Die Erkrankung des Ohres beim Abdominaltyphus

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    17-Aug-2016

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  • Die Erkrankung des 0hres beim Abd0minaltyphus ~rOn

    Dr. Oarl Ernst Emii Hoffmann, Professor tier Medicin in Basel.

    in einer gr~sseren Arbelt*) habc ich die Ver'~ndorungcn: welche beim kbdomlnaltyphus ~iberha,lpt vorkommen, besproehen. In dieser Bespreehung konnte ieh den Krankheitea des Geh;~rorganes jedoeh nur einen verh~ltnls.~m~ss~g gerlng~n Raum wldmen; ieh erlaube mir daher, einem gegen mlch ausgesproche~en Wunsche folgend, hler etwas ausfiihrlicher auf die Geh~rstSrungcn w~hrend des Typhus zu- riic~ukommen.

    Freilich beschriinkt ~ich ~neine Mittheilung nut auf solehe F~Ile, weiche zur Sektion kamon, nachdem bei ihnen w~hrend des Lebens Gch~rst~rungen in hervorraffencler We.:se s~at~ffefunden batten'; dabei hatte [ch in Folge meiner angestrenfftea :Berufs~h~tigkelt keincrlei Gc- legenhcit~ diese F~lle seibst w~hrend des Lebens zu beoSaehte~, al|dn iiber sie s~ram~ich Slnd hlnreichenc! ~enaue Krankengesehichten gefithrt, so dass sie aueh naeh dieser Richtuag hin verwerthet werden k~nnen.

    Die Geh~rst~rung, welehe be] Typhus gcw~hnlich auftrltt, ist~ wie bckannt, die Sc~wert~r~keit~ welcher slch ~Kers Orensausen za- g~seil. In sehr vielen Fallen tiegt dieser Geh~rstSrung kolne hath-

    *) Un~ersuehungen fiber dle l~atbologlsch-anato:ui~chcn Verlladerungen der Org~ue beia~ Ab~ominMtyl)hue, -Lel]~zig 18~9.

  • HOFFMANN: Ueb er die Erkrankunff des Ohres belm Abdominaltyphus. ~7~

    welsbare anatomlsche Ver~derung zu Grund% so dass naeh dem Tode keino materielle Grundlage mehr naehweisbar ist; oder abet die ge- fimdenen Yer~nderungen sind h~ehst unbedeutend und stehen in keinem Verhaltnisse zu den wahrend des Lebens beobaehteten Erseheinungen. Aueh dis Art des Auftrctens dieser Stt~rungen, sowie ihr Verschwln- den w'ahrend des "Verlaufes der Typhuserkrankung spreehen dafiir, dass in sear vielen Falien, in denen sine genauere Untersuehung nieht m~glich war~ keine wesentlichen Yer'anderungen exlstirten.

    Bei heftlgen Typhuserkranku~gen ereten diese GehSrstt~rungen sehon sehr friihe nnd oft z_iemlleh plSt~lieh auf; see slnd hlerbel racist verbunden mit St~rungen yon Selten des Centralnervensystems und mtis- sen atsdann mit diesen gewlss in ea~salen Zusammenhang gebraeht werde,. Beobaehtet man z: B. wle bei einem Kranken~ an dem kelnerlei Ver- ~.nderung seines Geh~rvermt~gens naehgewiesen werden konnte, mit: dem A_uftreten yon Gehirnersehelnungen, etwa nur in Folge andauern- den Blutandranges gegen den Kopf him aueh die Schwerht~rigkeit sieh einstellt, wie diese darn, w~hrend der Kranke vollst~indig theft- nahmslos daliegt, elnea so hohen Grad erreieht, dass selbst auf lautes Anrufen kelne irgend merkbare Reak6on erfolgt, und sieht man darauf, wle naeh Anwendung e~aes kaltel~ Bades fast plStzlleh mit der gr~s- seren Klarhelt der gelstigen [~unctlonen aueh das (~eh~r wiederkehrt, so wird man doeh mit ~othwendigkeit darauf hingewiesen, dass die GehSrst~rung mit tier geistigen St~rung eine gemeinschaftliehe Quelle gehabt und class ihr kelne irgendwle erhebliehe ~aterielle Veranderung zu G runde gelegcn hahe.

    Ausser diesen St~runge1~ treten aber bei Typhus aueh Geh~r- anomalieen auf~ welch% oh ohne nile Ver~nderungez~ der gelstig'en Fnnetionen~ sieh nach und nach entwickeln und allm~thtig an St~rke zunehmen. Sic halten meist gieiehen Sehritt mlt der Zunahme der entziindliehen Affection der Pharynxschleimhant, welche ja fast bei keinem erhebiiehen TypbusfaHe fehtt. Zwar finden sich die Eat- ziindungsproeesse im Pharynx vorzugsweise stark in den. unteren Abtheilungen der hinteren und seitlichen Pharynxwand, indem Ge. schwiirbildungen sieh besonders h~ufig yon den Gaumenb~gen aus auf die Tonsillen und deren Umgebnng und yon hier nach abwtirts weiLer verbreiten, alleln auch die oberen Abtheilungen leiden gewt~hn- lieh in ~hnlieher Welse und ks fi~den sich katarrhalische Schweilun- gen der Pharynxschlelmhaut in der Umgebung der Tubae~ Eustaehii sehr hiiufig. Diese sehon an und ftir sieh bedingen night ungew~hn- lieh einen mehr oder weniger votlst~indigen Versehlusa des Ostium

  • 2?4 HOFFMANN: Ueber die Erkrankung des,Ohres heir Abdaminaltyphus~

    pharyngeum tubae, ,,vie dies berelts fr~her ausftihrlicher yon Schwa rtze*) auseinander gesetzt wurde. Von hier aus setzt sieh der Katarrh in die Tuben selbst 5fters fort, und dringt selbst his in die Trommel- hShle vor. Allein in den meisten F~llen erfolg~ soiree R[ickbildung wiederum ailmiihlig nnd die Geh~rstSrunff verschwi-~det naeh und naeh, ohne bedeut.endere anatomisehe Veranderu,gen z~ hin~erlassen,

    Wenn in dieser Weise auch ziemlleh viele F~;lle yon C-~ch~sstSrungen sich auf Katarrhe des Pharyax~ der Tuba Eustaehll uad des Cavum tympani zuriickfiihren lassen, so ist dies doch slcher nlcht in der yon Griesinger anffenommenen Aussehlless!ichkeit der Fatt, we,'cher sagt**): ,Sie (die SchwerhSrigkelt und das Ohrensausen) sind nleht a ls herr v~se Erseheinungen zu bett'achten, sondern riihren vorztiglich yon Katarrh der Eusiaehisehen tL~hre uud derTrommelhShle, seltepervon Kat.arrh des ~usseren Geh~rgangs, Bluterguss in denselben e~e. her." Es geht. vielmehr aus unseren oben gegebenen Auseinandersetzungen he~yor, dass in sehr vlelen Fallen es sleh dabel wirklich nut um nor- v~se St~rungen handelt.

