DRGs in der Dermatologie

  • Published on
    10-Jul-2016

  • View
    218

  • Download
    4

Transcript

  • Leitthema

    S. Scholz R. Rompel Hautklinik, Klinikum Kassel

    DRGs in der DermatologieEine kritische Standortbestimmung

    Hautarzt 2004 55:1032-1038DOI 10.1007/s00105-004-0817-1Online publiziert: 17. September 2004 Springer Medizin Verlag 2004

    Die Einfhrung des DRG-Systems in Deutschland stellt einen grundlegen-den Systemwandel in der Krankenh-ausfinanzierung dar. Ziele des Gesetz-gebers sind die Schaffung von mehr Transparenz ber Leistungen und Kos-ten und eine leistungsbezogenere Vergtung der Krankenhuser. ber mehr Wettbewerb unter den Kranken-husern sollen Wirtschaftlichkeitsre-serven erschlossen und die Verweil-dauern verkrzt werden. Hauptziel ist die Stabilisierung der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversiche-rung. Aufgrund zahlreicher Unzulng-lichkeiten und Unangepasstheiten der neuen Regelungen bestehen viel-fach Unsicherheit und Unzufrieden-heit. Gleichzeitig erffnet das DRG-System Chancen, die es zu nutzen gilt. So stellt sich die Frage nach Wegen und Strategien, wie man am besten der neuen Situation begegnet.

    Bisherige Krankenhausfinan-zierung und Zeitplan der DRG-Einfhrung

    Bis Mitte der 90er-Jahre wurden alle Kran-kenhausleistungen mittels voll pauschalie-render Pflegestze vergtet. Im Jahr 995 wurden zustzlich zu den Abteilungs- und Basispflegestzen Fallpauschalen und Son-derentgelte eingefhrt. Mit der Verabschie-dung des Fallpauschalengesetzes im Jahr 2002 wurde vom Gesetzgeber die Grund-lage fr die Einfhrung des DRG-Sys-tems geschaffen. Die Abrechnung nach

    dem DRG-Vergtungssystem wurde am 0.0.2003 optional und am 0.0.2004 verbindlich fr alle Krankenhuser ein-gefhrt. In den Jahren 2003 und 2004 er-folgt die Leistungsvergtung budgetneu-tral, d. h. ber Zu- und Abschlge werden Minder- bzw. Mehrerlse im Vergleich zum bisherigen Budget weitestgehend aus-geglichen. In den Jahren 2005 und 2006 sollen die Zu- und Abschlge schrittwei-se reduziert werden. Diese Konvergenz-phase dient der Anpassung des Systems an die deutsche Behandlungsrealitt und soll den Krankenhusern die Mglichkeit geben, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Derzeit wird ber eine alter-native Ausgestaltung der Konvergenzpha-se diskutiert. Es kann daher davon ausge-gangen werden, dass die Konvergenzpha-se verlngert wird und das DRG-System noch nicht, wie ursprnglich gesetzlich vorgesehen, 2007 voll wirksam wird [4].

    Entstehung des deutschen DRG-Systems (G-DRG)

    Die Diagnosis Related Groups (DRGs) wurden 977 in Yale, USA als ein mgli-ches Modell zur Klassifikation des Leis-tungs- und Patientenspektrums in der akut-stationren Versorgung entwickelt. In den 80er-Jahren wurden in zahlrei-chen westlichen Industrienationen ange-passte und weiterentwickelte Versionen der amerikanischen DRGs erprobt und in mehr oder minder ausgedehntem Um-fang zu Berechnung von Teilen der statio-nren Vergtung oder Budgetierung her-angezogen [6].

    In Deutschland beschloss der Gesetzge-ber im Rahmen des Gesundheitsstruktur-gesetzes 2000 die Einfhrung eines DRG-Vergtungssystems. Mitte des Jahres 2000 einigten sich die Parteien der Selbstverwal-tung (Deutsche Krankenhausgesellschaft, gesetzliche Krankenversicherungen und private Krankenversicherungen) auf das australische System AR-DRG Version 4. als Ausgangsbasis fr ein auf deutsche Verhltnisse zu bertragendes G-DRG-System. Insbesondere durch ihre ausgefeil-te Systematik der Schweregradabbildung boten die australischen AR-DRGs im Ver-gleich mit anderen international eingesetz-ten DRG-Systemen eine gute Grundlage fr eine sachgerechte Fallabbildung.

