mit den Lwen und Geparden ist es genauso. Wir haben sie alle in sehr groe, mit hohem Zaun umgebene Ge-hege gesetzt. Wie groe niedliche Katzen kommen zwei Leoparden an den Maschenzaun. Finger weg, kommandiert Quentin, als sich eine mitfahrende Dame dem Gitter nhert. Vor einigen Woche hat dieser Leopard jemandem das ganze Bein aufgerissen! Die Maschen sind gro genug fr die Leoparden-Pfote. Im nahegelegenen Cheetah-Gehege ersphen wir die beiden weiblichen Ge-parden erst nach einigem Suchen. Der mnnliche Cheetah floh letztes Jahr,

  • Mabula Game Lodge 181

    als ein alter Elefant den Zaun des Geheges eindrckte, wie Quintin berichtet. Das Buschveld liegt im warmen goldenen Glanz der aufgehenden Sonne. Langsam gleitet unser Landcruiser auf staubigen Pads durch mannshohes Gras. Aus diesem Gras machen wir unsere Reet-Dcher, weist uns Quentin hin. Warzenschweinfamilien, die mit erhobenem Schwanz das Weite suchen, Im-palas, Spuren von Nashrnern, Haufen von Nashrnern, und zu guter Letzt Nashrner selbst: Eine Nashornmutter mit Kind. Wir bleiben in sicherer Dis-tanz. Ohne Fernglas wre das Erlebnis nur halb so schn. Unter Dornbusch-Akazien weiden Wasserbcke, graue Tiere mit dem charak-teristischen weien Kreis ums Hinterteil. Auch Gnus (die Afrikaner sagen Wildebeest dazu) stehen auf der weiten Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckt, wo die blulich schimmernden Waterberge aufragen. Kudumnn-chen mit mchtigem gedrehtem Gehrn blicken zunchst verdutzt, und su-chen dann eilig das Weite. Auch in der Luft und auf den oberen Zweigen der ste tut sich was: Der vl-lig schwarze Forktailed Drongo mit dem geteilten langen Schwanz, dann einer oder zwei Lilacbreasted Roller, lila und hellgrn, ein Fish-Eagle (Schreiseeadler) auf einem toten Baum in der spiegelglatten Wasserflche einer der Staudmme, die schon jetzt, am Beginn der Trockenzeit, zu wenig Wasser haben. Auf der Weiterfahrt einige junge Giraffen, die majesttisch die Welt von oben her betrachten, erstaunlich wenig Zebras (Burchells Zebras, die mit den dunklen Schatten auf den weien Zebrastreifen). Ein Krokodil teilt gemch-lich die Oberflche eines anderen Staudammes, der von silbrig glnzendem, blhendem Schilf bestanden wird. Langsam wird es wrmer. Unsere Nasenspitzen tauen langsam kribbelnd auf. Wo war er nur, der Kadaver? murmelt Quentin vor sich hin. Irgendwo hier sollte er doch gewesen sein. Fnf Minuten spter sind wir am Tatort. Ein hal-bes Impala liegt neben der Landcruiser-Spur: Da war gestern eine Serval-Katze zu Besuch. Am nchsten Tag wird nur noch ein Viertel des Tieres zu

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    sehen sein. Aus leeren Augenhhlen glotzt uns die lebendig so hbsche An-tilope an. Nach zwei Stunden ist die morgendliche Ausfahrt beendet. Immer noch recht frisch blst uns der Fahrtwind um die Ohren. Ein reichhaltiges Frhstcksbuf-fet, diesmal im Restaurant unter Dach, fllt unsere hungrigen Mgen. Warme Leber, Speck mit Rhr-oder Spiegelei, Zucchini in Tomatensoe, leckere ge-bratene Champignons oder einfach nur ein Aprikosenmarmelade-Brtchen zum Tee. Fr jeden Geschmack ist gesorgt, und wer will, holt sich einen Jo-ghurt mit Ananas zum Abschlu. Beim ausgedehnten Frhstck lt sich gut fachsimpeln: wer schon wo wieviele Impalas, Hippos, Nashrner gesehen hat, warum in Kenia mehr Wild als in Sdafrika vorkommt, wo wer herkommt, und wie lange der ein oder andere noch in Sdafrika unterwegs sein wird. Am Hippo-Pool liegen jetzt die zwei Krocs lethargisch in der Sonne. Sie sind fast vllig mit der Umgebung verschmolzen. Eines der Krokodile ist etwa 4 m lang. Es rhrt sich nicht. Vielleicht eine Attrappe? An Vgeln entdecke ich Kingfisher (Eisvogel) und einen Fischreiher. Lrm dringt von einem Baum herunter. Solche Vgel kennen ich noch nicht, denke ich mir, und untersuche die Quelle des Lrms grndlicher. Vgel, denkste! 4 Eichhrnchen - hnliche Lebewesen piepsen stakkatomig un-entwegt, wobei bei jedem Pieps der buschige Schwanz hochgeht. Ich habe beschlossen, eine Wanderung zum Sunset Hill zu machen. Auf einem noch etwas besser auszuschildernden Weg (selbst der in der Rezepti-on erhltliche Plan kann einen nicht vorm Verirren schtzen) stapfe ich durchs gelbbraune hohe Gras, zwischen Felsen, Bumen und Bschen ent-lang einer Hgelkette. Erstaunlich, wieviel hier gebaut wird. Timeshare heit das Schlagwort. Der Wildnis-hungrige Stdter kann hier pro Jahr eine gewisse Zeit in einem reetgedeckten Huschen kaufen. Drei Siedlungen sind auf diese Weise auf dem Farmgebiet entstanden. Und es wird weiter gebaut! Wo die Mischmaschinen laufen, ist natrlich kein Wild zu sehen. Den Sunset Hill, den ich nach einer Stunde erreiche, krnt ein riesiges Wasserreservoir. Offenbar wird von hier aus die ganze Farm samt Timeshare

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    und Lodge mit Wasser versorgt. Ein frstlicher Rundumblick, auf der einen Seite auf die Ebene bis zu den Waterbergen, auf der anderen Seite in den Dunst des etwa 80 km entfernt liegenden Groraums Mamelodi-Pretoria, ent-schdigt mich fr die vergossenen Schweitropfen.

    Und es gibt es doch, das Wild hier, im zivilisierten Teil der Farm: Durchs Fernglas kann ich einen groen grasenden Kudubullen erkennen, nicht weit vom Wanderweg entfernt!

    Kurz vor dem Mittagessen inspizieren wir die angebotenen Fitnesseinrich-tungen und vergngen uns an einem Tischtennismatch. Nebenan kann man Squash spielen und Gewichte heben. Im ehemaligen Informationszentrum kann man saunen. Im Sonnenschein liegen einige Tennispltze, im Haus sehen wir die Lodgegste am Poolbilliardtisch. In der wrmeren Jahreszeit werden die beiden Swimmingpools gerne benutzt.

    Die Nachtsafari (hier Game Drive genannt) fhrt uns in einen anderen Teil der riesigen Farm. Hier scheint es nicht so viele wilde Tiere zu geben. Die Kaltfront, die von Kapstadt langsam Richtung Zimbabwe wandert, hat uns voll erfat. Trotz Decke ber den Knien frieren wir wie die Schneider. Da freut es uns, als Quentin zum Sundowner an einem Teich anhlt. Zwei Fahrzeuge samt ihrer menschlichen Ladung warten schon. Im Hintergrund tummelt sich eine Flupferdmutter mit ihrem Jungen im Wasser. Die Sonne ist hinter den Hgeln verschwunden. Jetzt findet der zweite Sonnenunter-gang statt. Noch einmal leuchtet der Horizont auf. Am Firmament glitzern die Sterne auf einem stahlblauen Hintergrund, zum Westen hin stufen sich dann alle Rottne ab, bis uns endlich samtschwarze Nacht umgibt. Quentin ent-schuldigt sich, da er das vorbestellte Coke auf Eis gelegt hat. Die Fahrgste umklammern den Drink mit steifen Fingern. Ich habe eine Flasche Roten samt Glas mitgebracht. Whrend die anderen ihr eiskaltes Cola hinunterwr-gen, geniee ich meinen sdafrikanischen wohltemperierten Rotwein, der, je lnger er im Glase verbleibt, immer khler wird. Glhwein wre natrlich jetzt noch besser als Rotwein.

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    Bei der anschlieenden Nachtfahrt erweist sich Quentin als Multitalent. Er sitzt auf der Wagentr, gibt mit einem Bein Gas, lenkt mit der rechten Hand, und leuchtet mit der linken Hand mit einem starken Strahler im nchtlichen Buschveld umher. Ab und zu leuchten unheimlich glhende Augen aus dem Dunkeln auf. Impala, oder Steenbok, oder Blesbok erklrt er dann nach einem kurzen Kennerblick. Eines der Tiere verfolgen wir dann ber Stock und Stein quer durch den Busch. Nicht um zu schieen oder zu fotografieren, nur damit uns die Klte nicht zu sehr bewut wird.

    Blesbokbraten (mit Preiselbeeren) gibt es dann auch beim Abendessen im Restaurant. Ich bin ber den Besuch von einer Gruppe Taiwanesen sehr dankbar. Sie haben die Boma zum Dinner reserviert. Es ist bedeutend frosti-ger als gestern, und ich bezweifle, ob die mit glhender Kohle gefllten Busch-fen diesmal viel Wirkung zeigen.

    Am Sonntag morgen sind alle 8 Safarifahrzeuge in Aktion. Wir wechseln un-ser Safari-Befrderungsmittel und steigen auf Pferde um. Mabula ist eine der wenigen Reservate in Sdafrika, wo man sich auf Pferdesrcken fast haut-nah dem Wild nhern kann, das sich von ein paar Pferden kaum stren lt. Aber wehe, man kommt zufu, dann stieben die Zebras und Impalas in Win-deseile von dannen.

    Zwei Landrover voll gespannter Touristen fahren zu den etwa 10 Minuten ent-fernten Stllen. Als wir an der Landebahn des kleinen Buschflugplatzes vor-beifahren, hlt unser Landi pltzlich an: Alle schauen wie gebannt nach rechts. Dort, im hohen gelben Gras des herbstlichen Buschveldes kaum zu sehen, sen friedlich drei Breitmaulnashrner. Die besuchen wir gleich zu Pferd, lt sich unser schwarzer Fahrer vernehmen. Au weia, ist das nicht ein bichen riskant, schiet es mir durch den Kopf, mit Blick auf die langen spitzen Hrner der Rhinos.

    Und so kommt es, da wir fest im Sattel sitzend hintereinander von den Stl-len aus in gemtlichen Tempo Richtung Landebahn reiten. Etwa 10 Meter von den Rhinos entfernt halten wir an. Urweltliche Tiere sind das! Eine hb-sche Rhinofamilie: Papa, Mama und das drollige Kind, mit einem stumpfen

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    Hornansatz. Vielleicht sind es die Ansammlung der Pferde (mehr als ein Dut-zend), vielleicht die klickenden Fotoapparate, die Nashrner werden langsam unruhig. Zeit fr den Ranger, uns ein Zeichen zum Weiterreiten zu geben. Zwei Stunden spter sind wir ausgeruht und hochzufrieden mit dem, was wir erlebt und gesehen haben. Das herrliche unberhrte Buschveld, ber dem sich ein knallblauer Himmel wlbt, die klare reine Luft. Vorbei an Staudm-men, an denen faul in der Sonne Krokodile liegen. Wir haben zum Berhren nah verschiedene Arten von Antilopen gesehen, die Vogelwelt bewundert und entspannt das ungewohnte Fortbewegungsmittel genossen. Besonders in Erinnerung wird eine zweite Nashorngruppe bleiben, eine Mutter mit Kind. Das Baby-Nashorn hat schon ganz schn Dampf drauf gehabt: Noch kein Horn auf der Nase, aber schon einen Scheinangriff auf die Pferde wagen! Doch keine Gefahr fr Pferde oder Reiter. Von der ganzen Gruppe auf dieser Safari sind alle zufrieden, obwohl ber die Hlfte noch nie auf einem Pferd gesessen ist. Ein Erlebnis, das ich nicht missen mchte.Eine Viertelstunde Fahrt entfernt ist ein eingezuntes Stck Buschveld zu finden, das Lwenge-hege. Dort kann man zwei Mal wchentlich eine Lwenftterung beobachten. ! "$# %Wegbeschreibung (von Pretoria aus): Auf der Autobahn N1 nach Norden. Verlassen Sie die Au-tobahn bei der Ausfahrt Warmbad. 110 km nach Pretoria erreichen Sie den Badeort. In Warmbad den Schildern Thabazimbi und Mabula Game Lodge folgen. Auf einer guten Teerstrae 37 km Richtung Thabazimbi, dann nach rechts abbiegen. Noch 11 km auf Gravel-Strae bis zur Lod-ge.Buchung und Auskunft: Mabula Game Lodge, Private Bag X22, ZA-2124 Bryanston. Telefon: +27-11-463-4217, Fax -4299. Preise, ohne Gewhr, nach dem Wechselkurs vom Juni 1995: Pro Nacht und Person im Doppelbettzimmer am Wochenende: 220.- DM.

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    Ein 2-Wochen-Trip an die Kste KwaZulu-Natals Die Osterferien ntzen wir fr einen kombinierten Wander- und Badeurlaub. Wir verlassen Pretoria um kurz vor 10 auf der N1 Richtung Johannesburg. Wir umfahren die Stadt auf der Nationalstrae N3, die uns Richtung Durban fhrt. Auf der Mautstrecke ab Villiers spart man nicht viel Zeit, also fahren wir die Alternativroute ber Cornelia (R103). In der Nhe von Harrismith (322 km ab Pretoria) tanken wir bei Ultra City.

    Viele Reisende bersehen in Harrismith das Schild Betlehem und landen so ungewollt am Van Reenen - Pa, ber den die N3 nach Durban zieht. Wir fahren ab Harrismith die N5 gen Westen, biegen aber nach ein paar Kilome-tern in die R712 und darauf in die R615 Richtung Bergville ein. Am Oliviers-hoek-Pa (1740 Meter) bewundern wir die grandiose Aussicht ber das Tief-land. Da die Souvenirverkufer auf der Pahhe hbsche Flechtwaren anbie-ten, kaufen wir einen Sotho-Hut und einen Obstkorb aus Stroh.

    ! "# $%

    Beim Schild Northern Berg biegen wir rechts ab und fahren eine geteerte Strae bis fast zum Eingang des Royal Natal National Parkes (siehe auch Farbbild). Ein Schild weist uns nach der Brcke ber den Tugela den Weg zum Karos-Hotel Mount-aux-Sources, das wir ber eine kurze ungeteerte Strae um halb drei nachmittags erreichen (405 km ab Pretoria).

    Kurz vor dem Hotel liegt idyllisch im Tal der Rugged-Glen-Campingplatz, den wir vor Jahren schon einmal aufgesucht haben, mitten in einem Wldchen an einem Fischweiher. Schon vom Campingplatz her sieht man die an einem Berghang gelegenen schmucken Huschen, die Karos im Timeshare-System (Zeitmiete) anbietet. Ein groes eingezuntes Areal wird von diesen im Halbkreis gebauten Chalets umgeben, nach oben hin durch das eigentliche Hotel mit seiner Aussichtsterrasse abgeschlossen. Dort splen wir uns nach

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    der langen Fahrt erst einmal den Staub aus der Kehle - mit Blick auf das Rugged-Glen-Naturreservat, Teile des ehemaligen Homelands KwaZulu mit Rundhtten der Zulus, die Amphitheater genannte Gebirgskette (ca. 3000 Meter hoch) mit dem Sentinel, einer schroffen Erhebung, zu ihrer Rechten.

    Vllig unerwartet zieht der Himmel zu, und gegen Abend prasselt ein Hagel-schauer nieder, der die Luft merklich abkhlt. Ein prasselndes Feuer im offe-nen Kamin des Aufenthaltsraumes kommt da gerade recht. Von unserem Zimmer aus, das ein Doppel- und zwei Einzelbetten (gerade lang genug fr Kinder) hat, sehen wir auf den Wiesenhang, den Bowling-Platz und ein gro-es Schwimmbad. Einige Zimmer haben Balkon, manche Terrasse zum wei-ten Hang hin, nur ein paar Meter vom Freiluftschach und Volleyballfeld ent-fernt. Das Hotel bietet fr schlechte Tage einen Video-Kanal im Fernsehen an. Fnf Videos, deren Titel bei der Rezeption angeschlagen sind, werden gezeigt.

    Der Koch, ein Schotte, hat Talent: Wir essen zu abend vom Buffet und vom Feinsten! Am nchsten Tag: Das schlechte Wetter ist wie weggeblasen. Nur einige Wlkchen treiben am Himmel dahin - genau das Richtige zum Wan-dern!

    Im Zimmer des Karos-Hotels liegt eine Broschre mit Wandertips aus. Eine Vielzahl von Wanderungen aller Schwierigkeitsgerade werden da beschrie-ben. Wir wollen eine 3-stndige leichte Wanderung zum Fu des Kamelh-ckers (Camels Hump) machen. Auf einem undeutlich markierten Pfad, der gleich hinter der Hotelanlage beginnt (Personal fragen!) steigen wir hoch. Als wir nach 40 Minuten Rast machen, blicken wir ber grne Matten, im Hinter-grund das Amphitheater, das nun fast vllig von Wolken eingehllt ist.

    Ich erinnere mich an unsere Tour zum Tugela-Wasserfall vor fast einem Jahr. Wir hatten uns bei Campers Corner in Johannesburg ein Wohnmobil geholt und fuhren zuerst zum Campingplatz des Golden Gate Nationalparks. Dort wanderten wir in herbstlicher Landschaft ber Berg und Tal, immer in Sicht-weite der sagenhaften Felsformationen, die wie Pilze aussehen (siehe Farb-bild). Am nchsten Tag weiter ins Quaqua-Gebiet, durch Phuthaditjhaba, die

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    Hauptstadt des ehemaligen Homelands, zum Parkplatz unterhalb des Senti-nel. Eine Tageswanderung brachte uns zur Hochflche des Amphitheaters, das letzte Stck muten wir ber eine Kettenleiter hochsteigen. Dort oben in ber 3000 Metern kann man tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen. Ein unvergeliches Foto scho ich am Rande des Tugela-Wasserfalles, wo der noch klare und junge Tugela hunderte von Metern in die Tiefe strzt, und nach freiem Fall im Royal-Natal-Nationalpark auftrifft. Von dort oben sahen wir auch den Camels Hump, an dessen Fu wir jetzt sitzen und Pause machen.

    Eine gute Mglichkeit, nach der Wanderung auf dem Amphitheater zu ber-nachten, wenn man nicht gerade mit dem Wohnmobil unterwegs ist, bietet das Fika-Patso-Mountain-Resort (siehe Anschrift am Ende des Kapitels).

    Als wir nach dieser leichten Wanderung vom Kamelhcker wieder ins Mount-aux-Sources-Hotel zurckkommen, springen wir in den glasklaren Pool. Es gibt brigens auch einen beheizten Pool auf dem Gelnde, gleich neben dem Minigolfplatz mit der wohl schnsten Bergsicht in Sdafrika.

    Hier knnte man gut und gerne eine ganze Woche verbringen, mit Besuch im Nationalpark (Hotel und Campingplatz) nebenan, doch uns zieht es weiter an die Kste. Auf der N3 (teilweise mautpflichtig) fahren wir durch voralpine Landschaft Richtung Durban, biegen aber kurz vor Durban auf die N2 nach Norden ab. Kurze Zeit spter kommt die Ausfahrt nach Umhlanga Rocks, die auch mit einem Hinweis auf die Nationale Hai-Verwaltung, einem Schild mit dem Symbol eines Haies ausgezeichnet ist. Das OysterBox-Hotel in Umh-langa Rocks erreichen wir 3 Stunden und 295 Kilometer nach unserer Ab-fahrt aus den Drakensbergen.

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    Das Oyster-Box-Hotel liegt direkt am Strand von Umhlanga Rocks, am Hang oberhalb des bekannten Leuchtturms, auf einem mit subtropischen Pflanzen bewachsenen Gelnde von mehr als 20.000 Quadratmetern. Seit jeher ist

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    das schon aus der Pionierzeit stammende Hotel fr seine echt englische E-leganz und fr seinen Komfort berhmt. Von den vorderen Zimmern hat man einen freien Blick auf den Strand, den groen Swimmingpool und den war-men Indischen Ozean, bis hin zu der Hafenstadt Durban. Wenn man aller-dings ein Zimmer mit Meerblick und Terrasse bewohnt, hat man nicht viel Ruhe, da die Terrasse den direkten Zugang zum Schwimmingpool darstellt. Frau Hill, von irischer Abstammung, hat hier in den 40er Jahren mit einer Blechbaracke angefangen. An der Kste des Indischen Ozeans, nrdlich von Durban, war seinerzeit noch fast undurchdringlicher Dschungel. Von ihrer Ba-racke aus verkaufte sie Tee und Gebck. Und so entwickelte sich langsam, durch Zukauf von Land und Bau von Hotelgebuden, das immer bekannter werdende Hotel Oyster Box, die Austernschachtel. Wir beziehen einen Bungalow, der statt Sicht auf den Strand und Ozean von der Terrasse aus Sicht auf den Tennisplatz hat. Innen zwei Rume plus Bad/Dusche/Toilette. Klimaanlage und Khlschrank gehren zur Standard-ausstattung. Rund um das Huschen ein subtropischer Garten, der von ei-nem Heer von Angestellten gepflegt und tglich bewssert wird: Hibiscus, Papageienpflanzen (Strelitzia), Baumfarne sind nur ein kleiner Teil der Pflan-zenarten, die hier gedeihen. Eine Vielfalt von Vgeln bevlkert den Park. Am Leuchtturm selbst finden wir keinen Badeplatz. Wir packen unsere Surf-bretter und kommen schon in 5 Minuten am Strand entlang an eine sandige Stelle. Umhlangas gepflasterte Strandpromenade, die hinter den luxurisen Ferienapparments und Hotels mit phantastischer Aussicht auf den Strand und Ozean verluft, ist 2,7 km lang und ideal zum Joggen oder Bummeln. Die an der Nataler Sdkste erhltlichen Surfbretter werden Body - oder Boogie - Boards genannt. Sie sind krzer als die in Deutschland blichen. Da Schwimmen am Indischen Ozean nur in wirklich wellengeschtzten Buch-ten oder in sogenannten Felsenpools mglich ist, sieht man Wasserratten wie uns auf den Surfbrettern liegen und die geeignete Welle abwarten, um dann mit einem Schwung in erstaunlicher Geschwindigkeit an den Strand gesplt zu werden.

  • 192 Erlebnis sdliches Afrika 78 9 :; < =

    Der Natal-Sharks-Board (Haifisch-Verwaltung), eine Gesellschaft, die fr den Schutz der Badenden vor Haien zustndig ist, hat an vielen Stellen der Kste entlang Hainetze an Bojen aufgehngt, die die gefhrlichen Menschenfresser von ihrer Lieblingsttigkeit abhalten sollen, Badende und Surfende zu ver-speisen. Ganz so schlimm sind die Haie an Natals Kste nicht, sonst gbe es mehr Opfer. Der Sharks Board kann Ihnen mehr davon erzhlen. Er resi-diert auf einem Hgel oberhalb Umhlangas. Vielleicht fahren Sie sogar an dem Gebude vorbei, wenn Sie von der Nationalstrae N2 auf Umhlanga zu fahren. Frher konnte man an wenigen Tagen der Woche die Sezierung eines Haies betrachten. Ich habe jetzt noch in Erinnerung, wie die Touristen mehr oder wenig auffllig sich die Nase zuhielten, da ein ein - bis zwei Tage toter Hai nicht mehr ganz frisch riecht. Heute, mit dem Einzug der modernen Technik auch beim Sharks Board, wird auf 15 Meter langen Leinwnden eine neue Perspektive dieser uralten und faszinierenden Geschpfe des Meeres ge-zeigt. Auf drei Leinwnden erzeugt man eine 120-Grad Panoramaprojektion. Das Video wurde unter oft gefhrlichen Bedingungen an der Natal - und Kap-kste gefilmt. Im an den Videoraum angeschlossen Andenkenladen kann man unter anderem Souvenirs mit Haizhnen erwerben. Nur zwei Kilometer vom Hotel Richtung Norden entfernt liegt das Natur-schutzgebiet der Umhlanga-Lagune. Hinter dem Breakers-Hotel stellen wir unser Auto ab. Ein Pfad fhrt uns ber Holzbrcken und durch einen dichten Dnenwald zum Strand, wo wir, unvermeidlich, wieder Hobbyangler mit ihren Gelndewagen finden. Wir sehen durch den aufgewirbelten Gischt des Indi-schen Ozeans den Leuchtturm von Umhlanga, und dahinter die Stadtsilhou-ette von Durban. Der Wind am Strand ist ganz angenehm um die Osterzeit, doch spter im Jahr empfiehlt es sich, warme Kleidung mitzunehmen, die sptestens dann notwendig wird, wenn man aus dem windstillen Dnenwald kommt.

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    Zurck zum Empfangsgebude des Oyster-Box-Hotels, das Rezeption, Spei-sesaal, Caf und Bar beherbergt. Exotische Wandfliesen, Sulen, Palmen, Tageslicht kommt von der glsernen Decke her, Kronleuchter und antike M-bel: Das Haus strahlt Atmosphre aus. Nicht zu vergleichen mit den moder-nen Ksten ringsumher in Umhlanga, die weit mehr Sterne vorweisen kn-nen. Frher ging die Eigentmerin, Frau Hill, viel auf Reisen in alle Welt. Ihre Mitbringsel schmcken das Hotel, seien es Kacheln aus Portugal, groe Wandposter aus England oder Zeichnungen aus Italien und Israel. Jedes De-tail im Hotel hat einen persnlichen Touch. Obwohl das Restaurant des Hau-ses fr sein Essen Werbung macht, fand ich das Table dHote (festes Men) kulinarisch nicht besonders attraktiv, die Bezeichnung Hausmannskost trifft eher zu. Jedoch hungrig mu sicher keiner vom Tisch gehen, bei der Anzahl der Gnge!

    Das Oyster-Box-Hotel ist nur fnf Gehminuten von der Ortsmitte mit Touris-teninformation, Schnellimbi - und anderen Restaurants, Banken und Ge-schften entfernt. Bargeld mit einer europischen Kreditkarte zu holen ist ein-fach: United Bank und First National Bank (BOB) halten dazu Automaten be-reit. Bei den anderen Banken spucken mir die Automaten nur Zettel statt Geld aus.

    Wir haben viel vom Umdhloti-Beach gelesen, den wir in 13 km Entfernung nrdlich von Umhlanga erreichen. Zum Schnorcheln habe ich mir den Schnurrbart rasiert, damit nicht zuviel Wasser in die Tauchermaske fliet. Schade, da heute das Meer recht strmisch ist, und die Sicht unter Wasser getrbt. Trotzdem schnorcheln wir am Rande des Riffs lange Zeit im warmen Wasser des natrlichen Gezeitenpools von Umdloti, der der schnste und si-cherste der ganzen Delphinkste genannt wird. Umdloti ist besonders bei Familien mit Kindern beliebt, die von den starken Wellen des Indischen Oze-ans an anderen Stellen der Kste sonst einfach umgeworfen werden.

    Umhlanga Rocks ist der sdlichste Punkt der Delphinkste, die sich ber Bal-lito bis zur Mndung des Tugela nach Norden zieht. 90 Kilometer Strand sind das, mit kleinen Buchten und Felsen-Schwimmbdern. Wassersport wird hier

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    grogeschrieben, wie surfen, tauchen, segeln und schnorcheln. Das Gebiet ldt zu landschaftlichen und historischen Erkundungen ein, z.B. Mt. Village - die Zucker - Experimentierstation, oder Verulam, Natals drittlteste Stadt.

    La Mercy Beach hat eine ideale Lagune fr den Wassersport. Gleich in der Nhe der Terrasse des La Mercy Protea Hotels sieht man manchmal Delphi-ne in der Dnung schwimmen. In Westbrook Beach sind die Wellenbrecher sdlich des Parkplatzes bekannt. Natal-Austern, die in einem Kfig im Meer gezchtet werden, kommen im Westbrook Beach Hotel auf den Tisch. Ton-gaat ist haupschlich eine indische Gemeinde. Zu besichtigen in dem 1854 gegrndeten Ort ist unter anderem der Juggernath Puri Tempel, eine Kopie des gleichnamigen Tempels in Indien und angeblich der lteste und hchste Tempel in Sdafrika.

    Man kann sich an der Delphinkste gut und gerne 14 Tage aufhalten, da es noch viel mehr zu besichtigen gibt (Informationen von den zustndigen Tou-ristikmtern, Adressen am Ende des Kapitels). Wir aber verlassen aus Man-gel an Zeit die Delphinkste und wenden uns der Hibiskuskste zu. Das ist die untere Sdkste KwaZulu-Natals. Sie hat den Ruf, der beliebeste Ferien-ort in Sdafrika zu sein, vor allem bei Einwohnern des Ballungsgebietes Gau-teng (um die Stdte Johannesburg und Pretoria herum).

    Hauptindustrie der Hibiskuskste ist Tourismus. Zahlreiche und unterschiedli-che Unterknfte und Attraktionen werden angeboten. Auf der N2 umfahren wir Durban, das wir zu einem spteren Zeitpunkt besuchen werden. Vorbei an Amanzimtoti fhrt uns die N2 nach Sden, in eine subtropische Land-schaft der goldenen Strnde, Kstenwlder und, wie die Werbung verspricht, endlosen Sonnentage. Nach zwei Stunden und 156 Kilometern kommen wir in der Villa Elangeni in Margate, dem Zentrum der Hibiskuskste, an.

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    Die Eigentmerin des geschmackvoll ausgestatteten Gstehauses, Elke Schmitt, fhrt uns in ein groes blitzsauberes Doppelzimmer, das Blick auf den Pool hat. Elangeni heit der Platz an der Sonne. Von der ruhig gele-genen Villa hoch auf einem Hgel gelangt man in 10 Minuten zufu ins Zent-rum Margates und an den Strand. Wenn man am Pool der Villa Elangeni steht, sieht man durch die hohen Bume hindurch den Indischen Ozean. Im luftigen und gemtlichen Wohnzimmer erzhlt uns Elke Schmitt von den Mglichkeiten, die sich uns Touristen in der Gegend um Margate bieten. Und noch mehr: In Zusammenarbeit mit einem deutschsprachigen Familienunter-nehmen organisiert Elke Schmitt fr die Gste Ausflge bis hinauf in die

    Bougainvillea (Wolf) 7 x 10 cm aus der 2. Auflage, unnumerierte Seite, Vorspann Nr. 7 Text Individual-Urlaub in Sdafrika

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    Wildreservate nach Zululand. Somit braucht der Tourist nicht einmal ein Auto, wenn er die Provinz KwaZulu-Natal erkunden will. Er kann zum Beispiel mit LTU (direkt) oder SAA (mit Umweg ber Johannes-burg) von Deutschland aus in Durban ankommen und dann mit dem Busun-ternehmen Margate Mini Coach vom Flugplatz aus nach Margate kommen. Dann wird der Besucher von Frau Schmitt an der Bushaltestelle abgeholt. Womit ein entspannter und interessanter Sdafrikaaufenthalt beginnt. Der Sitzplatz im Bus kann zusammen mit dem Zimmer gebucht werden. Wir be-sichtigen das Turmzimmer der Villa Elangini, in dem eine Vielzahl von Literatur aufliegt und wo ein Fernsehapparat steht, der an den seltenen trben Tagen Kurzweil bietet. Elke Schmitt hat sich viele Jahre fr den Golfsport an der Sdkste Natals eingesetzt. Kein Wunder, da Sie als Kennerin der Golfkste jeden Gast bestens beraten kann. Im Umkreis von 3 bis 100 Kilometern golft man auf sage und schreibe acht verschiedenen Pltzen in unterschiedlichen Lagen, in den Hgeln oder direkt am Meer. Zwei der Golfpltze zhlen zu den besten 10 Sdafrikas! Gegenber dem Gstehaus liegt ein Tennisplatz. Andere Sportarten, die der Urlauber an der Hibiskuskste ausben kann: Rasenke-geln (Bowls), Reiten, Hochseefischen, Tauchen. Die persnliche Betreuung gefllt uns an diesem Gstehaus ganz besonders. Und natrlich auch, da hier deutsch gesprochen wird. Frau Schmitt kocht selbst, mit Resultaten, die sich sehen lassen knnen! Besonders erwh-nenswert ist das reichhaltige Frhstck mit frischem Schinken, Butter direkt vom Bauernhof und selbstgemachten Marmeladen. Wir kaufen uns in der Stadt ein neues Surfboard und werfen uns zu zweit in die Wellen am Strand von Margate. Heute knnen wir nicht weit ins Meer, da der Sharks Board die Hainetze reparieren mu, die bei einem Unwetter in den letzten Tagen gerissen sind. Gut mglich, da sich Haie in unmittelbarer Nhe des Strandes herumtreiben. Doch ein Schild am Strand informiert, wann man wieder sicher im Meer baden bzw. Wellenreiten kann. Tagsber sorgen dann Lebensretter fr die Sicherheit der Urlauber.

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    Wir bekommen einen groen Farbprospekt South Coast Wildabout-Touristikstrae in die Hand gedrckt. Eine Reihe von Sehenswrdigkeiten sind da aufgefhrt, die von Margate aus leicht zu erreichen sind. Die Kroko-dilfarm RIVERBEND ist nur acht Kilometer von Margate entfernt. Norma-lerweise werden die Krokodile nur einmal die Woche, am Sonntag um 15 Uhr gefttert, doch in dieser Woche - Osterwoche - auch am Mittwoch. Wir ste-hen auf einer berdachten Brcke ber einem seichten Teich, in dem ein gu-tes Dutzend Zuchtkrokodile trge in der Sonne liegen. Der Chef der Kroko-farm besteigt eine Plattform, gefolgt von einem schwarzen Helfer.

    Klatsch, flatsch. Groe Fleischstcke treffen auf der Wasseroberflche auf. Schon werden die Krokos munter und streben der Futterstelle zu. Manche Fleischbrocken sind zu gro zum Schlucken, daher werden sie solange mit heftigen Kopfbewegungen auf die Wasseroberflche geschlagen, bis sie in kleinen Stckchen verspeist werden knnen. Wir stehen so nahe an den Kro-kos, da das Wasser bis zu uns herauf spritzt.

    Tausende von Besuchern im Jahr zhlt die Zuchtfarm, die die gerade ge-schlpften Krokodile an eine andere Farm weitergibt, wo die Tiere grogezo-gen werden. Arbeitsteilung auch bei der Krokozchtung. 1981 wurde River-bend gegrndet. Mehr als 200 Nilkrokodile bevlkern die Teiche der Farm, von neugeborenen bis zu 50 Jahre alten Giganten, die an die 4,5 Meter lang sind. Krokodile knnen 110 Jahre alt werden und 2-3 Stunden unter Wasser bleiben, wobei sie sehen und hren knnen! Wenn Besucher auerhalb der Ftterungszeit kommen, knnen sie sich im Museum mit einer Diaschau ber Krokodile informieren.

    25 km sdlich von Margate biegen wir beim Schild Marina Beach nach links ab. Durch dichten subtropischen Dnenwald fahren wir in Richtung Strand. Marina Beach als Ortschaft zu finden ist nicht einfach - berall im ppig gr-nen Dschungel sind Huser versteckt, die viel Platz zu den Nachbarn haben. Kurz vor dem Strand erreichen wir das Marina Beach Hotel. Die einmalige Lage ber dem weitlufigen Sandstrand lassen das Alter und die Reparatur-bedrftigkeit des preisgnstigen Familienhotels in den Hintergrund treten.

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    Unser groes Zimmer hat ein Doppel- und zwei Einzelbetten, ein groes Ba-dezimmer. Nicht alle Zimmer haben Duschen, aber Badewannen. Zum Essen bieten die deutschsprachigen Pchter gute Hausmannskost in reichlichen Portionen. Tischweine sind ausgesprochen gnstig.

    Ein frischer Morgen mit klarer Sicht: Ich stehe auf dem Balkon unseres Eck-zimmers im ersten Stock, von dem ich ungehinderten Blick auf den hotelei-genen Tennisplatz, Swimmingpool und den langen Strand, der auch in der Hochsaison kaum bevlkert ist, habe. Auch hier ist der Natal Sharks Board dabei, die Hainetze instandzustetzen. Mit dem Fernglas erkenne ich drauen auf dem Meer Mnner mit roten Schutzkleidungen in einem knallgelben Boot, die sich an den Netzen zu schaffen machen. Im Glanz der aufgehenden Sonne zieht ein strahlend weies Containerschiff seine Bahn Richtung Nor-den.

    Wir verlassen das Hotel durch die Gartenpforte und erreichen in wenigen Mi-nuten zufu den Strand. Durch das windige Wetter in den letzten Tagen wur-den kleine Quallen, Bluebottles genannt, auf den Strand gesplt. Da heit es aufpassen, weil wir barfu eine lange Strandwanderung machen. Am Nach-mittag versuchen wir es mit den Wellenbrettern, doch nur in der nheren Umgebung der Lagune ist das Surfen heute mglich, da an anderen Strand-abschnitten die Unterstrmung zu stark ist, die einen leicht ins Meer hinausziehen kann. Normalerweise ist das Meer viel ruhiger, berichtet Frau Schwager, die die Hotelgeschfte leitet. Das khle und strmische Wetter hat das Meer aufgewhlt. Fr Kinder ideal ist, abgesehen vom Hotelpool, das Felsenbecken, das zweimal pro Tag von der Flut mit Meerwasser gefllt wird. Wenn es regnet, kann man als Abwechslung zum Strandaufenthalt Tischten-nis oder Billiard spielen.

    Wir erkunden mit dem Wagen die Strnde in sdlicher Richtung. Einsame Stellen, manche sogar mit Hainetzen, erwarten den Besucher. Auf einer im-posanten Bogenbrcke berqueren wir hinter Port Edward den Umtamvuna-Flu und betreten das Gebiet der ehemaligen Transkei. Zu unserer Linken liegt das Wild-Coast - Casino mit Golfplatz und Hotel, zur Rechten das

  • Berge und Baden 199

    Mzamba Dorf, wo alle Arten von Souvenirs angefertigt und verkauft werden, z.B. Krbe, Erzeugnisse aus Glasperlen, Tpferei - und Lederwaren, We-bereierzeugnisse, Bekleidung. Eine Galerie und ein Teegarten ergnzen das strohgedeckte Ensemble aus Htten, das von einer Entwicklungsorganisation betreut wird. Das Mzamba-Dorf ist Teil der schon erwhnten Southcoast Wil-dabout-Touristenstrae. Eine Karte und genaue Beschreibung der Mitglieder der Route erhlt man in jedem Fremdenverkehrsamt in der Gegend oder beim Wildabout Comittee, Adresse weiter unten.

    Wir verlassen das subtropische Paradies von Marina-Beach und ziehen wie-der nach Margate. Das Beach-Lodge-Hotel liegt mitten in Margate, etwa 10 Minuten zufu vom Strand entfernt. Herbert und Inge Mritz fhren das bei deutschsprechenden Sdafrikanern und Europern gleichermaen beliebte Hotel seit einigen Jahren. Schon ber 60 Jahre lang ist der Name Beach-Lodge bekannt. In jngster Zeit wurden seine Einrichtungen auf den neues-ten Stand gebracht. Wir wohnen in einem komfortablen und gerumigen Eckzimmer, das auf den glasklaren Swimmingpool blickt. Obwohl die Lodge mitten in Margate liegt, kommt durch die Anordnung der Gebude nur wenig Straengerusch durch.

    Zwei Zimmerkategorien lassen die Auswahl, ob man Klimaanlage und Farb-fernseher oder Deckenventillator und s/w-Fernseher haben will. Frhstck gibt es von einem Buffet, Abendessen ist dem Geschmack der zumeist deut-schen Gste angepat. Dem gemtlichen Eraum ist eine Bar angeschlos-sen, wo sich heute nach dem Essen offenbar die ganze Gsteschaft trifft und Erlebnisse des Tages sowie Planungen zu Erlebnistouren austauscht. A-bends gnnen wir uns im grozgig ausgestatteten Fernsehraum einen der zahlreichen Videofilme in deutscher Sprache. Fr uns ist das besonders inte-ressant, als wir uns bewut werden, da die Lippenbewegungen nicht mit dem Ton bereinstimmen. Wir sind die Synchronisierung englischsprachiger Filme einfach nicht mehr gewhnt, da wir sie in Sdafrika meist im Original sehen.

  • 200 Erlebnis sdliches Afrika

    Herr Mritz hat zwei komfortable Busse zur Verfgung, um seinen Gsten das Land zu zeigen. ber den Zulukraal Shakaland geht es in den Hluhlu-we-Umfolozi-Nationalpark, dann zum Naturreservat St. Lucia, wo die Beach-Lodge-Gste ein Boot benutzen, um Nilpferde und seltene Vgel sehen. Eine Tagesfahrt bringt die Gste auch nach Durban, wo unter anderem der Hafen und der indische Markt besucht werden.

