Beiträge zur pathologischen Anatomie des Ohres

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    14-Aug-2016

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  • Beitr ge znr

    pathologischen Anatomie Von

    Dr. H. Schwartze.

    des Ohres.

    I ,

    Mitis media purulenta. Miliar(uberculose tier Lungei Leber, Milz, Nieren. Peribronchitis exulcerans.

    Aug. F ranz~ 35 Jahre alt, TagelShner ausReissen bel Zeitz~ war am 1. M~irz !866 in die mediclnische Klinik aufgenommen~ starb am 19. April desselben Jahres. P. wotlte frfiher nie erheblich krank gewesen sein, nut eine sehr schmerzhafte Ent- ~iindung des Ohres erinnert er sich als So]dat~ also vor etwa 12 Jahren, gehabt zu baben. Damals soll es nicht zur Eiterang aus dem Ohre gekommen sein, sondern diese s~ellte sich angeblich erst einige Jahre sp~er ein, uud dauerte seitdem, an Intenslti~ weehselnd, zuweilend anch fast ganz cessirend, bls jetzt fort. Bel dieser E~terung hat sioh P. bis zu selnem 33. Jahre immer wohl und kr~iftig befunden. Um dle genannte Zeit entwickelte sich die Lungenaffection schleichend und sehritt unter den gewi~hnlichen Symptomen vorw~irts. Zunehmende YerscMeehterung des Al]gemeinbefindens nS~figte den Kranken zu An,~ang des Herbstes 1865 seine At- belt einzustellen, zeitwelse das Bett zu hiiten, was w~hrend des darauf folgenden Winters framer hilufiger wurde.

    Bei der &ufnahme in die Klinik am 1. Mitrz 1866 land sich eine Infiltration im untern Theil der reehten Lunge. Die genauen Deiails der iibrigen Krankenge- schichte iibergehend~ sel nur bemerkt~ dass im Circulationsapparat keine &bnormi- t~ten nachzuwelsen waren, Beiderseits beztaad ein m~ssiger eitriger Ohrenfluss~ mit

  • O~0 SCHWARTZE: Beitr~ge zur patholeg~sehen Anatomic des CAres.

    Perforation des Trommelt'ells. Die SchwerhSrigkelt war mlissigen Grades, elne Ta- schenuhr wurde beiderseits noch wa.hrgeno~men beim Anlegen an die Ohrmusehe!. Beim YMsalva'schen Versaehe waren beide Tuben sehr leieht durchg~ngig.

    Die linke Pupiile war 5fter etwas welter als die reehte. Die psyehlschen Func- tionen auffallend laugsamer. In den lotzten 14 Tagcn Somnolenz~ aufangs gerlng, allm~lig trainer zunehmend, gleichzeitig such die Scbwerh(irigkeit viel sti~rker wie 5"iiherj erhebliche Vermchrtmg der reehtsseitigeu Otorrhoe.

    Vo~ einer Behandluug des CAres war bet dam hoffnungslosen Allgemeinzustande Mcht die Rede gewesen~ nur reinigende Einsprltzungen waren t~igIich gemacht worden+

    ~'ectionsbefund : 9 h. p. m. Die rechte Lunge enthiilt im mitt]eren and oberen Lappen eine Caveme, ist

    (ibrigcns durchsetzt mit Mitlartuberke]n. Die linke Lunge ist gross und schwer, auf der Schnittfl~:che sehr wenig lufthaltig, ganz durchsetzt mit welsslichen~ triiben Kn~tchen yon verschiedener GrSsse ~md Anordnung. In Leber~ Milz~ Nieren iiberall wenlger zahireiche Miliartnberkel Das GeMrn zeigt an der linken SeRe der Basin in den SuIels ~ie Pin and Araehnoidea stark verdickt, and mit fasten, belnahe k~sig erseheinenden Massen infiltrirt. An den Gef~issen dieser Seite, vorziigllch an der A, lbssa Sylvii zahlreiehe Tuberkel aasitzend; die reehte Gehirnh~Fte zeigt nur ganz geringe Andeutung yon Exsadat and die Gef~sse zeigen keine Tuberkeh Die Geh]rnsubstanz selbst cane Abnormit~tten.

    Die genauere Untersuchung der Gehiirorgane ergab Folgendes: Beide Felsenbelne zeigten yon Aassen naeh Abziehen der Dura mater nlchts

    Krankes. Li~kes Oh.r : GehSrgangsw~nde ohne Eiter. Das Trommelfell sehein~ voltst~ndig

    zu fch[en~ wenn man das Pr~parat. in solcher Lage h~lt, wle man Trommelfell und (~ehSrgaug am Lebeuden zu untersuchen pflegt. Statt des Trommelfells glaubt man nur die mit sp~rllchem Niter bedeckte inneze Wand tier Pauke zu sehen, dagcgen keinc Spur Yon den GehiSrknSchelehen. Erst naeh Fortnahme der vorderen Wand des kniiehernen GehSrgaages ist zu crkennen~ dass der hintere obere Theil des Trommelfelles mit dem ItAmmergriff noeh vorhanden ist Letzterer ist horizontal nach innen gesteltt, weicht sogar etwas nse, h oben ab und ist fast verwachsen mit der inneren Paukenhiihtenwand~ ebense wie der .gauze Ran l des Tromme]fetlrestes. Bei Beriihrung des Hammergriffes mit der Sonde ergibt sieh~ dass derselbe gauz un- beweglich ist.

    Die Tuba Eust. ist durehg~ngig, enthi~lt Wenig E i ter ; ihre Sehleimhaut ist wenig ger~ithet, nicht aufgewulstet.

    Durch die beschriebene Verlgthung des Trommelfellrcstes mit der Labyrinth~vand der PaukenhShle ist die letztere in zwei Abthcilungen gesehieden, deren vordere untere mit Tuba Eust. und GehSrgang: deren hintere obere nut mit den Knoehen- zctlen des Warzenfortsatzes in Yerbindnng steht. Die hintere obcre Abtheilung ist~ wle sich naeh Fortnahme den tegmen tympani zeigt, aasgefiillg yon sulzigemBinde~ gewebe (Granulations,Tewebe) mit farbloser, sergs-schleimiger F]iis~igkeit. Dieselbc Fliissigkeit ist in den horizontalen Zellen des Warzenfortsatzes. Der senkreehte Theil des Warzenfortsatzes ist kleinzetlig~ seine ~iussere Knochenwand sehr dick. Aus dem sulzigen Bindegewebe w~rd der Kopf des Hammers, ge~rennt yon seinem Griffe, herauspr~p~rirt. Letzterer ist dicker wie normal und unfgrmlieh. Der Am- boss ist getrennt yore Hammerkopf; sein kurzer Fortsatz ist in seiner normalen Verbindung, sein langer Fortsatz fehlt g~iuzlieh. Auch die Schenkel des Steigbiigels

  • SCttWARTZE: Beitr~tge zur pathologisehen Anatomie des Ohres. ~1

    fehlen; der Fusstritt desselben ist in seiner Lage, zeigt aber bei Berfihrung kaum eme Spur ,con Btweglichkeit. Nut yore orh~de aus konnte der Fusstritt siehtbar gemazh~ werden. Im irmer~! Ohr zelgte sleh kelne fiir das unbewaffnete Auge er- kennbare Anomalle. Die Fasern des H~irnerven schienen gesund.

    Nirgends war eine Spur yon 0aries.

    Rechtes Ohr: Geh~rgangswi~nde mlt Eiter bedeckt. Trommeifell anseheinend ~iinzlich fehlend~ so lanffe man nKmlich alas Pr~iparat in solcherLage hiilt; wle man das Trommelfelt des Lebenden zu uutersuchen gewohnt ist. Bei genauerer Unter- suehung und For~nahme der vord~,rn Wand des kni~chernen Gehiirganges zeigt sich wie links aueh auf dieser Seite, dass das obere Segment derMembran und eln Rest (!es Sehnenringes an der ~anzen Peripherie noeh vorhanden ist. Das restirende ~egment ist horizontal naeh innea gesteHt, ebenso wle tier Hammergriff, und ver~ ,vachsen mit der Schleimhaut der Labyrinthwand. Dadureh ist d,,'e Pankenh~hle gar~,z in ~bnlicher Weise wie links in zwei vollstIindig" getrennte R~ume abgetheilt, ,[eren unterer mit Tuba uud GehSrgang, deren oberer mit dem~Varzenfortsatz com- munieirt. Der Schleimhaatiiberzug" tier unteren H~e ist aufgeloekert und mit ~,iter bedeekt; die obere Abtheilung und der Sinus horizontalis des Warzenfortsatzes sincl erfiill mit eingedicktem~ gelbem Eite. Die Knochenzellen im senkrechten Theil des Warzenfortsatzes enthalten keinen Eiter~ sondern ~hnliche seriis-sehleimige Fliis- sigkeit~ wie die llnke Paukenh~ihle.

    Das Hammer-Ambossgelenk ist bewegllch. Der Amboss ist eariSs an der iunern F1Kche seines K(irpers und in selnen beiden FortsKtzen. Der knrze:Fortsatz ist nut noeh an seiner Spltze gesund~ die sieh in normaler Yerblndung mit der hint~rn Wand der Paukenhiihle befindet. Der lange Fortsatz ist um die Hgilfte verki~rzt~ tier Rest sehr verd(innt und zerbrechliehe; Gelenkverblndung zwischen Steiffbfigel nnd Amboss aufgehobem Uebrigel~s ist der Steigbiigel votlstiindig vorhanden nncl in normaler Lage, viel lelehter beweg'lieh bei Berfihrung als auf tier linken Seite,

    Die Nervenfasern des Acusticusstammes ohne patholog'ische Yer~uderung. Das inhere Ohr nicht untersueht.