    Nachdem im Juni 2002 die Deutsche Krankenhausgesellschaft das Scheitern der Verhandlungen der Selbstverwaltung ber die Umsetzung der DRG-Einfhrung be-kannt gab, wurde im Rahmen einer Ersatz-vornahme durch das Bundesministerium fr Gesundheit und Soziale Sicherung die Version .0 des G-DRG-Systems erstellt. Es handelte sich bei dieser Version im We-sentlichen um eine bertragung des aus-tralischen Systems, ohne dass wesentli-che Anpassungen vorgenommen wurden. Die Grundlage fr die Berechnung der Kostengewichte bestand in einer nicht re-prsentativen Stichprobe der Teilnehmer der DRG-Kostenkalkulation des Jahres 2002. Es war daher nicht verwunderlich, dass die fr 2003 vorliegende Erstversion des G-DRG-Systems zahlreiche Schwach-stellen aufwies, wie z. B. unausgereifte DRG-Definitionen, unrealistische Kosten-gewichte, inhomogene DRG-Gruppierun-

    1032 | Der Hautarzt 11 2004

  • Hier steht eine Anze

    ige

    This is an advertisem

    ent

  • net, das den mittleren Aufwand zur Be-handlung eines Falls dieser DRG wider-spiegeln soll. Weitere wichtige Kenngr-en des DRG-Systems sind in . Abb. 2 aufgefhrt.

    > Das Grundgerst des G-DRG-Systems besteht aus 25 Hauptdiagnosekategorien

    Das Grundgerst des G-DRG-Systems bilden 25 Hauptdiagnosekategorien (MDC=Major Diagnostic Category), wo-bei die meisten fr die Dermatologie re-levanten DRGs in der MDC 09 (Krank-heiten und Strungen an Haut, Unter-haut und Mamma) zu finden sind. Der G-DRG-Katalog 2004 enthlt insgesamt 824 Fallgruppen. Die Einflussfaktoren fr die Eingruppierung eines Falles sind insbe-sondere die Haupt- und Nebendiagnosen (ICD-0-GM 2004), die Prozeduren (OPS-30 2004), Alter, Geschlecht und Entlas-sungsart [3, 4]. Innerhalb der Basis-DRGs gibt es verschiedene konomische Schwe-regradstufen, die auf der Basis der kodier-ten Nebendiagnosen ermittelt werden (Re-finement-Ansatz). Dabei wird zunchst je-der Nebendiagnose ein 5-stufiger Compli-cation and Comorbidity Level (CCL) zu-geordnet. Fr jeden Behandlungsfall er-folgt dann nach Wichtung und Verrech-nung der CCL-Werte die Zuordnung zu einem Patient Clinical Complexity Level (PCCL). Dieser PCCL-Wert ist einer der entscheidenden Parameter, der zur defini-tiven Eingruppierung des Falles in eine ab-rechenbare DRG fhrt. Das deutsche Sys-tem erlaubt die Unterteilung einer Basis-DRG in bis zu 4 unterschiedlich bewerte-te abrechenbare DRGs (. Abb. 3).

    In der Anfangsphase der DRG-Einfh-rung in Deutschland bestand im Unter-schied zum Einsatz in anderen Lndern ein 00%-Ansatz zur Vergtung aller sta-tionr erbrachten Leistungen. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass in speziellen Fl-len, wie z. B. bei der Anwendung beson-ders teurer Medikamente oder sehr auf-wndiger Therapieverfahren, die unzurei-chend im DRG-System abgebildet werden, kombinierte Vergtungsformen notwen-dig sind. So existiert fr die Dermatologie bereits ein Zusatzentgelt fr die extrakor-porale Photopherese. Weitere Zusatzent-gelte z. B. fr den Einsatz von Immunglo-

    Grundstruktur und Systematik des deutschen DRG-Systems (G-DRG)

