Augeninnendruck während und nach körperlicher Belastung

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    09-Aug-2016

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  • AlbreehL v. Graefes Arch. klin. exp. Ophthal. 188, 43 53 (1973) 9 by Springer-Verlag 1973

    Augeninnendruck wSkrend und nach k6rperlicher Belastung

    Eine systemat ische Untersuehung unter reproduz ie rbaren Arbe i tsbed ingungen

    I I . S / iuren-Basenhaushal t

    Wolf Kypke, J6rg II611ge und Brigitte Seriba

    Augenklinik der FU Berlin, Klinikum Westend (Direktor: Prof. Dr. reed. J. Wollensak)

    Eingegaalgen am 14. lVfai 1973

    Intraoeular Pressure under Physical Stress

    A Methodical Investigation under Reproducible Conditions II. Acid-Base-Parameter

    Summary. Standard-load-tests on the bicycle-ergometer up to 250 Watt were performed on 50 healthy individuals of both sexes. In three experimental runs intra- ocular pressure, arterial pH, base-excess and arterial pCO2~ were measured. A high significant correlation between intraoeular pressure and metabolic acidosis during and after muscular exertion was found.

    Zusammen/assung. Bei 50 jugendliehen Versuehspersonen beiderlei Geschleehts wurden standardisierte Belastungsversuche bis 250 Watt auf dem Fahrradergo- meter durehgefiihrt. Wghrend und naeh k6rperlicher Arbeit wurden in drei Ver- suehsanordnungen Augeninnendruek, arterieller pit-Weft, base-excess, Standard- biearbonat und arterieller Kohlens~urepartialdruek gemessen. Es konnte ein signi- fikanter Zus~mmenhang der Augeninnendrueksenkung mit der bei der Muskelarbeit auftretenden metabolischen Acidose gefunden werden.

    In dem I. Tell der Untersuehung konnte eine eindeutige Augeninnen- drueksenkung w/~hrend und naeh starker k6rperl ieher Belastung naeh- gewiesen werden.

    Ahnliche, sehon frfiher gemaehte Beobaehtungen anderer Autoren haben immer wieder die Frage naeh dem Meehanismus dieser Druek- senkung aufkommen lassen. De Jong und Wolff (1930) glaubten, naeh Nuskelkr~mpfen eine druekerniedrigende Substanz gefunden zu haben, die sie , ,Ant i tonon" nannten. Kfiehle und Rohrsehneider konnten dann 1957 naehweisen, dal3 diese Substanz nieht existiert und suehten naeh anderen Zusammenhangen mit dem Muskelstoffweehsel. Ihre experi- mentel len Ans~tze fiber den EinfluB yon Milch- und Brenztraubens/ture

  • 44 W. Kypke et al. :

    auf den Augeninnendruck wurden zuletzt yon Marcus u. Mitarb. (1970) fortgefi ihrt. Ihnen gelang der Nachweis, dab die genannten sauren Stoff- wechselprodukte in einem hohen Mat3 fiir die Drucksenkung nach k6rper- licher Arbeit verantwort] ich zu machen sind.

    Von einem ganz anderen Ansatz her besch/~ftigen sich neucre Arbeiten yon Bictt i et al. (1972) mit den Zusammenhgngen zwischen Acidose und Augeninnendruck sowie dem Einflul3 arteriel ler Gasspannungen auf den Augeninnendruck (Kaufmann et al . , 1972).

    Nun ist aber seit langem bekannt, dai3 schwere kSrperliche Arbeit mit einer mctabol ischen Acidose cinhergeht. Aufgabe und Zie] der Unter- suchung war es daher, die gefundene Drucksenkung mit den Ver/inde- rungen im Sgurenbasenhaushalt zu vergleichen uud evtl. Zusammenhgnge aufzuzeigen.

    Untersuchung und Methodik Ffir die Versuchspersonen und die Versuchsanordnung gelten die im Teil I der

    Arbeit gemachten Angaben (Albrecht v. Graefes Arch. Klin. exp. Ophthal. 186, 91--104 (1973). Vor jedem Versuch erfolgte Blutabnahme aus dem mit FinMgon hyper~misierten Ohrl~ppchen. Das Capillarblut wurde in heparinisierte Glasr5hr- ehen gefdllt und anschliel~end untersucht. Die Bestimmung des pH-Wertes erfolgte direkt nach der Mikromethode yon Astrup. Durch ~_quilibrieren des tllutes mit bekannten C0e-Konzentrationen wurden Standardbicarbonat, art. Kohlensg~ure- partialdruck und base excess nomogrammatisch ermittelt.