    Bei strahlendem Sonnenschein starten wir unseren Halbtagesausflug zur O-ribi-Gorge (=Schlucht). Zuerst fahren wir Richtung Port Shepstone, dort nehmen wir die Nationalstrae 2 Richtung Kokstadt. Einen Prospekt mit ge-nauer Karte haben wir von der Touristeninformation am Margater Strand er-halten. Auch in der Beach-Lodge erhalten Sie die ntigen Informationen.

    Wir kommen nach einer 40 km langen Fahrt durch grne Hgel an einem Farmhaus an, das, vor 100 Jahren erbaut, seit 50 Jahren als Hotel genutzt wird. Prchtige Bume stehen im weitlufigen uralten Garten, in dem alle Pflanzen zur gleichen Zeit zu blhen scheinen. Old world charm sagt der Englnder dazu. Den Charm lngst vergangener Zeiten atmet dieses Ge-bude mit seiner verzierten Terrasse aus. Seit der alte Major den Landsitz bauen lie, hat sich offenbar wenig gendert.

    Nach dem Bezahlen eines Eintrittsobulus fahren wir auf vom krzlichen Re-gen aufgeweichten Lehmstraen an den Rand der berhmten Oribi-Schlucht. Wie so oft wurden den Felsformationen und anderen Sehenswrdigkeiten Namen gegeben. So knnen wir nicht nur einen prchtigen Wasserfall er-kennen, haben nicht nur einen ausgezeichneten Blick auf den Umzimkulu-Flu tief dort unten, sondern erkennen die Hufeisen-Schlinge, die Kanzel, das Affenschlo und viele andere fotogene Einzelheiten der Schlucht. Im idyllischen Teegarten erfrischen wir uns, bevor wir unsere Rundreise fortset-zen.

    Auf dem Heimweg fahren wir nicht dieselbe Strecke, sondern durchqueren die Schlucht im Oribi Gorge Naturreservat. Dort kann man gegen ein klei-nes Entgelt an der tiefsten Stelle der Schlucht Picknick machen oder wan-dern. Wer mehr Zeit hat, bucht sich in einer der sechs Htten beim Natal

  • Berge und Baden 201

    Parks Board ein (Reservierung und Info ber die Zentrale in Pietermaritz-burg). Auf der N2 geht es ber Port Shepstone wieder zurck in die Beach-Lodge und an den Strand. Leider knnen wir heute den geplanten Flug ber Margate mit dem Mikrolight-Flugzeug nicht mehr machen, da sich am Telefon niemand meldet. Handzettel mit der Telefonnummer des Veranstalters liegen in jedem Hotel aus. Ansonsten beim Margater Flughafen, Hangar 3 nachfra-gen. Wir verabschieden uns vom Ehepaar Mritz aus der Beach-Lodge, und fah-ren ein paar hundert Meter weiter zum Cote dAzur. So heit eine Timesha-re - und Hotelanlage am nrdlichen Ende des Margater Strandes. Von unse-rer bergroen Terrasse am hchsten Punkt des sechsgeschossigen Gebu-des aus genieen wir den Blick auf den gesamten Strand. In zwei Minuten sind wir vom Zimmer aus am Meer, wo eine Gruppe von schwarzen Frauen Flechtwaren verkauft (Sonnenhte, Badematten, Krbe). Die Damen sind bester Laune und tanzen voller Freude - nicht etwa zum Klang des Kasset-tenrekorders - zum eigenen rhythmischen Gesang. Gegen Abend zieht der Duft von frisch Gegrilltem herauf. Richtig: Wir sehen auf einem Groteil der Terrassen Grills stehen, auf denen der bekannte Bra-ai zubereitet wird. Die Mnner, wie gewohnt, stehen mit einer Bierdose in der Hand am Grill und prfen, ob die Burenwurst oder das Lammkotelett schon durch sind. Unser Appartement hat Platz fr sechs Personen. Eine vollausgerstete K-che, 2 Schlafzimmer, 2 Badezimmer, E-und Wohnzimmer stellen den Grundri des Appartements dar. Im Supermarkt in Margate (in der Nhe der Villa Elangeni) oder im groen Supermarkt in Shelly Beach kann man sich das Ntigste zur Selbstversorgung kaufen, wenn man es nicht vorzieht, in ei-nem der zahlreichen Restaurants in der Stadt zu essen. Das am Pool des Cote dAzur gelegene, nicht vom Hotel betriebene Mini-Restaurant mu man aus kulinarischen Grnden nicht unbedingt besucht haben. Diese Bewertung wird noch verstrkt durch die unfhige Bedienung. Neben dem Pool findet man auch einen Whirl-Pool und Tennispltze, daneben eine Bar.

  • 202 Erlebnis sdliches Afrika

    In Shelly Beach besuchen wir ein neu errichtetes Muschel-Museum, das an der Hauptstrae liegt. Dort rhmt man sich mit der grten Muschelausste l-lung Sdafrikas. Ich habe die Muscheln nicht gezhlt, weise jedoch darauf hin, da auch Mossel Bay eine groe Muschelsammlung hat (siehe Kapitel Einmal Kap... Handzettel, die frs Muschelmuseum werben, liegen an der Rezeption des Hotels aus. In Shelly Beach, gleich beim Einkaufszentrum, buchen wir eine Fahrt mit dem Banana-Express, einem von einer Dampflok gezogenen nostalgischen Zug.

    Kurz vor Port Shepstone weist uns ein Schild nach rechts auf einen groen Parkplatz, von dem ein Weg zum Bahnhof und zum Strand fhrt. Heute sind ausnahmsweise gleich zwei Dampfloks vor dem Zug, der gerade in den Bahnhof einluft. Im offenen Wagen auf bequemen Sitzen mit Rckenlehne haben wir Gelegenheit, die ppig wuchernde Vegetation aus Bananenstau-den und Zuckerrohrfeldern zu fotografieren und zu filmen. Nunchst rattert das Zgle den Strand entlang nach Shelly Beach, berquert vogelreiche La-gunen, um dann in Serpentinen bergauf zu schnaufen. In Izotsha hlt der Zug zum Wassernachfllen. Kohlestckchen fliegen durch die Luft, Dampf zischt aus den Ventilen. Ein Eldorado fr Fotografen und Dampfzugliebhaber.

    Die erste Lok setzt sich nun an das Ende des Zuges, trennt die Wagenreihe in der Mitte, und wir fahren wieder Port Shepstone zu, vorbei an einer evan-gelisch-lutherischen Kirche mit Schule und Schlerheim (Aufschrift in deutsch). Tacklack. Tacklack. Quietschend beginnt der Zug den Abstieg an den Strand. Schwarze Kinder winken uns frhlich zu. Wir winken zurck, wo-bei mir diesmal nicht die Brille aus dem Fenster fllt (siehe Outeniqua-Choe-Tjoe). Der Banana-Express kehrt nach insgesamt 90 Minuten Fahrzeit wieder ans Meer zurck. Wer aber einen ganzen Tag Zeit mitgebracht hat, fhrt von Izotsha aus weiter in die Berge, an traditionellen Zuluhtten vorbei bis nach Paddock, 39 km von Port Shepstone entfernt. Der Zug erklimmt dabei 550 Hhenmeter. In Paddock kann man an einem Grill-Mittagessen teilnehmen. Wer auf den Braai in Paddock verzichtet, fhrt bis zum Bahnhof Plains, wird dort zur Oribi-Gorge gebracht, bekommt im Nationalpark etwas zu essen und

  • Berge und Baden 203

    trifft dann die anderen Zugfahrgste auf der Rckfahrt wieder. Alternativ kann man auch mit dem Bus zum Ausgangspunkt Port Shepstone zurckfahren.

    Eine Kaltfront rckt heran an diesem Osterwochenende. Wir beschlieen, die letzte Nacht in einem beliebten Hotel bei Pietermaritzburg zu verbringen. Die Gegend um Wartburg ist uns (und den Lesern dieses Buches) schon von ei-ner anderen Fahrt bekannt. Statt die schnelle und wenig reizvolle N2 nach Durban und dann die N3 Richtung Pietermaritzburg zu fahren, nehmen wir ab Umzinto die R612 nach Ixopo, von dort die R56 nach Pietermaritzburg. Eine landschaftlich sehr schne Strecke durch grne Hgel und Zuckerrohr-plantagen, allerdings fr Schnellfahrer nicht geeignet. Pietermaritzburg errei-chen wir nach 242 km Entfernung (ab Margate), den Wartburger Hof in Wart-burg nach 279 km ab Margate. Gesamtdauer der Fahrt von Margate nach Wartburg: 4 Stunden, mit kleiner Pause.

    Ein Stck unverflschtes Deutschland erwartet uns nur 20 Autominuten von Pietermaritzburg entfernt. Ortsschilder in der Gegend heien Kirchdorf, Harburg, Lilienthal, Wartburg undsofort. 70 Prozent der Bevlkerung, be-reits in der 4. Generation Auswanderer aus Norddeutschland, spricht immer noch flieend Deutsch. Das Wappen von Wartburg verrt etwas von der Ge-schichte des Ortes: Es zeigt die Ankunft der Einwanderer per Segelschiff, die Wiedergabe der Wartburg aus Eisenach.

    An der Hoteleinfahrt grt uns die bayerische, die deutsche und die sdafri-kanische Flagge, was mich veranlat, fr unseren Video die drei National-hymnen anzustimmen. Wobei mir die Nkosi sikelel iAfrika beginnende sd-afrikanische textmig noch etwas Schwierigkeiten macht. Dahinter im al-penlndischen Stil mit Balkonen und Blumenksten vor den Fenstern ein re-prsentatives Hotel, das uns neugierig auf die Innenrume macht. Wir wer-den in deutsch empfangen - Siggi Schdle kommt aus dem Allgu, seine Frau aus Bremen.

    Hinter der Rezeption tut sich ein prchtiger zweigeschossiger Aufenthalts-raum auf, der mit kostbaren alten Mbeln und Teppichen ausgestattet ist. Es ist ein bichen khl geworden. Grund genug fr Siggi Schdle, den groen

  • 204 Erlebnis sdliches Afrika

    offenen Kamin zu fttern und in wenigen Minuten ein herrliches Feuer zu zaubern. Fehlt nur noch der Glhwein. Doch erst einmal die Koffer aufs Zim-mer. Eine grozgige Edelholztreppe fhrt hinauf zu den Gstezimmern, die wir von einer Ballustrade aus betreten. Im Wartburger Hof gibt es keine Zimmernummern. Jedes Zimmer hat einen deutschen Stdtename mit ent-sprechendem Stadtwappen an der Tr. 16 Zimmer sind im 1. Stock um die Aufenthaltshalle herum angelegt, ausgestattet mit gemtlichen Holzmbeln, Dusche, Bad, Radio, Fernsehen und Telefon. Unser Sohn bezieht einen ei-genen Raum, sogar mit Balkon.

    Im Bauernkrug, einer Gaststube im Untergescho, treffen sich Einheimi-sche und Gste zum Umtrunk. In der darbergelegenen eleganten Cocktail-bar warten wir beim Bier vom Fa auf das Abendessen, das heute aus-nahmsweise Konditormeister und Koch Siggi Schdle selbst zubereitet, da sein deutscher Kchenchef gerade frei hat. Klar, da dieser seine Verlobte samt Eltern in den Wartburger Hof zum Essen einldt - wo sonst! Obwohl die Speisekarte international ist, whlen wir eher europisches: Linsensuppe und ein Zricher Geschnetzeltes mit Sptzle. Fein! Mitten in einem Park zwi-schen den beiden evangelischen Kirchen des Dorfes Wartburg gelegen, kann der Wartburger Hof mit seinem gediegenen Ambiente, seiner hervorragenden Kche und seinen verbraucherfreundlichen Preisen jedem als angenehme Zwischenstation dienen, der vom Ballungsgebiet Gauteng in Richtung Indi-scher Ozean fhrt.

    Im Dorf kann man Reiten, Tennis, Bowls oder Golf spielen. Am nahegelege-nen Albertfalls Damm und im Naturreservat kann man schwimmen und wan-dern. Der imposante 100 m hohe Karkloof Wasserfall ist ebenfalls einen Be-such wert. Fragen Sie einfach die Familie Schdle. Wenn er Zeit hat, bringt der Hausherr Sie selber zum Teufelsschlitz oder zur Petruslcke. Es bietet sich hier ein Ausblick, der einem den Atem verschlgt. ber ppig grne H-gel und Tler sieht man an klaren Tagen bis nach Durban.

    Leider mssen wir am nchsten Morgen schon weiter. Wir verlassen Wart-burg kurz vor 12 Uhr. ber Ladysmith, Newcastle und Volksrust erreichen wir

  • Berge und Baden 205

    inmitten einer beraus heien Osterferien - Heimreisewelle 7 Stunden sp-ter nach fast 600 Kilometern Pretoria.

    L5MN OFM P QRS T

    Mount-aux-Sources. Zentrale Reservierung: Siehe Sossusvlei-Lodge im Namibia-Kapitel. Fika-Patso Mountain Resort, PO Box 17673, Wietsieshoek/ Sdafrika, Tel: 011-888 2341, Fax: -2357. Campers Corner: siehe Westkste.

    Informationen ber die Kste nrdlich und sdlich von Durban: Durban Unlimited, P O Box 1044, 4000 Durban. Tel: 031-3044934, Fax: 031-3046196. Delphin-Kste: Fremdenverkehrsvereinigung, Box 534, 4420 Ballito. Info-Telefon: 0322-61997. Umhlanga Rocks Touristeninformation: Private Bag X4, Umhlanga Rocks 4320. Fax: 031-561-1417. Die dortige Chefin (Cherie Contat) ist sehr rhrig. Oyster-Box-Hotel (***): P O Box 22, Umhlanga Rocks 4320. Englisch. Tel: 031-5612233, Fax: 031-5614072 Natal Sharks Board: Gefhrte Touren 1995: Dienstag 9 Uhr, Mittwoch 9, 11 und 14:30, Donnerstag 9, erster Sonntag jedes Monats: 14:30.Tel: 031-561-1001, Fax: 031-561 3691 Villa Elangeni, Elke Schmitt, P O Box 706, Margate 4275. Deutschsprachig. Tel: 039-3775020, Fax: 039-3773856

  • 206 Erlebnis sdliches Afrika

    Riverbend Krokodilfarm, 8 km sdlich von Margate. Mit Kunstgalerie und Mini-Restaurant: Tel 03931-6204. Margate-Information: P O Box 1253, Margate 4275. Margate Mini Coach Busunternehmen (Durban --> Margate): Marine Drive, P O Box 117, 4275 Margate. Marina Beach Hotel, P O Box 9, 4281 Marina Beach. Deutschsprachig. Tel: 03931-30022, Fax 03931-30070. Wildabout Comittee, P O Box 463, 4295 Port Edward Beach-Lodge Hotel, P O Box 109, Margate 4275.Deutschsprachig. Tel: 039-3775372, Fax: 039-3771232 Oribi-Gorge: Natal Parks Board, Reservierungszentrale: Siehe Bericht Zu Fu durch Zululand La Cote dAzur: P O Box 1591, 4276 Manaba Beach/Margate. Tel: 03931-21521, Fax: 03931-74074 Wartburger Hof, Siggi Schdle, P O Box 147, 3450 Wartburg. Telefon und Fax: 033-5031482.

  • Erlebnis sdliches Afrika 215

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    (siehe dazu Skizze im Kapitel Gold und andere Schtze im Nordosten)

    November: Frhsommer in Sdafrika. Wieder zieht es mich hinaus, um neue Angebote im Bereich Touristik zu erkunden. Den Krger - Park kennt jeder. Mit Mietwagen durch dieses riesige Wildreservat zu fahren, ist ein interes-santes Erlebnis. Doch was ist mit den zahlreichen privaten Wildreservaten am Westrand des staatlichen Krger-Nationalparks?

    Um das herauszufinden, stelle ich folgende Reise zusammen: Mit Mietwagen von Pretoria zur Bongani Game Lodge im stlichen Transvaal und zurck mit dem im victorianischen Stil gehaltenen luxurisen Dampfzug Der Stolz Afrikas.

    Frhmorgens, wegen der zu erwartenden Hitze auf dem Weg nach Osten, starte ich den Honda 150 Ballade, den ich bei Budget- Rent-A-Car gemietet habe. Die Zusammenarbeit mit dem Bro in Pretoria hat hervorragend ge-klappt (der Service war freundlich und effektiv). Das Auto gut gewartet, erst 7.000 km auf dem Tacho. Der weie Flitzer ist mit Klimaanlage ausgestattet. In Nelspruit, 3 Stunden bzw. 305 km stlich von Pretoria, habe ich Gelegen-heit, den Spritverbrauch des Wagens festzustellen: 9,90 l/100 km, bei einge-schalteter Klimaanlage und Spitzengeschwindigkeit bis zu 150 km/h (Hin-weis: in Sdafrika sind nur 120 km/h erlaubt, auch auf der Autobahn; Ge-schwindigkeitskontrollen!).

    Wenn man statt des Mietwagens das Flugzeug von Johannesburg nach Nelspruit nimmt, hat man folgenden Nachteil: Man sieht nicht viel von der Landschaft, die sptestens dann interessant wird, wenn es bei Waterval Bo-ven steil vom Highveld ins Lowveld bergeht, mit einem abrupten Wechsel von Klima und Vegetation. Die neue Shell-Tankstelle bei Nelspruit, die ich nach zgiger Fahrt mit dem Budget-Mietwagen erreiche, hat moderne Tech-nik in Zapfsulen von Yesterday eingebaut. Daneben stehen im Voortre-

  • 216 Bongani und Rovos-Rail

    cker-Stil gehaltene Gebude, in denen man Souvernirs und Erzeugnisse des Lowveldes, wie Marmelade, Frchte, Sfte etc. erwerben kann. 35 km von Nelspruit entfernt an der N4 Richtung Komatipoort und Mozambi-que steht ein Schild, das nach links weist: Bongani Game Lodge. Auf unge-teerter, aber gut instandgehaltener Strae fahren wir 7 km durch gebirgiges Gelnde bis zu einer Lichtung im Busch, wo wir unseren Budget-Mietwagen unter einem Schattendach parken. Endstation fr alle nichtgelndetauglichen Fahrzeuge. Der von einem Bediensteten per Funk herbeigerufene Landrover erscheint schon nach kurzer Zeit. Immer hher ins Gebirge schraubt sich die steile Staubstrae. Zwei stattliche Kudus mit prchtigem Gehrn berqueren majesttisch unseren Weg. Impalas grasen unbeirrt weiter, als unser grner Landrover die Pastrae meistert. Jenseits des Passes erreichen wir das Restcamp. Harmonisch sind die reet-gedeckten Huser in die Landschaft, das 7000 Hektar groe Mthethomus-ha-Wildschutzgebiet, eingefgt. Sie ducken sich zwischen Granitfelsen, nur mit Mhe von oben zu erkennen. Eine Meisterleistung des Landschaftsarchi-tekten: Am Rande eines Talkessels hoch oben am Hang gelegen, hat man von fast jedem Haus eine perfekte Aussicht ber das Tal und die in der Ferne gelegene Bergketten. Hilfreiche Hnde befrdern unser Gepck zum Haus Nummer 17, whrend wir mit dem Restaurantleiter khlen Marcujasaft trinken und erste Informatio-nen einholen. 1990 erst wurde die Lodge erbaut, einige Jahre spter von der Beherbergungskette Southern Sun erworben. Die Leitung der Lodge obliegt einem Ehepaar deutsch-sdafrikanischer Herkunft: Georg und Carola, die beide in Pretoria in die deutsche Schule gegangen sind. Unser Haus hat ge-hobene Ausstattung, 2 Zimmer, 2 Badezimmer, Khlschrank, Bar, Balkon mit Aussicht. An Nummer 17 vorbei fhrt ein Weg zur reetgedeckten Aussichts-plattform, die hoch ber dem Tal auf Stelzen steht. Schon wenige Minuten nach unserer Ankunft kann ich von diesem luftigen und schattigen Pltzchen mit dem Fernglas am Wasserloch tief unten vier Breitmaulnashrner erken-nen!

  • Erlebnis sdliches Afrika 217

    Als ich ins Zimmer zurckkomme, ist inzwischen ein Krbchen mit frischem Obst, Nssen und getrocknetem Wildfleisch (Biltong) eingetroffen, dazu gibt es eine Flasche Wein als Gastgeschenk. Telefonieren kann man vom Zim-mer aus, und wer will, kann sich seinen Kaffee und Tee auf dem Zimmer zu-bereiten. Wir sind die letzten Gste, die in der Schreibmappe auf dem Tisch normales Papier vorfinden. Zuknftig werden alle Southern-Sun-Lodges mit Umweltschutzpapier ausgestattet. Man liegt also im Trend der Zeit!

    Da schwere Regenwolken von Swaziland und Barberton her aufziehen, ver-zichten wir auf die abendliche Safari. Stattdessen entspannen wir uns auf dem hauseigenen Balkon und inspizieren, bis die anderen Gste zum A-bendessen kommen, das Gelnde. Eine wohlgefllte Bar, ein kleines Schwimmbecken mit Sonnenliegen und -schirmen, eine Boma, wo abends das Lagerfeuer brennt und ein Souvenirladen, dies alles entdecken wir bei einem kurzen Rundgang.

    Nach der dreistndigen Safari-Fahrt im offenen Landrover kehren die Gste erst spt heim. Das Abendessen beginnt um 8 Uhr. Frhliche und gutgelaun-te Touristen erzhlen von ihren Erlebnissen und Wildbeobachtungen, wh-rend sich der von Dekkenventilatoren gut belftete Speisesaal fllt. Je Land-rover und Ranger ist ein Tisch, gekennzeichnet mit dem Namen des Ran-gers, reserviert. Der Ranger, der den Landrover fhrt und die Touristen mit seinem Wissen ber Flora und Fauna informiert, spielt hier den Mundschenk. Gekonnt giet er Wein ein und bringt Bier aus eigenem Hause (die Firma South African Breweries ist Hauptaktionr der Hotelkette, der Bongani ge-hrt).

    Spinatsuppe wird serviert, gefolgt von einem warmen Buffet: Lamm- und Schweinsbraten, diverse Gemse, Salat, eine gute Auswahl an Kse und Nachtisch. Whrend unseres ganzen Aufenthaltes in der Lodge sind smtli-che Speisen und Getrnke von bester Qualitt gewesen. 3 warme Gerichte tglich, wie auch der immer bereit stehende Kaffee und Tee, sind im Safari-Preis eingeschlossen.

  • 218 Bongani und Rovos-Rail

    Eine ruhige Nacht! Bis zum Zeitpunkt, als ich ein Knistern hre, das nicht so recht in die nchtliche Geruschkulisse zu passen scheint. Im offenen Koffer sitzt ein kleiner Nager, der gerade beschftigt ist, eine Plastikpackung mit Trockenwurst anzuknabbern. Mach, da du wegkommst! strmen wir auf das freche Tierchen zu. Dermaen rde verscheucht, nimmt es Reiaus, so schnell, da wir nicht sehen, wohin. Am nchsten Tag wird es sich dann an meine Kekspackung im anderen Raum machen. So ist das in einem Wildre-servat. Selbst in der Wohnung findet sich Wild!

    Schon um sechs Uhr morgens klingelt das Telefon: Weckruf zur morgendli-chen Fotosafari! Elvis, unser Ranger und Betreuer aus dem Stamm der Swa-zis, ldt uns zur Tasse Tee in der Lounge, hoch ber dem Camp, ein. Dort knabbern wir ein paar Rusks (Kekse) und genieen einen Earl-Grey-Tee von Twinings. Anstatt mit dem Landrover durch das Buschveld zu fahren, haben wir uns entschlossen, per pedes loszuziehen. Eine gemchliche Wanderung ins Tal hinunter. Man kann auch mit Halbschuhen an dieser Exkursion teilnehmen. Elvis erklrt, welches Tier welche Fuspuren hinterlassen hat, und wann. Er beschftigt uns mit der Identifizierung von Bumen und Vgeln.

    Ranger Elvis zieht prfend Luft ein, dann rieche ich es auch. Ob die eben im lockeren Erdreich entdeckten Spuren eines Nashorns und der starke Geruch von Wild irgend etwas miteinander zu tun haben? Wir umrunden gerade ei-nen Felsen, da stehen zwei Breitmaulnashrner etwa 20 Meter von uns ent-fernt. Natrlich gehen wir keinen Schritt weiter und blicken erwartungsvoll, um nicht zu sagen ngstlich, auf Elvis. Der winkt uns besonnen zu einem Felsen, von dem wir - auer Gefahr - die Nashornmami mit ihrem schon recht erwachsenen Sohn von oben betrachten knnen. Nashrner sehen schlecht, erklrt uns Elvis. Doch sie haben uns schon lngst bemerkt. Das erkennen wir an ihren Ohren, die sich wie Radarantennen hin und her bewe-gen.

    Zebras, Kudus und andere Antilopen begleiten uns auf der Wanderung in ei-nem ausgetrockneten Flubett zum Wasserfall, einem steil abfallenden

  • Erlebnis sdliches Afrika 219

    Granithang. Natrlich fliet jetzt, zum Beginn der Regenzeit Anfang Novem-ber, noch kein Wasser. Doch hat sich von der letzten Regenzeit eine be-trchtliche Menge Wassers in den Felsbecken herbergerettet. Dieses Was-ser schon von weitem riechend, hat sich krzlich ein Nashorn auf den Weg zum kstlichen Na gemacht. Weil das Felsenbecken jedoch nur ber eine recht steile glatte Felswand zu erreichen war, ist es dort ausgerutscht und viel zu schnell beim Wasser angekommen - nach einem Fall von 20 Metern. Das war das Ende des Tieres. Als das Unglck gemeldet wurde, war die ers-te Frage: Wo ist das Horn? Es war noch dran!

    Nicht weit entfernt zeigt Elvis auf eine kleine Hhle. Wir bemerken nichts be-sonderes. Doch dann, beim nheren Hinschauen, werden blarote Figuren auf der glatten Felswand sichtbar. Das sind Buschmannszeichnungen, wie es noch mehrere im Wildreservat gibt, kommentiert Elvis. Mehrere Mnn-chen mit erhobenen Hnden, in denen sie Speere halten, und allerlei Wild, symbolisiert natrlich, haben sich auf der Felsplatte versammelt.

    Ein sich im Tal nhernder Landrover bertnt die sanften Gerusche des Buschveldes. Wir steigen am Rand des Wasserfalles nach unten, weist uns Elvis an. Ameisenlwen, denen wir auf dem Weg nach unten begegnen, grei-fen ihre winzigen Opfer, die sich in den Erdtrichtern verfangen haben, un-barmherzig an. Tiefer, immer tiefer rutschen die Ameisen, einmal in den Trichter gekommen, wie auf Treibsand in die Mitte der Falle, direkt in die Greifwerkzeuge des Ameisenlwen. Mitleidig beobachten wir zwei Dungbeet-les (Mistkfer), die versuchen, eine aus Nashorndung ausgeschnittene Kugel von halber Faustgre den steilen Hang empor zu rollen, eine Kugel, die fnf mal grer als sie selbst ist!

    Am Fue des Wasserfalles wartet schon der Landrover auf uns. Gekhltes Wasser lscht unseren grten Durst. Durch die herrliche Berglandschaft fahren wir auf unglaublich steilen und engen Wegen wieder zum Camp zu-rck. Prsident Nelson Mandela war auch schon da. Sechs Mal!, erzhlt uns Elvis auf der Heimfahrt. Er gibt einige Anekdoten zum besten, die er Ih-

  • 220 Bongani und Rovos-Rail

    nen, verehrte/r LeserIn, selbst erzhlen soll, wenn Sie nach Bongani kom-men.

    Ein reichhaltiges Frhstck (Buffet) erwartet uns im Speiseraum des Camps. Bis zur abendlichen Safari-Ausfahrt kann sich jeder nach Belieben die Zeit vertreiben. Die einen lauschen den Geruschen der Natur, die anderen spie-len Schach oder Backgammon im Panorama-Aufenthaltsraum, wieder ande-re schwimmen oder erfreuen sich an einem der zahlreichen Wildnisvideos in der klimatisierten Bar.

    Ich blttere die in unserem Haus aufliegenden interessanten Bcher ber Vgel, ber Wild und andere Wildreservate durch, whrend ab und zu durch das geffnete Fenster das Bellen von Zebras zu hren ist. Vor dem hlzer-nen Balkon huschen flink vielfarbige Eidechsen auf den rundlichen Granit-steinen umher.

    Nach dem geschmackvollen und reichlichen Mittagessen und einem Nach-mittagsnickerchen trifft sich die Landroverbesatzung um vier Uhr zum Tee/ Kaffee. Eine halbe Stunde spter genieen wir schon Elvis Fahrknste. Wir er das nur macht, den langen und schwerflligen Landrover durch die in ur-wchsige Landschaft geschlagenen Wegschneisen zu lenken, ohne an ei-nem Baum oder Felsen hngenzubleiben. Gengend Gelegenheiten htte er ja dazu gehabt! Vorne, auf einem gepolsterten Sitz auf der Khlerhaube, sitzt ber der Stostange Eliott, der Tracker (Spurensucher). Er meldet dem Ranger Elvis, wenn er Wild oder - Spuren entdeckt. Eliott mu nicht nur nach Wild Ausschau halten. Er mu auch Dornenzweigen ausweichen, die ihn bse verletzen knnen!

    Wenn wir uns auf wenige Meter Giraffen und Nashrnern nhern, ist er der-jenige, der am meisten gefhrdet ist. Dann heit es, keinen Mucks zu ma-chen, um fr die Tiere ein Teil des Autos zu sein. Lwen sind heute nicht in Sicht, doch das ist nicht das Wichtigste an einer Safari. Fr uns steht das Naturerlebnis in unberhrter Landschaft an erster Stelle. Eine ganze Anzahl von verschiedenen Antilopen begleitet unsere Fahrt. Als die Sonne die Spit-zen der Bume berhrt, ist es Zeit fr einen Sundowner. Wir steigen aus dem

  • Erlebnis sdliches Afrika 221

    Landrover, nachdem sich Elvis vergewissert hat, da kein Raubtier herum-schleicht. Aus einer Khlbox wird Bier, Wein, Cola oder Fruchtsaft angebo-ten. In vielen privaten Wildreservaten ist auch dieser Teil der Serviceleistung im Preis eingeschlossen. Hier nicht. Die Dmmerung bricht herein. Wie ein Suppenteller schwimmt der zuneh-mende Mond im samtig schimmernden unendlichen Sternenmeer. Weiter geht die Fahrt! Eliott schwenkt ein starkes Suchlicht von links nach rechts und zurck. Antilopenaugen funkeln durch das Dickicht. Wir suchen den Platz auf, wo sich gestern abend noch Lwen und Hynen an einem Zebra gtlich getan haben. Doch unsere Vorfreude auf ein paar gute Videoaufnah-men ist nicht gerechtfertigt: Es liegt nur noch ein abgenagtes Skelett zwi-schen den Bumen auf einer Lichtung. Kurz vor dem Camp halten wir noch einmal an: Zwei Bffel mit im Scheinwerferlicht erglhenden Augen sind auf dem Weg zum Wasserloch. Da es heute abend nicht nach Regen aussieht, sitzen wir zum Abendessen unter freiem Sternenhimmel in der Boma, einem mit Pfhlen umgebenen Platz, am Lagerfeuer. Gegrilltes und Gekochtes (z.B. Kudugulasch) wird zur Selbstbedienung angeboten. Kaum hat der letzte Lffel des kstlichen Nach-tisches seinen Weg gefunden, da betritt eine Gruppe von jungen Schwarzen aus einem nahegelegenen Swazi-Dorf - wie jeden Samstag - die freie Flche zwischen Lagerfeuer und Boma-Rand. Mit viel Enthusiasmus und angebore-nem Schauspieltalent fhren sie eine Pantomime vor, begleitet von rhythmi-schen Gesngen. Sie verdienen sich durch die Auffhrung einen Teil ihres Schulgeldes. Das Thema, das hier alle berhrt: Poaching, also Wilderei. Die Geschichte des Lebens eines Nashorns, von Geburt bis zum Tod durch die Kugel eines Wilderers. Einflle und Dialoge sind so witzig und treffend, da die jungen Laienschauspieler am Ende mit reichem Applaus belohnt werden. Kaum haben die Swazis die Boma wieder verlassen, hebt das Froschkonzert vom nahegelegenen Teich her wieder an, begleitet vom Prasseln des Lager-feuers und den Gesprchen der Touristen, die es sich bei Wein und Bier noch lange gut gehen lassen.

  • 222 Bongani und Rovos-Rail

    Schon um sechs Uhr frh sitzen wir wieder im Landrover, um neue Strecken im Wildreservat zu erkunden. Hhepunkt ist eine kleine Herde White Rhinos, denen wir zum Greifen nahekommen. Kleine rotschnbelige Vgel (Redbil-led Oxpecker - Buphagus erythrorhynchus) picken den gutmtigen Dickhu-tern Insekten aus Nase, Ohren und von den Maulwinkeln. Geier und Adler kreisen in der klaren Morgenluft. Wir umfahren einen Auslufer des Kroko-dilspoort-Gebirges am Rande des Krgerparks, sehen eine 50-Kopf-starke Bffelherde auf unserer Seite des Zaunes und ein paar Nashrner auf der anderen. Immer wieder macht uns Elvis auf farbenfrohe Vgel aufmerksam, von denen es hier unglaublich viele zu geben scheint: European Bee-Eater (Merops apiaster) und Plumcoloured Starling (Cinnyricinclus leucogaster) mit pflaumenblauen Federn und weien Buchen sind besonders hbsch an-zusehen!

    Wir kommen auf das Thema Malaria zu sprechen. Hier ist ganz klar Mala-riagebiet, wenn auch heute keine einzige Mcke zu sehen ist! Wir haben uns fr die paar Tage zu Beginn der Regenzeit jedoch keiner Prophylaxe unter-zogen, da jede Tablette auch ihre Nebenwirkungen hat und den Innereien schadet, besonders der Niere. 6 Wochen lang mu man diese Prophylaxe machen, damit sie einen Sinn hat. Am besten, man fhrt nur in der mcken-armen Zeit in das Lowveld, also von ca. Mai bis Ende Oktober. Ansonsten mu man halt in den sauren Apfel beien und sich beim rtlichen Apotheker in Sdafrika beraten lassen. Am besten, man fragt verschiedene Apotheker. Nicht alle sind auf dem neuesten Stand der (Medizin-) Technik! Die Arzneien wechseln schnell!

    Wir verabschieden uns nach dem Mittagessen herzlich von unserem Ranger Elvis. Da wir diesmal nur einen Bruchteil der 250 Vogel- und mehr als 60 Sugetierarten des Wildreservates sehen konnten, ist dies Grund genug, bald wiederzukommen. Sala kahle (Auf Wiedersehen), Bongani-Lodge! Ngiyabonga (Danke), Elvis. Mit einem Landrover werden wir zum Mietauto zurckgebracht. Die kurze Strecke von 66 km bis Komatipoort berwindet unser Honda von Budget Rent-a-Car wie im Fluge. Mit dem Autoverleih ha-

  • Erlebnis sdliches Afrika 223

    ben wir vereinbart, den Wagen statt im Depot Nelspruit gegen Aufpreis in Komatipoort zurckzugeben. Komatipoort, 137 m ber dem Meeresspiegel, am frhen Nachmittag: Die Novembersonne brennt vom azurblauen Himmel. Im Schatten (Hilfe, wo ist er ?) zeigt das Thermometer am Bahnhof 42 Grad. Trocken ist die Hitze, das ist es, was uns rettet. Sie ist viel leichter zu ertragen als die feuchte Wrme ein bichen weiter stlich in Maputo (frher Laurenco Marques), Hauptstadt von Mozambique. Was hat uns nur in dieses Grenznest getrie-ben? Ein Heer von dienstbaren Geistern, die Herren mit schwarzen Hosen und weien Hemden, mit Fliege selbstverstndlich, die Damen in schwarzwei gemusterten Kleidern, den Vornamen auf einem Schild vor der Brust, str-men aus dem schon wartenden Zug auf den Bus zu. Schnell sind die Koffer umgeladen. Jedes Gepckstck bekommt einen reprsentativen Anhnger mit dem Namen und der Suite - Nummer des Gastes, alles in vornehm gln-zendes Plexiglas eingeschweit, mit Golddruck auf dunkelgrnem Hinter-grund. Walter, der Chef der 16-kpfigen Truppe, begrt uns herzlich, und ldt uns ein, nach dem Frisch machen in den Aussichtswagen am Ende des Zuges zu kommen, wo er an der Bar einen Begrungsdrink anbieten will. Meine Familie wird von einer sogenannten personal hostess mit Namen Ilse zum Abteil, ach, was sage ich, zum rollenden Luxusappartement (Royal Sui-te) gefhrt. Aus einem Eisenbahnwaggon, unserer heit Beit nach dem be-rhmten sdafrikanischen Brckenbauer, wurden zwei Abteile gemacht. Der Originalstil der Zwanziger Jahre wurde beibehalten, nur die Kabinen etwas verbreitert, und eine Dusche (mit Durchlauferhitzer), Haartrockner und Ra-sierapparat-Steckdose eingebaut. Was fehlt, und da unterscheidet sich der luxuriseste Themen-Zug der Welt vom Blue Train: Die Klimaanlage. Die Rovos-Leute sind stolz darauf. Reisen wie in alten Zeiten ist ihr Motto. Rovos-Rail in Daten und Zahlen: 12 Eisenbahnwagen, liebevoll restauriert, Platz fr 46 Passagiere, 3 Dampfloks stehen zur Verfgung. Es werden ver-

  • 224 Bongani und Rovos-Rail

    schiedene Reisen angeboten. Die Standard-Touren fhren von Pretoria zum Krgerpark, nach Komatipoort (mit Anschlu zu den privaten Wildreservaten) oder Maputo, nach Kapstadt, und einmal im Jahr die 12-tgige Edward - Sa-fari von Kapstadt nach Dar-es-Salaam. Letztere ist trotz des hohen Preises von 6.500 US-$ begehrt. Es empfiehlt sich fr den, der das ntige Kleingeld hat, frhzeitig zu buchen.

    Ilse zeigt uns die rtlichen Gegebenheiten in und um unsere Suite herum. Ich ffne die Mahagoni-Schiebetr zum Abteil: Mein Blick fllt auf ein Doppel-bett - andere Abteile haben zwei Einzelbetten. Licht dringt durch die herun-tergelassenen hlzernen Sichtblenden und ergiet sich mrchenhaft ber ei-nen Tisch, auf dem ein Korb mit Obst steht, eine mit goldenem Schleifchen verzierte Zellophantte mit Biltong und eine Flasche mit trockenem spani-schem Sekt im eisgefllten Khler. Ich wechsle rasch das durchgeschwitzte Hemd und treffe mich mit den anderen Gsten an der Bar des Observation-Car (Aussichtswagen) am Ende des Pride of Africa. Der Zug nimmt mit dem typischen Schnauben der Dampflok Fahrt auf. Hier in der Bar findet das erste Kennenlernen untereinander und mit der Mannschaft (prozentual gesehen sollte dies eher Frauschaft heien) statt. Die Bar ist wohlbestckt: Alle (!) Getrnke sind im Preis inbegriffen. 30 Gste knnen es sich in diesem voll-verglasten Waggon aus dem Jahre 1936 in tiefen Sesseln gemtlich ma-chen. Literatur zu allen Gegenden Sdafrikas, vor allem Bildbnde aus Wild-parks, sind hier zu finden, aber auch Romane und andere Literatur, nicht zur vergessen ein Exemplar des Erlebnis Sdafrika-Buches, das Sie gerade le-sen. Ein groformatiges Gstebuch zeigt, was die hauptschlich auslndi-schen Reisenden vom Zug halten: Ein einziger Superlativ!

    Olof, der zweite Mann vom Zug-Personal, nimmt einen Gong und marschiert laut tnend vom Aussichtswagen bis zum Zuganfang, wo ein in 18 Monaten harter Arbeit herrlich restaurierter Speisewagen mit dem Namen Shanghai aus dem Jahr 1924 plaziert ist. Sieben Paar geschnitzte Pfeiler und Bgen tragen die Decke des Waggons, der die victorianische Atmosphre vollendet

  • Erlebnis sdliches Afrika 225

    wiedergibt. 44 Sitzpltze gibt es hier, also gengend Raum, um auszuspan-nen!