    Das DRG-System (Diagnosis Related Groups=diagnosebezogene Fallgruppen) gilt fr alle stationren Flle mit Ausnah-me der Psychiatrie. Grundstzlich gilt die Zuordnung eines Falls zu einer DRG, auch wenn der Patient whrend seines Aufent-haltes in unterschiedlichen Fachabteilun-gen behandelt wurde. Fr jede Fallgruppe existiert eine untere und obere Grenzver-weildauer. Liegt die Dauer des Aufenthal-tes des Patienten zwischen beiden Grenz-verweildauern, erhlt das Krankenhaus als Erls eine Pauschale. Unterhalb der unteren Grenzverweildauer sind Abschl-ge, oberhalb der oberen Grenzverweildau-er Zuschlge vorgesehen (. Abb. 1). Je-der DRG ist ein Kostengewicht zugeord-

    gen. Daher bestand groer Anpassungsbe-darf und die Notwendigkeit der Evaluati-on mglicher nderungsvorschlge auf breiter Datenbasis. Deshalb wurde von der Deutschen Dermatologischen Gesell-schaft (DDG) ein Evaluationsprojekt in Zusammenarbeit mit der DRG-Research-Group Mnster und der Bundesrztekam-mer initiiert, an dem 9 Kliniken teilnah-men. Die Ergebnisse des Projektes dien-ten als Grundlage fr die Anpassungsvor-schlge der DDG an das Institut fr Ent-geltsysteme im Krankenhaus (InEK) [8, 9]. Erfreulicherweise sind bis auf wenige Ausnahmen fast alle Anpassungsvorschl-ge angenommen und in die G-DRG-Versi-on 2004 eingepflegt worden []. Im Rah-men des weiter gehenden Anpassungspro-zesses des Systems hat die DDG terminge-recht neue nderungsvorschlge fr das Jahr 2005 eingereicht.

    Abb. 1 8 Berechnung des unteren und oberen Trimmpunktes einer DRG (Grenzverweildauern)

    Abb. 2 9 Wichtige Kenngren des DRG-Systems

    1034

    Leitthema

    | Der Hautarzt 11 2004

  • bulinen oder sehr teuren Chemotherapeu-tika sollten vereinbart werden, um eine adquate Vergtung dieser Leistungen zu gewhrleisten und ihren Einsatz zum Nut-zen der Patienten zu ermglichen [5].

    > Die exakte Kodierung ist sehr wichtig fr den Erls

    Bei der Kodierung sind die allgemeinen und speziellen Deutschen Kodierrichtlini-en, Version 2004, zu bercksichtigen [5]. Sie enthalten die Definition der Haupt- und Nebendiagnosen und zahlreiche Re-gelungen, die nicht immer leicht verstnd-lich sind und z. T. von der Denkweise des Klinikers abweichen. Fr die tgliche Kodierarbeit sei der Kodierleitfaden fr das Fachgebiet Dermatologie im Kittelta-schenformat empfohlen [2]. Die 2004 ak-tualisierte Version ist online unter http://www.derma.de verfgbar. Die Bedeutung der exakten Kodierung ist sehr hoch ein-zuschtzen, da die von der Klinik geliefer-ten Daten die Grundlage fr die Gruppie-rung des einzelnen Falls in die entspre-chende DRG sind und damit den Erls pro Fall bestimmen. Werden einerseits be-stehende Diagnosen bzw. erbrachte Leis-tungen nicht oder nur unvollstndig ko-diert, so kann dies zu Erlsverlusten fh-ren. Werden andererseits Fehler bei der Kodierung begangen, indem die Kodier-richtlinien nicht beachtet werden (falsche Hauptdiagnose, Angabe von Diagnosen, die nicht die Kriterien einer Nebendiagno-se erfllen usw.), drohen restriktive Ma-nahmen durch die Krankenkasse bzw. den MDK, die ebenfalls Erlsverluste be-dingen knnen.