    Steht das Ohrenleidea in einer Beziehung zur lethalen Er- krankung?

    Wie h~ufig an chronischer Otorrhoe Leidende, gerade im besten Lebensalter unerwartet und ziemlieh schnell an neuter Tubereulose der Lungen, des Darmes oder der Hirnhiiute sterben, ohne dass es zur Knoo ehenverschw~rung im Felscnbein gekommen zu sein braucht, ist bekannt und ieh verweise deshalb auf v. T~Sltsch's Anatomie pag. 72. ~. ~riiltsch ist geneigt~ die Tubereulose der ffenannten Organe a]s Secundliraffekt einer elnfach eltrlgen Otitls gelten zu lassen. Dagegen bemerkt Vir- chow ~)~ dass er wiederho|t Kranke gesehen, bei denen bei chronlscher Tuberculose seeundar Caries des Ohres sich e~nstellte. Diese auch sonst bekannte Thatsache kann unm~iglich als Einwand geffen die yon v. Tr61tsch ausgespr6ehene Vermutbung~gehen so]len.

    ~} ~rankhafte ~eschwiilste, :Bd. II, p. 658.

  • ~8~ SCttWRTZE: Beitr~ige zar pathologisehen Anatomic des Ohres.

    Unser Patient war urspriinglieh robust, ohne jede Spur yon tu- bercutrSser Anlage. Ausser dem dutch die Yerl~thung des Trommelfell- testes abgekapselten Horde yon k~sigem Eiter im mittleren Ohro be- stand kein weiterer Eiterherd, yon dem aus die Infection des Blutes und die Entstehung der Miliartuberculose m6glieher Weise abgeleitet werden ktinnte. Freilich war der Verlauf night ein so rapider--Dauer der Krankheit fast 1 Jahr -- wie er flit Tuberculose in Folge yon septiseher Infektion des Blutes Regel ist.

    Besonderes Interesse gew~hrt der beiderseits gleiehm~tssige Ver- waehsungsbefund des Trommelfellrestes ~). Nieht allein der freieRand desselben~ sondern auch der Hammergriff waren lest verwachsen mit der Schlelmhaut der Labyrinthwand. Die Veranlassung zu dieser Verwachsung liegt in der Retraction der Sehne, des M. tensor tym- pani. Bei der Spiegeluntersuehung bei Lebzeiten war dieses Verhalt- hiss nieht erkannt, sondern ein Defekt der ganzen Trommelfelle bei- derseits dlagnosticirt worden. Sehon oben ~,urde angeftihrt, dassaueh bei der ersten Betraehtung des anatomisehen Pr~parates dersetbe Irr- thum Platz greifen konnte. In der That wird es auch in Zukunft sehr schwierig sein, denselben zu vermeiden, sobald niet.t etwa an der obern Peripherie yore Proc. brevis des Hammers eia Stiick sieht- bar bleibt, das bei der Lagever~tnderung des ganzen Hammers naeh unten gerichtet erseheinen muss; vielleieht k6nnte dutch sorgfaltige und vorsichtige Untersnehung mit gekrtimmter Sonde, nattirlieh unter gleiehzeitig'em Gebrauch yon Spiegel und Triehter, der Saehverhalt noch am ehesten bei Lebzeiten eruirt werden. Immerhin hat die Sache ihre praetische Wichtigkeit, wei] bei derAnnahme yon totalem Defekt des Trommelfelles schwerer an die Mggliehkeit yon Eiterretention im Mittetohr gedacht wird.

    Bemerkenswerth ist ferner die carit~se Zersttirung der Gehgrkng- chelchen, w~thrend tibrigens das Schl~fenbein nirgends eine Spur yon Caries zeigte. Sonst pflegen dieselben mit Ausnahme des Hammer- griffes ja ausserordc:ltlich lange der Zersti3rung bei Caries des Felsen- beins zu widerstehen.

    Links waren der lange Fortsatz des Ambosses und beide Sehen- kd des Steigbtigels vollst~ndlg absorbirt~ rechts nur der Amboss defekt~ weleher ~ibrigens in seiner Verbindung mit dem Hammer geblieben war. Dutch Verktirzung des tangen Fortsatzes am Amboss war die Gelenkverbindung zwisehen Steigbtigel und Amboss aufgehoben. Trotz- dem war vor Eintritt der Somnolenz etc. die Uhr noch beim Anlegen

    1) Cf. Pol~tze,r~ Beleuchtungsbilder p, 80,

  • SCHWARTZE: Beltr~ige zur pathologischen Anaomie des Ohres. ~8~

    ~;ehiirt worden. Die erst in den letzten Lebenswochen elngetretene auffallende Steigerung der Harth(irlgkelt kommt natiirl]ch auf die Ge- hlrnerkrankung. Letztere steht se]bstverst~ndlich nicht in unmittel~ barer Beziehung zur Ohraffection.

    H.

    ,}tiffs media purulenta ehronica. Caries der Paukenhi)hle und der Tuba ~us~chii. Centrale Caries necrotica des Warzenfortsatzes. Tubercuiose

    tier Lungen ~und des Dames.

    ] ? r iedr i ch Grosse , 29 Jahre alt, lag im December 1865 und Jaguar 1866 ~n Tuberculosis pulm. auf der med. Klinik und wurde yon mir wegen seines Ohr- [eldens (ifters untersueht und behandelt. Dr. Risel~ damaliger Assistenzarzt der Klinik, gab mlr Gelegenheit, .das Gehiirorgan post mortem genauer untersuchen zu kiSnnen.

    Anaqnnese. P. erz~hIte, zuerst im Januar I865 einen eitrigen Ausfluss a~'~s dem linken Ohr bemerkt zu haben, der slcb ohue Schmerzen elngestelIt hatte. Die Eite- rung soll sich nach elniger Zeit wleder v~er]oren haben uud his zu Anfang December nieht wledergekehrt seln. Sei~dem besteht wieder sehr profuse Eiterung und ein continuirliches, geringes Sausen im linken Ohr. Schmerzen im Ohr oder Kopf will P. w~thrend der ganzen Zelt gar nieht gefiihlt, auch niemals Zuf~ille yon Schwindel- empfindungen gehabt haben. Am 11. December so]l er eiae stErker schlagende Tasehenuhr noch in li/2" Entfernung, veto Proc. mast. deutlieh wahrgenommen habem

    Am 16. December hi~rte er meine Ubr (6 ~ mittlere norm~le H~irweite) gar nioht mehr~ weder yon der Ohrmuschel noch yore Kuochen. Die Umgebung des Ohres win" bei Druck nirgends empfindllch. Dureh den profasen stinkenden Eiter war die Haut am Ohreingang excoriirt. Im TrommelfeI1 war ein dreieekiger Defekt sichtbar im bin- tern, untern Quadranten; das iibrige Tromme]fell mit einer dieken Lage yon mace- rlrtem Epithet bedeckt. An der obern Waud des Gehiirganges nahe dem Rest des Trommelfells sitzt eine kleine kolbige~ polyp~ise Wucherung. Tuba bei Exp. Yal- salvae sehr leicht durchg~tngig.

    Diagnose. Paukenh~ihlenelterung mit Perforation des Trommetfelles. KeinVer- dacht auf Caries.

    Ordo : -Bleil~sung. Am 17. December. Die BleilSsung~ die sehr schwaeh verordnet war~ hatte gem

    Kr. sta~en Schme~ vevuvsaeht, so flass yon deren welterer Verwendung Abstand genommen werden musste und start dessert Ausspritzungen des Obres mit lauem Sa|zwasser mehrmals t~iglieh vorgenommen wurden, die niemais eine Spur yon Schmer- zen erzeugten. Bel heft~ge~n H~ten hat P. stechenden 8chmerz im Ohr. Sonst ist das Ohr wie frllher bel Druck ia der Umgebung etc. nirgends empfindlich. Seit An- ~;endung der Bleil~Ssung ist die Eiterung ohne Foetor. - - Die Eiterung dauerte in gleicher Weise fort; die Tuba war stets leicht durehg~ingig. Die sehr bedeutende Empfindlichkeit bei Anwendung der adstringiren(lenL(isung wurde dutch die Aanahme yon Caries im Felsenbein erkliirt. Am 28. Januar Abends trat eine spontane Ohr-

  • 284 SCHWARTZE: Beitr~ge zur pathologischen Anatomic des 0hres.

    blutung t) ein ohne Schmerz und ohne Wissen desKranken (wobei etwa$1j Blur sieh entleerten). Die Blutung hSrte spontan auf. Am 29. Januar erfolgte der Ted.

    Die Obduction zeigte neben Cavernen in beiden Lungen und tuberculiisen Darm- geschwiiren folgende Ver~nderungen im kranken Ohre:

    Der Geh~rgang enthie]t in seiner innern H~ilftc sehr wenig 'Eiter~ seine Aus- kleidung ist blass~ seine knSchernen WKnde gesund.

    Yore Trommelfetl steht nur ein kleiner Rest noeh hinten-obem Dieser ist roth~ eitrig infiltrirt~ sehr miirbe.