    Die Katarrhe des Pharynx setzen sieh in vielen F~llen dureh die Tuben in die TrommelhShlen fort und bestehen deft. entweder aueh als einfaehe Katarrhe , oder veranlassen heftigere Entztindungen

    r o f~ mit Eiterbildung" unter allm~hliger Zerstorung der Weiehtheile. Doch gehen solehe Eiterungen verh~iltnissm~ssig seltener aus einfachen fort- gelei~eten Katarrhen hervor, sie slnd vielmehr in h~ufigeren F~ilen an intenslvere Entziindungserseheinungen der RaehenhShle~ namentlieh an Diphtherltis gekntipft. In der Tha~ war bei den melsten yon mir beobaeht,etenFallen yon Eiterung in der Trommelh~hle entweder w~;h- rend des Lebens dlphtheritisehe Entz~indung des Pha1:ynx vorhanden gewesen o~ter zelgte sieh noeh w~hrend der Section setbst.

    Von der Tr0mmelh~hle aus schreitet die Eiternng in sehr vieten Fgtlen auf die Naehbarsehaft fort, namentlieh werden die Cellulae mastoideae gew~hnlieh yon ihr ergriffen und ausserdem ltihrt sle gftera zur Perforation des Tremmelfells. Unt.er den 250 Seetlonen~ welohe b el den meinen Untersuehungen zu Grunde llegenden Typhusepide- mieen Vorkamen, fanden sieh vier Falle yon Perforation des Trommd, feUes; die ieh hier mittheilen will.

    *) Deutsche Klinik 1861 Nr. 30. Ueber die Erkrankungen des Geh~rorgan~: ~m Typhus,

    InfeetiensKrankhelten irt Virchow;s Haudbuch. ~, ,Aufl. ~S*~4 1~. 22!t.

  • HOFFMANN :. Ueber die Erkranktmg des Ohre~ beim )~bdomiaal~yphua. ,,~

    L Emt~ie Kro:nenb,erg , WKseherin aus Luzern~ 24 Jahre alt. - - Die Kranke war s~hQn vier Woehea vor ihrer Aufnahme ~'s Spltal (~. Augus~ iSgt~) an heftig~en DiarrhOea, verbunden mit Magensohm~rz~ erkrank~. Sie ist sehr sohwach; ~tark abgemagert ; ihre Zunge is* trooken, roth, geschwellt, u nbewoglich. DioMilz- dJtmpfung vergr~issert, der Leih welch nut im Eplgastrium empfiudHcb. Gelbo St'dhle erfolgen h~iufig. Pals 116.

    In den n~iehsten Tagen trlt~ Husten auf~ doeh zeigt slob hinten am Riicken nirgends D~mpf-ang; die Kranke ist fortw~'}n'end 5,usserst; sehwaeh~ so (lass sis f-a:s~ be~ jeder S~uhbn~leerang ohrJm~,ohtig wird.

    Am 8. August rechts hinten und unten D~mpfung. Aus dem Munde kommt starker, fauliger Ger~c,h~ die Zunge ist feuoht~ die Sputa sind blu~ig~ zum Thell z~he. Seit mehreren Tagen ist dle Kra~ke stark mens~ruir~.

    Gegen Mi~e Augusg hln besse:t slch die Resph'a~ion~ die St.iihte tbeilwelse blutig, Sehw~ieho flauert an.

    Von Anfang d~r Erkrankung war das Geh~r der Kranken geschw~cht, doch wurde dies mit dem a~Igemelnea Schwi~ebezus~nd in Verbindung gebraeht; am 17. August e~'folgte eitrige~ Ausfiuss aus dean linken Ohre. Glelchzeitlg sutwickel~ ~ieh an der reehten Hinterbacke sin Abscess~ der am 20. August mlt einer kteiaen Osfihung a~fbrioht, sie.h bel der Erweiterung-der Oef~mug a.ls fiber faus~gross er- welsh, und sine grosse Meage ~belriecher.den FAters eu~teert

    Der Ausfluss you gelbem Eiter aus dem llnkeu Ohrc dauer~ in der n~iehsten Zeit an and ist for~w~hrend ziem]ieh reichlieJh.- Ebenso h~ilt der Au~flt~, aus dem Abseesse ununterbrochen an.

    Gegen Ends August entwickeI~ sleh else sehmerzhafte Geschwuls in der N~he des llakenUnterkleferwigkeTs ~ aus we]eher sieh bel einer am 31. August gemaehten Incision sehr viel ~usserst fibelrieehender~ dilnnfl[~sslger~ sehmutzig grfingelber Eiter entleert. Die eingefiihrte Sonde driug!; tier eln, so dass man yon der Mund- hiihle aus den Knopf derselben fiiblez~ kann, jedoeh ist sine Communication mit der Mundhiihle nitht zu entcleeken. Dabei spuckt die Kranke eitriff-blutige Massen au~ and en.~wlekel~ aus dem Munde elnen aashaften ~erueh.

    Am 2. September ~achmittags erfolg~ pl~itztleb~ ohue vorhergegangenenHusten heft~ge H~mop~o~, so dass ohne fIustcn in Zwischenr~umen yon sin paar Minuten ein blundvoll hellen, wenig sehaumigea Blutes ausgespuekt wird, im Ganze,~ etwa 1/3--i/~ Litre. Dutch Auflegen elner Eisblase auf die Brust wards der Anfatl be- endigt; doeh enth~t~ der Auswurf am 3. September immer ~oeh .Spuren you Blut.

    Der Austtuss aus dem Ohre, sow's die Ei~m~mg belder ~Vundeu dauert an. Am 4. September Mittags 12 Uhr effolgt e~n erneuer heJ~iger Aural! yon

    H~mopto~ ohne Husteu and ~v~hread desselben erfolgt (ler To& Die Section wird ~t) Stundeu na(;h ~em Tod~ ge~nacht. Der K~irper sehr stark abgemag~ort; am Kreuzbeln ~eiehter Deeubitus; in der

    rech~en Hin~ei~baeke eine 8 Ore. im Durchmesser ha.l~n4e mit grllnHehem Eiter- er- fiilt~ H~hle.

    Aus" dera Zinhen Oh,re fli~sst w~lw~nd tier Seetlo.~ e~e ~'e~c~lichs Menge sehr stark s~nkender~ schwSrzltch-btauner Fliisslgkeit aus.