    Vom strategischen Kodieren spricht man, wenn versucht wird, Unzulnglich-keiten des aktuellen Kataloges bewusst durch Fehl-, Unter- oder berkodierun-gen auszugleichen. Im Ergebnis des stra-tegischen Kodierens werden Abbildungs-probleme nivelliert. Damit entsteht fr die Fachgesellschaft das Problem, dass Fehlab-bildungen sich in greren Datenanalysen nicht mehr darstellen lassen und damit n-derungsvorschlge nicht mehr begrndet werden knnen [6]. Die Empfehlung fr die Krankenhuser kann daher nur sein, getreu den Deutschen Kodierrichtlinien und dem dermatologischen Kodierleitfa-den zu kodieren.

    Zusammenfassung Abstract

    Hautarzt 2004 55:1032-1038DOI 10.1007/s00105-004-0817-1 Springer Medizin Verlag 2004

    S. Scholz R. Rompel

    DRGs in der Dermatologie. Eine kritische Standortbestimmung

    ZusammenfassungDie 2004 erfolgte verbindliche Einfhrung des G-DRG-Systems stellt einen Paradig-menwechsel in der Krankenhausfinanzie-rung in Deutschland dar. Seit der Verffent-lichung der 1. Version des G-DRG-Katalo-ges wird die Anpassung des Systems an die deutsche Behandlungswirklichkeit an-gestrebt. Fr das Fachgebiet der Dermato-logie stellt diese Anpassung aus verschie-denen Grnden eine besondere Heraus-forderung dar. Mit Hilfe eines DRG-Evalua-tionsprojektes der Deutschen Dermatolo-gischen Gesellschaft ist es gelungen, den G-DRG-Katalog 2004 wesentlich zu verbes-sern. Fr die Kliniken gilt es, sich auf die

    neuen Bedingungen einzustellen und sich in dem System zu positionieren. Von ent-scheidender Bedeutung ist dabei eine ho-he Kodierqualitt. Bei der Leistungsaus-richtung der Klinik darf nicht der Fehler be-gangen werden, vermeintlichen Anreizen der jeweils aktuellen Version des DRG-Ka-taloges zu folgen. Strategien bei der prakti-schen Umsetzung des Fallgruppensystems in der Klinik werden vorgestellt.

    SchlsselwrterG-DRG Fallpauschale Krankenhaus-finanzierung Vergtungssystem Kodierqualitt

    AbstractThe obligatory implementation of the DRG system in 2004 represents a fundamental change in German hospital financing. Sin-ce the first version of G-DRG catalogue was published, the final adaptation of the system to German clinical reality has con-sumed much time and energy. This adjust-ment has been very challenging for derma-tology for a variety of reasons. A DRG eval-uation project conducted by the German Society of Dermatology made possible im-provements in the G-DRG catalogue 2004 from the perspective of dermatology. The

    hospitals now have to adjust to the new sit-uation and to find their position in this sys-tem. A high coding quality is of greatest im-portance. When developing their clinical priorities, hospitals should not make the mistake of pursuing the temptations pre-sented by the latest version of the DRG cat-alogue. Strategies of the practical use of the DRG system in hospitals are reviewed.

    KeywordsG-DRG Case rate Hospital funding Reimbursement system Coding

    DRGs in dermatology. A critical assessment

    1035Der Hautarzt 11 2004 |

  • Klinische Umsetzung der Kodierung

    Die Einfhrung des DRG-Systems macht es erforderlich, dass in den Krankenhu-sern die materiellen und personellen Vo-raussetzungen fr die Kodierung der Di-agnosen und Prozeduren geschaffen wer-den. Fr eine exakte und zeitnahe Kodie-rung ist eine EDV-gesttzte Erfassung un-verzichtbar. Es mssen daher die entspre-

    chende Hard- und Software zur Verf-gung stehen. In der Klinik muss eine aus-reichende Zahl leistungsfhiger Compu-ter in allen Bereichen vorhanden sein, in denen DRG-relevante Daten erfasst wer-den. Dies gilt fr die Stationen genauso wie fr die Funktionsbereiche insbeson-dere den Operationsbereich. Die Compu-ter mssen mit einem Patientendokumen-tationssystem (z. B. Medico S, SAP) ausge-stattet sein, in dem die Patientendaten, Di-

    agnosen und Prozeduren erfasst werden. Um die entsprechenden Kodes zu ermit-teln, ist das Dokumentationssystem mit einem Kodierprogramm (z. B. DIACOS) verknpft. Es besteht darber hinaus die Mglichkeit, dass man z. B. mit Register-karten in dem System hufig wiederkeh-rende Diagnosen und Prozeduren hinter-legt, die eine exakte und schnelle Eingabe ermglichen. Gleichzeitig knnen wichti-ge Kodierrichtlinien vermerkt werden, die

