Deutsche Industrie-Messe Hannover 1958 vom 27. April bis 6. Mai

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    15-Jun-2016

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  • Deutsche Industrie-Messe Hannover 1958 vom 27. April bis 6. Mai .Die I-Iannover-Messe gewinnt von Jahr zu Jahr an Be-

    deutung fur die Starkung des Gemeinschaftsgefuhls der freien Viilker." Diescr Satz, den dcr Bundesminister fur Wirtschaft, Ludwig Ehrhard, der diesjahrigen Hannoverschen Messe mit auf den Wcg gab, unterstreicht eine Entwidclung, die in den zehn Jahren des Bestehens dieser Messe immer deutlicher hervorgetreten ist: die Entwidtlung zur Aubenhandelsmesse, zu cinem echten internationalen Handelsplatz betont kom- merziellcr Pragung.

    Dies zeigt sich schon rein statistisch in der st indig steigen- den Beteiligung auslandischer Firrnen. 1950 kamen 46 Aus- steller aus 10 verschiedenen Landern, 1957 waren es bereits 497 Firmen aus 18 Landern und 19.58 nicht weniger als

    Ausscfinitt aus dem Freigelande

    606 auslandische Firmen aus 22 verschiedenen Landern. Wah- rend 1957 der Schwcrpunkt der Werbung in Obersee, in Afrika und Ostasien lag, war es diesmal Lateinamerika. Unter den zahlreichen Dclegationen aus allen Erdteilen ragte an Bedeutung und Umfang die Latein-Amerikanische Dele- gation hervor. Der Latein-Amerika-Wirtschaftstag am 2. Mai bildete einen dcr Hiihepunkte der diesjahrigen Mcsse. Er fand seinen festlichen Ausklang mit einem Abend-Empfang, an dem 600 von der Messeleitung und dem Ibero-Amerika- Verein geladene Gaste aus den Latein-Amerikanischen Staa- ten und der deutschen Exportwirtschaft teilnahmen. Hier sprachen u. a. Wirtschaftsminister Allred Kubel und Bundes- wirtschaftsminister Prof. Ludwig Ehrhard, wahrend der Bot- schafter von Uruguay, Ex. Carlos A . CIulow im Namen der Latein-Amerikanischen Gaste dankte.

    Eine andere interessante Entwidtlung des Aubenhandels ergibt sich, wenn man die Rangfolge der Lander ihrer Be- teiligung nach betrachtet. An erster Stelle stand diesmal rnit 120 Firmen Frankreich, gefolgt von Usterreich, England, die Schweiz, USA, Italien. Holland und Belgien. Das Vorrudcen Frankreichs symbolisiert das Vorwartsdringen der Lander der Europaischen Wirtschaftsgemeinschaft als Aussteller in Han- nover.

    Es sei in diesem Zusammenhang erwihnt, dai3 Frankreich vor allem besondere Anstrengungen gemacht hatte, seine Lci- stungsfahigkeit auf dem Gebiet der Elektroindustrie zu zeigen. Das rege Interesse der Besucher, die zum Teil Frank- reich nur als Hersteller von Luxusartikeln kannten, bewies den vollen Erfolg dieses Strebens. Es spricht fur den neuen

    PETTE - S E l F E N - A N S T R I C H M I T T E L 60. Jahrgang Nr. 8 1958

    europaischen Geist, wie er sich im Gemeinsamen Markt kristallisieren wird, dab die deutsche Elektroindustrie ihre franziisische Schwester keineswegs als Konkurrent empfand, sondern den geschaffenen Kontakt nur begrubte.

    Es sicht ganz danach aus, als ob sich der internationale Charakter der Hannover-Messe in den kommenden Jahren noch verstarken wird. Es wurden bercits Wunsche fur eine weitere Vcrgriiberung des Ausstellungsraumes fur auslandische Aussteller geiubert. Darunter befindet sich unter anderem auch Polen.

    Zahl der Aussteller, sondern auch die der Besucher aus dem Ausland - wie ubrigens auch aus dem Inland - stellte einen Rekord dar. Besucher aus etwa neunzig Landern waren gekommen und keineswegs nur um zu schauen. Denn die geschaftlichen Erfolge standen denen der letzten beiden Jahre nicht nach, obwohl im Zeichen einer vorhandenen Konjunkturdampfung die Erwartungen mancher Aussteller ohne Zweifel weniger hoch gespannt waren. Aber vcrschiedene durch die Gesellschaft fur Marktforschung im Auftrage der Messeleitung durchgefuhrte Befragungen zeig- ten, dab ctwa 90/o der Aussteller den Messeerfolg rnit gut bis befriedigend beurteilten, wahrend ein Viertel der Aus- steller sogar besserc Erfolge als im Vorjahre melden konnte.