    In Serie 0 wurde auf dem Fahrradergometer im Liegen in Stufen yon je 50 Watt und 5 min belastet. Aufgrund ihres ~hnlichen k5rperlichen Leistungszustandes sind 15 der 25 Teilnehmer in Tabelle 1 zur Bewertung zusammengefM~t.

    Die Blutentnahme erfolgte zu Beginn des Versuches, in der 3.--5. min jeder Belastungsstufe, sowie in der 3. und 10. min nach Arbeitsabbruch.

    Tabelle 1. Mittelwerte mit Standardabweichungen der Serie 0 (n ~ 15)

    Ruhe 50 W 100 W 150 W Max.Be- 3 rain 10 min lastung post. post.

    Arterieller 7,423 7,417 7,394 7,351 7,333 7,298 7,339 pH 4-0,028 ~0,028 ~=0,039 -t-0,037 pCO~ 40,60 41,9 41,35 37,31 35,11 32,16 31,90

    -4-3,14 d- 2,94 4- 3,29 3,68 d- 1,51 3,25 3,79 BE 1,55 1,86 0,99 --4,65 --6,31 9,54 --7,06

    ~-0,98 ~- 1,07 4- 2,62 1,76 ~- 2,09 i 2,75 3,89 SB 25,85 26,12 24,80 20,96 19,58 17,35 18,87

    d= 1,22 ~1,32 q- 1,94 ~ 1,88 ~ 1,67 i 2,15 ~= 2,82 Tens. P~A 16,06 14,60 12,60 10,60 9,20 8,61 11,86

    ~- 2,84 d= 1,80 4-2,12 1,9 1,63

    Tens. LA 16,26 14,96 13,30 10,10 9,06 8,53 11,73 :~ 2,82 =]=2,35 -t-1,58 i l ,85

  • Augeninnendruck wiihrend und nach k6rperlicher Belastung 45

    In Serie I wurde in gleieher Abstufung, jedoch im Sitzen belastet. Es nahmen 13 Versuehspersonen teil. Capillarblut wurde vor Versuehsbeginn, bei 50 Watt, bei Maximalbelastung und ebenfalls in der 3. und 10. min naeh Arbeitsabbruch ge- wonnen.

    In Serie II erfolgte die Arbeit wieder im Sitzen, die Belastung wurde alle 2 min um 50 Watt bis zur Erseh6pfung gesteigert. Blutentnahme erfolgte vor Beginn des Versuehs, in der 3. und 10. Erholungsminute, sowie alle folgenden 10 min his 50 min nach Arbeitsabbrueh.

    Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen

    I. Arterieller pH-Weft Serie 0 - -2

    Der Ausgangswert yon pH 7,42 in der Serie 0 blieb bis zu 50 Wat t Belastung praktisch unver&ndert und sank bei schwerer Arbeit yon 150 Wat t an signifikant ab. Die Tiefstwerte wurden mit pH 7,29 in der 3. min nach Arbeitsabbruch gemessen. Bis zur 10. Erholungsminute er- folgte ein Wiederanstieg auf einen p i t -Weft yon 7,34 (vgl. Tabelle 1).

    Der Abfall des pH-Wertes in der Serie 1 w&hrend der Belastung mit nachfolgendem Wiederanstieg in der Erholungsphase unterschieden sich bis auf geringe Differenzen der Absolutwerte nicht yon der Serie 0 (vgl. Tabelle 2). Auch in der Serie 2 (vgl. Abb. l, Mitre) sank der pH-Wert am Anfang der Ergometerarbeit erst ]angsam, mit zunehmender Belastung dann sehneller ab und erreichte seinen Tiefstand yon 7,26 in der 3. min nach Arbeitsabbrueh. Naeh 30 min war sehon wieder ein pH-Wert yon 7,39 erreieht und naeh 50 min wurden die Ausgangswerte yon pH 7,44 gemessen.

    Tabelle 2. ~ittelwerte mit Standardabweichungen der Serie 1 (n = 13)

    Ruhe 50 W 100 W 150 W Max. Be- 3 min. 10 rain. lastung post. post.