    Abb. 3 9 Systematik der Schweregra-dabbildung (Refinement-Ansatz)

    Abb. 4 9 Beispiel einer Registerkarte zur Kodierung des Diabetes

    1036

    Leitthema

    | Der Hautarzt 11 2004

  • eine Hilfe fr den kodierenden Kollegen darstellen. Das Vorhandensein von Regis-terkarten ermglicht es, etwa 8090% der Flle schnell und problemlos zu kodieren, und stellt damit eine groe praktische Er-leichterung dar (. Abb. 4).

    > Die Kodierung sollte zeitnah erfolgen

    Zur Sicherung einer hohen Kodierquali-tt sollte es eine klare Zustndigkeit fr die Durchfhrung der Kodierung auf der Station geben. Verantwortlich sollte nach Mglichkeit ein in seiner Weiterbildung fortgeschrittener Stationsarzt sein, der mit der DRG-Problematik vertraut ist. Dar-ber hinaus sollte ein Oberarzt die Verant-wortung fr die Kodierqualitt der gesam-ten Klinik tragen. Fr eine exakte Kodie-rung ist es unverzichtbar, dass diese zeit-nah erfolgt. Erfahrungsgem gelingt es dadurch leichter, die Kodierung vollstn-dig durchzufhren [0].

    Um den Grad der eigenen Kodierquali-tt zu berprfen, sollte ein klinikbezoge-nes Berichtswesen aufgebaut werden. Der Klinik sollten in Abstnden wichtige DRG-Kennzahlen zur Verfgung gestellt wer-den, wie z. B. die Top 20 der Haupt- und Nebendiagnosen, die Anzahl der Nebendi-agnosen pro Patient, die Anzahl der Pati-enten ohne Nebendiagnosen und der An-teil aufflliger Kodierungen. Nicht zuletzt ist der aktuelle Case-Mix-Index der Klinik von Interesse, da er ein Ma fr die mittle-re Komplexitt der Flle ist [9]. Mit Hilfe dieser Kennzahlen kann regelmig ber-prft werden, ob durch die Kodierung das eigene Patientengut und die erbrach-ten Leistungen korrekt abgebildet werden. Bei Aufflligkeiten sollten Schlussfolgerun-gen fr die zuknftige Kodierung gezogen werden.

    Nicht zuletzt ist auf dem Gebiet der kli-nischen Umsetzung der Kodierung die Fortbildung unerlsslich. Bei der nicht zu vermeidenden Fluktuation von rztlichen Kollegen in den Kliniken ist es erforder-lich, regelmig Fortbildungen zu DRG-Fragen durchzufhren. Dabei sollten der Aufbau und die Systematik des DRG-Sys-tems und die Bedeutung der Kodierung fr die Klinik im Mittelpunkt stehen. Wei-terhin sind berarbeitungen und nde-rungen in den Diagnosen- und Prozedu-

    renkatalogen sowie in den allgemeinen und speziellen Kodierrichtlinien zu er-warten []. Nur durch eine stndige Fort-bildung und Motivation wird es gelingen, mglichst alle Mitarbeiter auf aktuellem Stand zu halten und eine hohe Kodierqua-litt zu erreichen bzw. zu halten.