    Wenn man einen Gesamteindrudc auf technischem Gebiet geben wollte - soweit dies bei der ungeheuren Vielfalt des Gebotenen uberhaupt moglich ist - so konnte man sagen, dab diese Messe und vor allem die auf ihr stark vertretene c h ern i s c h e I n d u s t r i e im Zeichen der kunftigen Atom- Industrie stand. Dies klang auch aus der Rede des zum traditionellen Presseempfang gewonnenen Prof. Dr. Balke, der allerdings nicht in seiner Eigenschaft als Atomminister, sondern als Vizeprasident des Verbandes der chemischen Industrie sp rah . Er betonte auch den chemischen Charakter der Atomwirtschaft, die ein Kind der Chemie ist.

    Aber es ware verkehrt, wenn man uber den bedeutsamen Ausblidten der Atom-Industrie die tausendundein Spitzen- leistungen der Chemie vergessen wurde, von denen die chemische Industrie in Hannover wie alljahrlich ein impo- nierendes Bild gab. Rein optisch standen in der Chemie- halle wieder die K u n s t s t o f f e im Vordergrund. Das In- teresse konzentrierte sich vor allem auf neuartige Kunststoff- Erzeugnisse und -Anwendungen, auf losungsmittelfreie Kunst- harzladce sowie Klebemittel fur Kunststoffe. Besondere Er- wahnung verdienen Grobbehalter aus Polyathylen und glas- faserverstarkte Kunststoffe, sowie die fur Innenarchitekten und Mobelbauer wichtigen dekorativen Schichtprebstoffe.

    Auch die E I e k t r o i n d u s t r i e , deren Glanzpunkt das kubische Haus der Elektrotechnik ohne Fenster und nur mit kunstlichem Licht war, stand im Zeichen des Atoms und der Automation. Die AEG, deren Jubilaum die Bedeutung der Elektroindustrie no& besonders unterstrich, zeigte u. a. das Modell eines Atomkraftwerkes mit einer Leistung von 200000kW, das eine Stadt wie Munchen mit Strom ver- sorgen konnte. Aber neben derartigen Riesenprojekten ver- nachlassigt die Elektroindustrie die bescheidenen Haushalts- gerate nicht, deren Anteil an der Elektroproduktion in den lctzten Jahrzehnten auf 35 O/o, also mehr als ein Drittel, gestiegen ist.

    Im Konsumguterbercich dcr Elektroindustrie lag eine aubergewohnliche Nachfrage des Auslands fur Fernseh- und Phonogerate sowie fur Schallplatten vor, wahrend das Inland sich mehr fur arbeitsparende Haushaltsgerate interessierte. Auch Schaltgerate, Steuerungsanlagen, Mebgerate u. dgl. fanden viele Kaufer. Bei der Elektroindustrie kann von einer Konjunkturabschwichung nicht die Rede sein. Ihr in 1957 erzielter Umsatz von 14 Milliarden DM wird dieses Jahr wahrscheinlich sogar no& verbessert werden kijnnen, wozu Abschliisse in Hannover und Nachfolgeauftrlge nicht wenig beitragen.

    Nicht nur die

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  • Die E i s e n - u n d S t a h l - I n d u s t r i e war in gewohn- ter Weise auf dem Freigelande vertreten. Die grogen Firmen der "Stahlstrane" crfreuten sich des besonderen Interesses der sowjetischen Delegation, die unter Leitung des stellver- tretenden Ministerprasidenten Mikojan stand. Unter den vielen bemerkenswerten Leistungen, mit denen die deutsche Schwerindustrie hier aufwartete, sei nur einc Presse von 7500 to der I'hocnix-Rhcinrohr erwahnt, die Bleche bis zu 250 mm Starke biegen kann. Bei fast allcn Firmen der cisenschaffenden Industrie wurde cine Reihe von Abschlussen vorbereitet, und bei manchen Firmen wurden sehr wesent- liche Abschliisse gebucht.

    M a s c h i n e n b a u - I n d u s t r i e so- wohl in den europaischen Industrielandern als auch in Obersee nach wie vor ein regcs Invcstitionsinteresse feststellen, wenn aueh die Kaufcr wihlerischer und die Vorverhandlungen harter geworden sind. Wahrend viele Jahre hindurch im Maschinengeschaft die Frage nach den Liefermogliehkeiten und -fristen im Vordergrund stand, spielen jetzt mehr und mehr die Preisc und Zahlungsbedingungen eine entscheidende Rolle.