    In der Paukenh6hle fehlt Hammer und Amboss g~inzlich~); ebenso fehlte die Sehne des m. tensor tympani. Die Sclfleimhaut ist dunkelroth~ sulzig verdickt, mit kleinen Extravasaten durehsetzt. An einzelnen Stellen ist der Knochen unter der- selben rauh; am Boden der HShle ist st~irkere Carles~ so dass man bier bei der Beriihrung mit einer Nadet sogleieh durehstSsst. DerBulbus der Y. jugularis gesund. Ebf.nso das Dach der PaukenhShle. Das Ost. tymp. mbae zeigte sieh dutch Caries um das Dreifachc seiner normalen Weite vergrSssert~ such die iibrige knScherne Tuba~ so weit sic am PrKparat vorhanden is~ war cariSs.

    Yore Steigbiige]~ dernur lose in seiner Yerbindung mit fen. ovalis h~ngt: ]st I lur das grausehwarz gef~rbte KSpfehen sichtbar. Das Uebrige ist verdeckt dureh die stark aufgewuls~ete Schleimhaut, die gerade an dieser Stelie am dicksten ist.

    Die Zellen des Wa~zcnfortsatzes stellen eine einzige grosse HShle dar mit ca- riSsen Wandungen. Die Kussere l(nochendecke des Fortsatzes ist in eiaer Dieke yon 2"' noch gesund vorhanden. In der Hiihle lieges mehrere abffestorbene Knoehen- stiieke yon zackigem ~nsehn; ~hnliehe sehwarz gei~rbte ZaekeJ~ sitzen an verschie- denen Stellen der Wi~nde noch mehr oder weniger lest.

    Das innere Ohr ist frei yon 0aries und zeigt iiberhaupt niehts Krankhaftes.

    Hier bestand die Tuberculose schon vor dam Beginne der Ohr- affection und as handclt sich also um einen der gew~ihnlichen Falte yon sog. tuberculOser Caries des Felsenbeins, die wir als Folgezustand der eitrigen Entziindung der Paukensehleimhaut betrachten. Wie so h~ufig bei Tubereul~isen ist wader ira Beginn der Affection noeh in ihrem ganzen Verlauf ein st~rkerer, bohrender Schmerz im Ohr em- pfunden worden, der sonst bei der Knoehenverschwarung im Ohr sin so constantes und aussserordentlieh Clualendes Symptom ist. Die nach der versuchsweisen Anwendung dcr.Bleil~isung elngetretenen Schmero zen brachten zuerst auf den Verdaeht der Oarlesi alle sonst al~ cha- racteristiseh geltenden Symptome fehlten.

    Der bei den Hustenanfallen hervortretende Schmerz im kranken Ohr erkliirt sich vietteieht aus der starken Erweiterung der kn~ichcr-

    t) Cfr. Dies. Archly Bd. II. p. 38. In dem dort beschriebenen Falle yon neuter Caries des Felsenbeins trat ebenialls kurz vor dem Tode eine Blutung aug dem Ohre ein.

    z) Ob dieselben dutch die Eitertmg bei Lebzeiten ausgestossen waren oder ob sie bei der Herausnahme der pars petrosa aus der ~hadelbasis, die ieh in die~em Falle nlcht selbst vornehmen konnte~ verloren gegangen war~ bleibt fraglieh,

  • SCItWARTZE: BeitrKge zur pathologisehen Auatomie des Ohres. :~85

    n(~n Tuba, durch welche der Luflstrom beim Hustcnaet ungew~ihnlich h~ftig elndr~ngen musste.

    Die in der Hiihle des Warzenfortsatzes vorgefundenen Sequester siJ~d in ganz i~hnllcher Weise yon J. Gruber bei tuberculiiser Caries angetroffen und besehrieben worden. (Vg]. Gruber, Caries des Seh]it- fenbeins etc. Fall II I.)

    I l L

    Otitis interna duplex acuta, Faciallsl~hmuu~, Caries der Paukenh~hle.. w~nde und Geh~irku~chelchen; Caries im Proc, mast. Sarcomat~se Wuche-

    rung tier S~ckehen im Vestibulum.

    Hermann Lamm, 21 Jahre alt, ein vo]Ikommen gesunder und sehr robuster Mensch, kam zu Anfang Octgber 1865 mlt einer doppelseitigen acuten Otitis media in unsere policllnische Behandlung. Bet seiner Aufnahme bestand schon seit 14 Tagen beiderseits Otorrho% eben so ]ange ein continuirliches Sausen iu beiden Ohr~n. Die in den ersten Tagen der Krankheit besonders Nachts sebr heftigen Schmerzen h~tten sich bald etwas erm~isslg% waren reehts s~ets intensiver als links gewesen. t'iebererschelnungen scheinen gar nicht vorhanden gewesen zu seth.

    lm 4. October wurde die Uhr links l/~- welt, reehts gar nieht mehr gehSrt; ~om Knoehen beiderseits deutltch. Die HSrwelte besserte sich nieht nach der Luft- touche. Beiderseits war Fil~gerdruck vor und unter dem Ohre sehr schmerzhaft.

    Die Trommelfelle waren perforirt. Durch wiederholte Blutegel und salinische ~bfiihrmlttel ermiissigten sich die Schmerzen naeh etwa 8 Tagen. Dana blieb der 1'. fort aus tier Behandlung~ welt er sich so gebessert filhlte, dass el seine Arbeit wieder aufnehmen konnte.

    Im M~irz 1866 kam er wieder wegen ether hel%igen Exacerbation der ehroni- .'chen Entziindung. In der Zwischenzeit hatte sieh das Uebet sehr versehlimmert. :3el fortdauernder Otorrhoe war das GehSr viel sehlechter geworden. Eine Uhr wurde beiderseits gar nicht mehr gehSrt, weder yon der OhrmuscheI noch yore Kno- .~hem Die Perforationen der Trommelfelle wareu viel grSsser geworden; der innere I'heil des ~ussern Geh(irganges zeigte sich stark gesehwellt. Naeh der niithigen &ntiphlogose etc. zelgte sich nach 14 Taffen die Entziindung so welt erm~sslgt, lass zu adstringirenden Eintr~iufelungen iibergegangen werden konnt6. Danach (Zinc. roll gr. iij ad gj) nahmen die Sehmerzen sofort wleder zu und zwar derartig, dass ganz yon ihnen Abstand genommen werden musste. Die Schmerzen verllessen den Kranken eigentlich gar nicht mehr, yon Zeit zu Zeit traten heftige Exaeerbationen derselben ein. Unterdessen hatte slch eine hartn~ckige diffuse eapill~re Bronchitis entwiekelt, deren wegen P. in die station~re Klinik Anfnahme land. Sehr bald stellte sich Infiltration tier Lunge heraus, die in gauz kurzer Zeit zur Cavernenbil- dung und Pyopneumothorax fiihrte und so in sehr rapider Weise in Zeit yon etwa 10 Wochen den Tod (31. Mat 1866) zur Folge hatte. In den letzten Lebenswoehen bestand eine rechtseitige L~hmung den Fantails.

  • ~86 SCHWARTZE: Beitr~ige zur pathologischen Anatomic des 0hres.

    Die Section zelgte grosse Cavemen in beiden Lungen und rechtseltlgen Pyo- pneumothorax. Am Gehlrn nirgends eine krankhafte Yer~uderunff.

    Nur das l~nke Felsenbein konntc genauer yon mir untersacht werden. Das rechte war nach der Section yon anderer Selte in Anspruch genommcn worden und konnte ich auch spKter niehts Genaueres dariiber erfahren.

    Geh6rgang ~n selner h~iutigen Anskleidung nach innen hoehgradig verdickt und stark ger~thet: darunter der Kno~hen fiberall glatt und gesund.

    Yore Trom~netfel~ und Hammer nlehts ,~orhanden. Das Cavuva ty~n2ani ohne Schtelmhaut, bedeutend erweitert durch Caries der

    Wandungen, besonders naeh der Labyrinthwand zu. Der Amboss gelSst aus der Verbindung mit Stapes~ lag frel in der H~hle und zeigte Caries am K~rper. Der Stelgbiigel sass ganz lose in fen. oval, fiel bei der Berilhrung heraus. Er ist dutch Caries defect~ seine Sehenke] sind ausserordentlleh dilnn, sein KSpfchen fehlt fast g~nzlich. Der Canalis FaIop. ist defect.

    Der Proc. rnastoideus ist ~usserllch gcsund~ seine KnochenzetIen sind dutch Carles zerst~rt, besonders im oberen Thei] des Fortsatzes.

    Die Nerven im innern GehSrgang sind gesund. Schneeke ohne erkennbare Krankheit, Im Vestlbulum llegt eine dunkelroth gef~rbte Gcwebsmasse, die das- se]be zum grSssten Theil erfiillt. Sic zerzupft sich Kusserst schwer und zeigt micro- scopiseh neben sehr zahlrelchen Gef~gssen ein Gewebe~ das zum grSssten Theft aus kleinen~ meist runden oder ox'a]en Zeilen mit verh~Itnissm~sslg sehr sp~rllcher fase- tiger Zwisehensubstanz bestand. Eiter war nirgends im Vestibu]um. Unter dem- selben zcigte slch elne etwa erbscngTosse Stelle mitten in tier sonst gesunden Pars petrosa mlssfKrbig, eari~Ss. Die knSehernen W~nde des Vestlbulum selbst sind voll- kommen gesund.