    Diskussion

    Patientenklassifizierungssysteme untertei-len die Patientenschaft bzw. deren Behand-lungen in klinisch definierte Gruppen mit hnlichen Behandlungskosten. Aus klini-scher Sicht mchte man ausgehend von den Problemen und Behandlungszielen der einzelnen Patienten hnliche Fl-le zusammenfassen. Es wird eine optima-le Behandlung angestrebt. Aus konomi-scher Sicht mchte man ausgehend von den Kosten der Einzelflle Kosteneinhei-ten bzw. Kostentrger definieren. Ziel ist dabei eine definierte Balance zwischen Er-trag und Kosten. Ein Patientenklassifika-tionssystem versucht, diese unterschied-lichen Welten zu verbinden. Die Diagno-sis Related Groups sind ein solches mg-liches Patientenklassifikationssystem [7]. In Deutschland hat der Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Fallpauschalenge-setzes im Jahre 2002 die Einfhrung eines diagnosebezogenen pauschalierenden Ent-geltsystems beschlossen. Hintergrund der Einfhrung des DRG-Systems ist das er-klrte politische Ziel, die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens angesichts des dra-matischen demographischen Wandels un-serer Gesellschaft auch in Zukunft gewhr-leisten zu knnen.

    Die Tatsache, dass das australische AR-DRG-System als Grundlage fr das deut-sche G-DRG-System ausgewhlt wurde, ist fr das Fachgebiet Dermatologie mit ei-ner besonderen Problematik verbunden: Die stationre dermatologische Versor-gung in der Bundesrepublik Deutschland ist auf einem auerordentlich hohen Qua-littsniveau angesiedelt und im internatio-nalen Vergleich fhrend. Gleiches gilt fr die fachliche Breite des Fachgebietes in der Bundesrepublik, die die allgemeine konser-vative Dermatologie, die operative Derma-tologie, dermatologische Onkologie, Phle-bologie, Proktologie, Allergologie, Berufs-dermatologie, Andrologie etc. umfassen. In den USA bzw. in Australien gibt es prak-

    tisch keine Hautkliniken mit stationrem Anteil, wie wir es aus bundesdeutschen Verhltnissen kennen. In beiden Lndern ist die Dermatologie nur ein eng umschrie-benes Fach ohne operativen Anteil und ohne Bereiche wie Proktologie, Phlebo-logie, Allergologie etc. Der enge Bereich der Dermatologie wird in diesen Lndern berwiegend ambulant durchgefhrt. Sta-tionre Patienten werden beispielsweise auf chirurgischen oder internistischen Sta-tionen behandelt. Aus dieser Situation in den USA und Australien resultierten 2 we-sentliche Punkte, die ein Manko im DRG-System fr das dermatologische Fachge-biet beinhalten:

    . Es bestanden fachlich falsche Einord-nungen konservativer dermatologi-scher Diagnosen.

    2. Dermatologische Flle sind in Austra-lien unterreprsentiert, sodass keine ausreichende Datengrundlage gege-ben war, die Kostengewichte und Ver-weildauern fr zahlreiche dermatologi-sche DRGs zu berechnen.

    Die DDG hat sich bereits frhzeitig auf den grundlegenden Strukturwandel der Kran-kenhausfinanzierung mit Einfhrung des DRG-Systems eingestellt und aufgrund des hohen Anpassungsbedarfs in unserem Fachgebiet ein DRG-Evaluationsprojekt in-itiiert. Die Ergebnisse des Projektes dien-ten als Basis fr die Anpassungsvorschl-ge der DDG an das InEK, die im Wesent-lichen in die neue G-DRG-Version ber-nommen wurden. Damit wurde eine Ver-besserung der Abbildbarkeit der dermato-logischen Behandlungsrealitt in Deutsch-land erreicht. Auch in Zukunft wird es not-wendig sein, durch weitere Evaluationen fachlich auf die Ausgestaltung des DRG-Katalogs Einfluss zu nehmen, um das ho-he Qualittsniveau unseres Faches im Inte-resse der Patienten zu sichern.