    Sehr zufrieden mit dem Messeerfolg war die f e i n m e c h a - n i s c h e u n d o p t i s c h e l n d u s t r i e , die rnit rd. 200 Firmen vertreten war. Fast 100 derselben hatten in Halle 5 ausgestellt, wahrend die iibrigen, entsprechend der Viel- gestaltigkeit ihrer Erzeugnisse auf 10 verschiedene Hallen verteilt waren, wobei sich in Halle 1 7 ein besonderer Schwer- punkt gebildet hat. Es fie1 hier auf, dad weniger Besucher aus Ubersee, besonders aus USA, erschienen waren, dafiir aber relativ mehr aus dem vorderen Ostcn.

    Hiermit haben wir nur ein paar der wichtigsten groDen Industrie-Gruppen herausgegriffen. Die die Leser unserer Zeitschrift vor allem interessierenden Erzeugnisse verteilen sich auf eine sehr grode Anzahl Firmen, die den verschie- densten Branchen angehijren. Was es hier im einzelnen an Neuentwidtlungen und Verbesserungen zu sehen gab, haben wir in den anschliedenden, nach Firmen geordneten Kurz- berichten zusammengestellt.

    Auch die konnte

    Zum SchluB darf die L u f t f a h r t - S o n d e r s c h a u auf dem Flughafen Hannover n i h t vergessen werden. Die junge deutsche Luftfahrt-Industrie trat damit wohl zum ersten Male nach dem Kriege mit ihren Erzeugnissen an die Uffentlichkeit. Neben den deutschen Nachkriegs- und Weitercntwidtlungen, wie die Do 27 oder die KL 107, erregten vor allem deutsche und auslandische ein- und zweimotorige Sport- und Keise- flugzeuge besonderes Kaufinteresse. Rund 600 Vorfiihrungs- fliige legten hiervon beredtes Zeugnis ab. Nehen Flugzeugen wurden von der deutschen Luftfahrt-Industrie besonders auch Gerate und Einrichtungen zur Ausriistung von Flugzeugen und zur Ausstattung von Flughafen gezeigt. Hier wurde erst- malig ein heizbarer Pistenbelag gezeigt, der Start- und Lande- bahnen eis- und schneefrei halt. DaS diese erste Luftfahrt- Sonderschau - die immerhin ein gewisses Wagnis dar- stellte - von einem vollen Erfolg gekront war, bewies der starke Zustrom der Besucher. Am ersten Mai allein waren es rd. 30000, und auch an den kaltesten Tagen und bei anhaltendem Regen ri5 der Besucherstrom nicht ab.

    Zieht man das Fazit der diesjihrigcn Messe, so darf man wohl sagen, dad fast alle Aussteller sehr zufrieden waren und da5 die Mehrzahl ihre Erwartungen iibertroffen sah. Aber wenn auch das begreifliche Ziel jeden Ausstellers ist, miiglichst vie1 Abschliisse oder wenigstens Geschaftsanbahnun- gen mit nach Hause zu bringen, eine Messe wie die Hanno- versche, als Ganzes gesehen, will weit mehr. Man kann diese hoheren Aufgaben nicht besser umschreiben als mit den Worten, die Heinz Thiirner im Auftrag des Bundesvcrbandes der Deutschen Industrie sprach:

    ,Mit dem eindrudtsvollen Zeugnis industrieller Leistung, wie es die Hannover-Messe dokumentiert, sol1 ein Beitrag gestartet werden zur universellcn wirtschaftlichen Entwidtlung der Welt , u. a. mit der Absicht, die Armut der Volker in den unerschlossenen Gebieten durch Versorgung mit Giitern der Technik und dcs Konsums zu mildern und so die Annaherung der Menschheit zu fordern in einer Welt, deren unverzicht- bare ldeale Recht, Frieden und Freiheit bedeuten miissen.'

    Firmen-Kurzberichte

    AEG Allgemeine Elektricitats-Gesellschaft, Berlin-Grunewald Die A E G , einer der Hauptvertreter aus der Industrie-

    Gruppe Elektrotechnik, wartete auch in diescm Jahr mit einem reichhaltigen Angebot aus ihrem Produktionsprogramm auf. Zahlreiche Neukonstruktionen und Weiterentwicklungen bckannter Gerate fur Haushalt und Gewerbe, Me&- und Steuertechnik, Industrie, die Elektrizitatserzeugung und -ver- teilung, Verkehr und Schiffbau, Liehttechnik, Motoren und Stromriehter wurden dem Besucher vorgefiihrt.