    Arterieller 7,396 7,383 - - - - 7,296 7,271 7,331 pI-I 4-0,017 4-0,026 4- 0,046 4-0,048 ~_ 0,061

    pC02~ 36,91 3,69 - - - - 31,31 28,92 27,05 4- 3,69 4- 4,53 @ 5,34 ~ 4,92 4-6,40

    BE --1,85 --3,16 - - - - 10,15 @10,16 --10,38 4-1,56 4-1,86 4-2,95 4-8,07 4-t-4,87

    SB 22,89 21,61 - - - - 17,01 15,60 17,00 4-1,16 4-1,34 4-1,76 4-2,26 4-3,08

    Tens. RA 15,73 14,85 13,77 12,15 9,27 9,13 12,62 ~=2,42 4-1,88 ~-2,45 ~-3,26 4-3,33

    Tens. LA 15,31 14,50 13,39 11,96 9,35 9,08 12,50 4-2,11 ~ 2,04 4-2,09 4-3,15 4-3,23

  • 46 W. Kypke et a l . :

    mmH( 20

    16

    o =

    8

    7,4

    {73

    I I n=12

    : I i LA : :

    : . il

    Watt oc~ ooc. ou~c~

    I I I Belastung

    Ruhe 7,5

    Watt o ol o oo~1

    10 20 30 410 min 510 &bbruch Erholung

    n =11

    r i Belastung 3 10 2'0 30 10 min 5'0

    Ruhe ~,bbruch Erh01ung

    m,~,q / ~ n=11

    -4 I

    m-8

    Belastun m' ' 'g' 3 1; 2; 3i0 4'0 min 5'0 Ruhe Abbruch Erholung

    Abb. 1. Serie 2: Vita-maxima-Belastung auf dem Fahrradergometer. Ordinaten: Tension (getrennt fiir reehtes und linkes Auge), pH-Wert, base-excess. Abszissen:

    Belastungsstufen (in Watt) und Naehbeobaehtungszeit

    Zu dem Verhalten des Augeninnendruckes wghrend und nach Ergo- meterarbeit konnte eine sehr enge Beziehung festgestellt werden, wie auch aus Abb. 1 oben und Mitre hervorgeht. Beide Kurven verlaufen

  • Augeninnendruek wS~hrend und nach k6rperlieher Belastung 47

    m ~,q / 28

    24

    l eo

    o 20 " r

    I I n =11

    16 Watt oo c

    o v,

    12 -Nr-f~ I i i i i

    ~ Beiastung 3 l0 20 310 A0 min 5r0 Ixune ~,bbruch Erh01ung

    40 I mmi-I n=ll

    36 I

  • 48

    oktpH 7`45-

    z4-

    7,3-

    7.2-

    W. Kypke et al. :

    9 9

    Regression ektpH Tension RA

    r = 0,63 cc < 0,1% akt pH = 7,17 +0,01 'Tension

    mmHg

    , Appl. 19 20 mmHg

    BE . l . - mEq/[

    2-

    0-

    -2 -

    4-

    6-

    8-

    10-

    12-

    14-

    16-

    = 9 @

    O

    O

    @

    9 Q

    @

    @

    @

    O O

    Regression BE Tension IRA)

    r = 0,57 o~ --< 0,1% BE= -18,49.1,09 "Tension

    mmHg

    @

    9 9

    1 3 5 ? 8 111 13 15 117 19 Applangtion mmHg

    Abb. 3. Serie 2: Regressionsgerade und Korrelationskoeffizienten, oben ffir die Beziehung zwischen pH-Wert und Augeninnendruck, unten ffir base-excess und

    Augeninnendruck

    Von einem Ausgangswert von =- 2,0 mval/1 erfolgt erst langsamer, dann steiler Abfal l bis anf - -11 mval/1 in der 3. Erholungsminute. Im Gegen- satz zum Verhalten des arteriel len pH-Wertes, ist naeh 50 min die Aus- gangslage noeh nieht ganz erreieht.

    Zu der Augeninnendrucksenkung bes~ehen enge Beziehungen. Der Korrelat ionskoeff iz ient zwisehen BE und Tension fiir die Serie 0 betr/~gt : r = 0,79 (~ = 0,1%), die dazugehSrige Regressionsgerade lautet : BE = - - 19,0 @ 1,3 Tension (mm I-Ig). Die entspreehenden Werte fiir die Serie 2 lauten : r = 0,57 (~ - - 0,1%), BE= - - 18,5 @ 1,09 Tension (ram Hg) vgl. Abb. 3 unten).

  • Augeninnendruck wghrend und n~ch kSrperlicher Belustung 49

    HC03 mEq/ I

    pCO2a z,2. mmHg

    /.0-

    38-

    36-

    34-

    32.

    3o.

    2g 1 27

    25

    23.

    21.

    lg'

    17,

    15

    13

    e g 9 9

    @ 9 9 9 9 9 . . . 9

    |

    t 9

    i =

    Regression HCO 3 Tension RA

    r - 0,58 OL ~ 0,1% HCO 3 : 10,53.0,81 Tension

    mmHg

    2'0 Applonation mmHg

    @

    i

    I i

    2.