    In diesem Fa]le bestand die Ohraffectlon vor dem Lungenlelden. Der bls damn ganz gesunde Mann wird yon der heftigen doppelsei- tigen Otitis media befallen, die yon ihm nicht mit der nSthigen Sorg'~ falt beachtct wurde und sehr bald zur Knochenverschwarung fiihrte. Nach 5--6monatlichem Bestande der Ohraffection traten die ersten Symptome der aeuten Lungenphthisls ein, die in 12 V~%chen den Tod herbeif'dhrte.

    IV.

    C~ries der Paukenhi)hle und der Tuba Eust. Trenmmg der Gele~kver- bindungen der Geh~rkn~cheichen.

    Das rechte Felsenbein stammte yon einem 25j~hrlgen Mann~ der am 23. April 1866 an Tuberculosis pulm. auf der medielnlschen Kllnik starb. Ueber die Dauer des Ohrleldens und den Grad der I~I~rst~rung ist mir niches bekannt geworden.

    Geh~rgang. ~~nde mlt Eiter bcdeckt. H~utige Auskleldung des kn~chernen Theiles erheblich verdiekt.

    T~ommelfelt fehlt bls auf eln V-ftJrmigcs Stiiek nach obeu, welches den Ham- mergriff trtigt~ der frei nach unten hervorsteht~ ntcht neerotlsch iat~ v:ber umgeben

  • SCHWARTZE: Bsitrgge zur patholsgisehm~ ,knatemle des Ohre~, ~87

    and scheinbar verl~ngert durch Granulationsgewebe. Veto langen XmbosssehenkeI yon aussen niehts sieh~bar. Der freiliegends TheiI der Labyrinthwand der Pauke is~ bedeckt ~on eingediektem Eider, der sehr test anhaftet, sieh mi~ tier Plnzette in Stricken entfernen lasst und den StMgbtigel verdeekt, r rfuba durehgi~ngig; in ihrem knSehernen Theil Eiter, theilwei~e fehl~ bier die Sehleimhaut und is~ tier Knochen oberfl~ehlich ulcerlrt. Die grosse hor~zontMe Zelle des "VVarzenfortsatzes enth~It eingedlckten Eiter; im absteigenden Theil des Warzenfortsatzes ist serSse ]?tfissig- keit kein Eiter. Sehne des tensor tyropanl %hlt. Chorda tymp. vorhmxden. Der Amboss.. gel5st aus seinen Verblndungen~ liegt frel in der Paukenh~hle naeh h~aten~ mit dem tangen Fort.satz naeh vorn.

    Steigbiigel in sitn, bet Beriihrung beweglieh. Labyrinthwand nnd Beach der Pauke ist unter der dieken Lage vsn k~sigem Eiter oberfl~chllch caries,

    Im inhere Ohr keine flit des unbewaffnete Auge erkennbare Anom~lie.

    V.

    Otitis media purulenta duplex. !lechts mit Defect yon Trommelfelk Hammer, Imboss. Steigb~gel in situ bei Lebzelten erkennbar. Links

    ohne Perforation des Trommelfells,

    S eh m i d t : Demells parMyticus, lift seit mehreren Jahren an doppetseitiger Otorrhoe; starb in eiuem apopleetlformen Anfall. Dis NSrweite Nr die Uhr war f~. 2 ++, L. 3 ++ gewesen. Wiederhslte Untersuehung bel Lebzeiten hatte gezelgt, dass des lJnke Trommelfeli fast g~nztieh fehlte; yon Hammer und Amboss war niehts zu erkennen~ dagegen sehr deutlleh des weissc K6pfehen des :~telgbiigels in der stark gerSthe~en mid aufg'ewulsteten Sehleimhaut zu sehen gewcsen.

    Unter tier iiblichen Behandiung war die Otorrhoe Yermindert~ aber nicht sistirt. Die genauere Untersuehung der Gehgrorgane p. m. zMg'te

    Rechts: Die GehSrgangswiinde mit rahmigem Eiter bedeckt. Des T~'ommelfell fehlt giinzlich his a-at eiuen sehmalen Saran an der obern Peripherie, der horizontal hash innen gestellt ist. Naeh hinten oben an der Perlpherie ist der Steigbfigeikopf yon aussen siehtbar. VoI~ seinem KSpfehen zieht sich nach oben, zu jenem sicheI- f6rmigen Rests des Trommelfelis, eine strangfSrmige Adhgsion, bel deren BerKhrung sich der Stelgbilget gut bewegt. Aueh bei Beriihrung des Trommelfellrestes pflanzt sieh xerrnittelst jener .~dh~sion die Bewegung zum Stelgbiigel fort. Jene Adhgslon b;ldet role der Sehne des m. sta]?edius etwa einen recheck1 Winkd.

    tIammer uncl Amboss fehlen. Die Paukense.hleimhaut ist aufgeloekert, gelblieh. Li~k,) Gehgrgang gesund. Trommdfelt zart, nieht perforirt. Geringe Injection

    am Hammergriff. Die Farbe ist matt~ bl~iulich.rot~. Nirgends zeigt sieh elne con- vexe AusstNpu~g~ aueh nieht naeh tier Luftdusehe. 2otzclem ist die Pat~l~e vo~l 9elbe~n Eitef, Die Geh~rkngehelehen yon normalcr Gage und Bsweglichkelt. Die knBcherne Tuba enthElt Niter; die knorpl!ge nieht. Die Ze]len des Prec. mastsides sind ohne Niter.

    Des innere Ohr erseheint, gesund,

    .~rehi~ t~ Ohre~he~Ikunde IX. l~d. ~0

  • 28~ ~,CHWARTZE: Beitr~ge zur pathologisehen Anatomic des Obr.e,

    I.

    Eitriger Catarrh des Mittclohres, Links ohne Perforation des ~rrommelt~IIes. Tuberculose der ]~ungen.

    Her i~g~ 9-4 Jahre air; lag seit 4 Woehen im Stadtkrankenhaus al~ Tubercu- losis pulmonum: dis ich ihn am 18. MM 1865 untersuehte. Er behauptete, vet Be- glm~ ,sehler Allgemeinerkrankung hie sehwerhSriff gewesen zu sein. Jedenfalls war cr bei seiner Aufaahme in das Krankenhat~s schoI1 auffallend sehwerhSrlg. Er hatte weder Sehmerz noeh Sausen in den Ohren g'ehabt. Vor l& Taffen sell aus dem rechten Ohr einlge Zeit eine gelbliche F]fissigkeit ausffeflossen sein. (~egenwiirtig bestand beiderseits keine Oton'hoe.

    Die Uhr wurde Links beim An|egeu an das Ohr, Rechts in der E~tfermmg "con b--2 ++, veto Prec. mastoides beiderseits deutlieh geh~rt.

    Das reehte Trommelfell ersehien in tier unter~ tt~lfte weiss, zeigte lfinter dem Hammergriff elne klcirte~ rundliehe Oeffnung mlt welsslleben Rg~ndern.

    Das linke 15.ommelfelg war in tote weisslieh g'etrfibt~ zelgte eineu matten und diffusen LieMfieek.

    Die Einfiihrung des Catheters wttrde wegen des sehleeh~en Allgemeinbeflnde~s mlterlassen. Bei Polltzer's Yerfabren empfand der P. eln sgarkes Knattern im linken Ohr. Die ttbrwelte f/ir die Uhr besserte sieh lmerbeblieh danach~ n~mlieh L. auf J/~'+~ R. auf 2,5".

    Drei Tage naeh 4or Untersuehung' starb der Kranke. Die Seclion (12 11. p. m.) zelgte die Sehlelmhaut des Nasenracht~.rat~ms mit

    ra!!migem, gelbem Eiter bedeckt, besonders stark in der ]Luken Hglffc. Das Ost. pbaryng', tubae sin. war volI yon Eiter, ebenso die knorpelige Tuba. Das Ostlum der reehten Tuba frei.

    im rechten Ohr war der 5ussere GebSrgang mit normaiem Cerm-ne~; das Trom- melfell, perforirt hinter dent Ende des Hammergriffes, ~st blass nnd yea diinnelb gelblichen Eiterkrusten bedeekl.

    Die PaukenhShle entb~ilt spgrli~.b eitr{~-Sellleimiges Secret, am melsten am Bodcn. lhreSehleimhaut ist blass, etwas verdiekt. Der tIammergriff ist stgrker nach innen gezogen Ms normal. Die GeIenkverbLudung'en der GehSrknSehelehen yon normaler Bewegliehkeit. Die g.tuze Tuba East. enth~lt viel z:,~hen Sehleim.

    Die Zellen des Zitzenfortsatzes sind Iufthaltig. -= Die KeilbeinhiJhlen angeffill~ mit ffelbem, rahralgel~ Eiter; ibre Scblelmhautmlskleldung stark verdlekt, aufge]oekert.