    Aus dem Gebiet der Lichttechnik mag die zur Entkeimung von Arbeitsraumen und Abfiillstationen in Kliniken sowie in pharmazeutischen und Lebensmittel-Fabriken entwidtelte neue E n t k e i m u n g s 1 a m p e Erwahnung finden, bei der die Quecksilber-Niederdrudtstrahler Sterisol verwendet werden. Das Hiillenmaterial dieser Strahler ist so gewahlt, da13 keine Ozonbildung in der durchstrahlten Luft auftritt. F i r Kiihl- raume, speziell in der Fleisch- und Fischkonserven-Industrie sowie fur Molkereien werden Sonderanfertigungen in Feucht- raum-Ausfiihrung geliefert. Fur photochemische Unter- suchungen wurden geeignete Tauchlampen rnit Quedtsilber- hochdrudt- und Quedtsilberniederdrudcbrennern gezeigt. Das Progranim der Gerate fur die Fluoreszenzanalyse ist durch Spezialmodelle zur Ausnutzung der Strahlen der Wellen- lange von 254 nip erweitert worden.

    Alpine Aktiengesellschnft, Maschinenfabrik u. Eisengieflerei, Augsburg Wie alle Jahre zeigtc die Alpine AG. wiederum eine Anzahl

    interessanter Maschinen, Neukonstruktionen und Modelle auf dem Gebiet der Zerkleinerung, der Windsichtung und der

    Verarbeitung thermoplastischer Kunststoffe. Seit der Griindung im Jahr 1898 hat sich das Unternehmen auf die Fertigung von Zerkleinerungsmaschinen und Windsiehtern spezialisiert. Der Anwendungsbereich der Maschinen erstredtt sich vom Labor bis zum industriellen Grodbetrieb. In verfahrenstechnischer Hinsicht wird die Planung und Aufstellung kompletter Mahl- und Sichtanlagen sowie Anlagen fur die Verarbeitung von Thermoplasten iibernommen.

    Die Firma verfiigt uber gut eingerichtete Forschungslaboratorien, in denen auder zahl- reichen wissenschaft- lichen Geraten mehr als 100 Maschinen fur Zer- kleinerung und Sichtung vorhanden sind.

    Unter Auswertung einer Fiille von Erfah- rungsmaterial und Er- kenntnissen systemati- scher Forschungsarbeiten iiber Beanspruchung und Stromungsbedingungen im Schleudermiihlenbau hat die A l p i n e AG. einen ganz neuen Typ der P e r p 1 e x - U n i - V e r s a 1 m ii h 1 e n ge- schaffen (Abb.). 500 B

    Alpine Perplex-Universalmuhle

    F E T T E . S E I F E N . A N S T R I C H M I T T E L 60. Jahrgang Nr. 8 1958 716

  • Der umfangreiche Arbeitsbereich zum Fein- und Grobmahlen aller weicher bis mittelharter Matcrialien im trodtenen bis halbtrockenen Zustand kann nun mit dieser neuen Muhle allein bewaltigt werden. Diese Moglichkeit ergibt sich durch mehrere auswechselbare Mahlwerkzeuge, deren konstruktive Ausbildung den Eigenschaften der verschiedenartigen Guter angepadt ist.

    Von den angeboteiien Windsichtern sei der Alfiine M i k r o p l e x - S p i r a l w i n d s i c h t e r Typ MP mit der theore- tisch und praktisch voll- kommen scharfen aero- dynamischen Trennung erwihnt, der einen stell- baren Trennbereich von etwa 2 bis 50 Mikron j e nach Baugrode besitzt. Gleichzeitig wurden schnell- und langsam- laufende S c h n e c k e n - s t r a n g p r e s s e n ge- zeigt und dern Besucher durch eine Reihe inter- essanter madstabgetreuer Modelle eine weitere Anzahl Maschinen aus dern Alfiine AG. vorgestellt.

    Alpine Mikroplex-Spiralwindsichter

    groden Fabrikationsprogramm der

    400 MP

    Askania- Werke AG., Berlin-Friedenau Im Zuge dcr Automatisierung warme- und verfahrens-

    technischer Betriebsvorginge standen bei den Askania-Werken Bauelemente und G e r a t e d e r R e g e l u n g s t e c h n i k im Vordergrund. Das Baugruppensystem des bewahrten hydrau- lischen S t r a h I r o h r r e g 1 e r s ist weiter ausgebaut worden, so dad fur praktisch alle Regelungsaufgaben geeignete Gerate- kombinationen zur Verfugung stehen. Als Neuheit auf diesem Gebiet wurde eine kleine Regeleinheit gezeigt, die als Einzel- regler fur einfache Aufgaben, wic Druck-, Verhaltnis-, Niveau- Regelung und dergleichen eine besonders vorteilhafte Einrich- tung darstellt, weil sie Steue...

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