    Ilse nimmt mich beiseite: Wie kommt es, da im Gstebuch lauter gute Sa-chen ber uns stehen, doch besonders die Deutschen und die Englnder nur ein kleines Trinkgeld geben? Die Frage lasse ich offen und empfehle mei-ner(m) werten LeserIn, Ilse in dieser Hinsicht nicht mehr darben zu lassen. In jeder Info-Mappe, die auf dem Tisch in der Suite liegt, findet man einen Um-schlag, in den man diskret ein paar Scheine stecken kann. Ilse erzhlt sogar von einem Amerikaner, der die Reise mit dem Stolz von Afrika, wie der Zug heit, gewonnen hat. Der habe vor lauter Freude dem Personal ein Trinkgeld von 1.000.- US-Dollar gegeben.

    Rohan Vos, ein ehemaliger Altmetallhndler und nun Millionr, hat aus sei-nem Hobby einen Beruf gemacht und leitet nun das Rovos-Unternehmen. Jahrelang reiste er landauf landab, um alte Eisenbahnwagen und -loks zu finden. Die Lok Tiffany, Senior im Fuhrpark, wurde 1893 gebaut und 90 Jahre spter restauriert, um auf der Strecke Pretoria-Witbank eingesetzt zu werden.

    Doch jetzt interessiert uns, was die beiden Kchenchefs des Zuges als Mit-tagessen auf den Tisch zaubern. Wir haben die Auswahl zwischen je 2 Ge-richten als Vor-, Haupt- und Nachspeise:

    Schnecken und Duxelle-Pilze in Bltterteig, oder taiwanesische schwarze Tiger-Garnelen mit Knoblauch und Krutermajonaise;

    Kap-Felshummerschwnze mit Reispilaf und flssiger Butter oder Schweinsbraten mit Pflaumen in Calvados-Sauce, dazu Bandnudeln;

    Nachtisch aus Pecan-Nssen oder eine dunkle Schokoladen-Terrine mit gekhlter Marshmallow-Sauce.

    Wer sich entscheidet, den Mietwagen in Nelspruit zurckzugeben und auch dort zuzusteigen, verpat natrlich diesen ersten Teil der Reise! Den zufriedenen Blicken meiner Mitreisenden aus Hong Kong und Dillingen entnehme ich, da das Essen auch ihnen gut gemundet hat. Auch der Wein,

  • 226 Bongani und Rovos-Rail

    der gereicht wird, ist nicht von schlechten Eltern: Nur die besten Jahrgangs-weine und - Champagner (ab 3 Sternen) werden angeboten. Die Palette geht von einem Champagner (brut) ber trockene, halbse und se Weiweine, Blanc de Noir, sieben Rotweine, drei Portweine bis zu Desertweinen vom Kap. Nur ein kleines Beispiel, wie gut fr die Fahrgste gesorgt ist: Wer aus dem geffneten Wagenfenster sehen mchte, ist gut beraten, die bereitgelegte Sicherheitsbrille aufzusetzen, denn es fliegen Ru - und Kohlestckchen durch die Gegend, wenn die Dampflok vor den Zug gespannt ist. In Nelspruit wird die Dampflok ab- und eine Diesellok angehngt. Die Sonne geht langsam unter, als wir uns nach einer Stunde Pause auf den Weg ins Highveld machen, das wir bei Waterval Boven erreichen. Leider, leider fahren wir durch den schnsten Teil der Landschaft, den steilen Anstieg vom Low- zum Highveld, im Dunkeln. Die steilen Felsen, die farbenfrohe Landschaft knnen wir nur ahnen. Auch der Blick auf den Wasserfall bleibt uns verwehrt. Aber den konnten wir ja schon sehen, als wir auf der N4 von Pretoria nach Mpumalanga fuhren. Wir hauen uns alle nach diesem reichhaltigen Mahl aufs Ohr, aber wir kn-nen keinen Schlaf finden, da es in den Abteilen recht hei ist. Die Dusche hat zwar einen Drehgriff fr hei, doch das kalte Wasser, das jetzt angesagt wre, ist eher lauwarm. Mit Lesen und Erzhlen geht die Zeit bis zum Abendessen schnell vorbei. Wir haben uns, einer Tradition des Luxuszuges entsprechend, zum Dinner umzuziehen. Das bedeutet, da wir, trotz der noch immer hohen Temperatu-ren, unsere besten Stcke anziehen. Endlich kommt mein Zweireiher, der im bervollen Koffer ein paar Falten mehr bekommen hat, zum Einsatz. Auch meine Familie und die chinesischen Mitreisenden haben sich entsprechend verkleidet. Wieder erwartet uns ein superbes Mahl: Kanadischer gerucherter Lachs mit Zwiebeln und Kapern, oder Parmaschinken mit frischen Melonenscheiben, danach Rindsfilet mit einer Sauce aus Cassis und grnen Pfefferkrnern, o-

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    der Fettucini Frutti di Mare, als Nachtisch Creme Caramel oder Himbeer-Mousse. Kaffee und Tee zum Abschlu. In Witbank wird die Diesellok gegen eine Dampflok ausgetauscht, gleichzei-tig setzt der Regen ein, den die Farmen und Wildreservate im Lowveld er-sehnen. Schmutziggraue Wolken begleiten uns auf dem Weg nach Pretoria, wo wir uns nach einem ausgiebigen Frhstck herzlich vom freundlichen und zuvorkommenden Personal des Zuges verabschieden. Unser Zug hat, passend zum Stil und zum Thema der Rovos - Reise, in die-sem Bahnhof aus dem Jahr 1900 direkt neben einer altehrwrdigen Dampf-lok gehalten, die auf einem kurzen Stck Schiene ihr Gnadenbrot fristet. Da die Schienen nicht weiterfhren, stehen die Chancen schlecht, da diese Lok nochmals in den Dienst versetzt wird. Wenn nicht... Rohan sie auch noch aufkauft, und vor seinen Zug spannt! Wir lassen uns das im victorianischen Stil gehaltene Rovos - Hotel Victoria, gleich gegenber dem Bahnhof, zeigen, trinken noch eine Tasse Tee mit den Mitreisenden aus Hong Kong, bevor sich unsere Wege trennen: Sie fliegen mit Cathay Pacific nach Hause in den Fernen Osten, whrend wir von einem Fahrer von Rovos-Rail zu unserem Haus in den nahen Osten Pretorias ge-bracht werden.

    LNMJO P M Q R ST UBongani-Game-Lodge: Info und Buchung bei: Southern Sun Zentrales Reservierungsbro: Tel. +27-11-7800101 oder Fax -780 0106 oder ..7; Info auch bei Sales and Promotions in Dsseldorf (siehe Anzeige). Bu-chung in allen Reisebros mit Sdafrika-Angebot.

    Dampfzug-Fahrt: Rovos Rail, P.O. Box 2837, Pretoria 0001, Sdafrika, Tel: Lnderwahl +27-12-3236052, Fax -3230843. Fahrten Pretoria - Mpumalanga und Pretoria - Kapstadt (und zurck) sind sowohl direkt (bitte in englisch) als auch in europischen Reisebros zu buchen.

    Mietwagen: Budget Rent-a-Car: In Europa und Sdafrika (Reisebros oder direkt per Telefon).

  • 230 Namibia - sprdes Paradies

    ! "#$ " % &'#! ()+* ( , ! (.-+/ (+0 1 ( ! (+0

    Wo waren wir noch nicht? In Namibia! Da knnt ihr jetzt nicht hin, viel zu hei! wird uns abgeraten. Die Weihnachtszeit sei denkbar schlecht fr eine Exkursion dorthin.

    Seis drum. Wir fahren trotzdem. Einzige Einschrnkung: der Norden Nami-bias (mit Etoscha, Skelettkste und Caprivi) wird Gegenstand der Recherche zur nchsten Auflage des Buches sein.

    Um vier Uhr frh starten wir von Pretoria aus gen Westen. Zuerst auf der R28 Richtung Krugersdorp, dann Richtung Vryburg, wo wir gegen 8 Uhr an-kommen. In Kuruman machen wir Pause. Die Ortsrnder zeigen viel gepfleg-ten grnen Rasen, eine Wohltat fr das Auge. Mitten im Ort tritt ein unterirdi-scher Flu zutage. Um den kleinen See, der Oog (Auge) genannt wird, ist ein Park angelegt. Der saubere, mit einem dichten Rasen ausgelegte Cam-pingplatz von Kuruman wird vor allem von Durchreisenden benutzt. Den gan-zen Tag wird gewssert.

    Kein Wunder, da sich bei diesem Wasserreichtum am Rande des Ortes auch eine der ltesten Missionstationen Sdafrikas befindet. Moffat hie der Missionar, der von Kuruman aus wirkte. Er war es, der Livingstone davon ab-brachte, nach China zu gehen und ihn hierher lockte. Die Geschichte der bei-den Mnner - Livingstone wohnte eine Zeit lang hier und heiratete spter eine Tochter Moffats - kann man in aller Ruhe in der alten Steinkirche nach-lesen. Dort ist es auch angenehm khl. Auf einem Rundgang entdecken wir das schlichte Wohnhaus, ein Schulgebude und einen Garten, den die Frau des Missionars angelegt hat. Auer einem Verwalter wohnt hier niemand mehr.

    Kaum haben wir Kuruman verlassen, wird es wieder trocken. 840 km zeigt der Tageskilometerzhler, als wir in Upington eintreffen. Zum Vergleich: die

  • Erlebnis sdliches Afrika 231

    Route ber Kimberley, die wir auf der Fahrt zu Westkste nahmen, war ln-ger: 939 Kilometer ab Johannesburg. Wie erwartet zeigt sich Upington von seiner heien Seite. Um so erfreulicher ist es fr uns, da wir im Upington-Protea-Hotel eine Nacht gebucht haben. Das Hotel liegt am Stadtrand direkt am Oranje. Unser Auto parken wir im streng bewachten Innenhof des Hotels. Nur noch ein Zimmer mit Blick zur Strae ist frei. Natrlich ist eines mit Aussicht zum Oranje-Flu vorzuziehen. Alle Zimmer haben Klimaanlage, doch uns zieht es zum Pool, der zwar klein, aber zur Abkhlung gut geeignet ist. Im Hotel gibt es einen zur Rezeption hin offenen Frhstcksraum. Mittag - und Abendessen jedoch wird nebenan in einem Restaurant serviert. In ein paar Gehminuten Entfernung erreicht man gleich mehrere Schnellimbi-Restaurants. Die Zimmer des Drei-Sterne-Hotels sind zweckmig und ohne Schnrkel (Radio, TV, Telefon, Kaffee/Teemaschine, Dusche/Bad, Fhn) ausgestattet. Da ich nicht wei, ob bei unserer Rckfahrt die Weinkooperative geffnet hat, fahre ich etwa zwei Kilometer, mache eine kurze Weinprobe und bringe fnf Kisten Wein mit ins Hotel. Der Eigentmer des Hotels Mr. Burger erlaubt mir, die Weinkartons in einem Abstellraum zwischenzulagern, bis wir aus Namibia zurckkommen. Im Hof sehe ich ein Allradfahrzeug mit Firmenauf-schrift. Wir vermieten auch Fahrzeuge zum Ausflug in den Kalahari-Gemsbok-Park oder zu den Augrabies-Fllen, erklrt mir die Dame an der Rezeption. Nach einem reichhaltigen Frhstcksbuffet lassen wir uns die Khltasche mit Eiswrfeln fllen, um die Getrnke bis zum heutigen Tagesziel einigermaen khl zu halten. Dann verlassen wir das Upington-Protea-Hotel nach Namibia. Nur noch 1.005 km auf der Teerstrae bis nach Windhoek. Bis zum endlos weiten Horizont reichendes, trockenes, ebenes Land, nicht besiedelt, teilweise niedrige Gebirgszge in der Ferne! So viel Ausblick hatte ich noch nie. Die Strae: gut ausgebaut, geradeaus, Stromleitung rechts, Ei-senbahnlinie links, auf beiden Seiten ein Drahtzaun. Und wenn man es am wenigsten vermutet hat, ein Tor im Zaun, die Zufahrt zu einem Farmhaus.

  • 232 Namibia - sprdes Paradies

    Wenn hier einer wohnt, mu der nicht verrckt werden? Man hat uns gesagt, da hier Schafzucht betrieben wird. Wir sehen keine Tiere. Was sollen die auch fressen? Vielleicht sieht es nach der Regenzeit anders aus?

    Nach einiger Zeit bekommt man ein komisches Gefhl: Was suchen wir hier eigentlich? Wo sind all die anderen Menschen geblieben? Irgend etwas ist hier verkehrt! Fr wen ist diese Stromleitung gedacht, seit Stunden haben wir keine Htte gesehen? Kein Fahrzeug auf der Strae! Wen sollen diese Zu-ne abhalten?

    Bevor ich Zustnde bekomme, taucht nach 1 Stunden ein Schild auf: Die sdafrikanische Grenze. Kurz danach begegnet uns das erste Auto. Die Grenzstation liegt mitten im Nichts. Eine Baracke links, eine rechts, in der Mitte ein Schlagbaum. Die Grenzbeamten sind mitteilsam. Ihre Baracke hat keine Klimaanlage, nicht mal einen Ventilator. 47 Grad Hitze hatten sie am Wochenende. Einer sitzt auf einem Stuhl in der prallen Sonne. Sonnen-schutz? Er zeigt auf seinen Mtzenrand. Sie schlafen in einem verlassenen Bauernhaus etwas abseits. Es bricht schon auseinander, falling into pieces. Dreieinhalb Monate machen sie hier Dienst am Stck und das alles fr Volk und Vaterland. Er gebraucht den deutschen Ausdruck. Seine Urgroeltern sind 1850 eingewandert. Ein jngerer Kollege schneidet aus einer Zeitschrift Whiskyreklame aus.

    Ein paar Kilometer weiter, kurz bevor die gute Teerstrae ber einen Tro-ckenflu fhrt, das Schild: Welcome in Namibia. We hope you will enjoy y-our stay. Mal sehen! Einige Kilometer weiter, bei Ariamsvlei, die namibiani-sche Grenzstation. berdachte Parkpltze, freundliche Grenzer, schnelle Abfertigung. Stempel in den Pa, und schon hat uns Namibia fr mindestens drei Wochen. Die gleiche Landschaft wie vorher. Schtzel ade! tnt ein ge-mischter Chor im Autoradio. Die englischsprachige Kommentatorin: Die Deutschen sind ein frhliches, singendes Volk. So so!

    112 Kilometer nach der namibianischen Grenze erreichen wir Karasburg, das vor allem aus Tankstellen besteht. Natrlich lassen wir uns in diesem Land der weiten Strecken keine Gelegenheit zum Tanken entgehen. Die Radio-

  • Erlebnis sdliches Afrika 233

    sendung wird jetzt fortgesetzt mit deutschem Kinderprogramm: TKKG und spter ein Quiz. Unser Junior kann gar nicht nahe genug ran an den Laut-sprecher. Wo hrt er schon Deutsches im Radio in Pretoria?

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    Eine herbe Landschaft: Grundton beige. Sengende Hitze. Wir verlassen nach 1115 km ab Pretoria die Teerstrae und nehmen in Karasburg die C11 und dann die P259 in nrdlicher Richtung. Da es hauptschlich geradeaus geht, knnen wir mit 100 km/h ber die Piste brettern. Abhngig davon, ob die Gravel - Road gerade mit einer Straenbaumaschine geglttet worden ist, hat man in Namibia gute und weniger gute Fahrt. Der Reifen hinten links be-schliet, sich den Attacken gegen seine Laufflche erst einmal Luft zu ma-chen, indem er jene entlt, was sich in Schwimmbewegungen des Autos bemerkbar macht.

    Es ist 12 Uhr mittags. Erbarmungslos brennt die Sonne hernieder. Ich steige, dermaen im Tempo abgebremst, aus dem Wagen und hole das Reserverad aus dem zuvor entleerten Kofferraum. Gut, da ich in Pretoria nochmals den Luftdruck des Reifens berprft habe. Ein scharfkantiger Stein hat nicht nur ein Loch, sondern fast einen Schlitz in den Reifen gedrckt. Und das schon nach 40 km auf ungeteerter Strae!

    Etwas kleinlaut ziehen wir weiter gen Norden. Wenn das mal gut geht, unkt meine Frau. Und hat recht in ihren bsen Vorahnungen. Fast auf den Kilome-ter genau nach weiteren 40 km schlingert der Passat. Ach je! Was jetzt?

    Ich betrachte den Schaden. Wieder ein etwas greres Loch. Her mit der Fupumpe. Bei laufendem Motor und Schwei pumpe ich ein wenig schnel-ler als die Luft entweichen kann und werfe mich dann hinter das Steuerrad. Auf diese Weise schaffe ich an die zwei Kilometer. Nun dasselbe noch mal! Und noch mal. Nur noch 36 km bis zur Mount Karas Game Lodge. Gut, da wir gengend zum Trinken eingepackt haben. Touristen, die mit dem Miet-wagen unterwegs sind, unterschtzen manchmal die lebensfeindliche Land-

  • 234 Namibia - sprdes Paradies

    schaft. Da kann es schon mal vorkommen, da man auf der Strae mehrere Stunden mit dem havarierten Fahrzeug liegenbleibt, bis endlich ein Mensch vorbeikommt. Wenn da kein Trinkwasser zur Verfgung steht!

    Das vorher flache Gelnde zeigt nun Hgel und Tler. Die Strae wird kurvig. Eine Mondlandschaft, irgendwie ganz malerisch, doch wir sind nicht in der Stimmung fr solche Betrachtungen. Langsamfahren wre nun angebracht. Doch je langsamer, desto mehr Luft verschwindet aus dem Reifen whrend einer Etappe. Wir pumpen gerade am Rande eines Canyons zum x-ten Ma-le den schon heigelaufenen und recht unfrmigen Reifen auf, da sehen wir weit entfernt in einer Schlucht ein Windrad im Sonnenlicht glnzen. Eine Fa-ta-Morgana oder eine Farm? Dahin werden wir es noch schaffen, oder?

    Wir holpern ber ein Viehgatter, dann kommen wir vor einem Farmgebude zu stehen. Auf mein Klopfen hin ffnet eine schlaftrunkene Frau. Mittagszeit in Namibia ist Siestazeit. Das klgste, was man machen kann. Trotz der lhmenden Hitze beauftragt sie ein paar Nama-Farmarbeiter, sich mit dem platten Reifen zu beschftigen.

    Ein Kompressor ist schnell zur Hand. Doch entweicht die Luft zu schnell. Wir bitten darum, da uns Werkzeuge zum Einlegen des mitgebrachten Schlau-ches geliehen werden. Doch da wird nichts draus. Im Handumdrehen haben die Farmarbeiter den Schlauch eingelegt und den nun wieder prallen Reifen angebracht. Wir bedanken uns berschwenglich bei Frau Oberholzer und lassen den braunen Helfern Trinkgeld da. Noch zehn Kilometer bis zur Lodge - wir schaffen sie ohne Platten!

    Nahe der Kalahari-Westgrenze und am Nordhang der Groen Karasberge hlt unser Wagen vor einem leicht geffneten schmiedeeisernen Tor. Nach-mittagsruhe. Kein Mensch weit und breit, als wir vor einem unwirklich anmu-tenden grnen Paradies in dieser vertrockneten Einde stehen. Blumen um einen Teich, ein paar Fertigteil-Htten, ein strohgedeckter, allseitig offener Versammlungs- und Eraum. Zwei Windrder, prallgrnes Gras zwischen den Htten, ein Schwimmbecken, von einem grnenden Baum beschattet.

  • Erlebnis sdliches Afrika 235

    David Fourie, ein braungebrannter Mittfnfziger mit Sonnenbrille, gelbem Sweatshirt und Shorts taucht hinter dem Farmtor auf. Er zeigt uns unser ein-fach eingerichtetes Huschen und ldt uns zu einem Drink ein. Dann erst einmal Abkhlung im Schwimmbecken. Ah, tut das guuut! Ich meine es zi-schen zu hren, als das Wasser die heie Haut berhrt.

    Im warmen Licht der frhabendlichen Sonne fahren wir mit Davids Bakkie zur benachbarten Farm Warmfontein, wo wir Buschmannszeichnungen in einer Felsnische betrachten, die am steilen Felsufer eines ausgetrockneten Flus-ses liegt.

    Eindrucksvolles Zeichen der Buschmannskunst ist ein 91 Zentimeter hoher gelber Elefant, der naturgetreu gezeichnet wurde. Masken, Nashrner und andere Tiere sowie Symbole schmcken den glatten Fels. David packt seine Khlbox aus. Mit einer Limo in der Hand genieen wir im Schatten des Fels-berhanges die goldfarbige Halbwstenlandschaft. Wste? Offenbar nur zu dieser Jahreszeit, da alle auf Regen warten und die letzten Grashalme von Schafen abgefressen sind. Schafe? Ja, die Haupteinnahmequelle der hiesi-gen Farmer. Man rechnet in dieser Gegend mit einem Schaf auf 4 Hektar. Mehr kann das Land nicht verkraften.

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    In diesen Tagen ohne Regen mu jeder Schaffarmer zufttern, damit die Tie-re nicht Hungers sterben. Wasser gibt es noch, gefrdert durch Windrder in betonierte Wasserbecken hinein. Bis zum Abendessen genieen wir die Stil-le der urtmlichen Berglandschaft, in die sich die Mount Karas Game Lodge als ein grnes Juwel einfgt. Davids Frau Anna hat leckere Salate zubereitet, die wir zu Davids gegrillten Lammkoteletts und Kuduwurst essen.

    Wer sich selbst verpflegen will, hat einen Grill vor dem Huschen zur Verf-gung. Entweder man bringt sein Essen und Getrnke mit, oder kann Le-bensmittel direkt aus der Khltruhe am Platz kaufen. Eines der Huschen ist

  • 236 Namibia - sprdes Paradies

    als beauty salon eingerichtet, wo sich Anna bettigt. In der khleren Jah-reszeit kann man eine 11 km lange Wanderung auf der Farm machen.

    Sonntag morgen: frh um 7 geht es hoch auf dem offenen Gelndewagen auf Fotosafari. Oryx, Wildebeest, Springbcke und Hartebeest stehen wach-sam zwischen knallgrnen mannshohen Euphorbien oder rennen vor dem Toyota, Staubwolken nach sich ziehend, davon. Ein massives Nest von Sie-delweber - Vgeln beansprucht fast die ganze Krone, ich schtze drei Meter im Durchmesser, eines knorrigen Baumes. Wir entdecken im Sand Spuren der deutschen Schutztruppe: Bierflaschen aus der Zeit um die Jahrhundert-wende, vom Wind freigelegt.

    Buschmnner haben am Rand eines Trockenflusses gelebt. Wir finden im Sand Teile von Halsketten: runde weie Plttchen mit Loch in der Mitte. Das Material: Straueneierschalen! Ab und zu stoen wir auf eine ausgehhlte Steinplatte, daneben ein Steinstel zum Zermahlen von Getreide. All dies liegt offen da - ein Freilichtmuseum lngst vergangener Zeiten.

    Nach dieser eindrucksvollen Fahrt und einem einfachen Frhstck findet man die Familie am Pool und in der Hngematte, whrend ich diesen Bericht schreibe. Da im namibianischen Sommer die Sonne gar heftig hernieder brennt, ist jeder Schatten angenehm, der zu finden ist. Abhilfe gegen die Hit-ze: nach einem Bad im klaren Pool sich unter das Strohdach legen, vom leichten Wind auf ertrgliche Temperaturen gebracht, mit einem khlen Ge-trnk in Reichweite.

    Am nchsten Morgen machen wir uns auf nach Keetmanshoop, der Haupt-stadt des Sdens. Den Reiz des Sdens von Namiba macht seine herbe, endlos wirkende Landschaft aus. Das wird uns bewut, als wir Kilometer um Kilometer zuerst auf ungeteerter, dann sehr guter Teerstrae die 136 Kilome-ter Richtung Norden fahren. Whrend meine Familie in Keetmans das Zimmer im Canyon - Hotel bezieht, kaufe ich zwei neue Reifen. In der alten Kirche der Rheinischen Mission, etwa 10 Minuten zu Fu vom Hotel entfernt, ist ein interessantes Museum zu Geschichte des Ortes und der Region un-tergebracht. Unter Missionar Tobias Fenchel wurde die Kirche 1895 vollen-

  • Erlebnis sdliches Afrika 237

    det. Ursprnglich fanden 1000 Menschen in dem ltesten Gebude Keet-manshoops Platz, das ab 1950 nicht mehr benutzt wurde. Reichlich herun-tergekommen wurde es aber in jngster Zeit durch Beschlu im Stadtrat mit privaten und stdtischen Mitteln restauriert und in ein Museum umgewandelt. Damit hat Keetmanshoop wieder eine Attraktion.

    Im Fremdenverkehrsamt, nicht weit von der Missionskirche entfernt, erwartet uns eine Klimaanlage und verschiedene Videofilme ber Namibia. Die Aus-wahl von Prospekten ber Sehenswrdigkeiten des Landes ist umfangreich. Keetmanshoop ist idealer Zwischenhalt oder Ausgangspunkt zum Fish-River - Canyon, dem zweitgrten nach dem Grand-Canyon in den USA: 161 km lang, bis 27 km breit und fast 550 Meter tief. In zwei Stunden Fahrt (ca. 163 km) ist man von Keetmanshoop dort. Hobas heit das Camp beim Fish-River-Canyon. Es ist fast leer, als wir dort ankommen. Nur einige Schwarze, die sich um die Anlagen kmmern. Hinweisschilder auf deutsch lassen heimatliche Gefhle aufkommen: Camping auf dem Rasen verboten und Schwimmbadregeln. Die letzteren zieren den Zaun um einen winzigen kreisrunden Pool. Es sind zehn Regeln und verboten ist ziemlich alles, auch das Spielen im und am Wasser.

    Dennoch es ist ein schner Platz. Schatten unter Bumen, ein wenig Grn, ein paar Blumen. Auerhalb nur Steinwste! Wir fahren die Gerllstrae zum Canyon hinaus. Er zieht sich kilometerlang hin, vom River ist nicht viel ge-blieben. Er hat Regen ntig. An manchen Stellen kann man hinabsteigen. Es ist mhsam und dauert ca. zwei Stunden. Eine Mehrtages-Wanderung fhrt in der khleren Jahreszeit ber 90 km am Grund des Canyons entlang.

    Zurck zum Thema Keetmanshoop: Hier treffen sich Straen und Eisen-bahnlinien. Der Ort hat einige Gebude aus der deutsch-kolonialen Zeit bei-behalten. Die Karakulschaf-Industrie des Landes besitzt in Keetmanshoop ihr administratives und Versorgungszentrum. Eine halbe Tagesfahrt entfernt liegt die historische Ortschaft Lderitz, zuvor kommt man zum Geisterdorf Kol-manskuppe.

  • 238 Namibia - sprdes Paradies

    Das Canyon-Hotel (***) in Keetmanshoop ist in dieser sommerlichen Jahres-zeit eine wahre Oase. Bis aufs I-Tpfelchen stimmt hier alles. Herr Mutavd-zic, der deutsch spricht, sorgt unermdlich dafr, da auf die Begriffe Ord-nung und Sauberkeit Wert gelegt wird. Schon zur Begrung fhlen wir die familire Stimmung im Hotel: den durstigen Reisenden erwartet an der Re-zeption ein Glas eisgekhlter Fruchtsaft. Spter erfrischen wir uns im Pool hinter dem Hotel. Hinter dem Pool steht eine Vogelvoliere, daneben ein Kin-derspielplatz. Im Konferenzraum hngt ein Zander, d.h. ein Gemlde des bekannten Knstlers Konny Zander, der auch fr dieses Buch eine Zeichnung beigesteuert hat (Tel. siehe Seite 2).

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    Der Abend senkt die Temperatur auf etwa 30 Grad Celsius, als wir beschlie-en, einen Ausflug zum bekannten Kcherbaumwald (13 km) zu machen. Wir verlassen die Stadt in Richtung Norden und biegen dann auf eine Gravel-road ein. In gut einer Viertelstunde sind wir auf der Farm Gariganus, wo uns Herr Nolte auf eine weitere Attraktion hinweist, den Spielplatz der Riesen. Den sollen wir doch zuerst besuchen, denn der Kcherbaumwald ist spter, bei Sonnenuntergang, besonders schn. Der Giants Playground ist ein wei-tes Gebiet, auf dem groe Felsen in allen Stadien der Verwitterung auf - und bereinander geschichtet sind. In absoluter Stille wandern wir durch die Steinde. Manche Felsen bilden Tier- und Phantasieformen.

    Zurck im Kcherbaumwald empfngt uns ein seltsames Geschpf: die Aloe dichotoma, eine der interessantesten Pflanzen in der heiesten Region von Namibia. Wie der Name schon sagt, ist der Kcherbaum gar kein Baum, sondern eine Aloe, wobei dichotoma auf die gegabelten ste der Pflanze verweist. Frher hhlten einheimische Buschleute und Hottentotten die fase-rigen schwammigen ste aus, um sie als Kcher fr ihre Pfeile zu gebrau-chen. Bis zu neun Meter hoch wird die Pflanze, an der Basis bis zu einem Meter im Durchmesser. Die groen Bume im Wald sind 200 bis 300 Jahre

  • Erlebnis sdliches Afrika 239

    alt. Die verstelten hellgelben Blten, die wir erst im Winter (Juni und Juli) bewundern knnen, werden bis zu 30 cm lang. Ganz wohl fhlt sich der Kcherbaum in einer schwarzen Felsformation, die in der heien Zeit viel Wrme absorbiert. Durchschnittstemperatur 38 Grad. Steine halten die flachen Wurzeln fest. Herr Nolte erklrt uns, da kein einzi-ger Baum im Wald, der seit 1955 nationales Denkmal ist, angepflanzt wurde. Ein ganz besonderes Erlebnis ist die bernachtung auf dem sauberen Cam-pingplatz direkt vor dem Kcherbaumwald. Wenn der Generator der Farm Gariganus schweigt, legt sich die Stille der namibianischen Nacht ber den Campingplatz. Auf dem Rcken liegend erfasse ich mit dem Blick einen gro-en Teil des ber und ber mit Sternen besprenkelten Nachthimmels. Ein groartiges Erlebnis. Bald eifere ich mit meiner Familie um die Wette, wer die meisten Satelliten und Sternschnuppen entdecken kann. Mit Coenie Nol-te vereinbare ich, am Ende meiner Rundreise wieder vorbeizukommen, um eine Nacht in einem seiner Gstezimmer zu verbringen. Im klimatisierten Speiseraum des Canyon-Hotel genieen wir das Abendes-sen. Die Speisekarte bietet eine gute Auswahl von Gerichten und Getrnken. Wir brauchen uns nicht besonders fein anzuziehen, um dort zu essen, ob-wohl es statt Papier-Stoffservietten gibt. Excellent schmeckt mir ein Strau-ensteak vom Grill, dazu ein trockener sdafrikanischer Rotwein, fr junge Gste gibt es Kinderpizza, als Dinosaurierfe vermarktet. Am nchsten Morgen verlassen wir Keetmanshoop auf guter Teerstrae gen Norden. Nach 60 km sollten wir eigentlich nach links (Westen) in die unge-teerte Strae einbiegen, die nach 25 km den Krater Brukkaros (1603 m hoch) erreicht. Doch fr eine Wanderung zum Kraterrand scheint uns die Jahreszeit zu hei. Ein andermal. Welkom in Mariental steht am Eingang eines Ortes, 155 km von Keet-manshoop entfernt. Offenbar ist afrikaans hier die am meisten verbreitete Sprache. Noch ein paar Kilometer nach Norden, dann biegen wir nach Osten in die Teerstrae Richtung Stampriet ein. Etwa 30 km weiter stehen wir vor dem Farmtor der Anib Lodge, laut Prospekt dem Nest am Rande der Kala-

  • 240 Namibia - sprdes Paradies

    hari. Eine kurze Strecke durch roten Sand fhrt uns vor das Farmhaus, wo uns Anka Schultz erwartet.

    Goldgelbes Gras berzieht die roten Sanddnen der Kalahari, auf dessen Auslufern die Anib Lodge liegt. Auf einer abendlichen Ausfahrt ber die Farm sehen wir Jahrhunderte alte Kameldornbume, in denen Siedelweber-vgel enorme Nester gebaut haben. In der Ferne grasen Oryxantilopen und grazile Springbcke. Ein kleiner Pool dient uns zur willkommenen Abkhlung. Frau Schulz serviert beste Hausmannskost. Gulasch und Reis gibt es, da-nach einen erfrischenden Nachtisch. Mittags leichte Kost: gemischten Salat.

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    Untergebracht sind wir in einem gerumigen sauberen Reihenbungalow ne-ben dem eigentlichen Farmhaus. Da wir nur einen Tag Zeit haben, uns auf der Farm umzusehen, nehmen wir die anderen Angebote der Anib Lodge lei-der nicht wahr: Zelten in der Wildnis und Wandern ber das Farmgelnde. Die Stille auf der Farm ist zum Greifen, nur vom Knarzen des Windrades un-terbrochen. Und so sitzen wir nach dem Abendessen mit zwei anderen Tou-risten zusammen, die nur ein Problem haben: schon zum 3. Mal sind sie um diese Jahreszeit in Namibia, weil sie die Hitze lieben. Erst jetzt haben sie sich ein gelndegngiges Fahrzeug gekauft. Mit Swakopmunder Nummer. Warum erkennt trotzdem jeder, da wir keine Namibianer sind? wird Claus Schulz, unser Gastgeber, gefragt.

    Ganz einfach: modische Kleidung, anderes Schuhwerk. Sie wissen ja, da Sdafrikaner und Namibianer nie Sandalen und Socken dazu tragen. Damit ist unser Tourist noch nicht zufrieden. Dann geht Herr Schulz ins Haus. Zu-rck kommt nach einiger Zeit ein gedrungener Typ in langem schwarzem Mantel. Blonde lange Percke, dunkle Hornbrille und Schnurrbart. Vielleicht sollten Sie sich dies anziehen? Das ist doch die Stimme von Herrn Schulz! Ein gelungener Scherz. Scherzen kann er, der Herr Schulz. Gestern wre er beinahe vom Auto zerquetscht worden, als der Wagenheber unter seinem havarierten Auto wegrutschte und unser Gastgeber drei Stunden unter dem

  • Erlebnis sdliches Afrika 241

    Auto festklemmte. Kein Mensch kam zu Hilfe, einfach deswegen, weil kein Mensch auf dieser Strae war! Und da er mit nur einem schweren Sonnen-brand auf dem halben Krper davonkam, hat er seiner Geschicklichkeit zu verdanken, in mhevoller Kleinarbeit den Wagen wieder hochzubocken! Das sind Geschichten, die das Leben schreibt. Das harte Leben in Namibia. Ein Tourist sieht von all dem nicht viel. Dementsprechend die berschwengli-chen Eintrge in den Gstebchern der -farmen. Die Anib-Lodge hat bri-gens eine hervorragende Auswahl von Namibia-Bchern. Nach dem Frhstck fahren wir 11 km Richtung Mariental zurck, um dann in die Strae 1066 nach Norden abzubiegen. Noch 44 km Gravelroad und schon stehen wir vor einem verschlossenen Farmtor mit der Aufschrift Intu Afrika Game Lodge. Wir hupen eine Weile, dann versuche ich es auf der anderen Seite der Strae, wo ich ein Farmhaus entdeckt habe. Schon bald fahren wir hinter einem Gelndewagen zwischen hohen roten Dnen auf die eigentliche Game-Lodge zu. Da der Sand weich ist, pat auf dem Gelndewagen einer auf, da wir nicht unterwegs steckenbleiben. Kurz vor der Lodge whlen sich die Vorderrder des Passat tief in den Sand, doch hilfreiche Hnde schieben den Wagen heraus und unter ein Schatten-dach, wo schon drei offene Landrover mit Safariausrstung bereitstehen. Wir beziehen ein Zimmer, durch dessen Eingangstr wir auf ein Tal blicken, das von zwei rostroten Dnen begrenzt ist. Grne Kameldornbume bilden den denkbar grten Kontrast zu dieser trockenen Landschaft. Grn? Hier in der Wste? Unter den Dnen verluft ein unterirdischer Flu! Die Wurzeln der Kameldornbume sind so lang, da sie bis ans Wasser kommen und so das Grn auf die Zweige zaubern. 100 Meter von unserem Zimmer entfernt hat man eine mit Schilf verkleidete Beobachtungsstelle gebaut, von der ich kurze Zeit spter eine sechskpfige Elandantilopen-Herde an der Wasserstel-le beobachten kann. Sommer ist es, und das ist der Grund, die Sonne zu meiden. Ich schtze die Nachmittagstemperaturen auf 38-40 Grad. Der im Zimmer aufgestellte Luft-khler schafft es nicht, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Im einfach gehal-

  • 242 Namibia - sprdes Paradies

    tenen Zimmer stehen Doppelbett, Liege fr unseren Sohn und zwei Sessel. Im Bad eine Dusche und Toilette, kein Rasiereranschlu. Wer es gerumiger haben will, zieht in ein Chalet, von dessen Wohnzimmer aus man durch die Panoramascheiben einen groartigen Blick auf die Kalahari - Landschaft hat. Die Decke des Haupthauses ist mit Strohmatten verziert. Holzbalken ziehen von Wand zu Wand. Gemtliche Sessel im Wohnzimmerteil der luftigen Hal-le, daneben der Eraum. An der Wand Bilder mit Szenen aus Folklore und Tierwelt. Links und rechts des Eingangs berlebensgroe geschnitzte Statu-en eines Eingeborenen-Paares. Hinter dem Haus ein kleiner Pool, ein Luxus in der Sandwste.

    Nach einem leichten Mittagessen machen wir erst einmal Siesta. Wir haben uns schon gut angepat! Als die schrgstehende Sonne die Dnen orangerot frbt, gleiten wir im offenen Gelndewagen langsam durch den weichen Sand. Zunchst fahren wir ein Dnental entlang, berqueren dann mehrere Dnen und ersphen vom Dnenkamm aus Zebras, Wildebeest, Springb-cke und andere Antilopen, denen wir uns vorsichtig nhern. Doch die Tiere sind sehr scheu. Vielleicht liegt dies daran, da Intu Afrika vor kurzer Zeit noch Jagdfarm war. Ein Springbok liegt verendet unter einer Akazie. Ver-hungert, meint Ranger Shawn. Die Zeiten sind hart. Und der Regen will nicht kommen!

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    Der Luzerne-Bestand, mit dem zugefttert wird, geht - Mitte Dezember - langsam dem Ende zu. Wenn es bis Mitte Januar nicht regnet, sieht es schlecht fr den Wildbestand aus, gibt Shawn zu. Die Grser sind bis auf winzige Strunke abgenagt, die vereinzelt im Sand stecken. Auf der hchsten Dne des Wildreservates hlt Shawn den Landi an: herrlich, dieser Blick nach Osten, wo die untergehende Sonne die faserigen Wolken wie lange Haare durchsichtig, ja glnzend erscheinen lt. Der schon fast volle Mond schaut hinter den Kalahari-Wlkchen hervor.

  • Erlebnis sdliches Afrika 243

    Aussteigen bitte, jetzt kommt eine berraschung, einmalig in der Kalahari-Wste! kndigt Shawn an. Wir photographieren die scherenschnittartige Sil-houette der Kameldornbume, teils mit massigen Siedelwebernestern be-stckt gegen den goldbronzenen Abendhimmel. Durch den losen Sand stap-fen wir gespannt die Dne hoch. Oben angekommen, wische ich mir ver-wundert die Augen: da steht doch tatschlich ein Tisch, weie Tischdecke darber, gekhlte Getrnke (Wein, Bier, Saft) darauf. Zwei in schicken safarifarbenen Anzgen gekleidete Schwarze mit weien Handschuhen. Wirklich eine berraschung! Die Sonne versinkt und wir genieen den Sundowner. Das gibt es nicht alle Tage, wie mir Shawn versichert.

    Whrend der Mond die Rolle des Himmelsbeleuchters bernimmt, senkt sich erleichternd die Nacht ber die Kalahari. Noch einmal glht der Himmel im Westen in den unglaublichsten Farben auf, als wir langsam im Scheinwerfer-licht unseren Weg zur Lodge zurck finden.

    Unter einer mchtigen Akazie genieen wir in der Boma am Lagerfeuer Lammbraten mit Gemse und Reis, dazu gibt es Bier aus Swakopmund. Die Nacht ist wegen der Hitze im Zimmer nicht einfach zu bewltigen. Tiefsttem-peratur 30 Grad. Mit einem nassen Hemd khle ich mich ab. Die frhmor-gendliche Fotosafari ist kurz nach Sonnenaufgang erfrischend und ergebnis-reich: drei Giraffen, eine Erdmnnchen (Surikat) sowie etliche Antilopen sind zu ersphen.

    Die meisten Vgel kommen erst wieder nach den Regenfllen. April oder Mai scheint die beste Jahreszeit zum Besuch dieser Region zu sein. Eine Woche nach dem ersten Regengu grnt und blht hier die Wste, wie mir glaubhaft versichert wurde. Und dann sind auch die zahlreichen Vogelarten zu sehen, die uns eine im Zimmer liegende Vogel- und Wildcheckliste aufzhlt.