    Regression : pCO2a

    9 Tension r = 0,/.5 d =

  • 50 W. Kypke et al. :

    schnell, dann langsamer. Der Ausgangswert yon 25,5 mval/1 ist 50 min nach Beendigung der Arbeit noch nicht ganz erreicht.

    Die Beziehungen zur Tensionssenkung stellen sich wie folg~ dar: Der Korrelationskoeffizient zwischen SB und Tension ffir die Serie 0 betr/~gt r=0,82 (~0,1%) , die entsprechenden RegTessionsgerade wird rait SB~9,19-[-1,1 Tension (mm Hg) (syx=l ,83) beschrieben. Fiir die Serie 2 lauten die entsprechenden Werte : r = 0,57 (g ~ 0,1%), SB = 10,63 ~- 0,81 Tension (mm Hg). Vgl. Abb. 4 oben.

    IV . A rterieller Kohlens5urepartialdruck (pC02~)

    Serie 0--2

    Der pCO2a w/~hrend kSrperlicher Belastung gibt Aufschlul~ fiber die respiratorischen Kompensationsmechanismen. Wie aus Tabelle 1 ersicht- lich ist, korarat es zun/~chst bis zur 100-Wattstufe zu einem geringen, wenn auch nicht signifikanten Anstieg. Von 150 Watt an folgt ein rasches Absinken des Kohlens/~urepartialdruekes, dieser Abfall h/s bis zur 10. Ruherainute an. Von einem Ausgangswert yon 40,5 mm Hg ist der pCO~a bis auf 32 mm Hg abgefallen.

    In Abb. 2 unten sind die entsprechenden Ver/~nderungen Ifir die Serie 2 dargestellt. Der Tiefstwert wird erst 10 rain nach Arbeitsende erreicht, in der 50. min ist die Ausgangs]age noch nicht roll wiederher- gestellt.

    Der Korrelationskoeffizient zwischen pCO~a und Tension betr/~gt r = 0,67 (~ = 0,1% ), die l~egressionsgerade lautet: pCO2a ---- 23,5 d- 1,1 Tension (ram Hg). Die enr Wer~e ffir die Serie 2: r =0,45 (a = 0,1% ), pCO~a ~ 26,2 ~ 0,52 ~ Tension (mm Hg).

    Zusaramenfassend 1/~l~t sich folgendes festhalten :

    1. Es besteht ein signifikanter Zusamraenhang zwischen metabo- lischer Acidose und Augeninnendrucksenkung w/~hrend und nach kSrper- licher Arbeit.

    2. Die Korrelation ist enger, wenn man sic nur bis zur 10. rain nach Arbeitsabbruch berechnet, sic bleibt aber his zum Erreichen der Aus- gangslage signifikant.

    3. Die Anfangswerte werden sowohl bei der Tension als auch bei den Parame~ern des S/~urenbasenhaushaltes nach einer Stunde ann/ihernd wieder erreicht.

    4. Eine Aufschltisselung der einzelnen Parameter naeh ihren ursKeh- lichen Zusammenh/ingen mit der i.o. Drucksenkung ist nieht raSglieh. Die engste Korrelation bes~eht zura pH-Wert, dann folgen Standardbi- earbonat und base excess und an letzter Stelle der arterielle Kohlensi~ure- partialdruek.

  • Augeninnendruck w/~hrend und nach k6rperlicher Belastung 51

    Diskussion

    Um die Ver/~nderungen zu verstehen, die der Augeninnendruck w~hrend und nach dynamischer Musketarbeit bis zur ErschSpfung durch- lauft, ist es notwendig, die zu gleicher Zeit herrschenden Stoffwechsel- verh/~ltnisse zu kennen. Derartige Zusammenh/~nge lassen sieh am besten bei Ergometerbelastung untersuchen, da diese quantitativ erfaBt und gut reproduziert werden kann (Astrand, 1952 ; Mellerowiez, 1962).