    An der obersten Abtheitung der linken Selte deu ttalses in der ~mgebtmg des Unterkieferwinkels bls dicht an die ~inke Ohrmusehel reichend dehnt sich eine gro~se blau-gV.ine AnsehweIIung mit kleinen oberfl~ieh]iehen Absehlirfungen aus; in tier Iq~he des Un~erkiefers eine mlt ~erdfinnten ll~indern verseheae Oeffnung. o~ dieter aus gelangt man zu elner Liefgreifenden Zerst~rung des Gewebes tnde~ U~ t

  • 276 HOFFMANN: Uebe~' die Erkrankung des Ohree helm Abdomlnaltyphue.

    gcbung dcr ~ubma~lardr~se~ wclche wle fr~i pr~parirt erschelnt~ uad yon br~n- lloher Ubelrfechender FlfissI~keR umgeben |st. Auch die benaehbarten Geflisse~ Nervcn uad ~[uskeln sind vollst~adlg fret gelegt; ein k~e{ner Z~veig dee Arteria lingualls ist erod~r$ und drtrch ein missfarbigcs Blutgerlnnset geschlosaen~ ebenso finder sich neben der br~unllchen Ftiisslgkcit eln zlem|ich grosses missfarblges Blutge flannel in der durch die Zerst~rung gebiidctcn ]:l~hte. Diese erstreekt ~ich an der* Innenfl~che des Unterklefers in die H~he und dring~ neben der hlnteren Abtheilung der Zunge~ in einer L~inge yon 1~5 Cm. dureh den Boden der Mundhlihle in diese ein. Das Periost des Kz~oehens ist~ sowelt die H~hle releht~ ~ollst~ndig verschwun. den, der Knochen Lst freigeteg~ un~ an zwei Stellen berelts sehr rauh. Die Zer- st~rung ragt aussen nach oben bls zur Ohrs2eicheldrfise ~ welchc leicht br~iunlich gelb gef~rbt tat, w~hrend die Untel'kieferdrfi~e mehr griinllch erschein~,

    In der Mundh~hle and im Pharynx ist gleiehfaUs viel br~iunliche s~inkendc Fliis- sigkeit. Die Zunge noch stark ges~hwellt~ roth; die Sehleimhau~ des Pharynx und Oesophagus bla~s; die Umgebung der linken Tuba geschwellt~ die Tl~benmiindung often, nlcht verengt. Bei genauerer Untersuchung ergibt eh,?l~ class der bet der Section vorhandene~ oben erw~ibnte Au~fluss aus dem lin~e~ Ohre dadurch zu Standc gekommen war~ dass die brti~nliehe Fliisslgkeit aus der ~undhlihl~ dutch die Tuba in die Tromme|h~ih|e uu4 yon bier dutch das perforirte Trommelfell in den ~iusse~en Ge|fiirgang gelang~ war. Die Trommdh~hle selbst war norh erfdllt mit brttuntleh- eitrig-~auchiger Fliissigket L das T~omm~lfe~l ist vorn nnd unten dutch eine ztemlich grosse Liieke unterbrochen.

    Im rechten Ohre keine |rgend erhebliche Aenderungen. - -

    Oedem der we|then Hirnh~ute und des Geh~rn~. Lungengansr~n beiderseits. Htimorrhagisehe Typhusge~chwlire des Darms in grosset Ausdehnung~ heilwelse in Ueberh~iutung.

    In diesem Falle ha~delte es s]ch um e~ne offenbar yon der Mund- h~hle ausgehende Entziindung, we]che elnerse~ts zum Durchbruch des Bodens dcr Mundh~hle gefiihrt und grossc Zerst~rungen ]n desscn Umgebung veranlasst~ andrerseits sich dutch die Tuba auf das mhflcre Ohr fortgesetzt butte.

    II. J akob L in k~ Schuhmaeher aus Wii~ttemberg, 25 Jahrc a|t. Der t~atient kam nach drei~gigem Kranksein mit starken Fi~bererseheinungen

    am tl , Dezember !865 in das ]:l~ilfsspital und coHabirte in den n~chsten Tagen ziemlieh stark. AlhnRMig erholte er ~ich wiederum ein klein wenig~ nut wghrend der Naeht hatte er heftige Deliriea~ dabei |st er fortwR.hrenl ziemlieh schwerh~rig. Gegen t~nde December tritt grosse Sehmerzhaftigkeit an belden Ohren auf had am 27. Dezember entleert sich aus be|den eine relehliche blenge brauner~ sta~k sttnkender, janehlger F]fiss~gkeft. In den nun foigenden Tagen bessert sich das kllgemelnbefmden merklich, w~thrend der Obrenaus~ass andauert~ jed0eh alhnghlig eln mchr gelbes eitriges Ansehen annlmmt. Untcr Zunahme des Ohrenausflusses versehleehtert sich das Allgemeinbefinden gegen den 10. Januar hin wiederum merk- Itch, Decubitus bildet sioh aus, die Respiration wlrd ersehwert; gegen MitteJanuar tritt b~iderseits Di~mpfang und bronch~alcs Athmen auf. Die ~tchte verbrlngt Pa- tient nun sehtaflos unel ~iusser~t unruhig. Am 17. uncl 18. sind di~ Sputa dunked, aitrtg, libelrlechc~d; am ~9. liegt Patient in Agent% Abends ~ Uhr erfolgt tier Toc~.

  • HOFFMANN: Ueber dls Erkrankung d~ Ohres beim Abdominaltyphus, ~"~

    S~ction naeh 18 Stunden. $cMidelh5hle: Das Seh~deldach yon mittlerer t)ioke~ die weichen Hirnh~ute

    le~eht ~demat~s, etwas getr[ibt, doch nirgends in irgead starkem Maasse. Die Seiten- ventrikel nicht ausgedebnt. D|e Gehirnsubstanz ziem!ieh feat, feueht~ blutreich.

    Geh~rorgan : Die Paukendeeken sowie dle ~ Pa~$es mastotdeae belder Eehl~fen- beine slnd yon grfinliehem Ansehen, die Nervenbtindel im Porus aeastieus internus sinister, stark gerSthet, mlsstarbig, reehts nlcht so ~uffallend. Dis Knoehensubstanz ist iiberall sehr m~irbe, Die Paukenh6hle Jst fast vellstKndig erfiillt mit grfin]iehem, missfarblgem~ sehlelmlg-zahem Eiter, dertheilwelse mit Blut vermengt ist und einen intensiv fau!|gen Gerueh besltzt; mit dcr gleiehen eitrlgen Masse sind beidersefts die Zellen des Knoehens erfiiIlt. An der OberflKehe der Paukenh~ihle haftet die grfildiehe~ sehlelmig-eltrige Masse zleml|eh lest. Dis Geh6~knSchvtehen ze|gen bel- derseits keine Lagever~nderungen. das T~'ommelfeU der linken Seite ist yon zwei fiber steeknadelkopfgrossen Oeffnungen durehbohrt, das TrommelfelI der ~'eehtenSeite besitzt fi2nf Oeffnungen, welehe in der Umgebung des Hammergriffes ]iegen und deren R~nder gewulstet erseheiaen. Der Caaalls nervi faciaHs ist beiderseits unver- letzt, doeh ist, namentlieh links ~tlirker~ der Nerv in demselben weieh, stark dureh- feuehtet, m~ssfarbig. ~ Auf belden Seiten ist die Wand des Kusseren Geh~rganges mit starkem Sitberniedersehlage belegt.