    Wir wollen heute morgen nach Windhoek abreisen. 66 Kilometer fahren wir Gravelroad, dann bringt uns eine gute Teerstrae, die B1 ber Rehoboth nach Windhoek. Entfernung von der Lodge ca. 256 Kilometer.

  • 244 Namibia - sprdes Paradies + . @ 4

    Windhoek, die Hauptstadt Namibias, liegt im Zentralen Hochland, ca. 1650 m ber dem Meeresspiegel. Die Auas - und Eros - Berge umgeben die hge-lige Stadt. An der baumgesumten Independence-Avenue liegt unser Hotel, das Kalahari Sands (****). Praktisch ist die bewachte Parkgarage, deren zweiter Stock fr Hotelgste reserviert ist. Wir drcken auf einen Klingelknopf mit der Aufschrift Porter, und schon wenige Minuten spter steht ein livrier-ter Gepcktrger mit Wagen da, um unsere verstaubten Koffer aufzuladen. An einem Supermarkt vorbei erreichen wir die Rezeption, wo wir im Hand-umdrehn einchecken. Leider waren wir nicht schlau genug, denn wir htten schon bei der Buchung angeben knnen, da wir Nichtraucher sind. Denn zwei der 13 Stockwerke sind fr diese immer grer werdende Gruppe von Menschen reserviert. Auch im angeschlossenen Restaurant gibt es eine Nichtraucherabteilung. Hinauf in den 12 Stock geht es per Lift, wo unsere in-zwischen abgekehrten Koffer schon bereitstehen. Eine berwltigende Sicht ber die Stadt und das Umland, ungetrbt durch Staub oder Dunst erwartet uns.

    Ein Stockwerk hher auf dem Dach des Hotels ist ein Pool und ein Fitness-Center samt Sauna untergebracht. Das Parlament, die Christuskirche, die Alte Feste sind von hier aus schn zu sehen. Wenn man mit dem Flugzeug ankommt, ist das Kalahari-Sands nicht weit: direkt vor dem Hotel hlt der Flughafenbus!

    Sauna brauchen wir heute nicht, denn die haben wir ja stundenlang im Auto gehabt. Deshalb bleiben die Fenster unserer Suite schn geschlossen. Damit die Klimaanlage nicht zuviel arbeiten mu. An der Wand unserer grozgig ausgestatteten Suite hngen geschmackvolle Kollagen mit Wstenthemen. Jedes der Kunstwerke ist anders, sogar im Speiseraum des Hotels hngen welche. Da es fr ein Viersterne-Hotel selbstverstndlich ist, zhle ich hier nur kurz auf, was sich in den Zimmern befindet: Bad mit Dusche, Farb-TV mit Video-Kanal (tglich wechselnde Filme), Khlschrank, Kaffee/Tee-

  • Erlebnis sdliches Afrika 245

    Maschine, Radio, Telefon. Auf dem Tisch eine Flasche Rotwein als Begr-ungsgeschenk. An diesem milden Mittsommerabend gehen wir bummeln. Die Fugngerzo-ne Poststrae ldt mit zwei Biergrten und mehreren Restaurants zum Verweilen ein. In der Kaiserkrone, einem ehemaligen Hotel, finden wir ein Restaurant-Cafe mit italienischem Touch, das Marco Polo. Wie in einem Ferienort am Mittelmeer sitzen wir bei Kerzenlicht unter weien Sonnen-schirmen, die auch abends zum Ambiente des Innenhofes der Kaiserkrone beitragen. Fabier, das bei der warmen Temperatur reichlich fliet, ist selbstverstndlich im Angebot. Meine Pizza schmeckt hervorragend. Mein Sohn zeigt sich begeistert vom Eisbecher, den er sich aus einer groen Eiskarte ausgewhlt hat. Halb 10 Uhr abends, und noch 32 Grad Celsius. Angenehm! Schn, da man in fnf Gehminuten vom Kalahari-Sands hier ist, vorbei an verschiedenen Souvenir - Geschften. Wer es vorzieht, dem Hotelleben zu entfliehen und ein wenig Lokalkolorit zu erleben, ist hier im Hof der Kaiserkrone genau richtig. Wir fh-len uns heimisch - vom Kellner bis zu den Gsten um uns herum: hier wird deutsch gesprochen. Auer Oberkellner Pedro - mit ihm mu man englisch reden. Wer nur einen Snack im Sinne hat, aber auf Windhoek - Bier vom Fa nicht verzichten will, setzt sich auf die Gartensthle vor dem Straen - Pub Le Bi-stro Ecke Independence/Poststrae. Vom angebotenen Essen sind wir nicht gerade berwltigt. Auf dem Rasen des Zoo - Parkes mitten in der Stadt quirlt das Leben. Bu-me, Bsche und blhende Pflanzen bereichern optisch das Bild. Aus der Jahrhundertwende stammen die deutsch-kolonialen Gebude, die der Stadt-architektur ein besonderes Flair verleihen. Der Tintenpalast, 10 Gehminuten vom Kalahari-Sands entfernt, ist der histo-rische Regierungssitz, heute Parlament, daneben die Christuskirche, die die Stadt berragt. Zum Fotografieren warte ich das Abendlicht ab, und wie es der Zufall will, hngt gerade eine dicke schwarze Regenwolke am Himmel

  • 246 Namibia - sprdes Paradies

    hinter der hell strahlenden Christuskirche, ein Bild wie fr den Prospekt ge-macht! Neben der Kirche die wei leuchtende Alte Feste, einst wirklich eine Festung, jetzt ein Museum, davor eine Reiterstatue. Willi Sander zeichnete in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts fr die drei Schlchen Windhoeks im deutsch-kolonialen Stil verantwortlich, die jedoch alle in Privatbesitz sind und nur von auen besichtigt werden knnen. Auf dem Weg zum Hotel zurck bewundern wir die Vielfalt an handgefertigten Souvenirs, die Straenhndler aus ganz Namibia feilbieten. Doch die beste Mglichkeit fr Touristen, einheimische Souvenirs zu erste-hen, ist das Namibia Craft Centre, ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt. Whrend die Andenkenlden des Windhoeker Zentrums auch sdafrikani-sche und andere afrikanische Souvenirs anbieten, werden in dieser groen Halle der ehemaligen Windhoeker Brauerei handgefertigte Andenken und Gebrauchsgegenstnde von Selbsthilfegruppen nur aus Namibia verkauft. Vom bestickten Tischtuch bis zum Jade-Armband erhlt man hier eine Viel-zahl von eindrucksvollen Souvenirs. Das Frhstcksbuffet im Kalahari-Sands berrascht mich: Ohne zu bertrei-ben: die reichhaltige Auswahl lt mich einige Augenblicke verharren, bevor ich geistig die richtige Speisenfolge vorbereitet habe. Da gibt es frische Aus-tern (aus Walvisbay), einen Stand fr Pfannkuchen, dann einen Grill mit Steaks jeder Art und Wrsten, einen Stand fr Omeletts. Nicht zu vergessen das bliche: Scheibenwurst (nach deutscher Art), Lachs, Hering, diverse Mslisorten, 20 Marmeladen, Sfte etc. Natrlich hat Windhoek nicht nur Super-Hotels, sondern auch jede Art von Beherbergungsbetrieben. Die Windhoek-Information hilft bei der Auswahl (Adresse siehe unten). Vor dem Bahnhof, den wir mit dem Auto besuchen, steht eine kleine alte Dampflok. Von da aus fahren wir durch die Vororte Eros und Klein-Windhoek, wo wir sehen, wie gut sich die Einheimischen mit Mau-ern und Gittern vor der zunehmenden Kriminalitt schtzen. Bei der Reparaturwerkstatt Zimmermann-Garage, die auch Autos verleiht, lasse ich den Passat wegen seines chronischen Hustens reparieren. Ich hin-

  • Erlebnis sdliches Afrika 247

    terlasse neben einem Satz alter Zndkerzen und mehreren Kabeln eine Stange Geld. Doch schon 150 km weiter hustet unser Patient wieder. Zu spt zum Zurckfahren und reklamieren, denn wir haben fest gebucht und wollen nicht noch eine Nacht in Windhoek bleiben!

    ber Okahandja erreichen wir mit schwerkrankem Passat den kleinen deut-schen Ort Karibib (ca. 186 km nach Windhoek). Wir verlassen im Ort die Teerstrae in sdlicher Richtung. Bald lt uns ein Schild Etusis Lodge in eine weniger glatte Farmstrae abbiegen, auf der wir geraume Zeit im zwei-ten Gang eine Bergkette entlang nach Westen fahren. Kahl und leer wirkt an

    7 x 10 cm Etusis Lodge Film aus der 2. Auflage, Vorspann, bernehmen

  • 248 Namibia - sprdes Paradies

    diesem Dezembertag die Gegend. Doch als wir 35 km hinter Karibib die bei-den Gastgeber Gerald und Inge Hlbich kennenlernen, erfahren wir beim khlen Willkommenstrank im strohgedeckten modernen Restaurant, da es bis zu fnf Monate nach einer guten Regenzeit hier grnt und blht. Natrlich mu es dann immer wieder mal regnen, damit nicht die gesamte Vegetation von der afrikanischen Sonne verbrannt wird.

    Entlang des kleinen Pools, der von saftigem Rasen umgegeben ist, gelangen wir zu unserem reetgedeckten Bungalow. Drin in zwei Stockwerken vier Bet-ten, WC, Dusche und Kleiderschrank. Ein Ventillator sorgt fr eine leichte Brise. Neben unserem Camp enden die Auslufer der fast 2.000 m hohen Otjipaterberge, eines der hchsten Bergmassive Namibias. Die Lodge ist neu, erst am 30. Juli 1994 erffnet. Neben den Bungalows stehen sechs Lu-xuszelte fr je 2 Personen, die sich zusammen ein Sanitrgebude teilen. Unser Sohn nimmt nur zgernd die Einladung des Verwalters der Lodge an, die Gegend per Pferd zu erkunden. Zuerst reitet er unsicher, denn er sitzt zum ersten Mal auf einem Pferd, am Zgel hinter einem Angestellten her. Dann nimmt er schon selbst die Zgel in die Hand. Ganz stolz zeigt er, wie er das Pferd lenken kann. Fr Gste stehen eine Auswahl von Pferden fr Reit-touren bers Farmglnde zur Verfgung.

    Die 12.000 Hektar groe Farm ist teils Hochsavanne, teils Gebirge. Zwei Ki-lometer von der Lodge entfernt liegt ein Wasserfall, den wir auf der abendli-chen Ausfahrt im Gelndefahrzeug erreichen. Natrlich fliet nach der enor-men Trockenheit kein Wasser mehr, doch unten, am Ende des Tales, ist das Wasserloch noch gefllt. Hoch oben hat man eine bernachtungshtte ge-baut. Von dort haben wir einen ausgezeichneten Blick auf die Wasserstelle, wo man, wenn man gengend Zeit mitbringt, Wild beim Trinken beobachten kann. Als wir ins Abendglhen hineinfahren, hlt Herr Hlbich kurz an: Leo-pardenspuren. Also sind sie wieder da, murmelt er. Zu fressen haben sie hier ja genug. Es wimmelt von Zebras, natrlich gibt es auch kleineres Wild wie Lffelhund, Kapfuchs, Klippschliefer, Kaphase usw. Im Prospekt der Lod-

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    ge sind sage und schreibe 32 Sugetierarten aufgezhlt. Natrlich braucht man einige Zeit, alle zu Gesicht zu bekommen.

    100 verschiedene Vogelarten sind auf der Farm zu sehen, viele davon kom-men allerdings nur auf Besuch, wenn die Drre vorbei ist. Ein besonderer Vorteil von Etusis: man kann in landschaftlich reizvoller Umgebung Tiere be-obachten und Pflanzen bestimmen, ohne vor Krankheiten wie Malaria, Bil-harziose, Schlafkrankheit usw. Angst haben zu mssen.

    Auf der Terrasse mit Blick zur Wasserstelle (Damm) warten wir auf das A-bendessen, das von Frau Hlbich mit Hilfe von einheimischen Helferinnen zubereitet wird. Nach einem hervorragenden Mahl sitzen wir noch lange drauen und erfahren manch Wissenswertes ber Land und Leute, denn Herr Hlbich hat selbst eine Farm in unmittelbarer Umgebung.

    In der Morgendmmerung, die den klaren Sternenhimmel verblassen lt, steige ich auf einen der nahen Hgel. Der Mond versinkt gerade in einer Kuhle zwischen den Bergen. Tiefbraun, dann ockerfarben erscheinen die Hgel aus Marmor und Granit, als die Sonne aufgeht. Die leichte khle Brise tut gut. Tief unter mir liegt das kreisfrmig angelegte Lager. Mit dem Fernglas entdecke ich kurz hintereinander sechs Zebras, zwei Kudus und ein Rudel Paviane. Zu einem krftiges Frhstck treffe ich wieder meine Familie, die es vorgezogen hat, lnger liegenzubleiben.

    Der blitzsaubere Pool hilft uns den Tag ber cool zu bleiben. Am Spt-nachmittag sitzen wir wieder im Gelndewagen und fahren ber die erstaun-lichsten Wege in diesem Gebirge. Vor ein paar Monaten waren hier allenfalls Zebrapfade. Was fr eine Riesenarbeit mu es sein, hier Schotterpisten an-zulegen! Wir besuchen einen Auenposten, wo Schafe oder Wild an Wind-rdern Wasserrinnen vorfinden und sehen Zebras, jede Menge Zebras und anderes Wild. Halsbrecherisch steil geht es manchmal in die Tiefe, doch der Toyota von Herrn Hlbich schafft es locker, wenn auch im Zeitlupentempo, damit die Fahrgste nicht heruntergeschleudert werden. Natrlich mu so ein Abstieg per Auto gefilmt werden. Abends knnen wir gleich den Videofilm im

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    Restaurant ansehen, denn der Fernseher der Lodge hat einen passenden Anschlu fr mein mitgebrachtes Kabel.

    Am nchsten Morgen tanken wir in Karibib. Der schwarze Tankwart begrt uns mit Guten Morgen. Auf halber Strecke nach Swakopmund wird das Husten des Autos so stark, da es kaum noch fahren will. Ich bin froh, da wir jetzt zum Atlantik hin abwrts rollen und dadurch eine akzeptable Ge-schwindigkeit beibehalten.

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    Oase und vielgefragtes Ferienziel in der Wste

    In Swakopmund angelangt fahren wir zur ersten erreichbaren VW-Werksttte. Doch dort werden wir erst einmal nicht zur Kenntnis genommen, dann wird uns ein Termin in 5 Tagen angeboten. In dieser Werkstatt ist es of-fenbar nicht blich, freundlich zu Ortsfremden zu sein. Daher steuern wir erst einmal auf das Hansa - Hotel zu, wo wir bernachten werden.

    Swakopmund (18.000 Einwohner) ist vllig von Wste eingerahmt: auf drei Seiten von Sandwste, auf einer Seite von der riesigen Wasserwste des At-lantik. Und doch ist Swakopmund der bevorzugte Ferien- und Erholungsort Namibias. In den Ferien steigt die Zahl der Menschen im Stdtchen auf das Doppelte an.

    Im Hansa-Hotel (***) helfen uns emsige Koffertrger, die frchterlich ver-staubten Gepckstcke zu reinigen, bevor wir das Hotel betreten. Wir bezie-hen ein gerumiges Zimmer im 2. Stock. Stephan Wacker, den quirligen Ge-schftsfhrer des Hotels, treffe ich im Speiseraum, wo er gerade mit der Tischanordnung fr eine Hochzeit beschftigt ist. Keine zehn Minuten spter bin ich bereits in Herberts Garage, die mir Herr Wacker empfohlen hat. Herbert spricht natrlich deutsch, wie fast alle Swakopmunder. Er hat sich in den Kopf gesetzt, dem chronischen Husten unseres Autos auf die Spur zu kommen. Dafr lt er alles stehen und liegen. Als wir am spten Nachmit-tag von einer Probefahrt von Meile 14 (einem beliebten Angelplatz an der

  • Erlebnis sdliches Afrika 251

    Kste nrdlich des Ortes) zurckkommen, genehmigen wir uns zur Feier des Sieges ber die technischen Unzulnglichkeiten eine Dose Tafel-Lager Bier aus der Hansa-Brauerei zu Swakopmund.

    Der Husten ist beseitigt. Herbert wischt sich den Schwei von der Stirn und ich fahre beruhigt zum Hotel zurck. Vor dem Abendessen ist noch Zeit fr einen Stadtrundgang. Zahlreiche Gebude aus der deutschen Kolonialzeit er-freuen das Auge. Deutsche Namen auf den Schildern vor den Geschften. Gemischtrassige Bevlkerung wimmelt auf den vorweihnachtlich sauberen und gepflegten Straen. Am Atlantikstrand packen die letzten Sonnenanbe-ter ein, denn dieser selten schne und sonnige Tag wird von einer khlen Brise beendet. Das Klima in Swakopmund zeigt sich oft von einer fr den Touristen eher unfreundlichen Seite: Nebel bis 11 Uhr, dann Sonne bis 15 Uhr, gefolgt von Nebel oder Nieselregen. Gerade deshalb lieben die Namibi-aner diesen Ort. Wenn die Sonne die Luft ber dem Inland in wabernde Hitze verwandelt, fhrt jeder, der es sich leisten kann, an die Kste. Der nchste klimatisch gnstige Ort ist Walvisbay, gefolgt viel weiter sdlich von Lderitz. Nrdlich von Swakopmund ist Hentiesbaai vor allem bei Anglern sehr beliebt. In Ferienzeiten wchst die Einwohnerzahl dieses Ortes von 1.500 auf 15.000 an. Bis aus Natal kommen die Hobbyangler hierher!

    Bei Kerzenschein und Klaviermusik genieen wir im stilvoll ausgestatteten Speiseraum des Hansa, eines der besten Hotels Swakopmunds, geschmorte Gemsbok-Haxe mit hausgemachten Krutersptzle und frischem Gemse. Afrikanisch-schwbisch sozusagen.

    Als wir am nchsten Morgen noch satt vom reichlichen Abendessen, zum Frhstck kommen, wartet ein umfangreiches Buffet auf uns. Vor allem die Sparte Msli ist extrem gut ausgebaut!

    Den Ausflug zur Robbenkolonie auf Cape Cross wird vor allem meine arme Nase in Erinnerung behalten. So einen Gestank wie den von 200.000 Seel-wen habe ich noch nie erlebt! Die Pelzrobben leben hier auf engstem Raume zusammen. Das Gebiet ist geschtzt, sie drfen nicht mehr geschlachtet werden. Die vielen Jungtiere, die zerdrckt werden oder auf andere Art ster-

  • 252 Namibia - sprdes Paradies

    ben, werden nachts von Hynen und anderen Aasfressern geholt. Die Mtter gehen lngere Zeit auf Fischfang. Dann kommen die Kleinen in eine Kinder-stube, wo zurckgebliebene Muttertiere sie beaufsichtigen. Am Geschrei er-kennen die zurckkehrenden Mtter ihr Baby wieder. Deshalb wird auch un-aufhrlich geblkt. Die Pelzrobbenkolonie ist von Mitte Dezember bis Ende Februar tglich geffnet, ansonsten nur zu bestimmten Zeiten.

    Die Zeit reicht noch fr einen Ausflug nach Walvisbay. Etwas auerhalb lie-gen Salzgewinnungsfelder. Im seichten Wasser stehen Tausende von Fla-mingos und viele Kormorane und Pelikane. Auf der Rckfahrt parken wir am Straenrand zwischen Dnen und Meer. Auf der anderen Seite der Strae klettern wir eine steile Dne hoch. Mhsam ist dieses Unterfangen, da wir im lockeren Sand einsinken und immer wieder zurckrutschen. Schwer atmend erreichen wir den Dnenkamm. Dne um Dne zieht sich die Wste so ge-gen Osten fort. Jung und alt rutscht hier auf Pappendekkeln oder stabileren Materialien auf beiden Seiten der Dne hinunter. Ganz Fortgeschrittene ha-ben sogar aus Deutschland importierte Dnenschier an, mit denen sie die selbstgebastelte Sandschanze meistern wollen.

    Auf meinem Bummel durch Swakopmunds Geschfte treffe ich gleich neben dem Hansa Herrn von Flotow, der vor kurzem das Flugunternehmen Atlantic Aviation gegrndet hat. Er fliegt fr Touristen zu einer Reihe von Sehenswr-digkeiten an der Kste und im Inland. Gleich melde ich mich fr einen Flug zum Sossusvlei an. Doch dieser Flug findet wegen mangelnder Nachfrage nicht statt. Um rentabel und preisgnstig fliegen zu knnen, sollten die Sitz-pltze der Cessna (5 ohne Pilot) einigermaen voll sein. Doch auch auf dem Flug nach Windhoek gbe es allerhand zu sehen, meint von Flotow. Wir ver-abreden uns fr einen der folgenden Tage.

    Bei Charlys Desert-Tours in der Kaiser-Wilhelm-Strae habe ich eine Ws-tentour gebucht. Es dauert auch hier lange, bis eine Tour zusammen ist. Doch dann soll es um 9 Uhr morgens soweit sein. Wir warten vor dem La-den. Kein Mensch zu sehen. Niemand, der mit uns einen Ausflug machen will. Nach einiger Zeit verliere ich die Geduld, hinterlasse eine Nachricht und

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    begebe mich zurck zum Hotel. Bis zum Redaktionsschlu habe ich keine Erklrung von dieser Firma erhalten. Da wir mit dem eigenen Auto in Swa-kopmund sind, fahren wir eben selbst zur Welwitschia-Ebene. Wir holen uns eine Erlaubnis von der Naturschutz-Behrde (zwischen Kaiser-Wilhelm-Strae und Hotel Schweizerhaus gelegen). Dann starten wir zu einem Rundweg von ca. 100 km, fr den wir uns gengend Zeit nehmen. In ungefhr 100 Nchten eines jeden Jahres zieht vom Ozean her Nebel ins Inland. Zahlreiche Lebewesen der Wste werden durch diese Feuchtigkeit am Leben erhalten. Flechten bedecken Schotterflchen und Gestein. Die weite Verbreitung von Flechten (Symbiose von Algen und Pilzen) in der Na-mib ist von Wissenschaftlern als eines der Wunder dieser Welt bezeichnet worden. Auch frs Auge sind die Flechten etwas besonderes: die Wste schimmert in sanftem Gelbbraun, in Grn- und Rottnen. Abgesehen von Flechten wchst hier vor allem die bekannte Welwitschia Mirabilis. Dieses Pflanze aus der Familie der Nadelhlzer kommt nur in Na-mibia und im sdlichen Angola vor. Etwa 72 km von Swakopmund entfernt gedeiht ein Prachtexemplar, dessen Alter auf 1.500 Jahre geschtzt wird. Wir finden den besonders gekennzeichneten Platz ganz leicht, denn wir haben eine Broschre mit Karte beim Naturschutzbro mitgenommen. Wir befinden uns hier im Namib-Naukluft-Park, mit 4,9 Millionen Hektar das viertgrte Naturschutzgebiet der Erde. Nur fr wenige Durchgangsstraen ist keine Erlaubnis erforderlich. Info beim Fremdenverkehrsamt oder der Na-turschutzbehrde. Auf dem Rckweg nach Swakopmund durchfahren wir die Mondlandschaft (uralte Erosionen) und besuchen die Farm Goanikontes, eine kleine Oase im Bett des Swakopflusses. Der Kontrast zwischen ihrem ppigen Grn und der den Namib tritt hier ganz besonders deutlich hervor. Der Riesling vom Kapweinland (selten preisgnstig fr ein gehobenes Re-staurant!) ergnzt die Gerichte, die wir uns heute abend im Hansa-Hotel ausgesucht haben. Meine Frau whlt geschmorten Kabeljau zum Dinner, ich entscheide mich fr Langusten. uerst preiswert kommen drei halbe Hum-mer-

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    Langusten auf den Tisch, dazu Reis und eine Riesenschssel gemischter Salat. Vom Flgel her dringt gedmpfte Musik: altbekannte deutsche Melo-dien, von einem jungen Schwarzen gespielt. Wir essen mit schwerem Silber-besteck und gutem Appetit. Wste macht hungrig.

    + \ @ . + $ $ 7 .

    Schon um 8 Uhr frh bringt mich Hubertus von Flotow mit seinem VW-Bus zum Flughafen, der nur wenige km auerhalb Swakopmunds liegt. Ein Freund von Flotows, der geschftlich nach Windhoek mu, fliegt die Maschi-ne in groer Hhe, so da ich einen guten Gesamtberblick ber die Land-schaft bekomme. Etwa eine Stunde spter fliegen wir von Windhoek zurck, diesmal mit von Flotow am Steuer. Und wesentlich tiefer. ber dem Khomas - Hochland, einer jetzt trockenen Gebirgslandschaft, erkennen wir vereinzelt Rinder und da und dort ein Farmhaus nebst -damm. Wir berfliegen einen von einer Hilfsorganisation der Bundesrepublik Deutschland finanzierten Schulkomplex mitten im Bergland, spter eine einst wohl frstliche, nun je-doch verlassene mehrstckige Residenz. Vereinzelt sind kleine Gruppen von Zebras zu sehen. Dann kommt eine Gebirgsschwelle, bei der die Landschaft erheblich absinkt. Heie Luft lt die kleine einmotorige Cessna immer wie-der erschttern. Ich fhle mich nicht gerade wohl, doch ist das gemeinhin als Seekrankheit bekannte Gefhl gerade noch zu ertragen.

    Irgendwann auf dem ca. einstndigen Flug erreichen wir das Trockenflubett des Swakop, das markant durch die gelblich - graue Landschaft schneidet. Nach dem steilen Canyon, das der Swakop ausgeformt hat, wird das Flu-bett immer breiter. Bume tauchen auf, vermehrt kleine Staudmme und Farmen. Ich entdecke mit bloem Auge einige Fahrzeuge am Swakop-Rand. Da ist die Uralt-Welwitschia, bei der wir gestern waren! Schon wird die Oase Goanikontes und das Schlchen Nonidas sichtbar, da meldet von Flotow schon unsere Ankunft dem Tower des Swakopmunder Flughafens.

    Wir ziehen heute ins Hotel Schweizerhaus (**), nur wenige Meter in Richtung Strand. Unser Zimmer Nr. 16 hat Meerblick und einen Balkon. Auf dem Tisch

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    im gerumigen Zimmer steht eine Flasche Sekt mit dem Schild Frohe Weih-nacht, daneben ein Krbchen mit ein paar Leckereien aus der hauseigenen Konditorei Caf Anton. Es gibt im Hotel nicht nur groe und helle, sondern, vor allem zum Innenhof hin, preislich abgestufte kleinere Zimmer wie z.B. Nr. 17. Im Innenhof, der als Biergarten genutzt wird, ist fr die Kinder ein Tram-polin aufgebaut. Hoch oben ist der gesamte Hof mit einem Netz abgedeckt, damit die Papageien nicht davonfliegen: eine Grovoliere!

    Nur 2-3 Minuten gehen wir vom Hotel Schweizerhaus aus zum Strand, vorbei an Stnden von Straenhndlern, die Souvenirs verkaufen, vorbei am Leuchtturm und dem Museum. Als ich mir gerade die Souvenirs ansehen, werde ich von einem jungen Schwarzen beinahe zu Boden gestoen. Gera-de noch kann ich ausweichen. Sekunden spter hre ich Schreie. Das ging mir alles zu schnell. Schon sehe ich drei Schwarze flchten. Schnell hat sich eine groe Menschenmenge gebildet. Ein lterer Herr schimpft wie ein Rohr-spatz. ... und ich habe meine Geldbrse noch durch die Luft fliegen sehen! kann ich dem Chaos entnehmen. Der bliche Trick: einer zieht das Diebes-gut, dann wird es blitzschnell dem Kumpel weitergereicht. Und weg ist die Bande. Das erinnert mich gewaltig an Lima (Peru), wo etwa zwei Stunden nach der Landung meine Armbanduhr auf hnliche Weise verschwunden ist.

    Zum Abendessen im Hotel Schweizerhaus sitzen wir in einer Ecke des voll-verglasten Cafs. Dort haben wir den Sonnenuntergang voll im Blick. Eine ruhige familire Atmosphre! Zur fangfrischen Forelle, die uns dekorativ an-gerichtet serviert wird, mundet ein Riesling vom Kap. Die Weinliste kann sich sehen lassen! Nach dem Dinner erhalte ich die Nachricht, bei Herrn Klein von Pleasure Flights anzurufen. Eine frohe Nachricht, denn es haben sich gengend Fluggste gemeldet, um den Trip zum Sossusvlei stattfinden zu lassen!

    + $ $ 7 . \

    Um 11 Uhr starten wir mit Erwin als Piloten nach Sdsdost. Das Instrumen-tenbrett in dieser Cessna ist geringfgig anders als im Flugzeug gestern. Er-

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    win hat einen Kopfhrer auf, mit einem Mikro am Mund. Nur wenn er die Lip-pen bewegt, knnen wir den Funkverkehr zwischen den verschiedenen Flug-hfen und der Maschine feststellen.

    Schnell haben wir das Flubett des Swakop verlassen. Vorbei am ehemali-gen Militrflughafen der Sdafrikaner Rooikop erreichen wir das trockene Flubett des Kuiseb. Das Grundwasser dient zur Versorgung der Kstenstd-te und der Rssing-Uranmine. Die Windverhltnisse im Flubett verhindern die Wanderung der hohen Dnen nach Osten. Nur einmal im Jahr fr die f-fentlichkeit zugnglich ist die Wstenforschungsstation Gobabeb des Namib-Nationalparks, die wir jetzt berfliegen.

    ber das Tsondabvlei, die einzig bekannte Brutsttte von Ohrengeiern im sdlichen Namibia, erreichen wir nach einer Stunde und 15 Minuten Sesriem. Der Junge neben mir hat inzwischen in mehreren Etappen sein Frhstck in die bereitgelegte Tte befrdert, ungeachtet der freudigen Erwartung auf die hchsten Dnen der Welt! Schon ein wenig holprig, der Flug! Mir gehts es heute besser als gestern, besonders, wenn der Geruch des gewesenen Frhstcks in der kleinen Kabine wieder etwas nachlt, weil der Junge die Tte schliet. Wir berfliegen die Karos-Sossusvlei-Lodge, den Sesriem-Campingplatz, den Sesriem-Canyon und dann geht es den Tsauchab-Trockenflu entlang zum Sossusvlei. Damit wir die Dnenkmme gut sehen, fliegen wir im Zickzack ber das Tal, das links und rechts von Dnen beglei-tet wird.

    Die Zeit vergeht wie im Fluge, knnte man sagen, se ich nicht gerade im Flugzeug. Gerade eben waren wir noch ber der ausgetrockneten Lehm-pfanne Sossusvlei mit den hchsten Wanderdnen der Welt, da sehen wir schon die berreste der Diamantengrber-Ansiedlungen (Minen wie Charlot-tenfelder und Holsatia) auf dem Weg zur Kste. Hier wurde ab 1903 nach Diamanten gesucht. Teilweise sind Ochsenwagen, Htten und Schaufeln im Sand zu finden. Der blaue Streifen am Horizont rckt schnell nher. Bei der Conception-Bay erreichen wir den Atlantik.

  • Erlebnis sdliches Afrika 257

    Schon sind wir da, wo sich die zwei groen Wsten Namib und Atlantik tref-fen. Da unten liegt das erste Schiffswrack! ruft Erwin durch das Brummen des Flugzeugmotors. Wir berfliegen das 1909 gestrandete Passagierschiff Eduard Bohlen. Eines der Wracks, die zur Namensgebung Skelettkste beitrugen. In Richtung Norden kommen wir zum Fu der schier endlosen steilen Sanddne Lange Wand, wo die 1976 gestrandete Shaunee liegt. Eine der Vermutungen, warum so viele Schiffe zwischen Swakopmund und Lderitz gestrandet sind: Lagerfeuer der Diamantenfelder sind mit Navigati-onslichtern verwechselt worden. Tausende von Pelzrobben sumen in kleine-re Gruppen aufgeteilt die Kstenlinie.

    Schnell fliegt die Cessna weiter nach Norden. Sandwich Harbour war einst ein Anlegehafen fr Segelschiffe, heute eine versandete flache Lagune. Er-win hat die Auflage, mindestens 300 m hoch zu fliegen, da sonst die vielen Vgel im Naturreservat gestrt werden. Einzigartig, wie sich tief unter uns fliegend tausende von rosa Flamingos teils in Kreisen, teils in einer langen Schlangenlinie formieren und dabei einen Schatten auf die Wasseroberflche werfen.

    Verwunderlich ist das nchste Schiffswrack auf dem Weg nach Walvis Bay. Selbst moderne Navigationsmittel haben nicht verhindert, da der Fischkutter Elly im Mrz 1993 hier gestrandet ist. Versuche, den Kutter von der Sand-bank zu bergen, sind bisher fehlgeschlagen. Einer der Hhepunkte des Flu-ges sind die in allen Rottnen leuchtenden Salzpfannen bei Walvis Bay. Hier wird durch Verdunstung von Meerwasser Speise- und Industriesalz gewon-nen. Rosafarbene Algen geben den Salzbecken einen attraktiven Farbton in vielen Schattierungen. Aus der Vogelperspektive ist dieser Fleckerlteppich sehr fotogen. Die Algen sind Grundnahrungsmittel fr die Flamingos - daher die Frbung des Gefieders!

    Vor der Stadt Walvis Bay liegt eine groe Anzahl von Schiffen aus aller Welt. Seit 1994 gehrt der einzige Tiefseehafen weit und breit zu Namibia. Erwin neigt die Maschine so, da wir einen groartigen Blick auf Swakopmund, die

  • 258 Namibia - sprdes Paradies

    Insel in der Wste haben, dann setzt er nach etwa zweieinhalb Stunden und 595 Kilometern sauber auf der staubigen Landebahn des Flughafens auf. Zurck im Bro erklrt mir Christian Klein von Pleasure Flights seine jngs-ten Plne: Flugsafaris. Der Tourist gewinnt Zeit, indem er sich von Attraktion zu Attraktion fliegen lt. In die entlegensten Gebiete kommt er, wo selbst der Landrover passen mu. Vor Ort bernimmt ein Experte des besuchten Gebietes die Fhrung. Die Vogelperspektive erlaubt einen spektakulren Ausblick, der durch die Erlebnisse am Boden, z.B. Wildreservat etc. ergnzt wird. Christian hat mehrtgige Touren zusammengestellt, die der Kunde indi-viduell variieren kann. Jetzt ins Caf Anton auf einen Tee! Schwarzwlder Kirschtorte gibt es, und Bienenstich. Traditionelles deutsches Gebck kommt schon seit 1966 aus der Backstube der Familie Anton. Es ist kurz vor Weihnachten. Christkindlmarkt in Swakopmund. Ich wei nicht recht, wie ich mich fhlen soll. Alles ist da: deutsche Weihnachtslieder aus dem Lautsprecher, Glhwein, Wrstchenbuden, Weihnachtsschmuck. Dar-ber die Palmen, die gehren eigentlich nicht ins Bild. Die Klte fehlt, wes-halb auch die meisten mit einer Flasche khlen Bieres herumlaufen. Die ka-tholische Gemeinde bckt Pfannkuchen an ihrem Stand. Je dunkler es wird, desto mehr Menschen strmen herbei, vor allem Deutsche. Hier trifft man sich, wenigstens einmal im Jahr. Auch die nach Sdafrika Ausgewanderten sind da. Am nchsten Tag ist Wahl zur Miss Palm Beach. Die Zuschauer tendieren zu blonden blauugigen Mdchen. Die rassige Braune hat keine Chance, es gewinnt eine - Islnderin! Die schwarzen Jugendlichen sind sehr interessiert. Schade, da keine ihrer eigenen Schnheiten angetreten ist. Das Fest scheint noch in weier Hand zu sein. Anders am Tag darauf: Prsident Sam Nujoma ldt ein zur Kinderparty. Vor der Residenz treffen am Vormittag in Bussen schwarze und farbige Schul-klassen ein. Viele Sicherheitsbeamte und Soldaten der Leibwache stehen herum, haben den Platz abgegrenzt. Das sei noch gar nichts, meinen Ein-

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    heimische. Vor Jahren hatte Sam noch solche Angst vor seinen Leuten, da habe es gewimmelt von Soldaten. Und wer nicht schnell genug Platz mach-te, auf den wurde geschossen. Hier und heute aber geht es friedlich zu. Die Kinder stellen sich geduldig in langen Schlangen an, um Bratwurst, Coke und eine Tte mit Weihnachtsgebck zu bekommen. Wer teilt aus? Weie Ge-schftsleute haben gespendet. Kindergruppen treten auf, tanzend und sin-gend. Reden werden gehalten, ein Weier erzhlt in Gedichtform ber die Leiden der Swapo vor der Unabhngigkeit. Auch der Prsident spricht.

    Auf dem Residenzplatz steht aus alten Zeiten ein Kriegerdenkmal mit den Namen der Deutschen, die als Schutztruppler fr Kaiser und Vaterland bei Kmpfen mit den Hereros gefallen sind. Mich wundert, da es noch steht. Aber Sam Nujoma ist ja ein Owambo. Viel Deutsches ist auch im Museum zu finden: Uniformen, Pickelhauben, Fahnen von deutschen Krieger- und Scht-zenvereinen, daneben auch Eingeborenenkunst und eine wertvolle Minera-liensammlung. Das Museum hat einen Jubilumstag. Nujoma wohnt der Fei-erstunde im Freien bei. Seine Leibwchter hat er rundherum verteilt. Als er spricht, kommen zwei weibeschrzte Bedienstete mit einem geflochtenen Krbchen und schenken ein Glas Wasser ein. Eine darf es mit weien Hand-schuhen dem Prsidenten ans Rednerpult stellen. Er trinkt nicht davon. Die-selbe Dame holt es wieder ab und trgt alles in dem Krbchen mit den Initia-len S.N. wieder hinaus. Sam, wie ihn die Deutschen nennen, betont die Be-deutung des Fremdenverkehrs fr Namibia. Ich schaffe es, ohne daran ge-hindert zu werden, den Prsidenten auf fnf Meter Entfernung knipsen zu knnen. Der Rest meiner Familie sitzt andchtig im Gras, wie alle anderen stndig beobachtet von den Sicherheitsbeamten.

    Den Abschlu des Kinderfestes bildet der Absprung von fnf Fallschirm-springern, von denen der letzte als Weihnachtsmann verkleidet ist. Kaum ist er mit den Fen am Boden, wirft er wie wild mit Bonbons um sich. Diese Aktion wird von weien Verkehrspolizisten berwacht. Irgendwie scheint das Miteinander schon zu klappen.

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    Weihnachten in Swakopund: zum Abendessen gehen wir ins erst 14 Tage al-te Swakopmund-Hotel (****), das aus dem prchtig restaurierten historischen Bahnhof entstanden ist. Platform-1 heit das zugehrige Restaurant. Zwi-schen Restaurant und Unterhaltungszentrum ist ein groes Zelt aufgebaut, wo eine Band zum Fabier ein Live-Konzert gibt. In unserem Restaurant er-klingen aus dem Lautsprecher Weihnachtslieder, deren sanfte Weisen ab und zu mit dem starken Ba der Band drauen in Konflikt geraten. Ein phantast i-sches Dinner-Buffet ist angerichtet worden - etwa 10 Vorspeisen, 10 Haupt-speisen, danach ein halbes Dutzend Ksesorten und ein Dutzend Nachspei-sen. Von Langustenfleisch-Rllchen ber gebratene Ente mit Rotkohl bis zu Mousse-au-chocolat findet sich fr jeden Geschmack etwas auf dem ausla-denden Buffet. Wir erlauben uns einen 1992er trockenen Roten, einen Pino-tage aus der Gegend von Hermanus in der Republik, wie die Namibianer sagen. Die Weinliste ist eindrucksvoll und fr ein Vier-Sterne-Hotel preislich angemessen. Da heute Weihnachtsabend ist, gibt es eine besondere ber-raschung. Die Lautsprecher schweigen, als ein Chor von etwa 20 Mitgliedern des Hotelpersonals ein gelungenes Weihnachtsstndchen bringt.

    Der kleine Verdauungsspaziergang zum Hotel Schweizerhaus zurck tut uns gut. Im Zimmer znden wir eine Kerze an. Ich spiele, begleitet vom Gesang meiner Lieben auf der Flte Weihnachtslieder.

    Zum Sesriem-Canyon sind es 155 km. Dann wird es Zeit, die Wste in An-griff zu nehmen! Mnner klettern die Dnen hinter Swakopmund hoch, um sich dann mit Hanggleitern in den Aufwind zu werfen. Angler stehen wie je-den Tag am Straenrand und hoffen, der Brandung des Atlantik ein gutes Essen zu entlocken.

    4 $ \

    Zwischen Dnen und Meer bringt uns die Teerstrae nach Walvis Bay. Dann geht die C14 noch einige Kilometer als Teerstrae nach Osten, etwa bis zum Flughafen Rooikop. Unendliche Weite. Das ist es, was einen nach Namibia zieht. Die Weite beginnt. Die Teerstrae hrt auf. Lebensfeindliche Umwelt.