    Beim gesunden Jugendlichen f~hrt die steady-state-Belastung bis zu 50 ~u zwar zu einem Anstieg von Pulsfrequenz und Blutdruck, an den Parametern des S/~urenbasenhaushaltes finden sich jedoch noch keine signifikanten Ver/~nderungen. Die Erkl/~rung hierftir licgt im Muskelstoff- wechsel selbst. Erst bei st/~rkerer Belastung kommt es zu zunehmend anaerober Energiebereitstellung aus der Muskelzelle. Die Abbauprodukte, der Glykose, vorwiegend Milchs/s und Brenztraubens/~ure, werden in den Kreislauf ausgeschwemmt und beanspruchen die Pufferkapazit~t des Blutes: Bei maximaler Arbeit erfolgt zusgtzliehe Energiebereitstellung aus dem Fettstoffweehsel (Keul, Doll, Keppler, 1966), so dab welter saure Metaboliten in Form yon Aceton,/~-Hydroxybutters/~ure und Acet- essigs/iure in das venSse Blur abgegeben werden. Dieser l~berschuB an organischen S/s bewirkt einerseits ein Absinken des pH-Wertes, Ab- nahme yon base-excess und Standardbicarbonat, andererseits eine Zu- nahme dcr Serumosmolaritat (Marcus et al., 1970; Stewart et al., 1970). Ein kompensatorischer Ausgleich der entstandenen metabolischen Aei- dose wird erreicht durch die schnellere und vertiefte Atmung, wobei ver- mehrt CO 2 abgegeben wird, entsprechend sinkt der arterielle Kohlen- ss Auf die Messung der Osmolarit/it in den eigenen Ver- suchen wurde verzichtet, da Stewart u. Mitarb. (1970) Vergleiche yon Augeninnendrucksenkung nach Muskelarbeit und Glycerininfusion an Menschen durchgeffihrt haben. Sie konnten nachweisen, dab die Tensions- senkung nach kSrperlicher Belastung fast um das Doppelte hSher ist, als allein aufgrund der Osmolarit~tszunahme zu erwarten gewesen w/~re.

    Zu /~hnlichen Ergebnissen kamen Marcus u. Mitarb. (1970), sowohl beim Menschen als auch im Tierversuch. An Kaninchen prfiften sie auBer- dem durch Infusion yon isoosmotischer Salzs/~ure den EinfluB der Acidose. Sie fanden einen signifikanten Zusammenhang, die Augeninnendruck- senkung aufgrund der Aeidose allein erreichte jedoch ebenfalls nicht das nach kSrperlicher Belastung gefundene Ausmal~, hielt aueh nieht so- lange an.

    Inwieweit bei kSrperlicher Arbeit das Absinken des arteriellen Kohlen- s'~urepartialdruckes eine Rolle spielt, l~Bt sich aus der gew/~hlten Ver- suchsanordnung nicht sehlieBen. Wenn man yon den Untersuchungen Kaufmann's (1971) ausgeht, der bei Hyperventilation eine signifikante

    4*

  • 52 W. Kypke et al. :

    Korrelation zwisehen Tensionssenkung und pCO2a gefunden hat, mu~ man den Abfall der arteriellen Kohless w~hrend und naeh sehwerer Belastung als weiteren drucksenkenden Faktor mit in Erw~gung ziehen, auch wenn die Hyperventflation bei den eJgenen Unter- suchungen eine respiratorische Kompensation der metabolischen Aeidose darstellt.

    Zusammenfassend kann aufgrund der Ergebnisse anderer Autoren und aufgrund der eigenen Versuchsreihen folgende Vorstellung ent- wiekelt werden :

    W~hrend dynamischer Muskelarbeit finder h~ufig schon bei Puls- frequenzen bis zu ]00/min eine leiehte Augeninnendrueksenkung start. Diese steht nicht Lu Zusammenhang mJt Ver~nderungen der Serumosmo- larit~t, oder des S~urenbasenhaushaltes, sondern ist wahrseheinlieh durch Verbesserung der StrSmungsverh'~ltnisse, insbesondere durch vertiefte Atmung mit verbessertem venSsen Einstrom in den rechten Vorhof zu erkl~ren (Leighton, 1970). Bei zunehmender Belastung bis zur ErsehSp- lung sinkt der Augeninnendruck welter bis 40 % unter sehlen Ausgangs- wert und dieses Absinken erfolgt gleiehzeitig mit ErhShung der Serum- osmolarit~t (Marcus, 1970), sowie zunehmender metabolischer Acidose. Ebenso gleiehzeitig erfolgt der gemeinsame Anstieg der Parameter, bis etwa eine Stunde naeh der Belastung die Ausgangswerte wieder an- n~hernd erreieht sind.

    Damit erseheint experimentell gesichert, dai~ das Zusammenwirken yon metabolischer Aeidose und Zunahme der Serumosmolarits die wesentlichen Faktoren sind, die zur Augeninnendrueksenkung w~,hrend und nach kSrperlicher Belastung ffihren.

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  • Augeninnench'uck wg~lu'end und nach kSrperlicher Belastung 53

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    Dr. W. Kypke Augenklinik der Freien Universitgt im Klinikum Westend D-1000 Berlin 19 Spandauer Datum 130

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