    Selbstverstndlich werden auch Ver-nderungen jetziger Strukturen notwen-dig werden, um in Zukunft bestehen zu knnen. hnlich wie in anderen Fachdis-ziplinen auch, wird sich fr die Dermato-logie eine mehr oder minder starke Verla-gerung von stationr nach ambulant voll-ziehen. Dies gilt sowohl fr die Durchfh-rung von ambulanten Operationen im Krankenhaus als auch unterschiedlicher

    1037Der Hautarzt 11 2004 |

  • Varianten ambulanter komplexer Behand-lungsprinzipien bei konservativen Derma-tosen [3]. In welchem Ausma dies ge-schehen wird, hngt von der definitiven Ausgestaltung des auf deutsche Verhltnis-se angepassten DRG-Systems sowie von den kalkulierten Kostengewichten ab. Ent-scheidend fr die zuknftige Erlssituati-on wird insbesondere die Entwicklung der Fallzahlen sein. Die steigenden Inzidenz-zahlen fr verschiedene dermatologische Erkrankungen sowie die sich verbessern-den Behandlungsmglichkeiten stellen ein Potenzial dar, das Fachgebiet der Der-matologie in seiner Breite und Komplexi-tt zu erhalten und weiterzuentwickeln.

    Fazit fr die Praxis

    Mit dem G-DRG-Katalog 2004 befinden wir uns am Anfang eines Prozesses, der eine mglichst exakte Abbildung der Be-handlungsrealitt in unserem Fachgebiet zum Ziel hat. In den nchsten Jahren sind weitere nderungen u. a. bei den Kosten-gewichten, Kodierrichtlinien und Zusat-zentgelten zu erwarten. Das Leistungs-profil der Klinik sollte daher nicht nach lukrativen und weniger lukrativen DRGs des aktuell gltigen Kataloges ausgerich-tet werden.Folgende strategische Ziele sollten der-zeit verfolgt werden:

    1. Korrekte und vollstndige Kodierung aller Flle unter Beachtung der Kodier-richtlinien,

    2. Optimierung der Leistungserbrin-gung u. a. durch Entwicklung und Ein-fhrung von klinischen Behandlungs-pfaden [17, 18],

    3. Strken- und Schwchenanalyse un-ter Bercksichtigung des wettbewerb-lichen Umfeldes [12],

    4. Nutzung aller Mglichkeiten zur Ver-meidung nicht notwendiger Kosten.

    Korrespondierender AutorDr. S. Scholz

    Hautklinik, Klinikum Kassel, Mnchebergstrae 4143, 34125 Kassel E-Mail: scholz.stefan@klinikum-kassel.de

    Interessenkonflikt: Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindungen mit einer Firma, deren Produkt in dem Artikel ge-nannt ist, oder einer Firma, die ein Konkurrenz-produkt vertreibt, bestehen.

    Literatur

    1. Brelein S (2004) Wie ausgereift sind die G-DRGs? Reicht die Verbesserung, um das Preissystem 2005 in Gang zu setzen? krankenhaus umschau 4:327330

    2. Deutsche Dermatologische Gesellschaft, DRG-Rese-arch-Group Mnster (2003) Kodierleitfaden Derma-tologie. Schling, Mnster

    3. Deutsches Institut fr Medizinische Dokumenta-tion und Information (DIMDI) (2003) ICD-10-GM 2004. Deutscher rzte Verlag, Kln

    4. Deutsches Institut fr Medizinische Dokumen-tation und Information (DIMDI) (2003) OPS-301 2004. Deutscher rzte Verlag, Kln

    5. DKW, GKV, PKV, InEK (2003) Deutsche Kodierrichtli-nien Version 2004. Deutsche Krankenhaus Verlags-gesellschaft, Dsseldorf

    6. Fetter RB (1991) DRGs: their design and develop-ment. Health Administration Press, Ann Arbor

    7. Fischer W (2001) Grundzge von DRG-Systemen. In: Arnold M et al. (Hrsg) Krankenhaus-Report 2000. Schattauer, Stuttgart, S 1331

    8. Frstenberg T, Fiori W, Roeder N (2003) DRG-Evalua-tionsprojekt Dermatologie: Abbildungsqualitt sta-tionrer dermatologischer Therapien und Anpas-sungsbedarf des G-DRG-Systems. Schling, Mns-ter

    9. Frstenberg T, Rompel R, Gollnick H et al. (2004) DRGs in der Dermatologie: Ergebnisse des DRG-Evaluationsprojektes der Deutschen Dermatologi-schen Gesellschaft. JDDG 2:2430