    Im linkeu Ohr enth~lt der :~iussere Geh~rg'ang wenig Cermne~l; das Trommelfetl ist weiss-blKulicl b auffallend stark ~lgnzend, und zwar nieht allein in tier Geffend ties Liehtkeffels, sondern in seLuer gan.zen Ausdehmmg. Die Outissehieht des Trom- melfelles ist iniieirt , so dass die HammeNefgsse, tier peripherisehe Gef'~sskranz und die radiren Gef'~sse sehgn hervortreten. Am Ende des ttammerg-riffes is~ eine ~io- lett-rgthliehe Stelte, die erzeug~ is~; dureh ela Convolat feiner Cutisgefl~sse. Die Mitre der Membran ist triehterfSrmiff naeh im~en ffezogea, ttinte~' dem Hamraergriff erschebnt ein gelblieher Reflex aus de~r Tiefe, tier bei jeder Stellung des Pri~parates~ ~ogar belm Sehtittela und Aufklopfen diese]be Gestal~ und Lage beh~;tt. Der Reflex ist untea breit und spitzt sieh naeh oben hln zu. Ueber dem Prec. brevis ist eine grubig'e Yertiefunff, etwa 1:5 +" ~ief, welehe im Grunde dureh clue Membran ge- schlossen ist~ so class es nieht m~Sgllch ist~ eine Borste dt~reh dieselbe hindurch in diePaukenhtihle einzufiihr en.

  • SCKWARTZE: Beitr~ge zur pa~ologisehen Anatomle des Ohres. ~89

    Die Pc~ukenhSh~e is~ volI Ei~er~ ihre Sehleimhant blass. Nur sehr sp~rliche Gef~ssinjection auf den C~eh~rkn~ehelchen sich~bar. Die Gelenkverblndungen der- selben gut beweglieho Die Tuba Eust. ~n ihrer ganzen Lgnge mit Eiter. Anch die Zellen des Warzenfortsatzes iiberal! roll Either; ihre Sehleimhautauskleidung verdlekt und gerbthet.

    Naeh Ausspiilung des Eigers aus der PaukenhShle ist der gelbliehe Reflex hin~er dem l-Iammergriff versehwunden, und die Farbe des Trommelfel]s wenlger welsslieh, mehr btgnlieh als vorher geworden. Uebrigens bes~eht der starke Glanz unver- ~ndert fort. Aueh dle Mueosa des Trommelfelles zeigt eln injieirtes Gefgssnetz.

    Das i, nnere Ohr wurde nieht untersaeht.

    VII.

    't'yp|~se Taubheit. (Zwei F~lle.)

    Im crsten Falle handelte es sich wieder mn citrige Entz~indung dcr Pa~lcenhshle mit grosser Perforation des Trommelfelles nach bin- ten und m,.ten, wahrend die Tuba Eust. blass, frei yon Eiter war. Im hintern ThciI der Paukenh~hle und in der grossen horizontalen H~hlc des Warzenfortsatzes lag ein frisches Blutgerlnnsel.

    Im zweiten Falle war die Taubheit central bedingt. Die Person wurde im Typhus schwerh~rig; in der t~econvalescenz trat spontane Besserung des GehSrs ein. P15tzlieh ste]lt'e sieh yon Neuem Fieber ein, abermals Schwerh~Jrigkeit, dazu Haltucinatlonen und DelMen. In kurzer Zeit erfolgte der Tod.

    Die Section ergab ausser den typh~sen Ver~nderungen eitrige Meningitis, die auf die untere Fliiehe des Kleinhlrns besehritnkt war. Die Gehirnsubstanz war nieht besonders blutreich, In den Ven~rikeln wenig Serum.

    Die genaueste Untersuehung der Gchgrorgane, auch des inneren Ohres, zeigte keine bemerkcnswerthe Anomalie.

    111.

    Synostose des Stelgbiigels mit l~nestra ovalis. Strangt'6rmige tttl~aesionen im Ca, yam tympani. Markschwamm im Gehirrt. Amaurose.

    Frau Sehe i f le r war Iange Jahre in einer Irrenanstalt~ blind und taub. Die Blindhei~ war bedingt dureh Atrophle der Sehnerven, deren Ursaehe sieh bel tier Sec~on als :[-Iirn~umor (Marksehwamm) l~erausstell~e. Die Taubheit war ~icht verur- sach din'oh ein iihntlehes Leiden des H~Jrnerven, wic man bel Lebzei~en vermuthet batte, sondern (lurch ein peripherisehes Leiden im Schalleitungsapparat des Ohres.

    Als ieh den Fall bei Lebzeiten untersuchte, land ich die GehSrg~inge auffallend welt und troeken, die Tromrnst fe t le verdiekt, gleichmi~ssig welss-gelblich ge~riibt,

    20*

  • 290 SCHWARTZE: BeitrKge zur pa~hologlschta .~na~omle 4es Ohres.

    glanzlos, ohne centrale Coneavit~t, die Ohrtrompeten beim Catheterisfieu F, ut dureho gingig. Eine Verst~ndJgung mit der Krauken war" noch m~g'lleh, wean man ihr laut in des Ohr schrle.

    Die Untersuehung der GehiSrorgane post mortem zelgt~: Links, des Trommelfdl abgefiacht, undurchscheinend~ gleic.hm~ss]g gelbHch-w~s

    ~etrilbt. Die Schlelmhaut der PaukenhShle weiss, etwas verdickt. Der Hammerkopf dureh mehrfaehe Bindegewebsstr~nge fixirt. Des ~mtere Ende des langen Amboss- schenkels dutch mehrere fe[ne strangfSrmlge Adh~s~enen mlt dem TrommeIfetI ver- wachsen. Eine aus dieser Verwachsung etwa resultireude eharacteristische WStbungs- auomalie am Trommelfell ist nleht ws~hrzunehmen. Des Hammer-Ambossgelenk~ des Amboss-Steigbiigelgelenk slnd v~]lig fl'ei beweglleh, Der S%igbfige] ia seiner Ver- bindung mlt ovalem ]~enster glinzllch unSeweglich and zwar (larch knScherne Ver- wachsung des Stelgbligelfusstrlttes mit dem Rande der fen. ovalis. Die Membran des runden Fensters sehw~rzlich-grau, der Eingang zur Nische des runden Fensters rothbraua gef'~rbt.

    Rechts: da~s Trommelfell ebenso getrfibt wie das linke. Vet dem Ende des Hammergriffe% etwa in der Mitre zwiseheu diesem und der Peripherie der Membran eine ovule atrophlsch~ StelI% die nieht yon scharfen R~ndera umgebeu ist. Pauken- ~ehIeimhaut wie links. om untera End~ des ]angen Ambossschenkels geht naeh dem Trommelfell and der Labyrinthwand zu ein feiner Bindegewebsstrang. Die Ge- ~enkverbindungen der Geh~rknSehelchen slnd gu~ beweglieh bls auf die Steigbiigel- Vorhof-Yerbindung, die such auf dieser Seite vollkommen anehylosirt ist. Dis ~uskelfasern des tensor tympani unct stapedius sind fe~tig entartet. Die Tuba East. ist weir und frei, ihre ~ehlelmhau~ normal.

    Die Acusti~i nleht atrophisch, ihre Nerventhsera auch microseoplseh vor~ uor- malem Ansehen. Genauere Untersuchuug des inneren Ohres nieht vorgenemmen.

    IX.

    Slstirte Paukenhi)hleneiterung mit Perforation beider Tromnlelfe~le uud Kalka,blagerungen, Erschwerte Beweglichkeit beider Steigbt|gel. Dehlscenz

    des liuken Hammer-Ambossgelenkes. D~e 61j~[hri~e Kranke war lange Jahre Pflegllng elner ~ffentliehen Krankenan-

    s~alt~ naeh der Angabe des betreffeuden Arztes fiber 20 Jabre sehwerh~rlg ge~vese~. ~m letztcn Halbjahr derartig, dass sle yea 'elner Tasehenuhr beim Autegen an dic Ohren nlehts mehr h~rte. In der ersten Zelt ihrer SchwcrhSrigkelt sell sie vlel Summen in den Ohren~ sparer bls zum Ende sehr lebhafte GehSrshalluelnatlone~ gehabt haben: d~e sle selbst und ]hre Angeh~rigen f[irchterlieh qu~lte~. Otorrhoe wurde hie bemerkt.

    In ihrer frlihest~.n Jugend hatte die Kr. Var~ol~ gehabt and war seitdem fort- wKhrend krank uud gebreehlich gewese~., vielleieht ~nFolge yon heredlt~rer Syphilis. Im 39. Jahl"e erblindete sic auf beiden Augen dureh Oataract. Der Ted erfolgte an Lungenphthisis.

    Eine Untersuehung der 6eh~rorgaue bcl Lebzelten fund nicht s~tt. Der Seet~onsbefu~d war folgender: Rechts: Grosse Perforation des Trommelfelts, im centra|en The[t~ h~nter dem

    aa~crr~ En3~ des H~mme*~griffes. Irn vordern Segmente tier Membral~ ~st elne grosee

  • SOHWARTZE: Beitr~ige zur pathologinehen Anatomic des Ohren. 291

    halbmondF6nrfige, im hintern obern Segmente eine kteine, rundliehe Verkalkung. Der Hammergriff hat die Riehtung nach vorn, unten, ]nnen. Ursaehe dieser Rieh- tungsabwelehung slnd nieht Adh~sionen den Griffes, nondern, wie es scheint~ allein der Substanzverlust hinter dem untern Ende des I-Iammergriffes. Dan Hammer-Am- bossgelenk ist beweg]ieh. Der Ste]ffbi~ffet ist nchwer bewegllch. Die Paukensch|elm- haut ist nicht erheblich dicker wle normal.