    Die Sehleimhaut des Pha~'yn~ und des Kehtkopfes sehr stark get'tither, das Ostium pharyngeum tubae verengt~ bier die Sehleimhaut sehr stark gesehwdlt. Ltmgengangrgn mit ausgedetmtem Oedem. ~ Colontyphus. - - Sehr starker Mild- tumor. Hufeisennlere~

    An diesen Befund schliess~ sich ein weiterer Fall an:

    IlI. Barnabas Hoh ler , Tagl~hner aus Aargau, 33 Jahre alt. Naeh 48tRglger, hoftlger typh~ser Erkrankung, in deren Verlauf auf der linken

    Seite Sehmerzhaftlgkeit in der Umgebung" des Ohres auflrat, erfo]gte der Ted. Wenige Tage vet demselben war elne eitrig-j~uehige Fliissigkeit aus der itusseren Geh~r~ffnung entleert worden and damit hatte die Sehmerzhaft~gkeit naehgelMsen.

    Bei der ~ectlon fund sieh gteiehfalls Lungengaagr~n, starker Milzmmor, tief- greifende Gesehwiire des /]eums, Coeeums und Colons.

    Eeh~delhShle: Das Seh~deldaeh d~nn; die venSsen Sinus sehr stark mlt Blur erfiilit~ und die Gef~sse der Dura mater reldatteh injielrL Aueh die oberfl~iehliehen Gehirnveuen stark angefiillt, die weiehen HirnhRute sehr stark durehfeuehtet, die Seitenventrikel erweitert nnd m|t reiehlleher Fl~issigkelt erfiillt.

    An der Oberfl~ehe tier be.;den Sehl~fenbe~ne, namentlieh stark ,linka, zwlsehen tier Eminentia areuata m~d Seh]~fense/auppe~ al~o ia der ganzen Ausdehnung der Paukendeek% blauroth durehseheinende Stellen. Beide Paukendecken sehr diinn and mfirbe. Die Paukenh~hle lin~s erffillt mit b]anrother jauehig-eitriger Flfiss~g- keit, nach derem Abspfilen man die GehSrkn~Sehetehen nooh in normMer Lage sieht. Das Tromrnelfell innen etwas aufgeloekert, mit der br~unliehen Masse fiberzogen, an der unteren Abthoilung ein: steeknadelkopfgrosser Substanzverlust mlt aufge- loek~ien RRndem. Die U.ellulae mastoedeae gleiehfalls erfiUlt mit tier ettrig-jauehi- gen M~se.

    RecMs finder sieh eln iihnlieher, jedoeh nieht so dunkler Inhalt in der Pauken- h~hle, der aueh nicht so weir in die Cellu~ae rnastoideav vorgedrungeu ist. Das Trom- fae~Cett ist erhalten, jedoeh gleiehfalls ~n seiner Innenfl~ehe etwas aufgelockert.

  • ~78 HOFFMANN ' Ueber die Erkran'kang des Ohres beim kbdomlnaltyphaa.

    Bel den drei vorstehend beschricbenen Fallen yon EntzUndung des mittleren Ohres war es nieht nut zu einem Weiterschreiten der Entziindung auf die Cellulae mastoldeae und dadurch zu elner ent- ziindlichen Maceration des WarzentheiIs gekommen, sondern gleich- zeitlg war aueh elne mehr oder wenlger ausgebreitete Zerstiirung des Tromrnetfelles erfolgt. :~flt dem Auftreten dieses Durehbruehes war jedes Mal eine momentar/e ~{ilderung der Erscheinungen anfgetreten, die jedoch in allen F~tllen nut kurze ZeSt ang'ehal~en hatte and dann wieder yon einer Stelgerung gefolg~ worden war. Niehtsdestoweni- ger ist im Allgemeinen der-Durehbrueh des Trommelfelles als eln giins~igeres Zeichen anzusehen, da die Eiterung naeh demselben meist einen besseren Charakter annimmt und dot Behandlung leiehter zu- gii.nglieh ist.

    Ungteieh sehtimmer ist es, wenn neben den Knoehenr~umen und dem TrommelfeIle such noch andere Theite ,con der Entziindung der Trommelht;hle in Mitleidensebaf~ gezogen werden. Es k(innen dann neben der Geh~irsttirung' aueh noeh andere Funeions~nderungen aug treten. So haben wir oben be~ Fail Link gesehen, dass die Nerven- biindel im Porus acustieus internus bereits stark gcr~thet and miss- farbig waren und dass links sich aueh der Nervus faeialis innerhalb seines Kanales durehfeuchtet gefunden hat. Es zelgt dies sehon eine der ~(igllehkelten ~ dureh welehe weitere St~irungen veranlasst werden k(innen. Diese Entziindungen u~d Maeerationen k~nnen namlieh Lab: mungen ira Geblete des Nervus facialis veranlassen. Allein es kann aueh eine Fortleitnng dee Entziindung auf das Gehirn resp. seine Hiiute hin stattfinden and lag nach der Beschatt~nheit der Nerven- biindel am Porous aeustieus internus die M~gliehkeit selcher Veri~ade- rungea Sehr nahe.

    Beide M(igliehkei~en, n~tmtleh elnerselts die Liihmung im Gebiete des lqervus facialis~ andrerseits die Fortleltung der EntziindUng auf die Hirnhaute wurden jedoeh in keinem der drei mitgetheilten Fiitle beobaehtet. Dagegen land slch bei dem vierten yon mlr beobaehteten Fall yon :Pexforation des Trommelfelles wirklieh w'ahrend des Lebens Li~hmung im Gebiete des Gesiehtsnerven.

    IV. Jakob i ige l in : Landmann yon Riehefl, 37 Jahre alt. Patlen~ ward% nac~tdem er berei~s fiber drel Woohen zu itause krank ge~eg'ea

    hatte, am 1~, November 1865 in das Spi~al aufgenommen. :Er ts~ ~usserst sohwaelz, abgemagert, ollablrt~ husllet viel; haf; starkes, lleoeoeeslgurren und bedeutend ver- grlisserte Milzd~nofung, die 8imme ist zuweilen reales, der Kehlkopf bei Berfihr- ung sehmer~haft, die Teml~eraeur rzlissiff hoeh. Aueh d4e Umgebung de~ rechtea Obres leicht sohmerzhaft~ das GehSr sehlech, Am 2Z November atellt sieh Eiterau~.