    10. Hensen P, Fiori W, Juhra C et al. (2003) DRGs in der Dermatologie: Erlsoptimierung durch Sicherung der Kodierqualitt. JDDG 1:3645

    11. Hensen P, Frstenberg T, Irps S et al. (2004) G-DRG Version 2004: Vernderungen aus Sicht der Derma-tologie. JDDG 2:1523

    12. Hensen P, Wollert S, Schwarz T et al. (2003) Strken- und Schwchen-Analyse: Grundlage der Leistungs-ausrichtung im wettbewerbsorientierten Umfeld. JDDG 1:346351

    13. Orfanos CE (2003) Einfhrung der DRGs: Auswir-kungen und Konsequenzen fr die stationre Versorgung in der Dermatologie. Akt Dermatol 29:223229

    14. Pfhler W (2004) DRG-Konzept: Ziele, Hoffnungen und Fallstricke. Akt Dermatol 30:267270

    15. Roeder N, Bunzemeier H, Glocker S (2004) G-DRGs 2004: Erreichtes und nicht Erreichtes. Krankenhaus 4:251260

    16. Roeder N, Fiori W, Loskamp N et al. (2003) Strategi-sche Kodierung Schlssel zum DRG-Erfolg? Kran-kenhaus 10:780788

    17. Roeder N, Hensen P, Hindle D et al. (2003) Instru-mente zur Behandlungsoptmimierung. Klinische Behandlungspfade. Chirurg 12:11491155

    18. Roeder N, Hindle D, Loskamp N et al. (2003) Fri-scher Wind mit klinischen Behandlungspfaden (I). Instrumente zur Verbesserung der Organisation kli-nischer Prozesse. Krankenhaus 1:2027

    19. Roeder N, Rochell B (2003) Case-Mix in der Praxis: Handbuch fr die DRG-Umsetzung. Deutscher rz-te Verlag, Kln

    R. Grossmann, K. ScalaIntelligentes KrankenhausInnovative Beispiele der Organisation-sentwicklung in Krankenhusern und PflegeheimenBerlin, Heidelberg, New York: Springer-Ver-lag 2002, 208 S., 6 Abb., (ISBN 3-211-83702-7), 24.80 EUR

    Die Entwicklung von Krankenhusern ist ein hchst aktuelles Problem. Die kono-mischen und rechtlichen Rahmenbedin-gungen schaffen eine Konkurrenzsituation, die zu Vernderungen und zur Weiterent-wicklung zwingen. Damit nehmen auch die Belastungen fr die Mitarbeiter zu, mit knapper werdenden Mitteln muss immer mehr erreicht werden. Zwar kann die Politik die Rahmenbedingungen setzen, die tatschliche Entwicklung der hoch komplexen, funktional differenzierten Or-ganisation Krankenhaus ist jedoch eine interne Leistung, die durch entsprechende Interventionsstrategien des Managements gesteuert werden muss.

    Das Buch versteht sich laut Vorwort als ein Beitrag zur aktuellen Entwicklung in der Krankenversorgung. Fhrungskrfte sollen die Gestaltungsmglichkeiten und das Vernderungspotenzial von Organisa-tionsentwicklung kennen lernen. Anhand internationaler Fallbeispiele werden kon-krete Reorganisationsprojekte in Kranken-husern und Gesundheitseinrichtungen geschildert. Die Autoren beleuchten den Stellenwert der Organisationsentwicklung fr die komplexen Steuerungsanforderun-gen des Versorgungssystems Krankenhaus. Die Praxisbeispiele vermitteln hierbei ei-nen ersten berblick ber unterschiedliche Zugnge zu und Problemstellungen von Vernderung. Wenngleich das Buch sich primr fr Geschftsfhrer und Verwal-tungsleitung in Krankenhusern empfiehlt, sind die Kapitel III (Leistungsprozesse optimieren Personal- und Organisa-tionsentwicklung verknpfen) und IV (Das Mitarbeitergesprch als Fhrungs-instrument im Krankenhaus) fr jeden lesenswert, der mit der Personalfhrung betraut ist.

    M. Graw (Mnchen)

    Buchbesprechung

    1038 | Der Hautarzt 11 2004