    Das inhere Ohr schie~ ohne Anomalie. Links: Das Trommelfell mit grosser Perforation naeh hinten. Der Rest ist

    stark verdickt~ weiss. Veto Hammer ist nut Prec. brevls deutlich sichtbar. Der Griff weicht stark naoh ,~orn ab. Durch die Perforation hindurch Jst dan nnlere Ende des langen Ambossschenkeis und tier Stelgbiigelkopf slchtbar.

    Das Ham~ter-Ambossffelenk ~st get.rennt. Die GelenkflScho des Ambossk~rpers ist rauh oberfl:dchlich car~tis. Mm. tensor tympani und stapedius atrophiseh. :Erstere~" ist kaum halb so stark wie normal. Die Paukel~sch]eimhaut ist nicht wesentllch ver dickt; der Steigbtigel schwer beweglich.

    Im innern Ohr keln pathologlscher Befund. Der gaazc Kuoohen int nehr sprrSde, schneider sieh ungewtlhnlich leleht mit del'

    Kaoohenseheere,

    X,

    Taubstummi~eit bei negativem anatomischen Befunde in Ohr und Ge;hi~u, Atrophischer Defect des Trommelfells.

    Bet cinem Taubstummen aus der hlcslgen Strafanstalt t~nd /eli bet sorgf~ltlgstcr Untersuchung weder im Gehirn noch in den Gch~r- organen einc wcsentlichc Anoma]ie~ aus welcher die Krankheit h~itte erklt~rt werden kt~nnen.

    Ich will diesen Fall nut deshalb hier erw~hnen, well das linke Trommelfcll einen Defect dutch Atro_pMe der Membran zeigte~ einen Befund, den ich nieht zu den allt~ffllchen zb:hlen kann.

    Beide Trommelfeile waren ~tusserst zart und durchschelnend, das linke in solchem Grade: dass man den langen Schenkel desAmbosses deut]~ch durchscheinen sah. Im hlntern obern Quadranten war eine birnf~irmige Ocffnung' mit zugesch~trften R~ndern. Da weder am Trommelfell noch ht tier Pauke eine Spur yon elner friiher vorher. g'egangenen eltrlgen Entziindung anzutreffen war; so konnte der Defect nlcht als durch VerschwKrung bedlngt angeschen werden. Auch yon ether Bildungshemrnung kann schwerlich die Redo sein~ wail der Defekt nieht bis zum Rande des Trommelfells reieht und auf dem zweiten Ohre ein ~thnlieher Defect nicht vorhanden ist. Fiir das Ent- stehcn des Substanzverlustes dutch Atrophic sprechen die atrophisehe Beschaffenhelt des ~ibri~:en Tromrnelfelles, auch auf dem zwelten Ohre: und ferner die Beschaffenheit der R~tnder.

  • 29~ SCttWARTZE: Beitd~ge zur path,logiseh,,n Anatomic des Ohres.

    Ueber die MSglichkeit des Entstehens van Perforationen durch spontane Atrophic finder sich bet den neueren Autoren nlchts. Nut Druekatrophien sind oft, zuerst -con Ribes and 67~a,essier (Dict. des se. todd. T. 38. p. 30) beschrieben warden. Die sponeane Atrophic als Ursaehe der Perforation wird van Beck 1) angeNhrt und dabei er- w~hnt, dass eine besondere Praedisposition hierzu durch den mangel- haften Ernahrungsproeess~ wie er im Oreisenalter stattfindet, gebildet wird,

    In den Kranken-Journalen der medieinisehen Polikllnik aus K~'~t- ke,~berg's Zeit habe ieh cine ganzo I{eihe van bemerkenswerthen ti3dtlich verlaufenen Ohraffeetionen mit gen,'n, en Scetlonsberichten "mt- gefunden. Ieh will van diesen bisher nieht vcrgffentliehten F~tllen einlge bier anftigen~ mn sic dee unverdientcn Vergessenheit zu ent- zlehen.

    Otitis interna. Caries ossis petrosi, l~hlebitis sinus trausm'si, ,tbseessus metastatid in cerebra et pulmonibus.

    ,Eduard Ktaus , 10 Jahre air, ein magerer und sehw~ehliclmr Knabe, butte h'iiher mittmter an scrofuli~ser Ophthahnie gelitten; seit seiner friiheste~l Jugend l i t ter an Otitis interna des reebten Ohre% die mltnnter exaeerbirte, einen Aus- fluss van Niter uud Blur aus dem Ohre bewirkte, dann wieder lgngere Zeit dem Kranken Ruhe ggnnte. Ungefghr 3 Monate vet seinem Tode ring der Kranke van Neuem an, fiber das Ohr zu klagen, butte viel Schmerzen and rerfiel etwas~ ]ief aber immer noch umber, und lernt.e mit Eifer in der Schule. So verglngen: ohne class etwas gegen seine Krankheit geschah, 6 Woehen. IDa stellte sleh eine neue heftige Exacerbation ein, die den Knaben an das Bett fesselte. Er klagte sehr fiber Sehmerzen im Ohr and reehten Hinterhaupt bis zum Seheitel hinauf~ besonders am prec. mastoid. Berfihrte man hler die Kopfbedeeknngen oder fibre gar einen Druek aus, so stdgerte dies den Sehmerz ausserordeuflicb. J0as Ohr war inwer~dig" jetzt ganz troeken, liess weder Blur noeh Eider ]aufen~ konnte wegen starker Empfind- liehkeit nieht genauer untersucht werden. Die HiSrkraft des rechten Obres v~llJg erlosehen. Die llnke Seite des Kopfes fret van ~'ehmerz. Die Brust frel, kdn Hu- sten, die gastrisehen Organe ansser ~,ennehrtem Durst und Appetitmangel ungestbrt~ die Diurese normal, die tIaut heiss und treeken, Puts 1:~0, ~oll and h:Xrttiel~. Ge- hirnsymlatome fehlten. Der Kr. beklagte sieh wenlger tiber sein Leiden und seinen Sehmerz, Ms darfiber, dass er die ~ehule vers~umen nfiisse. Nine gehSrige Anzahl Blutegel hinter das Ohr~ antil?hlogistisehe Di~t und kfihlende Abfiihrmlttel beseitig-

    ~) Krankheiten des GehSrorgans. Heidelberg und Lmpzig t~27. p. 187.

  • SC~HWARTZE: BeitrKge zur pathologischen Anatomle des Ohres. 293

    ten bald die drJngendsten S)~mp~ome; Jndessen zeigte sieh doch keine entschiedene Besserung der Krankheit. Der heftlge Schmerz in der re~chten Selte des Kopfes liess ~'~war hath, schien of~ ganz weg, dann behauptete dasKind wlederum~ denselben zu haben, und blleb gegen Druck auf dlese Theile empfindlieh. Eines Tages war bei der Lage auf der rechten Seite ein LiSffel Eiter aus dem Ohr geflossen i ohne dues die Krankhelt danaeh remittlrte; das Fieber dauerte fort und tier Krauke sollte naeh Angabe der Mutter des Nach+.s immer delirlre~. Bei Tage war er vlJllig bel sich, beantwortete Alles i nut eJn Sehwindel und eine grosse Erschgpfung fielen auf, d~e ihn verhinderten, aufreeht zu stehen odor zu sltzcm Wenn er dies that, sehwankte er ~vle eln Trunkener und fiel wieder iu die Betten zuriiek. Gegen Ende Mgrz, uno gefiihr 14 Tage, naehdem er in Beh~ndlung gekommen and naeh Beseltigung der ~teut entz[ind}ichen Symptome im Ohr ring der Kranke an~ kurzathmig zu werden, und ste]Ite sich ein kurzer troekener Husten t in; zuglelch fanden sleh ehdg,t ieichte Frostsehauer elu, die unregela~gssig elntraten; naehher in Hitze fiberglngen, aber ohne Krlse dutch ~ehweiss undUrin endetem Sei~ dem 3. April wurden diese Frostanfglle ge,~u beobaehtet und traten in folgendem Typus e~n~" 3/4 42 l~ach-. mittao~s I/~4 Uhr, ~./4 Mittags 12 Uhr, 5./~ Morgens 7 Uhr, 6./4 Morgens ~/~5 Uhr~ 7./4 l\~[orgens ~/~l Uhr, 8./~ ~lorgens 10 Uhr, 8./4 Abends s/47 "Uhr, 9./4 Morgens 9 Uhr (der _Frost nut sehwaeh), 9./~ Abends ~/26 Uhr (sehwaeher Frost), 10./4 Morgens ~/25 Uhr (seh~vachcr Frost), 10./4. Abends 5 Uhr (sehwacher FrosQ. 1L]4 1Morgcns ~/~8 Uhr (schwaeher Frost~ viol Hitze), 13./4 Morgens 1]~5 Uhr (wenig ]~ros~, viol Hi~ze). Mitumer sed~mentirte der Ulqn zlegelro~h~ mltu~ter nlcht, Vou jetzt an kamen nie wieder Frostanf~flle. Der I-Iusten war jetzt vermehr~, kurd. und trocken; so blieb er bls zum To3e, keine Expectoration; der Athera war sehr besch]eun~g~, Stiehe in belden It~lften der ]~rust, besonders in der llnken. Der Kr~nke musste auf dem Riieken liegen; bei Untersuchung der Lungen zeigtc slch die Percussion der linken Infraclavieulargegend etwas matter, ats der rechten~ das Athmen hlcr bronchlal, keln Pfeiffen, Rasseln odor Crepitiren. Einlge Blutegcl an~ die Brnst machten den Athem des :Xranken viol ffeier und die Stiche geringer, doeh duffte wegen der atlm~l~g elngetretenen Anaemie diescs Experiment nleht oft ~iederholt werden. Ob die Frostanfglle yon selbs~ oder dutch das gereiehte Chiain an~hSrten, bleibe unentschieden. Die matte Percussion in dem linken oheren Lungenlappeu~ die hef~ige febrls remit~ens~ der kurze, troekene Husten maehten es wshrsehelnlieh, dass hier tubereullJsb Ablagerungen mit raschem erlauf sich absetzten. In diesem Irrthum ~vurde man noeh best~tigt, ~ls slch die Zange an zu rSthen anfing, dcr Durst immer st~irker wurde, Empfindllch- kelt des Leibes, Durehfall, heetische Schweisse elntraten. Der Puls 130--1~40 des Abends~ sehr schne]l und leer~ der Kranke erdI'ahl und blutleer. So blieb es his zu selnem Ende; wenlg Klage iiber den Kopf, mehr fiber die Brust. Am 2. Mai trat Lungenlahmung ein, derer trots aller Relzmlttel b~18 unterlag.