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    Mondlandschaft. Schotterpiste. Gerll und vereinzelt felsige Hgel bedecken die endlose grau-weie Flche. Es staubt so, da wir kaum noch atmen kn-nen. Kein Wunder, die Fenster sind ja auf, wegen der Hitze. 300 km Fahrt auf Rttelpiste, hauptschlich durch den Namib-Naukluft-Park, den wir ohne Gebhr durchqueren knnen. Links und rechts zweigen erlaubnis - und ge-bhrenpflichtige Wege ab.

    Die Namib ist die lteste Wste der Erde. Ihre Entstehung verdankt sie dem in Kstennhe nach Norden flieenden kalten Benguelastrom. Diese Mee-resstrmung widersetzt sich nicht nur jeglicher Verdunstung. Sie nimmt auch noch die vom offenen Meer zum Land hin strmende Luftfeuchtigkeit auf. Strme halfen fleiig mit, diese einzigartige Landschaft zu erzeugen: Berge und Hgel verwandelten sie in Staub und Sand.

    Wir berqueren auf einer niedrigen Brcke den Kuiseb-Canyon. Manchmal fhlt sich unser Passat nicht so recht wohl, da ihm auf einer Wellblech-Teilstrecke der 2. Gang herausspringt: Es rttelt zu stark. In Solitaire, etwa dreieinhalb Stunden spter, besteht die einzige Mglichkeit zum Tanken und Erfrischen. Als wir dann um halbdrei Uhr, 350 km ab Swakopmund, in der Karos-Sossusvlei-Lodge ankommen, sind wir - optisch - um 30-40 Jahre ge-altert: grau ist das Haar, farblos die Haut, gebckt klettern wir mit schlottern-den Gliedern aus dem Wagen. Doch nach einem Sprung in den kleinen Pool der Lodge und neuer Kleidung blicken wir - wesentlich verjngt und vom Sande befreit - in die Landschaft, die noch in der Nachmittagshitze flirrt. En-de Dezember. Klirrende Klte in Deutschland, flirrende Hitze hier.

    Eine prchtige Lage hat die Sossusvlei-Lodge! Unmittelbar neben dem staat-lichen Sesriem-Camp genieen wir den zur Meditation anregenden Blick -ber eine ausgedehnte blagelbe Ebene bis hin zu den in weiter Ferne aufragenden Bergen, die sich, je nach Sonnenstand, von blau-grau bis violett frben. Die Ebene ist mit grnen Kameldornbumen gesprenkelt, um so erfreulicher, als nun offenbar die Zeit der grten Drre ist. Ein Wunder der Natur? Wasser macht es mglich. Flulufe unter dem Sand.

  • 262 Namibia - sprdes Paradies

    Die Lodge ist ein gelungenes Konzept aus Naturverbundenheit und Luxus. Teils sind die in erdbraun bis wsten-beige gehaltenen Schlafeinheiten, die etwa 10 Meter voneinander entfernt in der Wste stehen, aus Mauerwerk, teils aus Zeltleinwand erbaut. Wechselstrom zum Antrieb einer Klimaanlage gibt es nicht. Durch eine sinnvolle Anordnung von ffnungen in Seiten- und Deckenleinwand wird in diesem schattenspendenen Refugium der ntige Durchzug erzielt.

    Toilette, Dusche, Kleiderschrank (mit elektronischem Safe) befinden sich im ummauerten Teil der Wohneinheit. Karos verzichtet auf allen umweltschdi-genden Luxus: Seife zum Beispiel ist in Wellpappe eingewickelt, Handtcher werden - so sagt es ein Merkblatt - nur dann zum Waschen abgeholt, wenn der Gast sie auf den Boden legt. Die Wscherei ist in Windhoek, ca. 5 Stun-den mit dem Auto entfernt.

    Buschmann-Statuen, angefertigt in Mozambique und sorgfltig in hellroten und Braun-Gelb-Tnen gehaltene, an Buschmann - Kunst erinnernde Male-reien begleiten uns in der Bar, im Restaurant, Souvenirladen, Rezeptionsge-bude und Innenhof. Der Wasserturm, den ich krzlich vom Flugzeug aus als erstes Zeichen der Lodge sah, ist begehbar. Wir erblicken von hoch oben die vorderste Front der roten Namib-Dnen in ca. 4 km Entfernung: die Elim-Dne. Da wir von der heutigen Anfahrt immer noch genug haben, verzichten wir auf Eric Hesemans Angebot, mit seinem VW-Synchro-Bus zum 60 km entfernten Sossusvlei zu fahren.

    Was Chefkoch Bruno uns in schweizerisch gefrbtem Deutsch zum Abend-essen anbietet, kann mit jedem Spitzenrestaurant mithalten. Whrend wir noch auf der Terrasse mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch die Vorspei-se zu uns nehmen, grillt er Spezialitten, die die Gste sich vorher ausge-sucht haben. Heute gibt es Oryx, Strauenfilet, Krokodil, Knoblauchwurst und zwanzig andere gute Sachen. Ich geniee das saftige weie Krokodi l-fleisch, der Rest der Familie gutgewrzte Lammkoteletts mit Milie-Pap und Tomaten-Zwiebelsoe.

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    Im Preis des angebotenen Weines - in unserem Fall eines Nederburg Paarl Riesling - spiegelt sich die weite Entfernung zum Weingut und die einzigarti-ge Lage der Lodge mitten in der Wste wider. Da heute der Mond etwas spt aufgeht, setzen wir uns nach dem Mahl vor unsere Zeltkonstruktion. Der Himmel ist malerisch schn. So viele Sterne habe ich auf dieser Exkursion noch nicht gesehen. Wir machen wieder unser Sternschnuppen-Satelliten-Spiel und kommen auf Rekordergebnisse! Zwei Schakale nhern sich vor-sichtig dem hell angestrahlten Wasserloch. Da ihre nchste Trinkstelle ein paar Kilometer entfernt ist, siegt der Durst ber die Furcht.

    + B ? $ @ + 7

    Um halb sechs am nchsten Morgen holt uns Eric Hesemans von Namib Sky Adventure Safaris (NSAS) ab, denn wir wollen den Luftraum der Namib per Heiluftballon durchgleiten. Meine Frau fliegt mit, whrend mein Sohn und ich Mitglieder der Bodenmannschaft sein werden, da wir nicht vorausgebucht haben und die Gondel schon voll besetzt ist.

    Es ist noch dunkel, als wir ein Stckchen aus dem Camp herausfahren. Eric ist schon dabei, die Ballonhlle mit einem berdimensionierten Ventillator aufzublasen. Als die Luft dann mit Feuersten aus einem Gasbrenner er-hitzt wird, blht sich die Hlle auf und der Ballon erhebt sich. Wir knnen es kaum erwarten, in den Korb zu klettern. Turmhoch steht der bunte Ballon -ber uns. Gerade geht die Sonne auf, da schweben wir auch schon ber dem Boden und winken den immer kleiner werdenden Zurckgebliebenen nach. Ein erhebendes Gefhl. Lautlos und sanft steigen wir hher. Am Horizont frben sich die von der Sonne bestrahlten Hgelketten rtlich. In starkem Kontrast dazu die pechschwarze Schattenseite der Dnen.

    Fr einen Mitfahrer mit Videogert dreht uns Eric mit Hilfe von Klappen in der Ballonhlle einmal rundherum. Unter uns liegt die weite Ebene mit dem Ses-riemcanyon. Wir knnen den Lauf der ausgetrockneten Flu- und Bachtler verfolgen. Nur wenige Tage im Jahr nach starkem Regen ist der Canyon mit Wasser gefllt. Da Zebras gewohnt sind, immer die gleichen Pfade zu benut-

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    zen, knnen wir ihren Weg deutlich sehen. Springbckchen und Gemsbcke ziehen gemchlich unter uns durch die Ebene. Jetzt ist die Sonne ganz sicht-bar, und es wird schnell wrmer.

    Mit einem Sprechfunkgert dirigiert Eric die Bodenmannschaft. Sie drfen nur auf den bereits gespurten Wegen fahren, um die Landschaft nicht zu zerstren. Die Luftstrmung treibt uns immer weiter von dem Bergungsfahrzeug weg und schlielich verlieren wir den Kontakt. Unser Frhstck und der Sekt schaukeln also da unten durch die Gegend. Wir fahren noch 10 Minuten dicht ber dem Boden weiter. Eine Eidechse nimmt entsetzt Reiaus. Den Mitfahrern macht das Spa, schlielich mssen wir aber doch endgltig landen. Wir steigen aus und schleppen den Ballon zu viert auf eine Piste zu, wo wir abgeholt werden sollen. Das letzte Gas hlt den Ballon noch in der Luft, damit wir besser gesehen werden knnen. Nach wenigen Minuten haben sie uns entdeckt.

    Von unten gesehen sieht der Ballonflug etwas anders aus. Auer uns zweien fhrt das regulre Team mit: Eric, Elinor und zwei schwarze Helfer in Blau-mnnern. Da der Ballon dahin treibt, wohin der Wind ihn blst, mu das Ber-gungsauto in Sicht-, mindestens jedoch in Sprechfunkkontakt mit dem Ballon bleiben. Wir folgen ihm mit dem Bus samt Anhnger solange, bis wir aus un-erfindlichen Grnden den Kontakt verlieren. Nach einiger Zeit des Auf- und Abfahrens der verschiedenen Spuren im Gerll habe ich den Ballon hinter ei-ner Bodenwelle entdeckt, doch alle Wege fhren von ihm weg. Natrlich knnten wir direkt querfeldein auf unser Ziel losfahren, doch dann wre Eric seine Lizenz los. Kilometer um Kilometer fahren wir nun auf holprigen We-gen, die manchmal fast nicht zu erkennen sind. Am Trockenflubett des Tsauchab verschwindet die Fahrspur ganz. Etwa 100 Meter sandige Flu-landschaft liegen nun vor uns, bis wir auf der anderen Seite des Tales un-deutlich Reifenspuren erkennen.

    Elinor berlt Marc das Steuer. Der hat Fluberquerungen wohl schon f-ter gemacht. Souvern zieht der VW-Synchro im tiefen Sand ber Bodener-hebungen, zwischen Kameldornbumen durch und ber kleine Bsche hin-

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    weg. Endlich sind wir drben, haben es ohne festzusitzen geschafft! Noch mehrere Kilometer irren wir hin und her, bis wir der in der Ferne bunt leuch-tenden Hlle des Ballons nherkommen. Sie sind schon gelandet! Und prompt funktioniert das Funksprechgert wieder, jetzt, wo wir es nicht mehr brauchen. Eric in seinem Ballon ist happy: Schnell, bringt die andere Gas-flasche her, der Ballon fllt gleich zusammen!

    Mit ein paar fauchenden Feuersten fllt er den Ballon, der sich leicht hebt. Nun ist es wesentlich leichter, die schwere Gondel auf den Anhnger zu bug-sieren. Ein gut eingespieltes Team! Auch die Mitfahrenden haben prchtig geholfen, die sndteure Ballonhlle ohne Beschdigung zu bergen. Fach-mnnisch packt Erics Crew den sich langsam verdnnenden Ballon in die 6-Mann-Gondel. Jetzt haben sich alle ein Frhstck verdient. Elinor und Marc packen Wurst, Kse, Brot, Sekt, Msli und andere Zutaten fr ein prchtiges Frhstck aus. Weit und breit kein Mensch, nur in der Ferne eine kleine Her-de Oryx-Antilopen, die dem Treiben der Menschen verwundert zusehen.

    Am spten Nachmittag besuchen wir den nur 4 km entfernten Sesriem-Canyon. Der Tsauchabflu hat ber Jahrtausende hinweg diese tiefe Klamm, wie wir in Bayern sagen wrden, ausgewaschen. In der kalkigen Ebene ist das Naturdenkmal nicht sofort erkennbar. Sechs Riemen der Ochsengespan-ne muten frhe Pioniere zusammenknoten, um dort mit Eimern Wasser zu schpfen. Auf heutige Mae bersetzt: dreiig Meter ist es von der Oberfl-che bis zum Wasserspiegel. ber in den rohen Fels geschlagene Stufen er-reichen wir den Grund der Tsauchab-Schlucht. Auf den ersten Blick scheint der Canyon vllig ausgetrocknet. Vllig? Nach zehn Minuten versperrt uns ein grnlich schimmernder Teich in der ganzen Breite des Canyon den weite-ren Weg. In dieser Jahreszeit scheint es aus Gesundheitsgrnden nicht an-gebracht zu sein, hier Wasser zu schpfen! Khl und feucht riecht es. Das Gerusch von gurrenden Wildtauben hallt zwischen den turmhoch senkrecht aufragenden Steinwnden wider.

    Schau mal her! ruft mein Sohn, und zeigt auf ein seltsames Gebilde fnf Meter ber unseren Kpfen. Der Flu hat eine flache Hhle aus dem Fels

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    genagt. Man kann nicht erkennen, wer oder was sich darin verbirgt, denn ein mannshohes Nest versperrt den Blick. Das wohnt bestimmt der Vogel Roch drin, will mein Kleiner wissen. Knnte der Gre nach stimmen.

    Der Armbanduhrwecker reit uns aus dem Tiefschlaf. Zu frh? Keineswegs! Wenn man die Hitze tagsber bedenkt, liegen wir mit der Uhrzeit gerade rich-tig. Sechs Uhr. Die Tore des Sossusvlei-Nationalparks werden geffnet. Schnell die Eintrittsgebhr bezahlt, schon sind wir unterwegs. Zwanzig Meter hinter dem Eingang schrecken wir eine Herde Gemsbcke auf. Ihre Teufels-masken und die langen dnnen Hrner wirken in der Dmmerung gespens-tisch.

    Lachsfarbene Sanddnen auf der rechten Seite begleiten den Anfang unse-res 60 km langen Sandweges. In der Ferne erkennbar eine Handvoll Strau-e. Springbcke sind heute eher rar. Wir berqueren das knochentrockene Tal des Tsauchab. Schon nehmen uns die Dnen in die Mitte. Die langsam hher steigende Sonne hat bereits ihr Licht- und Schattenspiel begonnen, das schon zehntausende von Jahren hier Tag fr Tag abluft. Anfangs sind die von dem geschwungenen Dnenkamm ausgehende Schatten noch pech-schwarz, die andere, der Sonne entgegenblickende Seite karminrot. Nach und nach spielt die Natur das ganze Spektrum der Rotskala durch. Im glei-chen Ma verndert sich auch das Tiefschwarz des Schattens bis zum Rot-Gelb der eigentlichen Sanddnenfarbe.

    Ein majesttisches Schauspiel, von dem man nicht genug bekommen kann. Von Zeit zu Zeit steige ich aus, um ein paar Dias zu machen, und blicke zu-rck: die Staubfahne hinter uns senkt sich nur langsam. Kein Laut, kein Lft-chen. Urzeitliche Stille.

    Dne 45 liegt genau 45 km vom Empfangsgebude entfernt. Vom Rastplatz aus steigen wir den Dnenkamm hoch. Erstaunlich, wieviel Energie mein Sprling zeigt. Ich hingegen setze mich auf halber Hhe auf den Grat und geniee das Schauspiel der Farben und Formen. Nicht alle Dnen haben dieselbe Farbe. Die neben uns ist lachs-pastellfarben, eine weiter hat einen

  • Erlebnis sdliches Afrika 267

    leicht violetten Unterton. Der Sand auf der Schattenseite ist unangenehm khl fr die nackten Fe.

    Irgendwann ist unser Bus ganz klein geworden. Da schlgt mein Sohn vor, den direkten Weg nach unten zu nehmen. Mit Anlauf von der langsam an-steigenden Schattenseite springen wir mehrere Meter die steil abfallende Dnenseite in die Tiefe. Beim Aufprall sinke ich tief ein und setze eine Lawi-ne in Bewegung, die ein interessantes V-Muster auf die Dne zeichnet. Im Rutschen blicke ich nach oben: kommt da nicht ein groes Flugzeug? Ganz falsch. Das tiefe Brummen kommt vom losgetretenen Sand. Dieser Effekt wird als Brummdne bezeichnet. Das Gerusch geht durch Mark und Bauchfell, der ganze Krper vibriert mit.

    Fnfzehn Kilometer weiter ist Endstation fr unseren VW Passat. 4x4 only zeigt ein Schild an. Nur noch mit Gelndefahrzeugen kommt man zum 4 km entfernten Sossusvlei: von riesenhaften, bis zu 300 Metern hohen Sandd-nen umgeben - die hchsten unseres Planeten. Vlei ist das afrikaanse Wort fr einen kleinen See, der ab und zu austrocknet. Wenn in einem Jahr der Regen reichlich fllt, bringt der Tsauchab-Flu Wasser bis zum Vlei. Dann machen Oryxantilopen und Springbcke regelmige Besuche, und unter den dann zahlreichen Wasservgeln finden sich auch Flamingos. Seit 1986 ist Sossusvlei trocken.

    Hat man Gelegenheit, eine Karte der Gegend von 1845 genauer zu studie-ren, wird man einen Flu mit dem Namen Chuntob finden. Er mndet sd-lich von Sandwich Harbour in den Atlantik. Heute hat der Chuntob/Tsauchab einige Schwierigkeiten, den Atlantik zu erreichen. Seit 1845 hatten die Dnen gengend Gelegenheit, umher zu wandern. Der Tsauchab fliet, wenn er Oberflchenwasser fhrt, jedenfalls oberhalb der Erde nicht weiter als bis zum Sossusvlei. Wie es unterirdisch aussieht, hat man bis heute noch nicht herausgefunden.

    Das alles geht uns durch den Kopf, als wir auf jemanden warten, der uns mitnimmt. Doch es kommt nichts und niemand. Ich glaube, wir fahren lang-sam zurck, bevor wir hier ausdrren! schlage ich vor. Kaum hat die ewige

  • 268 Namibia - sprdes Paradies

    Wste meine Worte verschluckt, nhert sich ein weier 4x4 unserem Park-platz. Schade, so unser Kommentar, als er ohne uns Richtung Sossusvlei weiter-fhrt. Der Besitzer einer Gstefarm, der uns klargemacht hat, da sein Gast diesen Trip bezahlt hat und es deshalb zu Problemen fhren knnte, wenn wir einsteigen. Inzwischen flirrt die Luft in der unangenehm angestiegenen Hitze. 11 Uhr ist es bereits. Mein erstes Erlebnis mit einer Erscheinung, die man als Fata Morgana bezeichnen knnte, steht kurz bevor: im Osten mate-rialisiert sich lautlos ein glsern-durchsichtiger Kasten, der bewegungslos ber der Landschaft schwebt. Seine Konturen zerflieen und werden einen Moment spter wieder klar. Auf diesem Kasten blinkt ein rotes Licht. Ein Blick durch das 10-fach vergrernde Fernglas hilft auch nicht weiter. Eine gespenstische Erscheinung! Und dazu noch diese Grabesstille, die beklem-mend wirkt. Sind wir in einem Science-fiction, oder was? Nach einer Viertelstunde des Verweilens und unglubigen Starrens hren wir ein Schaben und Kratzen. Die heie Luft, wie von einem schlecht eingestell-ten Fernseher, gibt nun mehr von diesem Geist der Namib-Wste frei. Ein Fahrgestell wird sichtbar. Noch eine Viertelstunde spter hat sich das Ge-spenst in ein vllig reales Fahrzeug mit klaren Konturen verwandelt: ein schwarzer Arbeiter fhrt einen sogenannten Padskrapper. Mit diesem gi-gantischen Straenrumfahrzeug, das berdimensionale Rder und eine Bus-hohe Schaufel hat, wird der Sand der Pad auf die Seite geschoben und damit die Strae geglttet. Ohne diese Dienstleistung der Parkverwaltung wren die Pisten bald zu Wellblech zerfahren. Das gilt natrlich in gleicher Weise fr alle Gravelroads des Landes. Nun ist der Moment gekommen, wo wir bald gargekocht sind. Wir kehren zur Lodge zurck. Unterwegs winken wir dem Schwarzen im heien Padskrap-per. Bewundernswert, wir er das machen kann! Ohne Klimaanlage, immer dem Staub des aufgewirbelten Sandes ausgesetzt, in einer sengenden Hitze, die schon die Verkleidung meines Fotoapparates vom metallenen Krper ab-gelst hat.

  • Erlebnis sdliches Afrika 269

    @

    Am nchsten Tag luft das Programm so hnlich ab wie gestern. Wir stellen den Passat auf den letztmglichen Parkplatz und nehmen gengend Trink-wasser mit. Im weichen Sand ist das Gehen ziemlich mhsam. Selbst die Spuren der Gelndefahrzeuge, denen wir nachgehen, lassen die Schuhe tief einsinken. Pltzlich winkt mein Sohn, der einige Schritte vorausgegangen ist, heftig. Ich folge, so schnell ich kann: in zwanzig Metern Entfernung verhlt ein groer Oryx hinter einer mannshohen sanft gewellten Dne im Schritt. Ich bleibe ebenfalls wie gebannt stehen. Wie in Trance taste ich im Zeitlu-pentempo nach meiner Fototasche, schraube das Teleobjektiv auf die Kame-ra und ... in diesem Moment wendet das Tier seinen Kopf ab und zieht gemessenen Schrittes weiter.

    Wenige Minuten spter taucht in der Ferne ein weies Fahrzeug auf. Sollten wir heute Glck haben? Wir haben! Ein VW Caravelle Synchro mit geffneter Schiebetier zieht locker durch den weichen Sand. Do you want a lift? Klar wollen wir!

    Es geht gleich mit deutsch weiter, denn der Fahrer ist ein Sdwester (so hat man weie Namibianer vor der Unabhngigkeit genannt), der gerade seinen Besuch aus Pretoria spazierenfhrt. Und so kommt es, da wir die so hei ersehnte grte Dne von Sossusvlei besteigen knnen. Eine mrchenhafte Wstenwelt von unvergleichlicher Schnheit tut sich auf. ber dem knochen-trockenen Vlei liegt eine weie Schicht. Ein japanisches Fernsehteam filmt am Fue unserer Dne Kleinlebewesen. Beinahe htte ich beim Aufstieg eine 10 cm lange Eidechse zertreten, die sich vor mir aus dem Sand schln-gelt, und so einwhlt, da man sie nicht mehr finden kann.

    Sossusvlei: ein Mrchen aus Sand ist dieses romantische Fleckchen Nami-bias einmal genannt worden. Wir haben uns lngst hingesetzt, um die majes-ttische Dnenwelt um uns herum besser betrachten zu knnen. Immer wie-der huschen blaugraue Kfer auf hohen Beinen an uns vorbei. Hohe Beine deshalb, damit sie sich im schnell hei werdenden Sand nicht die Beine

  • 270 Namibia - sprdes Paradies

    verbrennen. Die Kfer hinterlassen interessante Spuren. Die ganze Dne ist mit einem filigranen Muster berzogen. ber das Leben der Kleintiere in der Namib kann ich einen Artikel des im Anhang erwhntenen Heftes National Geographic empfehlen. Wir wollen nicht mehr weiter stapfen, denn bis zum Atlantik ist es nur per Flugzeug nicht mehr weit. Vom hchsten Punkt der Dne hpfen, springen, fallen wir herunter - ein herrliches Gefhl, weil man sich kaum verletzen kann! Zu Fu, da hilft selbst der Vierradantrieb nicht mehr - kmpfen wir uns durch die abnorme Hitze zum Dead Vlei, einem ebenfalls mit einer weien Schicht bedeckten ausgetrockneten See, der wie ein Krater rundherum von Dnen umgeben ist. Schwarze Gerippe von Baumstmmen strekken ihre verdorrten ste flehend in den unbarmherzigen Himmel. Die Wasserflaschen sind inzwischen leer. Der freundliche Farmer aus dem Norden Namibias bringt uns zurck zum Passat. Vorbei an einer Familie Straue erreichen wir wieder die Karos-Sossusvlei-Lodge. Wir verlassen die-se urweltliche, ewige Wste nicht ohne den festen Vorsatz, bei nchster Ge-legenheit wiederzukommen, wenn uns der Himmel daheim auf den Kopf zu fallen droht. 263 Kilometer Gravelroad, davon am Ende der Reise sieben km Farmweg, und schon sind wir auf der Dabis Gstefarm, 11 km nrdlich von Helmering-hausen. Dabis, eine typische Schaffarm, liegt in einer Hgellandschaft. In der Ferne sind Tafelberge zu erkennen. Unseren nun bis zur Unkenntlichkeit innen und auen mit Sand berzogenen Passat parken wir vor einem Gebude neben dem Farmhaus, das fr Gste reserviert ist. Heidi Gaugler zeigt uns unser blitzsauberes Zimmer. Mittags essen wir auf der schattigen Terrasse des Farmhauses Ragout mit Reis. Karakulschafe, einst der schwarze Diamant Namibias, ziehen neben verschiedenen anderen Schafrassen durch die Ebe-nen und Hgel der Farm. Neben dem Farmhaus sind wohlbewsserte Grten angelegt. Straue und Pferde kommen bis fast zum Grillplatz neben unse-rem Gstezimmer.

  • Erlebnis sdliches Afrika 271

    Jo Gaugler fhrt uns in sein Bro. Statistiken und mathematische Kurven hngen an den Wnden. Jedes Zuchtschaf hat seine eigene Karteikarte. Nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten fhrt Jo seine Farm. Es gilt, mit der Trockenheit zu wirtschaften, und nicht alles auf den Regen zu setzen, der fter mal wegbleibt! Der Kenner wei, da es zu jeder Jahreszeit Bsche gibt, die auch ohne regelmigen Regen Futter fr die Tiere hervorbringen.

    Nach dem Tee um halb fnf Uhr fahren wir auf der Ladeflche eines Geln-dewagens durchs Farmgelnde. Die schon schrgstehende Sonne frbt die Hgellandschaft, die mit 75 Baum- und Buscharten bewachsen ist, in mildes Licht, als Farmer und Gastgeber Jo Gaugler seine beiden Shne absteigen und Karakul-Schafe zusammentreiben lt. Mich erstaunt es, da es offen-bar so leicht ist, eine groe Herde zusammenzubringen. Bei Karakulschafen ist dies aufgrund ihres ausgeprgten Herdenverhaltens kein Problem, erklrt Jo Gaugler. Er gibt auf jede unserer Fragen ausfhrlich Auskunft, so da wir bald einen guten Einblick ins Farmerleben im Sden Namibias bekommen.

    Jos Shne sind nun mit ihren Karakulschaf-Herden in einem Pferch ange-kommen. Dort werden sie gezhlt und einzeln durch einen mit scharfriechen-der Flssigkeit gefllten Graben ins Freie entlassen. Dieser sogenannte Dip (von englisch eintauchen) hlt die Parasiten wieder einige Zeit von den Schafen fern.

    Eine traumhaft schne, wechselhafte Landschaft. ber 100 Vogelarten wur-den schon gezhlt, wie Jo berichtet. Von Kudu bis zum Lffelhund sind zahl-reiche Sugetierarten auf dem Farmgelnde vertreten. Leider knnen wir nur eine Nacht hier bleiben, weil morgen schon alle fnf Gstezimmer ausge-bucht sind. Somit entgeht uns eine Wanderung und eine Nachtfahrt ber die Farm.

    Hhepunkt unseres Aufenthaltes ist der abendliche Braai. Saftige Koteletts von eigenen Schafen, die sich von Dabis-Salzbschen ernhrt haben, brut-zeln auf dem Grill, dazu gibt es Kartoffelgratin mit Knoblauch und einen Rhabarber-Nachtisch. Mein Sohn ist begeistert vom guten Essen. Ich brau-che wohl nicht extra zu erwhnen, da in dieser klaren Luft das Kreuz des

  • 272 Namibia - sprdes Paradies

    Sdens nur mit Mhe zu erkennen ist, da das Licht der Milchstrae so inten-siv strahlt!

    Nach einem krftigen Farmfrhstck mit frisch gebackenem Farmbrot und Eiern aus dem eigenen Hhnerstall verlassen wir Jo und Heidi Gauglers Farm Dabis in Richtung Helmeringhausen und Keetmanshoop.

    Als wir durch Keetmanshoop kommen, um bei Herrn Nolte und seinem K-cherbaum-Rastlager einzukehren, schliet sich der Kreis unserer Tour wie-der. Von Dabis bis hierher sind wir etwa zweieinhalb Stunden (234 km) ge-fahren. Von den zwei zur Verfgung stehenden groen Rondavels auf der Farm Gariganus beziehen wir das fr Nichtraucher, das gerumiger ist. Vier Zimmer mit Dusche und Toilette hat jedes Haus, dazu einen Gemeinschafts-raum mit Khlschrank. Das Nichtraucher-Haus hat einen groen runden handgeschnitzen Tisch aus Nord-Namibia. Auf diesem Tisch eine praktische runde Platte zum Drehen. Direkt hinterm Haus ein groes Wasserreservoir, in dem wir schon bald unsere Runden drehen. Mit dem nassen T-Shirt an frieren wir schon bald, obwohl die Sonne Temperaturen von 35 Grad zustan-de bringt.

    Herrn Noltes 10-jhriger Sohn zeigt uns seine neueste Errungenschaft: ein Erdmnnchen, das er gezhmt hat. Wie das Zhmen geht? Ganz einfach, behauptet er. Man msse das handspannengroe Tierchen nur unter das Hemd stecken und etwa 14 Tage drin lassen. Mein Sohn probiert dies auch. Das kitzelt! Statt bei der Halsffnung des Hemdes will das Erdmnnchen immer beim rmel heraus. Doch dieses Tier ist nur ein Teil des Zoos auf der Gstefarm. Ich glaube meinen Augen nicht zu trauen, als ich auf dem Weg vom Pool zum Haus einem Klippspringer, einer gedrungenen Antilope be-gegne. Sie flieht nicht, sondern steht ganz still. Als ich mich bis auf zwei Me-ter genhert habe, greift sie an. Ich mache, da ich davonkomme, denn der Klippspringer hat zwei spitze Hrner!

    Abends sitzen wir voll Andacht in der Stille des Kcherbaumwaldes, der nur 400 m vom Haus entfernt ist, und lassen das friedliche Stilleben im goldenen Glanz der untergehende Sonne auf uns einwirken. Es lohnt sich, auch ein

  • Erlebnis sdliches Afrika 273

    zweites Mal hier gewesen zu sein! Zurck im Haus klopft es, und das Ehe-paar Nolte bringt auf Platten herein, was sich als der beste Lammbraten her-ausstellt, den wir in Namibia gegessen haben. Aus eigener Zchtung, Dor-per-Schafe, wie uns Herr Nolte erklrt.

    Ein Blick ins Gstebuch zeigt, da Gste von Finnland bis Portugal hier wa-ren, doch die meisten Eintrge stammen von Deutschen. Nur ein paar in jngster Zeit: geschmackvolle Unterkunft, netter Gastgeber und gutes Es-sen, oder: ein traumhafter Platz und liebevolle Betreuung. Da es im Zim-mer noch sehr warm ist, liegen wir noch lange im frischen grnen Gras vor dem Haus und genieen den klaren Nachthimmel.

    Schon frh weckt uns die Sonne. Gerade stehe ich unter der Dusche, als ich einen verzweifelten Schrei hre: Papa, komm schnell! Tropfna eile ich ins Zimmer meines Sohnes, da ist gerade der Klippspringer dabei, auf das Bett zu springen. Mein Sohn steht in der Ecke und fuchtelt mit dem Kopfkissen herum, doch er kann das possierliche Tier in der Gre eines Schferhun-des, aber mit scharfen Hrnern, nicht abschrecken. Wir schreien ohne Erfolg herum, dann werfe ich die Bettdecke auf den Klippspringer, wobei dieser das Zimmer ohne Eile verlt.

    Das tut er gern, meint kurz darauf Herr Nolte. Haben Sie die dunklen Fle-cke unter seinen Augen gesehen? Das sind Drsen. Mit denen markiert er sein Territorium. Hier an den Sessellehnen wetzt er sich gern. Und um sein Gebiet grndlich zu markieren, macht er auch aufs Bett. Na so was! Und das alles nur, weil ich vorhin die Haustre nicht geschlossen habe, als ich vom Schwimmen beim Sonnenaufgang zurckgekommen bin! Doch der Sohn zeigt sich unversehrt, wenn auch erschreckt, denn der Klipspringer hat ihn in den groen Zeh gezwickt.

    Eigentlich schade, da wir von dem reichlichen Frhstck, das uns im E-raum serviert wird, nur einen kleinen Teil essen knnen, da wir vom ber-reichlichen Abendessen noch so voll sind. Um halb neun verlassen wir die Farm Gariganus, passieren Grnau und Karasburg und erreichen die Grenze bei Ariamsvlei nach zgiger Fahrt und 335 Kilometern. Wie schon auf der

  • 274 Namibia - sprdes Paradies

    Herreise ist an der Grenze wenig los. Wir werden zgig abgefertigt. Daher kommen wir schon um ein Uhr im Hotel Oasis-Protea-Lodge (**) in Upington an, wo wir noch einmal Atem holen, bevor wir die lange Strekke nach Preto-ria in Angriff nehmen.

    Ich sehe gleich nach, ob meine Weinkisten noch da sind. Wohlbehalten kann ich sie in Empfang nehmen. Heute, am Tage vor Sylvester, ist es in Upington so hei, da die Klimaanlage unseres modernen Zimmers schwer zu arbei-ten hat. Vor dem Zimmer eine Eiswrfelmaschine, deren Dienste heute sehr gefragt sind. Im Schwimmbad des benachbarten Upington-Protea-Hotels tref-fen wir eine sdafrikanische Familie aus Soweto, die in einem Fernseh-

    Wettbewerb eine Reise in die Nord-Kap-Region mit Reisefhrung gewonnen hat. Ganz begeistert sind sie trotz der heien Jahreszeit von der Gegend um Upington und von der Freundlichkeit des Personals der Oasis-Protea-Lodge. Sie berichten, da sie am Flugplatz von Upington eine Menge Audi-Limousinen stehen sahen, die gerade in ein Transportflugzeug der Lufthansa verladen wurden. Offenbar das zweite Team eines deutschen Autoproduzen-ten, der hier seine Wagen testet. Bei unserem letzten Besuch in Upington vor einigen Wochen waren Ingolstdter dabei, BMWs zu testen.

    Im hohen Atrium-Innenhof des Oasis-Protea-Hotels pltschert ein Spring-brunnen mit Wasserfall. Unser letzter Reisetag beginnt mit einem Frh-stcksbuffet, das dem des Nachbarhotels in keiner Weise nachsteht. ber Kuruman und Vryburg erreichen wir nachmittags um fnf Uhr Pretoria. Mehr als 5.000 Kilometer sind wir auf dieser Reise unterwegs gewesen. Mit Si-cherheit werde ich fr die nchste Auflage dieses Buches in Krze in den Norden Namibias aufbrechen.

    Telefon und Fax: Sdafrika hat die Lndervorwahl +27, Namibia +264. Bei der Wahl von Europa aus entfllt die fhrende Null der Vorwahl.

  • Erlebnis sdliches Afrika 275

    Namibia Verkehrsbro: Im Atzelnest 3, 61352 Bad Homburg, Tel. 06172-406650/54, Fax -406690; in Namibia: Namibia Tourism, P O Box 13346, Windhoek, Telefon 061-2842360, Fax -221930.

    Anschriften in der Reihenfolge des Berichtes:

    Upingon Protea Hotel (***), Oasis Protea Lodge (**): und Venture 4x4 Hire Autovermietung: Schrder Str. 24, ZA-8800 Upington. Tel und Fax in RSA: 054-25414. Oranjeflu-Weinkellereien: In bzw. bei den Ortschaften Kaka-mas, Keimoes, Upington, Grootdrink, Groblershoop. berall Weinprobe und Mglichkeit, alle Weinsorten der angeschlossenen Weinkellereien zu kaufen. Info: Upington 054-25651. ffnungszeiten 1995: Mo-Fr 8-12:45 und 14-17 Uhr, Sa 8:30-12 Uhr.

    Mount Karas Game Lodge (**): P O Box 691, Keetmanshoop, Namibia. Tel.: 06352, Nummer 3212 verlangen (Farmleitung)

    Canyon-Hotel (***): P O Box 950, Keetmanshoop, Namibia. Tel. 0631-3361, Fax -3714. Am Kcherbaum-Wald: Quiver-Tree-Rest-Camp: C.B. Nolte, P O Box 262, Keetmanshoop, Namibia. Tel. 0638, Farmleitung 11302.

    Anib-Lodge (**): P O Box 800, Mariental, Namibia. Tel.: 0668, Nummer 12421 verlangen; Fax 0661-746.

    Intu Afrika Game Lodge: P O Box 652, Walvis Bay, Namibia. Tel.: 0642-4724 oder -6120, Fax -4921.

    Windhoek-Information: Publicity-Association, P O Box 1868, Windhoek, Tel. 061-3912050.

    Namibian Crafts Centre: Tal Street 40, Windhoek. Tel. 061-222236, Fax -225276. : Mo - Fr 9-18:30, Sa 9-13 Uhr.

    Kalahari-Sands-Hotel: 129 Independence Avenue, P O Box 2254, Wind-hoek. Tel. 061-222 300, Fax -222260. Oder Buchung bei Sun International (Adresse im Kapitel Verlorene Stadt)

    Etusis-Lodge: P O Box 5, Karibib, Namibia. Tel. 062252-1603. Fax in Wind-hoek: 061-223994. Buchungen und Infos auch in Deutschland mglich: Vol-

  • 276 Namibia - sprdes Paradies

    ker D. Ledermann, Siekerberg 14, 22962 Siek, Tel. 04107-9668, Fax 04102-808-169.

    Namib-Fremdenverkehrsamt: P O Box 1236, Swakopmund. Ab Dezember 1994 in der Kaiser-Wilhelm-Strae angesiedelt. Tel. 0641-3324, Fax -5101.

    Hansa-Hotel-Swakopmund (***), P O Box 44, 3 Roon Street, Swakopmund. Tel. 0641-311, Fax -2776. Herberts Garage: Herbert Lauenroth, Swakop-mund, Tel. 0641-4616 oder -61113.

    Hotel Schweizerhaus (**)/Caf Anton: P O Box 445, Bismarck Str.1, Swa-kopmund, Tel. 0641-331 oder -2419, Fax -5850.

    Pleasure Flights+Safaris: Christian und Claudia Klein, P O Box 537, Swa-kopmund, Tel und Fax 0641-4500. Atlantic Aviation: Hubertus von Flotow, P O Box 465 bzw. Roon Street 5, Swakopmund, Tel. 0641-4749, Fax -5832.

    Karos-Sossusvlei-Lodge: Info und Reservierung: in Johannesburg: +27-11-484-1641, Fax -6206 oder bei Sonnenhol Promotion, Brienner Strae 48, 80333 Mnchen, Tel. 089-525479, Fax -5236244.

    Namib Sky Adventure Safaris NSAS, Eric Hesemans, P O Box 197, Malta-hhe. Tel. 06632, Farmleitung 5703. Buchung auch von der Sossusvlei-Lodge aus mglich.

    Dabis-Gstefarm: Buchung und Auskunft: P O Box 15, Helmeringhausen 6820 oder P O Box 6213, Windhoek, Tel und Fax 061-232300.

  • 278 Winter in Zimbabwe

    Mit einer Exkursion nach Botswana (Tuli-Block) Schon zum dritten Mal innerhalb von 6 Jahren wollen wir Zimbabwe besu-chen. Wie ein normaler Tourist mchte ich mir Informationen einholen, die fr die Planung der Reise wichtig sind. Auerdem mchte ich herausfinden, wer in der zimbabwischen Tourismusindustrie an Touristen aus dem deutsch-

    sprechenden Europa besonders interessiert ist und darauf eingerichtet ist, in punkto Qualitt der Dienstleistungen zum Beispiel.Also wende ich mich we-gen der Prospektunterlagen vertrauensvoll an das hiesige Zim - Fremdenver-kehrsamt in Johannesburg. Schon 4 Wochen und zwei Mahnungen spter (Ich bin ganz alleine hier im Bro, kommt als Entschuldigung) erhalte ich im

  • Erlebnis sdliches Afrika 279

    60 km entfernten Pretoria einen Farbprospekt, finanziert von der Europi-schen Union. Gleichzeitig habe ich im Tourismusministerium Harare nach Kontaktadressen gefragt. Nach zwei Monaten werde ich an den Zimbabwe Council for Tou-rism und die Zimbabwe Tourist Devolpment Corporation verwiesen, von denen ich Monate spter bei meiner Rckkehr aus Zimbabwe einen Brief vor-finde, in dem mitgeteilt wird, da aufgrund der mangelnden Finanzen mir nicht geholfen werden kann und sie sowieso nicht zustndig sind. Also habe ich keine Adressen, die ich anschreiben kann, um eine Reise zusammenzu-stellen. Eine Buchung in den bekannten Mana-Pools am Zambezi, die ich mehr als ein halbes Jahr vor dem Besuch Zimbabwes mache, wird zurckgewiesen. Bei der Auslosung der Touristen fr diesen Park (groer Andrang!) haben wir den krzeren gezogen. Natrlich kenne ich mittlerweilen meine Pappenheimer in den Tourismusmi-nisterien und nationalen Fremdenverkehrsmtern im sdlichen Afrika und habe - ganz unbeeinflut von den offiziellen Stellen - eine Reise zusammengestellt. Der folgende Reisebericht versucht, die drei Reisen der letzten sechs Jahre unter einen Hut zu bringen. Drei Stunden nach der Abfahrt in Pretoria machen wir in Pietersburg Rast. Sehr erfreut sind wir ber den Umfang und die Qualitt der im Pizza-Den servierten Speisen. Das Restaurant ist nicht licenced, man darf also seine alkoholischen Getrnke selbst mitbringen, weil es dort keine gibt! Das nchste Mal nehmen wir eine Flasche Bier mit, entscheiden wir ohne Z-gern. Bei strahlend blauem Himmel verlassen wir Pietersburg, passieren Louis Tri-chardt (nach einem alten Voortrecker benannt) und biegen kurz vor Messina, der Grenzstadt zu Zimbabwe, nach Osten ab. Nach einigen Kilometern Fahrt durch eine von groen Baobab-Bumen (Adansonia digita) bestandene hgelige Landschaft erreichen wir Tshipise. Damit sind wir heute 460 Kilometer gefahren, das mu reichen.