  • HOFF~tANN~ ge, ber ,~iq Erkrankung de, ObOes beim Abdominaltyphus. 2~9

    flus a~ ~er~ r~ehZe~ OA~e e~n~ ohne dass die L~gelmng desselben noch sehmerz- haft ist, gh dles~,r Zeit "steigt die Temperatur .der Aehselh~ihlc auf ,40~2 o C. De~ Eiterausfluss aus dem reehten Ohre dauert an, am Iinken Ohre werden kelne be- sonderen Erscheinungen beobachte. AIimi~hlig wird das Sehlul~en bes~hwerlieheh die Seh:merzen. in tler Halsgegeud nehmeu betleutend zu; die Gesiehtsm~s~ln zucken und werden ~uB'~ Thei~ dauernder ver~ogen, Gegen den 10. December hin bei verhlilt; nissm~issig niederer Temperatur (Tagesschwankung zwlseben 37~4 und 39~00 C.) tre- ten Delirien auf. ~Der lgnke Mundwinkel ~st nach oben gezogen, Tabakablasen reehts, die rechten A~igenlttler unbeweglich, Keratltis t~itt auf ; dabel reagirt die llnke Pu- pitle normal~ die Zunge wlrd ziemlleh ~erade herausgestreekt. Unter Fortdauer der LRhm~ngserseheinungen und bel zv, uehmender Sehw~che effolgt am 13. December M0rgens 4er Tod~

    Sectlo~. nach 41/2 Stunden. Abgem.agerte Leiche. Am Ansatze der linken Ohrmusehel ein kleines nieht sehr

    fief greifendes Gesehwiir der Hant. DieOonjunetiva des reehtenAuges mit gelbemj eitrigem, eim;etrocknetem Belege ~ersehen: die Cornea vollst~ndig yon einem grossen, an einez Stelle perfbrirenelen Gesehwilre eingenommen.

    Kogf. Das Seb~deldaeh dlinn~ leicht trenvbar. Jim Sinus longitudtnalis sehr Wenig Blur. Die weichen FIirnhiiute, nameutlich reehts starker, getrllbt, stark ser~ ~h~rc.bf~nc~hiet~ die Seltenventriket stark erweitert~ enthalten ~iele ser6~e Fliissigkei~. Die Gehirnsubstanz lest, feueht~ m~.sslg blu~reieh.

    Das Felsenb~.iu ~inT~s i4nsserlieh ohne merkliehe Ver~nderung~ die Trommelh~hle zum Theii err||lit mi~ ~'hem grauem SehIelm, Geh~irkn~chelehen und Trommelfeil ohne erhebHcheYer~inde~ungen. - - Das rechte Felsenbein besitzt eine r~ithli~h gelbe F~rbung SeiZer diinnen Paukencleeke. Die Tremmelh~h~e |st mi diekem~ zi~hem, gelbem Etter ziemlieh vollstgndlg erfiillt~ am Boden der TrommelhBhle finder sich ei~ kIei, nes~ dunkles Blutgerinrsel. Der C._~alls nervi facialis ist un seiner Umbtegung~tell$ he.ben der ~enest,ra ovalis dnreh ein stee~nadel~oTfgrosses Loch gegen d& Trommel- h6hle bin erbffnet and mi~ griinlieh-gelbem Eiter beleg~ der jedoch nlcht bis zum P0rus aeustieus internus vordringt. Der Nervus facialis grfinlivh miesfarbig~ weigh. Die vorderst% der Trommelhiihle zunRehsf, gelegene Abtheiiung tier Cdka:lae mastb~- deae gleiehfalls mit grliulleh-getbem Eiter erfiiltt. Dan T~'omm@fell tat fast, vo]l~ sti~adig zerst~irt~ der Hammer fehlt, der Ambes ist herabgesunken ~ der $teigbiige.l noeh ziemlich in seiuer Lage. - - Die Sehleimhaut des Sehlundes biass, an tier dem Kehlkopf zun~ichst ge]egenen Stelle links, dieht unter der Tonsille eine ziemlich 6rosse nicht schr tier greifende Gesehwiirstelle mlt leieh~ sehorfigen R~tndern, nahe der vollst~ndigen Reinlgung. 'Die hi~tere Wand~ namentlieh der Eingang der be|- den Tuben fret leieht gerBthet.

    Hal~o',:qane. Die J~p~lott,$s |st fast vo~st~ndig zu elnera ~leh~en~ die~n~ ne~ra~ ~isehen Scho~'fle umgewandelt, weleher i~ der Abstossu~g begriffen ist. Um 4iese~ Schorf herum befincle~ sleh eine ziemllch gx-osse Gesehwfirste]le, in der Reinlgung. Der Ligg. ary-epiglottica stark geschwellt~ (idemaiis ;der hinbere Ansatz des linken $tlmmba~-}des zerstBrt ~lureh e~ tlefgrelfendes Gesehwilr, ar~ dessen Grnude der Knorpel freilieg~ wiihrgnd einige neerotls~he Knorpelstiiekchen veto unteren Thetl des Giesbeckenknorpels abge~tossen sind. Die iibrlge Schleimhaat des KeIdkopfs~ ~(iWig die ~er Luftri~hre blass; beideOrgane mit sehaumlgem SchIeim erfiillt.

    LungeMnfarkt,'e t)eiderseits. - - Her~de'generat~on.. Mitztumor. ~ Pigmenth'ie Plaques des I]e~ln~ ~nd fliph*heri~ische Entziind~ng der ]:)i,ekda~'m~bleimt~a~rt.

  • ~80 HOFFMANN: l~eber dle..Erkr~.nkurtg ~ des, Obres betra Ab~lomlt~l~phus;

    Yergleleht man bei ,diesem Falte die Krankengesehlehte mit dem Sectionsbefuude~ so 'kommt man etwa zu dem folgenden Bitde iiber den Verlauf 'der Affection,