    Sectio~zsbsfund 28 h. p. m. Die Leiche sehr integer, die Hunt blase und erdfahl, ~velche F~rbung sie schon fin Leben gezeigt hatte.

    Ko2fhdhlen. Na~h Abnahme der Calvaria, ~vobei nut wenlg Blut ausfloss, die dura mater straff und lest fiber das Gehirn gespannt, wie bei einem Wasserkopf; in ihrem con~'exen die Hemisph~ren deekenden Theft keine Anomalie zeigend. Der sinus longitudinalls ist nachzusehcn vergessen worden. Die Araehnoldea an der Oberfl~ehe des Gehirns ein wenig getriibt, die Gehirnvenen alle blutleer, das Ge- him turgid, seine gyrl platt gedriickt. Die Yentrikel sehr gross und ,,volt, a]s h~tten sle friiher Wasser enthalten: ~etzt war jedoeh iu jedem nur 1 Essldffel klares

  • 294 SCHWARTZE: Bei~r~ige znr pathelogisehen Anatomic des Ohres.

    Serum. Ihre Wandungen won norm~ler Consistenz. In der rechten Hemisph~ire im Corpus s~,rlatum und thalamus nerv. opticorum ungeflihr einlge Linien unter der Basis des Yentrlkels eine Gehirnverjauehung yon der OrSsse elner kleinen Wail- 1ross. Ungefiihr yon dieser Gri~sse war hler die Gehh'nmasse in eine gelbgriine~ dickem Eiter thnliehe, geruchlose Erweichung iibergegangen, die mit allmiiliger Schattlrung ins Weisse and atlm~liger Zunahme der normalen Gehitmconsistenz in die gesunde Hirnsubstanz [iberging, ohne dass slob in dot Umgebung tier Yer- jauchung irgendwie elu reaetiver Process zeigte. Die Gehirnsubstanz in ihrem In- ncrn ebeufalis sehr bIutleer. Anderweitige Yerjauchungsheerde wurden im iibrigen Gehirn trotz sorgsamer UntersIIchung nicht entdeekt. Die vordere und mltflere Sch~ide]grube gesund.

    Das kleine Gehirn zeigte an der auf dem os petrosum der reehten Seite aug l iegemen Stelle eine graugriine Verfiirbung im Umfange elner Bohne, die araehnoldea and die ~iusserste Gehirnschichte waren der Sitz der Yerfiirbung. nirgends herum eine reactive Entziindung; die Verf~rbung des Gehlrns drang nur ~/2 Linie tier ein. An der entsprechenden Stelle des os petrosi der reehten Selte der sinus petrosus inferior mit einem Eiterpfropf angefiillt uud mlssfarbig; die darunter und durum liegcnde Knoehenparthic ganz erweich~ so dass man mit der Sonde in die PaukenhShIe stossen kennte. Nach Aufmelsselung der oberen kn~Schernen Bedeekungen des inneren Ohres zelg~e sich das gauze Felsenbeln im Innern zerstiirt~ yell eiaer gelb- grfinen, eitera~tlgen Jauche nod erwelchten~ zerfressenen Knoehentheilehen. Der 7. l~'erv war im Leben in ungestgrter Function gewesen, der HSrnerv aber war ~,oll- kommen gel~ih~~t gewesen. Im Uebrigen das kleine Gehirn and vgrl~ingerte .Mark gesand.

    Bru.sthSMs. hn Pericardium ~iv--~vj hellgelbe% klares Serum ohne plastische Exslldation. Das Herz etwas sehlaff, im linken Vorhof eta kleines, im rechten Ventrikel und Vorhof ein grSsseres Faserstofl~erinnseh Klappen und Endoeardlum gesund. Die Jugularvenen sind Ieider nieht genaaer nachgesehen. Arterlen normal. Die rechte Pleura in ihrem Lungenliberzug, weniger in ihrem Rippentheil getriibt~ und mit plastlseher Lymphe; die in elnzelnen Flocken aufsass~ bedeckt, mehrfache, aber noah leicht trennbare Yerklebnngen zwischen beiden Bl~ittern der Pleura. Ira Car. pleurae ein trlibes, rahmartiges Exsudat von nngef~hr 2 Tassen. Die rechte Lunge zeigte nach ihrer Herausnahme in alien Parthien eine zu feste Consistenz and eiue z~the der Carnification ~ihnliehe Beschaffenhei, die zwischen Hepatisation nnd Oedema palm. in dcr~iitte steht. :Einzelne Parthien knlsterten beim Einsehnitt, die melsten night. In der ganzen Lunge zerstreut~ besonders aber an der perlphe- rischen Schlcht eine grossc Anzahl metasfatiseher Ablagerungen, die sich bei ihrem Sitz dicht nnter der Pleura als run dliche Prominenzen mit gelbgrauer Verf~rbung charaeterislrten und bet ihrem Durehschnitt "Verjauehungsheerde yon Erbsen- bis HaselnussgrSsse zelgten, in denen eine griinllchc, wenig rleetmnde Jauehs war. Rings um diese Heerde eine cireumserlpte duroh RSthung und Granulation des Lungengewebes sieh charac~erisirencle Pnenmonie. Aehniiche Verjauehungsheerde lagen aueh in nicht geringer Meoge mehr in der Tiefe des G~webes. Mehrere dies~r Ablagerungen zeigten noah ihr erstes Stadium; hier waren in der peripheri- schen Schlcht dlcht unter tier Pleura keitf~irmige ihre Basis in der Pleura habende Entziir:dungsheerde, ~meist noah im Studio der Hepatlsation, einzdne in der Mitre schon einen vel:iauchten Kern enthaltend.

    DiG Iinke Pleura ebenfalls entziindet, mi~ p]astischen Exsuda.tionen besetzt nod g.etriibt~ aueh bier frisehe: ]eicht abliSsbarc parflelle Adll~slonen; nod ei~ triibe.~

  • SCtIWARTZE: Beitr~ige zur pathologischen Anatomic des Ohrea. 295

    Exsudat yon 2--3 Tassen. Die Lunge im oberon Lappen eine bedeutende Yer- dichtung zeigenfl, bet Einsehnitt nicht crepitirend, hie und da im untern noeh ere- pitirend. Auch in dieser ganzen Lunge metastatische Abscesse in glelcher Art and Form wie in der rechten gebildet. Die Bronehialdrlisen beider Seiten sehr ge- sehwollen, ziemlieh viol schwarzes Pigment enthaltend and dadureh ein marmorirtes Ansehen zeigeud. In einer Bronehialdrllse der reeh~en Seite eine haselnussgrosse Ablagerung tuberculSser Masse, die beim Durehschnit gleieh Sehmierk~ise zeriloss.

    Ba~ehhShle. Die Leber an ihrer convexen Flii~ehe mit dem Zwerchfell dureh ziemtich feste -kdh~ionen verklebt~ die sich iibrigens noch nicht v(illig zu Zel]ge- webe orga.nisirt hat~en, sondern naeh ge]blieh plastischer Lymphe aussahen, und wohl nlcbt zu alten Urspruugs sein miJgen, lhre Substanz etwas blass, lest, blut]eer, abe* im Innern nirgends Entziindungsheerde odor krankhafte Yer~inderungen zeigend: Galte gelbgriin. Die Milz in ihrer Serosa etwas getriibt und an eiaer Stelle der Ueberzug etwas verdiekt, ihr Gewebe yon der der Milz gewiShnlichen Festlgkeit; ihre F~irbung kirschbraun, an 3 odor 4 Stellen war dicht unter der Serosa and der convexen rl~iehe alas Gewebe 1/4 ZoI1 in die Tiefe gehend and ira Umfange eines Silbersechsers alas Gewebe hellroth mlt seharfer Abgr~nzung gef'SrbL (ielleicht waren aueh dies in dcr Entwlckelung begriffene metastatische Ablagerungsheerde.) Das Pancreas gesund~; die linke Niere und Blase gesund, die reehte Niere zelgte in ihrer oberen YI~lfte elne grosse Einbuehtung in der Cortiealsubstanz, gleleh ether narbigen Einzlehung, doeh war das Gewcbe derselben an dieser Stelle ganz nor- mal~ nicht callSs odor fibrSs: so dass es wahrscheinlieh ein Bildungsfehler ist. Die Mesenterlaldriisen etwas gross, der traetus intestinalis in seiner ganzen L~inge niehts Krankhaftes zeigend. Im Bauch waren circa 1--1t/~ Quart klares hcllgelbes Serum, and das gauze Peritoneum getriibt und weisslicb. ~

    0tltts interaa, Caries ossis petrosi, 6angraena anris externae et partlum circumdantium. Paralysis n. {~eialis.