  • 280 Winter in Zimbabwe

    Interessant ist es, da der Baobab - oder Affenbrotbaum nicht berall wchst. Kurz vor Messina fngt eines dieser Gebiete an und zieht sich weit nach Zimbabwe hinein, wo wir diesen skurrilen Baum morgen ausgiebig be-wundern werden. Er fhlt sich sehr wohl in der leicht welligen Savannenland-schaft, die von Mopane-Bumen durchsetzt ist. Ein durchschnittlicher Bao-bab wird nur 10-15 Meter hoch, aber dafr braucht man eine Menge Leute, um ihn zu umfassen: 28 Meter im Schnitt ist sein Umfang. Wenn der Stamm etwa 5 Meter Durchmesser hat, ist der betreffende Baum etwa 1000 Jahre alt. Die Affen wissen anscheinend, was gut und gesund ist, denn sie fressen das Mark der bis zu 20 cm langen Frchte, das sich durch viel Vitamin C auszeichnet.Ein Affenbrot mit Vitaminen also. Vielleicht eine werbewirksame Bezeichnung fr ein neues Produkt in der Vielfalt der europ-ischen Brotarten. Nun, in dieser Jahreszeit, die hier Winter genannt wird, sich aber durch Hit-ze am Tage, und in der Gegend um den Flu Limpopo bis etwa 7 Uhr a-bends durch angenehme Wrme auszeichnet, haben die Baobabs ihre Bltter abgeworfen. Aus dem dicken Stamm streckt der Baobab wenige und kurze ste in den Himmel, deshalb entsteht der Eindruck, die Krone sei das Wurzelwerk. Das erinnert mich an eine Sage, die unsere Haushaltshilfe aus dem Stamm der Ndebele daheim in Pretoria eines Tages erzhlt hat. Auf den Punkt gebracht: Als Gott die Welt erschaffen hatte, betrachtete sich der Baobab-Baum im Spiegel und verglich sich mit den anderen Bumen. Er meinte, er sei be-nachteiligt. Der Fevertree, der Fieberbaum, hatte ein sanftes Grn und eine herrliche gelbe Rinde. Die Palme war schlank und sehr hoch. Sie spreizte ih-re Wedel nach allen Seiten. Der Flamboyant hatte schne rote Blten, sogar die Tiere blieben vor ihm stehen und bewunderten ihn: Du bist so schn mit deinem leuchtenden Rot! Im Herzen tiefst gekrnkt, lief der Baobab nun zum lieben Gott. Dort verneig-te er sich tief und sagte: O Herr, ich mchte auch so schne Blten haben wie der Flamboyant!

  • Erlebnis sdliches Afrika 281

    Doch der Herr sprach: So habe ich dich gemacht, du bist schn genug! A-ber der Baobab klagte: Ich habe einen dicken Bauch und einen kurzen Stamm und Blten, die so klein sind, da keiner sie sehen kann!

    Der liebe Gott war dennoch anderer Meinung. Er war mit seinem Werk zu-frieden und schickte den Baobab fort. Doch der Baum lie sich nicht beirren und kam immer wieder, Tag fr Tag. Der liebe Gott verlor die Geduld. Es zeigte sich, da der liebe Gott nicht unbedingt nur lieb sein mu. Er wurde zornig, grollte wie ein groes Gewitter, hob den Baobab mit mchtiger Hand hoch in die Luft und rammte ihn kopfunterst in die Erde. Ja, und seitdem wachsen die Wurzeln des Baobab in den Himmel!

    Nach einem wonnigen Bad in den heien Quellen von Tshipise sitzen wir vor unserem komfortablen Chalet (hier eine strohgedeckte Rundhtte mit voll eingerichteter kleiner Kche, Dusche und Toilette) und betrachten den Son-nenuntergang. Nein, die Sonne sehen wir nicht mehr, sie ist bereits hinter den Bumen verschwunden. Aber der Widerschein der untergehenden Son-ne frbt den steilen Hang des direkt vor uns aufragenden einzelstehenden Berges langsam von Hellgelb ber leuchtendes Orange zum Blaviolett und Grau des verlschenden Tages. Ganz oben auf dem spitz zulaufenden Berg erkenne ich ein Gipfelkreuz und unterhalb davon einige winzige Punkte. Mit dem Fernglas kann ich wohlgerstete Bergsteiger ausmachen. Hoffentlich kommen die vor Einbruch der Nacht zurck!

    Wir mssen immer noch lachen ber das sehenswerte Ereignis, das sich kurz vorher, als die Sonne den Platz noch besser ausgeleuchtet hatte, in der Nhe auf dem groen Campingplatz des Resorts abgespielt hat: Ein Wohn-wagengespann mit Transvaaler Nummer stellt sich unter einen Baum. Der Fahrer verschwindet und kommt gleich danach mit einem schwarzen Arbeiter wieder. Beide bauen ein Vorzelt auf, das doppelt so gro wie der Wohnwa-gen ist. Die brauchen ja ganz schn Stellplatz, meinen wir mit einem Blick auf die kleinem Iglu-Zelte ringsumher. Doch dann reiben wir uns die Augen: Der Transvaaler holt mit Hilfe des Schwarzen aus dem Inneren des Wohn-wagens eine dicke grne, etwa zwei Meter breite Rolle und eine Menge

  • 282 Winter in Zimbabwe

    Pfosten. Die beiden zunen nun ein groes Gebiet um den Wohnwagen mit der undurchsichtigen Matte ein. Nach getaner Arbeit darf sich der Schwarze mit einem Trinkgeld entfernen. Der Besitzer des stattlichen Areals stapft nun um dasselbe, prft noch hier und da die Standfestigkeit seines Zaunes, ist auch alles dicht, da keiner hereinkommt?, und verschwindet laut pfeifend und sich die Hnde reibend dahinter. Kurz danach taucht hinter dem Zaun ein Drahtgestell wie ein UFO auf: Die Fernsehantenne. Die alte Mentalitt des Laager - Bauens am Ende einer langen Fahrt, bernommen von den Voortreckern, ist also noch nicht ganz verschwunden. Mit modernem Kom-fort, versteht sich! Der Zaun hilft ihm wohl, ruhiger zu schlafen, hier im feindlichen Land, wo die unsichtbare Grenze zum ehemalig schwarzen Homeland VENDA nur ein paar Kilometer entfernt ist, frozzle ich. Und das, obwohl der Platz von gleichgesinnten Buren nur so wimmelt! In der Nacht strmt es drauen, und wir freuen uns, statt in einem Zelt in ei-nem festen Haus zu bernachten. Der Morgen bringt eine berraschung: Kurz nach Sonnenaufgang klauben die schwarzen Reinemachefrauen Frch-te der umstehenden Baobabbume auf. Der Sturm hat zahlreiche der bis zu kindskopfgroen hartschaligen Frchte heruntergeworfen, die allerseits we-gen des suerlichen Fruchtfleisches geschtzt sind. Die Baobabfrchte wer-den in Zimbabwe den vorbeifahrenden Touristen von der Landbevlkerung am Straenrand feilgeboten. Es ist Sonntag. Wir verlassen gerade das dampfende Bad unter Glockenge-lute. Ja, das Camp hat sogar eine Kirche! berall festlich gekleidete Men-schen mit dem Gebetbuch in der Hand. Da sehen wir das Gelnde vor unse-rem Chalet mit Spiralnudeln (damit Sie Soe besser gabeln knnen) ber-st. Na so was, wer wirft denn Nudeln auf den Boden? Bei nherem Betrach-ten stellt sich heraus, da dies Samen sind. Unser Rondavel steht im Schat-ten eines Baumes, der diese Samen im Sturm abgeworfen hat. Ein anderer Baum in der Nhe hat lederartige Samenschoten, die bis zu einen halben Meter lang sind.

  • Erlebnis sdliches Afrika 283

    Hinter dem Rondavel beginnt das zum Resort gehrende Wildreservat, doch wir verlassen nun aus Zeitmangel den hbsch gelegenen Ferienort Aventura Tshipise, der brigens im Zuge der politischen Vernderung schon mehrere Jahre vor der ersten demokratischen Wahl in Sdafrika die Tore auch fr Nichtweie geffnet hat.

    Auf der Fahrt ber Messina an die Grenze sehen wir nichts als braungelbe Savanne. Die Strae folgt wellenfrmig in leichtem Schwung den Tlern und Hgeln, ohne die Richtung zu ndern. Wie knnen die Baobabs in dieser Trockenheit nur berleben? Es hat doch schon Monate nicht mehr geregnet! Die Lsung: Baobab-Holz kann eine groe Menge Feuchtigkeit speichern. Das wissen auch Elefanten, die Lcher in die Stmme bohren und das feuch-te Holz fressen. Die Baobabs an der Strae haben alle ein Schild mit der Aufschrift 472. Diese Baobabs stehen unter Naturschutz.

    Ich bin froh, da wir es endlich geschafft haben, seufze ich, und wische mir den Schwei von der Stirne. Du mut aber zugeben, da es bei den Sdaf-rikanern schneller ging als bei den Zimbabwern, meint Edeltraud. Bei den Grenzern jenseits des Flusses Limpopo war ein Wust von Formularen auszu-fllen. Die Grenzformalitten bei der Einreise nach Zimbabwe sind mit fast zwei Stunden im Vergleich sehr flott abgehandelt worden. Es gibt zwei Hr-den zu berwinden: Den Einreiseschalter und den Zollschalter. Vor dem Schalter fr die Einreise standen nur 10 Menschen. Die schwarzen Beamten fertigten korrekt und zgig ab. Ich schickte Frau und Sohn schon mal vor, um mir in der sich mhsam vorwrtsbewegenden langen Schlange vor dem mit fnf Schwarzen besetzten Zollschalter einen Platz freizuhalten. Doch der Ein-reisebeamte machte mir einen Strich durch die Rechnung. Wo ist die Frau zu diesem Pa? wollte er wissen, und deutete auf das rote Bchlein. Dort hinten in der Schlange, gab ich zur Anwort. Dann holen Sie sie, und ihren Sohn auch. Also rief ich meine Familie, die den kostbaren Platz freigeben mute. Der Beamte musterte Edeltraud lange, verglich sie mit dem Pabild, und grinste Danke schn! Und einen schnen Aufenthalt in Zimbabwe!

  • 284 Winter in Zimbabwe

    Im Stehen fllte ich einen zustzlichen Zettel fr den Zoll aus, der mir von meinen Kollegen in der sich im Zickzack zwischen abgewetzten Metallgattern schlngelnden Menschenkette wrmstens an Herz gelegt wurde. Da steht aber Ausreise als berschrift. Macht nichts, kam die Anwort, die haben keine Formulare fr die Einreise mehr. Dort vorne am Schalter wird aus dem Aus ein Ein gemacht, und schon ist das Formular wieder korrekt. Nach dem Entrichten einer Gebhr fr die zimbabwische Autohaftpflichtversiche-rung durften wir endlich die Grenze verlassen.

    Wir nehmen die Strae nach Masvingo. Die Landschaft an der Grenze unter-scheidet sich in keiner Weise von der sdafrikanischen Seite. Doch viele Af-fenbrotbume, die am Rande der Strae wachsen, sind von Rastpltzen um-geben, mit Steinsthlen, -tisch und einem Abfalleimer. Wir wundern uns, ist uns doch gesagt worden, da Zimbabwe frchterlich dreckig sei. Kein Wun-der, dort leben ja hauptschlich Schwarze, bekamen wir im Pretoria der A-partheid-Zeit zu hren. Noch ein kleiner Unterschied zu Sdafrika: Die Stra-e ist breiter als die, die wir gestern gefahren sind, schnurgerade angelegt und, mit einer makellosen Oberflche versehen, bestens ausgebaut. Da macht Autofahren wieder Spa, zwinkere ich meiner Frau zu. Vor allem des-wegen, weil uns nur alle 20 Minuten im Schnitt ein Auto entgegenkommt. Wir freuen uns, da unser Passat bezglich der Geschwindigkeit seinem Namen alle Ehre macht.

    Ja, die Anlage der Strae und die Verkehrssituation verfhrt auch zu schnel-lem Fahren. Ab und zu heit es aber, geistesgegenwrtig blitzschnell auf die Bremse zu treten, wenn wir nicht eine ber die Strae wechselnde Warzen-schweinfamilie um einige Mitglieder rmer machen wollen.

    Die allmhlich langweilig werdende endlose Ebene hat nun doch ein Einse-hen und geht in eine malerische Landschaft ber, die aussieht, als wre eine Herde von Buckelwalen gestrandet. Zwischen den Felsformationen grnt p-pige Vegetation, scheinen Bchlein zu flieen. Rondavel -htten aus Lehm, Kuhdung, Holzprgeln und Reet gebaut, verteilen sich malerisch am Stra-enrand. An den Bushaltestellen stehen wahre Trauben von schwarzen Kin-

  • Erlebnis sdliches Afrika 285

    dern in Schuluniform, die sich nach der Ankunft des Busses noch lebhaft un-terhalten, bevor sie mehrere Kilometer die Strae entlang nach Hause ge-hen.

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    Unweit des Lake Mutirikwi liegt Masvingo, die etwa 31.000 Einwohner zh-lende Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie ist im Jahre 1890 gegrn-det worden. Einer ihrer einhundert Jahre alten Trme ist im Stadtzentrum zu finden. Da sie nichts besonderes an Sehenswrdigkeiten anzubieten hat, fahren wir am sdlichen Ufer des Stausees entlang zur grten und bekann-testen Touristenattraktion des Landes, nach Great Zimbabwe. Dort soll sich ein Campingplatz befinden. Hoch oben auf dem Berg erkennen wir einige Steinbauten, und unten vor dem Eingang zu dem nicht umzunten Gebiet des Great Zimbabwe Ruins National Monument kommt ein Schwarzer aus seiner neben einer Schranke stehenden Htte hervor, in der er sich an einem ruendes Holzfeuer wrmt. Ganz schn kalt heute, meint er freundlich . Da mag er recht haben, der Wind pfeift uns eiskalt um die Ohren. Ja, hier ist ein Campingplatz, deutet er auf unsere Frage hin hinter sich. Doch wir sehen nur ein Zelt in weiter Ferne unter einem Baum. Kein Zaun, keine Duschen, keine Toiletten. Bei dieser Klte mchte ich nicht im Zelt schlafen, erffnet mir Edeltraud pltzlich. Und so verkriecht sich der Pfrtner wieder in seine Htte und wir uns in unser Auto, denn der kalte Wind lt uns schaudern. Welch ein Unterschied zum Klima im Limpopo-Tal!

    Wir finden hbsch am Waldesrand gelegen direkt am See ein Ferienresort, wo wir uns in einem kleinen Huschen, einem Chalet einmieten. Nach zwei Tagen soll uns die Entscheidung, hier zu nchtigen, wieder leid tun. Denn die warme Dusche abends und der (lrmende) Khlschrank wiegt das schmud-delige Zimmer ohne Steckdose, die zerrissenen Bettdecken, den von der Wand abbltternden Putz, die fehlende Kochgelegenheit und die trben, fett-verschmierten Funzeln als Raumbeleuchtung nicht auf. Das Preis-Leistungsverhltnis stimmt auf keinen Fall, denn wir zahlen mehr als das

  • 286 Winter in Zimbabwe

    Fnffache einer bernachtung im eigenen, sauberen Zelt auf einem beliebi-gen Campingplatz Zimbabwes. Hotels, eine andere Mglichkeit, mssen in US-$ bezahlt werden, weil wir Auslnder sind. Und somit kostet ein Zimmer das doppelte von dem, was ein Zimbabwer bezahlt.

    ber die Ruinen von Zimbabwe, fr die wir uns einen ganzen Tag Zeit neh-men, ist schon viel geschrieben worden. Zu viel, um es hier zu wiederholen. Als Hinweis mge dem geneigten Leser die Liste der Bcher im Kapitel Literatur dienen. Mich berrascht, als wir unser Eintrittsgeld bezahlt haben, da hier trotz Hochsaison nur zwei Touristen zu sehen sind. Im Verlauf der vielen Stunden, die wir im Gelnde und auf dem Burgberg weilen, werden wir noch zwei Gruppen mit Pauschaltouristen sehen, die jedoch, um andere Sehenswrdigkeiten nicht zu verpassen, husch-husch von ihrem Fhrer durch die Mauern gejagt werden. Auf diese Weise kann natrlich kein Mensch den Flair und die Ausstrahlung dieser Gebude fhlen und in sich aufnehmen. Wie mir berichtet wurde, soll es auch Pauschalreiseunternehmen geben, die an wichtigen Pltzen bis zu zwei Tage Besichtigungszeit ermglichen. Die gewaltigen Steinbauten im Tal und auf dem Hgel zhlen zu den be-rhmtesten Ruinensttten ganz Afrikas sdlich der Sahara. Sie sind, neben anderen, unbedeutenderen Ruinen in Zimbabwe, berbleibsel eines Gro-reiches, das zwischen 1250 und 1500 n. Chr. zwischen Botswana und Mo-zambique Bedeutung erlangt hat. Der Name Zimbabwe (die Ruinen heien Gro-Zimbabwe) leitet sich nach einigen Experten von den Wrtern Dzimba Dza Mabwe (Steinhuser) oder Dzimba woye (verehrungswerte Huser) der Shona-Sprache ab. Mit diesem Namen wurden die Huser, so diese Quelle, oder die Grber von Huptlingen bezeichnet. Mehrere Tausend Einwohner sollen hier gelebt haben. Andere Experten wollen den Namen von der lebhaf-ten Handelsbeziehung der Zimbabwer mit dem alttestamentarischen Knig Salomon und der Knigin von Saba herleiten.

    Karl Mauch hat sich 1871 in Zimbabwe vorgestellt, das Wort Zimbabwe oder Zimbaoe weise in seiner arabischen Schreibweise ganz klar auf das Wort Saba hin. Und andere wiederum meinen, der Priester Johannes sei der Ur-

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    heber der Steinbauten. Sie glauben, bei Gro-Zimbabwe handele es sich um das sagenhafte Land Ophir Knig Salomos und seines Verbndeten, des Knigs Hiram von Tyros. Viele Talente Gold und Silber, kostbare Edelhlzer und unzhlige Edelsteine sollen von hier stammen. Sie sollen alle drei Jahre mit den Tarsisschiffen an den Hof von Jerusalem gebracht worden sein. Frei-lich sind einige dieser Auffassungen im Laufe der Forschungen gelutert und widerlegt worden, doch genaues wei man bis heute nicht, nicht einmal den Zweck der Bauten auf der Akropolis und im Tal darunter. Hier wre es inte-ressant, folgendes zu studieren: Die genaue Lage der Gebude und Funda-mente (auch zueinander), das Aussehen der Fenster, Tore, Mauern, Rume, die Art der Verbindung der Bausteine, das Baumaterial, Farbe, Mrtelung etc.

    Ein Freund, der sich mit der Geschichte Zimbabwes beschftigt, schreibt mir nach dem Durchlesen des Manuskriptes zum Zimbabwe Kapitel: Bei mei-nem Studium der Geschichte thiopiens (Salomonische Dynastie und Zagwe Dynastie) stie ich auf schriftliche Beweise, da zwischen thiopien und ei-nem im Sden liegenden Reich lebhafte Handelsbeziehungen bestanden. Leider ist der Name nicht gesichert, Monomatapa soll es geheien haben. Vielleicht lt sich eine Querverbindung herstellen.

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    In einem eingezunten Areal stehen auf leicht abfallendem glattem Fels etwa 20 Rundhtten. Aus einer dringt Rauch. Das lockt uns an. Wir sphen durch die ffnung ins Dunkel der Htte. Drin ist nichts zu erkennen. Doch, da be-wegt sich etwas. Eine rauhe Stimme bewegt uns dazu, nach einigem Zgern einzutreten. Ein Schwarzer, mit skurrilen Fellen behangen und mit einem Fell-Haare-Perlen - Kopfschmuck sitzt mit verschrnkten Beinen auf einer Strohmatte und wrmt sich hndereibend am qualmenden Holzfeuer.

    Unsere Augen brauchen etwas Zeit, um sich vom strahlenden Sonnenschein umzustellen. Allmhlich kann ich die Inneneinrichtung der Htte erkennen. An der mit Lehm glattgestrichenen Wand hngen Zaubergegenstnde aus Leder, Fell, Samenhlsen, Stckchen und Haaren. Am Boden, neben dem

  • 288 Winter in Zimbabwe

    verglimmenden Feuer, das ist Muchatkwa, wie er sich vorstellt. Durch vor-sichtiges Anblasen entfacht er es aufs neue. Ringsum stehen bauchige Ge-fe, Schsseln und Schalen der Shona - Tpfereikunst. Wir mssen husten, denn das Feuer verbreitet beienden weien Qualm. An der Wand, eingerahmt von sonderbar fremdartigen, gefrbten Kultgegens-tnden, hngt ein Blatt Papier. Darauf kann ich mit Mhe und trnenden Au-ges die Aufschrift Certificate of Registration. Mutchatkwa ist also bei der Regierung von Zimbabwe registriert. Aber als was? Fr 5 Zimbabwe-Dollar pro Person sage ich euch die Zukunft voraus, preist er seine Dienste an und blickt uns auffordernd aus seinem mit vielen Runzeln und Fltchen gezeichneten dunklen Gesicht an. Seine feucht schimmernden Augen sind ebenfalls dunkel, selbst das bei anderen Men-schen Weie darin ist braun und mit derchen durchzogen. Er reicht uns eine abgegriffene, schon etwas brunliche Zeitungsnotiz vom Mai 1990. Von Muchatkwa wird da berichtet, er habe in Maputo (Hauptstadt von Mozambique) ein Mittel gegen Aids gefunden. Muchatkwa, so ist weiter zu lesen, ist Jahrgang 1934, wegen einer hier unheilbaren Krankheit ist er nach Mozambique gegangen und dort geheilt worden. In Zimbabwe hat er davor den Beruf des Boxers und des Automechanikers ausgebt. Seine Hei-lung in Mozambique hat ihn dazu gebracht, selbst Wunderheiler - wir wrden ihn in Europa einen Heilpraktiker nennen - zu werden. Diesen Beruf besttigt die Urkunde, die hinter ihm an der Wand der Rundhtte hngt. Vor einigen Jahren bin ich wieder aus Maputo zurckgekommen, um hier als Wichdoctor zu heilen, berichtet er. Haben Sie Familie? will ich wissen. Ja, ich habe 21 Kinder und drei Frauen, die in dem Dorf hinter den Bergen leben. Bei diesen Worten zeigt er durch die abgerundete ffnung der Htte hinaus in die gleiende Helligkeit. Seiner drren Hand folgend, schweift un-ser Blick ber die im trockenen Buschfeld versteckten unteren Ruinen von Great - Zimbabwe bis zu einer sanft geschwungenen Hgelkette. Sind Sie den ganzen Tag in dieser Htte? Ich kann mir nicht vorstellen, da er in der gebckten Haltung von Sonnenauf - bis - Untergang den Qualm

  • Erlebnis sdliches Afrika 289

    einatmet. Ich lebe hier ganz allein in meiner Htte, seit das Tourismusministerium das Dorf aufgebaut hat.

    Die Rondavels, aus sten, Lehm und Kuhdung gebaut und mit Reet gedeckt, stehen nebeneinander in Abstnden von etwa 5 Metern auf einer nackten, leicht abfallenden Felsplatte. Sie sind voll ausgestattet worden und stellen die traditionelle Lebensweise der Shona, des grten Stammes Zimbabwes, dar. Leider sind statt der Dorfbewohner nur dunkelhutige Personen aus Holz und Pappmache aufgestellt worden, die Maiskrner in einem Mrser bearbei-ten oder Kchengerte herstellen. Muchatkwa ist wirklich allein im Dorf bis auf den Jungen, der beim Eintrittstrchen Tickets und Kunstgewerbe- Arbei-ten verkauft.

    Gestern war ein guter Tag fr mich! nimmt Mutchatkwa den Faden wieder auf, keine ruhige Minute. Es war Sonntag und der Touristenstrom nahm kein Ende. Heute dagegen sind wir schon seit einer halben Stunde die einzigen Gste des Freilichtmuseums. Behandeln Sie auch Einheimische? Ich bin zwar von der Tourismusbehrde hier angestellt worden, doch ich lebe auch von dem Geld, das mir meine schwarzen Besucher bezahlen, die vor allem aus der Umgebung kommen. Sie fragen mich um Rat in medizinischen Din-gen, bevor sie ins Krankenhaus gehen oder wenn sie ungeheilt vom Arzt zu-rckkommen. Ich braue auch Medizin, die ich verkaufe. Und den Touristen sage ich die Zukunft voraus!

    Der traditionell benutzte Name eines Mannes wie Mutchatwa lautet natrlich nicht Wichdoctor oder Medizinmann, sondern Nanga. Bei den Shonas sind die Nanga-Geister von groer Bedeutung. Ihre Aufgabe ist es, zu hei-len, Streit zu schlichten, Rat zu geben und wahrzusagen. Sie bedienen sich eines Nangas als Medium, um sich bemerkbar machen zu knnen. Der Nanga ist nicht nur Kenner der traditionellen Medizin und der Heilkruter. Er ist auch eine Art Psychologe.

    Ein Nanga-Geist tritt dann auf, wenn bestimmte Kulthandlungen vollzogen werden. Zum Beispiel, wenn Muchatkwa Holzstckchen in Knochenform (Ha-

  • 290 Winter in Zimbabwe

    taka) auf den Boden der Htte vor sich wirft, aus deren Konstellation dem Besucher die Antwort auf Fragen und Probleme gedeutet wird.

    Ich zeige euch, wie frher die Shona zum Versammlungsplatz gerufen wor-den sind. Mit diesen Worten packt er ein mehrfach in sich gewundenes, mehr als einen halben Meter langes Kudu-Horn (groe Antilopenart) und fllt es aus einem verrosteten Eimer mit Wasser.

    Dann steht er mit einer Leichtigkeit und Wendigkeit auf, die wir einem 56-jhrigen, der den ganzen Tag steif in seiner Htte mit verschrnkten Beinen gesessen hat, nicht zugetraut htten. Gebckt und mit Trnen in den Augen verlassen wir die verqualmte Htte. Drauen kneifen wir, von der Helligkeit geblendet, die Augenlider zusammen. Muchatkwa fllt aus einem rostigen Becher nochmals Wasser in das Horn und giet es nach sorgfltigem Hin- und Herschwenken auf seine Kakteen, die in einem Trog zwischen seiner Wohn- und seiner Arbeitshtte stehen. Dann setzt er das Horn an den Mund, dort, wo seitlich, kurz vor dem dnnen Ende, ein Loch gebohrt ist. Ein hohler, tiefer Ton erklingt, den unser Medizinmann kunstvoll an - und abschwellen lt. Sogar eine Tonhhennderung bringt er aus dem Horn hervor. Lange schwebt der Ruf noch ber dem Tal und in unseren Kpfen herum, als er das Horn schon abgesetzt hat. Das war also der Aufruf zur Sammlung. Frher wren alle Mnner des Dorfes zusammengestrmt, um den Worten des Huptlings zu lauschen.

    Wie die Zeitung schreibt, sind Sie seit zwei Jahren, seit der Errichtung des Touristendorfes, als sein wesentlicher Bestandteil so eine Art Touristenmag-net geworden. Wie lange werden Sie noch in Ihrer Htte Dienst tun? Er l-chelt und antwortet: Ich bin in Zimbabwe geboren, und ich werde als Nanga hier in dieser Htte sterben, und dann wird ein anderer Medizinmann meinen Platz hier einnehmen.

    Ich bedanke mich fr das interessante Gesprch mit unserem ersten Nanga, und wir kehren zu unserem Chalet (aus dem Franzsischen ins Englische bernommen, mit der Bedeutung Sommerhuschen) am See zurck. Am nchsten Morgen zieht es uns weiter nach Osten, auf die Eastern High-

  • Erlebnis sdliches Afrika 291

    lands zu. Zuvor mssen wir den See umrunden. Auf der befahrbaren Krone der Staudammauer ist die Strae noch geteert. Doch schon nach einigen Kilometern schmecken wir zum ersten Mal in Zimbabwe Staub, obwohl diese Strae im Vergleich zu denen, die da noch kommen werden, einwandfrei zu befahren ist.

    Auf dieser Strecke sieht man das wahre Afrika: Die Schwarzen vom Stamm der Shona leben hier in Rondavels, die von der gleichen Art sind, wie sie im nicht weit entfernt gelegenen knstlich gebauten Touristendorf aufgestellt worden sind. Die Auenwnde sind manchmal bemalt. Jede Gruppe von Rundhtten ist von knorrigen sten, die im Boden stecken, als Einzunung umgeben. In jedem dieser Krals befinden sich kleinere Umzunungen fr Schafe und Ziegen. Die Krals sind in eine grandiose Felsenlandschaft einge-streut, durch die sich die Staubstrae in Kurven zieht. Dieses Gebiet, das Mutirikwi Communal Area, ist vergleichsweise dicht besiedelt. Der Boden ist sehr schlecht; viele Htten stehen auf nacktem Fels. Die Voraussetzung fr Landwirtschaft, fr Maisanbau und Viehzucht sind uerst ungnstig. Alle 10 Kilometer steht ein eingeschossiges, phantasieloses lngliches Gebude. Ein Schild weist auf den Namen der jeweiligen Schule hin.

    Einige Schler sind am heutigen Vormittag in der gleienden Helle der son-nenbestrahlten Landschaft schon unterwegs. Ein jugendlicher Schwarzer will mitgenommen werden. Doch wir haben ja schon Full House! Wir berlegen, ob es zu gefhrlich sei, wir haben die belsten Geschichten gehrt. Dann siegt die Risikobereitschaft. Er wird uns schon nicht gleich mit dem Messer bedrohen! Nachdem er auf dem hinteren Sitz Platz und unseren Sohn auf den Scho genommen hat, entwickelt sich ein netter Dialog, denn er spricht sehr gutes Englisch. Er sei auf dem Weg nach Hause in seinen Kral, denn die Schulleitung habe in weggeschickt. Warum? fragt Edeltraud emprt.

    Ich habe das Schulgeld nicht zahlen knnen, antwortet er nach einigem Zgern leise. Fr uns ist die Summe, die er jetzt nennt, nicht sehr viel, doch wenn eine Familie 5 Schulkinder hat? Und deshalb bleibt auch schon mal ein Kind zu Hause. Edeltraud blttert in seiner Lektre, die er ihr bereitwillig

  • 292 Winter in Zimbabwe

    zeigt. Erstaunlich! meint sie nach kurzem Durchblttern. Ich kann zwar kein Shona, doch das Bild spricht fr sich selbst. Ich blicke kurz von der Pis-te auf, denn bei dem Straenbelag ziehe ich es - noch - vor, langsam dahin zu zuckeln. Eine Szene aus einem modernen Buch: In einem Hotelzimmer liegt ein Schwarzer, augenscheinlich im Schlafe entrckt, auf einem Bett, whrend eine leichtgekleidete Dame an seiner Geldbrse auf dem beiste-henden Tisch fummelt. Das ist meine Schullektre, erklrt der Junge. Wers glaubt, denke ich mir. Ein sehr realistischer Stoff, sozusagen als Lernziel Warnung vor den Gefahren der Grostadt! 175 Kilometer trockenes flaches Buschland weiter erreichen wir die Birche-nough Bridge, die den Flu Save als Hngekonstruktion berquert. Sie wur-de schon 1935 gebaut. Einige Kilometer vor dem Flu senkt sich die Strae, die Vegetation wird grner, Bananen und tropische Bume tauchen auf, und einzelne Exemplare des skurilen Baobab sumen den Straenrand. Bei der Einfahrt in den kleinen Ort, der vor der Brcke liegt, denke ich verwundert: Ist hier Sonntagsfahrverbot? Kein Auto ist auf der Strae zu sehen! Aber dafr wimmelt es von Schwarzen auf dem Gemsemarkt. Von hier aus kann man einen Abstecher zum Gonarezhou-Nationalpark ma-chen, der in der Nhe von Chiredzi liegt. Von der Strecke Beit Bridge - Mas-vingo zweigt bei Ngundu Halt nach Osten eine andere Strae nach Chiredzi ab. Die Tambuti-Lodge am Eingang des Gonarezhou Nationalparks ist unser Ziel. Am ausgetrockneten Chiredzi-Flu liegen einfache, aber saubere Dop-pelbungalows mit Sanitreinrichtungen und Telefon. Als wir nachts in der Lodge ankommen, wei man von unserer Buchung, die wir schriftlich ge-macht hatten, nichts mehr. Trotzdem bekommen wir ein Zimmer, da hier of-fenbar nicht viel los ist. Zum Abendessen werden die Reste vom Vortag auf dem Tisch gebracht (so schmeckt es jedenfalls), nur am nchsten Tag wird ein hervorragendes Mahl serviert, an dem ich leider nicht teilnehmen kann, da mein Magen verrckt spielt. Dem Rest meiner Familie hat es sehr gut ge-schmeckt.

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    Die Besitzer des Motels, das sich Lodge nennt, nehmen uns auf einen Halbtagesausflug in den Gonarezhou Nationalpark mit. Das ist auch gut so, denn mit unserem tiefliegenden VW Passat wren die ungeteerten Wege des Parks an vielen Stellen nicht zu bewltigen. Durch die zu lange andauernde Drre und die durch den Brgerkrieg in Angola verursachte Wilderei im Park hat der Wildbestand stark gelitten. Gonarezhou heit Da, wo die Elefanten leben. Genau die sind aber nur noch sprlich vorhanden.

    Der Park liegt topographisch gesehen im sdstlichen Lowfeld-Gebiet und damit in der heieren und trockeneren Ecke Zimbabwes. 5053 Quadratkilo-meter erstrecken sich meist tiefer als 400 m ber dem Meeresspiegel. Das heit: Bis zu 50 Grad wird es hier hei. Von allen Parks in Zimbabwe ist Go-narezhou der am wenigsten entwickelte - eine wahre Wildnis. Demnach gibt es auch keine Chalets (auer das bei Swimuwini), Restaurants, Teerstraen, sondern romantisch gelegene Campingpltze, die aber (manchmal funktio-nierende) Toiletten haben. berdachte Rastpltze, in denen es angenehm khl und schattig ist, locken uns aus dem Auto heraus zur Wildbeobachtung am Wasserloch.

    Gegen Abend frben sich die Chilojo Cliffs, die sich dramatisch ber dem Runde-Flu auftrmen, unvergelich in der sich dem Horizont zuneigenden Sonne. Die Chilojo Cliffs sind Teil eines 32 km langen Sandsteinmassivs, das wir schon aus weiter Entfernung aus sehen konnten. Affen, Aloen und eine Vielzahl von Bumen und Bschen klammern sich an die steilen Kliffs. Am Ufer des Flusses sitzen wir im Schatten eines Nyalaberry-Baumes, und ge-nieen das von Molly Warth, der Eigentmerin der Lodge, zubereitete Pick-nick. Unten in einem Wasserloch am Flu baden andere Gste. Leider sind die Sanitranlagen in diesem Camp in einem sehr desolaten Zustand. Was-ser aus dem Hahn gibt es im Camp nicht.

    Gonarezhou ist nach einer guten Regensaison ein Paradies fr Vogelliebha-ber. Eine Vielzahl von Wild, das es anderswo in Zimbabwe hchst selten gibt, ist hier beheimatet, zum Beispiel Pangolin, Wildhund, Lichtensteins Hartebeest, Nyala und Roan Antilope. Die wenigen Elefanten, die wir auf diesem Tagesausflug zu Gesicht bekommen, sind sehr scheu, offenbar weil

  • 294 Winter in Zimbabwe

    Tagesausflug zu Gesicht bekommen, sind sehr scheu, offenbar weil sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben (Wilderei). Die Elefan-ten im Gonarezhou Nationalpark haben im Gegensatz zu der Unterart in an-deren zimbabwischen Parks kleinere Krper, die Bullen relativ groe Sto-zhne. Im Park blht von Mai bis September die sukkulente Impala Lilie (A-denium obesum). Der Busch ist mit weien, rosa umrandeten Blten ge-schmckt. Die Einheimischen nennen die Impala Lilie die First Lady des Lowfeldes. Wie ihre Schwester, die Runde Star, ist sie in Zimbabwe streng geschtzt.

    Wir verlassen die Tambuti-Lodge am nchsten Tag in Richtung Mutare. ber Birchenough-Bridge erreichen wir den kleinen Ort Hotsprings mit dem Hotsprings Resort 1990. 600 Meter ber dem Meeresspiegel, am Hang der Chimanimani-Berge, hat sich neben einer heien Quelle eine kleine ruhige Ferienanlage etabliert. Wir bekommen ein buntes Mittagessen vom Buffet. Danach testen wir das heie Becken mit dem Wasser gegen Rheuma und Arthritis, das wir bald verlassen und das nicht so heie Freibad aufsuchen. Zwlf einfach ausgestattete rietgedeckte Huschen (Toilette und Dusche au-erhalb), die um einen blumengeschmckten kleinen Staudamm herum gruppiert sind, dienen als Unterkunft, die wir nicht gerade als beraus preis-gnstig bezeichnen knnen. Die Eigentmerin Lollie Nel kann als Pionierin angesehen werden, denn die Banken gaben ihr keinen Kredit fr den Aufbau des Ferienortes. Grund: Er liegt in einem kommunalen Gebiet, daher ist der Platz vom hier lebenden Stamm nur gemietet. Nach Mutare sind es von hier aus 86 Kilometer, von Birchenough Bridge 53 km.

    Wir halten wieder Kurs Nord den Chimanimani-Mountains entlang. Ich kaufe bei einem an der Strae wohnenden schwarzen Holzknstler zwei Trom-meln. Es zeigt sich etwa 2 Wochen spter, da ich im Kaufen von derlei Gegenstnden noch nicht ganz geschult bin. Ein Wurm frit sich genlich durch das noch frische Holz, selbst die manchmal unangenehm heie Luft im Auto macht ihm nichts aus. Daheim in Pretoria werde ich ihm - ein Kollege

  • Erlebnis sdliches Afrika 295

    von ihm hat auch die Trommel meines Sohnes gelchert - mit einem starken Mittel den Garaus machen.

    Die Chimanimani-Mountains gehren wie die Vumba - und die Nyanga - Mountains zu den Eastern Highlands. Sie sind ein Teil der Randgebirge des sogenannten Afrikanischen Grabens, der sich vom sdlichen Afrika bis zur Jordansenke im Nahen Osten zieht. Die aus weiem Quarzit und Sandstein bestehenden Hnge ragen steil und zerklftet auf. Mit dem Binga erreichen sie 2400 m Hhe. Wir verzichten auf die uns empfohlene Rundfahrt im Chi-manimani-Nationalpark, da wir ber 60 km ungeteerte, serpentinenhnliche Piste fahren mten und eine bernachtung hoch oben in der kalten Ge-birgsluft nicht sehr erstrebenswert erscheint. Zumal wir mit den Vumba-Mountains uns etwas hnliches vorgenommen haben.

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  • 296 Winter in Zimbabwe

    Hauptstadt Harare und die zweitgrte Stadt des Landes, Bulawayo, die Straennamen gendert haben.

    Die Vumba - (=Nebel) Mountains erreichen wir auf einer gut ausgebauten Bergstraen im Sdosten von Mutare. Hoch oben, nahe dem Gipfel von 1911 Metern, liegt unser Campingplatz. Wieder ist kein Mensch zu sehen. Wir ha-ben das Gefhl, von der Landschaft her eher im Schwarzwald als im sdli-chen Afrika zu sein. Grn ist der vorherrschende Farbton. Von dem Platz vor unserem Zelt aus blicken wir - ohne strenden Vumba-Nebel - auf eine weite Ebene mit mehreren Stauseen, die schon zu Mozambique gehren.