    Die typh~se Affection hatte zuniichst elne hehigctrc Entziindung in dernSchlunde und an dem Kehlkopfe veranlass~., die dart ~6 einem ausgebreiteten Geschwiire neben dem Kehlkopfelnga~ge~ zu einer voil- st~ndlgen Zerst~rung der Epiglottis und zu elner tiefen Geschw[ir- bildung an dem hinteren Ansatze des tlnken Stimmbandes mit der Zeit gefiihrt hatte. D[ese Processe hatten schon ziernlich friihe Piatz gegriffen, denn berelts bei der Aufnahme des Krankeu zelgte die Kehlkopfgegend elne, sehr grosse Schmerzhahigkeit. Von diesen Affecti6nen aus setzte slch d~e EntJz~adung gegen die Trommdh~hIe hln f~rt und veranlasste deft eine eitrige Zerst~rung derWeichtheile~ welehe zum Duret:bruehe und fast. zur vollst~ndigen Zers~rung des Trommelfelles Ftihrte. Dadureh wurden die Gel~hrkn~ehelehen aus ihrer Lage gebraeht~ tier Ilarmner ging vollst~ndig verloren und die Eiterung griff an der Eminentia pyramidalis anf den Canalis Faloppit/e tiber. Auf die erste Zelt, naehdem so die Ver~nderung aut~ den Nervus facialis sich fortgepflanzt hatte, i.~t wohl das erste kuft:reten yon St6runffen in sdnem GeMete zuriickzufiihren; man d~rfte dem- naeh n~eht atlzuviet t'ehl gehen, wean man diescn Uebertritt der Ent- ziindung in den Canalis facialis in den Anfang December verlegt, zu weigher Zeit die Zuckungen und dauernden Verziehungen der Ge- siehtsmuskdn zuerst beobachtet wurden und aus denen sich dann sp~iter noch wettere L~hmungserschemunxe,. heraus entwlekelten. Eine Fortsetzung der En~indung dutch den Falppp~sehea Kana] war direct bei der Section nieht naehweisbar~ da namenflict~ elne eitrige ~feningltis fehtte. Altein auffallend ist es cloth, dass sieh auf tier

    , wemhen Hirnhiiute sfitrker entwiekelt reehten Seite die Trtibuug der " hatte und :liesse slch daraus etwa sehliesscn ~ class die Entziindung doeh als eine yea dem Nervus taci~lis aus fortgeteltete zu betraehten sei. Damit stlmmen nu~r die Beobaehtungen wahrend des Lebens vollst~ndig tiberein, indem erst gegen den I0. December hi~, also nach dem Auftreten der L~hmungsersche~nungen irn: Gebiete des Nervus faeialis, Delirien beobachtet wurden.

    i[~ s~mmdiehen vier Fallen :zeigte alas innereOhr, namentlieh der Vorhof keine wesentliehen Ver~nderungen.

    Bei den s~lmmtlichen Seet[onen yon an Typhus Gestorbenen hatte ich keine Gelegenhcit, eine eltrige Meningltls zn baobaehten, bei wel- eher sie~h elne Fortteltusg veto hre aus hRtte nachweisen lassem

  • HOFFMANN: Uebcx dte E ankung des Ohres be'tin Abd~mlnaltypbus. ~1

    In neuerer ZeSt jedoch kam m~r sin Fall solcher Perils!tung auf d~s weichen tt]rnhRute vor.

    3r. H e r m i n e Z e u gl n ~ Fabr|km~dehen~ geboren Anfang 1855~ wurde in ihrem seohsten Jahre zagleieh mi~ Hautanssohlttgen yon Ohrensehmerzen befallen ; with- rend des Verhufs der Aussehliige vermtnderten slob die Ohrensohmerzen, alleln e~ trat allm~hlleh vermind~-te GebBrseh~rfe auf. Dabel war dleselbe abweehseInd besser uud wenlger gut~ jedoch niemals Lhf, rte s:m mehr mlt der DeutHebkeit, vile vor der ersten Erkrankung. In elner spK~eren Perlode~ etwa in ihrem 11 t Jahre, lltt sle I~ngere Zelt au einer Auschwetlung des ]inken gusse/'en Ohrs uncI namentlich des Geh~rganges, auf weIehe sin ~iemtich starker Ausfluss aus dem Ohre folgte; ~aeh- dem dleser voriiber war~ besserte sleh des Geb~r der Kranken ~n etwas wieder. Mit abwec, hse]nden, st}irkeren und geringeren GehSrstSrungen verlief die Zeit bls zum Sommer 1&68~ zu welcher Zelt sle in eine Fabrik als Arbelterin eintrat. Von da an ]it~;:s~e neben hie und da auftretenden Ohrenschmerzen h~iufiger an Kopfweh, welches namentlleh zu Ends October heftiger trod anhaltender wurde, doeh arbsitete sis .noch am ~ 2. November ; am 8. November war ~ie ausser Stands, zur Arbeit eu gehen, am 4. November trat heft~gee Erbrechen auf und am 5. November Morgens wurde ~rztHche Hiilfe gesueht. Der Arzt fend die Kranke mit heffigen Kopfschmer- zen behaftet und delirirend, die DetMen steigerten slch gegen den Abend hln und in der ~aeht effolgte der Ted.

    Bel der yon mlr 12 8tandea nach dem Toffs angestellten Section wurde auf Wunseh der EItern nur die ScMiddh6~le er~ffnet, welehe den fo]genden Befund ergab.

    Des 8ch~dvMach leic.ht ~rennbar~ sehr b]utreieh. Dic ven~sen R~iume der Dura mater, some die oberfl~iebJiehen Gefgsse des Gehlrns sehr stark, theHs rult flfissigem, the~ts mlt geronnenem BIu~e erf~illt. Die welchenGehirnh~fute sehr trockeu~ dle (~yri brei% finch. An mehreren ~tetlen~ namenfllch stark in der Umgebung des Suteus longitudinaIis belderselts, sowie an .der Seitenfl~ehe der Huken Hemlsph~re s]nd die weichen I~[ixnh'~u~e sehr stark getrfib~ und bes~tzen elne E~n]agerung veil gelbHch- sulMger Masse. Beim Durcbschneiden des Tentorium eerebelli entdeckt man l~nks gegen die Bas~s der Sch~delhShle bin e~ne gsringe Menge dicker~ ri~thlleh-gelber~ eltr!ger ]~liissigkeit, welche vorzugswelse :stark gegen den Porus aeust~eus Jntervus bin angesammelt isL :In der Umgebung dleser Stell~ lest bartender eitriger Beleg d~ Dura mater, die Nervl fae~aHs und aenstleas dleser Sclte~ sowelt sis innerh~Jb ~ler Seh~delh~hle liegea~ ~hr tei~h~ zerreisslich, welch und mac,~rir~.

    n de r Basls des Gehirns, namenflleh in der Umgebung des Tuber elnereum und gegen die Br~ieke bin starke Trfibnng und gieiehfalls getbliche snlz~ge Eiu- lageruug wle auf tier HBhe der l~nken HemlspMire. Die Seltenventrlkel nut wenig erweitert, dagegen die Plexus chorloidel sehr stark getriibt~ geIblida. Die Gehir~- substaaz fetteht, lest. sehr blutre~eh.

    Der ~,ussere GehSrgan9 der rechten Selte enthle!t nut elne verh~ltnlss~iss]g geringe Menge yon Ohrenschmalz, welchem Memlieh vlet Ep~dermissehi~ppdhen ben gemengt slnd. Z4.nk~ ist die A~nsammlang des Ohrensehmal~es bedeutender, dle Masse selbst ~tockener und lleg~ namentl~ch mehr der vor~eren Se~te de~ ~usseren G~h6rganges an, den sis fast ~ur H~ilfte seines Lumens ausffillt.