    ,~ i ]w lne Th ie lemann~ 33/4 J~hr, aus Nietleben, ein schw~chliches atrophi- sehes Kind, das noeh nieht gelaufen war, mit dfinnen Beinen und dlckem Leib. Sei~ ungcf~ihr I/Z Jahr hat es an einem stlnkeaden Ansfluss aus dem llnken Oh~ ge- Ht~a, der Fo]ge einer innern Ohrentzfindunff war, und yon den Eltern ganz ver- naehli~ssig~ wurdc. Ungef~hr 6 Woehen vet dem Tode trat fiber Nacht L~ihmung des n. faeialis dcr leidenden Seite eta; aber erst 3 Tage vor dem Tode wurde die Hiilfe der K]inik i Anspruch genommen.

    Das Kind war in der letzten Zeit unruhiger g~worden: als friiher, hatte bestiindig nach dam kranken Ohre gefasst, - - sehlaflose Niieh~e, vle! Durs t , - und in Zeit yon 2 Tagen wurde die uatere H~tlfte des iiusscren Ohres und die um- ]iegenden Theile hinten bis zum prec. mastoideus, naeh vorn bis auf den auf- steigen(len Ast des Unterkiefers, naeh unten bls i Zoll unter dem Ohrzipfel brandig. Der Brandschorf yon zirkelfSrmlger Gestalt, mit seharfer Demarcations]tale, an der sieh bis zum vlerten Tag, an welchem das Kind starb, aucb eine eiternde cntziindete Gr~inz]inie bi]dete. Am 2. Tage dleser ~i.usserlich slehtbaren Verbrandung trat aus dem Geh~rgang elne Blutung ein. wodureh ungefdhr 1/o Tasse heltro~he~

  • 99~ SCHWARTZE: Beitrgge zi~r pathologischen Anatomie des Ohres.

    Blur in Zeit yon ~/4 St. entlecrt ward~ die Blutung stiltt sich jedoeh yon selbst. Dabei war tier Gernch dieser verbrandeten Theile so ]penetrant, (lass des ganze Zimmer verpestet wurde. Des Kind selbst sehr ~ingstIi~.h, fasste be~t~indlg nach dem Ohr, zerrte daran und starb am 5. Tag'e nach dem ersten Auftreten des Bran~ des i~ den 5~usseren Theilen und am 3. no~eh der Blutung.

    Section 16. h. p .m. Des Gesicht des Kindes entstellt und eingefalten~ die Lelche aufs Aensserste abgemagerg d!e Banchdeeken, obgleieh erst 16 Stunhen nach dem Tode, schon griinlieh verfgrbt. Es wurde nur die Kopfhghle zu iiffnen ver- starter. Naeh AblSsung der Calvarla floss ein wcnig Serum ntis; dura mater ge- ~and, im Sinus longltudinalis ein kleines Bluteoagulum. Die Gef~sse des Gehlrns m:ssig mit Blur angeftitlt, die Subseanz des Gehirns ganz normal~ yon gew~Shnlieher Consisten% in den Ventrikeln wenig Serum. Nach tIerausnahme des Gehirns zeig~e sigh die dura mater an der ~,orderen Wand des Iinken Felsenbeines wie 1 Silber- g'roschen-gross griinlieh verfiirbt; des Gehirn jedoeh war an her entsprechenden S%]le ganz unversehrt gewesen. Diese griinliche crfgrbnng~ die yon Carlos des Knoehens an dieser Stclle herriihrte, war jedoeh wohl ganz frisch, da uoch nlrgends im Umfange reactive Entziindung en~standen. Nach .kblbsung der dura mater veto ganzen Felsenbein zeigte slch hieses vorn an der bezelchne~eu 5te]le~ win nine Erbse gross neerotisirt unh eine griiullehe~ braudlge, stinkende J~uehe war an dieser Stelle unter die dura mater ergossen. Der 7. und 8. Nerv waren selbst vet ihrem Eintritt in den porus acusticus internus schmutzlg griin gefgrbt bis an ihren Ursprung aus dem Gehirn und etwas angesehwollen; ins kleine Gehirn hinein liess sieh dieVerfiirbung nleht mehr bemerken. Des os l?etrosnm wurde anfgehroehen und des innere Ohr blosszulegen versueht; bier war jedoch Alles necrotisirt; tier 7. und 8. Nerv~ die Zellen des Felsenbeines~ d.us innere Ohr~ Alles ia elne grosse brandlge~ sehr stin- ke~de Zersttirung iibergegangea, die Knoehen welch, wle Knorpet~ griin gefgrbt und mit Eiter gemiseht. In her ~usseren Hunt waren am die untere tt~lfte des Ohres, welehe neerotlsirt war, bereits nine reac~i~'c Entzfindung elngctreten: und elne Demareationslinie gebildet, nach innen aber waren dutch Senkung der Brandjauehe und des lgiters li~ngs tier Scheiden des sternoc]eidomastoideus, digastricus etc. der linken Seite alto Weichtheite des Italses bis zum Larynx hi~ab griinlich ~.erfih'b~ und in beginnender Fiiulniss~ ebenso die Theile tiings der Tuba Eustaehii."

    Sectionsbel~nd bei Taubs{ummheit. Tod dutch Peritonitis. ~Ernst Sachse , geb. 14. Mat 1S3st, hat nach Angabe der Mutter bis aura

    3. Jahr geh~rt und gesprochen, ist dann durch ninon Sehlag auf den Kehlkopf spraehlos geworden; itber e~wMge Ohrenkrankheit kelne Anamnese vorhanden. Der Knabe ward Ende 1840 in das Taubstummenlnstituf des Iterrn Elotz alffgenommen, zeJchne~ slch dutch Fiihigkei~ und Fleiss aus, und ward 1849 zu elnem Schneider in die Lehre gegeben. Wegen neuter Peritonitis~ welche sparer chroniseh wurde, war Patient vet 9 \Vochen in die Kllnik des Geheimrath K'ruke~zbe~7 aufgenom- men; sehr abgemattet slorach er ~-enlg" und undeuflich; Ted am 2S. October 1851.

    Das Gehirn fund sich bo ider Section normal~ namentlieh attch der Ursprung des @eh~rnerven, die nervi aeustiei kaum atrophisch. Am Geh8rorgan fund slch bel genauer Untersuehung beiderseits gleiche Fehlerhaftigkcit. Dcr '~iussere Gehtirgang normal~ des Trommelfell siebfgrmig an mehreren Ste]Ien perforlrt, die Peribration gber winder veriegt dureh ein die gauze Trommelhtihle und die Idfindung tier Tuba

  • SCHWARTZE: Beitr~ge zur pathologlschen Anatomie des Ohres. 99~

    Eustachii ausfiillendes, 5dematSses, gef~ssrelches, cholestearlnhaltiges Zel]gewebe, die Cholestearlnablagerung ging an eJnzelnen Stellen nach dem prec. mastoides hin und dicht untsr der Wand des Felsenbeins nach dem sinus transversus in leichte Cholesteatombildung fiber. Die GehSrknSchelchen normal, nut mit erschwerter Ge- lenkbewegung. Die Fenster des innera GehSrganges, Schnecke uud ha]bkreisfSrmlge Kan~le sowohI in den kn~chernen als h~utlgen Theilen normal. Der Aquaedusfus vestibull ungewShn]ich dilatirt.

    Die Brustorgane waren normal, mit Ausuahme der ]inken Lungs. In den klei- hen Aesten der Lungenarterle fanden sieh an mehreren Ste~len PhqJpfe; dis dazu geh~rigen Theile des Parenehyms entweder normal oder an einzelnen Stellen mlt keiW6rmlgsm haemoptolsehen Infarkt. Im untersn Lappen stand mit Arte~ienpfrSpfen elne apfe]grosse, jauehig brandige Abscessh~Jhle in Verbindung~ mlt hepatlslrter Um- gebung and totaler pleuritlscher Adb~slon. Dieser Abscess war mlt dem Zwerehfell wrwachsen und dutch dasselbe hindurch in die Bauchh~hle perforirf; bier war die EiterhShle durch dis mit dem Zwercbfell verklebte ]~iilz und Leber verlegt. Unabh~nglg hievon waren alleUnterleibsorgane mehr sder weniger fest dutch orga- nisirte :Neubildung mlt einander verwachsen" zwischen ihnen zahIreiche abgekap- selte ERerungshShlen mit racist reinem, nicht f~kalem Eiter. Rechterselts fund sich neben dem colon ascendens slne f~ka]e Periton~alei~erung~ worln nament]ich einige Bohnenhtilsen enthalten waren. Hier miindete dutch elne rundliche Oeffnung ~on 1/~ Zo]I Durcbmesser e~ne Perforation des Dickdarmes, einen halben Fuss yon der Diekdarmktappe entfern~."