    Gleich neben dem Campingplatz liegt der Botanische Garten, frher Man-chester Garden genannt, dem wir am folgenden Morgen einen langen Be-such abstatten. Frank Taylor, ein ehemaliger Major und Geschftsmann aus Mutare, hat den Garten in den 20er Jahren gegrndet und ihn kurz vor sei-nem Tode dem Staat zum Geschenk gemacht. So haben also die Reichen frher gelebt! Immerhin sind es fast 40 km von Mutare bis zum Park, und ich kann mir lebhaft vorstellen, da es seine Zeit gedauert haben mag, in den 20er Jahren auf nicht befestigten Straen sich durch den dichten Urwald zu schlagen und seine Wochenendresidenz hier aufzubauen. Der Park ist au-erordentlich gut gepflegt. Zahlreiche Bume und Pflanzen sind geschmack-voll angeordnet, darunter auch Orchideen. Bche sind zu Teichen aufgestaut, mehrere kleine Wasserflle erfreuen Ohr und Auge. Doch der von hier aus-gehende Circular Drive, den ich allein fahre, fhrt einspurig auf ungeteer-tem und recht unebenem Weg mitten durch den Urwald mit dichtem Unter-holz, ineinander verschlungenen Lianen und in den Weg ragenden, den Lack zerkratzenden sten bergab, bis er an einer Schleife endet, von wo aus mir ein herrlicher Blick auf Mozambique und die umgebenden Berggipfel der E-astern Highlands geboten ist.

    Nicht jedem ist es gegeben, in einem Zelt auf einer Isomatte zu schlafen. Daher ziehen wir am nchsten Tag fr eine Nacht in das Leopard Rock Ho-tel, das sich nicht weit entfernt vom Campingplatz unterhalb des Leoparden-felsen befindet. Gern gibt sich dieses Hotel luxuris, wirbt es doch damit,

  • Erlebnis sdliches Afrika 297

    da sogar ihre Majestt, die Kniginmutter von Great Britain, das Hotel 1953 besucht hat. Doch das war noch vor dem Umbau und die bernahme durch neue Eigentmer in Harare, die sich auer mit Hotels auch mit Tabakanbau beschftigen.

    Zu Fen des schlonlichen Hotels liegt ein Golfplatz, dem ein schner Nebelwald zum Opfer gefallen ist. Tennispltze, Sauna, Zimmer mit Balkon, vollverglaste Eingangshalle, mehrere Restaurants, alles deutet eine be-stimmte Art von Gsten hin, die da erwartet wird. Ein bichen hapert es noch mit der Logistik und dem Service: Die Buchung fr das Hotelzimmer ist falsch bermittelt worden; im Bad gibt es keine Seife, die Rasierersteckdose gibt den Strom nur in Sten von sich; unsere Restaurantbuchung ist erst nach lngerem Suchen auffindbar, whrenddessen wir ziemlich linkisch an der Restauranttre warten mssen; dann werden wir gefragt, wann wir in der Frhe mit Tee oder Kaffee geweckt werden wollen, wir legen darauf den Zeitpunkt fest. Auch das klappt nicht. Das Essen im Restaurant ist eher durchschnittlich, aber durch den Wechselkurs preisgnstig. Mein Gesamtein-druck in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes: Das Hotel hat noch viel Poten-tial, um das gesteckte (und schon in Prospekten verbreitete) Ziel zu errei-chen.

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    Wir verlassen das gastliche Stdtchen Mutare, nicht ohne uns vorher mit Proviant versorgt zu haben. Die schwarze Angestellte einer der drei Banken in der Hauptstrae winkt mich aus der Schlange und wechselt unbrokratisch und schnell einige Traveller-Cheques.

    Natrlich sind im Camp des Nyanga-Nationalparks, 100 km spter, alle Ht-ten belegt, kein Wunder, wir haben ja nicht vorgebucht. Am nchsten Morgen liegt Rauhreif wei auf dem Gras, und die Windschutzscheibe ist matt. Sie ldt unseren Sohn zu Schreibbungen ein. Der empfohlene Rundweg im Park ist ein Reinfall. Zwar kommen wir am Fu des 2592 Meter hohen Iny-angani, des hchsten Berges Zimbabwes vorbei, ansonsten ist es aber eine

  • 298 Winter in Zimbabwe

    furchtbare Schttelei auf der sandigen, doch hauptschlich mit spitzigen Steinen und tiefen Schlaglchern durchsetzten Piste. An irgendeiner Ab-zweigung steht ein verwittertes Schild Four Wheel Drive Recommended, doch der Weg, der hier abgeht, sieht genauso aus wie der, den wir jetzt schon seit einigen Stunden im 1. Gang entlangrumpeln.

    Einziger Lichtblick ist ein unvermutet auftauchender Wasserfall, ganz seltsam in dieser staubtrockenen Landschaft. Zurck im Camp, nach 40 Kilometern grtenteils krimineller Strae, seufzt unser Wagen, wie es scheint, dankbar auf, mu er sich doch nicht mehr von Schlagloch zu Schlagloch kmpfen.

    Am nchsten Morgen ist es nicht mehr so kalt. Wir verlassen nach dem Frhstck im Morgengrauen das Camp. Alles ist in unserem Passat verstaut, kein Handtuch pat mehr in den Kofferraum. Einige Hundert Meter vom Camp entfernt schlingert die Kiste. Ich bremse, fahre an den Rand. Mir deucht Schlimmes. Logisch, das hatten wir doch schon im sdafrikanischen Mpumalanga beim Verlassen des Campingplatzes von Graskop. Wieder ein Puncture! Ich rette den Wagen bis zu einer Einfahrt, denn in der unber-sichtlichen Kurve mchte ich am Straenrand keinen Reifen wechseln. Alles ausrumen! Ich kremple die rmel hoch, und in gemeinsamer Anstrengung wird der hintere Teil des Passat, direkt ber dem Reserverad, geleert. Nun noch schnell den Reifen gewechselt, eingepackt, und es geht weiter Rich-tung Zimbabwes Hauptstadt Harare, dem frheren Salisbury.

    Am frhen Samstagnachmittag treffen wir auf dem Campingplatz etwas au-erhalb von Harare ein. Es ist nicht viel los hier, auer ein paar abenteuerlich aussehenden Fahrzeugen von Afrika-Durchquerern sind wir fast die einzigen Camper. Ich fhle mich schon seit gestern nicht recht wohl, die Lymphdrsen an Oberschenkel und unter der Achsel sind geschwollen und schmerzen, die linke Hlfte des Kopfes tut weh und eine depressive Stimmung macht sich breit.

  • Erlebnis sdliches Afrika 299

    de fg h g h i

    Kaum haben wir das Zelt aufgebaut, fahren wir in die Stadt, um unseren plat-ten Reifen zu reparieren. Haben Sie einen Schlauch dabei? werden wir jetzt schon an der dritten Tankstelle mit Werkstatt gefragt. Das mssen wir ver-neinen. Mit Hilfe eines freundlichen schwarzen Tankwarts haben wir herausgefunden, da Ursache des Plattens ein 2 cm langer Drahtstift war. Wir fahren die 4. Tankstelle in der Innenstadt an, - so weit haben wir uns schon durchreichen lassen - , die auch an Wochenenden Reifen reparieren soll. Ein in weiem Hemd und schwarzer, modern geschnittener Hose gekleideter Shona stellt sich als Lormor vor. Haben Sie keinen Schlauch dabei? Zum wiederholten Male mssen wir verneinen. Der Tankwart hier wrde Ihnen helfen, wenn Sie einen htten! erklrt er uns nach Rcksprache mit dem Schwarzen. In Harare scheint akute Schlauchnot zu herrschen. Lormor, der sich als Schneider vorstellt, bietet uns an, uns eine Stelle zu zeigen, wo es Schluche gibt. Er ist in die Tankstelle gekommen, um Zndkerzen zu kau-fen. Wenn wir vom African Market, wo es gebrauchte Autoteile und -zubehr gibt, zurckkommen, sollen wir ihn heimfahren. Also steigt er ins Au-to ein und zehn Minuten spter halten wir in einer anderen Welt. Ein Sprung von erster in die dritte Welt sozusagen. Viele Schwarze, meist rmlich ge-kleidet, wimmeln vor einem ausgedehnten, eingezunten Areal von Well-blechbuden herum. Alte, berladene Busse schieben sich durch die Men-schenmengen in den engen Straen. Bleiben Sie im Auto sitzen und sper-ren Sie die Autotren von innen ab! ffnen Sie nicht das Fenster, wenn Sie angesprochen werden! Es gibt dunkle Elemente hier, weist er meine Frau an.

    Edeltraud ist das alles nicht geheuer, doch dann darf ich Lormor begleiten. Er kennt den Teil des Marktes, wo es Schluche gibt, und so fragen wir uns bei mindestens 10 Bruchbuden durch, an denen mehrfach reparierte Schluche hngen, wo jede Art von gebrauchten Autoteilen in einem heillosen Durch-einander herumliegen. Doch fr die Besitzer der Ersatzteilgeschfte hat al-les eine gewisse Systematik und Ordnung. Sofort hat der jeweilige Eigent-

  • 300 Winter in Zimbabwe

    mer des Ladens einen zu kleinen oder zu groen Schlauch parat, doch kei-nen mit weniger als 5 Flicken.

    Den Weg durch die schmuddeligen Buden begleitet uns ein anderer, sehr zerlumpt aussehender magerer Schwarzer. Als wir ohne einen einigermaen Vertrauen erweckenden Schlauch zum Auto zurckkommen, mchte er von Lormor Geld dafr, da er mitgelaufen ist. Lormor wimmelt ihn ab und erntet dafr lautstarke Schmhungen. Doch Lormor ist so etwas anscheinend schon gewohnt und verschwindet schnell im Auto. Wir bringen ihn zu seiner Schneiderei zurck, wo wir uns bei ihm fr seine liebenswrdige und sponta-ne, wenn auch erfolglose Hilfe bedanken und uns herzlich voneinander ver-abschieden.

    Wenigstens haben wir nun den African Market gesehen, trste ich meine Frau, die schon seit Nyanga mit eingezogenen Beinen dasitzen mu, weil der Reifen vor ihrem Sitz liegt.

    Am nchsten Tag hat sich meine gesundheitliche Verfassung eher ver-schlechtert. Ich habe mich schon gewundert, warum an drei Stellen die Haut aufgerissen ist und juckt. Spter wird sich herausstellen, da es drei Zecken waren, die mich gebissen haben. Das Tick bite fever, also das Zeckenfie-ber, hat mich erwischt, und ich werde mich nun 3 Wochen damit herum-schleppen mssen. Zu Hause werde ich dann zum Arzt gehen, um mir Anti-biotika verschreiben zu lassen.

    Der Chanpungu-Kral, ein nachgebildetes Shona-Dorf aus dem 19. Jahrhun-dert mit knstlerischer Ambition, soll unser Ziel am anderen Morgen sein. Blo zu dumm, da die Ausschilderung sehr schlecht ist. An jeder Strae n-kreuzung steht ein Wald von weien Schildern. Hinweise auf touristische Se-henswrdigkeiten unterscheiden sich leider nicht von Schildern, die auf Fab-riken und Firmen zeigen. Und so kommen wir nach 30 Kilometern Umweg zum Chapungu-Komplex, der sich eigentlich ganz in der Nhe des Camping-platzes befindet. Neben dem Shona-Dorf ist ein Skulpuren-Garten aufge-baut. Im Schnitt stehen hier 500 Exemplare von Shona-Skulpturen, die im-mer schnell verkauft sind. Gerade sind drei Belgier hiergewesen, die fr

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    20.000.- DM bis zu 1,50m hohe, schwere Steinskulpturen gekauft haben. Der Manager der Galerie und des Skulpturengartens, ein vornehmer briti-scher Herr mit weiem Haar, winkt uns zu sich ins Bro: Ein gutes Geschft haben die drei gemacht! Da der Zimbabwe-Dollar sehr schlecht steht, wer-den die Shona-Figuren immer billiger. Die Belgier haben in Holland eine Kunstgalerie. Dort verkaufen sie um das Dreifache. Selbst nach Abzug der Kosten des Transportes, der Versicherung - wir organisieren dies alles fr die Kufer- und des Fluges der Einkufer bleibt ihnen noch ein guter Gewinn!

    Eine Gruppe junger Schwarzer fhrt sogenannte Tribal dances, traditionelle Tnze der Shona, Matabele und Shangaan, vor. Unter den begeisterten Zu-schauern befinden sich auch - oder soll ich sagen nur - zwei Schwarze. Im Anschlu an die Vorfhrung habe ich interessante Gesprche mit jungen Bildhauern, die unter freiem Himmel Tag fr Tag Shona-Skulpturen schaffen, Skulpturen, die der englische (rhodesische) Galeriebesitzer gegen 30% Pro-vision verkauft. Eine Knstlerin arbeitet an einem eineinhalb Meter hohen Schmetterling aus dunklem Stein. Der ist schon verkauft, prsentiert sie ihn stolz. Bringt das Geschft auch etwas ein? zweifle ich. Natrlich, ich kann davon gut leben!

    Neben dem steinigen, von der Sonne verbrannten Feld, auf dem die Knstler arbeiten, trommeln die Akteure des Tribal dance ohne Publikum weiter. Sie ben fr die Nachmittagsvorstellung. Wir fhlen, da sie nicht nur aus Pflichtbewutsein trommeln. Der Rhythmus steckt ihnen im Blut, es macht ihnen Spa. Bei der Vorfhrung gehen sie mit, man sprt die Energie und die Freude, die in ihnen steckt.

    Um wieder etwas Kontrast zu unserem Aufenthalt auf dem Campingplatz in Harare zu bieten, wohnen wir einen Nacht in einem Landhaus etwas auer-halb von Harare, eine weitere im Meikles-Hotel in der Stadtmitte. Preislich ist die Landela Lodge in der Mitte.

    Das Landhaus Landela-Lodge liegt 35 km von Harare entfernt. Sie ist eines von vier Beherbergungsbetrieben der Organisation Landela Safaris Zimbab-we. Das rietgedeckte Hauptgebude ist von einem parkhnlichen Farmge-

  • 302 Winter in Zimbabwe

    lnde umgeben. Insgesamt hat die Lodge 9 Zimmer. Da es am Abend recht frisch ist, sitzen wir bei angenehmer Unterhaltung am Kamin, in dem ein Holzfeuer prasselt. Das Konzept dieser Gstehauskette besteht offenbar dar-in, den Gsten eine Hostess zur Seite zu stellen, die die Gste whrend des ganzen Aufenthaltes betreut und auch beim Essen fr Unterhaltung und Information sorgt. Im Garten drauen gibt es eine Vielzahl von Vgeln. Im Sommer entspannt man sich am Pool. Zu jeder Jahreszeit kann man einen Ausritt zu Pferde machen.

    Die recht zahmen Pferde lernen wir auf einer nahegelegenen Farm kennen. Wir reiten ber sanft geschwungene Hgel, die mit Schirmakazien bestanden sind. Ganz nahe kommen wir an das Wild heran. Ich bin ganz erstaunt, wie-viele verschiedenen Antilopen hier gehalten werden! Auf dem Rckweg zum Lodge - eigenen Taxi, das uns hierher gebracht hat, reiten wir durch ein ein-heimisches Dorf und knnen die Kunst des Ziegelbrennens bewundern.

    Lazarus Takawira, ein Shona-Steinbildhauer der ersten Stunde, hat sein ein-faches Huschen in der Nhe der Landela-Lodge gebaut. Stolz fhrt er uns seine schwergewichtigen Werke vor, whrend um uns herum seine Hhner nach Ebarem picken. Demnchst wird er auf Einladung einer Galerie in Mnchen ausstellen. Die Preise, die er an den bis zu 1,50 Meter hohen Skulpturen befestigt hat, lassen leicht erklren, warum er in dieser afrikani-schen Idylle einen Mercedes vor seinem Lehmhaus stehen hat.

    Schon bringt uns das Landela-Taxi wieder zurck, wir packen ein und sind in wenigen Minuten zurck in Harare. Das Wochenende ist vorbei, und mein Reifen wird bei einem Reifenhndler im Stadtzentrum repariert. Nun fhle ich mich wohler. Gleich geht es weiter zur Tiefgarage im Meikles Hotel, eines der besten Hotels in Zimbabwe. Nicht umsonst schmckt es sich mit 5 Sternen und hat es 1995 die Auszeichnung Bestes Hotel in Afrika einer internationa-len Zeitschrift (Executive Travel Magazine) bekommen. Fr uns hingegen ist es nur wichtig, ein ruhiges Pltzchen im quirligen Zentrum von Harare zu ha-ben, von dem wir aus die Sehenswrdigkeiten, die Souvenirlden und die ei-

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    genartige Stimmung in der Stadt erforschen knnen. Es wre mig, die vie-len Einzelheiten aufzuzhlen, die ein Fnfsterne-Hotel hat.

    Das zum Dinner gereichte a-la-carte Men kann sich mit jedem First-Class-Hotel in weitaus zivilisierteren Gegenden der Welt messen. Ganz bestimmt ist aber die Art, wie das Essen serviert wird, und die unaufdringliche Freund-lichkeit des Personals weitaus grer als anderswo. Preislich ist durch den gnstigen Wechselkurs der DM zum Zimbabwe-Dollar ein Abendessen im Meikles durchaus in der Reichweite eines durchschnittlichen Touristen. Nur - wer wei das schon! Und daher sieht man heute abend im eleganten Spei-sesaal Geschftsleute und Botschaftsangehrige aus aller Herren Lnder, und keine Touristen in Safarikleidung.

    Durch hgeliges Gelnde preschen wir am nchsten Morgen auf sehr guten Straen nach Nordwesten, biegen bei Makuti westlich ab und erreichen nach einer langsamen Fahrt ber einen sehr gewundenen, schmalen, aber geteer-ten Weg durch einen Nationalpark das Stdtchen Kariba. Hier ist seit 1959 der Zambezi aufstaut. Der Damm bildet die Grenze zu Zambia, dem frheren Nordrhodesien. ber den Damm ist eine Strae gebaut, von der man 128 Meter bis zum Fu des Bauwerkes sehen kann. Zwei unterirdische Kraftwer-ke, je eines fr Zambia und Zimbabwe, ntzen die Wasserfluten zur Stromer-zeugung. Der durch die Stauung entstandene Lake Kariba ist 282 Kilometer lang und bis zu 40 km breit. Whrend des Baus muten 25.000 Menschen, hauptschlich aus dem Stamm der Tonga, umgesiedelt werden. Die Opera-tion Noah rettete in den Jahren 1960 bis 65 tausende von Wildtieren, von Elefanten und Rhinos bis zu Schlangen, die sich auf die jetzt in Inseln verwandelten Berge und Hgel geflchtet hatten.

    j-k l'm n o p%m q r-s s

    Wir bernachten auf einem Campingplatz in der Ortschaft Kariba. Am Mor-gen darauf erweist sich das Manver, auf die Fhre zu kommen, als etwas schwierig. Der Schlagbaum hat aufgemacht. Wir drfen als dritter Wagen auf die Fhre. Steil fhrt der Kiesweg von hoch oben auf die Wasserflche des

  • 304 Winter in Zimbabwe

    winzigen Hafens zu. An einer Plattform, die ein klein wenig breiter als unser VW Passat lang ist, hrt der Weg auf. Folgende Szenerie: Links steigen die Felsen hoch auf, rechts von der Plattform fllt das Ufer zwei bis drei Meter steil zum Wasser ab, und nach vorne soll ich ins geffnete Maul der kleinen Fhre fahren. Null problemo, denke ich. Doch ich habe mich verrechnet. Ich soll rckwrts (!) auf das Schiff. Ich glaube, mich verhrt zu haben. Tatsch-lich. Ein wei gekleideter Einweiser, dessen Gesicht nach durchzechter Nacht und zuwenig Schlaf aussieht, beginnt, mit den Armen seltsame Bewe-gungen zu machen. Ich soll den Wagen wenden!

    Unmglich, denke ich, doch nach kurzer Zeit mhsamer Kurbelei am Lenk-rad, immer haarscharf am Abgrund vorbei, stehe ich mit der hinteren Sto-stange vor dem Maul der Fhre. Noch ein paar Meter, ein bichen hin und ein bichen her, schon ist der Passat als dritter in der Reihe in Millimeterar-beit zwischen dem Blech der Fhre und dem Blech der Autos eingekeilt. Ich mu den Wagen in zirkusreifer Vorfhrung durchs Fenster verlassen, da die Tr nicht mehr aufzubekommen ist.

    Begeistert und gespannt verfolgen die schon erlsten Fahrer und die Famili-enmitglieder vom Oberdeck aus die rangierenden, schwitzenden Kandidaten, die noch hinein mssen. Oh, was ist das? Der weie Nissan pat nicht mehr ganz hinein und die Bugklappe geht nicht mehr zu! Verzweifelt ringt der Fah-rer des Nissan die Hnde, er hat doch schon bezahlt! Macht nichts! ruft der Anfhrer der Einweiser. Packt alle mit an! Damit wird der Nissan Stck fr Stck auf seinen engen Platz gehoben, sogar eine Lcke fr das noch war-tende Motorrad ist im Laderaum frei geworden. Allerdings mssen die noch an Land stehenden Gaffer, die mitfahren wollen, an der Wand der Fhre hochklettern, um aufs Oberdeck zu kommen, denn die Treppe ist mit Vehi-keln verstellt. Hilfreiche Hnde strecken sich zu den skeptisch Schauenden hinunter.

    Merkwrdig ist es, da auf der ganzen Fahrt kein Wort Afrikaans gesprochen wird, obwohl fast alle Mitreisenden Sdafrikaner sind. Das Englisch kommt ihnen ganz flott von den Lippen. Das Essen an Bord ist vorzglich. Nachts

  • Erlebnis sdliches Afrika 305

    lege ich mich im Schlafsack auf das offene Oberdeck, das vom Mond beleuchtet wird, da es zum Schlafen im Innenraum zu laut ist. Frh morgens, kurz nach Sonnenaufgang, kommen wir nach 22 Stunden ruhiger, entspan-nender Fahrt von 281 Kilometern in Mbilizi an. Das Verlassen der Fhre ist einfacher als das Einbooten. Ein kurzes Stck uerst staubiger Wellblech- Strae bringt uns auf eine zivilisierte Teerstrae und von dort nach 250 km zum Etappenziel Victoria Falls, im Slang Vicfalls genannt.

    t!u v w xQy z { w |}%|1~ ~

    Siehst Du die Wolken da vorne? frage ich Edeltraud, als wir noch etwa 50 km von den Fllen entfernt sind. Ja, aber es ist etwas seltsam, um diese Jahreszeit Wolken vorzufinden. Es ist doch knallhei und staubtrocken! Die Wolke, auf die wir zuhalten, wird immer grer, und schon bald sind wir auf dem Campingplatz von Vicfalls angelangt. Aus der Wolke ist eine Dunst- und Gischtsule geworden, die einige hundert Meter neben dem Camp aufsteigt. Aus dieser Richtung dringt lautes Tosen. Wir fahren sofort zur Quelle des Lrms. Der Zambezi-Strom strzt einige Gehminuten vom Eingang des Vic-toria Falls National Park entfernt kopfber auf seiner ganzen Breite von 1688 Metern in eine tiefe Schlucht. Es spritzt und sprht auf das gegenber-liegende, fr Besucher zugngliche Ufer.

    Bedingt durch die stetige Feuchtigkeit ist in diesem ariden Buschland ein rumlich begrenzter tropischer Regenwald entstanden. In der Sprache der hier lebenden Bantu heit das Naturspektakel der weltbekannten Flle Mosi-oa-Tunya, also donnernder Rauch. Die Gischtwolken sind noch in weiter Entfernung sichtbar, der Dunst wird - je nach Jahreszeit und Wasserstand des Zambezi - bis zu 500m in die Hhe geschleudert.

    Wir wandern auf einem stark bevlkerten Weg den Fall entlang. Der Teu-felskatarakt strzt 70 m in die Tiefe, ein Stck weiter sind es der 93 Meter hohe Main Fall, der Hufeisenfall und schlielich die 108 und 101 Meter hohen Regenbogen- und Ostkatarakt-Flle. Zwischen den einzelnen Fl-len sind Inseln eingestreut. An dieser Stelle strzt natrlich kein Wasser in

  • 306 Winter in Zimbabwe

    die Schlucht. Meine Haare sind schon patschna, und die Brille bietet bald keinen Durchblick mehr. Am Danger Point knnen wir ganz weit in den Ca-nyon hineinsehen. Autsch, beinahe wre ich ausgerutscht. Kein Gelnder vorhanden! Durch das dauernde Besprhen mit Gischt, der besonders an diesem exponierten Punkt als Regen niedergeht, ist der Fels mit Moos be-wachsen. Ich mchte ein Foto machen. Doch das Ergebnis ist niederschmet-ternd. Kamera und -tasche sind pitschepatschena, und daheim auf dem Dia sind auer Nebel nur dicke groe Tropfen, die sich auf dem Objektiv festge-setzt haben, zu sehen.

    Ein paar Worte zum Zambezi, den wir ja schon auf dem Kariba-See befahren haben: Er ist mit seinen 2700 km Lnge der einzige Flu Afrikas, der ost-wrts zum Indischen Ozean hin entwssert. In der Regenzeit strzen ca. ei-ne halbe Milliarde Liter Wasser -pro Minute(!)- die Flle hinab.

    Einige Tage spter knnen wir ein Flugticket der Angels Flight Company ergattern. Der elegante Name der Fluggesellschaft kommt von einem Aus-spruch Livingstones, der den Zambezi abwrtsfahrend, beim Anblick der to-senden Wassermassen des Falls gesagt haben soll: Scenes so lovely must have been gazed upon by angels in their flight. Die zweimotorige Maschine mit 6 Sitzpltzen fliegt in magenerhebendem Schwung mehrmals in steiler Neigung ber die Schlucht. Abschlieend nimmt der Pilot Kurs fluaufwrts und ber die Buschsteppe wieder zur Landebahn zurck. Flupferde haben sich auf den Inseln im Zambezi versammelt, Elefanten rasten im sprlichen Schatten der Bume oder vergngen sich im Uferschlamm, und anderes Ge-tier, das wir spter auf einer staubigen Fotosafari sehen werden, liegt unter den Bschen. Wir verlassen nach insgesamt einer Viertelstunde Flug die Maschine. Du siehst ja ganz bla aus, stammle ich, zu einer Bank wan-kend, wo wir uns mit zitternden Knien niederlassen. Wenn es den Engeln auch immer so schlecht ist, wenn sie drberfliegen..., kommt nach einigem Zgern die Antwort.

    Auf der Krokodilranch, die die lieben Tierchen fr Zoos und zur Verwertung als Handtaschen und Grtel zchtet, haben wir Gelegenheit, die schlpfri-

  • Erlebnis sdliches Afrika 307

    gen, 2 Monate alten und 30 cm langen Kerle in den Hnden zu halten. Ein Schwarzer greift in ein betoniertes Becken, das halb voll Wasser ist, und fischt sich ein Krokodilchen am Schwanz heraus, bevor es zupacken kann. Er berichtet ber verschiedene Aufzuchttechniken und die Merkmale der Kro-kos. Der Fhrer drckt meinem Sohn ein Tier in die Hand. Moses hlt es fr ein Foto mutig, etwas verkniffen lchelnd, fest, bis es zu zappeln beginnt. Er gibt es gerne wieder her! Wem der beiden war es wohl ungemtlicher dabei zumute?

    Auf dem Hinweg vom Camp zur Ranch sind wir, als wir in der knalligen win-terlichen Mittagssonne fast nicht weitergehen konnten, von einem freundli-chen weien Rhodesier im Auto mitgenommen worden. Das Luxushotel, in dem er sich noch eine Woche bis zu seiner Abreise nach England aufhlt, liegt gleich neben der Ranch. Der fast 80-Jhrige hat uns erzhlt, da er sein Haus in Harare verkauft und sich jetzt entschlossen hat, wie so viele Weie seine Heimat zu verlassen. Jeden Morgen gehe ich die 3 Kilometer am Zambezi entlang nach Vicfalls. Gestern habe ich zwei riesige Elefanten ge-sehen! Das waren vielleicht Trmmer! Und da haben wir beschlossen, es ihm nachzumachen.

    Auf dem Heimweg begegnen uns eine Menge Paviane und Blauaffen, aber von den versprochenen Elefanten sind nur kindskopfgroe Haufen auf dem Weg zu sehen. Ein schnaubendes Gerusch veranlat uns, die Beine in die Hand zu nehmen und uns einige Meter von der unheimlichen Stelle zu ent-fernen. Kurze Zeit spter verschwindet eine ganze Herde Warzenschweine in einer Staubwolke im Busch. Eine Antilope zeigt kurz ihr hellbraunes Fell (Nachtrag: Pro Jahr entstehen etwa 2 neue Hotels und Luxuslodgen in dieser Gegend. Das Elephant Hills Hotel verbarrikadiert mit seinem Golfplatz den direkten Fuweg nach Victoria Falls, der oben beschrieben wurde).

    Der herrlich saubere Zambezi hat hier grne Inseln gebildet. Auf einer davon liegt ein etwa drei Meter langes Krokodil. Es zeigt keine Anstalten, nher zu kommen, obwohl wir auf einem Felsvorsprung direkt am Wasser stehen und gut zu sehen sind. Auf der Krokofarm haben wir gelernt, da die trge aus-

  • 308 Winter in Zimbabwe

    sehenden Tiere bei Bedarf blitzschnell reagieren knnen und sogar einen Vogel im Flug mit ihren gefhrlichen Zhnen schnappen knnen!

    Abends habe ich mich schon frhzeitig zur Ruhe gelegt, weil mich das Ze-ckenfieber schwer plagt, da kommt pltzlich Edeltraud zum Zelt gestrzt. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, unter der einzigen Lampe des Camps ein Buch zu lesen. Stell Dir vor, sprudelt sie ganz aufgeregt hervor, ich sitze und lese, da tauchen sieben Warzenschweine mit ihren gefhrlichen Hauern vor mir auf. Sie haben sich nebeneinander im Halbkreis versammelt und sind immer nher gekommen. Ich habe es mit der Angst zu tun bekommen und bin schnell geflchtet! Am nchsten Morgen erfahren wir, da die Tiere un-weit des Zaunes eine Erdhhle bewohnen, von der sie aus jeden Abend Streifzge starten.

    Wie in Harare ist auch hier in Vicfalls ein Eingeborenendorf aufgebaut, das die Wohnkultur und das Leben fast aller Stmme in Zimbabwe und Umge-bung recht anschaulich darstellt. Abends sind wir dann dabei, wie drei ver-schiedene Gruppen volkstmliche Tnze vor Touristen auffhren. Bei den aggressiven und lauten Kriegstnzen der Shangaan wird uns ganz anders zumute. Geschrei und das Drhnen der Trommeln frit sich tief in unsere Ohren. Selbst auf dem weit entfernten Campingplatz hren wir bei einer der folgenden Vorfhrungen noch den Lrm.

    Eine Foto-Safari, die wir auf zwei Tage verteilen, fhrt uns das Sdufer des Zambezi entlang auf einer Piste durch das staubige Buschfeld. Ich notiere die Namen der Tiere, die wir, manchmal hautnah, zu sehen bekommen: Bf-fel (etwa 30 Stck), einige Herden Elefanten, viele Impalas, Warzenschwei-ne, Wasserbcke, ein trge hingestrecktes Krokodil mit geffnetem Rachen.

    Beim zweiten Besuch des Zambezi-Nationalparkes machen wir eine gefhrli-che und auerordentlich einprgsame Erfahrung. Hinter unserem Wagen kreuzt eine Elefantensippe die staubige Strae. Als der vermeintlich letzte Elefant der Gruppe ber die Strae geht, es ist ein junger, mchte ich die Herde fotografieren. Ich steige also aus. Und das ist der Fehler. Aus dem Gebsch, etwa 20 Meter entfernt, kommt ein grauer Riese mit ausgebreite-

  • Erlebnis sdliches Afrika 309

    ten Ohren und erhobenem Rssel trompetend auf mich zu. Den langen Stozhnen nach zu urteilen scheint dies der Leitbulle der Herde zu sein. Ich gerate in Panik. Diese Situation treibt Adrenalin in die Adern! Ich springe in den Wagen und knalle die Tre zu. Noch bevor ich starten kann, lt der Ele-fant von uns ab. Und wir werden spter erfahren, da Elefanten ganz gut und ohne Probleme, auch ganz nah, vom Auto aus beobachtet werden knnen, wenn man sich an bestimmte Verhaltensregeln hlt. Doch sobald der Besu-cher das Auto verlt, nehmen die Elefanten eine Drohgebrde (=Mock charge, dieses Wort hrt man oft auf gefhrten Safaris) ein.

    Auf dem Campingplatz wird uns am Lagerfeuer unter dem Kreuz des Sdens Tage spter eine Sdafrikanerin erzhlen: Wir waren mit unserem Allrad-Toyota in einem Wildreservat mitten in eine wandernde Herde Elefanten ge-raten. Da viele Jungtiere dabei waren, drohte ein Bulle uns in derselben Wei-se, wie ihr eben erzhlt habt. Ich fuhr also, wie uns vom Game-Ranger gera-ten worden war, rckwrts. Doch in der Hektik - der Bulle trampelte schnell aufs Auto zu - kam ich von der Piste ab, und knallte gegen einen Baum. Der Elefant zerdrckte den vorderen Teil unseres Toyota und hrte erst mit seiner Arbeit auf, als sich zwei andere Wagen nherten.

    Nun aber duschen, das ist alles, was wir wollen. Sand, Sand, Sand, berall Sand, im Wagen hauchfein, in meinem Notizbuch (ich bin froh, da ich den Laptop nicht dabei habe), im Kassettenrekorder, in den Trschlssern, die nicht mehr funktionieren, in den Haaren und zwischen den Zhnen! Wir ms-sen uns doch schick machen, wenn wir in das weltberhmte Victoria Falls Hotel gehen. Abends ab sieben wird auf der Terrasse mit Blick auf die Victo-ria Falls das vielgepriesene Braai veranstaltet, wo sich zu gegrillten Spei-sen die ganze Touristengemeinde einfindet. Da sitzen honorige Englnder und betuchte Touristen aus dem Hotel einen Tisch von vergammelten und langhaarigen Afrika-Durchquerern in zerrissenen Jeans entfernt, und lassen sich ihre Spear-Ribs, Steaks und Burenwrste schmecken. Wir fhren eine angeregte Unterhaltung mit ein paar Einzelreisenden aus der Schweiz unter riesigen, ehrwrdigen, weit ausladenden Bumen, von denen bunte Lichter-

  • 310 Winter in Zimbabwe

    ketten hngen, in herrlicher Biergartenatmosphre, 7000 km von Bayern ent-fernt. Als wir uns, fast als letzte Gste auf der weitlufigen Hotelterrasse, von unseren bequemen Sthlen erheben, hren wir in der Ferne das Tosen der Victoria Flle.

    Ein kleiner Wermutstropfen trbt unsere Freude ber den schnen Aufenthalt am stimmungsvollen Flu: Die frechen Blauaffen, deren Hordenanfhrer sich durch einen leuchtend hellblauen Hodensack kennzeichnet, paaren sich nicht nur auf dem Stacheldrahtzaun, der das Camp umgibt. Dagegen haben wir im Prinzip nichts. Doch da sie uns Bananen und einen Beutel Milchpulver ge-klaut haben, und als krnenden Abschlu noch ihr Geschft vom Baum her-unter auf unser Zelt gemacht haben, das stinkt uns, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Nun ist aber Schlu mit diesem von Touristen wimmelnden Ort, wir wollen endlich mit den Tieren Afrikas allein sein und nehmen Kurs auf den Hwange - Nationalpark, der sich rhmt, 15.000 bis 20.000 Elefanten zwischen inner-halb seiner Grenzen zu haben.

    ! Q \ 1 %

    Du fhrst zu schnell, mahnt mich meine Frau, als ich den Passat ber die staubige Wellblechpiste fliegen lasse, einen langen Schweif von empor-geschleudertem Sand und Steinen hinter mir herziehend. Und schon wieder sind wir beim Thema Fahrtechniken. Wenn du langsam fhrst, sprst du jede Querrille. Auerdem kommst du ewig nicht ans Ziel. Deshalb mut du schneller fahren, also nicht in jedes Wellental der Wellblechstrae fallen, sondern gleichsam von Kuppe zu Kuppe springen, hat mir ein Freund, der schon mehrere Male die Staubpisten Namibias bereist hat, empfohlen. Ich teste also die Geschwindigkeit. Bei 30 bis 40 km/h hoppelt es so sehr, da mir die Kiefer klappern. Im Gedanken an die insgesamt 60 Kilometer Piste, die wir von der guten Hauptstrae bis zum Robins Camp, einem der drei Camps des Hwange Nationalparks, zurcklegen mssen, drcke ich ein we-

  • Erlebnis sdliches Afrika 311

    nig aufs Gas. So um die 110 km/h scheint mir in Bezug auf die Vibrationen die richtige Geschwindigkeit zu sein. Jetzt blo nicht bremsen mssen!

    Zu unserer Freude ist die Straenfhrung auf schnelle Fahrten ausgelegt. Nur mu ich mich bei dieser Geschwindigkeit auf Sand und lockerem Gerll stark konzentrieren. Aus dem trockenen gelblich-staubigen Buschland auf der Straenseite kommen ab und zu Warzenschweine und Impalas, die ich aber immer rechtzeitig erkenne und die Geschwindigkeit mindere.

    Du hast sie wohl nicht mehr alle, ereifert sich meine Frau lautstark. Du willst den Wagen wohl mit Gewalt kleinkriegen!! Ich bin nicht weniger er-schrocken als sie. Mit 110 km/h habe ich eine nicht berragend tiefe Kuhle in der Strae genommen, wobei der Passat, mit seiner weichen Federung wie auf einer Schanze sich etwas in die Luft erhoben hat. Das ist schon mehr-mals ohne Konsequenzen passiert. Nur zu dumm, da nach der Kuhle die Piste nicht eben weitergegangen ist, sondern auf eine kleine Bodenwelle zu-gefhrt hat. Zu spt zum Bremsen! Der Boden des Wagens ist nun - wohl etwas lautstark - gereinigt. Am Campingplatz werde ich das aus seiner Ver-ankerung gerissene Bremsseil wieder befestigen.

    Das Robins Camp besteht aus einer Handvoll bequem eingerichteter Ht-ten, die, wie es vorauszusehen war, vollstndig ausgebucht sind, dann einem Laden fr Grundnahrungsmittel und Cola - leider kein Bier- und einem sehr dornigen Campingplatz. Anscheinend haben sich hier alle Dornen Zimbab-wes am Boden versammelt. Ich habe Angst um die Reifen des VW, doch - o Wunder - er berlebt den Platz ohne Platten! Der Zeltaufbau braucht etwas mehr Zeit als sonst, da wir akribisch alle Dornen auf die Seite klauben ms-sen.

    Sptnachmittags wieder ein Game drive. Ein einspuriger, in der Mitte etwas erhhter Pfad, gerade so breit wie der Passat, fhrt durch hohes gelbes, dr-res Gras zu einer hide, also einer getarnten Aussichtsplattform. Nach einer halben Stunde vergeblicher Ausschau nach Wild peilen wir enttuscht die nchste hide an. Dort sitzen wir mit drei anderen Touristen. In der Ferne blubbert ein Dieselmotor, der das Wasserloch direkt vor uns versorgt. Die

  • 312 Winter in Zimbabwe

    Parkverwaltung spendiert durch knstlich angelegte Trnken den mehr als 100 verschiedenen Wild- und mehr als 400 Vogelarten das zum berleben notwendige Na, besonders in der langen Trockenzeit von groer Wichtig-keit.

    Unsere Geduld hat sich gelohnt. In der Abenddmmerung, die die staubtro-ckene Umgebung in warmes Licht taucht, wagen sich eine Sbelantilope mit elegant geschwungenen Hrnern und sechs Kudus an das Wasserloch, um ihren Durst zu stillen. Die Giraffe traut dem Frieden nicht, vermutlich hat sie die Autos vor der hide gesehen und bleibt deswegen auer Reichweite. Von links tauchen (es ist schon recht dunkel geworden - keine Chance mehr fr Teleaufnahmen) etwa 10 Elefanten aus dem Busch auf. Vorneweg schlenkert der Leitelefant lssig seinen Rssel. Als die Kudus sich nicht sofort entfer-nen, um der Herde Platz zu machen, nimmt der Elefant Drohhaltung an und trompetet ein paarmal krftig durch den Rssel. Die Kudus rennen, was das Zeug hlt, und nun kann die Herde der Dickhuter zum Saufen kommen.