    Naeh Herausnahme des ]inken Felsenbeines ergab die genauere Untersuehung des itusseren Geh~rganges sine ziemlleh st~rke R~tbung der gesammten inneren

    Archly fi Ohreaheilkunde. IV. Bd. 19

  • ~82 HOFFMANI~t ~ Ueher.dlo Erkrankung des Oh~sl~e~m/tbd~nina~pllu~

    Auskleidung, ~edoeh ohne ~velter t~efere Ver~dcr~mgen. Die ~tussere FIKehe de~ Trommelfdles war gelblieh weiss, nlcht gt~nzend, etwas in den Geh~xgang her vor- gewSlbt, nirgends eine Verletzung wahrnehmbar. Die PaukenhShlen~leeke leieht gel;Sthet~ die _Paukvnh6hle selbst ~ollst~ndJg erFtiUt m;t eingedlckter eltriSer Masse yon Syrupoonsistenz unfl gelber, leieht in's Grfinliche sCleinender Farbe. Nach veil- st~ndlgem Ausspiiten dieser Masse unfl Abpinseln der Wa~dung erseheint die inuere Aupkleidung der Paukenh~hlej namentlich aueh die ]nnere Befleekung des TrommeN felles verdickt. Die Masse erfiillt, ebenso die Cell~lae ma~to;deae unfl dringt in die' 2~b~ ~EusSaehi~ eln, jedooh kau m his fiber den kn~chernon Theil derselben. Welter naeh aussen ist die $ehleimhaqt tier Tuba stark ger'dthet und gesehwellt mit mehr weisslieh sehleimlger Masse bedeckt~ Die Geh6rkn~che~ohe~ liegen vollstRndig in ihrer Lage. Die ~embrana tympani secundaria erhaltert. Die Oeffnung an der SpRze der Eminentia stapedii ist auffallend welt, so dass man mlt e~er verh~ltn]ssrn~lssi~ dlaken Nadel "i n sie eindrhage n kann; dieSehne des M. stal~edlus fehlt und flas Innere. dot Eminentia stapedii ist erftillt mit. br~unlieh grauer faseriger Masse. Der anlie- gend ~ervt~ faeialis ist e~was getriibt~ gelblleh~ welch. Von bier aus liisst sieh dutch den gesammten Kaual his ~um Porus aeustieus internus bin und eine kleine Streeke each abw~rts eine ~hnltehe Bes~haffenheit des Nerv. faeialfs verfolgem. Nirgends jedoeh finder sieh im Kanal wirkliche eitrige Masse. Die mikroskopisc~he.Uuter~ emehung co~stattrt in der Umgebuag des 1%teen nebea bindegewebigen Zfigen elne geringe Zahl yon Lymphk~rperehen~ flagegen eine sehr gros~e ~enge 'k~raiger De- tritusmasse, der Nerv selbst zeigt wesentliehe Ver~nderungen nieht,

    In diesem Falle war die Fortleitung der Entziindung yon dem mittleren Ohre aus in vollst~ndiger Continuit~t his zur Sch~delh~hle, entlang dem Canat]s Faloppiae zu verfolgen und erg'~tnzt dieser Fall s d~her den vorher mitgetheiRen Befund.

    Es sind meiner Meinunff nach zwei ]F~iUe constat~rter Fortleltung- der Entzi~ndun 9 veto mittleren Ohre aM z~tr ~c~iddhuhle dstrch den Canalls Faloppiae hlermJt gewonnen.

    Von den drei zuletzt betraehteten F~llen zeigte nur elner, niim. lleh der FaU Vsgelin, bedeutendere Ver~inderungen des N. facialis selbst~ so dass schon wiihrend des Lebens StSrungen selner Functian beobachtet werden konnten. Ob bei dem ietzten Falle, Hermi~e Zeugln 7 auch w~hrend des Lebens s01che St~rungen vorhanden waren, konnte bei der mangelnden ~rztlichen Beobaehtung nleht constatirt ~ werden. Immerhln scheint es, dass, wenn solche vorhanden wares, sie nicht Sehr auffallend gewesen sind~ und glaube ich daraus sehlies- sen zu diirfen, dass die Forfleitung der Entziindung an dem Nervus faeiaIis her nieht nothwendig mit FunefionsstSrungen in seinem Ge- bie~e verbunden sein muss.

    Wit haben bei der vorstehenden Betrachtung gesehen, dass des Vorhandensein einer bedeutenderen Entztindung des Mittelohrea in viclen Fiillen zuers~ c onstatirt wird dureb-Eiterausfluss aus dem iius-

  • HOFFMANN: Ueber die E~krankung ties Ohre~ l~e|m A~dom~na|typ~us~ 283

    seren Ohre; ja v]ele Aerzte denken be~ e~nem ]~]terausflusse aus dem ~tussereu Ohre steCs an e~ne Perforation des Trommelfel]s. Dass ~ d]ese AUffassung elne ~rr~ge ]st, ist allen Ohreni~rzten bekannt, und aUdi vo Tr~lt~eh erw~ihnt dieses Vorkommens be] verschledenen Affcetionen, ~ie z. B. bei dem Furunkel des Gehiirgaages*). AUein gerade belm Typhus kommt Eiterausfluss aus dem Ohre aueh noeh aus anderen Ursaehen zu Stande. Bekanntl~ch ist die Entziindung der Ohrspeiehel: driise im Typhus iifters vorhanden und schon V~rclww**) hat darauf aufmerksam gemacht, dass Parotitiden in den Gehiirgang dnrehbre- chen und Eiterausfluss ~eranlassen kiinnen. Der Durchbruch ertblgt ~ew[ihnllch an derVerb~ndungsstelle des lmorpeligen ~ den kniieher- hen Geh~irgang. Ein solehem Fall kam m|r im Jahre 1865 zur Section.

    ~. Leo ~e lc rmuth~ Kaminfeger von'Zelningen, geboren t845~ wurde am 9/October 1865 in das Spltal aufgenommen, nachdem er bereits 14 Tago 'vorber heftlg an Typhus erkrankt war. Unter heftlgen Fiebercrscheinungen und be~ ciner Abendtemperatur, welche sich meist nahe an 400 C. hielt~ ~rat am 18. October clne ~~arke Geschwulst in der Gegend der Unken Ohrspeicheldriise auf. Am 19. stelgt ilie Abendtemper~tur auf 40,2. Die Geschwulst nimmt in den n~chsten Tagen noel an A~sdehnung zu und beginnt zu fluctuiren; am ~3. Abends wird eine Incision gemaeiat~ beiw~lcher ziem]ich relchlichE~ter ausfliesst; alleln gtelehzeitigwird Eiter- austiuss aus dem ~,~seren Gehi}rgang beobachtet. Der Eiterausfluss dauert reic]alieh ~m, der Kranke befmdet sich fast anhaltcnd in soporOsem Zustande und stirbt am' 29. October Morgens 1 Uhr.