    Ein Einzelgnger-Elefant, der schon vorher am Wasserloch gewesen ist, duscht sich mit Sand. Nach der Verrichtung seines groen Geschftes schnuppert er an seinen groen ballhnlichen Auswrfen. Dabei fhrt er sein Gestnge aus, das die Damen auf der Plattform zu erstaunten Ausrufen ve-ranlat. Dann schlendert er galant, sein Teil wieder auf normale Gre ein-gezogen, zu den Elefantenkhen der Herde, um sich mit ihnen bekanntzu-machen. Doch diese wollen nichts von ihm wissen, die Herde zieht von dan-nen. Der abgewiesene Galan gibt erstaunlicherweise schnell auf und kommt bedrohlich bis auf etwa drei Meter an die Plattform heran. Was will er denn hier? flstern wir uns erschreckt zu. Der wird doch nicht ...! Keine Angst, er kommt nur noch einmal zum Trinken. Er wei, wo es das beste Wasser gibt, nmlich nicht direkt am Wasserloch, sondern dort, wo das Rohr das Wasser, das die Dieselpumpe frdert, freigibt. Geruschvoll saugt er das kstliche Na in seinen Rssel ein, um es in sein weit geffnetes Maul zu spritzen. Ah, das schmeckt!

  • Erlebnis sdliches Afrika 313

    Wir verlassen nun die hide, denn um sechs Uhr wird das Tor des Camps ge-schlossen, und dann mu jeder Zusptkommende Strafe zahlen. Wenn es mehr als eine halbe Stunde ausmacht, wird ein Suchtrupp losgeschickt. Da-her haben wir uns auch beim Verlassen des Camps in eine Abwesenheitslis-te eintragen mssen, damit der verantwortliche Campleiter wei, wo seine Schfchen sind. Gerade wollen wir die Leiter des Versteckes hinuntersteigen, da wandert von rechts ein Schabrackenschakal ins Bild, ein brunlicher Aasfresser mit einem schwarzen, mit weien Haaren durchzogenen Rckenfell, das an eine Decke oder einen Sattel erinnert. Aber morgen werden wir mehr Wild sehen, nehmen wir uns vor. Bei Ta-gesanbruch kommen die Tiere ans Wasserloch, hat man uns zu Hause ge-sagt. Ihr mt frh aus den Schlafscken! Um vier Uhr frh werden wir von einem schaurigen Geheule wach. Was war denn das? fahre ich erschreckt auf. Schau mal hinaus, empfiehlt meine Frau schlaftrunken. Ich ffne den Reiverschlu und blinzle vorsichtig durch einen Spalt des Zeltes. Da macht sich doch jemand an den Abfalleimern! zu schaffen. Nun stecke ich den Kopf durch die erweiterte ffnung, ziehe ihn aber schnell wieder zurck. Du, da sind Hynen drauen! Wie zur Bestti-gung knackt ein von den massigen Kiefern zermahlener Knochen durch die nchtliche Stille. Doch es ist noch nicht Zeit zum Aufstehen, wir schlafen noch eine Stunde. Die werden schon nicht zum Zelt hereinkommen! Um halb sechs brechen wir auf, vom Armbandwecker aus dem zweiten Schlaf gerissen, mit einem kurzen Frhstck im Bauch. In der Morgendm-merung fahren wir zur Big Toms Hide, wo wir gestern schon einige Tiere gesehen haben. Hynengeheul begleitet uns, als wir mglichst leise das Camp verlassen. Doch unsere Rcksicht war ganz unntig, andere Camper sind auch schon wach und wrmen sich vor dem Frhstck am brennenden Lagerfeuer. Auf der Beobachtungsplattform erleben wir einen fantastischen afrikanischen Sonnenaufgang, sehen Silberreiher, die im Wasserloch stehend, auf Beute

  • 314 Winter in Zimbabwe

    warten und einzelne Impalas, aber weit weg. Hynen und Schabrackenscha-kale durchziehen unser Blickfeld. Zwei Stunden harren wir hier aus, lesen in unseren Tierbchern und schweigen geduldig vor uns hin. Das wars dann wohl, meine ich und packe meine Kamera wieder ein. Der Tip mit dem Frhaufstehen war anscheinend nicht so gut. Das sollten bei Big Toms Hi-de die einzigen Tiere am heutigen Morgen gewesen sein?

    120 Kilometer haben wir noch vor uns, doch das wissen wir in diesem Mo-ment noch nicht. Da wir ganz scharf darauf sind, noch mehr Tiere zu sehen, besonders die 20.000 versprochenen Elefanten, fahren wir weiter auf ver-schiedenen Gravel-Roads. Auf weiten Strecken kein Growild, nur vereinzelt Hornbill-Vgel mit rotem Schnabel. Dann auf einmal, die Luft wird langsam dick im staubigen Auto, eine Herde Impalas, mehrere Kudus und - man sehe und staune -, vier Giraffen, von denen zwei majesttisch und grazil die Stra-e kreuzen. Am Chingahobe Dam, einem Stau - Teich ist wieder kein Tier zu sehen. Mittags, wieder im Camp zurck, merke ich, wie das Fahren ge-schlaucht hat, auch die Benzinuhr teilt mir mit, da der Tank wieder eine Auf-frischung braucht.

    Abends sitzen wir mit einem deutschen Ehepaar, das vom DED aus in Bots-wana Dienst macht, am Feuer. Sie sind gestern zu schnell auf der Gravelro-ad zum Sinamatella-Camp in eine Kurve gefahren - der Wagen hat ge-schleudert und ist auf dem Wagendach weitergerutscht. Die Eltern und das fnfjhrige Kind sind jedoch wohlbehalten aus dem Fahrzeug geklettert. Nun warten sie, bis ein Reparaturdienst im gottverlassenen Camp ankommt.

    Das Lagerfeuer verliert langsam seine Leuchtkraft. Wir verabschieden uns von den leidgeprften Landsleuten unter einem berwltigend klaren Ster-nenhimmel. Die Milchstrae verdient hier tatschlich ihren Namen, so hell und wei zieht sie sich majesttisch bers Firmament.

    Wir wollen uns gerade ins Zelt zurckziehen, da scheppert eine Mlltonne. Natrlich wieder die Hynen! Die kurios wirkenden Tiere mit ihrem bergro-en Vorderteil sind in der klaren Sternennacht und in dem sprlichen Schein unseres verlschenden Lagerfeuers als Schemen auszumachen. Im Schein

  • Erlebnis sdliches Afrika 315

    meiner Halogen-Lampe glitzern ihre Augen tckisch und geheimnisvoll. Licht knnen sie anscheinend nicht leiden, denn sie schlpfen mit einer Plastiktte voll Abfall durch ein gebuddeltes Loch unter dem Camp-Zaun in die freie Wildnis. Nachts hre ich sie hin und wieder um unser Zelt streichen. Sinamatella-Camp 60 Kilometer Gravel-Road verbinden das Robins - mit dem Sinamatella- Camp. Der Mandavu-Damm bietet gengend Wasser und Lebensraum fr zahlreiche Tiere. Neben verschiedenen Eidechsen, Dassies und einem Le-guan, die gleich neben unserem Mittagstisch auf einem Stein in der Sonne liegen, sehen wir in der Ferne an die zwanzig Hippos (Flupferde), etwa ein halbes Dutzend Krokodile und eine Menge Wasserbcke. Auer dem Wch-ter ist wieder kein Mensch auf dem Picknickplatz zu sehen. Sinamatella-Camp liegt auf einem Berg. Das Zelt wird auf einem staubigen Platz ohne Grasbewuchs aufgestellt. Die Tankstelle kommt uns wie gerufen, den im Ro-bins Camp war der Tankstelle der Sprit ausgegangen.

    Am spten Nachmittag nehme ich den Feldstecher zur Hand und schweife suchend ber die teils baumbestandene Ebene zu meinen Fen. So ein Glck mu der Mensch haben: Zwei Bffelherden mit je etwa 120 Tieren n-hern sich von beiden Seiten. Am Wasserloch in der Mitte des Blickfeldes er-quicken sich fast ein Dutzend Giraffen. Beim Trinken spreizen sie die Vorder-beine, damit sie mit dem langen Hals zum Wasserspiegel kommen knnen. Wasserbcke und Impalas nhern sich, nachdem die Giraffen wieder weiter-gezogen sind.

    Abends schleicht sich im Schutz der Dunkelheit diesmal keine Hyne, son-dern eine SERVAL- oder Buschkatze heran, die vom Camping briggeblie-benes Futter sucht. Wir knnen das Tier gut beobachten, es ist nicht scheu und duckt sich, zwei Meter von uns entfernt, in das sprliche Buschwerk vor dem Zaun.

    Ein unheimliches Brllen, gefolgt von rchelnden Lauten, gleich neben uns. Jetzt aber schnell ins Zelt! Auf das Zhneputzen verzichten wir, da es keine Beleuchtung gibt und die Wasserleitung direkt am Zaun aus der Erde kommt.

  • 316 Winter in Zimbabwe

    Wir haben unseren Platz so gewhlt, da wir mglichst nahe am Abgrund stehen, um die Tiere in der Ebene besser sehen zu knnen. So stehen wir an der uersten Ecke des Campingplatzes. Der Lwe hat, wie es scheint, aus-gerchelt, und nun antwortet von unten herauf ein anderer mit dem unheimli-chen Gebrll. Eine nervenzerfetzende Nacht! Gottseidank ist ein Zaun, wenn auch dnn und nicht besonders hoch, zwischen unserem Zelt und der freien Wildnis!

    Die Sonne scheint rtlich in unser Zelt. Mit einem Aufstehen, Leute! springe ich aus dem Schlafsack, greife den Feldstecher und wandere noch vor dem Frhstck den Kamm des Berges entlang. Vllige Windstille. Der Tierreich-tum rund um das Camp wird meinem Auge offenbar: Die zwei groen Her-den Bffel haben sich in kleinere Herden von je 5-7 Tieren zerstreut. Gebrll dringt zur mir herauf, ich fixiere die Stelle, wo der Laut hergekommen ist, und ich erkenne einen Lwen (wahrscheinlich der, der gestern Abend so schauer-lich gebrllt hat), drei Lwinnen, in sicherer Entfernung davon drei Zebras und eine Menge Impalas.

    Beim Frhstck schauen uns etliche Dassies, Hornbills und Baumhrnchen zu, die hoffen, einen Brocken vom Essen erhaschen zu knnen. Am spten Vormittag kommt eine Herde Paviane quer ber das Camp. Fototermin! Die Ruhe hier ist verblffend. Und das soll die Hauptsaison sein? Der Platz ist hchstens zu einem Viertel voll!

    Main-Camp 40 Kilometer nach dem Sinamatella-Camp beginnt die einspurige Teerstrae. Was wir zunchst begren erweist sich kurz darauf als Nachteil. Zwar ist das Laufgerusch des Wagens leiser, und es dringt kein Staub mehr durch die Ritzen und Spalten, doch ist die Teerstrae mit gefhrlichen Schlagl-chern durchsetzt, und es gilt fr den Fahrer nun doppelt wachsam zu sein. Am Masume-Dam machen wir erste Rast. Eine Eisesklte jagt uns bald wie-der von der im Schatten gelegenen Beobachtungsplattform ins Auto. Eine Reihe Warzenschweine und Impalas, Perlhhner, mehrere Elefanten, Enten und einen Ibis, dazu einen Schabrackenschakal haben wir gesehen. Da wir

  • Erlebnis sdliches Afrika 317

    uns jetzt nher am Haupttouristenpunkt des Hwange National Parks befin-den, treffen wir eine ganze Reihe Menschen vor dem Wasserloch an. Die Zeit der Ruhe scheint vorbei zu sein.

    Halt! Was ist denn nun schon wieder los? An dem PKW, der vor uns auf der einspurigen Teerstrae anscheinend parkt, komme ich nicht vorbei. Was tun? Von der hinteren Sitzbank bedeutet uns eine Hand, nach rechts zu schauen. Motor aus. Unglaublich! Das ist das Glck des Anfngers! Auf einem umge-strzten Baum flegelt sich ein Leopard, und beobachtet lssig die zwei Ka-rossen, die nur drei Meter von ihm entfernt stehen. Satte fnf Minuten haben wir Gelegenheit, unseren ersten Leoparden in der Wildnis zu beobachten, dann gleitet das rassige Tier, dem der Fototermin zu dumm wird, vom Baum-stamm herunter und verschwindet aus unserem Blickfeld in einer Senke.

    Ein reetgedeckter, auf Stelzen stehender Beobachtungsstand erwartet uns an der Nyamandhlovu Pan. Wir haben sehr viel Zeit und richten uns auf lngeres Warten ein. Doch weit gefehlt! Nach 5 Minuten schreitet eine Giraf-fe zum Teich, sichert nach allen Seiten, trinkt dann endlich mit gespreizten Vorderbeinen und entfernt sich gemchlichen Schritts erhaben aus der Bild-flche. Hinter unserem Rcken kommen zwei (!) Giraffen, augenscheinlich Vater und Sohn, aus dem Busch und vollziehen dasselbe Ritual. Sie wollen sich schon wieder verdrcken, als zwei Giraffen-Stuten den Teich anpeilen. Vater und Sohn berlegen kurz und schnffeln an den Damen. Alle 4 Giraffen trinken nun. Paarweise treten sie von unserer Bhne ab, der Vater mit der einen Stute nach links, der Sohn und die andere nach rechts.

    Unter die langbeinigen Tiere mischen sich mitunter Zebras, Kuduherden von 8 bis 10 Tieren erscheinen an der Trnke, vereinzelt treten Impalas auf. War-zenschweine trinken und robben knieend mit dem Maul im Schlamm. Ein Warzenschwein will es genau wissen und kommt bis auf zwei Meter an eines der beiden Krokodile heran. Das Kroko, halb im Wasser liegend, kmmert sich nicht um den Frechling. Das dreiste Warzenschwein bleibt am Leben. Die Krokos haben wohl schon geluncht.

  • 318 Winter in Zimbabwe

    Eine Herde von fnfzehn Streifengnus (blaues Wildebeest) trottet im Gn-semarsch, eine Staubwolke hinter sich herziehend, zur Wasserstelle. Ein Fischadler lt sich huslich nieder, bis er von einem groen Krokodil, das sich langsam im Wasser an ihn heranpirscht, vertrieben wird.

    Nach dem Duschen im Main-Camp geht es wieder zur Aussichtsplattform, um am spten Nachmittag noch mehr Tiere zu sehen. Doch was wir sehen, sind Massen von Touristen. 12 Autos und mehrere Busse der staatlichen Touristenorganisation warten vor der Plattform, die vor Menschen berquillt. Zwischen den Autos und auf dem Weg zur Plattform warten viele, da sie hinaufdrfen, um einen Blick auf die Tiere zu erhaschen. Doch es sind keine da. Selbst die Krokos haben sich im Wasser versteckt. Nur die Augen sind als kleine Hgel ber dem Wasserspiegel sichtbar. Eine Herde von Impalas hlt sich wartend in sicherem Abstand von der hide im Busch versteckt, den unerwarteten Verkehr vor ihrem Wasserloch mit Mitrauen beobachtend.

    Ein grngestrichenes Safari-Fahrzeug nhert sich dem Rummelplatz. Fnf grngekleidete Schwarze mit Maschinengewehren steigen aus und sammeln sich unter einem Baum in einiger Entfernung. Sie beobachten die Men-schenmenge. Ich habe gerade ein Gesprch mit einem weien Einheimi-schen angefangen. Er hat mir eine Kassette geliehen, auf der er Tierstimmen aufgenommen hat.

    Sie sind verhaftet, fhrt mich jh eine tiefe Stimme von hinten an. Ich drehe mich um und blicke in das stoische Gesicht eines der grnen Gewehrtrger. Sie haben sich gegen das Gesetz vergangen. Wir beobachten Sie schon seit fnf Minuten. Hier ist es nicht erlaubt, neben dem Auto zu stehen. Schreiben Sie Ihre Anschrift in dieses Buch und melden Sie sich sofort beim zustndigen Offizier am Eingang des Camps. Dort mssen Sie Strafe zah-len! Der rde Ton bringt mich aus der Fassung. Solche Tne bin ich von den freundlichen Zimbabwern nicht gewohnt!

    Ich mu ziemlich verdutzt aus der Wsche geschaut haben, doch dann brin-ge ich zgernd heraus: Die anderen Leute stehen doch auch herum, weil oben die Plattform voll belegt ist! Diese Entschuldigung lt er nicht gelten.

  • Erlebnis sdliches Afrika 319

    Dafr sind wir ja da! Mit diesen seltsamen Worten verlt er mich und grt den schwarzen Fahrer eines der Safari-Busse, der auf seine Gste wartet, die vor der Plattform stehen. So wird also mit zweierlei Ma gemessen. Und der Weie, der mit sdafrikanischem Nummernschild und nicht in einer Rei-segruppe unterwegs ist, hat das Nachsehen. Das erste und bislang einzige negative Vorkommnis unserer Zimbabwe-Reise.

    Kurz vor Sonnenuntergang getraut sich eine Herde von 35 Bffeln ans Was-serloch, weil die Touristen-Horde schon wieder auf dem Weg zum Camp zurck ist, das gleich schlieen wird. Zwei Zebras und fnf Gnus sind immer noch skeptisch, nur das groe Krokodil ghnt vor sich hin.

    Am Camp-Eingang zeigen wir unsere Rckmeldekarte. Der Schwarze er-kennt unser Nummernschild. Der Aufseher hat uns per Funkgert mitgeteilt, da Sie verhaftet sind. Fahren Sie hinter das Gebude und steigen Sie aus! Keine Spur von Freundlichkeit.

    Wieder die Story von Sie haben sich gegen das Gesetz vergangen. Beim Nachfragen erfahre ich, da der Besucher sich aufs Schnellste vom Wagen auf die Plattform zu begeben hat. Keine meiner Entschuldigungen, die ich anfhre, lt er gelten. Damit wir endlich, die Dunkelheit ist schon hereinge-brochen, zum Abendessen kommen, zahle ich nach einigem Hin- und Her murrend die Strafe.

    Q ' 1 % B '

    In der Hauptstadt des Matabelelandes, Bulawayo, kaufen wir fr unseren Aufenthalt im Matopos-Gebiet Proviant ein, und schon bald sind wir am Campingplatz Maleme Dam. Im Licht der Autoscheinwerfer wird gleich ne-ben einer Feuerstelle das Zelt aufgeschlagen. Auf unser Betteln hin hat sich der Aufseher des Camps noch breitschlagen lassen, auch nach der Dienst-zeit Feuerholz zu verkaufen. So knnen wir ein hbsches Feuerchen auf un-serem Platz zwischen mchtigen Felsen und dem Damm machen.

  • 320 Winter in Zimbabwe

    Beinahe wren wir vertrieben worden, als eine Gruppe von englischspre-chenden Burschen hergefahren kommt und die Feuerstelle fr sich bean-sprucht. Wann seid ihr fertig hier? fhrt uns einer in amerikanischem Dialekt an. Wieso wollen ihr das wissen? Weil das unsere Feuerstelle ist!

    Nach diesem unfreundlichen Auftakt kommen wir doch noch ins Gesprch. Die fnf sind eben ins Holz gefahren, da sie nicht so viel Glck mit dem Aufseher gehabt haben. Doch sie hatten vergessen, die Feuerstelle als be-setzt zu kennzeichnen. Wir kommen berein, uns das Feuer zu teilen. Als Studenten an einer amerikanischen Uni stellen sich die Burschen vor. Und heute gibt es PASTA, kndigt einer mit einem romanisch klingenden Eng-lisch an. Er ist Italiener, der in Amerika studiert. Wie die anderen ist er nun ein halbes Jahr unterwegs, um Afrika und Asien kennenzulernen. Ein Kana-dier, ein US-Amerikaner und ein Inder vervollstndigen das seltsame Grpp-chen. Die Pasta ist zu weich geworden, seufzt entschuldigend Giuseppe und schttelt betrbt den Kopf, da das Essen nicht seinem Qualittsanspruch gengt. Doch die anderen beschwichtigen ihn: Dein Essen schmeckt doch spitze! Jeden Tag ist ein anderer der Gruppe mit dem Essenkochen dran, erklrt uns Brian aus Kanada.

    Matopos ist ein etwa 2.000 Quadratkilometer groes Gebiet mit einzigartigen Felsformationen. Von Wind und Wetter geformt, balancieren oft riesige Bl-cke mit unglaublich bizarren Formen auf ihren felsigen Unterlagen. Gleich Riesenmurmeln geschliffene Felsen liegen auf nur wenigen Quadratzentime-tern, und es hat den Anschein, wir brauchten sie nur anzustoen, und sie rollten hinab ins Tal.

    Die sehr gut erhaltenen Felsmalereien aus der Buschmannzeit in der Nswa-tugi-Hhle berraschen uns. Zwei Giraffen sind in der Hhle besonders le-bensecht von den Buchmnnern gezeichnet worden. Die charakteristischen Bewegungen der grazisen Langhlse sind sehr genau beobachtet worden. Unterhalb der Giraffen sind vor allem Kudus zu erkennen. Menschliche Figu-ren sind auch vorhanden, jedoch viel kleiner als die Tiere dargestellt.

  • Erlebnis sdliches Afrika 321

    Wir klettern nach der Besichtigung auf glatt erodierter Felsoberflche bis zum Gipfel des Berges, der die Hhle beherbergt. Ein schier unglaublicher Blick ber die Landschaft wird durch die klare Luft bis in unendliche Weiten getra-gen. Mich erinnern die Felsformationen unter knallblauem Himmel etwas an eine Mischung zwischen Frnkischer Schweiz und der Gegend um die Mete-ora-Klster in Nordgriechenland.

    Erschreckte Klipspringer, die wie Gemsen die Felsen bevlkern, huschen vor unserem Schritt davon und beobachten uns neugierig aus sicherer Entfer-nung. Paviane lassen ihr seltsames Gebell ertnen. Weit weg, nur mit dem Fernglas erkennbar, kreist ein Adler, vielleicht auf ein Dasein lauernd, ber der kahlen Mondlandschaft.

    Auch im Tal unten gibt es etwas zu ernten: Fleiige Matabele-Frauen wan-dern, mehrstimmige Lieder singend, im Gnsemarsch an uns vorbei. Jede trgt eine Sichel mit der Schneide nach unten(!) auf ihrem Kopf. Nach ein paar Stunden kommen sie zurck, mit einem Bndel von Reetbinsen auf dem Kopf, die Sichel in das Bndel gesteckt. Sie stapeln das Reet am We-gesrand, um es spter von Mnnern mit dem Eselsgespann abholen zu las-sen. Ihre Rondavels bekommen so am Ende der Wintersaison eine Frh-jahrskur fr die defekten Dcher. berall in Zimbabwe wird zur Zeit Reet ge-erntet, ein kostenloses Baumaterial zum Dachdecken.

    View of the World hat Cecil Rhodes, der machtbesessene ungekrnte K-nig des sdlichen Afrika, seine Grabsttte genannt, die er sich im Matopos-Gebiet ausgesucht hat. Nach kurzem Aufstieg und Eintrag ins Gstebuch bestaunen wir am Gipfel die Aussicht: Das ganze Matopos knnen wir ber-schauen. In der Legende der Matabele wird der Platz als ein Ort guter Geis-ter genannt. Wir stehen am Grab des Imperators Cecil Rhodes, das mit ei-ner schweren Bronzeplatte bedeckt und von riesigen Felskugeln umgeben ist. Die deutsche Sprache scheint heute vorherrschend zu sein. Busse der staatlichen Touristenorganisation kippen hauptschlich Deutsche aus, die diese berhmte Pilgersttte besuchen wollen.

  • 322 Winter in Zimbabwe

    Als wir Bulawayo verlassen, liegen noch 870 Kilometer bis Pretoria vor uns. Doch schon 190 km nach Bulawayo legen wir eine Pause ein, um die 30.000 Hektar groe Sondelani Game Farm zu besuchen. Das Camp liegt an einem Berghang mit Blick auf eine weite Ebene und einen Staudamm. Die Unter-kunft: Gerumige und saubere Zimmer in rietgedeckten Steinhusern. Hei-wasser wird durch einen Donkey erzeugt, einen holzbefeuerten Boiler. Strom kommt von Solarzellen, abends wird ein Generator angeworfen. Vor-hnge und Bettdecken sind mit Antilopen und anderem afrikanischem Wild bedruckt, an den Wnden hngen Bilder mit afrikanischem Wildleben. Auf einem abendlichen Spaziergang, von einem bewaffneten Ranger begleitet, sehen wir dutzende Impalas und Webervgel. Zum Dinner wird Rindersteak und Sbelantilopen-Braten gereicht. Am offenen Kamin erzhlt uns der Ran-ger Anekdoten aus seiner langjhrigen Ttigkeit in diesem Wildreservat.

    Am nchsten Tag werden wir mit Tee geweckt. Die Wolken des Vortages sind wie weggeblasen. Die Stille des frhen Morgens wird nur durch das Rufen verschiedener Vgel unterbrochen, wie Hornbill und Wood-Hoopoe (Baum- Wiedehopf). Nach dem reichhaltigen Frhstck wieder ein Game-Drive, diesmal nicht mit dem eigenen Wagen, sondern auf einem hochachsigen Landrover. Am Hang stehen Sbelantilopen, Impalas und Kudus sumen den Weg.

    An einem Berg angekommen steigen wir hoch, um die berauschende Fern-sicht zu genieen. Buschmannzeichnungen sind in den Hhlungen verschie-dener Felsen zu sehen. Kurze Zeit spter halten wir an einem Stauddamm. Ein Dutzend Elefanten trinken, baden und pudern sich mit Sand ein. Noch nie war ich einem Elefanten so nahe: Einem sehe ich direkt ins langbewim-perte Auge, kann seinen Rssel berhren. Formatfllend fr Kamera und Vi-deo. Als der Rssel des Elefanten schnorchelnd nach Ebarem im Wagenin-neren umhersucht, lt unser Ranger den Landrover zurckrollen. Die Ele-fanten folgen. So geht das eine halbe Stunde lang, bis alle Aufnahmen im Kasten sind. Sobald die Elefanten lter sind und die Stozhne lnger, wird

  • Erlebnis sdliches Afrika 323

    der Ranger Probleme bekommen. Eine kleine Drehung des Kopfes des Rie-sen, und der Landrover hat keine Tre mehr.

    An Elandantilopen vorbei erreichen wir wieder das Camp. Am Nachmittag gehen wir zufu auf die Suche nach White Rhinos, die, da hier gewildert wird, zu allen Tag - und Nachtzeiten von einem mit Schrotflinte bewaffneten Ranger bewacht und beschtzt werden. Die Rhinos, die in einem ausge-dehnten, von Mopanebumen bewachsenen Gebiet leben, sind scheu, doch mit der Videokamera kann ich sie heranholen. Der Eigentmer der Game Farm plant, noch mehr Rhinos zu kaufen, die er dann in einem abgetrennten Teil der Farm halten will.

    Am nchsten Morgen verlassen wir die preisgnstige Sondelani Game Lodge und erreichen schon nach eineinhalb Stunden die sdafrikanische Grenze. Anstatt jedoch nach Sden Richtung Pietersburg zu fahren, biegen wir kurz vor Messina nach Westen ab. Der kleine Posten Pontdrift an der Grenze zu Botswana ist schnell erreicht. Wir parken den Passat im Schatten eines Mas-hatu-Baumes am Rande des ausgetrockneten Limpopo-Flusses. Nach der Erledigung der Grenzformalitten packen wir unsere Koffer in einen Geln-dewagen, der uns ber den Flu nach Botswana bringt. Die dortigen Grenzer sind freundlich und korrekt. Zu viert bearbeiten sie die Einreiseformulare der Touristen, die eine handvoll Wildreservate in dieser Gegend besuchen.

    1 '

    Die Tuli Safari Lodge liegt im Tuli-Reservat, das 7500 Hektar an der Grenze von Botswana, Sdafrika und Botswana einnimmt. Von Johannesburg fhrt man ungefhr fnf Stunden auf guten Teerstraen bis zum Grenzposten Pontdrift. Unweit des Camps liegt eine Landepiste fr Privatmaschinen.

    Tuli heit Sandplatz. Von Pontdrift sind es nur wenige Kilometer bis zur Tuli Safari Lodge, einer grnen Oase im trockenen, von vereinzelten Mopa-nebumen bestandenen Gebiet des Tuli Blocks. In der Nhe eines riesigen

  • 324 Winter in Zimbabwe

    schattenspendenden Nyalaberry-Baumes (=Mashatu) sind reetgedeckte Ht-ten angeordnet. An der einen Seite des Camps fliet ein paar Tage im Jahr der great, green, greasy Limpopo-Flu, auf der anderen Seite tummeln sich Dassies, eine Vielzahl von Vgeln und Vervet Monkeys am Hang einer H-gelkette. Diese besteigen wir sogleich, um uns einen berblick zu verschaf-fen. Hoch ber dem Camp ein Wasserbehlter, daneben ein Staudamm zwi-schen Felsen, auf dessen Staumauer sich ein kleines Krokodil sonnt. Eine rock fig klammert sich an die Felsen. Bee-eater, bunte kleine Vgel, fliegen, unbeirrt durch das Eindringen des Menschen in ihre Welt, um uns herum. Die Szenerie von hier oben ist einmalig: Auf der einen Seite die erstaunliche Mondlandschaft, auf der anderen Seite, genhrt vom unterirdisch flieenden Limpopo, dichter grner Busch. Mopane-Buschland, ein Dickicht aus Dorn-bschen, dazwischen rosa und goldener Fels.

    Drunten im Camp ein knallgrner Rasen, daneben ein kristallklarer Swim-mingpool. Gegen Abend sitzen wir in der Boma, wo am Lagerfeuer von den beiden schwarzen Kchinnen ein hervorragendes Mahl serviert wird. Am nchsten Morgen der bliche Game-Drive. Viele, viele Monate hat es hier schon nicht mehr geregnet, daher ist die Tierwelt alles andere als zahlreich. Doch man sieht schon die ein oder andere Giraffe, Impalaherden, Kudus hin-ter von Elefanten total verwsteten Mopanebumen. Die Elefanten waren hier, wird behauptet, doch wann? Auf jeden Fall sehen wir bei diesem kurzen Besuch keinen einzigen. In der guten Zeit findet man hier mehr als 40 Wild-arten. 350 Vogelarten wurden im Tuli-Block schon beobachtet. Rund ums Camp findet man den grten Vogel, der NICHT fliegen kann (Strau) sowie den grten, ders kann (Kori Bustard).

    Der Tag vergeht mit dem Beobachten von Vgeln (im Camp finden wir King-fisher, Spechte und eine Eule), dem Studieren der wohlsortierten Bibliothek des Camps und mit einem Fumarsch im sandigen Limpopo, wo uns die ver-sierten Tracker und Ranger auf Spuren von Flupferden, Impalas, Hynen und einem Elefanten aufmerksam machen. Im hohen sandigen Fluufer ha-

  • Erlebnis sdliches Afrika 325

    ben Bee-eaters Nester gegraben. Ein munteres Hin- und Her dieser herrlich bunten Vgel geht ber unsere Kpfe hinweg.

    Wir besuchen kurz ein mitten im Busch unter hohen Bumen gelegenes Camp (Zelte), das man als kleine Gruppe mieten kann. Dort gibt es Licht nur von der Kerze oder Gaslampe, aber saubere Toiletten. Mitgebrachtes Essen bereitet eine schwarze Kchin auf dem offenen Holzfeuer zu. Trotz der Ent-fernung von jeder Zivilisation kann der Besucher zweimal tglich an einem Game-Drive per Landrover teilnehmen.

    Die Bume des Tuli-Blocks sind berwltigend. Es ist kaum zu glauben, da ein dermaen trockenes Gebiet solch prchtige Bume hervorbringen kann. Manche davon sind so alt wie die Geschichte. Wir entdecken enorme Bao-babs, daneben weitausladende Nyalaberry-Bume (=Mashatu, wie der mitten im Camp) und viele andere Arten. Die meisten Bume und Bsche haben abgerissene und verdrehte ste, verursacht durch vorbeiziehende Elefanten, die permanent fressen mssen, um zu berleben. In den Bumen und B-schen leben kleine Tiere, die von den Frchten, der Rinde oder den Blttern leben, oder einfach nur Schutz in den ausgebreiteten sten finden.

    Historisch oder archologisch Interessierte erleben tglich neues: Am Flu findet man Steinzeit - Gravierungen und Buschmannzeichnungen. Hier, durch den Tuli-Block, zogen die Alten auf dem Weg zum Hinterland auf ihrer Su-che nach Gold, Elfenbein und den sagenumwobenen afrikanischen Knigrei-chen. Cecil John Rhodes, der in diesem Buch schon mehrmals erwhnt wur-de, reiste durch den Tuli-Block auf seinem Feldzug, Afrika zu erobern - und hinterlie seine Initialen in einem Baum. Im Staub der Landschaft findet der neugierige Tourist Spuren des Burenkriegs gegen die Englnder. Ganz in der Nhe sind im ehemaligen Flubett des Limpopo Diamanten prospektiert worden. Auf der anderen Seite des Motloutse-Flusses liegt die grte knst-lich bewsserte Farm Botswanas, Talana. Im Sommer wird Baumwolle, im Winter Gemse angepflanzt. Und nicht weit weg von der Lodge, auf einer felsigen Erhebung, haben schwarze Stmme schon seit ewigen Zeiten ge-

  • 326 Winter in Zimbabwe

    lebt. Sie haben uns Kchengeschirr, die Wnde und Feuerpltze ihrer Be-hausungen hinterlassen.

    Nach dem obligatorischen Sundowner - der Sonnenuntergang im Tuli-Block gehrt zu den schnsten, die ich im sdlichen Afrika erlebt habe - fahren wir im Schein des Spotslights los, um einige Nachttiere aufzustbern. Den L-wen hren wir nur, doch Genets, Impalas, Kudus und eine Afrikanische Wild-katze bekommen wir zu Gesicht.

    Obwohl wir am nchsten Morgen direkt ber Pietersburg und Nylstroom nach Pretoria zurckfahren knnten, wollen wir noch eine Nacht in Louis Trichardt bleiben. Das gibt uns Gelegenheit, einige schne Pltze in den Soutpans-bergen (Soutpan = Salzpfanne) zu besuchen. Als auf unserer Fahrt nach S-den die Soutpansberge auftauchen, fahren wir noch ein paar Kilometer wei-ter nach Vivo, um dort nach Osten abzubiegen. Die Gegend hier wimmelt nur so von Wildfarmen, die hauptschlich zur Jagd einladen. Verschwiegene Farmen in den Schluchten dieses Hhenzuges nehmen Gste auf, die ein-fach nur Erholung wollen. Wandern in klarer und unverschmutzter Luft, gro-artige Aussicht, und die Abgeschiedenheit des Gebietes, weitab vom Rum-mel der Touristenorte, das zieht eine besondere Art von Urlaubern an. In Louis Trichardt residiert im Fremdenverkehrsamt ein an Leibesumfang und Wissen mchtiger Bure, der mich berzeugt hat, fr eine der kommenden Auflagen in dieser Gegend zu recherchieren.

    Doch fr diesmal soll ein kurzer Aufenthalt im Clouds End Hotel genug sein. Links der Verbindungsstrae von L.T. nach Messina, an den Hngen der Soutpansberge etwas auerhalb gelegen, finden wir eine saubere Unterkunft in diesem vor kurzem noch von einer Schweizerin gefhrten Dreisterne-Hotel vor. Wie mir Dennis, der jetzige Direktor des Hotels, erzhlt, wird ein Wan-derweg, der rund um das Hotel durch dichte und artenreiche Vegetation fhrt, immer weiter verbessert. Bisher (1995) ist der Weg, an einem Bchlein ent-lang, auf ca. 1 Stunde Wanderzeit (hin und zurck) begrenzt.

    Der Hhepunkt unseres Aufenthaltes im Clouds End Hotel ist das Dinner. Mehrere Gnge auserlesener Speisen (3. Gang: Kudugulasch), die dazu

  • Erlebnis sdliches Afrika 327

    noch recht gnstig sind, werden von hflichem schwarzen Personal serviert. Auch das Frhstck lt nichts zu wnschen brig. Ein Swimmingpool und ein Flutlicht-Tennisplatz bieten viel Abwechslung, wenn man zu lange im Au-to gesessen ist. In der Nhe beginnt der Zoutpansberg Wanderweg, fr all die, welche es ein bichen sportlicher mgen. Ich kann jedem, der vom Ge-biet Pretoria/ Johannesburg nach Zimbabwe, oder ber Louis Trichardt ins

    Vendaland oder in den Krgerpark fhrt, das Clouds End Hotel als Herberge empfehlen.

    ber den Tropic of Capricorn, den Wendekreis des Steinbocks, den ein ziemlich vergammeltes und von Gewehrkugeln zerschossenes Denkmal di-rekt an der N1 bezeichnet, erreichen wir bald Pretoria. Noch ein letzter Hin-weis: Obwohl die schnurgerade Strecke zum Rasen einldt, sei gewarnt, da hier verstrkt geblitzt wird, da die N1 Nord der Death Highway, die Todes-autobahn genannt wird und jhrlich viele Menschen aufgrund von unkonventionellem Fahren auf dieser Strecke das Leben lassen mssen.

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    Fremdenverkehrsamt Zimbabwe, Steinweg 9, Frankfurt am Main. Zimbabwe Tourist Board Head Office: 105 Jason Moyo Avenue, Harare. Postanschrift: PO Box 8052, Harare. Tel: 00263-4-793666 oder -7 oder -8.

  • 328 Winter in Zimbabwe

    Fremdenverkehrsmter in Bulawayo, Great Zimbabwe, Mutare und Victoria Falls.

    Aventura Tshipise. Zu buchen in Pretoria bei: Aventura, P O Box 720, 0027 Groenkloof. Tel 0027-12-2288, Fax: -2293.

    Tambuti Lodge, P O Box 22, Chiredzi. Fax: 00263-31 3187

    Hotsprings Resort, P O Box 190, Nyanyadzi. Tel: 00263-26-2367, Fax: -2328.

    Leopard Rock Hotel, P O Box 1322, Mutare. Tel: 00263-20-60115, Fax -61165. Reservierung auch mglich unter: 0027-465-3834 (Tel) oder -3939 (Fax) in Sdafrika: Fountain Road Nr. 1, Fourways 2061, RSA.

    Landela Safaris, P O Box 293, Kopje, Harare. Tel: 00263-4-734043, Fax -750785.

    Meikles Hotel, P O Box 594, Jason Moyo Avenue, Harare. Tel: 00263-4-795655, Fax: -707754 oder -795672.

    Sondelani Game Lodge, P O Box 1472, Bulawayo. Tel: 00263-9-68739, Fax: -64997.

    Tuli Safari Lodge Botswana: Info und Reservierung: P O Box 32533, ZA-2017 Braamfontein, Sdafrika. Tel: 0027-11-726-6894, Fax: -4473.

    Clouds End Hotel: Private Bag X2409, 0920 Louis Trichardt. Tel: 0027-15-517-7021, Fax: 517-7187

    Reservierung in den Nationalparks Zimbabwes: National Parks und Wildlife Management, Reservations, P O Box 8365, Causeway, Harare. Tel: 00263-4-726089, Tel. in Bulawayo: 00263-9-63646.

    Soutpansberg Info: Mr Chris Olivier, P O Box 980, 0920 Louis Trichardt. Tel: 0027-15-516-0040, nach Feierabend: -1037.

  • Der Knig der Tiere inspiziert sein Reich (Etosha-Pfanne, Namibia)

    Ndebele-Huser beim Fort Merensky, nahe Pretoria

    Oryx-Antilopen in der Etosha-Pfanne, Namibia

    Angehrige des Tswana-Stames feiern Hochzeit in Mmabatho, Sdafrika

    Im botanischen Garten von Kirstenbosch bei Kapstadt

    Reed-Dance: 6000 Mdchen und junge Frauen tanzen zu Ehren des Knigs (Swaziland)

  • Im Umfolozi-Wildreservat (Zululand, Sdafrika)

    Blick aus dem Fenster einer Weinfarm bei Kapstadt

    Weinfarm bei Kapstadt im kaphollndischen Stil

    Angehrige des Xhosa-Stammes vor ihrer Htte (Sdafrika)

    Zulu-Tanz (Sdafrika)

    CoverI InhaltsverzeichnisII VorwortIII Einmal Kap und zurckIV Safari und Stromschnellen im Knigreich SwazilandV Der Pilanesberg-Vulkankrater - wirklich inaktiv?VI Zu Fu durch Zululand! Nashrnern auf der SpurVII Im Wohnmobil zur Westkste AfrikasVIII Gold und andere Schtze im NordostenIX Safari vom FeinstenX Mabula Game LodgeXI Berge und BadenXIII Luxus-Safari zur Bongani-Game-Lodge mit dem Rovos-Nostalgie-ExpressXIV Namibia - sprdes ParadiesXV Winter in ZimbabweXVI Bilder

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