    Die-8~ct/on ~/rd ~ach 11 S~unden vorgenommen und ergibt das fo]gende ]~esultat:

    Aeuss~r~" Be/und. Sehr starke Todten.~tarre und ausgedehn~e diffuse blaurothc ]~Krbung so~vohl an der'RiickflKehe wio an vlelen Stellen der ~rorderfl~che des K~rper~.

    JBrusth~hle : Beide PIeurah~hlen frei yon Fliissigkelt. Beige Lu~Fen durchsetzt yon einer gr~sseren Zahl klelner~ derbcr, melanotlscher Knoten, welche scharf~um - l~rKnzt in das sonst lufthaltige Gewebc ~ingelagert sind~ dleses ist in den abhKngigen Parthieen ziemlieh stark ~demat~s, blutrelch. An der vorderen Perlpherie des oberen ]5apl~ens rechts ilndcn sich mehrere erbsen- bis kir$cl~grosse keilf~rmige Hcerde, "~elche auf der Schuittfl~iche lest granulirt, zum Theil dunkelroth~ zum Theft bereits entf~bt~ ersc[~nen und in beginnender Abgri~nzung begriffcn sind. Den letzteren Stellen entspreehend finden sieh fibrin~se Pseudomembranen auf tier Pleura.

    Das Herz ist schlaff, die Museuiatur braungelb~ abgeblasst~ mfirbe; dicI~lappen ohne bedeutenctere YerKnderungen; ira ]inkeu Ventrikel wenig Blu~gerlnnself rechts dieselben ziemllch relch]ieh, theilwelse fest eingefilzt.

    ]~auchh~hle: Milz wenig vergr~issert~ sch]aff~ Kapsel gerunzelt~ das Gewebe sebr welch und morsch mit kleincu mehr h~morrbagischen Stellen durcbsetzt. ~ Die

    *) 81ehe Lehrbuch tier Obrenheilkunde 4. Aufl. 1868 p. 84 u. fro **) CharitC-Annalen t858, ~Dio acute EntzUndung der OhrBpeloheldrlls~ ~,

    19

  • ~84 HOPFMANN : Ueber die Erkrankung des Ohres betm Abdomlnal{yphus.

    156b~ gros~ sohlaff aber z~he~ das Paren~hym auf der Sehnittfi~iehe Mass graugelb, mtt sehr geringen Andeutungen yon L~ppchenzelchnungen. In der Gall~blase eine: gerlnge Menge ztlher dunkelgriiner GaUe. Die Ba~chspeleheld~'i~se gross, yon sehr fester Gonsistenz~ 3e~m Einsehnetden stark kniwehend, b~assgeZb. ~ Die Mesvn~eia~.. drgsen stark geschwellt, anf dem Dumhsehnitte grauroth markig. ~ Im oberen Theile des ileums die Schleimhaut stark injieirt. Etwa ill/2 Meter oberhalb der Kiappe beg i~n die r SchweRung der Peyer'schcn PIaques~ die jedoch ~erhRltnissm~sslg ge~ rlnge F~rhebunffen (terse]ben ~iber (~ie SeMelmhau~ober~iche beding~. Nach abw~irts die Er~ebungen etwas starker~ in der unteren Abtheilung d~s Iteuras punkff6rmige P|gment~rung der Plaques und nut dicht fiber der Ktappe e~n k~einer SubsCanz- vertu~t mlt elnem kleinen anbilngenden Schorfe. - - Au~h im Anfangstheile des Coe- cures ein linsengrosser Substanzverh:st mlt versehofftem Grunc]e. ~ Belde ~even yon r~i~tlerer Gr~sse~ Kapseln gut trennbar~ Pa1~enchym b]utre~ch, Pyr~mida|subs~anz gvauro~ ~or~ikalsubs~anz r~hlieh-graa stm'k gatrfib~.

    Kopf : In, der ltnken t~aro~gegend find~t s~eh elne ausqedehnte Zer~tS~n~. Yam ~.~c~,~e~ ~eh6rgange an bi~ ~,~m Unterkieye~winkel ~4nd gas Unterhaut~el~ge~veS~ die t~az~en und g~am Thei~ die Muscu~atuv yon ~it~r d~eht~z~k$ und in Seh~elzung beg~n. ~)~v .Dri~se selbat ersche~nt dutch ~r~ dutch dureh~6ehert~ yon ~ah~reivhen ~terkangiten durehzogen; die dar~n erhaltene~senk~rna~ sing zi~mlleh hart~ dun- kel~ grau!/db. Auch i~ den Anf~npan des ~Due~,~ ~teno,~anu~ ei~rlge tqTi~ssl~kelt. D~e vechte Paroti~ ist gesehwollen~ seh~ d~r5 'and har~ belrn ~nschV~den kni~'~chend, g~'augelb~ mit qnehr rStMichen ~telten~ else ~i umgebende Faerie sta~k gespannt. Ebe~- so s~nd die ~etden ubmaxgllardriisen yon ~ermehrtar Uonslstenz ~nd gvaugelber Farbe d~e ~in~e let an thrvr hinteren AStheilvmg dutch d~ J~iterung ,fa~t b~os~ gdegt und an die~ern Theile .~uten~v gdb. An de r Ve~biadung des knorpel~gea mi dem kniicher- nen Geh(irgang links vine mehrere Mm. ~m Durchmes~er haltende Perforat|on; das TrommetfelI vollstt~ndig intakt. Die weiehen Hirnhi~u~e leieht 6dema0is und nut w~alg getr~ibt~ die Seitenven~rikel kaum erweitert; die (~ehimsubs~anz ziemlieh fest, fcucht~ bluireich.

    Damlt slnd ravine Beobachtungen fiber die Ver'gnderungen des Geh6rorffanes belm Ablaufe der Typhu~erkrankung, soweit sic dutch die Section naehweisbar sind, g'esehlossen. ~ Wenn ich jedeeh die ver- hiiltnlssmSsslg geringen Resnltate iibersehaue, so muss ich bedauern. dass es racine Zelt nlch~ erlaubte, eine regelmiissige Untersuehung dlcses Organes vornehmen zu k~innen, da ieh die Ueberzeugung" hege, dass noch in vlelen Fallen, in welehen withrend des Lebens kelne hexvorragende St,;rung zu beobaohten war, dennoeh bei der Section manche Ver~nderung hiitte bemerkt werdcn k~tnnen.

    Basel, den 1, Mi~rz 1869.

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